Der Obsidian - Marcus Hoffmann - E-Book

Der Obsidian E-Book

Marcus Hoffmann

0,0
3,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Der abgebrannte Student Leon Steiner haust in seiner Gemeindewohnung in Wien Meidling und steht kurz vor der Delogierung, da er mit mehreren Monatsmieten in der Miese steht. Auch mit beruflichen Nebenjobs will es einfach nicht klappen. Als er völlig niedergeschlagen im Wiener Stadtpark auf der Bank sitzt und über sein beschissenes Leben nachdenkt gesellt sich ein junger unbekannter Mann zu ihm, der ihm Mut zuspricht und ihm ein Geschenk macht. Ein Glücksbringer wie er den Obsidiananhänger nennt. Obwohl ihn Leon zuerst nicht haben will, wird dieser Obsidian sein Leben sehr bald auf drastische Weise verändern. Diese Horrornovelle führt die Leser in die Abgründe der menschlichen Seele und lässt sie bis zum Schluss mit dem Schicksal des Protagonisten mitfiebern.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.


Ähnliche


Der Obsidian

Marcus Hoffmann

Copyright © 2026

Marcus Hoffmann

1

Mit zitternder Hand drückte Leon Steiner die Türklingel neben der Eingangstür des »Vienna Telecall« - Büros. Er hatte noch nie vor einem Vorstellungsgespräch eine derartig höllische Panik geschoben wie jetzt. Dabei stand der Kunstgeschichtestudent keinesfalls vor dieser Tür, weil er diesen Job wollte, sondern weil seine Finanzen mittlerweile beim Teufel waren. Er stand kurz vor der Delogierung aus seiner verschimmelten Gemeindewohnung und hatte einen Berg von unbezahlten Rechnungen zuhause auf seinem verdreckten Schreibtisch. Leon hörte jetzt leise Schritte, die sich von der anderen Seite der Tür her näherten. Noch bevor diese richtig aufgegangen war, krampfte sein Magen aufs Ärgste zusammen. Leon hatte das Gefühl, als ob ihm eine unsichtbare Klauenhand seine Eingeweide in alle Richtungen verdrehen würde. Er blickte noch kurz in das Gesicht einer freundlichen Bürodame mit Brille, bevor es für ihn kein Halten mehr gab:

Ein Strahl aus Hafer- und Honigschleim schoss Leon aus seinem aufgerissenen Mund und verteilte sich über der Brille und dem Gesicht der fassungslosen Frau, die gellend aufschrie und nach hinten taumelte.

Wenige Augenblicke später eilte eine Kollegin der Frau mit mehreren Küchentüchern herbei und begann sie hastig von dem Erbrochenen zu befreien. Mit einer Mischung aus Entsetzen und Wut starrte die Helferin Leon an.

»Um Himmels Willen, was ist denn in Sie gefahren?«

Leon rang nach Luft und starrte sie mit großen Augen an. Er brachte kein Wort heraus. Eilig wischte er sich unbeholfen ein Stück des Erbrochenen von seinem Mundwinkel weg. Leon war bleich wie ein Untoter, der gerade aus einer Gruft gestiegen war. Jetzt eilte der Marketingleiter herbei, mit dem Leon eigentlich ein Vorstellungsgespräch gehabt hätte.

»Was zum Teufel ist hier los?«Er blickte Leon aus weit aufgerissenen Augen an.

Da packte Leon die Panik. Er drehte sich auf dem Absatz herum und polterte aus dem vierten Stock die Treppe des Stiegenhauses hinunter. Wie ein Berserker riss er die Eingangstür des Bürogebäudes auf und sprintete über die Straße ohne auf den Verkehr zu achten. Er lief wie wild den Weg zurück auf dem er vorhin hergekommen war. Nach weniger als einer Minute ging Leons die Puste aus und er schleppte sich keuchend weiter. Er kam erneut in den Wiener Stadtpark hinein, indem er sich auf dem Hinweg zum Büro vorhin kurz entspannt hatte. Leon ging schnaufend an der bronzenen Johann Strauss Gedenkstatue vorbei bis zum kleinen Ententeich des Parks. Dort ließ er sich immer noch schnaufend auf eine einsame Holzbank direkt am Ufer des Teichs nieder und knallte seine Bewerbungsmappe neben sich hin. Er schnaubte tief aus und raufte sich die Haare. Ein emotionaler Tsunami fegte nun über ihn hinweg, der ihm Tränen in die Augen trieb. Alle Gedanken an sein beschissenes Leben brachen auf ihn ein. Er hatte sich in eine desolate Situation gebracht, die tatsächlich nur noch zum Speiben war.

Gerade jetzt wünschte er sich wieder einmal, er hätte sich einfach seinen Eltern unterworfen, hätte brav eine sogenannte solide Ausbildung gemacht und wäre dann ins Rüstungsunternehmen seines Vaters eingestiegen. Dann würde ich jetzt mit 24 Jahren Gold scheißen, statt in dieser Jauchegrube zu strampeln.

2

»Alles in Ordnung bei dir?«, hörte er plötzlich eine tiefe, aber junge Stimme neben sich.

Leon zuckte zusammen und drehte sich ruckartig zur Seite, wo sich offenbar unbemerkt ein schlanker, junger Mann im dunkelblauen Businessanzug mit Aktentasche hingesetzt hatte.

»Nicht wirklich.« sagte Leon widerwillig zurück. Er blickte in die stechend blauen Augen eines leicht spöttischen Gesichts, das von schwarzen, nach hinten gegelten Haaren umgeben war.

»Ich will dir nicht zu nahe treten, aber du siehst ziemlich bleich aus. Dein Vorstellungsgespräch ist wohl nicht so gut gelaufen?«

»Vorstellungsgespräch? Woher wissen Sie das?«

»Na ja, du hast deine Bewerbungsmappe dabei und du hast dich offensichtlich für heute rausgeputzt.«

Leon musterte seinen Sakko. »Ja stimmt«, sagte er niedergeschlagen. »Es war eine Katastrophe.«

»Inwiefern?«

»Es war zum Speiben, mehr möchte ich dazu nicht sagen.« Leon blickte gedankenverloren auf den See hinaus. Er sah nicht wie der Unbekannte schelmisch ein Lachen unterdrücke, dass es diesem fast die Tränen aus den Augen herausdrückte. Schnell wurde er wieder ernst.

»Ok, du musst es mir nicht sagen.« Plötzlich rückte er etwas näher und blickte ihn mit zusammengekniffenen Augen an. »Aber eines kann ich dir ganz gewiss sagen, weglaufen ist generell im Leben keine Option!«

Leon blickte ihn irritiert an. Ihm war die Nähe des Unbekannten nun zunehmend unangenehm, aber er konnte nicht einfach aufstehen und gehen. Der Mann hielt ihn mit seinen stechenden blauen Augen vollständig in seinem Bann. Er hypnotisierte ihn damit fast wie eine Schlange.

Der Mann setzte nun ein strahlendes Lächeln auf. »Ich heiße übrigens Bartholomäus Ludwig Sieffert, du kannst mich aber auch Lutz nennen. Und du?« Er streckte ihm seine rechte Hand hin.

»Leon Steiner. Er gab ihm die Hand, die Lutz ihm fast zerquetschte. Sie, äh du, hast einen urspeziellen Namen.« Leon versuchte zu Lächeln, schaffte es aber in seiner derzeitigen Stimmung nicht.

Lutz lachte dagegen kurz auf, während er seine großen, scharfkantigen Zähne zeigte. »Ich komme aus einer ziemlich religiösen Familie. Vielleicht kennst du den heiligen Bartholomäus, einen der zwölf Jünger von Jesus?«

»Mmh, eigentlich nicht.«

»Na ja, die meisten wissen das nicht.«

Lutz blickte ihn einen kurzen aber intensiven Moment mit funkelnden Augen an. »Hmm, Leon, bei dir ist wohl überhaupt der Wurm drin, nicht wahr?«

»Ja und zwar in jeder Hinsicht. Ich suche schon länger neben meinem Kunstgeschichtestudium einen Job, um meine verdammten Mietschulden und alles andere zu zahlen.« Leon blickte auf den kleinen See vor ihnen im Park.

»Kunstgeschichte sagst du? Das ist nicht der Weg nach El Dorado, das ist dir klar, oder?« Lutz blickte Leon mit einem provokanten Glimmen in den Augen an und hob eine seiner Augenbrauen.

»Na ja, ich habe mich für dieses Fach nicht in erster Linie inskribiert, um Millionär zu werden. Es gibt andere sinistre Wege um reich zu werden, sagte Leon patzig.«

Lutz grinste schelmisch über beide Ohren.

»Wieso so negativ gegenüber dem Wohlstand, Leon: Eine handfeste Arbeit mit dem man einen Haufen Kohle verdient ist doch nichts verkehrtes, oder?«

Leon blickte den Anzug von Lutz an und seine Schuhe, die keinesfalls billig aussahen. »Du wohnst wahrscheinlich nicht in so einer Bruchbude wie ich, nehme ich einmal an?«

»Tja, meine Villa in Penzing entspricht nicht gerade dem, was ein Kunstgeschichtestudent als Bruchbude bezeichnen würde, das ist sicher.« Lutz grinste mit einem Funkeln in den Augen. »Ich handle mit Schmuck für unterschiedlich zahlungskräftige Kunden. Dabei bin auch auch öfters im Außendienst unterwegs.« Er klopfte auf seine Aktentasche. Seine Augen funkelten wie blaue Topas-Edelsteine in der Sonne, als er das sagte. »Ich hatte gerade auf der Landstraßer Hauptstraße einen exklusiven Kunden und habe mich danach hier in den Park begeben. Ich bin sonst auch gerne in diesem Park.«

Er blickte Leon von der Seite an. »Einen Job kann ich dir bei uns leider nicht anbieten, wir haben gerade eine Welle an Einstellungen hinter uns.« Leon blickte zu ihm auf und schaute ihm tief in die Augen. »Aber ich habe trotzdem was für dich, Leon.«

Leons Blick schweifte auf Lutz’ Aktentasche. Lutz öffnete diese und kramte eine schwarze, mit goldenem Rand verzierte, längliche Box heraus. Er öffnete ihren Deckel beinahe so, als ob er das Schmuckkästchen einer Pharaonin öffnete und holte ebenso bedächtig den Anhänger heraus, der darin lag. Leon blickte ihn mit gespannten Augen an.

»Hier Leon, das ist ein Glücksbringer, ein echter Dauerseller in unserer Firma.« Er hielt ihn an seinem Lederhalsband fest und ließ ihn wie ein Pendel vor Leons Augen schwingen. »Im Inneren befindet sich ein Vulkangestein, ein Obsidian.«

Leon hatte tatsächlich das Gefühl, hypnotisiert zu werden. Der Obsidian lag in einer teils versilberten und vergoldeten Fassung die innen den Stein kreisrund und außen in einem Hexagon umschloss.

»Ein Obsidian, davon habe ich noch nicht gehört.«

»Er wird dir Glück bringen, Leon, vertrau mir.«

Leon blickte ihn skeptisch an.

---ENDE DER LESEPROBE---