Christlicher Atheismus - Wilhelm Wagenbauer - E-Book

Christlicher Atheismus E-Book

Wilhelm Wagenbauer

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Beschreibung

Der Verfasser denkt in Epochen der Menschheitsentwicklung. Vernunft und Bildung werden zunehmen, Religion und Nationalismus werden abnehmen. Religion und Gewalt passen nicht zusammen (Islamismus). Zwischenzeitlich muss die Kirche sich ändern in Form, Glaubenssätzen, Liturgie, Sexualität. Am Wichtigsten bleibt die Ethik.

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Seitenzahl: 107

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Inhalt

Vorwort

Prolog

Warum es Gott nicht geben kann

Blick auf die Bibel

Glaube und Vernunft

Evolution

Aber Sorge um die Ethik

Gottvertrauen?

Theodizee-Frage

Der Weltenschöpfer

Der Urknall und die drei Evolutionen

Kampf, Krieg, Islam

Tradition, Bibel, Israel

Kirche, Sexualität, Nacktheit

Heiligkeit, Liturgie

Tradition, Bischofskult

Neue christliche Feier

Weltethos

Zum irdischen Paradies

Das christliche Ethische Zentrum

Kommunale Entwicklungshilfe

Die parteilose Partei (OPP

)

Ethische Feiern

Grundsätze:

Die vier internationalen Säulen der Ethik

Vorwort

Es ist keine wissenschaftliche, gut recherchierte Abhandlung. Eher sind es Memoiren eines sehr alten Mannes, der sich sein Leben lang mit Religion herumgeschlagen hat, nun bei einem christlichen Atheismus angekommen ist und bei der Ethik Jesu bleiben will. Er unterscheidet sich von anderen Atheisten, die von außen kommen.

Er kommt von innen. Er möchte das Beste für die Kirche retten, die vom Glaubensverlust immer schwerer getroffen wird. Er ist selbst betroffen. Den Glauben leben, heißt es. Gemeint ist aber die christliche Ethik, wer denkt dabei noch an das Glaubensbekenntnis? Das ist sehr löchrig geworden, wenn überhaupt noch gegenwärtig. Das eigentlich Wichtige für den Einzelnen wie für die Gemeinschaft ist die Ethik. Dass sie erhalten bleibt, auch bei Glaubensverlust, darum geht es. Zuallererst geht es um Wahrheit. Darauf kann man nicht verzichten. Leider bleibt dabei der religiöse Glaube auf der Strecke. Der Gottsucher muss zuerst Wahrheitssucher sein. Die Theologen, die sich nur mit der Bibel beschäftigen, können zur Gottesfrage nicht sehr viel beitragen. Denn diese liegt noch vor der Bibel, die nur eine der möglichen Meinungen darstellt.

Wie sieht die Zukunft aus? Wie sollte sie aussehen? Entwürfe, Vorstellungen. Die Wiedervereinigung im Glauben geht besser bei abnehmendem Glauben und mündet in die Wiedervereinigung in der Ethik.

Prolog

Wenn es Gott, Jehova, Allah entgegen meinen Erwartungen doch gibt, dann werde ich ihn bald kennen lernen, denn ich bin schon über achtzig Jahre alt. Der Urknaller, der gerne Sonnen explodieren, Galaxien ineinander krachen lässt, der das Universum mit alles vernichtenden Schwarzen Löchern übersät, der Schöpfer des Alls, wurde von den Erdenwinzlingen Adam und Eva so geärgert, dass deswegen noch ein paar Millionen Jahre danach, Jesus grausam umgebracht werden musste, und auch ich deswegen nun bald sterben muss. Wenn ich vor ihm stehe, werde ich einiges sagen. Ich werde mich freundlich bedanken für ein schönes, glückliches und auch glückhaftes

Leben. „Aber“, werde ich sagen, „da ich beeinflusst bin von unserem beiderseitigen Freund Jesus, muss ich fragen nach den unzähligen Mitmenschen aller Zeiten und Kontinente, die in Not und Verzweiflung waren, in Krankheit, überfallen von deinen Stechfliegen, deinen Bakterien, deinen Viren, in Seuchen versiecht, in Armut erniedrigt, verhungert in Hungersnöten, tyrannisiert von Tyrannen wie Hitler und Stalin, vergast in Konzentrationslagern, millionenfach zerfetzt in Kriegen, vertrieben, geflüchtet, obdachlos, von Vulkanen verbrannt, in Wasserfluten ertrunken, bei Erdbeben lebendig begraben.....

Das himmelschreiende Elend der Welt ist nie zu dir gedrungen. Die gequälten Menschen haben zu dir gebetet und um Hilfe geschrien. Du hast es überhört. Du hast alles Schlimme sogar vorausgesehen, aber du hast es nicht verhindert, obwohl es dir ein Leichtes gewesen wäre.

Deine Unterlassungssünden sind gewaltig. Guter Gott? Liebender Vater?

Nicht für alle! Das Dauerlob Gottes ist unberechtigt. Statt Dank für die Errettung aus Katastrophen entgegen zu nehmen, hättest du die Katastrophen verhindern können und damit auch alle anderen Menschen verschont. Wenn man so viel Macht hat wie du, dann kann man nicht nur mit Galaxien und Schwarzen Löchern Golf spielen. Als Schöpfer aller Dinge, als Vater aller Menschen hat man Verpflichtungen.

Denen bist du offensichtlich nicht in ausreichendem Maße nachgekommen. Du hast uns Menschen durch die Propheten, durch Jesus, durch Mohammed eine sehr gute Ethik predigen lassen. Aber du selbst hältst dich nicht daran. Bei deinem widersprüchlichen Verhalten kannst du nicht gleichzeitig verlangen, dass alle Menschen an dein Dasein glauben. Und ich würde gerne wissen, warum du es nötig hast, dich so zu verstecken vor den Menschen überall auf der Erde, dass viele dich trotz eifrigen Suchens gar nicht finden können. Andere, die glauben, dich gefunden zu haben, gründen die verschiedensten unglaubwürdigen Religionen, bekämpfen sich gegenseitig oder bringen sogar mit Heiligem Krieg Menschen ums Leben zu deiner Ehre...

Du bist schuld! „...der alles so herrlich regieret“. Bist du nicht der Herr und Lenker der Geschichte? Das hättest du sein können und sollen. Aber sogar die Erfinder des Glaubens an dich, dein eigenes treues Bundesvolk hast du treulos im Stich gelassen. Der Papst hat in Auschwitz ausgerufen: “Gott, wo warst du?!“ Welch eine Blamage für dich und auch für deinen Stellvertreter auf Erden! Dreißig Attentatsversuche auf Hitler hast du knapp scheitern lassen. Du hast die zigmillionenfachen Massenmörder des zwanzigsten Jahrhunderts, Hitler, Stalin, Mao, Pol Pot u.a., ungestört gewähren lassen und dich damit in ihre Reihe gestellt. Du bist allmächtig, allwissend, allgegenwärtig, deine Mitschuld ist riesengroß. Diese menschlichen Katastrophen waren so ungeheuerlich, dass ein lebendiger Gott, erst recht der „liebende Vater“ Jesu Christi, daran unmöglich untätig vorbei gehen konnte. Samariter?! Jetzt wird endgültig klar: Das Schicksal der Menschen ist dir gleichgültig. Für die Menschen bist du ohne Bedeutung. Die monotheistischen Religionen haben sich in dir geirrt. Die Menschheit wird sich von dir verabschieden. Deine große Zeit bei den Menschen geht nun langsam aber sicher zu Ende. Einen solchen Gott kann es nicht geben. Auch Jesus hat sich geirrt. Aber wir behalten ihn.

Warum es Gott nicht geben kann

Dieser Prolog ist schon einige Jahre alt. Und nun wieder diese großen Katastrophen, Erdbeben und Tsunamis. Und wieder drängen sich einem Gedanken auf. Jeder religiös interessierte Mensch kommt nicht an der Frage vorbei: Wo war Gott? Es ist die alte Theodizee-Frage: Wie kann Gott das zulassen? Ohne eine gültige Antwort auf diese Frage ist kein sicherer Glaube möglich. Und damit kommen auch andere religiöse Probleme mit hoch. Es geht um Wahrheit und Wirklichkeit und wie weit uns Ideologien davon abgebracht haben, auch Ideologien, die bereits eine Ehrfurcht gebietende Tradition hinter sich aufzeigen können. Der Drang nach Wahrheit und Wirklichkeit ist durch Ideologie und Religion nicht zu stoppen. Es ist die Zeit gekommen, nach langem Nachdenken Konsequenzen zu ziehen und wenn nötig, sich zu distanzieren.

Wo war Gott bei den großen Katastrophen? Beispiel die Pest. Oder der Dreißigjährige Krieg. 30 Jahre das Land verwüstet, Menschen terrorisiert, ermordet. Am Ende lebte nur noch die Hälfte der Bewohner. Dabei ging es doch eigentlich um die Sache Gottes, um den richtigen Glauben an ihn. Und er kümmert sich um nichts. Trotz aller Hilfeschreie und Gebete. Was ist das für ein Gott und Vater?

Es kann nur den Gott geben, der ein Gott ist für die Menschen, die er erschaffen hat, auf diese Erde gestellt hat, mit Geist begabt hat, damit sie mit ihm kommunizieren können. Auf einen Gott, der sich nur um das Außerirdische kümmert, können wir verzichten. Was helfen dann die Gebete? Sie richten sich an einen Gott, der alles kann und unsere Situation genau kennt, aber nichts tut. Daher sind alle Gebete in Wirklichkeit nur Vorwürfe an Gott für sein Nichtstun. Sie können nur unserer eigenen Bewusstseinsbildung dienen.

Das Böse ist der Preis der Freiheit, die Gott dem Menschen unbedingt lassen will? Nehmen wir Hitler. Kann Gott 50 Millionen Menschen ermorden lassen, weil der Herr Hitler seine Freiheit haben soll? Nein. Gott muss handeln. Aber es sieht eher so aus, als ob Gott mit Hitler im Bunde war, nachdem 30 Attentatsversuche knapp gescheitert sind.

Die Freiheit des Einen wird begrenzt durch die Freiheit des Anderen. Das ist eine ethische Forderung, die sich immer wieder konfrontiert sieht mit der lebendigen Wirklichkeit, die seit Urzeiten von der brutalen Evolution bestimmt wird. Das Individuum hat die Bestrebung: größer, stärker, mächtiger auch auf Kosten anderer. Vom gerechten Gott wird die ausgleichende Gerechtigkeit erwartet. Da er sie auf Erden offensichtlich nicht bewirkt, versprechen die Theologen sie für das unkontrollierbare Jenseits. Und damit haben sie das dringend erforderliche Eingreifen Gottes bewiesen. Auf diese Weise kann man auch dieses gute Belohnungssystem etablieren: Wenn ein Terror-Selbstmörder viele Ungläubige ermordet, bekommt er im Paradies viele Jungfrauen.

Das unerklärliche Naturszenarium, das die Nomaden tagtäglich hautnah sahen und erlebten, war der Hintergrund für ihre Religion, die auch auf uns gekommen ist. Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Der wunderbare gestirnte Himmel über uns und das Wetter, das aus den Wolken kommt. Über den Wolken muss ein guter Vater wohnen, wenn er auch manchmal zu Recht zürnt.

Die Wissenschaftler haben nie Ruhe gelassen, dieses mythische Dunkel zu lichten, und Wahrheit und Wirklichkeit an den Tag zu bringen, ein weiter Weg, der noch nicht zu Ende ist. Viele Persönlichkeiten sind ihn gegangen, z.B. Kopernikus und Galilei. Die Wissenschaft hat ihre Arbeitsmittel immer mehr verbessert: Superteleskope, Superrechner, Mathematik, Chemie, Riesenexperimente. Übereinstimmend sagen die Wissenschaftler, dass das Universum durch eine gigantische Explosion, den Urknall, vor 13,7 Milliarden Jahren entstanden ist. Von da an ist die Materie in kleinsten Teilchen chaotisch nach allen Seiten in den Weltraum geschossen. Es bildeten sich Nebel mit Turbulenzen und Verdichtungen, aus denen Weltenkörper entstanden. Wurden sie sehr groß, dann sorgte die Schwerkraft für genügend Hitze, um Atomexplosionen zu zünden, ein leuchtender Stern war geboren. Das klingt alles sehr ungöttlich. Die Astronomen können uns sozusagen Gott bei der Weltschöpfung fotografisch vorführen. Sie kennen viele chaotische Himmelsgegenden, wo Sternentstehung laufend stattfindet. An ihrem Lebensende explodieren sterbende Sterne. Sie schicken einen unförmigen Materienebel ins Weltall und sorgen so für Neuentstehungen. Dieses Stirb und Werde ist überall. Dabei entwickelt sich das Weltall. Auch unsere Sonne ist so entstanden, etwa vor fünf Milliarden Jahren, und etwa ebenso lange wird sie noch leben bis ihr Brennstoff verbrannt ist. Die liebe Mutter Sonne ist eine Ansammlung von Atombombenexplosionen. Sie wird am Ende selber explodieren oder sich gewaltig ausdehnen zu einem Roten Riesen, der auch die Erde verschlingt.

Es ist eigentlich schwer zu verdauen, was uns die Wissenschaftler da serviert haben. Wir waren doch gewöhnt vom Kosmos zu sprechen, das heißt von schön geordneten Gestirnen, von Sphärenharmonie. Es herrscht aber in Wirklichkeit die Tendenz zu Kollisionen, Explosionen, zum gegenseitigen Auffressen. Es wird berichtet von der Entdeckung einer uralten Galaxie mit einem Schwarzen Loch, das schon die Masse von einer Milliarden Sonnen an sich gerissen hat. Statt von Kosmos müsste man von Chaos sprechen. Wenn das ein Gott geschaffen haben sollte, wäre er wohl ein Chaot.

Die Wissenschaft ist dem Schöpfungsakt auf der Spur. Die Entwicklungszustände der Materie vor dem Aufleuchten der Sterne sind experimentell erforscht. Man ist bis Minuten und Sekunden an den Urknall heran gekommen. In Genf hat die europäische Astrophysik ein Milliarden – Forschungsprojekt gebaut, einen unterirdischen 27 Kilometer langen Ring-Tunnel. Hier soll die Materie der ersten Sekunde nach dem Urknall untersucht werden. Ob der Urknall selbst danach erklärt werden kann, ist noch offen. Falls es eine Lösung gibt, ist sie mit Sicherheit nicht plötzlich theologisch. Sie kann nur in der Richtung der bisherigen Forschungsergebnisse und Berechnungen liegen. Man kann heute nicht mehr einsehen, wieso in solche physikalischen Vorgänge unbedingt ein Gott hineingebracht werden muss. Aber das ist der Anfang unserer Religion. Die Nomaden haben das so gesehen. Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Der wichtigste Satz unserer Religionsgründer ist sehr zu bezweifeln.

Gottes Wirken auf Erden ist auch in den vergangenen zweitausend Jahren immer das große Thema gewesen. Die Geistlichkeit muss ja auf jeden Fall darauf beharren, dass Gott gut ist. Bei gutem Verlauf, Schönheit der Natur usw. ist Dankbarkeit geboten. Das Problem ist aber der schlechte Verlauf. Beim einzelnen Menschen ist es noch einfach. Er hat gesündigt und verdient Strafe. Besonders die Sexualität konnte man dafür gut missbrauchen, nachdem man sie vorher verteufelt hatte. Die Sündenpredigt von der Kanzel machte großen Eindruck, trieb die Menschen in die Verzweiflung, in die Beichtstühle, in die Kirche zur Erlösung durch die Sakramente. Die Autorität der Geistlichkeit auf dem Höhepunkt.

Die großen Katastrophen auf der Erde machen aber Schwierigkeiten, wenn man den Schöpfer entschuldigen will. Z.B. Lissabon 1755. Die Stadt hatte damals 275 000 Einwohner. 60 000 Tote verursachte ein Erdbeben. Die Stadt zerstört. In ganz Europa wurde heftig die Frage diskutiert „Wie kann Gott das zulassen?“, die Theodizee-Frage. Viele Intellektuelle zogen damals die Konsequenz: Er kann es nicht zulassen, diesen Gott kann es nicht geben. Die Theologen haben ja diesen Gott zutreffend beschrieben, nicht etwa so monströs wie Prof. Dawkin (Atheist) wortgemäß nach dem Alten Testament. Die Theologen haben ihn so gut geschrieben und beschrieben, wie er notwendig sein muss als Schöpfer von Himmel und Erde, besonders der Menschen. Jesus hat ihn gar den liebenden Vater der Menschen genannt. Es ist undenkbar, dass der Schöpfergott noch die Erde mit tödlichen Gefahren ausstattet, die Menschen hineinstellt und sich dann um nichts mehr kümmert.