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Verliebt in Kopenhagen Als Jonnas Leben auf den Kopf gestellt wird und sie kurzerhand als Barista in dem gemütlichen Coffee Shop "Copenhagen Cinnamon" anfängt, ahnt sie noch nicht, dass sie und den ziemlich süßen Besitzer Mads mehr verbindet als nur eine Zufallsbekanntschaft. Während draußen das Herbstlaub von den Bäumen fällt, verbringen sie zwischen Pumpkin Spice Latte und Zimtschnecken unweigerlich immer mehr Zeit miteinander. Doch es gibt einen Teil von Mads, den er fest verschlossen hält, das spürt Jonna sofort. Als er ihr anbietet, übergangsweise auf seinem Hausboot zu wohnen, entdeckt Jonna, dass ihre Vergangenheit stärker miteinander verwoben ist, als sie je für möglich gehalten hat… Copenhagen Cinnamon 1. Delicate: Eine cozy Herbst-Romance für die dunkle Jahreszeit - Zwischen Kaffee und Zimtschnecken: Herbstliche New Adult-Romance vor der Kulisse eines gemütlichen Kopenhagener Coffee Shops. - Dunkle Geheimnisse: Die selbstbewusste Jonna und den süßen Barista Mads verbindet ein Vorfall aus der Vergangenheit. - Knistern im Herbstlaub: Die Begegnungen zwischen Jonna und Mads sorgen für Momente, die das Herz höherschlagen lassen. - Cozy Skandi-Setting: Das charmante Copenhagen Cinnamon Café im herbstlichen Kopenhagen ist ein Ort zum Wohlfühlen und Träumen. - Zeit für Pumpkin Spiced Latte: Eine spicy Romance voller herzerwärmender Momente für Fans von Greta Milán und Laurie Gilmore
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Verliebt in Kopenhagen!
Als Jonnas Leben auf den Kopf gestellt wird und sie kurzerhand als Barista in dem gemütlichen Coffee Shop »Copenhagen Cinnamon« anfängt, ahnt sie noch nicht, dass sie und den ziemlich süßen Besitzer Mads mehr verbindet als nur eine Zufallsbekanntschaft. Während draußen das Herbstlaub von den Bäumen fällt, verbringen sie zwischen Pumpkin Spice Latte und Zimtschnecken unweigerlich immer mehr Zeit miteinander. Doch es gibt einen Teil von Mads, den er fest verschlossen hält, das spürt Jonna sofort. Als er ihr anbietet, übergangsweise auf seinem Hausboot zu wohnen, entdeckt Jonna, dass ihre Vergangenheit stärker miteinander verwoben ist, als sie je für möglich gehalten hat …
Stefanie Neeb
Delicate
Für alle, die ihr Licht noch nicht sehen:
Es ist da, einzigartig in dir –
und jedes Strahlen verändert die Welt.
Der Deckenventilator über uns kreist. Sehen kann ich ihn in der Dunkelheit nur schemenhaft, aber ich spüre seinen Wind, der über meine verschwitzte Haut streicht.
Am liebsten würde ich einfach hierbleiben, die Augen schließen und wegdösen. So wie Stina. Ihre Hand liegt auf meiner Brust, ihr Bein zwischen meinen. Ihr Atem geht mittlerweile ruhig, streift träge über meinen Hals.
Ich mag Stina. Auch ihre Nähe. Vor allem aber mag ich, dass sie weiß, wer ich wirklich bin, und damit auch, was ich getan habe. Und dass sie trotzdem noch da ist.
Mein Blick wandert über ihre leicht geöffneten Lippen. Sie zu sehen, entlockt mir ein sattes, zufriedenes Gähnen, das mich noch tiefer in die Matratze drückt. Gefährlich! Es ist sicher gleich Mitternacht, also höchste Zeit für mich, zu gehen.
Langsam löse ich ihre Finger von mir, rolle mich vorsichtig unter ihrem Körper weg und setze mich auf. Unter meinen Füßen spüre ich den Stoff meiner Jeans – der Rest meiner Klamotten muss hier auch noch irgendwo rumliegen.
So leise wie möglich stehe ich auf, sammele meine Sachen zusammen und ziehe mich an. Ich bin gerade bei der Gürtelschnalle, als hinter mir plötzlich das Licht angeht.
»Du wolltest dich schon noch verabschieden, oder?«
Mist! Ich schließe den Gürtel und drehe mich zu Stina um.
»Das hätte ich. Dachte nur, du schläfst schon.«
»Gedacht oder eher gehofft?« Sie richtet sich auf und schaut mich mit ihren blauen Augen neugierig an. Dass dabei die Decke von ihren Brüsten gerutscht ist, stört sie nicht. Warum auch? Stina ist nicht nur blitzgescheit, sie hat auch einen fantastischen Körper, und das weiß sie. Ich dummerweise auch. Und nicht nur das. Ich weiß auch, wie er sich unter meinen Händen anfühlt. Es wäre verlockend, da weiterzumachen, wo wir vorhin aufgehört haben, aber …
Ich muss los. Also reiße ich meinen Blick von ihr, setze mich wieder auf die Bettkante und greife nach meinen Turnschuhen.
»Ich hab kein Problem damit, mich zu verabschieden«, weiche ich ihrer Frage aus.
»Stimmt. Aber damit, zu bleiben, schon. Dabei verpasst du was! Mein Kaffee soll der Hammer sein.«
»Echt?« Grinsend drehe ich mich zu ihr um.
»Ja. Ich bekomme ihn immer von einem Freund. Der hat ein Café und verkauft die besten Bohnen der Welt.«
»Muss ja ein super Typ sein.«
Stina lacht auf. »Das bist du wirklich. Und … nur falls du es nicht weißt: Von hier aus hättest du es morgens sogar viel schneller zum Copenhagen Cinnamon.«
Stimmt. Das Café liegt bei Stina um die Ecke. Nur Knud eben nicht.
»Sorry, Stina. Aber ich muss echt nach Hause.«
»Du musst?« Fragend legt sie den Kopf schief. »Dann lass mich raten. Knud ist in der Stadt?«
Ich nicke und beuge mich vor, um mir die Schuhe zuzubinden. Dabei sind sie längst zu.
»Du machst das immer noch, oder?« Plötzlich spüre ich Stinas Hand an meinem Rücken, und augenblicklich versteife ich mich. Körperliche Nähe ist okay. Aber nicht in Kombination mit allem, was tiefer geht. Und ihre Frage geht tief. Also antworte ich nicht.
»Mads, ich find’s echt toll, dass du dich so um Knud kümmerst. Aber du bist nicht für ihn verantwortlich. Das bist du nur für dich selb-«
»Lass es, Stina!«, unterbreche ich sie schroff. Doch es ist zu spät. Mein Hals schwillt zu. Erinnerungsklumpen, die mir die Luft abdrücken.
Damals war ich verantwortlich. Und habe versagt.
Also trage ich die Schuld.
Für immer.
»Wie du meinst.« Stina klingt nicht sauer, eher resigniert. Sie zieht ihre Hand weg und lässt sich mit einem Seufzen auf ihr Kissen zurückfallen. »Was auch immer du vorhast, ich schlaf jetzt ’ne Runde.«
»Mach das«, antworte ich. Es soll locker klingen, tut es aber nicht. Eher immer noch schroff. Und damit das Ganze nicht unschön endet, lehne ich mich zurück und küsse Stina zum Abschied auf die Stirn. »Sehen wir uns nächste Woche?«
»Nee, nee, nee, mein Lieber. So läuft das nicht.«
»Nein?« Stirnrunzelnd sehe ich sie an. Ist sie doch sauer?
»Wir sind kein Paar. Also keine geplanten Folgedates. Nicht, dass wir uns noch aneinander gewöhnen!«
Ich lache und lasse mir eine ihrer blonden langen Strähnen durch die Finger gleiten. »Dann bis …?« Irgendwann, wollte ich eigentlich sagen, doch sie schlägt Mittwoch vor.
»Wie jetzt?«, frage ich verwundert. »Doch ein Folgedate?«
»Nein! Aber du kannst ja Mittwoch einfach mal ganz spontan anrufen. Und ich sehe dann, ob ich da ganz spontan Zeit hab. So gegen 19 Uhr?«
Grinsend beuge ich mich zu ihr. Sie umschlingt meinen Nacken, und der Kuss, in dem wir versinken, schmeckt plötzlich wieder mehr nach Anfang als nach Ende. Fuck! Ich würde echt gern bleiben. Und mit meinen Lippen tiefer wandern. Über ihre Brüste, ihren Bauch. Dann noch tiefer … bis sie erneut meinen Namen stöhnt …
Und doch bin ich es, der den Kuss beendet, sanft, aber bestimmt. »Dann also bis Mittwoch.«
Stina lächelt zu mir hoch. »Genau. Wir telefonieren ja nur.«
*
Im Flur steht mein Bike. Ich trage es die drei Stockwerke runter und schwinge mich auf den Sattel. Gänsehaut kriecht mir in den Nacken. September. Der Sommer ist wirklich rum. Tagsüber versucht es die Sonne noch, ich fand es echt warm heute. Jetzt aber hängt definitiv der Herbst in der Luft, sie ist frischer, und im Licht der Straßenlaternen sammelt sich leichter Nebel. Während der Fahrt spüre ich ihn auch auf meinem Gesicht und in meinen Haaren, die an meiner Stirn festkleben. Aber egal, ich muss eh noch duschen.
Doch nachdem ich mein Rad im Keller abgestellt habe und die Stufen hoch in den zweiten Stock gelaufen bin, zieht es mich zuerst nach links. Zu Knuds Tür. Erleichterung macht sich in mir breit, als ich seine Schuhe sehe, die ordentlich nebeneinander auf der Fußmatte stehen. Unser Zeichen, dass alles gut ist und er schon im Bett liegt. Trotzdem suche ich am Schlüsselbund nicht nach meinem, sondern nach seinem Schlüssel und öffne die Tür.
Das ist nicht wahr, oder? Sandwiches?
Auch wenn in der Küche das Fenster gekippt ist, riecht es verräterisch nach Ananas, Schinken und geschmolzenem Käse. Außerdem steht der verkrustete Sandwichmaker noch neben der Spüle. So ein Depp! Als würde er wollen, dass ich ihn erwische.
Ich mache mehrere Papiertücher nass, lege sie auf die untere Platte des Sandwichmakers und schließe den Deckel. Anders kriegt er den sonst im Leben nicht mehr sauber.
Im Leben …
Gedanken schießen mir durch den Kopf. Gedanken, die mir fies ins Herz stechen, weil sie eines Tages zwangsläufig Realität werden.
Der Tod hat keine festgelegte Lautstärke. Er kann sich leise anschleichen. Sich klammheimlich mit dem Leben absprechen und ihm eine Frist setzen. Er kann aber auch ohrenbetäubend laut einfach zuschlagen.
Wie wird es bei Knud sein? Bin ich derjenige, der ihn dann findet? In seinem Bett? Auf der Couch?
Ich schlucke die Bilder runter, die mir mein Kopf ungefragt schickt, doch eine nervöse Unruhe bleibt, und sie treibt mich an, den Flur weiterzugehen, zu seinem Schlafzimmer.
Die Tür ist nur angelehnt. Vorsichtig schiebe ich sie weiter auf, gerade so weit, dass genug Licht ins Zimmer fällt und ich das Bett sehen kann.
Knud liegt auf der Seite. Sein dichtes weißes Haar hebt sich vom bunt gestreiften Kissen ab. Er schläft. Sein Brustkorb hebt und senkt sich regelmäßig, dazu ein leises Schnarchen. Andere nervt so was sicher, ich höre es gern.
Es ist ein Lebenszeichen.
Der Beweis, dass mein Opa noch da ist.
Die letzten vier Monate bin ich zusammen mit den Kühen aufgestanden, war schon um sechs Uhr in Gummistiefeln und Latzhose unterwegs, die Haare windzerzaust.
Heute hat mich Kopenhagen geweckt. Die Stadt drückt sich lärmend von unten durch die geöffnete Balkontür zu mir hoch. Fröhliches Fahrradgeklingel, Motorengeräusche, Stimmen. Ein Durcheinander von Rufen und Gelächter, in das sich jetzt auch noch die Kirchturmglocke der Sankt Nikolaj Kirke einmischt.
»Ja, ich hab dich auch vermisst, du verrückte Stadt!«, rufe ich und hüpfe mit nur einer Cowboy-Stiefelette am Fuß durch das wilde Chaos auf dem Boden. Ist die andere im Flur?
Auf dem Weg dorthin angele ich die Strickjacke aus meinem Koffer, nehme mir vom Sofatisch das Handy und stopfe es zusammen mit meinem Portemonnaie in die Umhängetasche. Ein Blick auf die Uhr neben der Kücheninsel, und ich komme ins Stolpern. Schon neun? Mist!
Wieso bin ich immer zu spät dran?
Für einen Kaffee reicht es nicht mehr, für eine ordentliche Frisur schon gar nicht. Bei meinen Locken hätte ich da schon um sechs aufstehen müssen. Aber wenigstens ist mein Gehüpfe durch die Wohnung erfolgreich, denn im Flur unter dem Spiegel finde ich in dem Haufen an Schuhen tatsächlich die andere Stiefelette. Jetzt habe ich alles, oder? Den Schlüssel, Geld und … die Balkontür! Ich renne noch einmal zurück und schiebe sie zu. Nicht, dass mich wieder Tauben besuchen. Sosehr ich Tiere auch liebe, hier drin kann ich sie nicht brauchen.
Aufzug oder Treppe? Wenn ich renne, bin ich die vier Stockwerke zu Fuß schneller, doch da der Fahrstuhl gerade da ist, wähle ich die weniger anstrengende Alternative. Außerdem habe ich so noch Zeit, mein Outfit wenigstens ein bisschen zu korrigieren. Ich knote einige Locken am Hinterkopf zusammen, sodass sie mir nicht ins Gesicht hängen, und versuche noch schnell, die Volants an meinem Kleid glatt zu ziehen. Erfolglos. Sie sind genauso widerspenstig wie meine Locken und rollen sich über meinen Knien immer wieder hoch. Irgendwas muss ich beim Nähen falsch gemacht haben. Aber egal. Ich liebe das Kleid, außerdem passt der braune Stoff mit den vielen kleinen Blümchen gerade super zu meinem Hautton, der sich durch die Monate auf der Hallig zu einem tiefen Bronze verfärbt hat.
»Godmorgen, Miss Bisgård!«, begrüßt mich Mr. Holm, kaum dass ich unten die Lobby betreten habe. Sogar mit einem doppelten Lächeln, denn es spiegelt sich in der glänzend polierten Marmoroberfläche des Empfangstresens.
»Ich wünsche Ihnen auch einen wundervollen Morgen, Mr. Holm«, antworte ich und kann mir dabei ein Grinsen nicht verkneifen. Holm ist aber auch zu süß mit seiner Portieruniform und den akkurat gescheitelten grauen Haaren. Auch wenn er schon seit Jahren für Dad arbeitet und sein Apartmentgebäude bewacht, ist er durch und durch Engländer geblieben. Aufrechte Haltung, freundliche Distanz, leichter Akzent. Das Verräterischste aber ist, dass er es auch nach so langer Zeit nicht schafft, die Leute zu duzen. Dabei machen das hier alle. Ich würde ja nicht mal die Polizei mit Sie ansprechen. Bei Holm aber macht es mir Spaß.
»Vielen Dank, Miss Bisgård. Wie ich hörte, wollen Sie in die Kanzlei. Darf ich Ihnen den Wagen bestellen?«
»Die kurze Strecke?«
»Nun ja.« Sein Blick wandert über mein Kleid. »Es ist noch recht frisch draußen.«
»Noch, Mr. Holm. Sie sagen es. Aber …« Lächelnd zucke ich mit den Schultern. »Die Sonne ist ja schon da. Bis später!«
Draußen überlege ich kurz, ob ich mein Fahrrad nehmen soll, gehe dann aber doch lieber zu Fuß. Ich bin ja eh schon zu spät, da kommt es auf die paar Minuten, die es länger dauert, auch nicht mehr an. Außerdem kann ich sie gut gebrauchen. Nicht nur, um Kopenhagen zu begrüßen. Ich muss mir auch gut überlegen, wie ich meinen Vater gleich begrüßen werde. Und mit welchen Worten ich ihn am besten von meiner neuen Idee überzeugen kann. Er wird nicht begeistert sein, so viel ist klar.
In den schmalen Gassen der Altstadt ist es noch schattig, das Kopfsteinpflaster glänzt unter dem Morgentau, und nun fröstele ich doch ein wenig. Gänsehaut überzieht meine Beine, meine Arme. Die allerdings sofort wieder verschwindet, als ich den Kongens Nytorv erreiche und mich auf dem großen Platz vor dem Theater die Sonne empfängt.
Den Sommer hier habe ich dieses Jahr durch mein Praktikum verpasst, er soll fantastisch gewesen sein. Aber meine liebste Jahreszeit kommt ja erst jetzt. Der Herbst!
Kopenhagen ist kunterbunt, die Häuser, die Menschen, die Fahrräder. Doch so richtig bunt wird es erst, wenn die Bäume bei dem Farbenspiel mitmachen. So wie jetzt. Ich sehe schon an den Linden um mich herum die goldenen Verfärbungen der Blätter. Vor dem blauen Himmel scheinen sie wie von innen heraus zu leuchten. Ich laufe am Kanal vorbei, an dem sich die Restaurants bereits auf den Tag vorbereiten, überquere den kleinen Grünstreifen am Sankt Annæ Plads und biege in die Amaliegade ein.
Bisgård & Dahl. Die goldenen Buchstaben mit der Waage darunter. Das Kanzleilogo fällt auf, sobald man um die Ecke kommt. Übergroß prangt es an der ehrwürdigen Fassade des weißen Prachtbaus. Wer in Kopenhagen juristischen Beistand benötigt, ist an dieser Adresse genau richtig. Allerdings sollte er über einen gut gefüllten Geldbeutel verfügen oder zumindest die richtigen Leute kennen, denn die Kanzlei zählt zu den renommiertesten der Stadt und kann sich ihre Klienten frei auswählen. Würde es nach Carsten Dahl gehen, würden sich diese einzig und allein auf die Oberschicht begrenzen. Doch zum Glück gibt es meinen Vater. Und sein Herz aus Gold.
Wie oft habe ich ihn an den Wochenenden bis spät in die Nacht über Fällen brüten sehen, die der Kanzlei zwar kaum Geld brachten, dafür aber ein Stückchen Menschlichkeit in diese Welt?
Und war nicht auch das ein Grund, warum ich mir von klein auf so sicher war, die Kanzlei irgendwann mal zu übernehmen?
Zwei Schlangen, die sich berühren. Das Paragrafenzeichen konnte ich schon malen, bevor ich auch nur einen Buchstaben sauber aufs Papier gebracht habe. Als ich die dann auch konnte, habe ich mit voller Überzeugung in jedes Freundebuch unter »Was willst du mal werden?« Anwältin geschrieben. Mit Ausrufezeichen.
Und dann? Tja. Dann hat ein Abend, ein Lied ausgereicht, um Zweifel in mir zu säen.
Ein unangenehmer Druck legt sich auf meine Brust, doch ich schüttele ihn ab. Es ist mein Leben, also meine Entscheidung. Und die habe ich halt einfach noch nicht getroffen.
Samstags ist der Haupteingang geschlossen, daher laufe ich zur Hintertür, gebe den Code über das Display ein und schlüpfe ins Gebäude.
»Sorry!« Ein Security-Mann fängt mich ab. »Hast du eine Zutrittserlaubnis?«
»Ähm … nee. Aber meinen Ausweis.«
»Der wird nicht reichen. Um Zutritt zu erhalten, müsstest du schon …« Er verstummt, als ich ihm meinen Ausweis hinhalte. »Jonna Bisgård? Oh, Verzeihung. Das … Ich wusste nicht, dass du …«
»Konntest du ja auch nicht.« Ich lächle zu ihm hoch und krieg dabei fast eine Genickstarre. Klar. Mit meinen knapp eins sechzig bin ich klein, er dagegen ist wirklich riesig. »Dann darf ich durch? Ich wollte nur kurz zu meinem Vater hoch.«
»Ja, natürlich. Warte.« Mit geröteten Wangen tritt er zur Seite, um mir die Tür zur Eingangshalle aufzuhalten. Eine Geste, die ich durchaus mag, allerdings nicht, wenn ihr Auslöser lediglich mein Nachname ist.
In der riesigen Halle riecht es wie immer. Nach zitroniger Frische, nach dem Leder der Wartesessel und nach … Erfolg. Auch wenn mein Vater darauf besteht, dass man Erfolg nicht riechen kann, bleibe ich dabei: Ich kann es.
Für mich riecht Erfolg ein bisschen so wie Dads Rasierwasser, und auf dem Flakon steht irgendwas von einer Brise herber Würze, belebender Minze und einer leichten Vetiver-Note. Was auch immer das ist.
Ich umrunde den verlassenen Empfangstresen und laufe zu den Fahrstühlen. Das Klackern meiner Absätze auf dem spiegelblanken Marmorboden klingt dabei fast gruselig laut. Außerdem habe ich mir anscheinend einen Stein im Profil eingefangen, denn ich höre mich an wie der einbeinige Captain Ahab aus Dads Lieblingsfilm Moby Dick. Was sogar Mr. Security mitbekommen zu haben scheint, da er zu mir rübergrinst. Und ich mag ihn wieder.
Wen ich aber nicht mag, ist der Vorzimmerdrache meines Vaters, den ich sicher gleich zu Gesicht bekommen werde: Rosa Bruun. Die Abneigung hat von der ersten Sekunde an auf Gegenseitigkeit beruht, worauf ich, wie ich finde, echt stolz sein kann. Schließlich ist sie der Grund dafür, dass ich plötzlich nicht mehr beinebaumelnd auf dem Empfangstresen sitzen durfte und die Schale mit den Brause-Lollis verschwand. Genauso wie mein kleiner Kinderschreibtisch in Dads Büro.
Sie ist jetzt wirklich alt genug, um zu verstehen, dass das hier kein Spielplatz ist.
Gar nichts habe ich verstanden. Aber Rosa ist nun mal ein wandelnder Eisklotz mit einer Mimik, die lediglich zwei Ausdrücke kennt: kalt und noch kälter. Im Grunde wie Captain Ahab. Vielleicht sollte ich sie einfach in Rosa Ahab umtaufen. Mein Grinsen spiegelt sich in der blank polierten Aufzugstür wider. Ein rosafarbener Ahab? Hätte was …
»Goddag, Jonna. Dein Vater wartet bereits.« Ihre kühle Stimme weht mir im vierten Stock entgegen, dabei bin ich noch nicht mal aus dem Fahrstuhl raus. Und das Wort wartet betont sie für meinen Geschmack zu stark.
»Ich freue mich auch, dich zu sehen, Rosa«, flöte ich übertrieben fröhlich.
»Ach so. Ja, natürlich. Willkommen zurück.« Ihr dunkler Blick wirkt für einen Moment fast milde, doch dann rutscht er über mein Kleid zu meinen Stiefeln, und ihre akkurat gezupften Brauen zucken in die Höhe. Weil ich nicht in dunklen Designer-Kostümen geboren bin – wie sie anscheinend?
Rosa sieht mal wieder aus wie ein Model aus einem Katalog für elegante Frauen über vierzig. Jede einzelne Welle ihrer dunklen Haare sitzt, und ihre Haut ist makellos, bis auf die kleinen Fältchen, die sich bereits um ihre Augen bilden. Lachfalten sind es allerdings nicht. Eher Missbilligungsfalten.
Ich gehe einfach weiter und öffne die hohe, mächtige Tür zum Büro meines Vaters.
»Jonna!« Er sitzt an seinem Schreibtisch, steht aber sofort auf und kommt mit ausgebreiteten Armen auf mich zu.
»Hej, Dad!« Ich lasse mich an seine Brust sinken, spüre den weichen Stoff seines Anzugs an meiner Wange, seinen Bart, der mich leicht an der Stirn kitzelt. Ich rieche sein Rasierwasser und weiß: Ich bin zu Hause.
»Gut schaust du aus, min skat!« Er nimmt meine Hände und mustert mich mit einem Strahlen. »So braun. Und richtig erholt!«
»Das bin ich auch. Und sorry für die Verspätung. Irgendwie tickt meine Uhr noch langsam.«
»Kein Problem. Ich hatte genug zu tun.« Er deutet auf die Sitzgruppe, die vor der bodentiefen Fensterfront steht. »Aber komm, erzähl mal, wie es dir ergangen ist.«
Eigentlich weiß er das doch. Es ist ja nicht so, dass wir nicht telefoniert hätten. Mit einem flauen Gefühl im Magen setze ich mich auf einen der breiten Sessel und meide seinen Blick. Stattdessen starre ich das kleine Loch an, das ich vor vielen Jahren mit einer Reißzwecke in den Couchtisch gebohrt habe. Um die Fäden zu befestigen, die ich für das Knoten meiner Freundschaftsarmbänder brauchte. Dad hat damals nichts dazu gesagt, er hat es einfach mit einem Lächeln hingenommen. Meine Pläne heute dagegen wird er vermutlich nicht so einfach hinnehmen.
»So schweigsam?«, fragt er und fängt meinen Blick ein.
»Ach, ähm … nee. Ich bin nur noch nicht ganz wieder da. Es war so anders auf der Hallig. So viel ruhiger, langsamer. Und so … naturvoll.«
»Naturvoll?« Lächelnd lehnt er sich zurück. »Klingt gut.«
»War es auch.« Ich erzähle ihm vom grenzenlosen Meer, der rauen Luft und auch davon, wie viel Spaß ich mit den Tieren und bei der Arbeit an den Salzwiesen hatte. »Ich musste mich nur erst an den anderen Lebensrhythmus gewöhnen. Da gab es keine Hetze, keine Hektik.«
»Na, das ist dir doch sicher entgegengekommen.« Schmunzelnd streicht er sich über den Bart. »Kein Zuspätkommen?«
»Och, das hab ich trotzdem geschafft.«
Sein tiefes Lachen erfüllt den Raum. Und nicht nur ihn, auch mich. Ich liebe Dads Lachen, und wie immer summt es warm in mir nach.
»Natürlich hast du das geschafft.« Er lehnt sich vor und stützt die Ellbogen auf seinen Knien ab. »Dann ist es also wirklich das, was du jetzt machen möchtest? Ökologie studieren?«
Das Summen in mir erstirbt schlagartig, dafür verdoppelt sich mein Herzschlag. Nicht nur, weil in seiner Frage ein unüberhörbarer wachsamer Ton mitschwingt. Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass er das heikle Thema so schnell anspricht.
»Ähm … ja. Also nein.« Meine Stimme schwankt, aber da ich weiß, wie wichtig der Moment für mich ist, gebe ich mir große Mühe, sie bei den nächsten Worten wieder einzufangen. »Die Arbeit dort hat mir total gefallen, und die Zeit war absolut lehrreich. Aber mir ist auch klar geworden, dass Ökologie nicht das richtige Studienfach für mich ist.«
Er sagt nichts. Doch seine Augenbrauen wandern hoch. So hoch, dass sie fast in seinem Haaransatz verschwinden. Ich kenne diesen Blick, es ist die unerbittliche Aufforderung an seinen Mandanten, weiterzusprechen, und ich krame in mir nach meinem Text.
»Ich glaube nach wie vor, dass das ein ganz wichtiger Bereich ist. Dass wir wesentlich mehr für die Umwelt tun müssen. Aber bei der Arbeit auf der Hallig hab ich gemerkt, wie gern ich mit mir selbst arbeite. Also … wie gern ich direkt wirksam bin. Etwas herstelle, etwas hinterlasse. Das könnte ich natürlich auch mit einem Studium, aber es ist mir zu …«
»Moment. Könnte? Was soll das heißen?« Sein Ton ist jetzt genauso unerbittlich wie seine Augenbrauen.
»Ähm, dass ich eine … eine Ausbildung machen will?«, erwidere ich zögerlich.
Dad klappt die Kinnlade runter. Stocksteif sitzt er da, ich weiß nicht mal, ob er noch atmet, nutze aber den stillen Moment und rede einfach weiter. »Ich hab in den vier Monaten neben meinen täglichen Aufgaben ganz viel mit Holz gearbeitet. Finn hat es mir gezeigt, und es hat so viel Spaß gemacht, dass ich mir vorstellen kann, eine Tischlerlehre zu machen.« Mit flattrigen Fingern krame ich in meiner Tasche nach dem Brieföffner, den ich extra für ihn geschnitzt habe. Doch Dads plötzliches Donnergrollen lässt mich innehalten.
»Jonna, bist du noch bei Trost? Das kann doch nicht wahr sein! Du machst ein Einser-Abi, dir steht die Welt offen, und du? Kommst jetzt mit einer Tischlerlehre an?« Kopfschüttelnd greift er sich in sein dichtes Haar. Eine Geste purer Verzweiflung, zu der auch die roten Flecken passen, die bedrohlich aus seinem Hemdkragen den Hals hinaufwandern.
»Es ist erst mal nur eine Idee«, versuche ich, ihn zu besänftigen. »Ich werd mir einen Praktikumsplatz suchen, und dann …«
»Nein, das wirst du nicht!«, unterbricht er mich hart. »Jonna, es reicht. Dass du dein Jurastudium nach dem Abitur aufschieben wolltest für diese Kinderhilfsorganisation in Namibia – okay! Dass du danach Medizin studieren wolltest – verständlich. Und auch die Idee, davor den Rettungssanitäter-Schein zu machen, fand ich gut. Aber alles, was danach kam, war ein heilloses Durcheinander. Abbruch des Medizinstudiums, dann ein Praktikum nach dem anderen. Mittlerweile sind es so viele, dass ich sie kaum mehr zusammenbekomme.«
Ich schon, und ich könnte sie ihm alle aufzählen, lasse es aber lieber, denn Dad öffnet seinen Hemdkragen, ein sicheres Zeichen dafür, dass er gleich platzt.
»Hör mir mal gut zu, Jonna! Wir hatten eine Abmachung. Ich lasse dich in Ruhe, bis du zwanzig bist. Und wenn du bis dahin nichts gefunden hast, bleibt es bei Jura.« Erneut wandern seine Brauen nach oben. »Und du bist jetzt wie alt?«
Ich muss mir ein genervtes Augenrollen verkneifen, denn ich mag keine Fragen, auf die mein Gegenüber die Antwort schon weiß. Doch da Dad mich stur anstarrt, murmele ich: »Einundzwanzig.«
»Nein, Jonna. So gut wie zweiundzwanzig. Von daher ist hier jetzt Schluss.«
Das Gespräch hatten wir schon etliche Male, im Grunde nach jedem Praktikum. Und da ich weiß, wie schnell er einen in die Enge treiben kann, hole ich Luft, um zu meiner Verteidigungsrede anzusetzen.
Doch da steht er unvermittelt auf, holt eine Mappe aus der obersten Schublade seines Schreibtischs und legt sie auf den Couchtisch.
»Was ist das?«
Er schlägt die Mappe auf und schiebt sie zu mir. Kälte rieselt mir die Wirbelsäule hinunter. Es ist ein Anstellungsvertrag. Für ein duales Studium?
»Du willst ja, wie ich gerade gehört habe, gern gleich wirksam sein, nicht wahr? Also passt das doch hervorragend.« Er zieht einen Kugelschreiber aus seiner Brusttasche und legt ihn neben die Mappe, so ausgerichtet, dass ich nur zugreifen muss. »Du studierst Jura und arbeitest nebenher von Anfang an bei uns in der Kanzlei.«
»Nein! Das ist nicht das, was ich will, Dad. Und das weißt du.« Ich habe es ihm schon so oft erklärt. Dass ich meinen eigenen Weg finden muss. Und jetzt? Ein Anstellungsvertrag in der Kanzlei?
Hilfe suchend fliegt mein Blick an ihm vorbei zu der Wand hinter seinem Schreibtisch. Auch wenn das Bild von meiner Mutter und mir dort nicht mehr hängt, spüre ich ihre Nähe. Ihre Hand, die so warm und fest meine gehalten hat, als das Foto entstand. »Ich … Ich hab einfach noch nicht das Richtige gefunden. Also, mein eigenes inneres Leuchten. Das, wofür ich brenn-«
»Oh, hör auf mit dem Quatsch!«, unterbricht mich mein Vater harsch. »Leuchten. Brennen. Träume. Du weißt genau, wohin das bei deiner Mutter geführt hat. Zu nichts. Nichts als Schmerz. Also komm mir nicht damit. Du unterschreibst das hier, Jonna. Ansonsten …«
Fassungslos starre ich zu ihm hoch. »Ansonsten was, Dad?«
Zwischen uns wird es still. So still, dass mir mein Herzschlag wie das Donnern eines Presslufthammers vorkommt.
Dad weicht meinem Starren aus, er dreht sich zum Fenster, die Hände tief in den Hosentaschen vergraben. »Ich liebe dich, Jonna. Und ich habe dich in den letzten Jahren immer unterstützt. Aber jetzt ist es genug. Am Donnerstag findet der jährliche Kanzleiabend statt. Neben unseren Anwälten werden auch wichtige Geschäftspartner da sein. Eine gute Gelegenheit, dem ein oder anderen deinen Einstieg zu verkünden. Daher unterschreibst du bis Montag den Vertrag, sonst streiche ich dir das Geld.«
»Was?«
»Die monatlichen Zahlungen, Jonna.«
Wie erschlagen sitze ich da. Ich habe mit seiner Missbilligung gerechnet, mit einem verbalen Kampf. Tief im Inneren auch immer wieder damit, dass er mich irgendwann nicht mehr unterstützt. Aber niemals hätte ich gedacht, dass Dad sein Geld nutzen würde, um mich zu erpressen. Um mich in eine Richtung zu zwingen, in die ich nicht will. Und zwar in seine!
Neben dem Schock, der mich für den Moment lähmt, spüre ich noch etwas anderes. Eine kleine wütende Flamme. Sie flackert in meiner Brust auf, brennt sich hoch bis in meinen Hals und treibt mir die Tränen in die Augen.
Ich weiß, dass er sie sieht, denn als er sich zu mir umdreht, beginnt er, zu blinzeln. Als ob er meine Tränen damit vertreiben könnte. Als ob er die Wand einreißen könnte, die sich in den letzten Minuten zwischen uns aufgebaut hat.
Ich zwinge mich, aufzustehen, und nehme meine Tasche. Wie es für mich weitergeht, weiß ich nicht. Bisher habe ich mir um Geld nie Sorgen machen müssen, es war einfach immer da. Doch auch, wenn mir die Vorstellung, Dad könnte das wirklich durchziehen, eine Scheißangst macht, habe ich gerade nur noch zwei Sätze für ihn übrig. »Spar dir deine Erpressungsversuche für deine Gegner auf. Ich bin deine Tochter und kein Deal.«
Den Weg raus finde ich, auch wenn alles vor mir verschwimmt. Der Holzboden. Die Türklinke. Die lauernde Rosa hinter ihrem verdammten Tresen. Ich verschwinde hinter der Ecke, ziehe die Tür zum Treppenhaus auf, lasse sie vor mir aber wieder zuschlagen. Da sind zu viele Tränen für zu viele Stufen. Also drücke ich den Knopf für den Fahrstuhl.
Zitternd warte ich vor der geschlossenen Tür, bete, dass er endlich kommt und mich verschluckt, als ich plötzlich die Stimme von Rosa höre.
»Und? Wie ist es gelaufen?«
»Nicht gut. Aber ich hab es durchgezogen. Wie abgesprochen.«
Was? Dad hat sich mit Rosa abgesprochen?
Mein Herz verstummt. Nein, alles in mir verstummt.
Höre ich deswegen das leise Geräusch? Das Rascheln von Stoff, der sich zaghaft berührt?
Ungläubig lausche ich, doch das Geräusch verstummt. Dafür höre ich Rosa wieder. »Sehr gut, Jørgen«, säuselt sie. »Es wurde wirklich Zeit, die Zügel anzuziehen. Ich bin stolz auf dich, min skat!«
Mein Schatz?
Oh Gott, nein! Mein Magen krampft sich zusammen, so schmerzhaft, dass ich zu würgen beginne. Mit der Hand verschließe ich meinen Mund, beiße mir fest in die Finger, um ja keinen Laut von mir zu geben. Und nehme doch die Treppe. Ich muss hier raus!
Heute ist es im Cinnamon ein Kommen und Gehen. Die Glöckchen an der Tür bimmeln ständig, und jeder, der reinkommt, bringt einen Schwung frischer Luft mit. Es ist wirklich spürbar Herbst geworden – nicht nur draußen, sondern dank Majas Deko-Session gestern Abend auch hier im Café. Ich sammele an Tisch zwei die leeren Tassen ein und schaue mich auf dem Rückweg zur Theke prüfend um. Die Blätterranken mit den versteckten kleinen Lichtern über den Fenstern sind okay. Die Gläser mit den getrockneten Orangenscheiben, Nüssen und Zimtstangen neben den Kerzen auch. Die hellen Fellimitate auf einigen Stühlen hätte es meiner Meinung nach noch nicht gebraucht. Aber Maja hat sich scheinbar an meine Regel gehalten: alles – nur keine Kürbisse! Nicht, dass ich die nicht mag, ich will nur nicht, dass irgendjemand auf die Idee kommt, wir würden jeden Scheiß mitmachen. Pumpkin Spice Latte. Allein bei dem Namen krieg ich schon Sodbrennen. Keine Ahnung, mit wie vielen Geschmacksverirrungen die Leute ihren Kaffee eigentlich noch versauen wollen. Und das nur, weil es gerade schick ist?
Der Weg von der sorgfältig ausgewählten Bohne hin zum aromatischen Espresso ist eine Kunst. Der richtige Mahlgrad, die präzise Einstellung der Maschine in Hinblick auf Temperatur, Druck und Extraktionszeit. Die perfekte goldbraun schimmernde Crema. Das ist Kaffee in Reinform. Wer das nicht zu schätzen weiß, ist hier falsch und kann sich seine Plörre irgendwo anders besorgen. Am besten noch to go!
»Ich hab hier zweimal das Fitnessfrühstück für Tisch vier.« Ruben kommt durch die Schwingtür aus der Küche, stellt die Teller bei mir am Tresen ab und wischt sich mit einer Serviette übers Gesicht. Shit! In der Küche scheint es echt tropisch zu sein. Es ist erst kurz nach elf, so fertig habe ich ihn um diese Uhrzeit noch nie gesehen. Seine dunklen Haare hat er sich zu einem kleinen Knoten auf dem Kopf zusammengebunden und auf seiner Stirn sammelt sich der Schweiß.
»Haltet ihr da drinnen noch durch?«, frage ich ihn.
»Solange die Leute nur kalte Sachen bestellen, schon. Bei Rührei und Überbackenem streiken wir bald!«
Mit einem Grinsen verschwindet er wieder, und mein schlechtes Gewissen macht sich bemerkbar. Aber was soll ich machen? Wir brauchen dringend ein neues Belüftungssystem, nur sind die scheißteuer, und ich weiß noch nicht, was mich die Wartung der Kaffeemaschine kosten wird. Dazu der neue Griff für den Milchaufschäumer. Der Lappen mit dem Gummiband ist nur eine Notlösung, und es grenzt schon an ein Wunder, dass sich noch keiner von uns die Finger verbrannt hat. Ich schiebe meine aufgekrempelten Ärmel noch ein Stück höher und mache mich mit den zwei Tellern zu der Latte-macchiato-Runde auf. Vier kichernde Frauen, und ich ahne, was auf mich zukommt …
»Wow! Das sieht ja gut aus«, empfängt mich die Dunkelhaarige und lehnt sich ein wenig zurück, um mir und ihrem Frühstück Platz zu machen. Trotzdem berühren sich unsere Arme – wie zufällig.
»Das Lachs-Frühstück und der Brunch Tallerken kommen auch gleich«, gebe ich der Runde Bescheid. »Braucht ihr sonst noch was?«
»Oh, ja! Wir sind noch auf der Suche nach einer tollen Location für heute Abend. Hast du da einen Tipp?«, fragt die Blonde und schaut mich erwartungsvoll an.
»Kommt darauf an, wonach ihr sucht«, weiche ich ihrer Frage aus. »Die besten Bars und Clubs findet ihr auf der Kopenhagen-Seite.«
Ich nenne ihnen den Insta-Account und die Webseite, ahne aber schon, dass ich damit nicht aus dem Schneider bin. Und behalte recht, denn die Dunkelhaarige beugt sich neugierig vor. »Und du? Wo trifft man dich?«
»Hier«, antworte ich mit einem hoffentlich einigermaßen charmanten Lächeln, bevor ich mich wegdrehe und in meinem Sicherheitsbereich verschwinde – dem Platz hinter dem Tresen. Die zwei noch fehlenden Frühstücke lasse ich den Frauen von Ruben bringen. Er ist, was solche Frontalangriffe angeht, wesentlich lockerer als ich und macht sich meistens einen Spaß draus.
Mich nerven solche Anmachen einfach nur. Früher kam das ab und zu mal vor, doch Dank ExploreWithLiv darf ich mich jetzt täglich damit rumschlagen. 204K Follower auf TikTok. Liv hat mit ihrem Video im Frühjahr dafür gesorgt, dass wir viral gegangen sind. Copenhagen Cinnamon – der neue Place to be in Kopenhagen! Versteckt gelegen und doch mitten in der Stadt, bietet das kleine Café eine fantastische Mischung aus Industrial Design und Scandinavian Chic.
Dass ich im Video zu sehen sein würde, wusste ich. Mir war nur nicht klar, dass einige von Livs Followerinnen jetzt anscheinend glauben, ich würde mit auf der Speisekarte stehen. Ich drehe mich aus dem Blickfeld von Tisch vier, und da alle Gäste für den Moment versorgt sind, mache ich mir einen Espresso. Der Duft von frisch gemahlenen Bohnen. Es gibt nichts, was ich lieber rieche als das erdige, würzige, oft auch nussige Aroma von Kaffee. Das war als Kind schon so. Ich habe es geliebt, wenn ich aufgewacht bin und von unten aus der Küche der Kaffeeduft zu mir hochzog. Vielleicht, weil es bei uns außer dem Frühstück nicht viele gemeinsame Moment gab?
Uns …
Sofort habe ich Bilder im Kopf. Von meinen Eltern, von Anders und mir. Auf der Terrasse unter der Markise. Beim Segeln …
Ich kippe den heißen Espresso runter. Der Nachgeschmack ist bitter. Bitterer als sonst. Denn ein Uns gibt es nicht mehr.
Ohne Anders haben wir es verloren.
Es gibt nur noch ein Ich. Und ein Sie. Dazwischen Knud.
Winkende Hände holen mich zurück aus den Gedanken, mehrere Gäste wollen zahlen. Ich kassiere ab, räume weg, wische die Tische ab und versuche, die neu eintreffenden Gäste auf die wenigen frei gewordenen Stühle zu verteilen.
Ein Pärchen und eine Dreierrunde.
»Und?« Ruben stupst mich an. »Was denkst du?«
Er kennt mein Spiel. »Das Pärchen bleibt sicher länger, also er Milchkaffee und sie Latte macchiato. Bei den anderen …? Der Anzugtyp Kaffee schwarz. Arabica. Der in der Chinohose Espresso. Und sie?« Heller Rock, weiße Bluse. »Cappuccino.«
Ich muss mir ein Grinsen verkneifen, als ich bei der Bestellung bis auf den Arabica absolut richtigliege, habe aber nicht viel Zeit, mich über Rubens Erstaunen zu freuen, denn eine Gruppe junger Mädels taucht im Café auf. Sie haben alle schon ihre Handys gezückt, also sind sie sicher nicht zum Frühstücken da.
»Äh, hi!« Ein Mädchen mit Zöpfen kommt zu mir an den Tresen. »Wir wollten eigentlich nur schnell was trinken. Aber frei ist nichts mehr, oder?«
»Nein, tut mir leid. Ohne Reservierung geht hier am Wochenende eigentlich nie was.«
»Und … die Barhocker?«, hakt sie nach.
»Sind leider auch reserviert.« Stimmt nicht ganz. Doch ich gebe sie nur für Stammkunden frei. »Wenn ihr wollt, könnt ihr aber trotzdem Fotos machen.«
»Echt?«
»Klar!« Ich lächle ihr zu und zeige ihr und den anderen die Stelle am Eingang, von der aus sie am besten das typische Cinnamon-Foto machen können, ohne die Gäste groß zu stören.
Wir sollten dort echt einen Stern auf den Boden kleben.
»Entschuldigung!« Tisch zwei ruft. »Eine kurze Frage: Könnten wir das Schlemmer-Frühstück für zwei auch zu dritt nehmen?«
»Ja, klar. Ich bringe euch einfach einen Teller mehr.« Am Nachbartisch will auch noch jemand etwas. Wieso habe ich Maja heute Vormittag freigegeben?
Ich sammele die Speisekarten ein, drehe mich weg, um in der Küche die Bestellungen durchzugeben, laufe dabei aber beinahe ein Mädchen um. Locken! Im ersten Moment scheint die Kleine nur aus langen hellbraunen Locken zu bestehen. Doch als sie ihren Kopf hebt, sehe ich in funkelnd grüne Augen. Schwer zu schätzen, wie alt sie wirklich ist, aber »Kleine« passt definitiv nicht. Also, klein ist sie schon, aber sicher schon Anfang zwanzig. Sie trägt ein braunes Kleid, ziemlich abgetragene Cowboystiefel und eine überdimensionierte Umhängetasche.
»Alles okay?«, fragt sie mich mit einer überraschend tiefen Stimme und pustet sich eine Locke aus der Stirn. Dabei mustert sie mich genauso unverhohlen wie ich wohl sie.
»Äh, ja, sorry.« Ich weiß, dass ich wegschauen sollte, und bleibe doch mit meinem Blick an ihrem Mund hängen. Sie hat die Art von Lippen, die immer zu lächeln scheinen, selbst dann noch, als sie irritiert die Augen zusammenkneift.
»Is was?«
»Nein. Aber … ähm, hinten wird sicher gleich was frei. Setz dich doch so lange an die Theke. Ich komm gleich, okay?«
Ruben kommt mir tellerbeladen aus der Küche entgegen. »Und? Die Kleine?«
»Was?«
»Na, was nimmt sie? Und wieso lässt du sie bei dir sitzen?«
Möglichst unauffällig spähe ich zu ihr hinüber. Sie kämpft gerade mit dem Barhocker, der sich unten am Tresen verhakt hat, und flucht dabei vor sich hin.
»Kaffee schwarz. Gesha.«
Temperamentvoll, lebendig. Außergewöhnlich.
Ich hasse Barhocker. Andere können sich da vielleicht lässig draufschwingen, ich muss quasi hochklettern. Und fühle mich dabei jedes Mal wie ein kleines Kind, das seinen Hochstuhl erklimmt. Fehlt eigentlich nur noch einer von diesen Gurten.
Scheiß-Tag, Scheiß-Hocker … aber schönes Café. Ich mag den Duft nach Kaffee und Zimt, der hier in der Luft hängt. Und ich mag die Einrichtung, den Mix aus modern und alt. Die dunklen, aufpolierten Möbel. Die Kupferlampen, die an langen Kabeln von der meterhohen Decke herunterhängen. Den grauen Betonboden. Und dass man die alten rotbraunen Klinkerwände belassen hat. Alles zusammen wäre es fast ein wenig zu dunkel, doch überall versteckt findet sich auch etwas Helles. Die Lichterketten an den Fenstern. Die weiße Schrift auf den Kissen aus alten Kaffeesäcken. Die Kerzen in den gusseisernen Ständern. Die Milchschaumkunst auf den Bildern hinter dem Tresen. Und … die Speisekarte vor mir. Eigentlich brauche ich die nicht, ich will mir nur einen Latte to go holen – immerhin hat mir Dad nicht mal einen Kaffee angeboten. Aber da allein der Gedanke an meinen Vater schon so gefährlich wehtut, dass ich dringend Ablenkung brauche, nehme ich mir doch das hölzerne Klemmbrett und schaue mir an, was es im Copenhagen Cinnamon so alles gibt.
Anfang September. Ob die schon Pumpkin Spice Latte haben?
Ich blättere durch die Seiten, werde aber enttäuscht. Dafür gibt es eine Vielzahl anderer Kaffeesorten, verschiedene Frühstücke und natürlich die obligatorischen Süßspeisen: kardemommeboller, wienerbrød und … kanelsnegle! Ich liebe Zimtschnecken. Die Preise hier sind allerdings echt heftig. Aber bei der Lage? Hier kommen sicher viele …
»Okay, was darf’s sein?«
Ich lege das Klemmbrett zur Seite und schaue auf. Der Typ hat extrem blaue Augen, das ist mir vorhin schon aufgefallen, doch aus der Nähe wirken sie noch blauer.
»Brauchst du noch einen Moment?«
»Äh, nee. Einen Latte macchiato, bitte«, murmele ich und will gerade noch »zum Mitnehmen« anfügen, als ich sehe, wie er verwundert den Kopf zur Seite neigt.
Als hätte ich was Falsches gesagt.
»Was ist? Den habt ihr doch.«
»Schon, klar. Aber … bist du sicher?«
»Was?« Ich neige meinen Kopf genauso verwundert zur Seite wie er. »Du willst wissen, ob ich mir sicher bin, dass ich einen Latte macchiato will?«
Stellt heute jeder meine Entscheidungen infrage?
Über seine Lippen huscht ein Lächeln. War ja irgendwie klar – Grübchen gehören bei ihm auch zur Grundausstattung. Der ganze Typ ist ein einziges Klischee. Blonde, sonnenhelle Haare, die entweder absichtlich lässig gestylt sind oder einfach schon länger keinen Friseur mehr gesehen haben. Ein kantiges Gesicht, volle Lippen. Dazu einen Körper, der definitiv weiß, was Sport ist. Zumindest gehe ich mal davon aus, denn auch wenn er über seinem weißen Hemd und den hellen Jeans eine beigefarbene Canvas-Schürze trägt, spannt sich der Stoff seiner Kleidung an genau den richtigen Stellen.
»… nur deswegen habe ich gefragt.«
Mist! Den wichtigsten Teil seines Satzes habe ich wohl verpasst. »Äh … weswegen?«, frage ich nach.
Sein Lächeln vertieft sich. »Ich meinte, dass es fast schade für den Kaffee ist, ihn mit Milch zu verwässern.«
»Mag sein. Sollte dein Chef nur nicht hören, oder?«, wende ich ein. »Immerhin nehmt ihr für ’nen Latte fast den doppelten Preis.«
»Ach, der Chef hier ist ziemlich locker. Außerdem kommen zufriedene Kunden ja wieder. Was wir durchaus zu schätzen wissen. Und das wiederum …«
»Weißt du was? Dann mach mir halt ’nen Kaffee, okay?«, unterbreche ich ihn, um das Ganze abzukürzen. Doch anscheinend war das genau sein Ziel, denn er nickt zufrieden.
»Sehr gute Wahl. Und welchen?«
»Hä?« Irritiert runzele ich die Stirn, erhalte aber als Antwort nur ein erneutes Nicken, diesmal in Richtung einer Kreidetafel links neben dem Tresen. In akkurat geschwungenen Buchstaben sind dort unzählige Kaffeesorten aufgelistet: Arabica, Robusta, Liberica, Excelsa, Typica, Caturra, Gesha …
Im Ernst jetzt? Verdammt, ich brauche doch einfach nur Koffein! Aber der Typ redet weiter. »Die verschiedenen Sorten unterscheiden sich nicht nur im Aroma, sondern …«
Ich habe keine Lust auf einen weiteren Vortrag, und auf einmal kehrt die Wut zurück. Sie sammelt sich in meinem Bauch zu einem riesigen fetten Klumpen, und ich muss mich aufsetzen, um ihr mehr Raum zu geben. Eine völlig dumme Idee, denn so kommt sie ungefiltert raus. »Pass mal auf! Ich hab einen Scheiß-Tag hinter mir, okay? Dabei ist es noch nicht mal Mittag. Mein Vater schläft mit Captain Ahab. Wahrscheinlich schon seit Jahren. Außerdem findet er meine Zukunftspläne mal wieder scheiße. Und ich hab kein Geld mehr. Für den verdammten Kaffee hier reicht’s aber noch. Von daher: Gib mir einfach irgendeinen, okay?«
Stille. Zwischen uns herrscht absolute Stille.
In mir aber rauscht das Blut mit Turbogeschwindigkeit durch meine Venen. Habe ich das alles gerade echt gesagt?
Der Typ schaut mich regungslos an.
»Okay. Das waren ganz schön viele Informationen auf einmal«, meint er dann trocken. »Auf Captain Ahab würde ich gleich gern noch mal zurückkommen. Deine Zukunftspläne finde ich auch spannend. Aber zunächst zum Kaffee: Unter diesen Umständen schlage ich die Sorte Robusta vor.«
»Ach ja? Warum?«
»Der ist der säureärmste. Und sauer bist du schon genug, oder?« Fragend sieht er mich an.
Ich bin so durcheinander, dass ich nicht weiß, was ich sagen soll, doch zum Glück will gerade jemand zahlen, und ich bin den Typen einen Moment lang los. Kopfschüttelnd sinke ich auf meinem Hocker zusammen. Ich hätte heute Morgen einfach im Bett bleiben sollen. Oder besser noch auf der Hallig. Unter den vielen gutmütigen Kühen und den noch gutmütigeren Menschen.
Mit fahrigen Fingern krame ich den Geldbeutel aus meiner Tasche. Ich will hier weg. Mit meinem Latte macchiato. Und zwar to go. Egal, was der Typ dazu sagt.
»Dann bis zum nächsten Mal, Mads«, verabschiedet sich hinter mir eine helle Stimme. Aus dem Augenwinkel kriege ich mit, dass er zur Antwort nur distanziert lächelt.
Hätte er bei mir einfach auch machen sollen. Distanziert lächeln und die Klappe halten.
»Ich hab mich umentschieden«, teile ich ihm mit, als er wieder hinter dem Tresen erscheint. »Ich nehme doch ’nen Latte. Zum Mitnehmen.«
Nachdenklich kneift er die Augen zusammen, sagt aber nichts, sondern nickt wieder nur, bevor er mir den Rücken zudreht und mit sicheren Handgriffen beginnt, an der Kaffeemaschine rumzuwerkeln. Den Gefallen, dabei die Klappe zu halten, tut er mir allerdings nicht.
»Und dein Vater schläft also mit Captain Ahab?«
Entnervt schließe ich die Augen. Ich bin echt so dämlich. Aber was soll’s. »Ja, allerdings mit einer rosafarbenen Version.«
Ich höre, wie er leise lacht. »Klingt spannend.«
»Ist es aber nicht.«
Er bückt sich und holt eine Packung Milch aus dem Kühlschrank. Beim Öffnen schaut er kurz zu mir. »Und deine Zukunftspläne?«
»Sind auch nicht spannend.«
»Denkt er? Oder denkst du?«
»Quetschst du die Leute immer so aus?«
Wieder höre ich sein leises Lachen und erwische mich bei dem Gedanken, dass ich es auch gern sehen würde. Es klingt nämlich echt nett. Doch er hat sich bereits wieder umgedreht, um meine Milch aufzuschäumen. »Irgendwelche Wünsche für die Verzierung mit deinem Milchschaum?«
»Nee, lass mal.«
»Sicher?« Er nickt hoch zu den Milchschaumkunst-Bildern an der Wand. »Blumen, ein Herz, Blätter? Wir haben ganz viele …«
»Nein!«, schießt es aus mir heraus. »Oder … doch, warte! Kannst du auch das Schweige-Einhorn?«
Verdutzt dreht er sich zu mir um. »Das was?«
Ich antworte nicht, stattdessen zeige ich ihm meinen Milchschaum-Wunsch: den ausgestreckten Mittelfinger.
Ich brauche einen Moment, muss dann aber so lachen, dass mir fast das Milchkännchen aus der Hand rutscht.
Das war echt frech, aber sie hat recht. Keine Ahnung, warum ich sie so volltexte. Oder … doch? Sie ist hier wirklich eine willkommene Abwechslung, dazu einfach süß. Gerade jetzt. Sie versucht angestrengt, nicht mitzulachen, schafft es aber nicht.
»Das Schweige-Einhorn also.« Ich nicke grinsend, greife nach dem Milchaufschäumer neben mir und … Fuck! Feuer auf meiner Haut! Sofort lasse ich los – aber zu spät. Meine komplette Handinnenfläche ist knallrot. Nur mit Mühe unterdrücke ich ein Stöhnen. Doch es tut so höllisch weh, dass mir die Knie wegsacken.
»Ach du Scheiße!«, höre ich ihre Stimme hinter mir. Sie muss um den Tresen gekommen sein, doch ich will sie hier nicht haben. Mir ist das so schon krass peinlich. Das Hocken hier, die Schmerzen, mein beschissener Fehler! Ich muss voll danebengegriffen haben.
»Hey, komm. Steh auf!« Ihre Hand berührt meine Schulter, doch ich schüttele sie ab.
»Geht schon, ich hab mich nur ein bisschen ver…«
»Das ist kein bisschen. Los! Du musst deine Hand kühlen.« Da ich nicht sofort reagiere, greift sie nach meinem Arm und hilft mir hoch.
»Oh, shit!« Ruben taucht aus der Küche auf, genau in dem Moment, als sie den Hahn aufdreht, um meine Hand unters Wasser zu halten. »Der kaputte Milchaufschäumer?«
Ich nicke nur, sagen kann ich nichts. Würde ich meinen Mund öffnen, käme nur wieder ein Stöhnen heraus.
»Habt ihr in der Küche was gegen Verbrennungen? BurnJel oder so was?«, fragt sie.
»Äh … nee!«, antwortet Ruben.
»Solltet ihr aber!«
Vorwürfe kann ich jetzt nicht gebrauchen, genauso wenig wie die Aufmerksamkeit, die wir mittlerweile auf uns lenken. Ich will meine Hand wegziehen, doch sie drückt sie mit strafendem Blick wieder unters Wasser. »Die bleibt da drunter. Mindestens noch zehn Minuten. Sonst zieht die Verbrennung tiefer ins Gewebe.«
»Bist du etwa Ärztin?«
»Nein, aber Rettungssanitäterin.«
»Echt?« Skeptisch mustere ich sie. Komisch, Ärztin hätte ich ihr irgendwie zugetraut. Aber Rettungswagen fahren? Unfallopfer einsammeln?
Ruben unterbricht unser Blickduell. »Wir haben aber einen Erste-Hilfe-Kasten.«
»Na, das ist doch schon mal was. Und wo?«
»Oben im Büro.« Ich nicke zur Treppe. »Aber …«
»Ich weiß«, unterbricht sie mich spöttisch. »Du denkst, du brauchst nichts.« Sie schaut zu Ruben. »Holst du den Kasten?«
»Klar!« Er wendet sich ab, doch ich erwische gerade noch seinen Arm.
»Ich kann selbst hoch.«
Mein Fehler, mein Problem. Außerdem tut es schon gar nicht mehr so weh.
Aus dem Augenwinkel nehme ich ihr Kopfschütteln wahr, als ich die Hand wegziehe, um meinen Schlüsselbund aus der Schublade zu holen.
»Hältst du hier so lange die Stellung?«, bitte ich Ruben und sehe zu, dass ich wegkomme.
»Wie heißt du eigentlich?«, höre ich ihn im Weggehen noch fragen und erwische mich dabei, wie ich aufhorche.
»Jonna. Und ich geh besser mal mit hoch.«
Nein!, schreit es in mir, doch da ich es mit der linken Hand alleine nicht mal schaffe, die Schlüssel am Bund zu sortieren, um den richtigen rauszusuchen, schlucke ich meinen Protest runter. Eine weise Entscheidung, wie sich herausstellt, denn oben angekommen, gelingt es mir trotz mehrerer Versuche nicht, die Tür aufzuschließen. Dafür kehren die Schmerzen zurück – schlimmer noch als vorhin.
Jonna übernimmt. Den Schlüssel, das Türaufschließen und alles Weitere im Büro. Ich soll mich auf die Holzbank setzen und ihr erklären, wo sie alles findet.
»Erste-Hilfe-Kästen einzuschließen, ist keine so gute Idee«, höre ich sie vom Schrank her schimpfen, hab aber keinen Nerv, mich zu verteidigen. Auf meiner Stirn sammelt sich Schweiß, mein Körper weiß anscheinend nicht mehr, wohin mit dem Feuer, das sich unaufhörlich tiefer in meine Hand zieht.
Ich lehne mich zurück und schließe die Augen. Höre das Rascheln von Folie, dann einen Stuhl, der über den Boden schrappt. Jonna muss jetzt ganz nah sein, ich spüre ihre Bewegungen, den leichten Lufthauch, den sie verursachen, lasse die Augen aber zu.
»Ich nehme mir jetzt deine Hand, okay?«
»Mach das«, antworte ich, zucke aber dennoch zusammen, als sich ihre Finger um mein Handgelenk schließen. Vorsichtig, fast zaghaft dreht sie meine Hand leicht hin und her.
»Wie zu erwarten: Es bilden sich schon Blasen. Ich weiß, Ratschläge magst du nicht. Aber aufstechen solltest du sie nicht, sonst holst du dir noch ’ne Infektion.«
»Alles klar.«
»Sicher?«
Ich öffne die Augen und sehe, wie sie spöttisch die Lippen verzieht. Lippen, die auch dabei noch lächeln.
»Keine Sorge. Ich weiß, dass man das nicht machen soll.«
»Ja? Super! Dann hab ich es ja heute doch nicht nur mit Volldeppen zu tun.«
»Du meinst deinen Vat…«
»Nee, gerade meinte ich eigentlich dich.«
Ich gebe mich geschlagen, fühle mich zu fertig, um verbal mit ihr mithalten zu können, und beobachte sie deshalb lieber einfach nur wortlos. Sie legt mir einen Verband an, dabei fällt ihr eine Locke ins Gesicht, die sie immer wieder wegzupusten versucht. Meine gesunde Hand zuckt schon, und ich schiebe sie mir lieber unter den Oberschenkel. Nicht, dass ich noch was Dummes mache.
Jonna ist aber auch echt verdammt hübsch. Und ich glaube, sie weiß es nicht mal. Den Kopf nach unten geneigt, wickelt sie den Verband konzentriert um meine Hand bis über das Gelenk. Doch als sie ihn dann mit einer Klammer fixiert, schaut sie plötzlich auf. Unsere Blicke begegnen sich, und ich weiß nicht, wie sie das macht, aber wenn sie mich ansieht, setzt irgendwas in mir aus. Wie vorhin schon. Man guckt doch weg, wenn man beim Starren erwischt wird! Kann ich aber nicht. Und blöderweise macht meine Atmung beim Aussetzen gleich mit. Es ist nicht nur das Grün ihrer Augen, das mich fasziniert. Es ist diese Tiefe, die in ihnen liegt und die mich …
»Fertig.« Jonna steht etwas unvermittelt auf und dreht sich weg. Dabei knüllt sie die Verbandsverpackung in ihrer Hand zusammen – und zwar ganz schön fest.
»Ja, dann … danke.« Ich stehe ebenfalls auf und versuche dabei, meine verletzte Hand so ruhig wie möglich zu halten. Trotz des Verbands bestrafen die Schmerzen jede noch so kleine Bewegung.
»Arbeiten kannst du damit jetzt aber nicht mehr.«
»Mal sehen …«
Sie zieht eine Augenbraue hoch, öffnet den Mund, um etwas zu sagen, schüttelt dann aber nur resigniert den Kopf.
Und geht.
Sie geht!, warnt mich eine Stimme in meiner Brust.
Gut so, entscheidet mein Kopf. Und er hat recht, denn das würde sie eh, spätestens dann, wenn sie von der Schuld erfährt, die ich auf mich geladen habe.
So wie Lale.
Ich kann das nicht mehr, Mads. Ich halte das mit dir nicht mehr aus …
Die Erinnerung an Lales Worte zieht mich runter, zurück auf die Bank. Nach allem, was passiert war, auch noch sie zu verlieren – an dem Schmerz wäre ich fast erstickt.
Deswegen: keine Beziehungen, kein Fallen mehr!
Einen weiteren Absturz überlebe ich nicht.
Ich stütze meine Ellbogen auf den Knien ab und vergrabe meinen Kopf in den Händen. Keine gute Idee. Der Schmerz schießt mir bis in den Magen. Stöhnend richte ich mich auf und würde mir die brennende Hand am liebsten abreißen.
Arbeiten kann ich so definitiv nicht mehr. Linda kann heute nicht, Maja kommt erst um drei, und bis dahin schafft das Ruben unmöglich allein.
Nicolaj? Er hat hier ganz am Anfang schon mal ausgeholfen, und heute ist Samstag – also keine Uni. Seine Nummer ist hier oben noch im alten Festnetztelefon eingespeichert. Ein Überbleibsel aus der Zeit, als das Café noch Knud gehört hat.
»Hey, Mann, das ist ja ’ne Überraschung!«, begrüßt er mich. »Hätte nicht gedacht, dass du dran denkst!«
»Äh … doch, klar!«, erwidere ich, ohne auch nur den leisesten Schimmer zu haben, an was ich gedacht haben soll.
»Wir sind in einer knappen Stunde dran. Der Wind ist super. Stabile zehn Knoten. Und Felix ist gut drauf.«
Die Segel-Regatta!
Plötzlich gehen die Flammen von meiner Hand auf meinen ganzen Körper über, und mir bricht der Schweiß aus.
»Er ist kein Ersatz für dich«, höre ich Nicolajs Stimme nach einem zögerlichen Moment des Schweigens. »Das weißt du, oder?«
»Ja, alles gut«, antworte ich.
Doch gut ist gar nichts. Regatta, Segeln, Boote, Meer – die Assoziationskette landet wie immer, egal, wer oder wo sie startet, beim Tod.
Ich sehe die Wrackteile. Und ich sehe Körperteile. Zerrissen, zertrümmert. Entstellt.
»Ist wirklich alles gut bei dir?«
»Doch. Ich … Ich hab mir nur gerade die Hand verbrannt. Nicht schlimm. Doch ich denke, ich sollte sie mal kühlen. Euch aber viel Glück, haut rein!«
»Machen wir. Und Mads? Danke. Ehrlich! Ist krass, dass du dich gemeldet hast. Und denk an dein Versprechen, ja? Wenn du wieder so weit bist, bin ich der Erste, mit dem du rausfährt.«
»Hab ich nicht vergessen.«
Nur wird das nicht passieren. Für mich gibt es keine Boote mehr, keine Regatten, keine Speedrennen. Das alles ist mit Anders gestorben.
Mein Blick bleibt an dem Schlüsselbrett über dem Schreibtisch hängen, genauer gesagt, an dem kleinen Anhänger, dem bunten Hausboot. Einer geschnitzten Kopie des Originals. Ich sollte es endlich freigeben.
Und … ich sollte dringend runtergehen. Jonna dürfte mittlerweile schon weg sein. Und wer weiß, vielleicht erreiche ich ja doch eine unserer Aushilfen?
Ich ziehe meine Schürze glatt, fahre mir durch die Haare – beides einhändig – und verlasse das Büro. Zum Abschließen brauche ich dann aber doch beide Hände und presse die Lippen zusammen, um den Schmerz zu ersticken.
Als ich runterkomme, steht Ruben noch immer hinter dem Tresen. »Danke. Läuft es einiger…« Ich schaffe es nicht, die Frage zu beenden, denn eine große Umhängetasche lässt mich verstummen. Sie liegt noch immer auf einem der Barhocker.
»Vorsicht!« Die dazu passende Stimme trifft mich im Rücken, und ich drehe mich verdutzt um. Jonna steht vor mir. Sie trägt ein Tablett voll dreckiger Teller.
Ich kenne wenige Menschen, die so intensiv gucken wie Mads, und mein Tablett gerät unter seinem Blick gehörig ins Wanken.
»Was machst du denn noch hier?«
»Teller wegräumen?«
»Das sehe ich, aber …«
»… ich muss das nicht machen, weiß ich«, unterbreche ich ihn. »Ruben fand die Idee allerdings auch gut. Von daher: Darf ich mal durch?« Bevor Mads etwas erwidern kann, verschwinde ich lieber in der Küche.
Knackst es an seinem Ego, wenn man ihm helfen will?
Ich fühle mich irgendwie schuldig an dem, was passiert ist. Außerdem tut mir das Arbeiten hier gut, es lenkt mich ab.
»Hast du sie gefragt?«, höre ich Mads von draußen.
»Nein. Sie hat es angeboten. Ist doch super, ich schaff das allein nicht.«
»Das kannst du aber nicht entscheiden. Und ich will das nicht, sie hat kein …«
»Euch ist schon klar, dass ich euch hören kann, oder?«, rufe ich ihnen zu, bevor ich heute wieder unfreiwillig etwas mitbekomme, das nachher nur wehtut.
»Jonna …« Mads kommt in die Küche. »Es ist echt nett, dass du uns helfen willst. Aber hast du überhaupt schon mal im Café gearbeitet?«
»Nein. Bisher klappt es allerdings ganz gut. Außerdem ist ja nur deine Hand kaputt und nicht dein Kopf. Wenn ich Fragen habe, kannst du sie mir also sicher beantworten. Und eine habe ich schon: Kannst du mir kurz aus dem Weg gehen? Tisch zwei braucht zwei Gläser Orangensaft.«
Ich drücke mich an ihm vorbei und streife dabei aus Versehen seinen Arm, was ihn zurückzucken lässt.
Warum ist er plötzlich so abweisend? Immerhin war er es doch, der mir vorhin ein Gespräch aufgezwungen hat.
»Du hast einen Löffel in den Haaren«, höre ich ihn hinter mir.
»Nur, weil ich kein Haargummi dabeihab. Aber solltest du mir aushelfen können, immer gern.«
Ich öffne den Kühlschrank unter dem Tresen, hole den Orangensaft heraus und will gerade zwei Gläser füllen, als ich zurückgepfiffen werde. »Das sind die falschen.«
»Okay.« Ich halte in der Bewegung inne und warte. Schaue dann zu ihm rüber, weil weiter nichts kommt. »Mehr Informationen wären jetzt hilfreich.«
Mads lehnt sich an den Tresen und nickt mit einer minimalen Bewegung seines Kinns zu einem Bord, auf dem einige blau schimmernde Gläser stehen. Blöderweise ist es so hoch, dass ich da selbst auf Zehenspitzen kaum drankomme. Eine Tatsache, die wohl auch ihm nicht entgeht, denn er steht plötzlich neben mir und schiebt mich zur Seite.
Komisch, Worte scheinen auf einmal nicht mehr so sein Ding zu sein.
Das beinahe selbstgefällige Lächeln, mit dem er mir die Gläser auf den Tresen stellt, übergehe ich und schenke ihm sogar ein dankbares. Denn anscheinend wird das hier eine Art Challenge. Und ich habe nicht vor, sie zu verlieren.
Servieren, abräumen, Bestellungen aufnehmen, das klappt auch alles super, vor allem, da mir Rubens Plan mit den Tischnummern hilft. Nur beim Kaffee brauche ich Mads’ Hilfe. Ich habe so eine riesige Maschine noch nie bedient. Aber in eine der drei Halterungen wird der Siebträger schon gehören, und da sie alle gleich aussehen, müsste es ja egal sein, wo ich ihn einsetze.
»Nein, noch nicht.« Mads reicht mir etwas, das so aussieht wie ein Stempel aus mattem Edelstahl mit einem Holzgriff. »Du musst den frisch gemahlenen Kaffee mit dem Tamper erst andrücken, sonst fließt das Wasser nicht gleichmäßig durch.«
Als ob man den Unterschied schmecken würde! Ich nehme mir diesen … diesen Stempel und hänge den Siebträger anschließend in die Maschine ein. Dass mir das nicht auf Anhieb gelingt, kommentiert Mads nicht. Dass ich anschließend vergesse, ihn zu verriegeln, schon.
»Hey, halt! Erst schließen, sonst gibt es ’ne Sauerei.«
Gerade noch rechtzeitig hält er mich davon ab, den Brühvorgang zu starten, indem er sanft meine Finger festhält. Erschrocken weiche ich zurück, und auf einmal sind unsere Finger nicht mehr das Einzige, was sich berührt. Mads steht hinter mir, und ich liege nun quasi in seinen Armen. Ich spüre seine Brust in meinem Rücken, durch den dünnen Stoff meines Kleides auch seinen Herzschlag. Oder ist es meiner? Ich weiß es nicht. Ich weiß gar nichts mehr. Fühle nur Mads und seine Wärme, die sich kribbelnd auch in mir ausbreitet. Meine Hand beginnt, zu zittern, und plötzlich rutscht mir der Siebträger aus den Fingern. Scheppernd knallt er auf den Boden.
»Oh. Die Sauerei schaffst du also auch so.«
Ich weiß, dass er lächelt, ich kann es hören, selbst aber nur ein »Sorry« murmeln.
Meine Wangen glühen, und mein Herz flattert auch ganz komisch. Bin ich wirklich so dermaßen beziehungsentwöhnt, dass mein Körper bei so ein bisschen Nähe schon verrücktspielt?
Der nächste Versuch klappt besser, wahrscheinlich auch, weil Mads jetzt Abstand hält, und ich atme erleichtert auf, als die Maschine das macht, was sie soll: mir einen herrlich duftenden Kaffee zu schenken.
Auch die nächsten gelingen, doch beim fünften wundert er sich später. »Wieder Kaffee schwarz? Scheint heute der Renner zu sein.«
Ich nicke nur schulterzuckend, bringe die Tasse schnell zu Tisch drei und nehme die Bestellung an Tisch fünf auf.
»Zweimal Cappuccino, und wenn ihr noch Croissants habt, gern auch zwei.«
»Das mit den Croissants ist kein Problem. Beim Cappuccino …?« Ich lächle das Pärchen entschuldigend an. »Wir haben gerade etwas Probleme mit dem Milchaufschäumer. Ich versuche es auf jeden Fall. Wäre sonst auch ein normaler Kaffee okay? Mit etwas Milch vielleicht?«
»Nein«, erwidert die Frau. »Der ist uns meist zu bitter.«
»Das verstehe ich gut. Aber habt ihr schon mal unsere Sorte Robusta probiert?« Ich erzähle ihnen, dass sie mit Abstand die beliebteste hier ist, säurearm, dafür erstaunlich intensiv im Geschmack, und gratuliere mir innerlich, als die beiden einwilligen. Wie alle anderen vor ihnen auch.
