Danny Nordens Heimlichkeiten - Patricia Vandenberg - E-Book

Danny Nordens Heimlichkeiten E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. Patricia Vandenberg ist die Begründerin von "Dr. Norden", der erfolgreichsten Arztromanserie deutscher Sprache, von "Dr. Laurin", "Sophienlust" und "Im Sonnenwinkel". Ohne ihre Pionierarbeit wäre der Roman nicht das geworden, was er heute ist. Das ist ja sehr interessant!« Nur mit Mühe unterdrückte Janine Merck einen Stoßseufzer. Seit geraumer Zeit stand ein gut gekleideter Mann vor ihr am Tresen und redete unentwegt auf sie ein. Als ihr Chef Dr. Daniel Norden zu ihnen trat, sandte sie ihm einen hilfesuchenden Blick. »Wenn Sie wollen, erkläre ich Ihnen das bei einem Abendessen genauer«, erwiderte der Pharmareferent Sebastian Klotz und lächelte Janine strahlend an. Obwohl sich der Mann noch gar nicht bei Dr. Norden vorgestellt hatte, wusste der Arzt sofort, dass es sich nur um den Vertreter einer medizinischen Firma handeln konnte. Das erkannte er an dem festgefrorenen Lächeln, das der Besucher mit der ledernen Aktentasche auch nach halbstündiger Wartezeit noch an den Tag legte. Inzwischen waren Besuche dieser Art seltener geworden. Das lag an den Verträgen, die die Krankenkassen mit den Medikamentenfirmen abschlossen. Doch hin und wieder versuchte trotzdem einer der Herren sein Glück bei dem Allgemeinmediziner. Allerdings war sich Daniel Norden nicht ganz sicher, ob Sebastian Klotz' oberstes Interesse wirklich dem Vertrieb seiner Produkten galt. Vielmehr hatte er den Eindruck, dass der Referent es auf die hübsche, mädchenhafte Assistentin Janine Merck abgesehen hatte. Ihr hilfesuchender Blick mahnte Daniel, sie endlich zu befreien. »Guten Tag, Herr Klotz«, sprach er den Mann an, der Janine förmlich mit Blicken verschlang. »Mein Name ist Daniel Norden. Sie wollten mich sprechen?«

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Seitenzahl: 111

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Dr. Norden – 86 –Danny Nordens Heimlichkeiten

Patricia Vandenberg

Das ist ja sehr interessant!« Nur mit Mühe unterdrückte Janine Merck einen Stoßseufzer. Seit geraumer Zeit stand ein gut gekleideter Mann vor ihr am Tresen und redete unentwegt auf sie ein. Als ihr Chef Dr. Daniel Norden zu ihnen trat, sandte sie ihm einen hilfesuchenden Blick.

»Wenn Sie wollen, erkläre ich Ihnen das bei einem Abendessen genauer«, erwiderte der Pharmareferent Sebastian Klotz und lächelte Janine strahlend an.

Obwohl sich der Mann noch gar nicht bei Dr. Norden vorgestellt hatte, wusste der Arzt sofort, dass es sich nur um den Vertreter einer medizinischen Firma handeln konnte. Das erkannte er an dem festgefrorenen Lächeln, das der Besucher mit der ledernen Aktentasche auch nach halbstündiger Wartezeit noch an den Tag legte.

Inzwischen waren Besuche dieser Art seltener geworden. Das lag an den Verträgen, die die Krankenkassen mit den Medikamentenfirmen abschlossen. Doch hin und wieder versuchte trotzdem einer der Herren sein Glück bei dem Allgemeinmediziner. Allerdings war sich Daniel Norden nicht ganz sicher, ob Sebastian Klotz‘ oberstes Interesse wirklich dem Vertrieb seiner Produkten galt. Vielmehr hatte er den Eindruck, dass der Referent es auf die hübsche, mädchenhafte Assistentin Janine Merck abgesehen hatte. Ihr hilfesuchender Blick mahnte Daniel, sie endlich zu befreien.

»Guten Tag, Herr Klotz«, sprach er den Mann an, der Janine förmlich mit Blicken verschlang. »Mein Name ist Daniel Norden. Sie wollten mich sprechen?«

Der Pharmareferent hatte ihn nicht kommen gehört und fuhr erschrocken herum.

»Oh, hallo Herr Dr. Norden«, stammelte er verlegen und streckte Daniel die Hand hin. »Mein Name ist Sebastian Klotz«, wiederholte er überflüssigerweise.

»Das hat mir meine Assistentin bereits gesagt«, klärte Daniel ihn milde lächelnd auf. »Was kann ich für Sie tun?«

»Vielleicht könnten Sie …«, Sebastian sah wieder zu Janine hinüber, »… ich meine … Ihre Assistentin ist bezaubernd. Vielleicht könnten Sie ein gutes Wort für mich einlegen.«

»Habe ich mich nicht deutlich ausgedrückt?«, fuhr Janine ungehalten dazwischen, und auch Daniel war über diese Dreistigkeit erstaunt.

»Sie sind doch bestimmt aus geschäftlichen Gründen hier, nicht wahr?«, erinnerte er den Vertreter fast streng.

Sebastian Klotz nickte mit Nachdruck.

»Ja, natürlich. Ich habe ein paar sagenhafte Medikamente zur Behandlung von Hepatitis C für Sie im Gepäck. Es handelt sich um einen völlig neuen Therapieansatz mit hochmodernen Wirkstoffen. Die Präparate haben wesentlich weniger Nebenwirkungen als die bisher eingesetzten Mittel.«

Er hielt inne, um Atem zu schöpfen.

Diese Gelegenheit nutzte Janine, um sich zu rechtfertigen.

»Ich will wirklich nicht mit diesem Herrn zum Essen gehen«, versicherte sie in Richtung ihres Chefs. »Und das liegt nicht nur an Wendys köstlichen Sandwiches von heute Mittag.«

Dr. Norden wusste, was seine Assistentin damit andeuten wollte. Auch er schätzte solche Einladungen ganz und gar nicht, und Janine wollte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, seine Anweisungen zu ignorieren.

»Bitte entschuldigen Sie, Frau Merck.« Sebastian Klotz sah Janine flehend an, während Wendy, die am Schreibtisch nebenan saß, die Augen verdrehte. »Ich wollte Ihnen wirklich nicht zu nahe treten.«

»Warum verstehen Sie dann die Bedeutung des Wörtchens »nein« nicht?«

In diesem Moment konnte sich die langjährige Assistentin von Dr. Norden nicht mehr zurückhalten. Sie war um einige Jahre älter als Janine, eine aparte Erscheinung, die aber mit Sicherheit nicht in das Beuteschema des Vertreters fiel.

»Wenn Sie wollen, gehe ich mit Ihnen essen«, machte Wendy sich einen Spaß daraus, ihn in Verlegenheit zu bringen.

»Oh!« Schlagartig entgleisten Herrn Klotz die Gesichtszüge, und es gelang ihm nicht, seinen Widerwillen zu verbergen.

Wendy registrierte es belustigt.

»Ich kenne ein schickes kleines Restaurant ganz in der Nähe. Wenn ich mich nicht irre, hat der Koch soeben einen Stern bekommen.«

Sebastian Klotz räusperte sich und starrte verlegen auf seine blank geputzten Schuhspitzen.

»Ich glaube, Ihr Chef heißt das nicht gut.«

»Das ist allerdings richtig«, erklärte Daniel, wurde aber von Ja­nine unterbrochen. Ihre Augen funkelten wütend.

»Ach, das ist ja interessant. Und warum haben Sie es dann bei mir versucht?«

»Weil … na ja … ich …« Sebastian Klotz fehlten die Worte. In seiner Not konzentrierte er sich wieder auf den Grund seines Besuchs. Er bückte sich und öffnete den Aktenkoffer. Mit beiden Händen griff er hinein und drückte Daniel Norden kurzerhand ein paar Schachteln seines neuen Arzneimittels in den Arm. »Hier, bitteschön. Probieren Sie es aus. Ich lasse Ihnen meine Karte da. Wenn Sie überzeugt sind, melden Sie sich bei mir. Ja?« Plötzlich schien er es eilig zu haben. »Auf Wiedersehen, die Herrschaften.«

Hastig legte Sebastian Klotz eine Visitenkarte auf den Tresen und verließ dann fluchtartig die Praxis.

Ungläubig starrten ihm Janine, Wendy und nicht zuletzt Daniel nach. Als die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, brachen sie gleichzeitig in amüsiertes Gelächter aus.

»Bitte nehmen Sie diese Medikamente ins Verzeichnis auf und verstauen Sie sie im Medikamentenschrank«, bat Dr. Norden seine Assistentin Wendy, als er sich von seiner Verwunderung erholt hatte. Dann wandte er sich ab, um kopfschüttelnd ins Wartezimmer zu gehen und den nächsten Patienten aufzurufen.

*

Zurück im Sprechzimmer, setzte er sich an seinen Schreibtisch und klappte die Patientenkarte von Michael Ostermann auf. Der ältere Herr hatte ihm gegenüber Platz genommen und sah seinen Arzt aufmerksam an.

»Wie fühlen Sie sich heute?«, richtete Dr. Norden seine Aufmerksamkeit schließlich auf seinen langjährigen Patienten, der nach einer überstandenen Grippe seit einiger Zeit unter unerklärlichen Erschöpfungszuständen litt. Verschiedene Versuche, um das Immunsystem zu stärken, hatten keine wirkliche Besserung gebracht.

»Ich will ja wirklich nicht jammern, Herr Doktor«, begann Herr Ostermann, zurückhaltend, wie es seine Natur war. »Aber seit ein paar Tagen hab ich jetzt auch noch so einen schrecklichen Juckreiz. Ich könnte mich die ganze Zeit nur kratzen.«

Diese neue Entwicklung alarmierte Dr. Norden.

»Darf ich mir das mal ansehen?«, bat er den älteren Herrn und begleitete ihn ins Behandlungszimmer. Michael Ostermann machte seinen Oberkörper frei, dabei stöhnte er leise auf. »Haben Sie Schmerzen?«, erkundigte sich der Arzt besorgt.

»Langsam muss ich mich wohl an den Gedanken gewöhnen, dass ich alt werde«, seufzte der Rentner. »Jetzt krieg ich auch noch Gicht oder Rheuma oder wie das Zeugs alles heißt.«

»Na na, Sie dürfen die Flinte nicht gleich ins Korn werfen«, versuchte Daniel, ihm Mut zu machen. »Manchmal macht das Leben es uns nicht leicht. Dafür gibt es aber auch immer wieder Licht am Ende des Tunnels.«

»Hoffentlich ist der Tunnel nicht mehr so lang«, entfuhr es Michael, und Daniel lachte.

»Solange Sie Ihren Humor noch nicht verloren haben, gibt es noch Hoffnung«, versprach er feierlich. Er hatte die körperliche Untersuchung beendet, ohne jedoch einen Hautausschlag festgestellt zu haben, der für den Juckreiz verantwortlich sein konnte. »Wann haben wir denn bei Ihnen das letzte Blutbild gemacht?«, dachte Daniel laut nach, als er wieder am Schreibtisch vor dem Bildschirm saß. Er tippte den Namen seines Patienten ein und studierte die Untersuchungen der vergangenen Jahre.

»Keine Ahnung.« Ratlos zuckte Michael Ostermann mit den Schultern und grinste verschmitzt. »Sehen Sie! Alzheimer bekomm ich auch schon. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann Sie mir das letzte Mal Blut abgezapft haben. Dabei hasse ich das wirklich.«

»Dann tut es mir wirklich leid, dass ich Ihnen diese Prozedur nicht ersparen kann«, bedauerte Daniel und lächelte Herrn Ostermann zuversichtlich zu. »Aber ich möchte Sie bitten, hinüber ins Zimmer 3 zu gehen, damit wir gleich Blut abnehmen und ins Labor schicken können.«

»Das ist die Höchststrafe!«, verkündete Michael Ostermann, zwinkerte dabei aber vergnügt mit den Augen, um seinem bemühten Arzt sein Einverständnis zu signalisieren. Er stand auf und reichte Dr. Norden die Hand. »Ich würd ja gern sagen, dass ich mich freue, Sie gesehen zu haben. Aber das wäre dann eine glatte Lüge.«

Daniel lachte, als er ihn zur Tür brachte.

»Sie schaffen das schon!«, versprach er. »Sowohl Janine als auch Wendy haben Zauberhände. Sie werden sich noch wünschen, jeden Tag zur Blutabnehme kommen zu dürfen.«

An der Tür drehte sich Herr Ostermann noch einmal um.

»Sie sind mir schon so einer, Herr Doktor. Arbeiten mit allen Tricks!« Dann verabschiedete er sich fürs Erste und ließ Daniel nachdenklich und eine Spur besorgt zurück. Noch wusste er nicht, was hinter Michael Ostermanns Symptomen steckte, und er konnte nur hoffen, dass sich seine Befürchtungen nicht bewahrheiteten.

*

»Wo bleibt er nur?« Ratlos stand Danny Nordens Freundin Tatjana in der Küche ihrer Ersatzfamilie. Ein Schneidbrett lag vor ihr, und sie schnitt Karottenstifte für eine Rohkostplatte, die Fee zum gemeinsamen Abendessen reichen wollte. An diesem Abend hatte die gute Seele der Familie Norden, die Haushälterin Lenni, frei, sodass sich die Damen des Hauses selbst mit der Zubereitung der Mahlzeit beschäftigten. »Ich bin ja wirklich ein selbstständiger Mensch. Aber in letzter Zeit sehe ich Danny nur noch zwischen Tür und Angel. Oder gar nicht mehr. Das ist mir echt zu wenig.« Energisch holte Tatjana mit dem Messer aus und teilte das Gemüse mit einem heftigen Schlag. »Mal abgesehen davon, dass wir heute bei meinen Freunden eingeladen sind, die morgen heiraten. Die Hochzeit hat Danny sowieso schon abgesagt.«

»Ui, du bist ja richtig wütend, was?«, stellte Felicitas mit belustigtem Blick auf Tatjanas Schneidbrett fest. »Hab ich ein Glück, nicht als Karotte geboren worden zu sein.«

»Keine Angst. Zu dir wär ich netter«, bemerkte Tatjana unwillig und ohne ein Lächeln.

»Wer heiratet denn?«, versuchte Fee, sie von ihrem Ärger abzulenken.

»Ein Freund, der im Labor der Behnisch-Klinik arbeitet. Ist das nicht ein Zufall?«, ging Tatjana bereitwillig auf Fees Manöver ein. »Und wie könnte es anders sein: Er ehelicht eine Ärztin. Wenn ich mich nicht irre, ist Janine aus der Praxis auch eingeladen. Sie hat ja in der Klinik als Krankenschwester gearbeitet und kennt Oliver und Natascha auch.«

»Natascha?«, hakte Felicitas interessiert nach. Sie kannte eine Natascha aus der Pädiatrie, wo sie ihr Praktikum im Rahmen ihrer Fortbildung zur Fachärztin machte. »Meinst du etwa Natascha Nitz?«

»Du kennst sie?«

»Flüchtig. Sie ist eine Kollegin. Aber ich hätte nie gedacht, dass die mal heiratet. Sie scheint nicht der Typ für die Ehe zu sein. Zumindest macht sie einen sehr progressiven Eindruck.«

»Manchmal muss eben nur der richtige Mann kommen, der den wilden Drachen zu zähmen versteht«, erklärte Tatjana versonnen, und unvermittelt waren sie wieder beim eigentlichen Thema angelangt. »Sag mal, wie war das eigentlich damals bei dir und Daniel? Hat er dich auch so oft allein gelassen oder ist spät nach Hause gekommen?«

Fee, die gerade eine Paprikaschote von den Kernen befreit hatte, hielt in ihrer Arbeit inne und dachte nach. Lange zurückliegende Erinnerungen ließen ihre ungewöhnlich violetten Augen verschwimmen.

»Nicht nur fast jeden Abend, sondern auch oft am Wochenende. Das hat sich erst geändert, als ich in die Praxis eingestiegen bin.« Sie leerte die Gemüseabfälle in die Kompostschale und begann dann, die appetitlich gelbe Paprikaschote in Streifen zu schneiden.

Tatjana grinste schief.

»Das ist ja bei mir schwer möglich. Ich könnte höchstens den Patienten die Wartezeit versüßen und sie mit den Werten der geistigen und materiellen Kultur des Orients vertraut machen.« Versonnen dekorierte Tatjana die Karottenstifte auf der Platte und machte sich dann daran, den Kräuterquark zuzubereiten. Das Brot, das zu dieser gesunden Leckerei gereicht werden sollte, lag schon im Ofen und verströmte einen appetitanregenden Duft.

»Hast du schon mal überlegt, was du mit diesem Studium überhaupt anfangen willst?«, hakte Felicitas nach. Diese Frage war ihr schon öfter in den Sinn gekommen. Gestellt hatte sie sie jedoch noch nie.

Tatjana seufzte tief.

»Als ich mit meinem Vater im Orient war, war mir sonnenklar, dass ich eines Tages als Wissenschaftlerin arbeiten möchte. Aber seit ich wieder in Deutschland bin und Danny kenne, bin ich mir immer weniger sicher, ob das wirklich mein Weg ist.«

»Was würde dich denn glücklich machen?« Der Ofen piepste, und Fee ging hinüber, um das Brot herauszuholen, ehe es verbrannte. »Hmm, das ist uns wirklich gut gelungen.«

»Vielleicht sollte ich Ärztin werden. Dann könnte ich mit Danny zusammen arbeiten«, spann Tatjana den Gedanken unterdessen weiter.

Teile der knusprigen Kruste sprangen über die Arbeitsplatte, als Felicitas es in dicke Scheiben schnitt und in den Brotkorb legte.

»Oder aber du gewöhnst dich daran, dass Danny wenig Zeit hat.«

»Das muss ich, glaub ich, nicht«, tat Tatjana ihre Hoffnung kund und zwickte Dési, die hungrig in die Küche gekommen war, zärtlich in die Wange. »Bestimmt geht diese Zeit vorbei, und dann hat Danny wieder Zeit für mich und seine Familie. Nicht wahr?«, fragte sie das Mädchen.

»Na klar. Was täte er denn auch ohne uns? Ein Mann ohne Familie ist doch wie Tomatensauce ohne Tomaten«, gab Dési keck zurück.

Einen Moment lang starrte Tatjana das Mädchen überrascht an. Dann brach sie in schallendes Gelächter aus.

»Das ist die richtige Einstellung. Die musst du jetzt nur noch den Männern beibringen.«

Die Essensvorbereitungen waren inzwischen beendet. Obwohl bisher weder Danny noch sein Vater anwesend waren, versammelte sich der Rest der Familie um den Tisch. Hungern wollte keiner, auch wenn das Essen mehr Spaß machte, wenn alle zusammen waren.

*

»So, ich bin fertig für heute!«, verkündete Danny Norden triumphierend, als er seinen Vater am frühen Abend am Tresen der Praxis antraf. Da nur noch eine Patientin im Wartezimmer saß, war auch Janine schon nach Hause gegangen, und Wendy hielt die Stellung.

»Ich muss noch Frau Scharnagel verarzten. Dann darf ich auch heim«, erklärte Daniel und sah auf die Uhr. »Zeit wird’s.« Er unterdrückte ein Gähnen. Der Tag war lang und anstrengend gewesen. Und auch, wenn sie an diesem Mittag in den Genuss von Wendys selbstgemachten herrlichen Käse-Sandwiches gekommen waren, hatte er langsam Hunger.