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In dieser Horroranthologie werden die jungen Protagonisten mit den Kreaturen der Hölle konfrontiert und müssen gegen ihren finstersten Ängste kämpfen, um die Monster und Dämonen bezwingen zu können. In »Vollmond über Lake Placid« tauchst du ein in eine monströse Vollmondnacht in den Adirondack Bergen in Upstate New York. Was als abenteuerlicher Ausflug von fünf College-Studenten nach Lake Placid begann, wird zu einer alptraumhaften Nacht, in der alle Beteiligten um ihr Überleben kämpfen müssen. In »Der Dämon von Lone Creek« gehen zwei beste Collegefreunde auf eine Hiking Tour im New Yorker Hudson Valley und werden mit dem Grauen einer indigenen Legende konfrontiert, die nach langer Zeit wieder erwacht ist. Der Kampf scheint aussichtslos, bis sie sich entschließen, zu einer Jagdhütte zu flüchten. In der dritten Geschichte »Der Obsidian« begegnet der abgebrannte und vom Pech verfolgte Wiener Student Leon Steiner einem jungen unbekannter Mann im Wiener Stadtpark , der ihn aufmuntert und ihm einen Glücksbringer schenkt. Obwohl Leon den Obsidiananhänger zuerst nicht haben will, wird dieser sein Leben sehr bald auf drastische Weise verändern.
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Marcus Hoffmann
Copyright © 2026 Marcus Hoffmann
Jake blickte mit glasigen Augen aus dem Fenster des Vans, der Richtung Lake Placid in den Adirondack Mountains unterwegs war. Die bunten Wälder des Hudson Valleys zogen scheinbar endlos an der Interstate 87 vorüber. Eine unruhige Nacht lag hinter ihm, in der er nur vier Stunden geschlafen hatte. Wahrscheinlich lag dies an dem nahenden Vollmond, denn in dieser Mondphase kämpfte Jake regelmäßig mit Schlafstörungen.
Je näher er mit Matt, Tommy, Brandon und Mandy ihrem gemeinsamen Ziel Lake Placid kam, umso mehr machte sich ein diffuses Gefühl von Angst in ihm breit. Obwohl die College-Studenten nicht in die nördlichste Gegend des Bundesstaates New York fuhren, hatte er dennoch eine tiefsitzende Furcht vor Wildtieren.
»Wo campen wir eigentlich genau, Brandon?« Jakes Stimme klang unruhig und seine dunklen Augen blickten angespannt zu Brandon nach vorne, der relaxed mit einer Hand hinter dem Lenkrad saß.
Brandons Entspannung verwandelte sich schlagartig in Gereiztheit, als Jake ihn ansprach. Brandons stechend blaue Augen funkelten Jake über den Innenspiegel an, während er den Kopf schüttelte.
»Machst dir etwa jetzt schon in die Hose, Little Jake? Ich hab dir gesagt, ich kenne eine geile Stelle am See dort oben. Lass dich einfach mal überraschen.« Brandon machte eine wegwerfende Geste mit der rechten Hand. »Lake Placid ist kaum zweieinhalb Stunden von Albany entfernt. Also entspann dich mal, Alter!«
»Es ist nun mal Fakt, dass es da oben Bären und Wölfe gibt, sagte Jake.«
»Stell dir vor, du Leuchte, das nennt man freie Wildbahn.« In Brandons Stimme klang jetzt unüberhörbar die Verachtung für Jake mit. Er blickte zu seiner Freundin Mandy auf dem Beifahrersitz, die ihm mit beiden Händen andeutete, er solle wieder runterkommen.
»Unser Angsthase Jake fürchtet sich mal wieder zu Tode«, sagte Tommy, der breitschultrig neben Jake auf der Rückbank saß und ihn von der Seite anrempelte.
Jake rückte ein Stück von Tommy weg, bis er bei Matt neben ihm seitlich ankam.
Matt schaltete sich jetzt in die Sticheleien gegen Jake ein. Er war bis jetzt unruhig neben ihm gesessen und hatte zum Seitenfenster hinausgeblickt. »Hey, lasst Jake jetzt endlich in Ruhe. Er hat ja recht, dass es da oben gefährlich werden kann.«
»Ich hab jedenfalls meinen Bärenspray dabei, ob’s euch passt oder nicht«, sagte Jake.
»Tja, solange du dir damit nur selbst ins Gesicht sprühst, juckt es eh keinen.« Brandon amüsierte sich über seine eigenen Worte und Tommy lachte mit.
Matt drehte sich seitlich zu Jake und klopfte ihm auf die Schulter. »Dude, mach dir keinen Stress, wir genießen einfach unser Wochenende, OK?« Jake nickte. Er war verdammt froh, Matt dabeizuhaben, dieser war für ihn zweifellos der beste Freund, den er hatte.
Brandon machte eine Geste mit der geöffneten rechten Hand. »Genau das sage ich auch, die Wahrscheinlichkeit, dass uns diese Waldviecher über den Weg laufen, ist gleich null«, sagte er. »Die haben Angst vor uns, erst recht wenn wir dann bald um ein Lagerfeuer sitzen. Obwohl, ich fände es ziemlich geil, einem zähnefletschenden Wolf zu begegnen. Ich würde gern dein Gesicht sehen, wenn du dich vor lauter Angst anscheisst, Jake.« Brandon setzte ein Grinsen auf, das den Charme einer blutigen Kettensäge hatte.
Mandy stupste ihn mit dem Ellbogen in die Rippen. »Bran, Schatz, bitte,...«, sagte sie und atmete tief durch.
Brandon blickte Jake erneut mit einem Glimmen in den Augen im Innenspiegel an.
Sein Blick strahlte eine Bosheit aus, die Jake einen kalten Schauer über den Rücken laufen ließ. Manchmal dachte er sich, Brandon und sein Handlanger Tommy würden ihm am liebsten an die Gurgel gehen, wäre da nicht Matt und der Umstand, dass die Eltern von Jake und Brandon eng miteinander befreundet waren und auch immer wieder geschäftlich zusammenarbeiteten.
»Aber, ich kann dich natürlich auch hier rauslassen, wenn du unbedingt willst. Du darfst dann durch die Wälder des Hudson Valleys nach Hause spazieren.« Er grinste Jake über den Innenspiegel an. »Und dein restliches Wochenende kannst du im Lincoln Park auf der Parkbank verbringen und dich mit den Eichhörnchen unterhalten.«
Tommy warf Jake wieder einen Blick von der Seite zu und lachte ihn aus.
»Ach lass mich...«
»Jungs, das reicht jetzt!«, sagte Mandy mit wutverzerrtem Gesicht. Sie warf Brandon einen Blick zu, der töten könnte und schüttelte den Kopf. Dann drehte sie sich in ihrem Sitz zu Jake um und fasste ihn zärtlich an der Hand.
»Alles OK, Jake, mach dir keinen Kopf, dir wird es am Lake Placid sicher gefallen. Ich war schon zweimal mit meinen Eltern da oben, es ist fantastisch«.
Sie zeigte ihr hübsches Grübchen auf ihrer Wange, während sie Jake mit ihren schneeweißen Zähnen anlächelte. »Wir werden da oben sicher Spaß haben!«
Brandon grinste sie schelmisch von der Seite an.
Mandys Hand glitt über seine wie ein Seidentuch. Jakes Unbehagen wich von einer Sekunde auf die andere, aber nicht einmal Mandy konnte ihn positiv stimmen. Er hatte schon heute morgen ein ganz mieses Gefühl in der Magengrube gespürt, was den heutigen Tag betraf.
»Machen wir eigentlich vor Lake Placid irgendwo noch einen Halt, Schatz?«, fragte Mandy, um das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken.
»Na, wenn ich mir die Tankanzeige so anschaue, könnten wir noch gut eine Füllung gebrauchen. Jake, du hast also noch eine Menge Zeit, uns deine existenziellen Fragen zu stellen, bevor wir dort sind.«
»Keine weiteren Fragen euer Ehren«, sagte Jake resignierend und kramte seine In-Ear Kopfhörer aus der Hosentasche raus. Er stellte sich seine Songliste zusammen und blickte wieder aus dem Fenster. Am liebsten hätte er heute hier am Hudson River einen Ausflug gemacht und zwar am besten mit Mandy alleine…
Es war keine Übertreibung, sie als seine Traumfrau zu bezeichnen und das schon seit der High School: Weißblonde, halblange Haare, meerblaue Augen, eine süße, feine Nase, dazu ein roter Erdbeermund und schöne, auf ein Meter siebzig verteilte, weibliche Kurven. Allein wenn sie ihm körperlich etwas näher wie vorhin kam, wurde Jake abwechselnd heiß und kalt, ganz zu schwiegen, wenn sie ihre Hand auf seine legte.
Mandy hatte ihm letztes Jahr einen Lebensbaumanhänger zum Geburtstag geschenkt, den er jetzt unter dem T-Shirt trug. Sie hatte ihm gesagt, dass dieser Anhänger gute Vibes in sein Leben bringe. Obwohl Jake nicht an Talismane und solche Dinge glaubte, fühlte sich der Anhänger echt gut an und hatte zweifelsfrei was Cooles an sich.
Auch wenn Mandy ihn nur als guten Freund seit der High School sah und lieber den Muskelaffen Brandon als Freund hatte, war sie ihm wie Matt mehr als willkommen bei diesem Wochenendtrip. Jake entspannte sich nun und wurde mit der Zeit dösig und schlief ein.
»Verdammt noch mal!«, schrie Brandon und stieg voll auf die Bremsen. Jake riss die Augen auf und wurde nach vorn geworfen. Der Sicherheitsgurt in der Mitte hielt ihn zum Glück davon ab, zwischen den Sitzen nach vorne katapultiert zu werden. Jake musste sich kurz orientieren, wo er überhaupt war.
»Was, was ist los, warum stehen wir plötzlich?« sagte er als er sich seine müden Augen rieb.
»Schau mal nach vorne, du Leuchte«, maulte Brandon.
Jake streckte seinen Kopf zwischen den Sitzen vor und starrte durch die Windschutzscheibe hinaus auf eine Tankstellenausfahrt. Quer vor Ihnen hatte sich ein riesiger, grau-schwarzer Timberwolf aufgebaut, der die fünf seelenruhig anstarrte. Eine Mischung aus Entsetzen und Faszination schoss in Jake hoch. Er hatte Wölfe bisher nur im New Yorker Zoo gesehen und dieser war wahrscheinlich doppelt so groß wie der größte, den er dort gesehen hatte.
»Verdammt noch mal, schaut euch diesen Riesen an, ich hab doch gesagt, dass uns hier Wölfe über den Weg laufen können«, sagte Jake beinahe triumphierend.
»Mann, Jake, du hast tatsächlich einmal in deinem Leben recht gehabt«, sagte Brandon. Seine Augen funkelten beim Anblick dieses Wolfes mehr aus Faszination als aus Furcht.
»Wow, der ist echt furchteinflößend!«, sagte Mandy und nahm den Wolf bereits mit ihrem Smartphone auf.
Die anderen Leute an der Tankstelle schauten bei den Zapfsäulen staunend auf den schwarz-grauen Riesen. Das Auffälligste an diesem zotteligen Vierbeiner waren seine leuchtend orangen Augen, die ihm eine mysteriöse Erscheinung gaben. Offensichtlich hatte er keinerlei Angst vor Menschen, oder davor, von ihren Fahrzeugen überfahren zu werden.
»Vielleicht ist das ein Lone Wolf, der von Kanada herübergelaufen ist, sagte Matt. Seine Zutraulichkeit zu Menschen scheint mir keinesfalls ein gutes Zeichen zu sein... Dieser Wolf könnte wahrscheinlich tollwütig sein.«
»Tollwütig, sagst du?« Jake starrte Matt in die Augen. Obwohl er im sicheren Van saß, stieg ein verdammt ungutes Gefühl in ihm auf.
»Das ist mir jetzt scheißegal, was mit diesem Mistvieh ist. Wir haben jetzt genug gesehen«, platzte es aus Brandon heraus.
Er ließ das Fenster herunter, streckte den Kopf hinaus und versuchte mit seinem Geschrei und der Hupe den Wolf zu vertreiben. Er wollte jetzt endlich das Camp am Lake Placid aufschlagen, die Faszination dieser Wolfsbegegnung hatte sich für ihn schon wieder erledigt.
Das ganze Gezeter, das Brandon veranstaltete, beeindruckte den Timberwolf aber kaum, er knurrte ihn nur einmal kurz an.
Dann richtete er plötzlich seine stechenden Augen auf Jake, der immer noch zwischen den beiden Vordersitzen auf den Riesen hinaus starrte. Jake bildete sich ein, dass ihn der Wolf jetzt regelrecht mit seinen Augen fixierte. Wie ein Wetterleuchten in einer stürmischen Nacht schienen die Wolfsaugen immer wieder in hellem Orange aufzublitzen.
Ob die anderen das auch sehen?, dachte sich Jake. Er hatte eine Heidenangst diesen Gedanken laut auszusprechen. Schon jetzt ließen Brandon und Tommy keine Gelegenheit aus, ihn runterzumachen und aufzuziehen. Jake entschied sich zu schweigen und er brach den Blickkontakt mit dem Wolf ab. Er grub sich tief in den Rücksitz des Vans ein und starrte in sein Handy.
»Ha, jetzt haut er endlich ab!«, sagte Brandon, als der Wolf sich schließlich in Bewegung setzte. Der Riese lief hinter der Zapfsäule vorbei, bei der die fünf Studenten gerade getankt hatten, querte dann den Eingang des Tankstellenshops und türmte dann in den nahegelegen Wald hinter der Tankstelle.
»So, weiter geht’s, sagte Brandon zufrieden. »Und Jake, bevor du wieder anfängst, garantiere ich dir eines: Du wirst diesen Lone Wolf in deinem ganzen Leben nie wieder zu Gesicht bekommen, also fang nicht wieder an. In weniger als zehn Minuten sind wir laut Navi eh schon an unserem Platz am See.«
Jake hörte ihm gar nicht zu. Er spielte gerade seine Songliste rauf und runter, um sich abzulenken. Sie fuhren vom Stadtrand von Lake Placid nördlich auf einer holprigen Waldstrasse weiter. Auf der rechten Fensterseite des Vans bei Matt konnte Jake durch die Baumreihen schon den Lake Placid sehen. Bei diesem Anblick breitete sich in ihm zu seiner Überraschung eine Art Vorfreude aus.
Dann bog Brandon rechts um die Kurve und sie kamen aus dem Wald hinaus direkt ans Ufer auf eine kleine, offene Wiesenfläche.
Jakes Stimmung wurde augenblicklich besser, als er das fantastische Seepanorama vor ihm erblickte. Das ruhige Wasser des Sees war in das Licht des späten Septembertages getaucht und ringsherum wurde der See von bunten Bäumen des Indian Summers umringt. Der See war so klar, dass er fast einen kompletten Blick auf den Grund am Ufer zuließ. Wäre das Wasser um diese Jahreszeit nicht so kalt gewesen, hätte Jake richtig Lust gehabt dort rein zu springen. Er schaffte es tatsächlich bei diesem Anblick, seine bisherigen negativen Emotionen halbwegs zu verdrängen.
»Ok, Brandon, an dem hier habe ich echt nichts auszusetzen!«
»Na siehst du, Little Jake!« Brandon hat den Überblick, ich hoffe, du hast das endlich kapiert.«
»Geil Alter«, sagte Tommy.
»Wow, Schatz, du hast echt nicht zu viel versprochen!«, sagte Mandy begeistert und umarmte und küsste Brandon.
»Das hat echt was«, fügte Matt hinzu. »Am besten stellen wir gleich hier die Zelte auf«.
»Gut, aber vorher gibt’ s noch was zu trinken«, sagte Brandon. Er holte die Box mit dem Alkohol aus dem Kofferraum. Darin waren etliche Bierdosen und zwei Flaschen Rum und noch ein paar große Colaflaschen zum Mischen.
»Auf ein geiles Wochenende!« Brandon drückte jedem eine Bierdose in die Hand und dann prosteten sich alle zu.
Das Wochenende könnte vielleicht doch nicht so übel werden, wie ich befürchtet habe, dachte sich Jake.
Als die fünf ihr Bier geleert hatten, packten sie die Zelte aus und bauten sie dicht nebeneinander direkt am Seeufer auf. Brandon und Mandy zusammen ein Zelt, Tommy gleich daneben und etwas weiter weg Jake und Matt. Die Stimmung war jetzt wirklich besser geworden und Jake freute sich fast schon auf den gemeinsamen Grillabend heute abend. Vielleicht waren sie trotz der Spannungen vorhin doch nur fünf junge Studenten, die einfach zusammen ein cooles Wochenende genießen konnten.
»Tommy und ich gehen mal Feuerholz und Tannennadeln sammeln«, sagte Jake. Es wird schon langsam dunkel. Die Tannennadeln dürften gut als Zunder funktionieren. Ihr könnt inzwischen die Feuerschale aufstellen. Und zwar ein Stück weit versetzt von den Zelten, wir wollen ja nicht unsere Behausungen gleich durch Funkenflug abfackeln, kapiert? Und macht sonst inzwischen nichts Dummes. Das gilt vor allem für dich, Jake!« Brandon zeigte auf Jake und imitierte dabei die Figur des Uncle Sam.
Alles klar Chief, ich passe auf Little Jake auf, Brandon«, sagte Matt zu ihm und blickte daraufhin spöttisch zu Jake hinüber. Jake erkannte den Gesichtsausdruck seines langjährigen Freundes sofort und grinste freundlich zurück.
Brandon und Tommy überquerten die Wiese in den Wald. Die Nachmittagssonne stand schon sehr tief und Brandon wollte jetzt wirklich nichts lieber, als mit Mandy am warmen, prasselnden Lagerfeuer zu sitzen und leckeres Zeug grillen. Und natürlich Jake aufziehen.Brandon und Tommy fanden in den dichten Tannenwäldern gutes, zumeist trockenes Holz. Tommy hatte sich dabei im Wald etwas von Brandon abgesetzt und bewegte sich einige Meter entfernt von ihm.
Ein leises Knacken auf dem Waldboden unterbrach die Stille des Waldes. Brandon schaute sich nervös um. Er konnte nichts sehen, die Dunkelheit hatte den Wald schon fast komplett eingehüllt.
»Hast du das auch gehört, Tommy?«
»Ja, irgendwas im Unterholz.«
Brandon nahm das Handy und leuchtete mit der Taschenlampenfunktion in den Wald. Der Lichtkegel fiel aber auf nichts besonderes. Er blickte sich noch einmal um. »Wahrscheinlich nichts. War vielleicht nur ein Waschbär. Gehen wir jetzt aus dem Wald raus, wir haben genug gesammelt, Tommy.«
Nach einem kurzen Spaziergang kamen sie wieder auf die Wiese zu den anderen zurück.
»Hey, da sind wir wieder, ah perfekt ihr habt schon die Feuerschale aufgestellt. Das lobe ich mir. Und du Jake hast tatsächlich nichts zerstört oder verloren? Ich bin stolz auf dich, du Pfeife.«
»Wie ich sehe, warst du auch richtig fleißig, Brandon.«, sagte Jake zurück. Matt schaute ihn angenehm überrascht an, es war das erste Mal das Jake Brandon Kontra gegeben hatte.
»Hey, er kann ja auch mal schlagfertig werden, der Junge wird erwachsen«, spottete Brandon. Tommy lachte wieder einmal auf Bestellung.
»So, jetzt lasst uns aber mit den Leckereien beginnen«, sagte Matt und öffnete die Kühlbox mit den Würstchen und dem Burgerfleisch.
Mandy holte noch den Beutel mit den Marshmallows dazu, die als leckere Nachspeise fungieren sollten.
Die anderen schichteten das Holz und die Tannennadeln in der Feuerschale und legten noch einen Grillrost drauf. Dann entfachte Matt mit langen Zündern feierlich ein Feuer. Das Feuer drängte die kühlen Temperaturen der beginnenden Septembernacht sehr bald zurück und die fünf saßen um ein prasselndes und wohliges Lagerfeuer zusammen.
Über Ihnen schien der Vollmond in voller Pracht und gab dem See einen fast mystischen Charakter.
Jake fühlte sich jetzt tatsächlich entspannt. Sein bester Freund saß neben ihm an einem wunderschönen Fleckchen Erde, seine Traumfrau war hier, auch wenn sie leider nicht mit ihm zusammen war und außerdem gab es gleich mehrere Leckereien. Nur der Plagegeist Brandon und sein Handlanger Tommy trübten das Ganze.»Weißt du, Jake, eigentlich habe ich nichts gegen dich, du gehst mir halt leider immer wieder auf den Sack.« Tommy prustete sein Bier aus und bekam einen Lachkrampf. »Der war gut, Brandon!«
»Nein echt jetzt. Du bist kein schlechter Kerl, Jake, aber du bist einfach viel zu verkrampft und ängstlich und nervst die anderen damit, verstehst du?«
»Weißt du Brandon, ich…«
Aus der Finsternis des Waldes schoss plötzlich ein riesiger, schwarzer Schatten von hinten auf Brandon zu. Gewaltige, weiße Fangzähne blitzten im Licht des Feuers auf und packten Brandon an der linken Schulter. Schaum quoll dem Wolf aus dem Maul. Brandon schrie auf und krümmte sich vor Schmerzen. Er versuchte sich verzweifelt mit den Armen zu wehren.
»Brandon!«, schrie Mandy und versuchte ihn am rechten Arm wegzuziehen.
Tommy packte einen dicken Ast, der neben der Feuerstelle lag und schlug mit voller Wucht auf den Kopf des Wolfes ein. Dieser heulte auf, ließ aber nur kurz von Brandon ab und schnappte Richtung Tommy, den er mit den Zähnen am Unterarm streifte. Geschockt wich Tommy zurück und hielt sich seinen Arm mit schmerzverzerrtem Gesicht.
Doch dann schoss dem Wolf eine Wolke Bärenspray ins Gesicht. Jake hatte seinen Spray aus seiner Jacke gezogen und dem Wolf eine volle Ladung in die Augen verpasst. Dieser winselte und schüttelte sich. Tommy und Matt sahen ihre Chance und schlugen wie wild mit Ästen auf den Kopf des Timberwolfs ein. Das Ganze zeigte jetzt Wirkung: der Wolf jaulte auf und ergriff die Flucht in die Finsternis, aus der er gekommen war. Sein Knurren und Winseln wurde immer leiser und war schließlich nicht mehr zu hören.
