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Ein Dämon in der Seele, Verrat, Verbannung und nur ein Weg -weiter Richtung Abgrund Bei einem Routineauftrag des jungen Dämonenjägers Victor Linne ergreift der Dämon Thalranar die Chance und nistet sich in Victors Seele ein. Während dieser darum kämpft, seine Seele zu befreien, überschlagen sich die Ereignisse. Victors Schwester wird entführt und in seiner allergrößten Verzweiflung geht der Dämonenjäger einen unheiligen Blutpakt mit Thalranar ein. Ein Rennen gegen die Zeit und den Verfall seiner Seele beginnt.
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Seitenzahl: 113
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Diese Geschichte ist für all jene, denen der innere Dämon in der Seele hockt.
Lasst euch nicht durch Worte einschränken.
Folgt euren Zielen und lebt eure Träume.
Ihr schafft alles.
Auf Seite → findet ihr eine Playliste zum Roman, die von Vic höchstpersönlich ausgewählt wurde.
Triggerwarnung
Um die Triggerwarnung aufzurufen, scannt ihr den QR-Code mit eurem Smartphone ein. Dieser lei-tet euch auf meine Webseite weiter, wo ihr die vollständige Warnung findet.
Kapitel I
Kapitel II
Kapitel III
Kapitel IV
Kapitel V
Kapitel VI
Kapitel VII
Kapitel VIII
Kapitel IX
Kapitel X
Kapitel XI
Wir machen es wie besprochen«, sagte ich und warf einen Blick über die Schulter zu meiner Truppe, die sich im Schatten eines Hauses ver-borgen hielt. Alexandra stand direkt hinter mir und nickte. Sie war eine Dämonenjägerin vierten Ranges und ich zählte sie zu meinen besten Freunden. Um ihre weibliche Figur zu betonen, trug sie gerne Lederjacken und Jeans. Hauptsächlich ging es ihr um die Bewegungsfreiheit.
Dino, mein bester Kumpel, und Milena, beide Dä-monenjäger, zogen ihre Waffen, während Jan, ein Ma-gier mit blonden Haaren, der uns unterstützen sollte, unverständliche Worte vor sich hm murmelte. Er wirkte auf mich wie ein Sunnyboy, der lieber seine Zeit damit verbrachte auf den Lahnterrassen bei der Mensa zu sitzen, statt sich mit Leuten wie mir abzugeben.
»Auf mein Zeichen.« Ich hob die Linke und senkte sie wenige Augenblicke später. Alexandra huschte an mir vorbei um die Ecke in die Jakobsgasse hinein, die mit Fachwerkhäusern aus dem Mittelalter bebaut war. In einem leer stehenden Gebäude sollten sich, den Berichten der Gilde zufolge, Dämonen verschanzt haben, um ein Tor ms Diesseits, also unsere Welt, zu öf-fnen.
Ich spähte um die Hausecke und gab Dino und Milena ein Zeichen. Milena, die einen Sidecut und blau-lila Haare hatte, rannte nach kurzem Zögern Dino hinterher. Ich folgte ihnen mit dem Magier im Schlepptau. Der Zirkel hatte darauf bestanden, dass Jan uns begleitete. Er hatte noch nicht lange seinen Abschluss von der Akademie und nur wenig Erfahrung, was solche Missionen anging. Ich hatte trotzdem zugestimmt. Wusste der Himmel warum.
»Achte darauf, dass uns keine Zivilisten sehen«, gab ich Jan die Anweisung und sah mich in der Gasse um. Er nickte mit ernster Miene.
»Eingang gesichert«, meldete sich Alexandra über die Funkverbindung.
»Verstanden. Wir kommen rüber.« Ich gab Jan zu verstehen mir zu folgen und überwand die paar Me-ter bis zum Hauseingang des Fachwerkhauses in wenigen Schritten.
»Die Tür ist nicht magisch versiegelt. Wir können sie öffnen, sobald du das Okay gibst«, erklärte Dino, der neben der Tür hockte. Er strich sich mit einer tätowierten Hand eine schwarz gefärbte Haarsträhne aus der Stirn.
»Dann los.« Ich zog eine Zigarette aus der Schachtel, zündete sie an und nahm einen langen Zug, wäh-rend Dino sich am Schloss zu schaffen machte. Au-genblicke später stellten sich meine Nackenhaare auf und ein Schatten legte sich über die Gasse. Neben mir materialisierte sich ein Dämon dritter Ordnung und packte mich an der Kehle. Ich umklammerte die sehnigen Handgelenke des braunen Biestes, dessen Fangzähne so lang wie meine Hand waren. Es machte einen Satz und landete auf dem Dach. Mit seinen Klauen schabte es über die Schindeln. Keine Sekunde später warf mich der Dämon durch eines der beiden Dachfenster.
Glassplitter verteilten sich um mich herum und schnitten mir in die Arme. Ich prallte gegen die Wand gegenüber und glitt benommen daran hinunter. Mit einem Kopfschütteln ordnete ich meine Gedanken.
»Verfluchter Mist!« Die Zigarette war abgebrochen. Ich warf den Stummel zur Seite und wandte mich dem widerwärtigen Etwas zu. Es stand mir mit gei-fernder Grimasse gegenüber an der zerborstenen Fensteröffnung. Das kreischende Lachen des Ungetüms, das gekrümmt in dem Dachzimmer kauerte und wie ein Hund auf zwei Beinen aussah, hörte sich an, als würden Fingernägel über eine Tafel kratzen. Mir lief ein Schauder über den Rücken.
»So, du Drecksvieh«, sagte ich und zog meine, mit einer Silberlegierung überzogenen, Kampfäxte aus dem Gürtel. »Bereit zu sterben?« Die eingravierten Runen auf den geschwungenen Axtköpfen, die nur in der Nähe eines Dämons leuchteten, erhellte die Umgebung. Das abartige Fauchen des Biestes fuhr mir für einen Herzschlag durch Mark und Bein.
»Virtutes caelorum vim mihi resistendum improbis 1«, murmelte ich einen Spruch, wodurch die Lautstärke etwas gedämpft wurde und das Kreischen nicht mehr als ein dumpfes Rauschen war. Konzen-tration war das Wichtigste im Kampf gegen diese elende Plage, die seit Jahrtausenden die Menschheit quälte.
Mit einem Wutschrei stürzte sich das Ungeheuer auf mich. Die Krallen an den Füßen kratzten über die Holzdielen und hinterließen sichtbare Rillen.
Ich verlagerte mein Gewicht auf das rechte Bein, drehte mich zur Seite und duckte mich unter dem Schlag der gekrümmten Klauen hinweg. Das Ziel war eindeutig meine Brust gewesen. Mit einem Tritt in den Rücken des Dämons beförderte ich ihn zu Boden.
»Grave est gravitas peccati! 2«, rief ich und fesselte die dämonische Bestie damit aufs Parkett. Wild um sich schlagend, versuchte sie sich aus der magischen Fessel zu befreien. In ihren Schlangenaugen brannte Zorn, der nahezu greifbar war. Die Äxte, die ich zuvor voreinander gekreuzt hatte, sausten auf den schmächtigen Hals des Dämons zu. Sein Kopf rollte über die Holzdielen und schwarzes zähflüssiges Blut, das nach Fäulnis und Tod roch, traf mein Shirt.
Mit der Hand zeichnete ich die Rune des Feuers, ein IC ohne den senkrechten Strich, über dem Dämon. Noch bevor die Überreste in Flammen aufgingen, wandte ich mich der Tür in der rechten Wand zu und löste den Dämpfungsspruch, sodass ich wieder mein gesamtes Hörvermögen erlangte.
»Vic, verflucht, melde dich! Alles in Ordnung?«, er-klang Alexandras Stimme aus dem Inear, das sich aus meinem Ohr gelöst hatte, als der Dämon mich durch das Fenster geworfen hatte. Mit geübter Hand steckte ich es zurück und drückte auf den Funkknopf an meinem Handgelenk.
»Alles okay. Bis auf ein paar Schnitte auf den Ar-men bin ich unverletzt.«
»Himmelherrgott, Vic. Endlich!« Sie atmete erleich-tert auf. »Wir sind gleich bei dir. Wie sieht die Lage aus?«
Ich gab meinen Teammitgliedern einen kurzen Be-richt. Mit einem magischen Kraftstoß flog die Tür in der Wand rechts von mir, auf die ich zuhielt, aus ihren Angeln in meine Richtung. Schützend hob ich einen Arm. Das Türblatt beförderte mich zu Boden und begrub mich unter sich. Im selben Moment wurde die Wohnungstür aufgestoßen und meine Truppe stürm-te den Raum.
Dino und Milena zogen das schwere Holz von mir herunter. Meine Aufmerksamkeit legte sich auf den Pentarmon im Türrahmen, der uns aus Katzenaugen herablassend und arrogant anstarrte.
In meiner Ausbildung vor mehr als acht Jahren muss-ten wir das Fach >Ordnungen der Dämonen< belegen. Die Ordnungen richteten sich nach den Höllenkreisen, wie Dante Alighieri sie in seiner >göttlichen Komödie< beschrieb. Während die ersten beiden Ordnungen der Dämonen geflügelte und kriechende Biester kategorisierten, besaßen die höheren Ordnungen bereits ein menschenähnliches Aussehen.
Daher war es nicht verwunderlich, dass dieser Pen-tarmon, ein Dämon fünfter Ordnung, die menschliche Gestalt imitierte. Allerdings gelang ihm das nicht sonderlich gut. Er hatte immer noch die Fratze eines Dämons. Sein Körper war schmächtig und wirkte verkrüppelt. Fettige Strähnen hingen von seinem Schädel wie die Überreste eines Fadenvorhangs. Vier Hörner wuchsen aus seiner Stirn. Bisher hatte ich dieser Sorte Höllenbiest nicht gegenübergestanden und wenn die Erzählungen der älteren Dämonenjäger stimmten, dann hatten wir hier einen Titanen vor uns, den wir einzeln nicht besiegen konnten.
»Du wirst heute sterben, Dämonenjäger!« Die krat-zige Stimme stach weniger in den Ohren als die des Dämons dritter Ordnung.
Ich grinste amüsiert. »Wenn ich jedes Mal einen Euro für diesen Satz bekommen würde, dann könnte ich schon längst im Ruhestand sein.«
»Törichter Sterblicher! Du hast keine Ahnung, ge-gen welche Mächte du kämpfst.«
Ich zog eine Augenbraue nach oben. Meinte der das wirklich ernst?
»Vic«, mahnte Alex mich und ich nickte unmerklich. Mir war die Ansammlung magischer Energie für ein Portal im Nebenraum nicht entgangen. Das Portal durfte sich nicht öffnen. Denn sobald es offen stand, würde sprichwörtlich die Hölle losbrechen.
Das zu verhindern hatte ich geschworen, als ich vor sechs Jahren am Grab meiner Großmutter gestanden hatte. Ich hatte schon Granny durch die Hand eines Dämons verloren, deshalb würde ich auf kei-nen Fall zulassen, dass Lucian, der Dämonenkönig, und seine Höllenschar die Menschheit in ewige Fins-ternis stürzte.
»Okay, ich gehe nicht davon aus, dass du uns durchlässt, damit wir das Portal schließen können?«, fragte ich mit unschuldigem Ton in der Stimme.
Der Dämon legte den Kopf schräg und zeigte seine scharfen Fänge. Dino und Alex rannten an mir vorbei und blockten den Angriff des Pentarmon. Mit einem Schlag wischte er Dino wie ein Blatt Papier zur Seite. Mit einem dumpfen Aufprall landete mein bester Kumpel an der Wand.
»Jan, kannst du verhindern, dass das Portal sich öffnet?«, fragte ich, bereit zum Gegenangriff.
»J-ja ... ich denke schon«, antwortete Jan.
»Gut. Dann kümmere dich darum. Wir lenken das Vieh so lange ab.«
Der blonde Magier versuchte möglichst außer Reich-weite der Klauen, in den Nachbarraum zu kommen. Mit Milena an meiner Seite stürzte ich mich in den Kampf mit dem Pentarmon. Dino lag bewusstlos an der Wand, in der sich die Wohnungstür befand. Ich verschaffte Alex eine Verschnaufpause, indem ich die Angriffe auf mich lenkte. Die unermüdlichen Schläge des Dämons ließen mir keine Möglichkeit für einen Vorstoß. Milena versuchte, von der Seite die Vertei-digung zu durchbrechen. Er war schnell. Kaum hatte er einen Angriff Milenas mit einer Klaue abgewehrt, schlug er bereits mit der anderen auf ihre Kehle. Mit einem Hechtsprung warf ich sie zu Boden, sodass der Schlag nur knapp über meinen Kopf hinwegfeg-te. Feine dunkelbraune Haare schwebten auf das Par-kett.
Alex schlug mit dem Schwert zu und trennte dem Dämon eine Hand ab. Diese landete mit einem dump-fen Aufprall am Boden. Ich nutzte die Gelegenheit und rappelte mich auf. Ein harter Schlag in die Flanke überraschte mich jedoch und beförderte mich erneut auf den Holzboden. Ich rutschte über die Dielen durch die zerstörte Tür und gegen die Wand, wo ich benommen liegen blieb.
Mühselig kämpfte ich mich auf die Beine und steckte die Äxte an den Schäften zusammen, sodass sie eine Doppelaxt bildeten, und zog mein Silberschwert seitlich hinter dem Rücken hervor. Aus dem Augenwinkel sah ich Jan, wie er mit aufgestelltem Stab vor dem bläulich schimmernden Kreis aus Energie stand.
»Und Jan? Wie läuft's?«
»Nicht so gut«, antwortete er gepresst.
»Du schaffst das. Mach einfach weiter deinen Job und alles wird gut.« Ich hoffte, meine Worte würden ihm etwas Mut machen. Er konnte es besser gebrau-chen als ich.
Ich stieß den Atem durch die Nase aus und hielt auf die Tür in den Hauptraum zu, wo Dino mittler-weile wieder zu sich gekommen war und mit seiner Armbrust auf den Rücken des Pentarmon zielte. Milena und Alex griffen ihn von den Seiten an. Ich stürz-te mich mit erhobener Axt auf seine Vorderseite, die er in seiner Deckung vernachlässigte. Mit der Axt täuschte ich Schläge an und schlug mit dem Schwert auf die Extremitäten des Pentarmons ein. Es gelang mir nicht, ihm einen Treffer zu verpassen. In seiner noch vorhandenen Klaue erschien ein hornähnlicher Dolch.
Hinter mir drang der Schrei des Magiers aus dem Raum und der Geruch verkohlten Holzes gemischt mit dem Gestank von Schwefel und Fäulnis stiegen mir in die Nase. Das Rauschen unzähliger Flügel kündigte nichts Gutes an. Einen Blick über die Schulter werfend, bemerkte ich, wie Jan zu Boden sackte und ein halbes Dutzend geflügelter Dämonen erster Ordnung sich auf ihn stürzten. Ich zeichnete die Rune des Schutzes, ein Y mit einem senkrechten Strich in der Mitte. Ein rotleuchtender Schild baute sich über dem bewusstlosen Magier auf. Die an gotische Wasserspeier erinnernden Dämonen prallten an der Rune ab und landeten auf dem Boden. Einige kratzten an dem Schild und versuchten an Jan heranzukommen. Ich hoffte, dass die Wirkdauer der Rune, die sich nach der Lebenskraft des Anwenders richtete, lang genug anhielt, um eine Schwäche bei dem Pentarmon zu finden und ihn zu besiegen. Wir mussten das zu Ende bringen, bevor die Dämonen uns töteten und die ge-samte Stadt überfielen.
»Vic!«, erklang Alexandras warnende Stimme.
Ich drehte mich um und bemerkte gerade noch rechtzeitig, wie der Horndolch auf meine Brust zu-raste. Mit einem Schritt rückwärts parierte ich mit dem Schwert den Angriff und lenkte ihn zur Seite, doch der Dolch traf mich am linken Oberarm. Bren-nender Schmerz schoss durch meine Nerven und Blut sickerte in den aufgeschlitzten Ärmel meines Shirts.
»Du elendes Drecksvieh!«, knurrte ich durch den Nebel des Schmerzes. Mit der Rechten zeichnete ich die Schutzrune, die ich zuvor bei Jan angewendet hatte, vor mir in die Luft. Ein Schild baute sich auf Ar-meslänge vor mir auf. Fieberhaft durchforstete ich mein Gedächtnis nach den entscheidenden Infos zu dem Pentarmon und stieß den Schild mit einer ruck-artigen Bewegung meiner Hand gegen das Ungetüm. Wenn du keine offensichtliche Schwäche bei deinem Gegner entdeckst, dann beobachte seine Bewegungen. Jeder Dämon hat eine typische Bewegung, mit der er seine Schwachstelle deckt, hallten die Worte meiner Großmutter, Granny, durch meine Gedanken. Mit verengten Augen beobachtete ich mein Gegenüber. Ich wehrte einen weiteren An-griff ab und riss die Augen auf. Da war sie – die Schwachstelle. Das Ungeheuer hielt den Arm dicht an der Seite und holte damit nur zögerlich aus. Unter dem letzten Rippenbogen lag der Bauchraum frei und ich konnte die zerfressenen Innereien erkennen. Das war unsere Chance. Es musste uns nur gelingen, ihn dazu zu bringen, dass er den linken Arm lang genug für einen Angriff hob.