CHIARA GEHT IHREN WEG - Cinzia G. Agostini - E-Book

CHIARA GEHT IHREN WEG E-Book

Cinzia G. Agostini

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Beschreibung

Chiara Schönfeld reicht es! Schon wieder hat ihr Mann Peter eine Affäre. Von wegen Ausrutscher! Sie denkt an ihre fünfjährige Tochter Carlotta, die ihren Vater vergöttert und kommt ins Grübeln. Beruflich ist Chiara die toughe Geschäftsfrau, die mit Weitsicht und Klarheit agiert. Und privat? Als sie eines abends nach Hause fährt, trifft sie ihren Nachbarn Maurice und geht spontan mit ihm essen. Dieses Treffen fühlt sich so unbeschwert und leicht an. Jetzt weiß sie, was sie will. Sie trennt sich von Peter, fährt nach Italien und ihre schlummernden Lebensgeister kehren zurück. Doch …? Maurice geht ihr nicht mehr aus dem Kopf! Bevor sie weiter nachdenken kann, reist ihr Mann Peter hinter ihr her und will sie zurück…

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Seitenzahl: 546

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Cinzia G. Agostini

CHIARA GEHT IHREN WEG

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Danksagung

Vorwort

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Nachwort

Impressum neobooks

Danksagung

Für die beste Tochter der Welt!

Meine liebe Chiara! Danke für deine Unterstützung, ohne dich würde das Manuskript weitere Jahre in der Schublade liegen.

Danke Walli, dass du immer an mich geglaubt hast, selbst wenn ich verzweifelt vor dir stand. Du hast mir Mut gemacht und mich bestärkt weiterzumachen.

Last but not least…

Liebe Gitta, vielen Dank für deine tatkräftige Hilfe, deine Unterstützung, deine konstruktive Kritik, deine Korrekturen und deine Anregungen.

Vorwort

L'amore è qualcosa di meraviglioso! Ci fa irradiare e dona calore. Se non conosci questa sensazione bella e leggera che ci affascina, il leggero formicolio allo stomaco, come se un leggero battito d'ali della farfalla ci tocchi. Chi si chiude per amare, si porta in solitudine.

Liebe ist etwas Wunderbares. Sie lässt uns strahlen und gibt wohlige Wärme. Wer kennt es nicht dieses schöne und leichte Gefühl was uns gefangen nimmt, das leichte Kribbeln im Bauch, als wenn ein sanfter Flügelschlag des Schmetterlings uns berührt. Wer sich der Liebe verschließt bringt sich in die Einsamkeit

Kapitel 1

Kein Sonnenstrahl kam durchs Fenster. Es war ein grauer, nicht sehr schöner Tag. Außerdem war es viel zu kalt für diese Jahreszeit. Ich mochte diese Tage nicht, im Geiste sah ich mich auf der Terrasse vom Hotel Olivi in Italien sitzen und träumte so vor mich hin, als ein fürchterlich lauter Klingelton mich aus diesem Tagtraum riss.

Das Telefon klingelte erneut.

Völlig entgeistert starrte ich den Apparat an, wer sollte mich anrufen!? Doch dann kam ich langsam, aber sicher, wieder in die Realität zurück. Da wusste ich, dies ist ein ganz normaler Arbeitstag; ich sitze in meiner Firma.

Ich habe eine Werbeagentur und arbeite mit etlichen Kunden, die in der Kunstszene angesiedelt sind, zusammen. Ich unterstütze meine Kunden mit pfiffigen Ideen und biete zusätzlich Versand-Aktionen an. Mal sind es Flyer, mal originelle Werbeideen, die den Künstler ins Gespräch bringen sollen.

Sicherlich gab es mal wieder – irgendetwas Oberwichtiges - was sofort und gleich und stehenden Fußes erledigt werden sollte.

»Ja, Chiara Schönfeld! «

»Guten Tag, hier spricht Erno Klausen! «

»Ach, Guten Tag, Herr Klausen, wie geht es Ihnen? «

»Gut! «

»Was kann ich für Sie tun? «

Wahrscheinlich kommt Herr Klausen jetzt mit einer Sonderaktion auf mich zu, dachte ich. Ich war gespannt.

»Ich benötige ganz dringend ein Angebot von Ihnen!

Uns schwebt vor, dass sie an etwa 3500 Adressaten Flyer versenden. Wir haben Termindruck, es muss innerhalb von zwei Tagen bearbeitet sein! Schaffen Sie das? «

Also richtig gedacht! Jetzt kommt bestimmt noch der Satz: Es darf aber nichts kosten!

»Na, Herr Klausen, um was geht es denn da? «

»Wir müssen eine ganz besondere Promotion Aktion starten, aber Sie wissen, es darf nichts kosten! «

Natürlich wusste ich das, es darf ja nie etwas kosten, als wenn das nun etwas Besonderes wäre.

»Gut, Herr Klausen, können Sie mir ein paar Eckdaten zu mailen, damit ich Ihnen ein Angebot zukommen lassen kann! «

»Ja, Frau Schönfeld, lass ich Ihnen übermitteln, einen schönen Tag noch! «

Schöner Tag – schrecklicher Tag!

Langsam kam mir der gestrige Abend wieder in Erinnerung. Es war besonders schön, gestern Abend!

Na ja, wie man es nimmt, eigentlich sollten mir nun endlich mal die Augen aufgegangen sein, sind Sie ja auch, aber sie sollten mir ja nicht gleich aufgerissen werden! Gestern Abend bin ich, was nun so ganz und gar nicht meine Art ist, einem plötzlichen Impuls folgend, mit dem Auto ziel – und planlos in die Stadt gefahren und wen sah ich – meinen holden Gatten! Ich wollte schon winken, aber plötzlich hielt ich inne, denn ich sah SIE!

Ich traute meinen Augen nicht, das kann doch nicht wahr sein? Ich rieb meine Augen, sah ich eine Fata Morgana? Sofort zog sich mein Magen zusammen.

Die Frau, die neben meinem Mann stand, war: J A N E!

Sofort schossen die Bilder aus der Vergangenheit in mein Bewusstsein. Das Szenario der letzten Begegnung mit ihr, die flehentlichen Bitten Peters, es sei nur ein Ausrutscher gewesen. Alles Lügen! Es machte mich wütend, aber auch unsagbar traurig. Ich hatte ihm damals geglaubt und ihm vergeben. Ich bog mit meinem Wagen in eine Seitenstraße, suchte einen Parkplatz und musste meine Gedanken ordnen.

Mir fielen die unsagbar schlimmen Einzelheiten wieder ein. Jedes schmutzige Detail! Ich erinnerte mich zurück, als ich eines Abends durch Zufall eine mir nicht nachvollziehbare Mietzahlung fand. Peter rief an diesem Abend von unterwegs aus an und bat mich eine Rechnung zu prüfen. Ich hantierte dabei ungeschickt mit den Ordnern, sodass einer davon runterfiel. Der komplette Inhalt ergoss sich auf dem Fußboden. Ich sammelte die Unterlagen zusammen. Es war der private Bankordner meines Mannes. Ich musste die Kontoauszüge sortieren, wollte sie gerade einordnen.

Ich stutzte, was war das? Eine Mietzahlung? Für was?

Warum von seinem Privatkonto?

Ich blätterte weiter und sah, dass diese Summe seit einem halben Jahr, Monat für Monat, abgebucht wurde.

Unser Haus konnte es nicht sein, denn er deklarierte unser Haus, als den Verwaltungssitz seiner Firma. Die Zahlung lief über das Firmenkonto, er war ein schlauer Fuchs! Meine Neugier war geweckt. Um es kurz zu machen, ich fand heraus, dass es sich um eine Wohnung handelte. Als ich ihn damit konfrontierte gestand er mir diese Wohnung mit Jane zu bewohnen.

Ein Liebesnest!

Er war damals so perplex, dass er mir den Schlüssel und die dazugehörige Adresse gab. Im Nachhinein frage ich mich, warum ich zu dieser Wohnung hinfuhr, aber ich war zu diesem Zeitpunkt in einem Ausnahmezustand.

Mein Herz pochte wild, als ich den Schlüssel ins Türschloss steckte, was würde mich hinter dieser Tür erwarten?

Ich trat ein.

Im Flur stehend schaute ich mich um. Geradezu schien das Wohnzimmer zu sein, auf der rechten Seite gingen zwei weitere Türen ab, rechter Hand eine Treppe, die offenbar in ein oberes Stockwerk führte.

Ich war geschockt.

Meine bis dahin innere Vorstellung dieser Wohnung, deckte sich nicht mit der Realität. Dies war keine Absteige mit einem Zimmer und Bad, dies war ein richtiges Zuhause. Peter führte ein luxuriöses Doppelleben. Sofort schossen mir seine unzähligen Geschäftstermine in den Kopf, die, an denen er mir kurzfristig mitteilte über Nacht wegbleiben zu müssen. Ausgerechnet immer an den zeitintensivsten Tagen meiner Firma, wenn die Aufträge im Minutentakt ankamen. Die Folge: Mein schlechtes Gewissen gegenüber meiner Tochter Carlotta wuchs, weil mir die Verantwortung meiner Firma im Nacken lag. Nach Möglichkeit organisierte ich alles um, holte meine Tochter am Nachmittag von Wibke ab; schließlich liebte ich meine Tochter und wollte sie nicht länger als nötig bei Wibke lassen. Nachts wenn sie schlief, arbeitete ich von Zuhause meine Aufträge ab. Morgens war ich kaputt und müde, doch ausruhen konnte ich mich nicht, stattdessen musste ich wieder fit und präsent an meinem Schreibtisch in der Firma sitzen.

Ich holte tief Luft, ging langsam in das Zimmer, welches ich als Wohnzimmer vermutete.

So war es auch.

Links eine gemütliche Sofaecke, auf der anderen Seite ein Esstisch mit Stühlen. Auf den Beistelltischen rundeten Fotos von Peter und Jane, in innigen Posen, das Bild des Zimmers ab.

Mich überkam Ekel.

Doch was war das? Unfassbar … !!! Diese Schränke kannte ich doch? Sie standen vorher in Peters Büro und waren bei einem Einbruch gestohlen worden. Gestohlen?

Mein Blick wanderte hinunter, was lag denn unten an der Couch? Mein altes Handy? Ich hatte es vergeblich tagelang gesucht!

Mein Zorn gegenüber Peter wuchs. Es sollte noch besser kommen. Ich ging wieder in den Flur, wollte eine weitere Zimmertüre öffnen, sie war verschlossen. Daneben befand sich ein kleines Bad. Ich setzte meinen Rundgang fort, ging die Treppe nach oben. Dort sah ich eine Staffelei. Offenbar verbrachte Jane ihre Zeit mit Malen, während sie auf meinen Gatten wartete. Aus Wut nahm ich eine Farbentube, öffnete sie und schüttelte die Farbe an die Wand. Mit jedem Farbspritzer entlud sich weitere Wut aus meinem Inneren. Ich ging hinunter ins Bad, nahm einen Lippenstift, schrieb das Wort:

S C H L A M P E

auf den Spiegel.

Ein weiteres Highlight kündigte sich an. Es klingelte an der Tür. Polizei!

Ich ließ die beiden Beamten herein. Sie schauten mich irritiert an, mein Anblick schien Fragen aufzuwerfen. Mein verheultes Gesicht, Wimperntusche, die an der Wange klebte, Haare die zu Berge standen und rote Spritzer an meiner Kleidung, die vielleicht auf den ersten Blick aussahen, als seien es Blutspritzer. Ich sollte mich ausweisen.

»Frau Schönfeld, Sie haben angerufen und den Einbruch gemeldet, was ist denn passiert? «

Ich schaute sie ungläubig an. »Ich bin Frau Schönfeld, aber ich habe nicht angerufen?« Ich gestikulierte wild und schrie immer nur: DIESES ARSCHLOCH!

Hatte Peter mir womöglich noch die Polizei auf den Hals gehetzt? Nach und nach beruhigte ich mich und konnte die Sachlage erklären, nichtsdestotrotz, bekam ich eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch. Das war der krönende Abschluss. Ich konnte meine Wut kaum im Zaun halten. Einer der beiden Beamten schaute mich an und sagte dann beklommen: »An Ihrer Stelle würde ich sofort die Scheidung beantragen! «

Das damalige Gefühl wurde mir wieder präsent, alles brach just in diesem Moment in mir zusammen. Ich nickte nur und ging danach nach Hause.

Peter saß zusammengekauert in unserer Küche. Ich tobte und schrie, knallte den Schlüssel der Wohnung auf den Tisch. Ich forderte ihn auf: »Steh auf! Du fährst mit mir sofort zur Polizei! «

Er hatte mich in diese Situation gebracht, jetzt hatte er die Pflicht es aufzuklären. Die Anzeige war unberechtigt! Auf dem Polizeirevier erfuhr ich, wer den vermeintlichen Einbruch gemeldet hatte. JANE!

Sie saß in dem verschlossenen Zimmer, welches ich nicht öffnen konnte. Sie gab sich als Frau Schönfeld aus!

Es war alles so ungeheuerlich!!!

Jane setzte ein paar Tage später noch eins drauf. Ich stand mit Peter vor unserem Haus, als plötzlich ein Auto mit quietschenden Reifen hielt. Es war Jane! Wie von Furien gehetzt kam sie auf mich zu, schrie mich an, beschimpfte mich. Voller Wut nahm sie ihre Tasche und versuchte mich damit zu schlagen. Ich wich aus taumelte zur Seite, dachte nur: Welcher Film geht hier ab!

Peter stand untätig da. Er wirkte wie ein ängstliches, hilfloses Kind. Das war zu viel für mich, ich drehte mich zu ihm um, sagte energisch: »JETZT IST EIN FÜR ALLE MAL SCHLUSS! «

Ich wollte damals nur weg von ihm, hätte ich es nur getan! Was dann folgte: Stundenlange Gespräche! Er entschuldigte sich, er kniete vor mir, weinte, bat um Verzeihung. Erklärte mir sein Verhalten, beteuerte, es sei nur ein Ausrutscher gewesen! Ein Ausrutscher?

Dann traf er meinen wunden Punkt: Carlotta!

Seine Stimme zitterte, ich solle ihm vergeben, was würde sonst aus Carlotta werden. Mit verzweifeltem Blick appellierte er an mein Gewissen: »Denke daran welch herzlose Kindheit wir beide hatten. Das soll Carlotta nicht passieren! Sie braucht Mama und Papa an ihrer Seite! Wir sind doch eine Familie, bitte tue es mir und Carlotta nicht an. Wir lieben dich! Bitte gib uns eine Chance, ohne dich… will ich nicht leben! «

Da fing ich zu hadern an.

Warum ahnte ich nicht, dass dies nur Taktik war?

Vor allen Dingen: Verlass uns nicht! Er hatte die richtige Stelle getroffen, es traf mich mitten ins Herz.

Allmählich zerbröckelten meine Gedanken an eine Trennung. Ich wurde weich! Der Gedanke ich würde Schuld daran tragen, dass Carlotta unglücklich werden könnte, brach meinen Widerstand auf. Die Vorbehalte meiner Freunde schoss ich in den Wind. Es war eine schwierige Zeit. Ich musste mir eingestehen: Mein größter Wunsch war: Eine glückliche eigene Familie zu haben!

Er unternahm alles Mögliche um mein Vertrauen zurückzuerobern. Wir fuhren mit Carlotta an die Ostsee und verbrachten auf einmal wieder viel Zeit zusammen. Er koordinierte seine Geschäftstermine, sodass er nicht über Nacht wegblieb. Wenn ich in der Firma wieder nicht rauskam, holte er Carlotta ab, brachte etwas zu Essen vorbei und wir saßen dort zu Dritt. Ich dachte, er meint es Ernst!

Doch jetzt – erneut JANE!

Wie ich das hasste, es war immer und immer wieder das Gleiche. Er würde sich nie ändern, es half nichts, ich musste der Wahrheit ins Auge blicken. Natürlich tat es weh zu erkennen, dass Peter nicht der war für den ich ihn einst hielt.

Peter war attraktiv und hatte Charisma. Er besaß die Fähigkeit einem die Sterne vom Himmel zu holen. Er war aufmerksam und verständnisvoll, er gab einem das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Dann aber seine andere Seite, die, die ich im Laufe der Zeit kennengelernt hatte.

Die dunkle Seite ! Ohne erkennbaren Grund verwandelte sich dieser Mann in einen Menschen, der mit den vorgenannten Eigenschaften nichts mehr zu tun hatte. Er bekam cholerische Anfälle, wurde böse und ungerecht, manipulierte und intrigierte.Lügen hatte er zu einer Kunst erhoben.

Dieser Zwiespalt seiner Persönlichkeit zermürbte mich. Nur war mir das erst aufgefallen, als ich ihm schon völlig verfallen war. Doch mittlerweile setzte ich mich kritisch mit ihm und seinem Charakter auseinander. Meine Zweifel, die mich hinderten mich zu trennen, waren noch da.

Ich sah unsere gemeinsamen Jahre, unsere Tochter Carlotta.

Wie sehr hätte ich mir gewünscht, dass wir eine glückliche Familie sein könnten.

Auch die Tatsache, dass Carlotta sehr an ihrem Vater hing, hinderte mich bislang die Trennung zu vollziehen. Aber wie ich es auch drehte und wendete, ich war unglücklich.Beruflich hatten wir uns einiges gemeinsam aufgebaut. Bevor wir uns trafen hatte Peter eine kleine Firma. Er übernahm logistische Aufträge für Galeristen, verschickte und lagerte deren Objekte. Dann lernten wir uns in einer Galerie kennen. Nach einer Weile bat er mich in seiner Firma einzusteigen. So entwickelte sich sukzessive die berufliche Idee, weitere Aufgaben für die Kunden zu übernehmen. Das Kerngeschäft war aber die Lagerung und Versendung der Kunstobjekte.

Hier und da sollten Flyer oder Ankündigungen verschickt werden. Wir überlegten, ob wir diesen Bereich nicht weiter ausbauen können.

Ich übernahm diese Aufgabe, kurbelte diese Aufträge an. Baute ein System auf, entwarf selber Layouts für Flyer, Postkarten und vieles mehr, um für die Kunden nicht nur den Versand zu übernehmen, sondern darüber hinaus als Werbeagentur tätig zu werden. Langsam aber stetig wuchs die Auftragslage. Zudem wurden die Abläufe transparent für die Kunden, sodass sie meine Arbeit schätzten. War anfangs dieser Bereich recht chaotisch angelegt, schaffte ich es innerhalb von zwei Jahren, ein ordentliches System zum Laufen zu bringen. Die Umsätze stiegen, sodass wir beschlossen, diesen Bereich aus der Firma auszugliedern und eine neue Firma zu gründen.

Jeder hatte seinen eigenen Bereich, sein eigenes Wirkungsfeld. An und für sich ein perfektes Gespann. Er hatte innovative Ideen, ich war diejenige, die diese akribisch auseinander tüftelte, bis sie umsetzbar waren.

Dennoch überwog nun der Gedanke mich zu trennen. Seine ständigen außerehelichen Affären, seine Launenhaftigkeit und die damit verbundene Ungerechtigkeit mir gegenüber, machten das Maß voll.

Wieder überkam mich mein wunder Punkt. Sicher war da Carlotta, unsere Tochter, gerade mal fünf Jahre alt und total in Ihren Vater verliebt. Immer und immer wieder hatte ich mir den Kopf zerbrochen, wie ich es meiner kleinen Tochter wohl beibringen sollte, dass die Mami und der Papa...

Schluss – Ende – Aus!

Jetzt müssen Nägel mit Köpfen gemacht werden, dachte ich mir, so geht es nicht mehr weiter, du hast dein Leben noch vor dir, willst du etwa ewig leiden? Das wollte ich nun wirklich nicht.

Mein ganzes Leben war bislang darauf ausgerichtet, es immer allen recht schön und nett zu machen, nur die eigenen Bedürfnisse fielen dabei ständig durchs Raster.

Aber was sollte ich tun?

Sobald ich mit Peter, meinem Mann, sprach, ging dieses unbeschreibliche Theater wieder los! Er bettelte mich an zu bleiben und traf meine wunden Punkte.

Einfach gehen!

Das ging ja nun auch nicht, ich hatte Carlotta und ich hatte eine Firma – und daran hingen einige Mitarbeiter... Ach, was sollte ich nur machen, ich musste mir einen Plan ausdenken. Peter sollte sprachlos sein, sodass ich eine Trennung durchziehen konnte und nicht wieder umkippte.

Der Plan sollte schneller kommen, als mir lieb war und er sollte mein ganzes bisheriges Leben völlig durcheinanderbringen...

Kapitel 2

Es war so gegen 20 Uhr, als ich den Anruf bekam. 

Es war Peter: »Ach, mein Schatz, ich bin ja erledigt, weißt du der Termin in Hamburg war so anstrengend, wärst du mir sehr böse, wenn ich erst morgen wieder komme! «

Bleib doch wo der Pfeffer wächst! Wahrscheinlich bist du der Maus nicht gewachsen, die dir gerade die Brust krault, wollte ich sagen, aber ich antwortete, ganz korrekt und ruhig: »Ach Peter, weißt du, du mutest dir einfach zu viel zu, so viele Termine, das kann ja nicht gut gehen, schade, dass es schon so spät ist, sonst würde ich glatt zu dir fahren und wir machen uns eine entspannte Nacht! «

Ha, ha!

»Ach Spatz, danke für dein Verständnis, weißt du, du fehlst mir schon jetzt! «

»Ja! Du mir auch sooo doll! «

»Ciao – und schlaf schön! «

Dass Männer so sein können; ich war immer wieder aufs Neue überrascht, aber ich hatte auch ein ganz besonderes Exemplar vor den Traualtar gezogen.

Was machte ich nun mit dem Abend?

Carlotta war bei Ihrer Freundin, schlief dort, ich hatte sozusagen sturmfreie Bude! Ich ging im Geist alle meine Freundinnen durch, doch kam immer wieder darauf, dass ich heute eigentlich gar keine Lust hatte, mein Problem mit einer Freundin durchzusprechen. Diese hatten eh alle die Meinung, ich sei ja selber schuld. Das wollte ich mir nicht antun. Ich fuhr also in Richtung Zuhause, war gerade dabei mein Auto abzustellen, als ich Maurice sah.

»Hallo, Maurice, wie geht es dir? «

»Danke gut, Chiara, und dir? «

»Ach, ich weiß nicht so recht, eigentlich gut. Sag mal, wollen wir etwas essen gehen? «

»Gute Idee, ich muss nur noch kurz etwas erledigen, dann können wir uns treffen.«

Maurice ist mein Nachbar, netter Typ. Alleinerziehender Vater, Mitte fünfzig. Schriftsteller. Er hatte mir schon oft zugehört, wenn ich mal wieder mit Peter im Clinch lag. Das würde sicher ein netter Abend werden, mit Maurice konnte man immer gut reden, gut essen und Rotwein trinken. Ich ging ins Haus, sprang kurz unter die Dusche, zog mir rasch etwas Bequemes an, da klingelte es auch schon.

»Hallo Maurice, komm bitte rein, ich bin gleich fertig! «

Ich musste nur noch meine Haare kämmen, etwas Rouge auflegen und es konnte losgehen.

Wir fuhren in die Stadt und gingen in ein kleines uriges Restaurant. Wir unterhielten uns über Gott und die halbe Welt, irgendwann kamen wir dann doch auf das Thema, welches ich am liebsten nicht besprechen wollte, aber ich glaube Maurice sah mir an, dass es mal wieder Stress gab.

»Sag mal, Maurice, eine Frage, du bist doch ein Mann, du musst mir bitte einmal etwas erklären! Also, du hast eine Frau, machst immer auf glücklich nach außen, dir fehlt es an nichts, bist erfolgreich, gesund, Kind, Haus, Auto – also so wie in der bekannten Werbung. Meine Frau – mein Haus – mein Auto. Brauchst aber ständig noch Zusatzfrauen. Also anders, stell dir vor, du hast eine Frau alles super und da kommt eine Süße mit den perfekten Rundungen etwa zehn Jahre jünger als deine eigene Frau und diese möchte auch mit dir, was machst du? «

Plötzlich entstand eine Pause – ich dachte schon Maurice sei von der Bank gefallen, weil er im Geist mit der 20-Jährigen unterwegs war...

»Hallo Maurice, bist du noch da??? «

»Ja, sag mal, muss ich dann mit beiden Frauen Sex machen? «

»Ja! Das ist die Bedingung! «

»Nein, also weißt du, Sex kann ich nur mit einer Frau machen, die ich liebe! «

Ich war echt sprachlos! Diese Antwort von einem Mann, das konnte nicht wahr sein, da gibt es tatsächlich Männer, die so etwas denken und empfinden, jetzt sagte ich nichts mehr. Ich schaute mir Maurice näher an. So etwas hätte ich auch gerne von Peter denken mögen, aber der vergnügte sich gerade mit einer meiner ehemaligen Mitarbeiterinnen.

»Weißt du, Maurice, ich glaube es ist an der Zeit, dass ich mich ernsthaft von Peter trenne, es geht so nicht weiter. Irgendwann muss mal Schluss sein. Gestern Abend habe ich ihn wieder mit Jane gesehen. Ich dachte es sei vorbei mit ihr! Ich erinnere mich noch zu gut an dieses Theater im letzten Jahr. Mit Jane hatte er eine Wohnung, die gerade mal drei Querstraßen von unserem Zuhause entfernt lag. Dann seine Beteuerungen, dass er Jane den Laufpass gegeben hat. «

Ich sah Maurice an, dass er schluckte.

»Dann das mit der Eigentumswohnung, von der ich nichts wusste, na ja, und so weiter und so weiter! «

Ich musste Luft holen um weiter sprechen zu können. »Ich mach mir nur Sorgen um Carlotta, du weißt doch wie sehr sie an Peter hängt, ach, alles ist so schwierig... « Ich schaute ihn an.

»Weißt du und immer und immer – sehe ich die Firma, Carlotta ab ins Bett und am nächsten Tag derselbe Zirkus, und er hat immer nett Abwechslung. Weißt du, ich gehe so gerne tanzen. Seit zehn Jahren gab es das nicht mehr, Peter interessiert sich nicht fürs Tanzen, demzufolge gibt es kein Tanzen! «

Wir unterhielten uns noch eine Weile und brachen dann schließlich auf. Als wir auf der Straße standen, sagte Maurice: »Chiara, wo gehen wir jetzt tanzen, kennst du etwas? «

Ich war verblüfft!

»Ähm, nein, ich kenne nichts, kennst du etwas? «

»Na ja, mein Sohn geht ganz bei uns in der Nähe manchmal weg, vielleicht wäre das ja etwas für uns! «

»Ok, ich freue mich – das ist super! «

Ich war plötzlich verwirrt wie ein Teenie und freute mich etwas zu erleben – oh mein Gott, und das mit Mitte Dreißig. Endlich einmal tanzen gehen, wie ich mich freute, das war echt nett von Maurice.

Wir kamen bei dem besagten Club an, gingen rein, und was gab es: eine Nacht des Hardrock!

Ach du meine Güte, dachte ich, auch das noch, also alles, aber Hardrock? Na, das hatte ich mir anders vorgestellt, ich sah schon wie Maurice sicherlich gleich wieder mit mir raus gehen würde und das war’s dann mit dem schönen Abend.

»Ach, Maurice, das ist ja schade, ausgerechnet Hardrock, das ist doch sicher nichts für uns! «

»Quatsch, Chiara, wir wollen Spaß, wir wollen tanzen, also haben wir Spaß und tanzen! «

»Meinst, du das im Ernst? «

»Na klar, davon lassen wir uns jetzt nicht abschrecken!«

Das fand ich echt toll, ein Mensch, der mir mal etwas Gutes tut! Ich wollte es einfach mal genießen und nichts hinterfragen, ein schönes Gefühl! Wir bestellten uns etwas zu trinken und nach einer Weile meinte Maurice: «Chiara, lass uns tanzen, deswegen sind wir doch hier! «

Wir gingen auf die Tanzfläche. Wie ich das genoss, sich endlich mal wieder zum Takt der Musik zu bewegen. Wie mir das gefehlt hatte in all den Jahren! Plötzlich fühlte ich mich frei und unbeschwert!

Kein Peter! Keine Verantwortung!

Wir tanzten bis zum Umfallen. Eh ich mich versah, war es bereits 3 Uhr morgens. Langsam aber sicher merkte ich, dass ich müde wurde. Maurice kam mir zuvor: »Ich glaube, jetzt wird es Zeit zu gehen, langsam werde ich müde und bin kaputt. «

»Oh ja, ich auch! «

Wir gingen langsam raus, es überkam mich solch ein Glücksgefühl, dass, ich nicht anders konnte, als Maurice um den Hals zu fallen. »Maurice, danke für den schönen Abend, es hat mir so viel Spaß gemacht, es war superschön! Vielen lieben Dank!«

Maurice sagte nichts, lächelte mich nur an.

Wir fuhren nach Hause, völlig beschwingt ging ich ins Haus. Ich schaffte gerade noch meine Sachen auszuziehen und fiel danach ins Bett. Ich schlief sofort ein. In meinen Traum ging es recht turbulent zu! Alle möglichen Leute spielten mit: Maurice, Peter, meine Freundin, aber, als ich morgens wach wurde, konnte ich mich nicht mehr so recht erinnern, um was es im Traum ging, schade!

Kapitel 3

Am nächsten Morgen stand ich auf, nahm erst einmal ein Bad und zog mich an. Dabei ertappte ich mich immer wieder, wie ich an den gestrigen Abend dachte, wie schön es war. Ich ging zu meiner Freundin, wollte erst einmal einen ordentlichen Kaffee trinken und ein bisschen quatschen. Meine Freundin Wibke war nicht nur meine Freundin, sie ist auch die Tagesmutter meiner Tochter Carlotta. Sie ist um einige Jahre älter als ich und verhält sich wie eine Mutter zu mir.

Leider hatte ich kein gutes Verhältnis zu meiner Mutter. Nach einem großen Streit, hatte ich den Kontakt abgebrochen.Bei Wibke fühlte ich mich immer gut aufgehoben. Ich klingelte bei ihr.

»Hallo, Chiara, wie geht es? «

»Ach, hallo Wibke, mir geht es gut, ich brauche jetzt erst einmal einen guten Kaffee und ein kleines Gespräch! «

»Na Chiara, sag mal, was ist los, deine Augen strahlen ja so? «

»Was soll los sein Wibke, vielleicht, bin ich noch ein wenig müde! «

»Wieso, hast du wieder so lange arbeiten müssen? «

»Nein, ich war tanzen, bis morgens um 3 Uhr. «

»Erzähl mal, alleine? «

»Nein, stell dir vor, ich habe gestern Abend Maurice getroffen und dann sind wir essen gegangen. Danach ganz spontan tanzen. Es war toll, es hat mir solchen Spaß gemacht! «

»Sag mal, Maurice ist doch dein Nachbar? «

»Ja! «

»Der ist doch alleine, hat keine Frau, oder? «

»Nein, er hat keine Frau. Er hat leider gerade ein wenig Liebeskummer, seine Freundin ist weg. Also weißt du, der Maurice ist wirklich ein sehr netter Mann. «

»Ja, das finde ich auch! Ich finde, er ist sogar ein sehr, sehr, sehr netter Mann! «

»Wie meinst du das, höre ich da etwas heraus? «

»Wie soll ich sagen, er schaut dich immer so nett an, findest du nicht auch? «

»Wie? Er schaut mich immer so nett an, was meinst du denn nun schon wieder? «

»Ach, weißt du, er ist charmant, wortgewandt, klug und schaut dich nett an! «

»Also, Wibke, jetzt sprich nicht immer in Rätseln, außerdem ist er mein Nachbar, ich bin verheiratet, wenn auch nicht glücklich… und er kennt Peter! «

»Schon, aber wenn Peter gerade Mal wieder auf Abwegen ist, vielleicht solltest du ja mal anfangen ein bisschen über deine Ehe nachzudenken, meinst du nicht! «

Dann erzählte ich ihr, was sich am Mittwochabend zugetragen hat. Dass ich Peter mit einer Flamme gesehen habe. Meine Ratlosigkeit, nicht zu wissen, was ich nun tun soll. Meinen Kummer und meine Wut, meine Enttäuschung, die ich empfand und das Gefühl, dass nun mal irgendwie Schluss sein muss mit der ewigen Quälerei. Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile, dann sah ich auf die Uhr und stellte mit Schrecken fest, dass ich dringend noch etwas erledigen musste. Der Auftrag von Herrn Klausen ging in die entscheidende Phase. Ich ging, drückte sie ganz fest und rauschte zur Firma los.

Ich hatte viel zu tun.

Carlotta rief mich an und sagte mir, dass sie in der Werbung so eine tolle neue Puppe gesehen hatte. Die müsste sie einfach haben, der kann man ja so toll die Haare kämmen, also die braucht sie, dann bräuchte sie nie wieder etwas geschenkt!

Das kannte ich schon, was hatte das zur Folge?

Die Mama eilte sofort zum nächsten Spielzeugladen, weil ansonsten das arme Kind nichts zum Spielen hatte.

Ein bisschen verwöhnt war sie schon, das wusste ich auch, aber ich konnte ihr einfach nichts abschlagen.

Ich selbst hatte keine schöne Kindheit und wollte bei meinem Kind alles anders machen. Eigentlich wusste ich, dass ich ihr nicht alle Wünsche erfüllen dürfte. Letztlich, gewann dann aber das Gefühl: Einmal kannst du ihr doch einen Wunsch erfüllen. Ich hatte zwar keine Zeit, aber bin doch schnell los und habe diese ›Sensationspuppe ‹ gekauft. Dann holte ich Carlotta ab und die Freude war riesengroß. Sie drückte mich, sie küsste mich, und sagte, ich sei die allerbeste Mama auf der ganzen Welt! Sie spielte mit der Puppe und ich schaute ihr zu. Ich freute mich mit ihr und beruhigte mein Gewissen.

Am Nachmittag kam Peter heim.

Carlotta stürzte sich auf ihn und ich war mehr oder weniger abgeschrieben. Ich hatte plötzlich das tollste Spielzeug in der Hand, denn für Carlotta war es nun ja abgeschrieben, und ich ertappte mich wie ich dieser Puppe die Haare kämmte. Na also, Chiara, nun geht es ja los, jetzt spielst du noch mit Püppchen.

Ich schaute mir das ganze Szenario an und wusste, es würde bald ein Riesenknall kommen, der alles schlagartig verändern würde. Es ging so nicht mehr weiter.

Ich war nicht mehr frei in dieser Beziehung! Ich fühlte mich eingeengt.

Aber was sollte ich nur tun?

Kapitel 4

Die Tage vergingen.

Die Auftragslage in der Firma war sehr gut. Herr Klausen gab mir den Rest mit seinem Billigangebot, aber dadurch war ich abgelenkt. Ich hatte keine Zeit über mein Privatleben nachzudenken.

Gott sei Dank, hatte ich meine Arbeit, ansonsten hätte ich mich sicherlich in Depressionen flüchten müssen.

Mit Peter gab es zunehmend mehr Stress, ich konnte ihm nichts recht machen, ich zweifelte schon teilweise an mir, vergrub mich hinter meiner Arbeit.

Eines Abends, passierte dann plötzlich etwas, was mich die Flucht - nach vorne - antreten ließ. Ich kam heim und Peter telefonierte. Er sah mich und legte schnell auf. Sein Gesichtsausdruck war alles andere als erfreut. Ist natürlich auch eine Frechheit, dass ich einfach – so ohne Voranmeldung - nach Hause komme! Da muss man natürlich sauer sein, schließlich muss er doch auch mal mit seiner Liebsten sprechen und ausgerechnet dann erscheint seine Frau!

Was für ein Mist!

Er erzählte mir, es gäbe Ärger in einem seiner Betriebe, er müsste sofort los!

Den Ärger konnte ich mir gut vorstellen! 24 Jahre, lange rote Haare, Jane war wieder im Rennen. Bestimmt wollte sie jetzt endlich etwas vom Kuchen abhaben. Völlig entgegengesetzt zu meinen Gefühlen blieb ich ruhig und spielte das brave Weibchen. Ich sprach ihn an: »Peter, du Armer, du hast zu viel um die Ohren! Du musst kürzertreten! Fahr schnell los, ich spiele mit Carlotta. Wenn du heimkommst, kannst du mir alles erzählen. «

»Ach Chiara! Danke! So ein Mist! Es sollte ein schöner Abend werden, nun muss ich weg! «

Dann drehte er sich zu Carlotta: »Meine süße Carlotta, mein Schätzchen, sei lieb zur Mami! Papi muss noch einmal schnell weg, aber ich beeile mich, dann können wir uns noch unseren Lieblingsfilm anschauen! «

Carlotta fing an zu weinen. »Nein, Papi, geh nicht weg, nimm mich mit! «

Ja, das wäre witzig, dachte ich im Stillen, das wäre doch mal ein nettes Rendezvous; mit Kind!!!

Peter verlor zusehends die Beherrschung und raunzte Carlotta völlig zu Unrecht an. »Also Carlotta, jetzt reicht es! Du weißt, wir müssen arbeiten! Wo denkst du, können wir ansonsten das Geld hernehmen um unter anderen solche Puppe zu kaufen, du hast immer nur Wünsche, also muss ich arbeiten! «

Nun war es ganz um Carlotta geschehen, dicke Tränen rollten runter, sie war traurig! Ich hatte, das wusste ich, die nächsten zwei Stunden damit zu tun, das Kind wieder aufzubauen.

Ich dachte nur, was für ein mieser Mensch!

Arbeiten! Wenn ich das schon höre…

Bislang hatte er sich ganz gut von der Arbeit fernhalten können, hatte Spaß, war braun gebrannt und ausgeruht. Schließlich wusste er, dass das Frauchen alles ganz gut regelt. Aber, ich war still, versuchte zu lächeln und hielt meine eigene Wut zurück, das hatte ich in den vergangenen Jahren gut gelernt.

Peter ging, legte einen dramatischen Abgang hin. Er knallte die Tür derart, dass ich dachte, sie fällt gleich aus den Angeln. Dann war Stille!

So, nun waren wir alleine.

Es dauerte keine zwei Minuten, da meinte Carlotta: «Weißt du, Mama, manchmal bin ich richtig sauer auf Papa, dann habe ich ihn nicht lieb. «

»Aber Carlotta, Papa hat halt viel zu arbeiten, das musst du verstehen! « Ich machte eine kurze Pause.

»Es stimmt schon, wir müssen beide arbeiten, damit wir uns das alles leisten können. Dafür haben wir dann aber auch Zeit mit dir für ein paar Tage wegzufahren, das können andere Eltern nur in den Ferien. Wenn man eine Firma hat, muss man manchmal zu anderen Zeiten arbeiten, dafür können wir uns dann wieder zu Zeiten freinehmen, in denen andere es nicht können. Sei nicht traurig, ich bin da, wir machen es uns kuschelig! «

»Ich will aber … mit Papa! Nicht mit dir! «

Das fehlte mir nun auch noch, am liebsten, hätte ich los geschrien und ihr erzählt, dass ihr lieber Papa nur mal schauen will, ob seine Potenz noch vorhanden ist. Aber das konnte ich natürlich nicht sagen. Nach einer halben Stunde war langsam alles im Lot, wir spielten ein Spiel und dann wurde es Zeit sie zu Bett zu bringen. Ich las ihr eine Geschichte vor und war selber kurz davor einzunicken.

Ich ging noch mal runter ins Wohnzimmer zum Telefon, um Wibke anzurufen. Es war völlig automatisch, ich drückte auf den Knopf der Wahlwiederholung.

Interessant! Diese Nummer kannte ich ja gar nicht!

Ich schrieb sie mir auf, vielleicht würde ich diese noch einmal benötigen.

Peter kam gegen Mitternacht, übelgelaunt, soviel stand fest. Er holte sich eine Flasche Wein und schaltete den Fernseher ein. Er brachte kaum drei Wörter heraus, so beschloss ich, ins Bett zu gehen. Ich hoffte inständig, dass der Wein ihn gut auf der Couch einschlafen ließ. Auf irgendwelche Liebesdienste hatte ich nun weiß Gott keine Lust mehr. Das Universum hatte ein Einsehen, keine zwanzig Minuten später, hörte ich sein Schnarchen.

Was für ein Mensch, mir liefen die Tränen, warum konnte ich nicht einfach endlich loslassen?

Er war ja mal mein Traummann, was hatte ich nicht alles in die Wege geleitet um mit ihm zusammen zu kommen. Damals dachte ich: Was für ein toller Mann, nur leider vergaß ich, dass die restliche Frauen Bevölkerung, dies wohl ähnlich sah.

Mittlerweile war schon Lack abgebröckelt, so toll war er nicht mehr. Schnarcht halbe Wälder zusammen! War für mich selten da, stand nicht zu mir, versuchte mich kleinzumachen, half mir nicht, wenn ich Probleme hatte, sondern setzte meistens noch etwas drauf, damit es mir auch wirklich schlecht ging. Offensichtlich hat er ein ziemliches Problem mit seinem Selbstwertgefühl und anstatt daran zu arbeiten, versuchte er meins, sofern es vorhanden war, in den Keller zu bringen.

Warum ließ ich das alles zu?

Manchmal wünschte ich mir, ich wäre nicht so eine treue, ehrliche Seele. Warum startete ich nicht auch einfach mal ein Abenteuer, um zu merken, dass ich noch am Leben bin? So etwas kam mir nicht in den Sinn. Ich war so völlig anders als meine äußere Erscheinung. Man sagt, ich bin sehr attraktiv, lange blonde Haare, Naturlocken, schöne braune Augen, die alles aussagen können: Glück, Trauer, Wut, nichts konnte ich verbergen.

Meine Augen sprechen Bände.

Durch diesen ewigen Stress hatte ich den Babyspeck nach der Schwangerschaft mit Carlotta gut verloren und wieder eine Traumfigur erreicht.Tja, nach außen wirke ich: selbstbewusst, attraktiv, erfolgreich. Bestimmt fragten sich die Leute, mit welchem meiner zehn Liebhaber ich heute die Zeit verbringen würde. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Ich bin fast schon spießig und absolut treu, wenn ich jemanden liebe. Ich liebe dann mit Haut und Haaren, möchte für ihn da sein, ihm treu zur Seite stehen, sehe keine anderen Männer.

Obwohl, sie schauen schon...

Ach, manchmal ist es im Leben schwer, ich schickte ein Stoßgebet zum Universum und bat um schnelle Hilfe – möglichst gleich. Bislang hatte mir das immer gut geholfen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, einen guten Draht nach oben zu haben. Bisweilen war es tatsächlich so; stand ich vor einem Problem – kam durch König Zufall – plötzlich, Hilfe zu mir. Ich wünschte mir beim Einschlafen, dass dies auch heute passieren soll.

Kapitel 5

Am nächsten Morgen, machte ich Carlotta fertig und brachte sie zu Wibke. Ich musste dringend in die Firma, ich hatte noch viel zu tun. Meine Damen überfielen mich schon beim Reinkommen, das konnte ich nun gar nicht ab.

Aber, wie heißt es so schön: Verantwortung geht vor!

Ich hörte mir alles an und entschied über die weitere Vorgehensweise.

Da kam der Stadtbote, er brachte die Buchhaltungsbücher vom Steuerbüro zurück. Ich legte diese erst einmal zur Seite. Ich widmete mich wieder meiner Arbeit, aber schaute immer wieder auf die Bücher, welche Faszination ging davon aus? Ich hielt es nicht länger aus.Ich musste den Karton öffnen. Ja, es waren auch die Bücher von Peters Firma dabei, die, die ich nie ansehen sollte, er war so ein Schlauer! Ich hatte nicht mal einen Schlüssel zu seiner Firma, im Gegenzug hatte ich natürlich bei meiner Firma auch neue Schlösser machen lassen und ihm keine Schlüssel gegeben.

Vertrauen - sieht anders aus!

Also blätterte ich die Bücher durch…

Nach einer Weile bemerkte ich so einige Ungereimtheiten, viele Belege für Leihfahrzeuge, Hotelrechnungen für Suiten, Kaufbelege, die ich so gar nicht verstand. Da schoss mir das Gebet von gestern Nacht, in den Kopf:

Siehst du, Chiara, manchmal geht es ganz schnell!

Beim Durchsehen der Ordner bekam ich wieder meine Bauchschmerzen – ein unerklärlicher Schmerz - der etwas mit meiner Intuition zu tun haben muss, denn er kam immer dann, wenn etwas im Argen lag. Ich nahm die Belege aus den Büchern und kopierte sie erst einmal, setzte mich hin, schaute mir die Belege genauer an, nahm einen Kalender und verglich die Termine.

Es handelte sich mal wieder um etwas Ernstes.

Ich konnte es kaum glauben, zum einen fiel mir ein Stein vom Herzen, darüber, dass mich mein Gefühl nicht getrügt hatte. Auf der anderen Seite hatte ich immer noch Gefühle für diesen Mann. Ich musste davon loskommen. Ich merkte schon, wie ich mich steigerte und meine Wut immer größer wurde. Ich fand einen Beleg über einen Leihwagen, der in Leipzig am Bahnhof abgeholt wurde und am nächsten Tag in Berlin am Hauptbahnhof abgegeben wurde. Ich starrte auf diesen Termin und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Das war doch nicht möglich!! Ich erinnerte mich an dieses Datum.

Zu diesem Zeitpunkt war ich mit meinem liebsten Gatten in Italien unterwegs. Ich konnte mich deshalb so gut daran erinnern, weil mir dort ein Missgeschick passiert war. Eines Morgens wollte ich in die Auslage einer Boutique schauen. Der Boden war rutschig, da es geregnet hatte. Ich wollte mir gerade die Auslagen ansehen, als erst ein Fuß und dann der andere wegrutschte.

Platsch! Ich knallte auf meinen Allerwertesten.

Ich lag wie ein verunglückter Marienkäfer da und konnte mich kaum rühren. Ein zufällig vorbeikommender Passant half mir hoch. Erst wollte ich mich nicht unterkriegen lassen, aber im Laufe des Tages wurden die Schmerzen immer größer. Mein liebster Peter war schon immens genervt, da ich ja nun nicht funktionierte. Schließlich hatte ich doch 150-prozentig auf seine Bedürfnisse einzugehen.

Nun jammerte dieses Weib und war nicht gut drauf.

Im Krankenhaus stellten die dortigen Ärzte fest, dass ich mir das Steißbein angebrochen hatte. Eine Spritze musste her. Gott sei Dank half diese recht gut. Leider war ich trotzdem nicht besonders bewegungsfähig. Mein holder Mann nahm dies zum Anlass und teilte mir daraufhin mit:»Na, weißt du, dann ruhe dich doch ein wenig aus und bleibe noch hier. Meine Arbeit ruft. «

Irgendwie, fand ich den Gedanken, gar nicht so schrecklich, eigentlich eher richtig gut. Meine Damen konnten ja auch mal ganz gut ohne mich den Laden schmeißen. Mir würden ein paar Tage Erholung, wenn auch unfreiwillig, ganz guttun. Ich willigte ein, ganz zum Erstaunen meines lieben Gatten. Er sagte nichts, aber es war zu offensichtlich, denn sein Gesichtsausdruck verriet ihn. Er wirkte überrascht. Ich hatte mich verändert, sollte er doch grübeln. Bis vor einiger Zeit hätte ich trotz Schmerzen, diese strapaziöse Rückfahrt angetreten. Ich war nicht mehr die kleine Marionette, an deren Fäden ich hing, teilweise bekam sogar ich einen eigenen Lebenshauch und wollte etwas ausprobieren.

Und dann fuhr er weg, an einem Dienstag mit meinem Cabrio, er meinte, er käme am Donnerstagabend wieder und dann könnten wir am Samstag wieder nach Hause fahren.

Ich hatte, das muss ich zugeben, zwei schöne Tage in Italien. Mit dem Laufen ging es von Tag zu Tag besser. Ich hatte sogar ein richtiges kleines Erlebnis, das mich wieder mal ins Leben holte. Und bemerkte: »Hallo!!! Du bist noch da, es gibt noch anderes im Leben – außer Peter! «

Ich machte die Bekanntschaft des Friseurs vor Ort, der ganz hin – und hergerissen von mir war. Er wollte am liebsten mit auf mein Zimmer, na das wollte ich nicht. Dennoch tat es meinem Selbstwertgefühl gut! Die italienischen Männer haben etwas, das muss ich hier an dieser Stelle doch mal sagen… Die wissen, wie man flirtet! Er war ein richtiger Gentleman und ich genoss dieses Gefühl, einfach nur.

Mein süßer - mich über alles liebender Mann - rief auch jeden Abend an, um mir mitzuteilen, wie traurig er ist! Wie furchtbar es sei, alleine im Hotel zu liegen! Wie sehr er mich vermisst!

Ich blöde Kuh hatte das natürlich geglaubt. Er kam dann wirklich am Donnerstagabend wieder, er freute sich mich zu sehen. Ich weiß noch, ich dachte: Wie schön! Hat er tatsächlich den Sinn des Lebens erkannt!

Als ich nun wieder auf den Beleg schaute, wusste ich, wie unrecht ich damals hatte.

Hatte er sich klonen lassen?

Laut der Belege war er in Leipzig und Berlin, obwohl er zeitgleich in Italien bei mir war. Ich zählte eins und eins zusammen. Offensichtlich hatte er sich ab Dienstagabend mit einer Liebsten getroffen. Machte sich zwei schöne Tage und Nächte in der Burgsuite eines schicken Hotels in der Nähe von Leipzig, während ich in Italien bewegungsunfähig war. Und alles lag auf seiner Route von und nach Italien, sehr clever! Dann musste er am Donnerstag nur noch seine Flamme in den Leihwagen bugsieren, die Gute fuhr allein zurück nach Berlin, während er sich gemütlich auf seine Fahrt zu seiner Gattin nach Italien aufmachte.

Jetzt dachte ich nur noch: Mann, Chiara, was brauchst du noch, schmeiße den Alten doch endlich aus deinem Leben! Wie kannst du denn einen Menschen lieben, der dich ständig betrügt, belügt, hintergeht und dir nun mal ganz und gar nicht zur Seite steht??

Da war das Universum wirklich schnell zur Stelle, erst gestern Abend betete ich um Klarheit. Was sollte ich tun? Bevor ich weiter denken konnte, schossen mir die Tränen ins Gesicht, ich heulte los. Nach einer Weile ging es mir dann schon etwas besser. Diesmal musste ich die Trennung durchziehen, ich durfte nicht wieder umkippen. Mittlerweile war ich finanziell unabhängig. Was hielt mich ab? Ich ging den Ordner nochmals durch und wurde durch immer neue Belege, die zum Vorschein kamen, gequält. Es nahm kein Ende, mit jedem neuen Beleg wurde ich zusehends wütender.

Was für einen Charakter hat Peter, wahrscheinlich gar keinen. Aus seiner Sicht der Dinge, war es perfekt!

Er hatte eine Haupt- und eine Nebenfrau! Die Hauptfrau erfüllte ihm die Sicherheit, eine Familie zu haben, war fleißig, schaffte Geld heran, hatte viel zu tun. Die Nebenfrau, erfüllte ihm sein Sexleben und himmelte ihn an.

Besser konnte es ja nicht für ihn sein. Er konnte sich die Rosinen rauspicken.

Eigentlich muss ich mal sagen, empfand ich so etwas wie: Der macht es richtig, quält sich nicht, sondern geht nur seinen Bedürfnissen nach.

Ich musste von meinem alten Denkschema Abschied nehmen.

Als Erstes: Erwachsen werden, danach, meine Bedürfnisse kennenlernen und sie auch ausleben.

Also, was war zu tun? Ich hatte noch fünf Tage Zeit, mir einen guten Plan zu überlegen, da nämlich Carlotta, mit Wibke und deren Familie in Urlaub fahren wollte. Ich schaffte es mal wieder nicht aus der Firma rauszukommen. Ein Sonderauftrag, den ich persönlich bearbeiten musste. Also fünf Tage Zeit – aber auch fünf Tage - so tun, als ob, nichts wäre! Was sind fünf Tage, wenn mein Leben danach, in glücklichen Bahnen verlaufen kann!

Ich suchte mir alles raus – um ihn dann - damit zu konfrontieren. Ich wollte ihn zur Rede stellen. Diesmal sollte die Trennung endgültig werden.

Kein weiteres Verzeihen. Keine weiteren Chancen. Kein weiteres Verständnis.

Vor allen Dingen, wollte ich mir diesmal keine Schuldzuweisungen geben. Ich wollte mich endlich abgrenzen, in meiner Mitte stehen und diese Klarheit beibehalten. Einen endgültigen Schlussstrich ziehen, das war ich mir schuldig. Was ist das für eine Ehe, in der man belogen, betrogen und hintergangen wird. Mein Fazit war: Wenn Peterles Vorstellung einer Ehe darauf beruht, den Partner zu erniedrigen, dann ist das keine Liebe, sondern ein Machtspiel!

Die nächsten Tage war ich sehr beschäftigt. In der Firma musste ich viel Zeit für den Sonderauftrag einräumen. Aber das hatte auch etwas für sich. Ich war abgelenkt. Dann mussten die Sachen für Carlotta gepackt werden. Ich erledigte alle Aufgaben, um nach Carlottas Abreise Zeit für diesen letzten Rundumschlag, zu haben. Der Tag der Abreise von Carlotta kam, der Papa war wieder ganz rührend. Wie er sich um das Töchterchen kümmerte, das hatte was. Fast hätte ich ihm dieses Theater abgenommen. Was für ein Schauspieler! Unglaublich!

»So, Carlotta, mein Schätzchen, sei hübsch lieb zu Wibke und hab einen schönen Urlaub! Du weißt ja, Mama und Papa sind jetzt ganz fleißig und wenn du wiederkommst machen wir etwas Schönes zusammen. «

Er hatte sogar, man höre und staune, der Kleinen und ihrer Freundin, der Tochter von Wibke, für jeden Tag, ein kleines Geschenk verpackt, sodass sie Papilein auch gut in Erinnerung behielt.

Was für ein toller Papa - was für ein Mann!

Ich hätte mich übergeben können, aber ich musste ja noch etwas schauspielern, also: Gute Miene machen! Das hatte ich mittlerweile gut gelernt! Ich küsste meine Süße, drückte sie fest an mich. Die Tränen schossen hoch. Stopp! Mühevoll schluckte ich. Drehte mich zur Seite, wischte die Tränen weg. Ich wollte auf keinen Fall, dass Carlotta das mitbekommt. Es tat mir in der Seele leid, dass sie wegfuhr. Auf der anderen Seite, war es sicherlich besser, wenn sie dieses Theater nicht miterleben musste. Ein weiterer Grund - auch wenn er egoistisch klingt - ein bisschen freie Zeit für mich, konnte auch nicht schaden. Mein liebster Gatte fuhr mit mir nach Hause, und legte erst einmal einen fast akrobatischen Sex-Akt hin, ich war überrascht, wie er dies alles hinbekam. Heute - Die! Morgen - Die Andere!

Da fielen mir dann wieder die Worte von Maurice ein, der war offensichtlich ganz anders.

Auch dieser Sex ging irgendwann mal zu Ende.

Die nächsten zwei Tage, verliefen zum Glück ruhig mit Peter! Mein Sonderauftrag benötigte meine volle Aufmerksamkeit.

Am nächsten Morgen, eröffnete mir Peter: »Chiara! « Ich schaute ihn an, dachte nur, was kommt jetzt?

»Ich muss dringend für drei Tage nach München, ich habe einen ganz wichtigen Termin… «

Ich blendete aus. Der Termin war sicherlich sehr arbeitsintensiv!

»Chiara, hörst du mir zu? «

»Entschuldige, ich war im Gedanken… «

Er fragte, ob ich mir nicht freinehmen könne, dann könnten wir noch einen Ausflug nach Italien machen.

Er wusste natürlich, dass ich nicht konnte, sonst hätte er gar nicht erst gefragt. Auch diesen Trick hatte ich enttarnt. Er erkundigte sich vorab nach der Auftragslage bei meinen Damen. Sofern ich mit Arbeit bis zum Umfallen, eingedeckt war, fragte er mich, ob ich mitkommen kann. Er wusste, dass ich sogar noch ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich keine Zeit hatte. Wahrscheinlich gab ihm das den nötigen Kick bei seinen Konkubinen.

Er zog los und war für drei Tage weg, also konnte ich mit meiner Zukunftsplanung anfangen.

Ich hatte mich zufällig mit meiner Nachbarin unterhalten und ihr gesagt, dass ich ein schönes neues Haus suche, möglichst in der Nähe. Wie der Zufall es wollte, sollte in der Parallelstraße ein Haus frei werden. Ich hatte einen Termin mit den Vormietern. Kaum war der holde Gatte weg machte ich den Besichtigungstermin und bat meine Freundin Iris mitzukommen.

Wir kannten uns bereits seit fünfzehn Jahren, sie war meine beste Freundin. Damals wohnten wir Tür an Tür und sahen uns täglich. Obwohl sie voll berufstätig war, einen Mann und ein Kind hatte, verbrachten wir viel Zeit miteinander; ihr Mann Klaus hatte kein Problem damit. Im Gegenteil! Wir vier verbrachten Feiertage gemeinsam, machten Ausflüge. Ihre Tochter, die kleine Nancy, hatte ich ins Herz geschlossen. Wir machten Nächte zum Tag, quatschen, lachten, machten Blödsinn. Wir waren damals unzertrennlich.

Als Peter in mein Leben kam, zog ich ans andere Ende der Stadt. Dann band ich mich immer mehr in sein Geschäft ein, Carlotta kam auf die Welt, wir gründeten die Werbeagentur, kurzum, unsere Treffen wurden seltener, schade! Umso mehr freute ich mich, sie heute zur Besichtigung des Hauses dabei zu haben.

Iris hielt mit ihrem Auto an, stieg aus. Wir fielen uns erst einmal in die Arme und drückten uns, ich freute mich sehr sie wiederzusehen. Unsere Freundschaft ließ sich durch nichts auseinanderbringen. Da standen wir nun vor dem Haus: Es war in einem unbeschreiblich schlechten Zustand. Das Badezimmer hatte noch niemals einen Farbanstrich gesehen und offensichtlich noch dieselben Fliesen und dieselbe Wanne, seit 1933! Die Küche war ebenfalls in einem schrecklichen Zustand. Es gab nur ein Wort:Furchtbar! Dennoch, das Haus hatte Atmosphäre und obwohl ich viel Geld reinstecken musste, ich wollte es. Ich hatte mich in dieses Haus verliebt, dieses oder keins, das musste es sein.

Iris war etwas verwundert: »Mensch Chiara, da musst du aber viel machen, meinst du, das ist es wert! «

Und wie dieses Haus das wert war!

Ich konnte in meinem alten Haus nicht schlafen, hatte immer das Gefühl, böse Geister wären darin. Ich fand das alte Haus zu groß, zu unpersönlich und überhaupt nicht schön. Dieses Haus aber, das hatte alles. Schöne Zimmer – keine Säle, anders, als das alte Haus. Hier konnte man richtig gemütlich leben und erst der Garten, ein Traum! Ein Hexengarten, völlig verwildert, absolut mein Geschmack. Und im Übrigen war es bedeutend günstiger. Wenn man also mit dem Vermieter noch ein bisschen handeln kann? Dann hätte ich ein neues Zuhause, indem ich mich mit Carlotta wohlfühlen konnte. Carlotta könnte mal bei Papa sein und mal bei mir. Ich wusste eins: In diesem Haus, wollte ich alleine leben, nur mit Carlotta!

Die Vormieterin gab mir eine Adresse und Telefonnummer und ich wollte das Ganze so schnell als möglich in Angriff nehmen. 

Dann ging es los…Ich rief meinen holden Gatten an.

Er wollte gerade mit Gefühlsduselei kommen, aber ich unterbrach ihn und sprach drauflos. Er brauche jetzt nicht mit irgendeinem Schauspiel anfangen, es sei nun der Punkt gekommen, wo es mir Unterkante-Unterlippe steht. Ich wollte kein weiteres Geschmuse hören, sondern endlich die Wahrheit! Ich wusste, dass er mal wieder eine Andere hat, Lügen ist zwecklos. Jetzt war es an der Zeit, die Karten auf den Tisch zu legen. Ich hatte mich entschieden und zwar gegen ihn!

»Weißt du Peter, nur weil du Peter bist, kannst du dir nicht die Rosinen rauspicken! Ich habe auch ein Recht auf ein würdiges Leben. Ich möchte nicht mehr leiden. Ich habe keine Lust mehr auf dein ewiges Fremdgehen, auf deine Lügen, deine Betrügereien, du stehst einfach nicht zu mir! Du bist für alle da, nur nicht für mich. «

»Hey, was ist denn los, ich verstehe nur Bahnhof, also, wenn das für dich ein Problem ist, dass ich in München bin, warum sagst du nichts? «

»Pass auf, es gibt nichts mehr zu sagen, es ist vorbei! Ich mag nicht mehr, dieses zweite Leben, welches du lebst, daran möchte ich nicht mehr teilhaben! Werde glücklich mit Jane – Moni – Bärbel oder wie sie heißen, aber nicht mehr mit mir. Mir reicht es! Ich denke, ich habe immer versucht dir eine gute Frau zu sein, habe dir geholfen, war für dich da, habe immer und immer wieder verziehen und geglaubt, du würdest dich ändern. «

Innerlich durchzuckte es mich…Ich sagte mir: Nur nicht schwach werden. Lass dich nicht von ihm einlullen, bleibe dir treu! Denke an alle deine Verletzungen! Bleib energisch!

Dann setzte ich meinen Satz fort: »Ich habe sogar mehrere Therapien durchgezogen, weil ich immer dachte, ich sei schuld! Ich habe das Gefühl, du kannst nicht anders. Mittlerweile glaube ich, dass du niemanden vertrauen kannst, nicht einmal, dir selber. Offensichtlich bist du deswegen immer auf der Suche und brauchst immer wieder einen neuen Kick, aber mir reicht es nun. Ich brauche nämlich keinen Kick. Ich möchte nur noch eins, meine Ruhe und meinen Frieden. Lieber bleibe ich alleine, dann weiß ich, dass ich nichts zu erwarten habe!« Plötzlich war es ruhig auf der anderen Seite, es kam ein Schluchzen. »Chiara ich liebe dich doch, ohne dich kann ich nicht leben! «

Ich konnte das Gequatsche nicht mehr hören.

»Aber mit mir offensichtlich auch nicht! Ansonsten würdest du mich nicht immer wieder verletzen. Du hast das Fass, zum Überlaufen gebracht, ich will meinen Mann nicht teilen. «

»Aber das kannst du mir doch nicht antun! «

Mist, genau davor hatte ich Angst. Genau das sagte er immer und dann kippte ich um. Also tief Luft holen und drüber stehen. Dieses Mal nicht!! »Tut mir leid, Peter, ich will nicht mehr, werde glücklich - schöne Grüße an deinen Nachbarsitz und eine erfüllende Liebesnacht! « Dann hängte ich ein.

Jetzt sollte es mir besser gehen, aber ich heulte wie ein Schlosshund. Irgendwann, kam ich wieder zu mir. Das Telefon klingelte am laufenden Band. Erst mein Handy, dann das Festnetz, so ging es zwei Stunden lang. Ich wusste, wer dran war. Ich musste mich ablenken! Ich fuhr nach Hause, da sah ich Maurice. Er kam mir entgegen, sah gleich, was los war, »Was ist los, Chiara? «

»Ich habe heute versucht Peter zu erklären, dass es aus - Schluss und vorbei ist, das ist aber nicht ganz so einfach!«

»Wollen wir beide ein Glas Wein auf meiner Terrasse trinken? «

»Nein, ich bin doch total verheult! «

»Na komm, jetzt trinken wir ein Glas Wein, dabei erzählst du mir alles. « 

Maurice war wirklich nett, ich willigte ein. Wir unterhielten uns bis das Morgenlicht fast durchkam. Es war schön mit einem Mann zu sprechen, der einem auf Augenhöhe begegnete und mich nicht runtermachte oder quälte, einer der zuhörte. Der das Gefühl vermittelte, dass er sich freute mit mir zusammen zu sitzen.

Gab es doch andere Männer?

Ich konnte es fast nicht glauben, ich war bislang immer nur an Männer geraten, die mich als Sexualobjekt gesehen hatten, die nur kurz nett waren, weil sie mich so schnell wie möglich in die Kiste haben wollten. Aber dieser Mann hörte zu; er war nur freundlich. Das war schön, und bald, ging es mir schon besser. Ich war überrascht von Maurice; ich hatte das Gefühl, dass wir beide uns sehr ähnlich waren. Wir beide liebten Italien, das Essen, den Wein. Ich hatte sogar festgestellt, dass wir dieselben Bücher lasen, was für ein Zufall! Und doch waren wir beide verschieden, ich temperamentvoll und impulsiv, er ruhig und gelassen. Es schien, als wäre er in seiner inneren Mitte angekommen. Ich dachte an unsere zahlreichen Treffen. Jetzt kannten wir uns schon sechs Jahre! Wenn die Situation Spontanität verlangte konnte er sofort umschalten. Wilde Mischung! Er konnte gut zuhören und bei Bedarf einen Ratschlag geben. Egal, um was es ging, er hatte immer eine Idee und seine Vorschläge, hörten sich immer umsetzbar an.

Nun wollte ich langsam, aber sicher los. Mir war schon etwas leichter ums Herz. Ich war nicht mehr so traurig.Ich drückte Maurice und sagte ihm, dass mir das Gespräch sehr gutgetan hat. Ich bedankte mich und fragte ihn, wann er in Urlaub fährt. »Morgen Nachmittag! «

Plötzlich zog ein Kribbeln in mir auf. Was war das?

Ich ging los. Rannte ins Haus, zog die Sachen aus, legte mich ins Bett, da ich todmüde war. Als ich im Bett lag, war ich wieder hellwach, tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf. Peter und Jane – Carlotta – Wibke und ... Maurice. Ruhig, keinen Stress, jetzt schlafe erst einmal!

Ich schlief ein, aber es war ein sehr unruhiger Schlaf. Ich wurde ein paar Mal wach. Am nächsten Morgen war ich völlig durcheinander. Ich registrierte, dass das Telefon schon wieder klingelte. Es war wie eine Melodie, das Festnetz, das Handy, das Festnetz, das Handy. Auf meinem AB waren zwölf Nachrichten! Ach, du meine Güte! Das würde ich nicht schaffen, bleib ruhig und atme tief durch. Auf meinem Handy waren sieben Anrufe in Abwesenheit. Ich drehte fast durch. Auch das noch, also erst mal kühlen Kopf bewahren! Ab in die Badewanne, dann sehen wir weiter, sagte ich mir. Ich machte mich fertig und rief erst einmal Wibke an. Sie war noch im Urlaub. Ich sagte ihr, dass ich Peter den Laufpass gegeben hatte. Sie glaubte mir nicht so recht. Typisch Wibke!

Anstatt mich zu ermuntern, hörte ich den Zweifel in ihrer Stimme, glaubte sie mir nicht?

Ich wollte Carlotta sprechen und bat Wibke, sie an das Telefon zu holen. »Hi, Carlotta, meine Süße, wie geht es dir? «

»Mama, kommst du mich abholen! «

»Carlotta, ich muss noch arbeiten, was macht ihr denn Schönes? «

»Mama, komm! «

»Carlotta, bitte sei lieb, Mama hat noch etwas zu tun. Ich kann dir noch nichts versprechen, vielleicht kann ich dich abholen, aber das weiß ich noch nicht! «

»Was macht Papa, gib ihn mir bitte! «

»Tut mir leid, Carlotta, Papa ist nicht da, der ist in München. Er hat ganz viel zu tun, der kommt erst in einer Woche wieder! «

»Sag Papa, er soll mich anrufen! «

»Das mach ich Carlotta, ich wünsche dir eine schöne Zeit, sei lieb! Viel Spaß! Mama hat dich ganz doll lieb «, ich merkte den Kloß im Hals, »ich rufe dich wieder an. Mach es gut, mein Schatz! «

Ich musste auflegen, Tränen stiegen auf, ich hatte das Gefühl, ich schaffte das alles nicht mehr. Aber wer A sagt muss auch B sagen.

Ich fuhr ins Geschäft und hatte plötzlich das dringende Bedürfnis, Maurice anzurufen. Vielleicht könnte ich ihn noch einmal sehen, bevor er nach Kreta flog. Ich hatte Glück, er war daheim. »Hallo Maurice, sag mal können wir uns sehen? Auf einen Kaffee? «

»Ich muss jetzt in die Stadt, wollen wir uns dort treffen, sagen wir in einer halben Stunde! «

Und ob ich wollte! Wir verabredeten uns in einem kleinen Café in der Altstadt.

Ich ging zu meinen Damen und sagte, ich müsse noch einmal dringend weg. Sie schauten mich an und fragten, ob dies wohl ein neuer Durchbruch für das Geschäft wäre, da meine Augen so strahlten.

»Wenn ich ehrlich bin, ich wollte mich mit meinem Nachbarn kurz treffen, da dieser heute in den Urlaub fliegt.«

Sie grinsten mich an, was sollte denn das nun wieder? Also, verstehe einer die Menschen, was war denn nur dabei, wenn ich mich mit meinem Nachbarn auf einen Kaffee treffen wollte. Tja, was war dabei???

Ich fuhr los und stellte fest, dass ich mich so eigenartig auf dieses Treffen freute. Offensichtlich kam ich zu früh im Café an, Maurice war noch nicht da. Ich bestellte einen Latte macchiato. Ein bisschen Italienfeeling, musste sogar in Deutschland sein. Dann sah ich ihn. Was war denn das?

Ein Kribbeln in meiner Brust, also, jetzt verstand ich gar nichts mehr.

»Hallo, Maurice, schön dich zu sehen, wann geht dein Flug? «

»In fünf Stunden, aber ich muss noch dringend einiges erledigen, also ich habe nicht viel Zeit! «

»Toll, dass du dir die Zeit genommen hast. Ich freue mich, dich zu sehen! «

»Wie geht es dir, Chiara? «

Wie er immer Chiara sagte, es lief mir doch glatt ein Schauer über den Rücken, er sprach den Namen so nett aus…Höre auf, Chiara, cool bleiben!

»Es geht, ich hatte einfach keine Lust zum Arbeiten. Ich wollte dich gerne sehen und ich finde es toll, einfach mal die Arbeit zu schwänzen, ansonsten bin ich ja immer so verantwortungsbewusst! «

Wir unterhielten uns noch ein wenig, dann musste er los, ich drückte ihn zum Abschied und wünschte ihm viel Spaß im Urlaub. Wir machten noch ein paar Witze darüber, dass er ein Doppelzimmer gebucht hatte, und ich sagte ihm: Na vielleicht, bekommst du eine nette Blondine ins Zimmer gelegt. Dann gingen wir auseinander.

Ich war völlig verwirrt. Was war nur los mit mir? Ich kannte mich so gar nicht. Ich fuhr ins Geschäft, erledigte noch einiges.