City of Love – Hunter & Josie - Layla Hagen - E-Book
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City of Love – Hunter & Josie E-Book

Layla Hagen

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Beschreibung

Das sind die attraktivsten Singles von New York! Josie und Hunter sind seit der Highschool beste Freunde. Dass die ehrgeizige Anwältin und der erfolgreiche Investor seit Jahren Gefühle füreinander haben, verheimlichen sie um ihrer Freundschaft willen. Als dem gebürtigen Engländer das Visum entzogen werden soll, beschließen sie, für drei Jahre eine Scheinehe einzugehen, um Hunter eine Greencard zu besorgen. Doch können sie das verliebte Paar mimen, ohne ihrer Freundschaft zu schaden? Schon während der Hochzeitsreise verschwimmen die Grenzen und ihr Begehren füreinander wächst. Es kommt zu einem Kuss, der sie alle Vorsicht vergessen lässt … Verführerisch, leidenschaftlich, sexy – Nach den »Flowers of Passion« und den »Diamonds for Love« meldet sich Bestsellerautorin Layla Hagen mit einer neuen Romance-Reihe zurück! »Einmal angefangen, kann man Layla Hagens Bücher nicht mehr zur Seite legen.« Geneva Lee, Autorin der »Royals«-Serie Alle Bände der »New York Nights«: Band 1: City of Love – Hunter & Josie Band 2: City of Dreams – Heather & Ryker Band 3: City of Hearts – Robert & Skye Band 4: City of Promises – Laney & Cole Band 5: City of Kisses – Tess & Liam

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Aus dem Amerikanischen von Vanessa Lamatsch

Deutsche Erstausgabe

© Layla Hagen 2020

Titel der amerikanischen Originalausgabe:

»You’re the One«, Independently Published 2020

© Piper Verlag GmbH, München 2021

Redaktion: Anita Hirtreiter

Covergestaltung: zero-media.net, München

Covermotiv: FinePic®, München

Konvertierung auf Grundlage eines CSS-Layouts von digital publishing competence (München) mit abavo vlow (Buchloe)

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Inhalt

Inhaltsübersicht

Cover & Impressum

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Epilog

Buchnavigation

Inhaltsübersicht

Cover

Textanfang

Impressum

Kapitel 1

Hunter

»Wollen wir von hier verschwinden?«, fragte ich meine beste Freundin Josie.

»O ja.«

Wir hielten uns in den Hamptons auf, wo wir bei einem meiner Kunden zu einem Brunch anlässlich des Vierten Juli eingeladen waren.

»Wie viel Uhr ist es überhaupt?«, murmelte Josie. Sie riss die Augen auf, als sie aufs Handy sah. »Hunter, es ist schon drei Uhr. Wir werden nicht rechtzeitig zu Amelia kommen. Sie wird uns wegen der Verspätung ordentlich in die Mangel nehmen.«

»Nicht, wenn wir mit ihrem Lieblingsdessert auftauchen«, gab ich zurück. Amelia war meine Tante, die uns bei sich in Brooklyn zum Abendessen erwartete.

»Stimmt. Schließlich ist es unsere beste Strategie, Leute mit Essen zu bestechen.« Sie schenkte mir ein Lächeln. Josie Gallagher kannte mich besser als jeder andere. Wir verabschiedeten uns von meinem Kunden, verließen das Haus und sprangen in meinen BMW, wobei wir an einer Menge New Yorker vorbeikamen, die gerade erst in die Hamptons strömten.

Ich war froh, dass wir den Rest des Tages mit meiner Familie verbrachten. Amelia mochte sämtliche Feiertage, und der Vierte Juli lag ihr besonders am Herzen, denn er war eine Gelegenheit, alle Familienmitglieder um sich zu versammeln – meine vier Cousins und Cousinen, Josie und mich. Amelia war für mich viel mehr als nur eine Tante … sie hatte mich quasi großgezogen. Und wenn ich jetzt so darüber nachdachte, galt dasselbe auch für Josie.

Als wir in einen Stau gerieten, kaum dass wir den Shinnecock Canal überquert hatten, drängte sich mir die Frage auf, ob es wirklich klug gewesen war, heute in die Hamptons zu fahren – obwohl wir doch gewusst hatten, dass wir abends noch wie jedes Jahr bei meiner Tante waren. Aber ich hatte die Einladung zum Brunch nicht ausschlagen können. Mir gehörte eine der größten Baufirmen des Landes … und der Kunde, der die gesellige Runde veranstaltet hatte, stand kurz davor, den nächsten Vertrag mit mir zu unterschreiben.

»Danke, dass du mich heute begleitet hast«, sagte ich.

Josie band ihr dunkelbraunes Haar zu einem Pferdeschwanz und schenkte mir ein weiteres, atemberaubendes Lächeln. Ich bat sie regelmäßig, mich zu solchen Events zu begleiten. Zusammen mit meiner besten Freundin machte einfach alles viel mehr Spaß.

»Jederzeit. Oh … und falls du auch mein Lieblingsdessert kaufen willst, wenn du sowieso schon anhältst, um etwas für Amelia zu besorgen, würde mir das überhaupt nichts ausmachen.«

»Wird erledigt. Noch etwas?«

»Hey, führe mich nicht in Versuchung.«

Ich lachte, dann konzentrierte ich mich wieder auf die Straße. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, dass Josie auf ihr Smartphone sah. Sie hatte es bereits beim Brunch ein paarmal auf Nachrichten gecheckt.

»Wieso schaust du immer wieder aufs Handy?«

»Ich habe meinen Eltern zum Vierten Juli etwas geschickt. Eine Überraschung. Ich kann es nicht erwarten, von ihnen zu hören.«

»Was hast du ihnen denn geschickt?«

»Ihr Lieblingsdessert.«

»Wer besticht jetzt wen?«

Breit grinsend zuckte sie mit den Achseln. »Hey, wir sind seit fünfzehn Jahren befreundet. Wurde auch Zeit, dass ich mir ein paar deiner Tricks zu eigen mache. Außerdem will ich sie gar nicht bestechen. Ich hoffe nur … dass ich sie so motivieren kann, mich bald mal zu besuchen.« Josies Eltern lebten in Montana.

Josie und ich waren auf dieselbe Schule gegangen. Wir waren befreundet, seitdem sie in einen Streit mit dem Schulhofrowdy geraten war und ich sie verteidigt hatte. Damals war sie fünfzehn gewesen, ich siebzehn. Ab diesem Zeitpunkt war sie mir nicht mehr von der Seite gewichen. Am Anfang hatte mich das genervt – wie es typisch war für einen Teenager, der nicht von einem jüngeren Mädchen verfolgt werden wollte.

Doch mit der Zeit war Josie mir ans Herz gewachsen, und bald schon war ich es gewesen, der ihr ununterbrochen auf den Fersen war. Sie schien Ärger fast magisch anzuziehen. Ich konnte nicht genau sagen, wann wir beste Freunde geworden waren. Darüber hinaus hatte ich keine Ahnung, wann meine Freundin sich in eine unglaublich heiße Frau verwandelt hatte. Sie war groß, hatte tolle Kurven und endlos lange Beine. Ständig führte sie mich in Versuchung; doch ich war klug genug, diesen Impulsen nicht nachzugeben.

»Wieso bist du nicht zu ihnen geflogen?«, fragte ich.

»Ich stecke mitten in einem wichtigen Fall. Ich kann mir nicht einfach freinehmen.«

Ich wusste genau, wovon sie sprach. Sobald man sich einmal in die Tretmühle begeben hatte, kam man aus ihr nicht mehr heraus. Ansonsten verlor man. Josie war eine erfolgreiche Anwältin, doch sie arbeitete sogar noch mehr als ich. Eines Tages würde ich sie damit überraschen, dass ich ihre Familie für einen Besuch einfliegen ließ. Dabei musste ich mich allerdings clever anstellen: Meine beste Freundin mochte keine großen Geschenke.

»Wir hätten so planen müssen, dass wir nach dem Brunch direkt zu Amelia fahren können«, murmelte Josie. »Aber ich will aus diesem Kleid raus.«

Verdammt. Dieses Bild konnte ich in meinem Kopf wirklich nicht brauchen. Sie trug ein eng anliegendes weißes Kleid mit High Heels, das schon den ganzen Vormittag dafür gesorgt hatte, dass mir der Kopf schwirrte.

»Ich weiß. Ich will diesen Anzug auch loswerden«, antwortete ich. Bei einem Kundenbrunch konnte man nicht in lässigen Klamotten erscheinen.

Zu unserem Glück blieb uns tatsächlich noch etwas Zeit, als wir die Stadt erreicht hatten. Als Erstes setzte ich Josie ab. Sie sprang förmlich aus dem Auto und hielt gerade lange genug an, um noch mal kurz zu mir zurückzuschauen. »Vergiss mein Dessert nicht.«

Ich grinste. »Ich würde doch niemals wagen, ohne es aufzutauchen.«

Kapitel 2

Josie

Nur zwei U-Bahn-Stationen vor dem Ziel piepte mein Handy mit einer Nachricht. Ich hatte mich so schnell wie möglich umgezogen und trug jetzt ein Baumwollkleid mit Spaghettiträgern. Meine Füße steckten in Flip-Flops. Es war das perfekte Outfit, um sich der Julihitze zu stellen.

Mom: Wir haben gerade die Süßigkeiten bekommen. Sie sind KÖSTLICH!

Alle in meiner Familie waren Schleckermäuler. Ich konnte mir lebhaft das Gesicht meiner Mutter vorstellen, als sie das Paket erhalten hatte. Ich hielt mein Handy fester und lächelte die anderen Passagiere in der Subway an. Die Stimmung war vollkommen anders als auf meiner täglichen Pendlerfahrt in die Arbeit, wenn alle es eilig hatten und entweder Kaffeebecher umklammerten oder bereits auf ihren Laptops herumtippten.

Heute waren alle entspannt und in Feierlaune. Ich entdeckte sogar ein paar Passagiere mit kleinen Flaggen in den Händen. New York verwandelte sich am Nationalfeiertag. Manche Leute um mich herum sprachen darüber, ein Picknick im Central Park abzuhalten. Andere wollten die Feuerwerk-Bootsfahrt machen. Für mich war es Tradition, den Vierten Juli bei Amelia zu verbringen. Sie und Hunters Cousins und Cousinen waren Teil meiner Familie.

Und was Hunter selbst anging … die beste Beschreibung für unser Verhältnis war: »Es ist kompliziert.« Ich hatte für ihn geschwärmt, als wir uns kennengelernt hatten, aber wem wäre es anders ergangen? Hunter hatte selbst mit siebzehn schon wie ein Mann gewirkt. Doch ich hatte meine Gefühle für ihn vor Unzeiten ad acta gelegt … oder zumindest hatte ich das geglaubt. Überwiegend zumindest. Mit seinem hellbraunen Haar, den leuchtend blauen Augen und diesem anbetungswürdigen Körper strahlte er so viel Männlichkeit aus, dass es mir manchmal sogar schwerfiel, mich im selben Raum mit ihm aufzuhalten. Aber dreißigjährige Frauen gaben sich keinen geheimen Schwärmereien hin. Sie hatten Verabredungen und führten Beziehungen. Und wenn sie Glück hatten, fanden sie jemanden, der ihr Herz im Sturm eroberte. Jemanden, den sie heiraten und mit dem sie Kinder bekommen konnten. Ich wollte das. Bisher war mir dieses Glück noch nicht vergönnt gewesen, doch ich ging hartnäckig weiter auf Dates.

Amelia lebte zusammen mit ihrem Ehemann Mick in Brooklyn in einem niedrigen Wohnblock. Als ich ankam, waren Hunters Cousins und Cousinen bereits da: Tess, Skye, Cole und Ryker.

»Hey, Josie! Wo ist Hunter? Ich dachte, ihr wart gemeinsam in den Hamptons.«

»Er ist unterwegs. Wir mussten uns erst noch umziehen. Er bringt auch Nachspeisen mit.«

Tess strahlte. »Oh, das ist ja toll.«

Grinsend rieb sich Skye den Bauch. Cole und Ryker umarmten mich. Vor Jahren hatte ich sie alle auf einer Geburtstagsparty kennengelernt. Ich stammte selbst aus einer großen Familie – ich hatte zwei Brüder und eine Schwester –, doch die Winchester-Geschwister spielten in einer ganz eigenen Liga.

Ryker hatte ich sofort den Spitznamen »Flirtmeister« verpasst. Fälschlicherweise hatte ich Cole »Gentleman« getauft, bevor ich das in »Charmeur« umgewandelt hatte. Mit »Hurrikan« war Tess gemeint – weil sie oft den Ton angab und alle mobilisierte. Ehrlich, ich hatte einfach so viele Leute neu kennengelernt, dass es mir leichter gefallen war, mir Spitznamen zu merken als die richtigen Namen. Skye war die einzige Schüchterne in der Familie gewesen, auch wenn sich das über die Jahre geändert hatte. Mir war die ganze Familie ans Herz gewachsen.

Kaum hatte ich alle begrüßt, erschien Hunter mit Blumen sowie dem versprochenen Nachtisch – Apfelkuchen und Pannacotta, mein Lieblingsdessert – im Gepäck.

Ich bemerkte sein Stirnrunzeln, bevor er zu Amelia in die Küche verschwand. Er war bester Laune gewesen, als er mich abgesetzt hatte. Was war seitdem geschehen?

Das musste ich sofort herausfinden.

Kapitel 3

Hunter

Ich ging sofort in die Küche, wo eine zarte Frau mit grauem Haar, das sie in einem strengen Dutt trug, gerade nach dem Roastbeef sah. Amelia lächelte, als ich ihr den Blumenstrauß und die Nachspeisen reichte.

»Danke.« Als ich mich vorbeugte, um ihr einen Kuss auf die Wange zu drücken, schaltete sich Amelias Problemradar ein, und sie fragte: »Was ist mit dir los, Junge? Du wirkst abgelenkt.«

Sie hatte recht. Vor dem Aufbruch hatte ich zum ersten Mal seit einer Woche meine E-Mails gecheckt und dabei eine sehr beunruhigende Nachricht entdeckt. Doch ich hatte nicht vor, ihr oder irgendwem anderen heute die Laune zu verderben.

»Wie üblich, Stress in der Arbeit«, sagte ich unbestimmt, in der Hoffnung, sie damit vorerst zufriedenzustellen.

»Das solltest du heute besser alles vergessen. Ich will so was nicht an meinem Tisch haben, Hunter Caldwell.«

»Ja, Ma’am.«

Ich war entschlossen, das Problem aus meinen Gedanken zu verdrängen. Ich würde das in Ordnung bringen, so wie ich für gewöhnlich alle Hindernisse aus dem Weg räumte. Ich hatte meine Firma gegen alle Widerstände aufgebaut. Also würde ich auch für dieses Problem eine Lösung finden – aber nicht heute Abend.

Ich musste mich einfach auf meine Familie konzentrieren. Mit ein bisschen Glück würde niemand etwas merken. Ich ging ins Wohnzimmer, wo sich meine Cousins und Cousinen und Josie tummelten.

»Hunter, hast du dich beim Brunch mit dem Kunden geeinigt?«, fragte Cole. Er war mein Geschäftspartner, doch wir hatten uns darauf geeinigt, dass heute nur ich zu dem Brunch gehen würde, weil wir sonst übereifrig gewirkt hätten.

Skye, die zwischen uns stand, schüttelte den Kopf und wedelte mahnend mit dem Zeigefinger.

»Jungs, ein kleiner Rat: Bringt Mom nicht gegen euch auf, indem ihr jetzt übers Geschäft redet. Ihr kennt ihre Regel: Bei Familienfeiern wird nicht über die Arbeit gesprochen.«

»Skye hat recht. Ich bringe dich später auf den neusten Stand.«

Stattdessen unterhielten wir uns über das bevorstehende Feuerwerk. In Gedanken war ich sowieso nicht beim Brunch oder meinem Kunden. Ich hatte größere Sorgen. Ich dachte, ich hätte das geschickt verborgen – bis Josie mich zur Seite zog.

»Spuck es aus. Was ist los?«, fragte sie. Meiner besten Freundin entging nie etwas. Ich hätte wissen müssen, dass ich sie nicht täuschen konnte. Ich könnte versuchen, der Frage auszuweichen, doch die Erfahrung hatte mich gelernt, dass ich damit nicht durchkommen würde. Also nickte ich in Richtung der Bibliothek.

»So schlimm? Dann mal los«, sagte sie.

Im allgemeinen Chaos bemerkte niemand, dass wir uns verkrümelten.

»Willst du etwas trinken?«, fragte ich, als ich die Tür hinter uns schloss. Amelia hatte eine kleine Bar in der Bibliothek.

Josie musterte mich eingehend, dann nickte sie. Ich gab ihr ein Glas Rotwein und schüttete ihr anschließend mein Herz aus.

»Ich habe eine Benachrichtigung der Einwanderungsbehörde in meinen Mails gefunden. Sie verlängern mein E2-Visum nicht.«

Mittlerweile lebte ich schon seit achtundzwanzig Jahren in den Vereinigten Staaten, doch ich besaß immer noch einen britischen Pass. Nach Abschluss meines Studiums hatte ich erst ein Arbeits- und dann ein Unternehmervisum beantragt. Ich hatte die ganze Zeit vorgehabt, mich irgendwann um die Staatsbürgerschaft oder eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu bemühen, das aber immer wieder nach hinten verschoben, weil mir einfach die Zeit gefehlt hatte, mich um alles zu kümmern. Außerdem war die Angelegenheit auch nie besonders dringlich gewesen, weil meine Visa regelmäßig verlängert worden waren. Bis jetzt. Ich lebte nun seit meinem vierten Lebensjahr hier, in New York. Mein Vater war einer der erfolgreichsten Geschäftsleute der Stadt gewesen, bis seine Firma bankrottgegangen war. Kurz darauf, als ich vierzehn war, war er an einem Herzinfarkt gestorben.

Mom war in ihre Heimatstadt London zurückgezogen. Ich dagegen hatte beschlossen, in den USA zu bleiben, weil ich ein Stipendium für eine örtliche Privatschule bekommen hatte, die auch eine Internatsoption anbot. Das war eine turbulente Zeit in unserer Familie gewesen. Mom und Amelia waren Schwestern. Amelias damaliger Ehemann hatte mit Dad zusammengearbeitet und das Büro in Boston geführt. Nach dem Bankrott hatte er Amelia und seine Kinder wegen einer Jüngeren verlassen. Bis dahin war Amelia Hausfrau und Mutter gewesen. Sie war nicht darauf vorbereitet gewesen, sich einen Job zu suchen und alleinerziehend zu sein. Mom war gut mit der Direktorin meiner Schule befreundet gewesen und hatte ein paar Strippen gezogen, um ihrer Schwester eine Stelle als Lehrerin zu verschaffen. Amelia war mit ihrer Familie nach New York gezogen und zu meinem offiziellen Vormund erklärt worden.

Ein paarmal im Jahr besuchte ich Mom in Großbritannien, aber meine Firma war hier. Mein Leben war hier. New York war meine Heimat.

»Hast du eine digitale Kopie deines aktuellen Visums dabei?«, fragte Josie.

»Nein, das ist alles in meiner Wohnung.«

»Mach ein Bild und schick es mir, sobald du zu Hause bist, okay? Ich werde noch heute Abend eine Recherche starten.«

»Danke, Josie, aber das ist nicht dein Fachgebiet.«

Josie war eine fantastische Anwältin, doch sie war Spezialistin in Körperschaftsrecht.

»Ich hatte bereits in ein paar Fällen mit der Einwanderungsbehörde zu tun und kenne mich ein bisschen in diesem Bereich aus. Ich kann nicht glauben, dass es dazu gekommen ist. Aber wir bringen das in Ordnung, keine Sorge.«

Ich machte mir jedoch Sorgen … weil die reelle Gefahr bestand, dass ich die USA verlassen müsste. Selbst wenn das nur vorübergehend wäre – ich konnte nicht einmal den Gedanken ertragen. Ich mochte einen britischen Pass haben, damit endete meine Verbindung zu England allerdings auch schon. Ich sprach nicht mal mit Akzent.

Josie schloss kurz die Augen und nahm einen tiefen Schluck Wein.

»Nicht so gierig, sonst reißt Amelia mir den Kopf ab, weil ich dich schon vor dem Essen betrunken gemacht habe.«

Sie schenkte mir ein breites Lächeln. »Nach all den Jahren macht sie immer noch dir Stress, weil du angeblich mich in Schwierigkeiten bringst?«

»Du kannst das jederzeit richtigstellen. Wann immer du willst.«

»Ich finde es eigentlich ganz gut, dass sie davon überzeugt ist, ich wäre all diese Male das unschuldige Opfer gewesen. Und wer weiß, was sie tun würde, wenn ich es ihr beichte? Vielleicht hört sie dann auf, mich zum Vierten Juli einzuladen.«

»Das bezweifele ich stark. Und ich will ihnen nichts von meinem Problem erzählen. Sie würden sich bloß grundlos Sorgen machen.«

»Okay.«

Ich legte eine Hand an Josies Kreuz, um sie zur Tür zu führen.

»Wir sollten uns den anderen wieder anschließen, bevor sie misstrauisch werden«, meinte ich. Ich war ihr nahe genug, um ein paar Sommersprossen auf ihren Schultern und dem frei liegenden Teil ihres Rückens zu entdecken. Die bekam Josie nur, wenn sie eine Weile in der Sonne gewesen war. Ihre Haut wirkte so weich, dass ich mich kaum davon abhalten konnte, sie zu berühren. Herrgott, ich musste diese Gedankengänge stoppen.

Josie grinste. »Tess hat sicher mitbekommen, dass wir verschwunden sind. Wart’s nur ab.«

Meine Cousine Tess hatte bereits als Kind so gut wie alles gemerkt, und daran hatte sich bis heute nichts geändert. Kaum waren wir ins Wohnzimmer zurückgekehrt, deutete sie mit dem Finger auf uns.

»Also … was hatte es mit diesem heimlichen Abgang auf sich?«, fragte sie.

Josie lachte und warf mir einen »Hab ich es dir doch gesagt«-Blick zu. »Hunter und ich dürfen doch wohl ein paar Geheimnisse haben, oder?«

Kapitel 4

Josie

Beim Abendessen saß ich auf glühenden Kohlen. Sobald ich zu Hause war, schüttelte ich meine Schuhe ab, schnappte mir meinen Laptop und stürzte mich kopfüber in die Recherche.

Abschiebung.

Das Wort jagte mir einen kalten Schauer über den Rücken. Ich würde nicht zulassen, dass es so weit kam. Hunter hatte Connections zu den besten Anwälten, das wusste ich, doch ich musste irgendetwas tun. Ich war ebenfalls Anwältin und noch dazu eine sehr gute, daher war ich entschlossen, meinem besten Freund zu helfen.

Hunter war ein mächtiger Mann. Wenn er auf ein Problem stieß, räumte er es aus dem Weg. Wenn er sich ein Ziel setzte, erreichte er es – egal, wie viele Leute ihm auch erzählen mochten, dass sein Vorhaben abwegig war.

Hunter war schon am Tag unserer ersten Begegnung willensstark gewesen und hatte unerschütterliche Macht ausgestrahlt. Wir beide waren Stipendiaten auf der Privatschule gewesen, die wir besucht hatten. Die anderen Kinder machten sich wegen meiner Kleidung über mich lustig, weil meine Familie kein Geld für Markenklamotten hatte. Doch während ich klein und dürr gewesen war, war Hunter groß und muskulös gewesen und hatte keinen Moment gezögert, seinen Körperbau als Drohung einzusetzen, um dafür zu sorgen, dass alle mich in Ruhe ließen.

Ich informierte mich über die Voraussetzungen für Greencards und Visaverlängerungen, dann recherchierte ich ein paar Gesetze. Je mehr Zeit verging, desto mehr verkrampfte sich mein Magen, weil alles sehr kompliziert wirkte – besonders, wenn das bestehende Visum nicht mehr verlängert werden sollte.

Um drei Uhr morgens piepte mein Handy und verkündete so, dass ich eine Nachricht bekommen hatte.

Hunter: Schläfst du?

Josie: Nein, ich bin nach wie vor mit Recherche beschäftigt.

Ich hatte unzählige Listen geschrieben, aber bisher keine klare Lösung für das Problem gefunden. Als Hunter anrief, rümpfte ich die Nase.

»Ich bin noch nicht fertig«, sagte ich statt einer Begrüßung.

»Josie, geh ins Bett. Ich werde am Montag mein Team darauf ansetzen. Schlimmstenfalls engagiere ich noch ein paar Anwälte nur dafür.«

»Ich will mich auch in das Thema einarbeiten. Die Einwanderungsbehörde ist ziemlich streng.«

»Okay, dann mal los. Was hast du bisher herausgefunden?«

Ich lag bäuchlings auf dem Bett. Meine Beine wippten über meinem Po, und ich kaute an einem Bleistift. Über meine Arbeit redete ich nicht gern, bis ich wirklich jede mögliche juristische Herangehensweise recherchiert hatte, um alle zur Verfügung stehenden Optionen auszuschöpfen.

»Komm schon, Josie. Ich bin dein bester Freund, kein Richter. Erzähl mir einfach, welche Lösungen dir praktikabel erscheinen.«

»Okay, okay … so oder so musst du viel komplizierten Papierkram erledigen, darum kommst du nicht herum. Am einfachsten wäre es allerdings, wenn du eine Amerikanerin heiratest.«

Er stieß ein angespanntes Lachen aus. »Das ist ein Witz.«

»Leider nicht. Hör mal, natürlich stehen dir andere Möglichkeiten zur Verfügung … besonders, wenn du eine große Firma besitzt. Aber sie haben bereits beschlossen, dein Visum auslaufen zu lassen … also bin ich mir nicht ganz sicher, was sie eigentlich wollen. Auf jeden Fall brauchst du eine Greencard. Hat das keiner deiner Anwälte je erwähnt?«

»Doch, schon. Mir hat bloß einfach die Zeit gefehlt, mich darum zu kümmern.«

»Okay. Also, was die Greencard angeht … viele Leute heiraten, um sie zu bekommen. Als Rechtsanwältin kann ich dir diesen Weg definitiv nicht empfehlen. Das ist eine schwere Straftat. Wenn es auffliegt, kann deine amerikanische Scheinehefrau ein paar Jahre ins Gefängnis wandern, während du abgeschoben wirst.«

»Aber als gute Freundin würdest du mir genau dazu raten?«

Ich zögerte. »Meiner Erfahrung nach ist das der einfachste Weg. Natürlich ist das nicht leicht, aber immer noch einfacher als alles andere.«

Hunter schwieg ein paar Sekunden lang. Als er sich wieder zu Wort meldete, klang er niedergeschlagen. »Ich bin zweiunddreißig, habe aber immer noch keine Frau gefunden, die ich heiraten wollte. Ich glaube nicht, dass ich nun einfach jemanden aus dem Hut zaubern kann …«

Interessant. Ich hatte gar nicht gewusst, dass Hunter eine Frau finden wollte. Mehr als einmal hatte er klargestellt, dass er in nächster Zeit nicht vorhatte, sesshaft zu werden. Ich vermutete, wenn man aussah wie Hunter und so reich war … warum auch?

»Es muss keine echte Ehe sein, Hunter. Nur eine Abmachung mit jemandem, dem du ausreichend vertraust, bis die Sache beendet ist. Aber noch einmal … das verstößt gegen das Gesetz, also solltest du auf jeden Fall auch alle anderen Möglichkeiten ausloten. Soll ich dir meine gesetzeskonformen Vorschläge zuschicken, wenn ich meine Recherche abgeschlossen habe?«

»Ja, bitte.«

»Okay.«

»Du bist unglaublich, Josie.«

Seine Stimme klang wunderbar sinnlich. Meistens gelang es mir, dieses Timbre zu ignorieren, doch nicht jetzt, wo ich so müde war. In mir stieg eine unfassbare Hitze auf, die dafür sorgte, dass meine Bauchmuskeln sich anspannten. Als ich mich schließlich von ihm verabschiedete, zitterte meine Stimme leicht.

An manchen Tagen war es echt gefährlich, Hunter Caldwells beste Freundin zu sein.

Um vier Uhr morgens beendete ich meine Nachforschungen und schickte alles an Hunter. Gott sei Dank war morgen Samstag. Als Anwältin arbeitete ich oft viel, aber ich hatte bereits seit ein paar Jahren keine Nacht mehr durchgemacht.

Ich hatte damit gerechnet, einzuschlafen, sobald mein Kopf das Kissen berührte, doch meine düsteren Gedanken ließen das nicht zu.

Was, wenn Hunter dieses Problem nicht lösen konnte? Was, wenn er umziehen musste?

Ein paar Sekunden lang verwandelte ich mich wieder in die Jugendliche, die niemanden hatte außer Hunter, und mir lief ein kalter Schauer über den Rücken.

Fast hätte ich nach meinem Handy gegriffen, um zu checken, ob Hunter schon auf meine Mail geantwortet hatte. Ich benahm mich lächerlich. Was erwartete ich denn? Dass er mir in den letzten fünf Minuten geschrieben hatte, um mich darüber zu informieren, dass er wie üblich auf einmal eine Lösung für das Problem gefunden hatte?

Bis ich endlich einschlief, war es bereits früher Morgen.

Ein paar Stunden später wachte ich auf. Meine Gliedmaßen waren bleischwer. Ich war ehrlich zu alt für durchwachte Nächte. Ich hatte vor, gleich unter die Dusche zu gehen, aber dann wurde ich von meinem Handy abgelenkt. Ich hatte eine ungelesene Nachricht von Hunter.

Hunter: Du wirst wahrscheinlich ausschlafen wollen, aber schick mir doch eine Nachricht, wenn du wach bist.

Josie: Ich bin wach.

Er antwortete sofort.

Hunter: Hast du heute schon was vor?

Josie: Nur am Abend.

Hunter: Kann ich in ungefähr einer Stunde vorbeischauen?

Josie:Na klar.

Ich war mir sicher, dass er die Liste mit mir durchgehen wollte, die ich ihm heute in den frühen Morgenstunden geschickt hatte. Ich gönnte mir bloß eine kurze Dusche, weil ich mir alles noch mal durchlesen wollte. Allerdings war ich auch nach der Dusche noch zu müde, um wirklich klar zu denken, also ließ ich mich mit einer Tasse Kaffee auf dem Sofa nieder. Ich lebte in einem gemütlichen kleinen Apartment in Kips Bay, das einen guten Kompromiss zwischen langer Anfahrt zur Arbeit und Mietkosten bot. Meistens störte es mich nicht, wie spartanisch meine Wohnung eingerichtet war, da ich mich kaum hier aufhielt, doch an meinen freien Tagen wurde deutlich, wie schlicht alles wirkte. Weiße Wände; Möbel in Creme- und Grautönen. Ein einziges Bild – von IKEA, das einen Regenwald zeigte – hatte ich neben den Fernseher gehängt.

Inneneinrichtung war niemals meine große Stärke gewesen. Dasselbe galt für Mode, aber dieses Problem ließ sich leichter umgehen. Ich besaß eine Menge Kostüme – quasi meine Uniform als Anwältin – und ein paar Cocktailkleider. Im Herzen war ich immer noch ein schlichter Mensch.

Gerade als ich meine E-Mail zum zweiten Mal durchgelesen hatte, klingelte es an der Tür.

Als ich sie öffnete, grinste Hunter auf mich herunter. In der Hand hielt er eine Take-away-Tüte von meinem liebsten Frühstückscafé. Warum, o warum musste sein Lächeln so verdammt sexy und verführerisch sein?

»Ich komme nicht mit leeren Händen.«

Ich roch Käsetoast und Pfannkuchen. Sofort lief mir das Wasser im Mund zusammen, doch ich kniff die Augen zusammen.

»Versuchst du, mich zu bestechen, damit ich mal wieder mit dir in eine dieser hyperschicken Galerien gehe? Denn ehrlich, mir hat dieser eine Besuch vollkommen gereicht.« Ich grinste, aber irgendwie meinte ich das auch ernst. Für gewöhnlich begann Hunter solche Überredungsaktionen damit, dass er mir am Wochenende Frühstück mitbrachte.

Sein Lächeln wurde noch strahlender. »Ich versuche, dich durch Bestechung davon zu überzeugen, mich zu heiraten.«

Kapitel 5

Josie

»Moment. Was?«, stieß ich hervor.

»Lass uns frühstücken, dann werde ich dir alles erklären.«

Ich öffnete die Tür weiter, um Hunter reinzulassen. Meine Gedanken rasten, genauso wie mein Puls. Das konnte er nicht ernst meinen!

Hunter ging direkt ins Wohnzimmer, um sich vor meinen ovalen Couchtisch zu knien. Sobald ich ihm ein paar Teller gereicht hatte, packte er die ganzen Köstlichkeiten aus.

»Alles, was ich mag. Du bist wirklich aufs Ganze gegangen.«

»Du kennst mich doch. Ich mache keine halben Sachen.«

Ich setzte mich neben ihn auf den Boden und wartete, dass er sprach, weil ich mich fast davor fürchtete, weitere Fragen zu stellen. Vielleicht war diese Äußerung nur einem Impuls entsprungen, und er hatte es sich inzwischen anders überlegt. Zumindest konnte ich darauf hoffen. Er konnte das nicht ernst meinen.

Meine Hoffnung wurde zerstört, als Hunter sich räusperte. »Ich habe mir deine E-Mail durchgelesen. Außerdem habe ich heute Morgen mit Robert gesprochen.«

Robert war ein gemeinsamer Freund und ebenfalls Anwalt, der sich allerdings auf Einwanderungsrecht spezialisiert hatte – was ihn zum richtigen Ansprechpartner machte.

»Er hat gesagt, dass die Möglichkeiten, die du mir aufgezeigt hast, so ziemlich alles abdecken.«

Mist. Ich hatte wirklich gehofft, dass ich in meinem übermüdeten Zustand irgendetwas übersehen hatte, was Hunter bei seinem Dilemma weiterhelfen konnte.

»Sein einziger zusätzlicher Vorschlag lautete, ich solle heiraten.«

Ich hörte auf, das Sandwich vor mir zu zerteilen, und öffnete den Mund, um zu widersprechen. Hunter legte die Hand auf meinen rechten Oberschenkel. Die Berührung schien mich zu verbrennen. Kribbelnde Wärme breitete sich in meinem Körper aus, und ich schnappte nach Luft.

»Hör mich erst bis zum Ende an, Josie. Du bist die Einzige, der ich vertraue. Ich weiß, dass es riskant ist, und gäbe es eine umsetzbare Alternative, würde ich dich nie darum bitten.«

»Hunter, das ist Wahnsinn.«

»Ich würde mich um dich kümmern, egal, was auch kommt. Das weißt du, oder?«

Mist. Das wusste ich tatsächlich, und genau da lag das Problem. Hunter hatte auf mich aufgepasst, als es sonst niemand getan hatte. Meine Familie war toll – und es gab nichts, was sie nicht für mich tun würde –, aber sie lebten alle in Montana. Es war mir unglaublich schwergefallen, mit fünfzehn Jahren mein Zuhause zu verlassen, doch ich hatte das Stipendium nicht ausschlagen können – das war meine einzige Chance gewesen, eine herausragende Privatschule zu besuchen. Als ich nach New York gekommen war, hatte ich mit meinen Verwandten telefoniert, sooft wir es uns eben leisten konnten – was nicht besonders häufig war.

Hunter hatte mich noch nie um etwas gebeten. Nicht ein einziges Mal. Und jetzt brauchte er meine Hilfe. Das konnte ich ihm nicht abschlagen.

»Du bist im Moment mit niemandem zusammen, oder?«, fuhr er fort.

»Nicht ernsthaft, nein.«

Vor ein paar Tagen hatte ich ein zweites Date mit einem Mann gehabt, den ich im Theater kennengelernt hatte, aber das war auch schon alles.

»Also käme das in dieser Hinsicht nicht ungelegen. Es geht doch nur um ein Stück Papier.«

»So ein romantischer Heiratsantrag.«

»Du weißt, wie ich das meine.«

»Hunter, wir würden diesen Schwindel mindestens zwei oder drei Jahre aufrechterhalten müssen. Es kann bis zu einem Jahr dauern, bis die Einwanderungsbehörde deine Greencard bewilligt. Danach sollte man noch zwei Jahre verheiratet bleiben, um jeden möglichen Verdacht auszuräumen. Das habe ich gestern recherchiert. Nur gut, dass dein aktuelles Visum noch ein Jahr lang gültig ist.«

Hunter zog seine Hand zurück und nickte. »Du hast recht. Vergiss, dass ich dich gefragt habe. Ich werde meine Anwälte anweisen, sofort am Montag mit dem Ausfüllen des Papierkrams für die anderen Optionen zu beginnen.«

»Das war kein Nein«, sagte ich schnell. Ich wollte ihn nicht hängen lassen. »Ich würde alles für dich tun. Es ist bloß … ich brauche Zeit, um über alles nachzudenken.«

»Es ist zu riskant. Ich habe die Sache nicht zu Ende durchgedacht. Ich habe mich einfach auf diese Möglichkeit gestürzt, weil sie scheinbar die einzige ist, die sicher funktionieren könnte.«

»Wie aufwendig müsste der Schwindel werden?« Damit sprach ich eher meine Gedanken laut aus, als wirklich eine Frage an Hunter zu stellen. »Wir müssten zusammenwohnen … allen etwas vorspielen. Meine Familie und deine Mom leben nicht hier, also wäre das relativ einfach … aber Amelia und der Rest des Winchester-Clans? Das ist nicht so einfach. Außer du willst sie einweihen?«

»Mir gefällt der Gedanke nicht, ihnen was vorzumachen … aber gleichzeitig will ich niemandem die Wahrheit erzählen, weil wir damit nur die Risiken erhöhen. Außerdem würde ich sie damit auch bitten, für mich zu lügen. Wenn die Einwanderungsbehörde Wind davon kriegt, bekämen sie Schwierigkeiten.«

»Niemand würde es glauben, weißt du? Dass wir heiraten.«

»Dass wir uns plötzlich verliebt haben? Warum nicht? Wäre es denn so unglaubwürdig, dass ich nach all den Jahren, in denen wir schon befreundet sind, endlich begriffen habe, dass du die Richtige für mich bist?«

Hunter rückte näher an mich heran und lächelte auf mich herunter. Gott, warum musste sein Lächeln so unwiderstehlich sein?

Ich räusperte mich und rückte ein kleines Stück von ihm ab.

»Du bist gut, das muss ich dir lassen. Ich nehme an, angesichts unserer langjährigen Freundschaft wäre eine plötzliche Heirat zwischen uns plausibler, als wenn du auf einmal eine andere Frau heiraten würdest.«

Mit einem Stich der Enttäuschung wurde mir bewusst, dass darin wahrscheinlich der Grund lag, warum er mich gefragt hatte. Nicht, weil ich ihm insgeheim gefiel.

Ich verpasste mir selbst im Geiste eine Ohrfeige. Ich wollte gar nicht, dass Hunter mich attraktiv fand. Unsere Freundschaft hatte all diese Jahre nur deswegen überstanden, weil sie vollkommen platonisch war. Hunter war nicht der Typ, der sich an jemanden band – und ich war nicht dafür gemacht, Freundschaften mit gewissen Vorzügen zu führen. Deswegen hatte ich seinem Sex-Appeal bisher immer widerstanden.

Aber wenn ich drei Jahre lang mit ihm zusammenlebte? Ich war mir nicht sicher, ob ich stark genug war, um so lange vorzugeben, mein bester Freund würde mich nicht anziehen. Ich meine … schon ein Blick auf dieses wunderbare Gesamtpaket namens Hunter Caldwell machte mir bewusst, dass ich einfach nicht stark genug war, um das zu ignorieren. Und was, wenn ich wieder anfing, für ihn zu schwärmen? Das konnte bloß schiefgehen.

»Josie«, sagte Hunter sanft und umfasste meine Wange.

Sofort wurde meine Haut warm. Berührte er mich heute mehr als sonst, oder nahm ich es einfach nur deutlicher wahr?

»Vergiss es einfach«, fuhr er fort. »Du bist jetzt schon gestresst. Ich will nicht …«

»Nein, nein. Ich werde darüber nachdenken, okay? Ich werde darüber nachdenken und dir dann Bescheid sagen.«

»Bist du dir sicher?« Seine sorgenvolle Miene brachte mich fast um. Am liebsten hätte ich auf der Stelle Ja gesagt, doch ich hielt mich zurück.

Stattdessen nickte ich.

»Ich habe vollstes Verständnis, wenn du Nein sagst. Okay?«

Ich nickte wieder.

Hunter ließ den Daumen in kleinen Kreisen über meine Haut gleiten, gefährlich nahe an meinem Mundwinkel. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Jede Nervenzelle in meinem Körper feuerte. Ach du Schande.

Offensichtlich nahm ich jede Berührung deutlicher wahr. Ich wandte eilig den Blick ab, da ich fürchtete, mich zu verraten. Außerdem versank ich immer in seinen blauen Augen.

Erst als Hunter verschwunden war, konnte ich wieder durchatmen.

Ich wanderte durch die Wohnung, weil ich einfach nicht wusste, was ich mit mir anfangen sollte. Irgendwann zog ich mein iPad heraus, um eine meiner geliebten Pro-und-Contra-Listen zu erstellen. Ich bekam einfach ein besseres Gefühl für gewisse Situationen, wenn ich alles schwarz auf weiß vor mir sah.

Eine halbe Stunde später gab ich auf. Ich hatte immer noch kein einziges Wort in irgendeine Spalte geschrieben. Es gab nur einen großen Vorteil: Hunter würde seine Greencard erhalten. Die Liste der Gründe, die dagegensprachen, war allerdings unendlich lang.

Abgesehen von den juristischen Risiken, würde ich meine Familie anlügen müssen. Darüber hinaus hieße es, dass ich mein Privatleben drei Jahre lang auf Eis legen musste. Und danach wäre ich Hunter Caldwells Ex-Frau. In New York war er ein echter Promi. Er stammte aus einer bekannten wohlhabenden Familie aus England, doch sein Vater war bankrottgegangen, als Hunter noch in der Highschool war.

Damals hatten die Leute beim Namen Caldwell nur höhnisch gelacht. Einige taten das heute noch – besonders da Hunter ins Immobiliengeschäft eingestiegen war, genau wie sein Vater. Ich respektierte ihn dafür, doch er hatte nicht den einfachsten Weg gewählt. Die meisten Investoren hatten ihn nicht unterstützen wollen, weil sein Name mit einem finanziellen Debakel verknüpft war.

Hunter war mein bester Freund, aber in vielerlei Hinsicht stellte er auch mich immer noch vor Rätsel. Er sprach bloß selten über seinen Dad. Als ich ihn in der Schule kennengelernt hatte, war er ein Einzelgänger gewesen, obwohl seine Tante und seine Cousins und Cousinen hier lebten.

Auf jeden Fall war er weitläufig bekannt. Hunter war reich und hatte seine Firma trotz der Probleme seines Vaters zum Erfolg geführt. Außerdem veranstaltete er mit seinen Cousins und Cousinen regelmäßig Wohltätigkeitsgalas. Ich ging davon aus, dass die meisten Leute in der Stadt ihn eher wegen dieser Events kannten als wegen seines Unternehmens. Man nannte diese Veranstaltungen die »Ballsaal-Galas«, da sie tatsächlich in einem Ballsaal stattfanden … und der Dresscode war superschick. Es war einfach nicht dran zu rütteln: Hunter war eine Berühmtheit in New York. Was würde es bedeuten, seine Ehefrau zu sein?

Für gewöhnlich wandte ich mich an meine Familie oder den Winchester-Clan, wenn ich einen Ratschlag brauchte. Cole und Ryker waren jünger als ihre Schwestern, und ich lag altersmäßig genau zwischen den vieren. Ich stand Tess und Syke genauso nahe wie meiner eigenen Schwester.

Es juckte mich in den Fingern, mir das Telefon zu schnappen und entweder meine Schwester oder einen meiner Brüder anzurufen. Aber Hunter hatte recht. Ich durfte weder meine Familie noch die Winchesters in die Sache verwickeln. Überdies konnte ich mir ihre Reaktionen lebhaft ausmalen. Meine Familie hätte zu diesem Thema garantiert eine Menge zu sagen.

Amelia würde uns wahrscheinlich erklären, dass wir nicht mal darüber nachdenken sollten. Obwohl sie inzwischen bereits über siebzig Jahre alt war, wollte sie einfach nicht aufhören zu arbeiten. Sie hatte sich von einer einfachen Lehrerstelle zur Rektorin hochgearbeitet und führte die Schule immer noch mit eiserner Faust. Tess würde uns die Hölle heißmachen, weil wir ein solches Risiko eingehen wollten. Skye würde darauf bestehen, dass Hunter vorher jede andere Möglichkeit auslotete.

Cole und Ryker würden uns lachend grünes Licht geben. Cole würde Hunter wahrscheinlich endlos damit aufziehen, dass er seinen Junggesellen-Status aufgab – wenn auch nur vorübergehend. Von Ryker war eine ähnliche Reaktion zu erwarten … aber da es Cole war, mit dem Hunter zusammenarbeitete, könnte Hunter Rykers Spott leichter ausweichen. Nicht, dass es leicht gewesen wäre, Ryker aus dem Weg zu gehen. Sein Büro lag nicht allzu weit von Hunters entfernt. Er war ein erfolgreicher Börsenfachmann.

Genervt stieß ich den Atem aus. Ich durfte niemanden in diese Sache verwickeln.

Offensichtlich musste ich diese Entscheidung nicht aufgrund rationaler Argumente, sondern rein auf emotionaler Ebene treffen. Die Anwältin in mir hatte Probleme mit diesem Vorgehen. Doch letztendlich ging es einzig um die Frage, ob ich Hunter helfen wollte oder nicht. Ob ich ihm das eine Mal, wo er mich wirklich brauchte, hängen ließ und ihm viel Glück bei der Einwanderungsbehörde wünschte.

Auch am Nachmittag war ich immer noch unschlüssig. Ich fühlte mich, als bräuchte ich mehr detaillierte Informationen – die ich mir allein aber nicht beschaffen konnte.

Wie sollte unser gemeinsames Leben aussehen? Wie oft würden wir gemeinsam auftreten müssen?

Als Ehepaar würde man von uns erwarten, uns ab und zu auch öffentlich unsere Zuneigung zu bekunden. Bei dieser Vorstellung begann meine Haut zu kribbeln. Und genau da lag mein Problem. Konnte ich drei Jahre lang mit Hunter zusammenleben und in der Öffentlichkeit vorgeben, über beide Ohren in ihn verliebt zu sein, ohne mich tatsächlich zu verlieben?

Um fünf Uhr war ich in meinen Überlegungen keinen Schritt weitergekommen, sagte aber meine Pläne für den Abend ab. Ich war einfach nicht in der Stimmung, auszugehen.

Ich fragte mich, was Hunter wohl heute Abend trieb. Hatte er eine Verabredung? Bei diesem Gedanken hob sich mein Magen. Dann wanderte ich wieder zu meinem iPad und löschte die Worte Pro und Contra. Der neue Titel der Liste lautete Bedingungen und Forderungen.

Mühelos erstellte ich eine ziemlich lange Liste. Schließlich war ich Anwältin. Es war mein Job, Rahmenbedingungen festzulegen und Grenzen zu definieren.

Sobald ich alles notiert hatte, was mir auf Anhieb einfiel, las ich mir die Liste noch mal durch, wobei ich nervös am Ende eines Stiftes kaute. Hunter würde mich für verrückt erklären.

Ich zuckte zusammen, als mein Handy klingelte. Hunter rief an. Das Sprichwort sagte ja: »Was du heute kannst besorgen …« Aber mir fehlte trotzdem der Mut, das Gespräch anzunehmen. Es war mir sogar schwergefallen, einige der Bedingungen nur aufzuschreiben. Wie sollte ich sie laut aussprechen?

Ich überlegte so lange, dass das Klingeln abbrach. Doch ich konnte das nicht aufschieben. Wenn ich diese Sache durchziehen wollte, brauchte ich alle Fakten. Ich atmete einmal tief durch, dann rief ich Hunter zurück. Er hob sofort ab.

»Hey. Bist du noch unterwegs?«, fragte er.

»Was? Oh … ich bin zu Hause geblieben. War einfach nicht in der Stimmung. Ich habe darüber nachgedacht, was du gesagt hast …«

»Ich höre.«

»Also … ich habe eine Liste erstellt, die wir besprechen sollten.«

Er lachte. »Du hast eine Liste gemacht?«

»Hey. Mach dich nicht über mich lustig. Ich kann besser nachdenken, wenn ich Dinge aufschreibe.«

»Schieß los.«

»Das Wichtigste zuerst. Wir haben getrennte Schlafzimmer.«

»Es wäre keine echte Ehe, Josie. Natürlich erwarte ich nicht, dass du dir ein Bett mit mir teilst.«

»Gut, dass wir das klargestellt haben.«

»Wie lautet der nächste Punkt?«

»Ich will lediglich eine standesamtliche Eheschließung. Keine richtige Hochzeit.«

»Amelia wird austicken. Mom auch. Und deine Familie genauso. Warum keine Hochzeit?«

»Weil ich will, dass es echt ist, wenn ich in einem weißen Kleid vor den Traualtar trete.«

»Das ist fair«, meinte Hunter nach ein paar Sekunden. »Können wir Leute mit ins Rathaus nehmen, oder willst du, dass wir nur zu zweit dort auftauchen?«

»Amelia würde uns beide enterben, wenn wir sie nicht einladen, also glaube ich kaum, dass wir damit durchkommen können. Und meine Familie und meine Mom wollen sicher auch dabei sein.«

Je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, dass es so nicht funktionieren konnte. »Mist. Ich glaube nicht, dass wir bloß mit einer standesamtlichen Trauung durchkommen werden.«

»Ich auch nicht. Wir brauchen zumindest eine Party. Das dürfte die einzige Hochzeit sein, die es für mich je geben wird.« Ich war mir nicht sicher, warum Hunter nicht heiraten wollte, doch er hatte schon in der Vergangenheit klargestellt, dass er nicht viel von der Ehe hielt.

»Eine Party ist okay«, murmelte ich, obwohl ich gehofft hatte, wir könnten einfach allen verkünden, dass wir heimlich geheiratet hatten.

»Und der nächste Punkt?«

Ich räusperte mich, dann trommelte ich mit dem Stift auf den Tisch. Ich konnte nicht um den heißen Brei herumreden.

»Keiner von uns darf in der Zeit mit anderen Leuten ausgehen, während wir verlobt und später verheiratet sind. Du bist in Geschäftskreisen sehr bekannt. Wenn das Gerücht aufkommt, dass du hinter meinem Rücken mit jemand anderem schläfst, würde mich das zur allgemeinen Lachnummer machen. Andersherum gilt für dich dasselbe. Und außerdem würde das der Einwanderungsbehörde einen berechtigten Zweifel an unserer Ehe liefern.«

Es folgte ein langer Moment der Stille, bis ich fast davon überzeugt war, dass diese Bedingung zu viel für ihn war.

»Du hast recht. Daran hatte ich nicht gedacht«, sagte er schließlich. »Wieso führe ich dich nicht zum Abendessen aus, damit wir die restlichen Punkte auf deiner Liste durchgehen können?«

»Das ist nicht nötig.«

»Du hast meinetwegen deine heutige Abendgestaltung abgesagt, zukünftige Verlobte. Ich möchte das wiedergutmachen.«

Grinsend rollte ich mich auf den Rücken und beschloss in diesem Moment, die Sache wirklich durchzuziehen. »Wenn du es so ausdrückst, klingt das nach einer tollen Idee. Ich habe bereits gegessen, aber ich habe nichts gegen ein Dessert und Cocktails. Führe mich richtig chic aus.«

»Fordernde Verlobte.«

»Im Moment bin ich noch einfach deine Freundin, oder?«

»Du hast recht. Fordernde Freundin.«

Mir gefiel, wie das klang. Echt blöd.

»Noch weitere Forderungen?«

»Ich bin in der Stimmung für Crème brûlée, und ich will eine tolle Aussicht. Oh, und eine gemütliche Sitzecke, in der wir nach dem Abendessen unsere geheimen Pläne schmieden können.«

»Du genießt das jetzt schon«, zog er mich auf. Damit hatte er recht. Doch noch mehr freute ich mich, dass ich Hunter helfen konnte.

»So richtig, Fast-Verlobter. So richtig.«

Kapitel 6

Josie

Beinahe hätte ich es bereut, dass ich Hunter gebeten hatte, mich richtig chic auszuführen – überwiegend, weil unsere Vorstellungen in dieser Hinsicht ziemlich weit auseinanderklafften. Als Anwältin verdiente ich sehr gut, doch ich spielte absolut nicht in seiner Liga. Hunters Gehaltsschecks hatten mindestens zwei Nullen mehr als meine, und er gab sein Geld auch gern aus. Er hatte mich in ein Restaurant mit Michelin-Stern in Manhattan eingeladen.

Das war das Schöne an New York: Man konnte alles finden, was man sich wünschte. Wir hatten eine wunderbare Aussicht auf das Empire State Building, dessen Lichter mich nach wie vor begeisterten.

Dieses Gebäude war für mich der Inbegriff der Kultiviertheit gewesen, als ich als ahnungslose Jugendliche hergezogen war. Eigentlich galt das noch immer. Manchmal fühlte ich mich nach wie vor, als wäre ich in einen Film geraten, wenn ich durch New York lief.

»Dieses Restaurant ist atemberaubend«, sagte ich, als ich mich umsah.

»Meine herrische Freundin hat einen schicken Abend verlangt. Ich habe ihr den Wunsch erfüllt.« Hunter zwinkerte mir zu.

»Nur gut, dass ich dieses Kleid angezogen habe. Oh … mir ist gerade klar geworden, dass du unzählige Benefizveranstaltungen und Galas besuchst. Da werde ich dich begleiten müssen, oder? Dann muss ich meine Garderobe runderneuern. Ich besitze ein paar Cocktailkleider, aber für diese Art von Events brauche ich Abendkleider – besonders für die Ballsaal-Galas. Was glaubst du, wie viel Geld ich für neue Klamotten ausgeben muss?«

Obwohl ich nicht schlecht verdiente, erinnerte ich mich zu genau daran, wie es war, kein Geld zu haben, um mein Gehalt für Unsinn auszugeben.

Hunter legte seine Speisekarte auf den Tisch. »Josie, ich werde alle Zusatzkosten übernehmen, die dir wegen dieser … Angelegenheit entstehen.«

Ich nahm die Schultern zurück. »Was? Warum?«

»Weil das nur fair ist. Ich kann nicht von dir verlangen, dass du dein Konto leer räumst, um mit meinem Lebenswandel mitzuhalten. Du bist diejenige, die mir einen Gefallen tut, vergiss das nicht. Du kannst das Geld gern bloß dafür verwenden, dir zu kaufen, was du für solche Veranstaltungen brauchst. Und wenn alles vorbei ist, kannst du die Kleidung wieder verkaufen … oder spenden, wenn du dich damit besser fühlst.«

Verdammt. Das ergab tatsächlich Sinn. Ich bräuchte eine schickere Garderobe, um in seinen Kreisen nicht aufzufallen – und auf keinen Fall wollte ich mein ganzes Geld dafür ausgeben. Bisher hatten wir unsere gemeinsame Zeit überwiegend mit Unternehmungen gefüllt, die wir uns beide leisten konnten. Doch wenn ich Hunters Frau war, würde ich mich ihm überall anschließen müssen.

»Das klingt für mich, als würdest du mich … aushalten.«

»Das stimmt nicht. Du weißt, dass meine Erklärung vernünftig ist.«

Er hielt meinem Blick stand, als wolle er mich herausfordern, ihm zu widersprechen. Ich spürte, wie meine Wangen heiß wurden.

»Ich hatte ganz vergessen, wie überzeugend du sein kannst«, meinte ich schließlich.

»Ich habe so das Gefühl, dass du mir viele Gelegenheiten liefern wirst, um diese Fähigkeit unter Beweis zu stellen.«

»Willst du damit sagen, dass ich stur bin?«

»Sehr stur sogar.« Sein Blick senkte sich für einen Moment auf meine Lippen, bevor er mir wieder in die Augen sah.

Ich schluckte, dann nippte ich an meinem Cocktail, um mich abzulenken. Wieso war ich plötzlich so nervös?

»Wir sollten unsere nächsten Schritte planen«, meinte ich. »Dein aktuelles Visum ist noch ein Jahr lang gültig, aber ich denke, wir sollten trotzdem schnell in Aktion treten. Dann bekommst du deine Greencard schneller.«

»Sollen wir der Familie unsere Verlobung am Samstag verkünden, bei Amelias Geburtstagsessen?«

Mein Magen hob sich. Dann wäre es amtlich, oder? Sobald wir es der Familie gesagt hatten, gäbe es kein Zurück mehr.

»Okay. Ich werde auch mit meiner Familie reden. Und die Hochzeit?«

»Wie du schon gesagt hast: je früher, desto besser. In drei Wochen?«

»Das ist nicht besonders glaubwürdig.«

Hunter beugte sich leicht vor und senkte seine Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern. »Josie, niemand wird daran zweifeln, dass ich dich überzeugt habe, mich bereits in drei Wochen zu heiraten. Wir kennen uns fast schon unser gesamtes Leben lang. Wir wissen alles übereinander, was es zu wissen gibt. Wieso sollen wir warten, wenn wir doch bis über beide Ohren verliebt sind?«

Also verdammt. Er klang so überzeugend, dass all meine Zweifel sich in Luft auflösten. Und ich konnte ihm kaum widersprechen. Je schneller, desto besser.

»Schön, Mr Verlobter. Ich nehme deinen sehr romantischen Hochzeitsantrag an.«

Hunter grinste. »Und ich musste dafür noch nicht mal auf die Knie fallen.«

Ich streckte ihm die linke Hand entgegen. »Ich erwarte trotzdem einen Ring. Glaub nicht, dass ich dich davon befreie.«

»Ja, Ma’am. Ihr Wunsch ist mir Befehl.«

~

Unser Dessert war köstlich und die Cocktails eine perfekte Ergänzung dazu.

»Ich weiß, dass du noch eine Crème brûlée bestellen willst«, sagte Hunter, nachdem unsere Teller leer waren.

»Wem ginge es anders? Aber ich sollte mich besser zurückhalten. Ich muss schließlich bei einer Hochzeit glänzen.«

»Du bist verdammt sexy, Josie.«

Ende der Leseprobe