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Erlebe in diesen zwei schaurigen Geschichten das finstere viktorianische London, in dem sich die Protagonisten dem Bösen stellen müssen, um für Ihre Liebste zu kämpfen. Begib dich zunächst in der Blutnovelle mit dem Gentleman Damian Dawn auf eine düstere Reise in die Welt der untoten Blutsauger Londons, in der er um seine große Liebe kämpfen muss. London, Ende des 19. Jahrhunderts Der großbürgerliche Damian Dawn ist seinen Zwängen in der Upper Class von Belgravia überdrüssig und taucht in die exzentrische Welt der Varietés von Soho ein. Dort vergöttert er die atemberaubende Sängerin und Tänzerin Aline und verliebt sich unsterblich in sie. Doch das romantische Paar wird bald mit der blutrünstigen Vampirwelt Londons konfrontiert und muss gemeinsam mit der Hilfe eines längst vergessenen Menschen aus Alines Vergangenheit um ihr gemeinsames Schicksal kämpfen. Danach erwartet dich eine schaurig-spannende Gefängniserzählung auf einer Festung vor der Ostküste Englands England in den 1850er Jahren: Der Bohemian und Gelegenheitsarbeiter Edward Frost sitzt in der Dunkelzelle der Gefängnisfestung auf Barrow Island und erwartet seine Hinrichtung. Er erzählt uns seine Geschichte, wie er vom Armenviertel East End in London in die Gefängnishölle von Barrow Castle geraten ist. Edward plagtnichtnur seine eigene Todesangst, sondern auch die Angst um seine Mitgefangene Emma Stanton. Seine ganze Hoffnung beruht nur noch auf einem Wärter in Barrow Castle, der vielleicht doch noch den Mut zur Wahrheit entdeckt, um ihm das Leben zu retten. Tauche ein in das schaurige England des 19. Jahrhunderts und erfahre, ob Edward Frost diese Insel jemals wieder lebend verlassen wird. Tauche ein in die düsteren Erzählungen des viktorianischen Londons und erlebe zwei Liebesgeschichten, die von schmerzhaften inneren Konflikten und Entscheidungen bestimmt werden.
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Marcus Hoffmann
1. Auflage 2025 Copyright © 2025 by Marcus Hoffmann
An jenem Wochenende vor meinem achtundzwanzigst- en Geburtstag fand ich in Soho den Tod und dennoch die Liebe meines Lebens. Ich erfuhr am eigenen Leib, dass die Gerüchte der Londoner Gosse und der Boulevardblätter über untote Blutsauger einen wahren, blutigen Kern in sich trugen.
Wie so oft an den Samstagabenden war ich der unerträglichen Farce meines großbürgerlichen Alltags in Belgravia entflohen, um meiner Göttin in der erotischen Welt der Varietés von Soho zu huldigen: La charmante Aline, die Königin des Roaring Lioness! Wie ich diese großgewachsene, französische Nymphe mit ihren meerblauen Augen, den kastanienbraunen, schulterlangen Haaren, ihrer elfenbeinfarbigen Haut und ihren atemberaubenden femininen Kurven verehre! Bei ihrem betörenden Gesang und ihren burlesken Tanzeinlagen driftete ich regelmäßig in eine Welt ab, die mich die Sisyphosarbeit im Kontor der East Indian Company endlich für ein paar Stunden vergessen ließ.
Aline hatte mich an jenem Abend auf der Bühne nicht auf die gleiche Art wie all die anderen gut betuchten Gentlemen angeschmachtet. Ihre Blicke verweilten ungewöhnlich lange auf meinen, die ich unentwegt in der ersten Reihe des Publikums auf sie richtete. Zum ersten Mal hatte ich mich überwunden, direkt an der Bühne zu sitzen, wo Aline fast auf Tuchfühlung zu ihrem Publikum ging. Immer dann wenn unsere Blicke zusammentrafen, glaubte ich in ihren Augen ein mysteriöses, diamantenes Funkeln zu erkennen, das mich magisch anzog. Ich konnte mir diese Erscheinung nicht erklären, aber ich schob sie leichtfertig auf meinen ausgiebigen Absinthkonsum an jenem Abend, der mir wohl die Sinne vernebelt hatte.
Zweifelsfrei lösten ihre Blicke in mir ein tiefes, wildes Verlangen nach ihr aus, das durch ihr kokettes Augenzwinkern und ihren Fingerzeig in meine Richtung nur verstärkt wurde. Ich konnte nicht mit Gewissheit sagen, ob diese Anspielungen nur ein Teil ihrer Show oder tatsächlich ein echtes Flirten mit mir waren. Ich hoffte auf zweiteres und spürte eine unbändige Euphorie, Aline nach der Show zu sehen und sie anzusprechen. Etwas, was ich schon immer sehnlichst tun wollte, seit ich sie auf der Bühne des Roaring Lioness zum ersten Mal gesehen hatte. Ich beschloss tatsächlich trotz meiner Schüchternheit hinter dem Varieté beim Personaleingang auf sie zu warten, sobald ihr Auftritt zu Ende war.
Niemals hätte ich mich an so einem Ort in den Nachtstunden alleine aufgehalten, wenn ich nicht das unbedingte Verlangen gespürt hätte, meine Angebetete endlich zu treffen. Denn ich stand hier in einer schlammigen, rattenverseuchten Hinterhofgasse, in der es unerträglich nach Müll und Exkrementen stank. Mit Ruß gefüllte Nebelschwaden krochen durch die Gasse hindurch, die nur äußerst spärlich durch das Licht von Straßenlaternen erhellt wurde. Finstere Gestalten huschten eine Quergasse weiter an mir vorbei und ich versteckte mich vor lauter Furcht hinter den übelriechenden Müllbergen, die gleich neben dem Personaleingang aufgetürmt waren. Ich hatte sehr gute Gründe als offenkundig nobler Herr mit Zylinder und vollem Portemonnaie in dieser finsteren Gegend ständig wachsam zu sein. Inzwischen rannten mir quietschende Ratten über meine neuen Hirschlederschuhe und ich hielt mir mein Seidentuch vor den Mund, um mich nicht zu übergeben.
Etwa eine halbe Stunde verstrich in dieser finsteren Ecke, als sich die Tür öffnete und ein helles Licht in die düstere Gasse fiel. Zunächst kamen verschiedenste Künstler des Ensembles aus der Tür, die ich im Vorprogramm zu Aline gesehen hatte, dann folgten die anderen Schönheiten des Tanzensembles und schließlich stolzierte nach einigen weiteren Minuten Aline heraus. Sie hatte ein elegantes, rotes Kleid an, das sich fantastisch um ihre Rundungen schmiegte, dazu trug sie elegante Seidenhandschuhe, die sie wie eine Lady aus dem Salon aussehen ließen. Ich trat aufgeregt in den Lichtschein der Lampen hinein.
»Oh, da ist ja mein hübscher Verehrer!« Aline begrüßte mich mit ihrem betörenden Lächeln, das ein kleines Grübchen in ihre Wange hineinzauberte.
»Ich heiße Damian Dawn,«, sagte ich aufgeregt und gab ihr zärtlich die Hand.
»Damian passt zu dir, mein Süßer, sagte sie und funkelte mich mit ihren Augen an. Heute hast du dich ja ganz nah an mich herangetraut«. Ich lächelte schüchtern zurück und war von ihr bezaubert, aber auch etwas irritiert. Ihr Händedruck hatte sich ausgesprochen kühl angefühlt, wie nach einem winterlichen Aufenthalt im Freien. Doch ich achtete nicht weiter darauf, denn mir war umso heißer in ihrer Anwesenheit.
»Ich hoffe, du hattest keine Begegnung mit den finsteren Figuren Londons hier in dieser einladenden Ecke.« Sie lächelte und tätschelte mit ihrer Hand meinen Unterarm.
»Nur die flüchtige Bekanntschaft mit ein paar quirrligen Ratten.« Ich grinste verlegen. »Aber das Warten auf dich hat sich mehr als gelohnt, Aline.« Ich verbeugte mich ganz leicht vor ihr und blickte fasziniert in ihre wunderschönen, meerblauen Augen.
Aline lachte auf ihre betörende Art, indem sie ihre Hand kokett vor den Mund hielt und legte ihren Arm um meinen Nacken: »Dann lass uns losgehen, Damian, ich kenne ein nettes Pub in Soho, das Old Brewster, gleich hier an der Old Compton Street. Ein Freund hat dort immer eine gemütliche Ecke für uns frei. Nur wir beide. Wie klingt das für dich, Damian?« Aline fuhr sich mit der Zunge über die Lippen und lächelte mich mit funkelnden Augen an.
»Es gibt nichts, was ich lieber tun würde Aline«, sagte ich frei heraus und bot ihr meinen rechten Arm an, wo sie sich sogleich unten einhakte. Wir gingen eng aneinander aus der Gasse hinaus ins Licht der Old Compton Street, wo wir links in Richtung des Old Brewster Pubs abbogen. Zahlreiche andere Nachtschwärmer kreuzten auf dem Gehsteig unseren Weg, von elegant gekleideten Damen und Herren bis zu jenen, die wohl der kreativen Boheme angehörten. Und natürlich die verlorenen Obdachlosen der Gosse, die in den dunklen Winkeln der Strasse hausten und für die ich das eine oder andere mal mein Portemonnaie öffnete.
»Du hast ja für jemanden, der so nobel gekleidet ist, ein Herz aus Gold«, sagte Aline und blickte mich mit einer jugendlichen Unverschämtheit an.
»Aline, du unterliegst einem Vorurteil: nicht jeder, der mit dem goldenen Löffel wie ich geboren wurde, verachtet mittellose Menschen«, entgegnete ich ihr mit einem sarkastischen Lächeln. Aline drückte sich amüsiert an mich. Wir schlenderten weiter an verschiedenen einladenden Restaurants und Bars vorbei, bis wir zum Old Brewster Pub kamen, das bis zum Bersten gefüllt war und vor dem eine Traube von Leuten redselig zusammenstand.
Ein Pub zu besuchen war für mich eine gänzlich neue Erfahrung. Ich verkehrte in den Gentlemen’s Clubs und bei verschiedensten gesellschaftlichen Anlässen in London eigentlich ausschließlich mit wohlhabenden Geschäftsmännern oder Aristokraten. Die Erfahrung eines Pubs in Soho, in der ich von gewöhnlichen oder kunstaffinen Männern und Frauen umgeben war, bot eine langersehnte Abwechslung.
Das Pub war gleichermaßen stilvoll wie behaglich eingerichtet, mit teuren Holzvertäfelungen an der Decke und den Wänden, großen, golden eingefassten Spiegeln, und einer stilvollen Bar aus edlem Holz. Gewöhnliche Londoner saßen an rustikalen Holztischen und Sofas und pflegten die Gesellschaft miteinander. Hinter der Bar stand ein gewaltiger Barkeeper mit kurzgeschorenen, schwarzen Haaren und Schnurrbart, der Aline beim Hereinkommen freundlich begrüßte.
»Hi Allie, deine gemütliche Ecke steht bereit, wie immer, sagte der Koloss und grinste sie an.
»Hi, Forrester, danke dir!«
»Wie ich sehe, hast du eine gute Partie dabei, sagte er und musterte mich lachend von oben bis unten.«
Ich war etwas verlegen, ließ mich aber einfach von der guten Stimmung des Mannes mittragen und hob meinen Zylinder zur Begrüßung.
»Guten Abend, mein Name ist Damian Dawn.«
»Forrester, der Barkeeper.« Er deutete eine Verbeugung vor mir an und grinste spöttisch, wobei seine gelben Zähne zum Vorschein kamen.
»Freut mich«, sagte ich mit einem höflichen Lächeln.
Aline ging hinter der Bar rechts vorbei und anschließend durch einen schmalen Gang zu einer gemütlichen, in dunkelgrün bezogenen Couch mit Platz für zwei. Davor war ein kleiner, runder Holztisch eingerichtet, der ausreichend Platz für die Getränke von zwei Gästen bot.
»Wie geschaffen für uns zwei, sagte sie, während sie mir mir tief in die Augen blickte.«
Mir wurde heiß und kalt zugleich.
Ringsherum konnte uns niemand sehen, nur der schmale Durchgang führte zu dieser gemütlichen Ecke, die einen typischen Snug darstellte. Ich hatte von so einem Snug schon gehört, kannte aber eigentlich nur die diskreten Räume diverser nobler Gentlemen’s Clubs. Aline nahm neben mir Platz und schmiegte sich seitlich an mich heran. Ihr weicher Körper fühlte sich wie ein Seidenkissen an und ich spürte ihren Atem auf meinem Gesicht. Sie küsste mich auf die Wange.
»Na, wie gefällt es dir hier, Damian?« Sie spielte mit ihrem glänzenden Haar und strahlte mich an.
Ich gab ihr einen Kuss auf ihre zarte Wange. »Mit dir kann es mir hier nur gefallen, Aline.«
»Ach, du Charmeur!« Sie machte die Pose einer Lady und drückte noch fester an mich. Ihre Augen funkelten mich im Halbdunkel des Snugs an.
»Schatz, hier im Pub holen sich die Gäste ihre Getränke selbst an der Bar, wahrscheinlich ein ziemlicher Schock für einen Gentlemen’s Club - Löwen wie dich, nicht war?«, Aline grinste mich schelmisch an.
»Allerdings.« Ich zog die Augenbrauen amüsiert hoch. »Was möchtest du denn trinken, Liebes?«
»Einen Apfelwein für mich, mein Schatz.«
»Ich glaube, ich werde das auch probieren.«
»Gute Wahl, das ist auch was für einen feinen Gaumen wie dich.«
Auf dem Weg zur Bar sog ich das Ambiente dieses Pubs in mir auf. Es gefiel mir hier wirklich sehr gut, ich fühlte mich wohl in dieser entspannten Atmosphäre, in dem durchschnittliche Londoner Männer und Frauen ihre Freizeit genossen. In der Welt der gehobenen Gesellschaft dagegen wurde ich ständig mit Argusaugen beobachtet und musste peinlich auf jedes Wort achten, das über meine Lippen kam. Argwöhnische Blicke oder herablassende Kommentare gehörten dort zum Standardrepertoire. Ich lebte in Belgravia in völlig vorgegebenen Bahnen, die ich standesgemäß nicht verlassen konnte, schon gar nicht, wenn es um die Vorgaben meiner Eltern ging.
Forrester nahm meine Bestellung freundlich entgegen und zwinkerte mir zu, als er mir die Gläser mit dem Apfelwein über den Tresen herüberschob. Ich lächelte leicht verlegen zurück und brachte die Getränke zurück zu Aline, die mich schon mit einem sehnsüchtigen Blick erwartete. Ich stellte die Gläser auf den Tisch und drückte mich gleich wieder eng an Aline heran. Wir nahmen beide einen kräftigen Schluck aus unserem Glas. Der kalte Apfelwein war ein echter Genuss.
»Mmh, das schmeckt fantastisch. Wie ich sehe, muss es nicht immer ein teurer Shiraz sein.«
»Das heißt, es lässt sich hier auch unter gewöhnlichen Leuten gut aushalten?«
»Oh ja! Hier fühle ich mich frei, kann endlich dieses Possentheater eines großbürgerlichen Bachelors hinter mir lassen. Meine aufdringlichen Eltern versuchen seit Wochen mich mit einer Tochter eines schwerreichen, wenig sympathischen Industriellen zu verheiraten.« Ich blickte sie gequält an.
Aline lachte. »Würdest du mich heiraten, wenn mein Vater so ein Industrieller wäre?«
»Ich würde dich sogar heiraten, wenn du die Tochter von Graf Dracula wärst«, sagte ich überschwänglich.
Kurz schien Aline die Fassung zu verlieren und starrte mich aus großen Augen an. Ich war kurz irritiert und wusste nicht so recht, was ich sagen sollte. »Aline-
Dann lachte Sie laut auf und tatschte mir mit ihrer Hand auf meinen Unterarm.
»Damian, du bist wirklich ein süßer Spaßvogel, du scheinst ja wirklich in mich vernarrt zu sein«, sie legte ihren Arm um meine Schulter und küsste mich leidenschaftlich. Ich weiß nicht mehr wie lange wir uns geküsst haben, bevor wir uns wieder anblickten.
»Komm lass uns austrinken, dann gehen wir noch in meine Wohnung. Sie streifte mir dabei sanft über meinen Oberschenkel. Ihre Augen hypnotisierten mich jetzt geradezu. Sie hatte mich jetzt völlig mit ihren Reizen umgarnt und mir wurde jetzt so richtig bewusst, dass sie mit mir offensichtlich die Nacht verbringen wollte.
Wir tranken schnell aus und verließen das Pub, wo uns Forrester beim Hinausgehen noch mit einem breiten Grinsen verabschiedete und ich ihm eine fast schon fürstliche Bezahlung im Tip Jar auf dem Tresen zurückließ. Wir schlenderten die Old Compton Street hinunter und bogen auf eine Seitenstraße ab, die uns nach einer erneuten Abzweigung zu einer Häuserzeile in einer spärlich beleuchteten Gasse führte.
