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Hans-Peter Steuer

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Beschreibung

Das Konkordienbuch von 1580 enthält die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche. Das Apostolische Glaubensbekenntnis Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel Das Athanasianische Glaubensbekenntnis Das Augsburger Bekenntnis Die Apologie des Augsburger Bekenntnisses Die Schmalkaldischen Artikel Von der Gewalt und Obrigkeit des Papstes Der Kleine Katechismus Der Große Katechismus Die Konkordienformel Aus technischen Gründen wurden einige Texte in kleinere Kapitel aufgeteilt.

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Seitenzahl: 1062

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Hans-Peter Steuer

Concordia

Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Das Apostolische Glaubensbekenntnis

Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel

Das Athanasianische Glaubensbekenntnis

Das Augsburger Bekenntnis

Die Apologie des Augsburger Bekenntnisses (1)

Die Apologie des Augsburger Bekenntnisses (2)

Die Apologie des Augsburger Bekenntnisses (3)

Die Apologie des Augsburger Bekenntnisses (4)

Die Apologie des Augsburger Bekenntnisses (5)

Die Apologie des Augsburger Bekenntnisses (6)

Die Apologie des Augsburger Bekenntnisses (7)

Die Apologie des Augsburger Bekenntnisses (8)

Die Apologie des Augsburger Bekenntnisses (9)

Die Schmalkaldischen Artikel

Von der Gewalt und Obrigkeit des Papstes

Der Kleine Katechismus

Der Große Katechismus (1)

Der Große Katechismus (2)

Der Große Katechismus (3)

Der Große Katechismus (4)

Der Große Katechismus (5)

Der Große Katechismus (6)

Der Große Katechismus (7)

Die Konkordienformel (1)

Die Konkordienformel (2)

Impressum neobooks

Das Apostolische Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, 

unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden, 

Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.

Das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel

Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde,

der sichtbaren und der unsichtbaren Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus,

Gottes eingeborenen Sohn,

der aus dem Vater geboren ist vor aller Zeit:

Gott von Gott, Licht vom Licht,

wahrhaftiger Gott vom wahrhaftigen Gott,

geboren, nicht geschaffen,

eines Wesens mit dem Vater;

durch ihn sind alle Dinge geschaffen.

Er ist für uns Menschen und zu unserem Heil vom Himmel gekommen,

Fleisch geworden durch den heiligen Geist und die Jungfrau Maria und ist Mensch geworden,

er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,

hat gelitten und ist begraben worden,

er ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel.

Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Und an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht,

der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht,

der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,

der durch die Propheten geredet hat,

und die eine, heilige, allgemeine (katholische) und apostolische Kirche.

Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.

Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt.

Amen.

Das Athanasianische Glaubensbekenntnis

Wer da will selig werden, der muß vor allen Dingen den rechten christlichen Glauben haben. Wer denselben nicht ganz und rein hält, der wird ohne Zweifel ewiglich verloren sein.

Dies ist aber der rechte christliche Glaube, daß wir einen einzigen Gott in drei Personen und drei Personen in einiger Gottheit ehren, und nicht die Personen in einander mengen, noch das göttliche Wesen zertrennen. Eine andere Person ist der Vater, eine andere der Sohn, eine andere der heilige Geist. Aber Vater und Sohn und heiliger Geist ist ein einiger Gott, gleich in der Herrlichkeit, gleich in ewiger Majestät. Welcherlei der Vater ist, solcherlei ist der Sohn, solcherlei ist auch der heilige Geist. Der Vater ist nicht geschaffen, der Sohn ist nicht geschaffen, der heilige Geist ist nicht geschaffen. Der Vater ist unermeßlich, der Sohn ist unermeßlich, der heilige Geist ist unermeßlich. Der Vater ist ewig, der Sohn ist ewig, der heilige Geist ist ewig, und sind doch nicht drei Ewige, sondern es ist ein Ewiger: Gleichwie auch nicht drei Ungeschaffene, noch drei Unermeßliche, sondern es ist ein Ungeschaffener und ein Unermeßlicher. So ist auch der Vater allmächtig, der Sohn ist allmächtig, der heilige Geist ist allmächtig, und sind doch nicht drei Allmächtige, sondern es ist ein Allmächtiger. So ist der Vater Gott, der Sohn ist Gott, der heilige Geist ist Gott; und sind doch nicht drei Götter, sondern es ist ein Gott. So ist der Vater der Herr, der Sohn ist der Herr, der heilige Geist ist der Herr; und sind doch nicht drei Herren, sondern es ist ein Herr. Denn gleichwie wir nach christlicher Wahrheit eine jegliche Person für sich als Gott und Herrn bekennen müssen, so können wir im christlichen Glauben nicht drei Götter oder drei Herren nennen. Der Vater ist von niemand gemacht: weder geschaffen, noch geboren. Der Sohn ist allein vom Vater: nicht gemacht und nicht geschaffen, sondern geboren. Der heilige Geist ist vom Vater und Sohn, nicht gemacht, nicht geschaffen und nicht geboren, sondern ausgehend.

So ist's nun: Ein Vater, nicht drei Väter; ein Sohn, nicht drei Söhne; ein heiliger Geist, nicht drei heilige Geister. Und unter diesen drei Personen ist keine die erste, keine die letzte, keine die größte, keine die kleinste, sondern alle drei Personen sind miteinander gleich ewig, gleich groß: damit also, wie oben gesagt ist, drei Personen in einer Gottheit und ein Gott in drei Personen geehrt werde. Wer nun will selig werden, der muß so von den drei Personen in Gott halten.

Es ist nun aber auch not zur ewigen Seligkeit, daß man treulich glaube, daß Jesus Christus, unser Herr, sei wahrhaftiger Mensch. So ist nun dies der rechte Glaube, so wir glauben und bekennen, daß unser Herr Jesus Christus Gottes Sohn, Gott und Mensch ist: Gott ist er, aus des Vaters Natur vor der Welt geboren, Mensch ist er, aus der Mutter Natur in der Welt geboren. Ein vollkommener Gott, ein vollkommener Mensch mit vernünftiger Seele und menschlichem Leibe; gleich ist er dem Vater nach der Gottheit, geringer als der Vater ist er nach der Menschheit. Und wiewohl er Gott und Mensch ist, so ist er doch nicht zwei, sondern ein Christus; einer, nicht daß die Gottheit in die Menschheit verwandelt sei, sondern daß die Gottheit die Menschheit an sich genommen hat. Ja, einer ist er, nicht daß die zwei Naturen vermengt sind, sondern daß er eine einzige Person ist. Denn gleichwie Leib und Seele ein Mensch ist, so ist Gott und Mensch ein Christus. Er hat um unserer Seligkeit willen gelitten, ist zur Hölle gefahren, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel, sitzt zur Rechten Gottes des allmächtigen Vaters, von dort wird er kommen zu richten die Lebendigen und die Toten. Und zu seinem Kommen müssen alle Menschen auferstehen mit ihren eigenen Leibern, und müssen Rechenschaft geben, was sie getan haben, und welche Gutes getan haben, werden ins ewige Leben gehen; welche aber Böses getan, ins ewige Feuer.

Das ist der rechte christliche Glaube; wer denselben nicht fest und treulich glaubt, der kann nicht selig werden.

Das Augsburger Bekenntnis

Der 1. Artikel: Von Gott

Erstlich wird einträchtig gelehrt und gehalten, laut des Beschlusses des nicaenischen Konzils, daß ein einziges göttliches Wesen sei, welches genannt wird und wahrhaftig ist Gott, und sind doch drei Personen in demselben einen göttlichen Wesen, gleich gewaltig, gleich ewig, ohne Stück, ohne Ende, von unermeßlicher Macht, Weisheit und Güte, ein Schöpfer und Erhalter aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Und durch das Wort Persona wird nicht verstanden ein Stück, nicht eine Eigenschaft in einem anderen, sondern es besteht selbst, wie denn die Väter in dieser Sache dies Wort gebraucht haben.

Deshalb werden verworfen alle Ketzereien, die diesem Artikel zuwider sind, wie die Manichä- er, die zwei Götter gesetzt haben, einen bösen und einen guten, ebenso die Valentinianer, Arianer, Eunomianer, Mahometisten und alle dergleichen, auch Samosatener, alte und neue, die nur eine Person setzen und von diesen zweien, Wort und heiligem Geist, Sophisterei machen und sagen, daß es nicht unterschiedene Personen sein müssen, sondern Wort bedeute leibliches Wort oder Stimme, und der heilige Geist sei eine erschaffene Regung in den Kreaturen.

Der 2. Artikel: Von der Erbsünde

Weiter wird bei uns gelehrt, daß nach Adams Fall alle Menschen, die natürlich geboren werden, in Sünden empfangen und geboren werden, das ist, daß sie alle von Mutterleibe an voll böser Lust und Neigung sind und von Natur aus keine wahre Gottesfurcht und keinen wahren Glauben an Gott haben können: daß auch dieselbe angeborene Seuche und Erbsünde wahrhaftig Sünde sei, und alle die unter den ewigen Zorn Gottes verdamme, die nicht durch die Taufe und den heiligen Geist neu geboren werden.

Daneben werden verworfen die Pelagianer und andere, die die Erbsünde nicht für Sünde halten, damit sie die Natur fromm machen durch natürliche Kräfte, zu Schmach dem Leiden und Verdienst Christi.

Der 3. Artikel: Von dem Sohne Gottes

Ebenso wird gelehrt, daß Gott, der Sohn, sei Mensch geworden, geboren aus der reinen Jungfrau Maria, und daß die zwei Naturen, die göttliche und menschliche, in einer Person, also unzertrennlich vereinigt, ein Christus sind, welcher wahrer Gott und wahrer Mensch ist, wahrhaftig geboren, gelitten, gekreuzigt, gestorben und begraben, daß er ein Opfer wäre, nicht allein für die Erbsünde, sondern auch für alle andere Sünden, und Gottes Zorn versöhnte.

Desgleichen, daß derselbe Christus sei abgestiegen zur Hölle, wahrhaftig am dritten Tage von den Toten auferstanden, aufgefahren in den Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, daß er ewig herrsche über alle Kreaturen und regiere, daß er alle, die an ihn glauben, durch den heiligen Geist heilige, reinige, stärke und tröste, ihnen auch Leben und allerlei Gaben und Güter austeile und wider den Teufel und wider die Sünde schütze und beschirme.

Ebenso, daß derselbe Herr Christus endlich wird öffentlich kommen, zu richten die Leben- den und die Toten etc. nach dem Apostolischen Glaubensbekenntnis.

Der 4. Artikel: Von der Rechtfertigung

Weiter wird gelehrt, daß wir Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit vor Gott nicht er- langen mögen durch unser Verdienst, Werk und Genugtun, sondern daß wir Vergebung der Sünden bekommen und vor Gott gerecht werden aus Gnaden um Christi willen durch den Glauben, so wir glauben, daß Christus für uns gelitten hat, und daß uns um seinetwillen die Sünde vergeben und Gerechtigkeit und ewiges Leben geschenkt wird. Denn diesen Glauben will Gott für Gerechtigkeit vor ihm halten und zurechnen, wie St. Paulus sagt. Röm. 3 und 4.

Der 5. Artikel: Vom Predigtamt

Solchen Glauben zu erlangen hat Gott das Predigtamt eingesetzt, Evangelium und Sakramente gegeben, dadurch er, als durch Mittel, den heiligen Geist gibt, welcher den Glauben, wo und wann er will, in denen, die das Evangelium hören, wirkt, welches lehrt, daß wir durch Christi Verdienst, nicht durch unser Verdienst, einen gnädigen Gott haben, so wir solches glauben.

Und es werden verdammt die Wiedertäufer und andere, die lehren, daß wir ohne das leibliche Wort des Evangeliums den heiligen Geist durch eigene Bereitung, Gedanken und Werke erlangen.

Der 6. Artikel: Vom neuen Gehorsam

Auch wird gelehrt, daß solcher Glaube gute Früchte und gute Werke bringen soll, und daß man müsse gute Werke tun, alles, was Gott geboten hat, um Gottes willen, doch nicht auf solche Werke zu vertrauen, um dadurch Gnade vor Gott zu verdienen. Denn wir empfangen Vergebung der Sünde und Gerechtigkeit durch den Glauben an Christum, wie Christus selbst spricht Luk. 17: "So ihr dies alles getan habt, sollt ihr sprechen: wir sind untüchtige Knechte." Also lehren auch die Väter. Denn Ambrosius spricht: Also ist es beschlossen bei Gott, daß, wer an Christum glaubt, selig sei und nicht durch Werke, sondern allein durch den Glauben, ohne Verdienst, Vergebung der Sünden habe.

Der 7. Artikel: Von der Kirche

Es wird auch gelehrt, daß alle Zeit müsse eine heilige christliche Kirche sein und bleiben, welche ist die Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente dem Evangelium gemäß gereicht werden.

Denn dieses ist genug zu wahrer Einigkeit der christlichen Kirche, daß da einträchtig nach reinem Verstand das Evangelium gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden. Und es ist nicht nötig zu wahrer Einigkeit der christlichen Kirche, daß allenthalben gleichförmige Zeremonien, von den Menschen eingesetzt, gehalten werden, wie Paulus spricht Eph. 4: "Ein Leib, ein Geist, wie ihr berufen seid zu einerlei Hoffnung eures Berufs, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe."

Der 8. Artikel: Was die Kirche sei

Ebenso, wiewohl die christliche Kirche eigentlich nichts anders ist als die Versammlung aller Gläubigen und Heiligen, jedoch, weil in diesem Leben viele falsche Christen und Heuchler, auch öffentliche Sünder unter den Frommen bleiben, so sind die Sakramente gleichwohl kräftig, obschon die Priester, von denen sie gereicht werden, nicht fromm sind, wie denn Christus selbst anzeigt: Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Pharisäer etc. Deshalb werden die Donatisten und alle anderen verdammt, die es anders halten.

Der 9. Artikel: Von der Taufe

Von der Taufe wird gelehrt, daß sie heilsnotwendig sei und daß dadurch Gnade angeboten werde; daß man auch die Kinder taufen soll, welche durch solche Taufe Gott überantwortet und gefällig werden.

Deshalb werden die Wiedertäufer verworfen, welche lehren, daß die Kindertaufe nicht recht sei.

Der 10. Artikel: Vom heiligen Abendmahl

Vom Abendmahl des Herrn wird also gelehrt, daß wahrer Leib und Blut Christi wahrhaftig unter der Gestalt des Brots und des Weins im Abendmahl gegenwärtig sei und da ausgeteilt und genommen wird. Deshalb wird auch die Gegenlehre verworfen.

Der 11. Artikel: Von der Beichte

Von der Beichte wird gelehrt, daß man in der Kirche die private Absolution erhalten und nicht fallen lassen soll, wiewohl es in der Beichte nicht nötig ist, alle Missetat und Sünden zu erzählen, weil doch solches nicht möglich ist. Psalm 19,13: Wer kennt die Missetat?

Der 12. Artikel: Von der Buße

Von der Buße wird gelehrt, daß diejenigen, die nach der Taufe gesündigt haben, zu aller Zeit, so sie zur Buße kommen, Vergebung der Sünden erlangen mögen, und ihnen die Absolution von der Kirche nicht geweigert werden soll. Und wahre rechte Buße ist eigentlich Reue und Leid oder Schrecken haben über die Sünde, und doch daneben glauben an das Evangelium und die Absolution, daß die Sünde vergeben und durch Christum Gnade erworben sei, welcher Glaube wiederum das Herz tröstet und zufrieden macht.

Danach soll auch Besserung folgen, und daß man von Sünden lasse; denn dies sollen die Früchte der Buße sein wie Johannes spricht Matth. 3: "Wirket rechtschaffene Frucht der Buße."

Hier werden verworfen die, die lehren, daß diejenigen, die einst fromm geworden sind, nicht wieder fallen mögen.

Auch werden die Novatianer verdammt, welche die Absolution denen, die nach der Taufe gesündigt hatten, verweigerten.

Auch werden die verworfen, die nicht lehren, daß man durch Glauben Vergebung der Sünde erlange, sondern durch unser Genugtun.

Der 13. Artikel: Vom Gebrauch der Sakramente

Vom Gebrauch der Sakramente wird gelehrt, daß die Sakramente eingesetzt sind nicht allein darum, daß sie Zeichen seien, dabei man äußerlich die Christen kennen möge, sondern daß es Zeichen und Zeugnis sind göttlichen Willens gegen uns, unsern Glauben dadurch zu erwecken und zu stärken, derhalben sie auch Glauben fordern und dann recht gebraucht werden, so man sie im Glauben empfängt und den Glauben dadurch stärkt.

Der 14. Artikel: Vom Kirchenregiment

Vom Kirchenregiment wird gelehrt, daß niemand in der Kirche öffentlich lehren, predigen oder die Sakramente reichen soll ohne ordentliche Berufung.

Der 15. Artikel: Von Kirchenordnungen

Von Kirchenordnungen, von Menschen gemacht, lehrt man diejenigen zu halten, die ohne Sünde gehalten werden mögen und dem Frieden und guter Ordnung in der Kirche dienen, als gewisse Feiern, Feste und dergleichen.

Doch geschieht Unterricht dabei, daß man die Gewissen nicht damit beschweren soll, so als seien solche Dinge nötig zur Seligkeit.

Darüber wird gelehrt, daß alle Satzungen und Traditionen, die von Menschen dazu gemacht sind, daß man dadurch Gott versöhne und Gnade verdiene, dem Evangelium und der Lehre vom Glauben an Christum entgegen sind; deshalb sind Klostergelübde und andere Traditionen von Unterscheidung der Speise, Tage usw., dadurch man meint, Gnade zu verdienen und für Sünde genug zu tun, untüchtig und gegen das Evangelium.

Der 16. Artikel: Von der Polizei und weltlichem Regiment

Von Polizei und weltlichem Regiment wird gelehrt, daß alle Obrigkeit in der Welt und geordnetes Regiment und Gesetze gute Ordnung, von Gott geschaffen und eingesetzt sind, und daß Christen ohne Sünde im Obrigkeits-, Fürsten- und Richteramt sein mögen, nach kaiserlichen und anderen üblichen Rechten Urteil und Recht zu sprechen, Übeltäter mit dem Schwert zu bestrafen, rechtmäßige Kriege zu führen, zu streiten, zu kaufen und zu verkaufen, aufgelegte Eide zu tun, Eigentum zu haben, ehelich zu sein etc. Hier werden diejenigen verdammt, die lehren, daß es christliche Vollkommenheit sei, Haus und Hof, Weib und Kind leiblich verlassen und sich der vorgenannten Stücke zu äußern; so doch dies allein rechte Vollkommenheit ist: rechte Furcht Gottes und rechter Glaube an Gott. Denn das Evangelium lehrt nicht ein äußerliches, zeitliches, sondern innerliches, ewiges Wesen und Gerechtigkeit des Herzens und stößt weltliches Regiment, Polizei und Ehestand nicht um, sondern will, daß man solches alles halte als wahrhaftige Ordnung, und in solchen Ständen christliche Liebe und rechte gute Werke beweise, ein jeder nach seinem Beruf.

Deshalb sind die Christen schuldig, der Obrigkeit untertan und ihren Geboten gehorsam zu sein in allem, was ohne Sünde geschehen mag. Denn wenn der Obrigkeit Gebot nicht ohne Sünde geschehen mag, soll man Gott mehr gehorsam sein, als den Menschen. Apg. 5.

Der 17. Artikel: Von der Wiederkunft Christi zum Gericht

Auch wird gelehrt, daß unser Herr Jesus Christus am jüngsten Tage kommen wird, um zu richten und alle Toten aufzuerwecken, den Gläubigen und Auserwählten ewiges Leben und ewige Freude zu geben, die gottlosen Menschen aber und die Teufel in die Hölle und ewige Strafe zu verdammen.

Deshalb werden die Wiedertäufer verworfen, die lehren, daß die Teufel und verdammte Menschen nicht ewige Pein noch Qual haben werden.

Ebenso werden hier auch etliche jüdische Lehren verworfen, die sich jetzt verbreiten, daß vor der Auferstehung der Toten eitel Heilige, Fromme ein weltlich Reich haben und alle Gottlosen vertilgen werden.

Der 18. Artikel: Vom freien Willen

Vom freien Willen wird so gelehrt, daß der Mensch in gewissem Maße einen freien Willen habe, äußerlich ehrbar zu leben und zu wählen unter den Dingen, die die Vernunft begreift. Aber ohne Gnade, Hilfe und Wirkung des Heiligen Geistes kann der Mensch Gott nicht gefallen, Gott nicht von Herzen fürchten oder an ihn glauben oder nicht die angeborenen, bösen Lüste aus dem Herzen werfen, sondern dies geschieht durch den Heiligen Geist, der durch Gottes Wort gegeben wird. Denn Paulus spricht in 1. Kor. 2: "Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes." Und damit man erkennen möge, daß hierin keine Neuigkeit gelehrt wird, so sind das die klaren Worte Augustins vom freien Willen, hier beigefügt aus dem dritten Buch Hypognosticon: "Wir bekennen, daß in allen Menschen ein freier Wille ist, denn sie haben alle natürlich angeborene Vernunft, nicht daß sie etwas vermögen mit Gott zu handeln, wie Gott von Herzen zu lieben, zu fürchten, sondern allein in äußerlichen Werken dieses Lebens haben sie Freiheit, Gutes oder Böses zu wählen.

Gut meine ich, was die Natur vermag, wie auf dem Acker zu arbeiten oder nicht, zu essen, zu trinken, zu einem Freund zu gehen oder nicht, ein Kleid an- oder auszuziehen, zu bauen, ein Weib zu nehmen, ein Handwerk zu treiben und dergleichen etwas Nützliches und Gutes zu tun. Welches alles doch ohne Gott nicht ist, noch besteht, sondern alles aus ihm und durch ihn ist. Dagegen kann der Mensch auch Böses nach eigener Wahl vornehmen, wie vor einem Abgott niederzuknieen, einen Totschlag zu tun etc."

Der 19. Artikel: Über die Ursache der Sünde

Von der Ursache der Sünde wird bei uns gelehrt: Wiewohl Gott, der Allmächtige, die ganze Natur geschaffen hat und erhält, so bewirkt doch der verkehrte Wille in allen Bösen und Verächtern Gottes die Sünde, wie es denn der Wille des Teufels und aller Gottlosen ist, der sich, sobald Gott seine Hand abzog, von Gott weg dem Argen zugewandt hat, wie Christus sagt Joh. 8: "Der Teufel redet Lügen aus seinem Eigenen."

Der 20. Artikel: Vom Glauben und guten Werken

Den Unseren wird mit Unwahrheit aufgelegt, daß sie gute Werke verbieten. Denn ihre Schriften über die Zehn Gebote und andere beweisen, daß sie von rechten christlichen Ständen und Werken einen guten nützlichen Bericht und Ermahnung hinterlassen haben, davon man vor dieser Zeit wenig gelehrt hat, sondern allermeist in allen Predigten zu kindischen, unnötigen Werken, wie Rosenkränze, Heiligendienst, Mönchwerden, Wallfahrten, Fasten, Feiertage, Bruderschaften etc. angetrieben hat. Solche unnötigen Werke rühmen auch unsere Gegner jetzt nicht mehr so sehr wie vorzeiten. Dazu haben sie auch gelernt, nun vom Glauben zu reden, von dem sie doch vorzeiten gar nichts gepredigt haben. Sie lehren denn nun, daß wir nicht allein aus Werken gerecht werden vor Gott, sondern setzen den Glauben an Christum hinzu und sprechen, daß Glaube und Werke uns vor Gott gerecht machen, welche Lehre etwas mehr Trost bringen mag, als wenn man allein lehrt, auf Werke zu vertrauen.

Weil nun die Lehre vom Glauben, die das Hauptstück im christlichen Wesen ist, lange Zeit - wie man bekennen muß - nicht betrieben worden ist, sondern überall allein die Lehre von den Werken gepredigt wurde, ist von den Unseren folgende Unterrichtung gegeben worden:

Erstlich, daß unsere Werke uns nicht mit Gott versöhnen und uns nicht Gnade erwerben können, sondern das geschieht allein durch den Glauben - wenn man nämlich glaubt, daß uns um Christi willen die Sünden vergeben werden, der allein der Mittler ist, um den Vater zu versöhnen. Wer nun meint, das durch Werke zu erreichen und dadurch Gnade zu verdienen, der verachtet Christus und sucht einen eigenen Weg zu Gott gegen das Evangelium.

Diese Lehre vom Glauben wird deutlich und klar bei Paulus vielerorts vertreten, besonders hier: "Aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch, sondern Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich niemand rühme" (Eph. 2,8) usw. Daß hierdurch von uns kein neues Verständnis des Glaubens eingeführt worden ist, kann man aus Augustinus beweisen, der diese Sache ausführlich behandelt und ebenfalls lehrt, daß wir durch den Glauben an Christus Gnade erlangen und vor Gott gerecht werden und nicht durch Werke, wie sein ganzes Buch "Über den Geist und den Buchstaben" beweist.

Obwohl nun diese Lehre von unkundigen Leuten sehr verachtet wird, so zeigt sich doch, daß sie für schwache und erschrockene Gewissen sehr tröstlich und heilsam ist. Denn das Gewissen kann nicht zu Ruhe und Frieden kommen durch Werke, sondern allein durch Glauben, wenn es bei sich mit Gewißheit schließt, daß es um Christi willen einen gnädigen Gott hat, wie auch Paulus spricht Röm. 5: "So wir durch den Glauben gerecht geworden sind, haben wir Ruhe und Frieden vor Gott." Diesen Trost hat man vorzeiten nicht getrieben in Predigten, sondern die armen Gewissen auf eigene Werke getrieben, und es sind mancherlei Werke hervorgekommen. Denn etliche hat das Gewissen in die Klöster getrieben in der Hoffnung, daselbst Gnade zu erwerben durch Klosterleben. Etliche haben andere Werke erdacht, um damit Gnade zu verdienen und für Sünde genugzutun. Von diesen haben viele erfahren, daß man dadurch nicht zum Frieden gekommen ist. Darum war es notwendig, diese Lehre vom Glauben an Christum zu predigen und fleißig zu treiben, daß man wisse, daß man allein durch Glauben, ohne Verdienst, Gottes Gnade ergreift.

Es geschieht auch Unterricht, daß man hier nicht von solchem Glauben rede, den auch die Teufel und Gottlosen haben, die auch die Historien glauben, daß Christus gelitten habe und auferstanden sei von den Toten, sondern man redet von wahrem Glauben, der da glaubt, daß wir durch Christum Gnade und Vergebung der Sünde erlangen.

Wer nun weiß, daß er einen gnädigen Gott durch Christum hat, kennt also Gott, ruft ihn an und ist nicht ohne Gott wie die Heiden. Denn Teufel und Gottlose glauben diesen Artikel, Vergebung der Sünde, nicht; darum sind sie Gott feind, können ihn nicht anrufen und nichts Gutes von ihm hoffen. Und also, wie jetzt angezeigt ist, redet die Schrift vom Glauben, und Glauben heißt nicht ein solches Wissen, das Teufel und gottlose Menschen haben. Denn also wird vom Glauben gelehrt in Hebr. 11, daß Glauben sei nicht allein die Historien zu wissen, sondern Zuversicht zu haben zu Gott, daß er uns gnädig sei, und heiße nicht allein solche Historien wissen, wie auch die Teufel wissen.

Ferner wird gelehrt, daß gute Werke geschehen sollen und müssen, aber nicht, daß man darauf vertraue, durch sie Gnade zu verdienen, sondern um Gottes willen und zu Gottes Lob. Der Glaube ergreift immer nur die Gnade und die Vergebung der Sünden; und weil durch den Glauben der Heilige Geist gegeben wird, darum wird auch das Herz erneuert, gute Werke zu tun. Denn zuvor ist es zu schwach, weil es ohne den Heiligen Geist ist; dazu befindet es sich in der Gewalt des Teufels, der die arme menschliche Natur zu vielen Sünden antreibt, wie wir es an den Philosophen sehen, die versucht haben, ehrlich und unsträflich zu leben; sie haben es aber dennoch nicht erreicht, sondern sind in viele große, offenkundige Sünden gefallen. So geht es mit dem Menschen, der ohne den rechten Glauben und ohne den Heiligen Geist lebt und sich allein aus eigener menschlicher Kraft regiert.

Deshalb ist diese Lehre vom Glauben nicht zu schelten, daß sie gute Werke verbiete, sondern vielmehr zu rühmen, daß sie lehre, gute Werke zu tun, und Hilfe anbiete, wie man zu guten Werken kommen möge. Denn außer dem Glauben und außerhalb von Christus sind menschliche Natur und Vermögen viel zu schwach, gute Werke zu tun, Gott anzurufen, Geduld zu haben im Leiden, den Nächsten zu lieben, befohlene Ämter fleißig auszurichten, gehorsam zu sein, böse Lust zu meiden usw. Solche hohen und rechten Werke können nicht geschehen ohne die Hilfe Christi, wie er selbst sagt Joh. 15: "Ohne mich könnt ihr nichts tun."

Der 21. Artikel: Vom Dienst der Heiligen

Vom Heiligendienst wird von den Unseren also gelehrt, daß man der Heiligen gedenken soll, damit wir unsern Glauben stärken, so wir sehen, wie ihnen Gnade widerfahren und wie ihnen durch Glauben geholfen ist; dazu daß man ein Beispiel nehme von ihren guten Werken, ein jeder nach seinem Beruf, gleichwie Kaiserliche Majestät seliglich und göttlich dem Exempel Davids folgen mag, Krieg wider den Türken zu führen; denn beide sind sie in königlichem Amt, welches Schutz und Schirm ihrer Untertanen fordert.

Durch die Schrift aber mag man nicht beweisen, daß man die Heiligen anrufen oder Hilfe bei ihnen suchen soll. "Denn es ist allein ein einiger Versöhner und Mittler gesetzt zwischen Gott und den Menschen, Jesus Christus", 1.Timoth. 2, welcher ist der einzige Heiland, der einzige Hohepriester, Gnadenstuhl und Fürsprecher vor Gott, Röm. 8. Und der hat allein zugesagt, daß er unser Gebet erhören wolle. Das ist auch der höchste Gottesdienst nach der Schrift, daß man denselben Jesus Christus in allen Nöten und Anliegen von Herzen suche und anrufe: "So jemand sündigt, haben wir einen Fürsprecher bei Gott, der gerecht ist, Jesum etc."

Schluß des 1. Teils

Dies ist fast die Summe der Lehre, welche in unseren Kirchen zu rechtem christlichen Unterricht und Trost der Gewissen, auch zur Besserung der Gläubigen gepredigt und gelehrt ist; wie wir denn unsere eigene Seele und Gewissen je nicht gern vor Gott mit Mißbrauch des göttlichen Namens oder Wortes in die höchste größte Gefahr bringen oder auf unsere Kinder und Nachkommen eine andere Lehre, als die dem reinen göttlichen Wort und christlicher Wahrheit gemäß ist, fallen lassen oder vererben wollten. So denn dieselbe in heiliger Schrift klar gegründet und dazu der allgemeinen christlichen, ja auch der römischen Kirche, so viel aus der Väter Schriften zu vermerken ist, nicht zuwider noch entgegen ist, so achten wir auch, unsere Widersacher können in den oben angezeigten Artikeln nicht uneinig mit uns sein. Deshalb handeln diejenigen ganz unfreundlich, vorschnell und gegen alle christliche Einigkeit und Liebe, die vornehmen, die Unseren deshalb als Ketzer abzusondern, zu verwerfen und zu meiden, selbst ohne beständigen Grund göttlicher Gebote oder Schrift.

Denn Irrung und Zank sind vornehmlich über etlichen Traditionen und Mißbräuchen. So denn nun an den Hauptartikeln kein befindlicher Ungrund oder Mangel, und dies unser Bekenntnis göttlich und christlich ist, sollten sich billig die Bischöfe, wenn schon bei uns der Tradition halben ein Mangel wäre, gelinder erzeigen, wiewohl wir hoffen, beständigen Grund und Ursache darzutun, warum bei uns etliche Traditionen und Mißbräuche geändert sind.

2. Teil

Artikel, bei denen Uneinigkeit ist, in denen die Mißbräuche, die geändert worden sind, beschrieben werden.

So nun von den Artikeln des Glaubens in unseren Kirchen nicht gelehrt wird gegen die heilige Schrift oder allgemeine christliche Kirchen, sondern allein etliche Mißbräuche geändert sind, welche zum Teil mit der Zeit selbst eingerissen, zum Teil mit Gewalt aufgerichtet sind, erfordert es unsere Not, diese zu benennen und die Ursache anzuzeigen, warum hierin Änderungen geduldet sind, damit Kaiserliche Majestät erkennen mögen, daß wir hierin nicht unchristlich oder freventlich gehandelt haben, sondern daß wir durch Gottes Gebot, welches billig höher zu achten als alle Gewohnheit, gedrungen sind, um solche Änderung zu gestatten.

Der 22. Artikel: Von beider Gestalt des Sakraments

Den Laien wird bei uns beide Gestalt des Sakraments gereicht aus dieser Ursache. Denn dies ist ein klarer Befehl und Gebot Christi, Matth. 26: "Trinket alle daraus." Da gebietet Christus mit klaren Worten von dem Kelch, daß sie alle daraus trinken sollen.

Und damit niemand diese Worte anfechten und glossieren kann, als gehöre es den Priestern allein zu, so zeigt Paulus 1. Kor. 11 an, daß die ganze Versammlung der Korintherkirche beide Gestalten gebraucht hat. Und dieser Brauch ist lange Zeit in der Kirche geblieben, wie man durch die Historien und der Väter Schriften beweisen kann. Cyprianus gedenket an vielen Orten, daß den Laien der Kelch die Zeit gereicht sei.

So spricht Sankt Hieronymus, daß die Priester, die das Sakrament reichen, dem Volk das Blut Christi austeilen. So gebietet Gelasius, der Papst selbst, daß man das Sakrament nicht teilen solle. Distinct. 2. De consecratione cap. Comperimus. Man findet auch nirgends einen Canon, der da gebiete, eine Gestalt allein zu nehmen. Es kann auch niemand wissen, wann oder durch welche diese Gewohnheit, nur eine Gestalt zu nehmen, eingeführt sei, wiewohl der Kardinal Cusanus gedenkt, wann diese Weise approbiert sei. Nun ist offenbar, daß solche Gewohnheit, gegen Gottes Gebot, auch gegen die alten Canones eingeführt, unrecht ist. Deshalb hat sich nicht gebührt, die Gewissen derjenigen, die das heilige Sakrament nach Christi Einsetzung zu gebrauchen begehrt haben, zu beschweren, und zu zwingen, gegen unseres Herrn Christi Ordnung zu handeln. Und weil die Teilung des Sakraments der Einsetzung Christi entgegen ist, wird auch bei uns die gewöhnliche Prozession mit dem Sakrament unterlassen.

Der 23. Artikel: Vom Ehestand der Priester

Es ist bei jedermann, hohen und niederen Standes, eine große mächtige Klage in der Welt gewesen von großer Unzucht und wildem Wesen und Leben der Priester, die nicht vermochten, Keuschheit zu halten, und es war auch je mit solchen greulichen Lastern aufs Höchste gekommen. So viel häßliches großes Ärgernis, Ehebruch und andere Unzucht zu vermeiden, haben sich etliche Priester bei uns in den ehelichen Stand begeben. Dieselben zeigen diese Ursache an, daß sie dahin gedrungen und bewegt seien aus hoher Not ihrer Gewissen, nachdem die Schrift klar meldet, der eheliche Stand sei von Gott dem Herrn eingesetzt, Unzucht zu vermeiden, wie Paulus sagt: "Die Unzucht zu vermeiden habe ein jeglicher sein eigenes Eheweib"; ebenso: "Es ist besser, ehelich werden denn brennen." Und nachdem Christus sagt Matth. 19: "Sie fassen nicht alle das Wort", da zeigt Christus an, welcher wohl gewußt, was am Menschen sei, daß wenige Leute die Gabe haben, keusch zu leben. "Denn Gott hat den Menschen als Mann und als Frau geschaffen", Genesis 1.

Ob es nun in menschlicher Macht oder Vermögen sei, ohne besondere Gabe und Gnade Gottes, durch eigenes Vornehmen oder Gelübde, Gottes, der hohen Majestät, Geschöpf besser zu machen oder zu ändern, hat die Erfahrung allzu klar ergeben. Denn was an gutem, ehrbarem, züchtigem Leben, was an christlichem, ehrlichem oder redlichem Wandel bei vielen daraus erfolgt ist, wie greuliche, schreckliche Unruhe und Qual ihrer Gewissen deshalb viele an ihrem letzten Ende hatten, ist am Tag, und ihrer viele haben es selbst bekannt. So denn Gottes Wort und Gebot durch kein menschliches Gelübde oder Gesetz geändert werden mag, haben aus diesen und anderen Ursachen und Gründen die Priester und andere Geistliche Eheweiber genommen.

So ist es auch aus den Historien und der Väter Schriften zu beweisen, daß in der christlichen Kirche vor alters her der Gebrauch gewesen, daß die Priester und Diakone Eheweiber hatten. Darum sagt Paulus 1. Tim. 3: "Es soll ein Bischof unsträflich sein, eines Weibes Mann." Es sind auch in deutschen Landen erst vor vierhundert Jahren die Priester zum Gelübde der Keuschheit vom Ehestand mit Gewalt abgehalten worden, welche sich dagegen sämtlich, auch so ganz ernstlich und hart gesetzt haben, daß ein Erzbischof zu Mainz, welcher das päpstliche neue Edikt deshalb verkündigt, gar nahe in einer Empörung der ganzen Priesterschaft in einem Gedränge umgebracht worden wäre.

Und dasselbe Verbot ist bald im Anfange so geschwind und unschicklich vorgenommen, daß der Papst die Zeit nicht allein die künftige Ehe den Priestern verboten, sondern auch derjenigen Ehe zerrissen, die schon in dem Stand lang gewesen, was doch nicht allein gegen alle göttlichen, natürlichen und weltlichen Rechte ist, sondern auch gegen die kanonischen Rechte, die die Päpste selbst gemacht haben, und den berühmtesten Konzilien ganz entgegen und zuwider ist.

Auch ist bei vielen hohen, gottesfürchtigen, verständigen Leuten dergleichen Rede und Bedenken oft gehört worden, daß solcher erzwungener Zölibat und Beraubung des Ehestandes, welchen Gott selbst eingesetzt und frei gelassen, nie etwas Gutes, sondern viele große böse Laster und viel Arges eingeführt habe. Es hat auch einer von den Päpsten, Pius II., wie seine Historie anzeigt, diese Worte oft geredet und von sich schreiben lassen: Es möge wohl etliche Ursachen haben, warum den Geistlichen die Ehe verboten sei; es habe aber viele hohe, große und wichtige Ursachen, warum man ihnen die Ehe wieder frei lassen solle. Ohne Zweifel, es hat Papst Pius als ein verständiger, weiser Mann dies Wort aus großem Bedenken geredet.

Deshalb wollen wir uns in Untertänigkeit zu Kaiserlicher Majestät vertrösten, daß ihre Majestät als ein christlicher hochlöblicher Kaiser gnädig beherzigen werden, daß jetzt in letzten Zeiten und Tagen, von welchen die Schrift meldet, die Welt immer ärger und die Menschen gebrechlicher und schwächer werden.

Deshalb ist es wohl hochnötig, nützlich und christlich, diese fleißige Einsehung zu tun, damit, wo der Ehestand verboten, nicht ärger und schändlicher Unzucht und Laster in deutschen Landen möchten einreißen. Dann es wird je diese Sachen niemand weiser oder besser ändern oder machen können als Gott selbst, welcher den Ehestand eingesetzt hat, um menschlicher Gebrechlichkeit zu helfen und Unzucht zu wehren.

So sagen die alten Canones auch, man müsse zu Zeiten die Schärfe und Strenge lindern und nachlassen, um menschlicher Schwachheit willen und um Ärgeres zu verhüten und zu meiden. Nun wäre das in diesem Falle auch wohl christlich und ganz hoch vonnöten. Was kann auch der Ehestand der Priester und Geistlichen der allgemeinen christlichen Kirche nachteilig sein, besonders der Pfarrer und anderer, die der Kirche dienen sollen? Es wird wohl künftig an Priestern und Pfarrern mangeln, wenn dieses harte Verbot des Ehestands länger währen sollte.

So nun dieses, nämlich daß die Priester und Geistlichen mögen ehelich werden, gegründet ist auf das göttliche Wort und Gebot, dazu die Historien beweisen, daß die Priester ehelich gewesen sind, so auch das Gelübde der Keuschheit so viele häßliche, unchristliche Ärgernisse, so viel Ehebruch, schreckliche, unerhörte Unzucht und greuliche Laster angerichtet hat, daß auch etliche redliche unter den Tumbherren und auch etliche Kurtisanen zu Rom solches oft selbst bekannt und kläglich angeführt haben, wie solche Laster im Klerus zu greulich und übermächtig geworden sind, Gottes Zorn würde erregt werden, so ist es je erbärmlich, daß man den christlichen Ehestand nicht allein verboten, sondern an etlichen Orten aufs schnellste wie eine große Übeltat zu strafen unterstanden hat. Gott hat in der heiligen Schrift geboten, den Ehestand in allen Ehren zu halten.

So ist auch der Ehestand in kaiserlichen Rechten und in allen Monarchien, wo je Gesetze und Rechte gewesen, hoch gelobt. Allein zu dieser Zeit beginnt man die Leute unschuldig, allein um der Ehe willen, zu martern, und dazu Priester, die man vor anderen schonen sollte, und es geschieht nicht allein wider göttliches Recht, sondern auch wider die Canones. Paulus, der Apostel, 1. Tim. 4 nennt die Lehre, die die Ehe verbietet, Teufelslehre. So sagt Christus selbst Joh. 8, der Teufel sei ein Mörder von Anbeginn, welches dann wohl zusammenstimmt, daß es freilich Teufelslehre sein muß, die Ehe zu verbieten und sich zu unterstehen, solche Lehre mit Blutvergießen zu erhalten.

Wie aber kein menschliches Gesetz Gottes Gebot wegtun oder ändern kann, also kann auch kein Gelübde Gottes Gebot ändern. Darum gibt auch Sankt Cyprianus den Rat, daß die Weiber, die die gelobte Keuschheit nicht halten, ehelich werden sollen, und sagt Epist. 11 also: "Wenn sie aber Keuschheit nicht halten wollen oder nicht vermögen, dann ist es besser, daß sie ehelich werden, als daß sie durch ihre Lust ins Feuer fallen, und sollen sich wohl vorsehen, daß sie den Brüdern und Schwestern kein Ärgernis anrichten."

Zudem, so gebrauchen auch alle Canones große Gelindigkeit und Billigkeit gegenüber denjenigen, die in der Jugend Gelübde getan haben, wie denn Priester und Mönche größtenteils in der Jugend aus Unwissenheit in solchen Stand gekommen sind.

Der 24. Artikel: Von der Messe

Man legt den Unsern mit Unrecht auf, daß sie die Messe abgetan haben sollen. Denn das ist offenbar, daß die Messe, ohne Ruhm zu reden, bei uns mit größerer Andacht und Ernst gehalten wird, als bei den Widersachern. So werden auch die Leute mit höchstem Fleiß des öfteren unterrichtet vom heiligen Sakrament, wozu es eingesetzt und wie es zu gebrauchen sei, als nämlich die erschrockenen Gewissen damit zu trösten; dadurch wird das Volk zur Kommunion und Messe gezogen. Dabei geschieht auch Unterricht gegen andere unrechte Lehre vom Sakrament. So ist auch in den öffentlichen Zeremonien der Messe keine merkliche Änderung geschehen, als daß an etlichen Orten neben lateinischem Gesang deutsche Gesänge gesungen werden, um das Volk damit zu lehren und zu üben, zumal alle Zeremonien vornehmlich dazu dienen sollen, daß das Volk davon lerne, was ihm von Christus zu wissen not ist.

Nachdem aber die Messe auf mancherlei Weise vor dieser Zeit mißbraucht, wie am Tag ist, daß ein Jahrmarkt daraus gemacht worden ist, daß man sie gekauft und verkauft hat und daß sie zu größerem Teil in allen Kirchen um des Geldes willen gehalten worden ist, ist solcher Mißbrauch mehrmals, auch vor dieser Zeit, von gelehrten und frommen Leuten getadelt worden. Als nun die Prediger bei uns davon gepredigt haben und die Priester der schrecklichen Bedrohung erinnert worden sind, die dann billig einen jeden Christen bewegen soll, daß, wer das Sakrament unwürdig gebraucht, schuldig sei am Leib und Blut Christi: daraufhin sind solche Kauf- und Winkelmessen, welche bisher aus Zwang um Geldes und der Stifter willen gehalten wurden, in unseren Kirchen gefallen.

Dabei ist auch der greuliche Irrtum gestraft, daß man gelehrt hat, unser Herr Christus habe durch seinen Tod allein für die Erbsünde genuggetan und die Messe eingesetzt zu einem Opfer für die anderen Sünden, und also die Messe zu einem Opfer gemacht für die Lebendigen und Toten, um dadurch Sünde wegzunehmen und Gott zu versöhnen. Daraus ist weiter gefolgt, daß man disputiert hat, ob eine Messe, für viele gehalten, ebensoviel wert sei, wie wenn man für einen jeglichen eine besondere hielte. Daher ist die große unzählige Menge der Messen gekommen, daß man mit diesem Werk bei Gott alles hat erlangen wollen, dessen man bedurft hat, und daneben ist des Glaubens an Christum und rechten Gottesdienstes vergessen worden. Darum ist davon Unterricht geschehen, wie ohne Zweifel die Not gefordert hat, daß man wüßte, wie das Sakrament recht zu gebrauchen wäre. Und erstlich zeigt die Schrift an vielen Orten an, daß kein Opfer für Erbsünde und andere Sünden da sei als der einige Tod Christi. Denn so steht geschrieben in Hebr. 10,14, daß sich Christus einmal geopfert hat und dadurch für alle Sünden genug getan hat. Es ist eine gar unerhörte Neuerung in der Kirchenlehre, daß Christi Tod solle allein für die Erbsünde und sonst nicht auch für andere Sünden genuggetan haben; deshalb ist zu hoffen, daß jedermann verstehe, daß solcher Irrtum nicht unbillig gestraft sei.

Zum anderen, so lehrt Sankt Paulus, daß wir vor Gott Gnade erlangen durch Glauben und nicht durch Werke. Dagegen ist offensichtlich dieser Mißbrauch der Messe, wenn man meint, Gnade zu erlangen durch dieses Werk, wie man denn weiß, daß man die Messe dazu gebraucht, um dadurch Sünde abzulegen und Gnade und alle Güter bei Gott zu erlangen, nicht allein der Priester für sich, sondern auch für die ganze Welt und für andere, Lebendige und Tote.

Zum dritten, so ist das heilige Sakrament eingesetzt, nicht damit für die Sünde ein Opfer anzurichten, denn das Opfer ist zuvor geschehen, sondern daß unser Glaube dadurch erweckt und die Gewissen getröstet werden, welche durch das Sakrament vernehmen, daß ihnen Gnade und Vergebung der Sünde von Christus zugesagt ist. Deshalb fordert dies Sakrament Glauben und wird ohne Glauben vergeblich gebraucht.

Dieweil nun die Messe nicht ein Opfer ist für andere, Lebendige oder Tote, ihre Sünde wegzunehmen, sondern eine Kommunion sein soll, da der Priester und andere das Sakrament empfangen für sich, so wird diese Weise bei uns gehalten, daß man an Feiertagen und auch sonst, wenn Kommunikanten da sind, Messe hält und etliche, die es begehren, kommunizieren.

Also bleibt die Messe bei uns in ihrem rechten Brauch, wie sie vorzeiten in der Kirche gehalten wurde, wie man beweisen mag aus St. Paulus 1. Kor. 11, dazu auch aus vieler Väter Schriften. Denn Chrysostomus spricht, wie der Priester täglich stehe und fordere etliche zur Kommunion auf, etlichen verbiete er, hinzuzutreten. Auch zeigen die alten Canones an, daß einer das Amt gehalten hat und die anderen Priester und Diakone kommuniziert haben. Denn so lauten die Worte im canone Nicaeno: Die Diakone sollen nach den Priestern ordentlich das Sakrament empfangen vom Bischof oder Priester.

So man nun keine Neuigkeit hierin, die in der Kirche von alters her nicht gewesen ist, vernommen hat, auch in den öffentlichen Zeremonien der Messen keine merkliche Änderung geschehen ist, allein daß die anderen unnötigen Messen, die etwa durch einen Mißbrauch neben der Pfarrmesse gehalten wurden, gefallen sind, soll diese Weise, Messe zu halten, billig nicht als ketzerisch und unchristlich verdammt werden. Dann man hat vorzeiten auch in den großen Kirchen, da viel Volk gewesen, auch an den Tagen, an denen das Volk zusammen kam, nicht täglich Messe gehalten, wie die Tripartita Historia lib. 9 zeigt, daß man zu Alexandria am Mittwoch und Freitag die Schrift gelesen und ausgelegt habe, und sonst alle Gottesdienste gehalten habe ohne die Messe.

Der 25. Artikel: Von der Beichte

Die Beichte ist durch die Prediger dieses Teils nicht abgetan. Denn diese Gewohnheit wird bei uns gehalten, das Sakrament nicht zu reichen denen, die nicht zuvor verhört und absolviert sind. Dabei wird das Volk fleißig unterrichtet, wie tröstlich das Wort der Absolution und wie hoch und teuer die Absolution zu achten sei. Dann es sei nicht des gegenwärtigen Menschen Stimme oder Wort, sondern Gottes Wort, der die Sünde vergibt. Denn sie wird an Gottes Statt und aus Gottes Befehl gesprochen. Von diesem Befehl und Gewalt der Schlüssel, wie tröstlich, wie nötig sie sei dem erschrockenen Gewissen, wird mit großem Fleiß gelehrt; dazu, wie Gott fordert, dieser Absolution zu glauben, nicht weniger, denn so Gottes Stimme vom Himmel erschallte, und uns der Absolution fröhlich trösten und wissen, daß wir durch solchen Glauben Vergebung der Sünde erlangen.

Von diesen nötigen Stücken haben vorzeiten die Prediger, die von der Beichte viel lehrten, nicht ein Wortlein gerührt, sondern allein die Gewissen mit langer Erzählung der Sünden, mit Genugtun, mit Ablaß, mit Wallfahrten und dergleichen gemartert. Und viele unserer Widersacher selbst bekennen, daß dieses Teils von uns von rechter christlicher Buße schicklicher als lange Zeit zuvor geschrieben und gehandelt sei.

Und von der Beichte wird so gelehrt, daß man niemand drängen soll, die Sünde namhaftig zu erzählen. Denn solches ist unmöglich, wie der Psalm spricht: "Wer kennt die Missetat?" Und Jeremia sagt: "Des Menschen Herz ist so arg, daß man's nicht auslernen kann." Die elende menschliche Kreatur steckt also tief in Sünden, daß sie dieselben nicht alle sehen oder kennen kann, und sollten wir allein von denen absolviert werden, die wir zählen können, wäre uns wenig geholfen. Deshalb ist nicht not, die Leute zu drängen, die Sünde namhaftig zu erzählen. So haben es auch die Väter gehalten, wie man findet in Dist. I. de poenitentia, da die Worte des Chrysostomus angeführt werden:

"Ich sage nicht, daß du dich selbst sollst öffentlich dargeben noch bei einem anderen dich selbst verklagen oder schuldig geben, sondern gehorche dem Propheten, welcher spricht: Offenbare dem Herrn deine Wege. Deshalb beichte Gott dem Herrn, dem wahrhaftigen Richter, neben deinem Gebet; sage deine Sünde nicht mit der Zunge, sondern in deinem Gewissen". Hier sieht man klar, daß Chrysostomus nicht zwingt, die Sünde namhaftig zu erzählen. So lehrt auch die Glossa in Decretis, de poenitentia, Dist. 5., daß die Beichte von wegen der Absolution, welche das Hauptstück und das Vornehmste darin ist, zu Trost der erschrockenen Gewissen, dazu um etlicher anderer Ursachen willen, zu erhalten sei.

Der 26. Artikel: Vom Unterschied der Speise

Vor Zeiten hat man so gelehrt, gepredigt und geschrieben, daß der Unterschied der Speisen und dergleichen Tradition, von Menschen eingesetzt, dazu diene, daß man dadurch Gnade verdiene und für die Sünde genugtue. Aus diesem Grund hat man täglich neue Fasten, neue Zeremonien, neue Orden und dergleichen erdacht und auf solches heftig und hart getrieben, als seien solche Dinge nötige Gottesdienste, dadurch man Gnade verdiene, so man es halte, und große Sünde geschehe, so man es nicht halte. Daraus sind viele schädliche Irrtümer in der Kirche gefolgt.

Erstlich ist dadurch die Gnade Christi und die Lehre vom Glauben verdunkelt, welche uns das Evangelium mit großem Ernst vorhält, und treibt hart dahin, daß man das Verdienst Christi hoch und teuer achte und wisse, daß Glauben an Christus hoch und weit über alle Werke zu setzen sei. Deshalb hat Sankt Paulus heftig gegen das Gesetz des Mose und menschliche Traditionen gefochten, daß wir lernen sollen, daß wir vor Gott nicht fromm werden aus unseren Werken, sondern allein durch den Glauben an Christus, daß wir um Christi willen Gnade erlangen. Solche Lehre ist schier ganz verloschen, dadurch, daß man gelehrt hat, Gnade zu verdienen mit gesetzten Fasten, Unterschied der Speise, Kleidern etc.

Zum anderen haben auch solche Traditionen Gottes Gebot verdunkelt, denn man setzt diese Traditionen weit über Gottes Gebot. Dies hielt man allein für christliches Leben: Wer die Feier so hielte, so betete, so fastete, so gekleidet wäre, das nannte man geistliches, christliches Leben. Daneben hielt man andere nötige gute Werke für ein weltliches, ungeistliches Wesen, nämlich diese, die jeder nach seinem Beruf zu tun schuldig ist, nämlich daß der Hausvater arbeite, um Weib und Kind zu ernähren und zu Gottesfurcht aufzuziehen, die Hausmutter Kinder gebäre und sie pflege, ein Fürst und Obrigkeit Land und Leute regiere etc. Solche Werke, von Gott geboten, mußten ein weltliches und unvollkommenes Wesen sein; aber die Traditionen mußten den prächtigen Namen haben, daß sie allein heilige, vollkommene Werke hießen. Deshalb war kein Maß noch Ziel, solche Traditionen zu machen.

Zum dritten, solche Traditionen sind zu großer Beschwerung der Gewissen geraten. Denn es war nicht möglich, alle Traditionen zu halten; und doch waren die Leute der Meinung, als wäre solches ein nötiger Gottesdienst. Gerson schreibt, daß viele hiermit in Verzweiflung gefallen seien, etliche haben sich auch selbst umgebracht, weil sie keinen Trost von der Gnade Christi gehört haben. Dann sieht man bei den Summisten und Theologen, welche sich unterstanden haben, die Traditionen zusammenzuziehen und die freie Erfüllung zu suchen, daß sie den Gewissen hülfen, wie sie den Gewissen Fallstricke hingeworfen haben. Sie haben so viel damit zu tun gehabt, daß alle heilsame christliche Lehre von nötigen Sachen, als vom Glauben, vom Trost in hohen Anfechtungen und dergleichen darnieder gelegen ist. Darüber haben auch viele fromme, gelehrte Leute vor dieser Zeit sehr geklagt, daß solche Traditionen viel Zank in der Kirche anrichten, und daß fromme Leute damit verhindert und zur rechten Erkenntnis Christi nicht kommen mochten. Gerson und etliche mehr haben heftig darüber geklagt. Ja, es hat auch Augustin mißfallen, daß man die Gewissen mit so vielen Traditionen beschwert. Deshalb gibt er dabei Unterricht, daß man es nicht für ein nötig Ding halten soll.

Darum haben die Unsern nicht aus Frevel oder Verachtung geistlicher Gewalt von diesen Sachen gelehrt, sondern es hat die hohe Not gefordert, von den obangezeigten Irrtümern zu unterrichten, welche aus dem Mißverstand der Tradition erwachsen sind. Denn das Evangelium erzwingt, daß man die Lehre vom Glauben in der Kirche treiben soll und muß, welche doch nicht verstanden werden mag, wenn man vermeint, durch eigene gewählte Werke Gnade zu verdienen.

Und davon ist also gelehret, daß man durch das Halten erdachter menschlicher Traditionen nicht Gnade verdienen oder Gott versöhnen oder für die Sünde genugtun kann. Deshalb soll kein notwendiger Gottesdienst daraus gemacht werden. Dazu werden Zeugnisse aus der Schrift angeführt. Christus entschuldigt in Matth. 15 die Apostel, da sie gewöhnliche Traditionen nicht gehalten haben, und spricht dabei: "Sie ehren mich vergeblich mit Menschengeboten." So er nun dies einen vergeblichen Dienst nennt, muß er nicht nötig sein. Und bald hernach: "Was zum Munde eingehet, verunreinigt den Menschen nicht." Ebenso spricht Paulus in Röm. 14: "Das Himmelreich steht nicht in Speise oder Trank." Kol. 2: "Niemand soll euch richten in Speise, Trank, Sabbat etc." Apg. 15 spricht Petrus: "Warum versucht ihr Gott mit Auflegung des Jochs auf der Jünger Hälse, welches weder unsere Väter noch wir haben tragen mögen? Sondern wir glauben durch die Gnade unsers Herrn Jesu Christi selig zu werden, gleicherweise wie auch sie." Da verbietet Petrus, daß man die Gewissen beschweren soll mit mehr äußerlichen Zeremonien, es sei von Moses oder anderen. Und 1. Timoth. 4 werden solche Verbote, wie Speise verbieten, Ehe verbieten etc. Teufelslehre genannt. Denn dies ist stracks dem Evangelium entgegen, solche Werke einzusetzen oder zu tun, daß man damit Vergebung der Sünde verdiene, oder als möge niemand Christ sein ohne solchen Dienst.

Daß man aber den Unsern die Schuld gibt, sie verböten Kasteiung und Zucht, wie Jovinianus, wird sich ganz anders aus deren Schriften entnehmen lassen.

Denn sie haben allzeit gelehret vom heiligen Kreuz, daß Christen zu leiden schuldig sind, und dieses ist rechte, ernstliche und nicht erdichtete Kasteiung.

Daneben wird auch gelehret, daß ein jeglicher schuldig ist, sich mit leiblicher Übung, wie Fasten und anderer Arbeit, so zu halten, daß er nicht Ursache zu sündigen gebe, nicht, daß er mit solchen Werken Gnade verdiene. Diese leibliche Übung soll nicht allein etliche bestimmte Tage, sondern stets getrieben werden. Davon redet Christus in Luk. 21: "Hütet euch, daß euer Herzen nicht beschwert werden mit Völlerei." Ebenso: "Die Teufel werden nicht ausgeworfen denn durch Fasten und Gebet." Und Paulus spricht, er kasteie seinen Leib und bringe ihn zu Gehorsam; damit zeigt er an, daß Kasteiung dienen soll, nicht damit Gnade zu verdienen, sonder den Leib geschickt zu halten, daß er nicht verhindere, was einem jeglichen nach seinem Beruf zu schaffen befohlen ist. Und wird also nicht das Fasten verworfen, sondern daß man einen nötigen Dienst daraus auf bestimmte Tage und Speisen, zu Verwirrung der Gewissen, gemacht hat. Auch werden dieses Teils viele Zeremonien und Traditionen gehalten, als Ordnung der Messe und andere Gesänge, Feste etc., welche dazu dienen, daß in der Kirche Ordnung gehalten werde. Daneben aber wird das Volk unterrichtet, daß solcher äußerlicher Gottesdienst nicht fromm mache vor Gott, und daß man ohne Beschwerung des Gewissens halten soll, so daß, wenn man es läßt ohne Ärgernis, nicht daran gesündigt wird. Diese Freiheit in äußerlichen Zeremonien haben auch die alten Väter gehalten. Denn im Orient hat man das Osterfest zu einer anderen Zeit als in Rom gehalten. Und da etliche diese Ungleichheit für eine Trennung in der Kirche halten wollten, sind sie von anderen vermahnt worden, daß es nicht not sei, in solchen Gewohnheiten Gleichheit zu halten. Und Irenaeus spricht: "Ungleichheit im Fasten trennet nicht die Einigkeit des Glaubens", wie auch Dist. 12. von solcher Ungleichheit in menschlichen Ordnungen geschrieben ist, daß sie der Einigkeit der Christenheit nicht zuwider sei. Und Tripartita Hist. lib. 9 zieht viele ungleiche Kirchengewohnheiten zusammen und setzt einen nützlichen christlichen Spruch: "Der Apostel Meinung ist nicht gewesen, Feiertage einzusetzen, sondern Glaube und Liebe zu lehren."

Der 27. Artikel: Von den Mönchsgelübden

Von Klostergelübden zu reden, ist notwendig, erstlich, um zu bedenken, wie es bisher damit gehalten wurde, welches Wesen in Klöstern gewesen ist und daß darin täglich sehr viel nicht allein gegen Gottes Wort, sondern auch päpstlichen Rechten entgegen gehandelt worden ist. Denn zu Sankt Augustins Zeiten sind die Klosterstände frei gewesen; danach, als die rechte Zucht und Lehre zerrüttet war, hat man Klostergelübde erdacht und damit eben als mit einem erdachten Gefängnis die Zucht wiederum aufrichten wollen. Dazu hat man neben den Klostergelübden viele andere Stücke hinzugefügt, und mit solchen Banden und Beschwernissen viele, auch bevor sie das nötige Alter erreicht hatten, beladen. So sind auch viele Personen aus Unwissenheit zu solchem Klosterleben gekommen, die, wiewohl sie sonst nicht zu jung gewesen sind, doch ihr Vermögen nicht genug ermessen noch verstanden haben. Dieselben alle, so verstrickt und verwickelt, sind gezwungen und gedrungen gewesen, in solchen Banden zu bleiben, ungeachtet dessen, daß auch das päpstliche Recht viele von ihnen freigibt. Das ist in Jungfrauenklöstern beschwerlicher gewesen als in Mönchsklostern, so es sich doch geziemt hätte, der Weibsbilder als der Schwachen zu verschonen. Dieselbe Strenge und Härte hat auch vielen frommen Leuten vorzeiten mißfallen, denn sie haben wohl gesehen, daß beide, Knaben und Mädchen, um des leiblichen Unterhalts willen in die Klöster gesteckt worden sind. Sie haben auch wohl gesehen, wie übel dasselbe Vornehmen geraten ist, welches Ärgernis und welche Beschwerung der Gewissen es gebracht hat, und viele Leute haben geklagt, daß man in solch gefährlicher Sache die Canones gar nicht geachtet hat. Zudem hat man eine solche Meinung von den Klostergelübden, die unverborgen auch vielen Mönchen mißfallen hat, die ein wenig Verstand hatten.

Dann sie gaben vor, daß Klostergelübde der Taufe gleich wären, und daß man mit dem Klosterleben Vergebung der Sünde und Rechtfertigung vor Gott verdiente.

Ja sie setzten noch mehr hinzu, daß man mit dem Klosterleben nicht allein Gerechtigkeit verdiente, sondern auch, daß man damit die Gebote und Räte hielte, die im Evangelium verfaßt sind. Also wurden die Klostergelübde höher gepriesen als die Taufe; ebenso daß man mehr verdiene mit dem Klosterleben als mit allen anderen Ständen, die von Gott geordnet sind, wie der Pfarrer- und Predigerstand, Obrigkeit-, Fürsten-, Herrenstand und dergleichen, die alle nach Gottes Gebot, Wort und Befehl ihrem Beruf ohne erdichtete Geistlichkeit dienen. Keines dieser Stücke kann geleugnet werden, denn man findet es in ihren eigenen Büchern.

Überdies, wer so gefangen und ins Kloster gekommen ist, lernt wenig von Christus. Früher hatte man in den Klöstern etwa Schulen der heiligen Schrift und anderer Künste, die der christlichen Kirche dienstlich sind, daß man aus den Klöstern Pfarrer und Bischöfe genommen hat. Jetzt aber hat es eine ganz andere Gestalt. Denn vorzeiten kamen sie im Klosterleben zusammen in der Meinung, daß man die Schrift lernt. Jetzt geben sie vor, das Klosterleben sei ein solches Wesen, daß man Gottes Gnade und Gerechtigkeit vor Gott damit verdiene, ja es sei ein Stand der Vollkommenheit; und ziehen es den anderen Ständen, die von Gott eingesetzt sind, weit vor. Das alles wird darum angeführt ohne alle Verunglimpfung, damit man besser vernehmen und verstehen möge, was und wie die Unseren lehren und predigen.

Erstlich lehren sie bei uns von denen, die zur Ehe greifen, so: daß alle die, so zum ledigen Stand nicht geschickt sind, Macht, Sieg und Recht haben, sich zu verehelichen. Denn die Gelübde vermögen nicht Gottes Ordnung und Gebot aufzuheben. Nun lautet Gottes Gebot also 1. Kor. 7: "Um der Hurerei willen habe ein jeglicher sein eigen Weib, und eine jegliche habe ihren eigenen Mann." Dazu dringt, zwingt und treibt nicht allein Gottes Gebot, sondern auch Gottes Schöpfung und Ordnung alle die zum Ehestand, die ohne besonderes Gotteswerk nicht mit der Gabe der Jungfrauschaft begnadet sind, laut dieses Spruches Gottes selbst, Gen. 2: "Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; wir wollen ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei."

Was mag man nun dagegen aufbringen? Man rühme das Gelübde und die Pflicht, wie hoch man wolle, man werte es so hoch auf, wie man kann, so mag man dennoch nicht erzwingen, daß Gottes Gebot dadurch aufgehoben werde. Die Doktoren sagen, daß die Gelübde gegen des Papstes Recht nicht bindend sind; wie viel weniger sollen sie dann binden, Statt und Kraft haben gegen Gottes Gebot!

Wo die Pflicht der Gelübde keine anderen Ursachen hätte, daß sie aufgehoben werden möchte, so hätten die Päpste auch nicht dagegen dispensiert und erlaubt. Denn es gebührt keinem Menschen, die Pflicht, die aus göttlichen Rechten erwächst, zu zerreißen. Darum haben die Päpste wohl bedacht, daß in dieser Pflicht Billigkeit gebraucht werden soll, und haben öfters dispensiert, etwa bei einem König von Aragon und vielen anderen. So man nun zur Erhaltung zeitlicher Dinge dispensiert hat, soll viel billiger dispensiert werden um der Not der Seelen willen.

Ferner, warum übertreiben die Gegner so hart, daß man die Gelübde halten muß, und sieht nicht zuvor an, ob das Gelübde seine Art habe? Denn das Gelübde soll in möglichen Sachen willig und ungezwungen sein. Wie aber die ewige Keuschheit in des Menschen Gewalt und Vermögen stehe, weiß man wohl; auch sind wenige, beide Mannes- und Weibespersonen, die von ihnen selbst, willig und wohlbedacht das Klostergelübde getan haben. Ehe sie zum rechten Verstand kommen, überredet man sie zum Klostergelübde; zuweilen werden sie auch dazu gezwungen und gedrängt. Darum ist es je nicht billig, daß man so schnell und hart von der Gelübde Pflicht disputiere, angesichts dessen, daß sie alle bekennen, daß solches gegen die Natur und die Art des Gelübdes ist, daß es nicht willig und mit gutem Rat und Bedacht gelobt wird.

Etliche Canones und päpstlichen Rechte zerreißen die Gelübde, die unter fünfzehn Jahren geschehen sind. Denn sie halten dafür, daß man vor derselben Zeit so viel Verstand nicht hat, daß man die Ordnung des ganzen Lebens, wie dasselbe anzustellen sei, beschließen könne.

Ein anderer Canon gibt der menschlichen Schwachheit noch mehr Jahre zu, denn er verbietet, das Klostergelübde unter achtzehn Jahren zu tun. Daraus hat der meiste Teil Entschuldigung und Grund, aus den Klöstern zu gehen, denn sie sind größtenteils in der Kindheit vor diesen Jahren ins Kloster gekommen. Endlich, wenngleich das Brechen des Klostergelübdes getadelt werden mö