Dark Land 37 - Horror-Serie - Rafael Marques - E-Book

Dark Land 37 - Horror-Serie E-Book

Rafael Marques

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Beschreibung

Wild zuckender Fackelschein erhellte die Finsternis. Der Gang, durch den die kleine Gruppe schritt, war gut vier Meter hoch und mindestens ebenso breit. An den in den nackten Fels geschlagenen Wänden zeichneten sich seltsame Symbole ab. Es waren magische Zeichen, die sich sogar leicht zu bewegen schienen, sobald sie von dem Licht des Feuers erfasst wurden.
Der Vampir, der seit geraumer Zeit die Führung übernommen hatte, spürte ihre Ausstrahlung. Einerseits war die Magie ihm feindlich gesinnt, andererseits sagte sie ihm aber auch, dass sie auf dem richtigen Weg waren ...

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Seitenzahl: 138

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhalt

Cover

Impressum

Was bisher geschah

Tödliche Rückkehr

Leserseite

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

»Geisterjäger«, »John Sinclair« und »Geisterjäger John Sinclair« sind eingetragene Marken der Bastei Lübbe AG. Die dazugehörigen Logos unterliegen urheberrechtlichem Schutz. Die Figur John Sinclair ist eine Schöpfung von Jason Dark.

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Timo Wuerz

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-6298-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Was bisher geschah

Die Hauptpersonen dieses Romans sind:

Lieutenant Bella Tosh: Ermittlerin der Abteilung Delta

Sergeant Kajahn: Bellas Partner in der Abteilung Delta

Sam Tosh: Bellas Bruder

Clarissa Statesboro: Leiterin der Abteilung Delta

Johnny Conolly hat seine Mutter verloren. Sie wurde von einem Schnabeldämon brutal ermordet. Als dieser Dämon durch ein Dimensionstor flieht, folgt Johnny ihm.

Kurz darauf wird das Tor für immer zerstört, sodass es für Johnny keine Möglichkeit zur Rückkehr gibt. Das Dimensionstor spuckt ihn schließlich wieder aus – in einer anderen Welt. Er ist in Dark Land gelandet, genauer gesagt in Twilight City, einer Stadt voller Geheimnisse.

Menschen und Dämonen leben hier mehr oder weniger friedlich zusammen, und doch ist Twilight City voller Gefahren. Die Stadt ist zudem von einem dichten Nebelring umgeben, den kein Einwohner jemals durchbrochen hat. Niemand weiß, was hinter den Grenzen der Stadt lauert …

In dieser unheimlichen Umgebung nennt sich Johnny ab sofort Wynn Blakeston – für den Fall, dass irgendjemand in Twilight City mit seinem Namen John Gerald William Conolly etwas anfangen kann und ihm möglicherweise Übles will. Schließlich wimmelt es hier von Dämonen aller Art – und die hat Wynn in seiner Heimat immer bekämpft.

Wynn findet heraus, dass der Schnabeldämon Norek heißt und skrupelloser und gefährlicher ist als alle seine Artgenossen, die sogenannten Kraak.

Als Wynn wegen eines unglücklichen Zwischenfalls zu einer langen Haftstrafe verurteilt wird, zahlt der geheimnisvolle Sir Roger Baldwin-Fitzroy das Bußgeld und nimmt ihn in bei sich auf – warum, das weiß Wynn nicht.

Er lernt Sir Rogers Tochter Abby und seinen Diener Esrath kennen, die auch in Sir Rogers Villa leben. Er freundet sich mit Abby an, sie wird schon bald zu seiner engsten Vertrauten in dieser mysteriösen Welt.

Was Wynn nicht ahnt: Auch sein geheimnisvoller Gönner hat noch eine Rechnung mit dem Dämon Norek offen. Als es Sir Roger schließlich gelingt, Norek zu schnappen, liefert er den Kraak dem Wissenschaftler Dr. Shelley aus, der gleichzeitig Leiter des Sanatoriums Dead End Asylum im Deepmoor ist. Dieser verpflanzt Noreks Gehirn in einen anderen Körper und sperrt den Kraak in seinem Sanatorium ein.

Sir Roger aber präsentiert Wynn Noreks toten Körper, sodass der glaubt, der Kraak wäre für immer besiegt.

Doch einen Ausweg aus Dark Land scheint immer noch in weiter Ferne, und Wynn muss sich mit dem Gedanken anfreunden, dass sein Aufenthalt in dieser Welt wohl noch länger andauern wird. Mit der Hilfe von Abby, die inzwischen herausgefunden hat, dass ihre verstorbene Mutter Matilda Fitzroy eine Hexe war, hat er einen Job beim Twilight Evening Star ergattert, der größten Zeitung von TC. Als man dort erkennt, dass er für Größeres bestimmt ist, steigt er vom Archivar zum Reporter auf.

Und schon bald stellt Wynn fest, dass noch ganz andere Aufgaben in TC auf ihn warten …

So gelingt es ihm, TC von dem so genannten »Richter« zu befreien, einem riesigen, schlangenartigen Wesen, das TC in regelmäßigen Abständen mit seinen Jägern heimgesucht hat.

Bei seiner Vernichtung warnt der Richter Wynn vor einer drohenden Gefahr, und Wynn fragt sich, ob das etwas mit dem geheimnisvollen weißen Schiff zu tun hat, das vor einiger Zeit wie aus dem Nichts im Hafen aufgetaucht ist und auf dem immer wieder Bewohner der Stadt spurlos verschwinden.

Kurz darauf bricht der Winter über TC herein – was in dieser Stadt sehr ungewöhnlich ist, die meisten Bewohner haben noch nie Schnee gesehen. Und tatsächlich bringt das Schneechaos eine Seuche mit sich, der auch Abby zum Opfer fällt. Gerade noch rechtzeitig gelingt es Wynn & Co., Abby zu retten und ein Gegenmittel aufzutreiben.

Doch damit ist die Gefahr für TC noch lange nicht gebannt. Die Dämonen des Weißen Schiffs stellen eine unbestimmte Bedrohung für die Stadt dar. Und schließlich gelingt es Wynn und Abby, was kein Bewohner von TC zuvor geschafft hat: Sie verlassen die Stadt und gelangen in die Welt, aus der das geheimnisvolle Schiff stammt.

Und auch Bella und Kajahn haben einen Weg raus aus TC gefunden. Nachdem die fünf Dämonen das Weiße Schiff verlassen haben, machen die beiden sich auf den Weg zu dem sagenumwobenen Ort Sgoth, um dort das Geheimnis der Dämonen zu lüften. Sie ahnen nicht, welchen Gefahren sie sich dort aussetzen …

Und auch Wynn und Abby geraten in der fremden Welt, in der offenbar mysteriöse Doppelgänger der TC-Bewohner leben, in Schwierigkeiten.

Niemand weiß, ob die vier jemals wieder heil nach TC zurückkehren werden …

Tödliche Rückkehr

von Rafael Marques

Wild zuckender Fackelschein erhellte die Finsternis. Der Gang, durch den die kleine Gruppe schritt, war gut vier Meter hoch und mindestens ebenso breit. An den in den nackten Fels geschlagenen Wänden zeichneten sich seltsame Symbole ab. Es waren magische Zeichen, die sich sogar leicht zu bewegen schienen, sobald sie von dem Licht des Feuers erfasst wurden.

Der Vampir, der seit geraumer Zeit die Führung übernommen hatte, spürte ihre Ausstrahlung. Einerseits war die Magie ihm feindlich gesinnt, andererseits sagte sie ihm aber auch, dass sie auf dem richtigen Weg waren.

Als Blutsauger benötigte er normalerweise kein Licht, um sich in der Dunkelheit zu orientieren. Es diente lediglich dazu, den Menschen, die sie begleiteten, die Umgebung zu erhellen. Zumindest sollte das so sein. In diesem Fall jedoch war alles anders. Um ihn herum war es tatsächlich stockfinster. Nicht einmal sein Augenlicht war in der Lage, diese Schwärze zu durchdringen …

Zwischen seinen Fingern hielt der Vampir eine uralte, aus Pergamentpapier bestehende Karte. Die scheinbar mit schwarzer Farbe niedergeschriebenen Zeichen waren in stetiger Bewegung. Zumindest wirkte es im Fackelschein so.

Tatsächlich handelte es sich dabei um das Blut eines Wesens, das schon sehr lange als tot galt. Immer wieder verformten sich die in der alten Schrift niedergeschriebenen Wörter in ein Gesicht. Das Gesicht einer Frau.

Sam Tosh lächelte jedes Mal, wenn er das Antlitz betrachtete. Es hatte kaum Konturen. Die Frau, die er suchte, war und blieb ein Phantom. Es existierten keine Bilder von ihr, auch keine genauen Beschreibungen ihres Äußeren. Lediglich ihre atemberaubende Schönheit wurde in den alten Dokumenten oft erwähnt.

»Wie lange soll das denn noch weitergehen?«

Sam Tosh verzog das Gesicht und drehte sich zu dem Fragenden um. Der Mann war gut einen Kopf kleiner als er. Mit seinen blonden, gelockten, mittellangen Haaren hätte er fast wie ein unschuldiger Jüngling gewirkt, wäre da nicht das ausgezehrte, faltenreiche Gesicht. Unter seinem dunkelbraunen Mantel trug er ein helles Rüschenhemd.

Mordecai Heflin war in der Szene für seine extravaganten Outfits bekannt. Vielleicht musste man sich so geben, um in einem Job wie seinem Erfolg zu haben.

Mordecai war Zuhälter, einer der mächtigsten der Stadt, besonders seit sein großer Konkurrent Szabo Brown, der vor einigen Monaten unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen war, ihm nicht mehr das Geschäft schwermachte. Zudem war er Mitglied des Deep-Red-Syndikats, in etwa das Gegenstück von Sams Organisation, welches fast ausnahmslos in der Tiefenstadt operierte.

Sein Gegenüber mochte auf seinem Gebiet ein mächtiger Mann sein, für Sam war er jedoch nur Mittel zum Zweck. Bezeichnend war, dass Mordecai davon nicht einmal etwas ahnte. Wahrscheinlich hatten ihm die Blutegel, denen er vollkommen verfallen war, schon zu viel Intelligenz herausgesaugt, als dass er noch in der Lage gewesen wäre, das Offensichtliche zu bemerken.

Er diente Sam lediglich als Lieferant. Seine Männer hatten einige Zeit gebraucht, um fünf zwanzig Jahre alte Jungfrauen aufzutreiben, die nun von Sams vampirischen Helfern an Eisenketten durch den dunklen Schacht geführt wurden. Genau dieses Alter mussten sie haben, das verlangten die alten Schriften. Von wem sie stammten, wusste selbst Sam nicht, aber letztendlich war es ihm auch egal. Was zählte, war das Resultat.

»Gedulde dich noch ein wenig, mein Freund«, erwiderte er. Seine Stimme klang zunächst sanft, hatte aber einen scharfen Unterton. Er konnte es nicht leiden, wenn jemand wie ein kleines Kind zu quengeln begann.

Sam hatte Mühe, sich unter Kontrolle zu halten. So gut er auch schauspielern konnte, seine Unbeherrschtheit hatte ihm schon einige Male große Probleme bereitet. Vielleicht, so dachte er manchmal, hätte seine Schwester bis heute nichts von dem erfahren, was er getan hatte.

Es half nichts, darüber nachzudenken. Er war hier, und er musste das Grab finden, nach dem er jetzt schon seit Stunden suchte. Die alten Aufzeichnungen hatten ihn in einen entlegenen Bereich der Tiefenstadt geführt. Bis sie diesen Tunnel gefunden hatten, war Mordecai Heflin ihm durchaus auch als Führer behilflich gewesen. Den letzten Teil des Weges bis zu seinem Ziel musste er selbst finden.

»Geduld ist nicht unbedingt meine Stärke, Sam«, gab Mordecai hechelnd zurück. »Und lange Märsche sind es auch nicht.«

Du kannst gleich erleben, wie viel Geduld ich habe, dachte sich Sam Tosh, sprach es aber nicht aus. Stattdessen sagte er: »Wir haben es bald geschafft.«

»Das will ich auch hoffen.«

Mach dir keine Gedanken, dachte er sich. Es wird der letzte Marsch in deinem Leben sein.

Je tiefer sie in den offenbar künstlich in den Untergrund geschlagenen Stollen traten, desto greifbarer wurde die Anwesenheit einer mächtigen Magie. Nicht umsonst hatten seine Vorfahren einen derartigen Aufwand betrieben, die Frau, die er suchte, hier unten zu verstecken. Niemand sollte sie je wieder aus ihrem Grab befreien. Doch das sollte sich an diesem Tag ändern.

Sam drehte sich noch einmal zu dem Zuhälter um und bedachte ihn mit einem vielsagenden Blick. Seine sechs Vampire hielten die Jungfrauen, die lediglich mit einigen Lumpen bekleidet waren, weiterhin unter Kontrolle. Eigentlich drohte von ihnen keine Gefahr, es sei denn, eine von ihnen war mehr als nur eine einfache Menschenfrau. Sam wusste das von sich selbst – seine Schwester hatte fast ihr ganzes Leben lang nicht gewusst, dass er zur Hälfte ein Vampir war.

Bella … seit das Weiße Schiff in den Fluten versunken und das Grauen über die Stadt hereingebrochen war, hatte er sie weder gesehen noch etwas von ihr gehört. Tot war sie jedoch nicht. Zumindest hoffte er das. Sie durfte nicht gestorben sein, nicht auf diese Weise. Nicht durch eine andere Hand als seine eigene.

Die Schwärze vor ihm verdichtete sich noch einmal. Zwischen den Wänden der Höhle zeichneten sich seltsame Gestalten ab. Waren es die Geister derjenigen, die einst das Grab errichtet hatten? In den alten Aufzeichnungen hieß es, dass man die armen Seelen, die damals mit dem Bau betraut gewesen waren, getötet hatte, damit sie niemals jemandem etwas über diesen Ort verraten konnten. Irgendwie waren diese Informationen aber schließlich doch in die falschen Hände geraten.

Die Geistererscheinungen verzogen sich wieder. Auch die Schwärze lichtete sich. Dafür sah er plötzlich eine steinerne Wand vor sich aufragen. Sie hatten also das Ende des Stollens erreicht.

»Na toll. Und jetzt?«, hörte er Mordecai Heflin rufen.

Was der Zuhälter dachte, war Sam egal. Er musste sich um sich selbst kümmern. Und das hieß zunächst einmal, dieses Hindernis zu überwinden. Einer seiner Diener trug Schießpulver, Dynamit und Handgranaten mit sich. Genug, um ein ganzes Haus in Schutt und Asche zu legen. Aber konnte er es wirklich riskieren, etwas davon hier unten zu zünden? Schließlich war es auch möglich, dass er sich damit sein eigenes Grab schaufelte.

Möglicherweise war das Pergamentpapier in seinen Händen eine Chance. Den Aufzeichnungen nach war es eine Art Totenbild der hier begrabenen Frau. Ihre Peiniger hatten es magisch aufgeladen und es ihr, schon im Grab liegend, aufs Gesicht gepresst. So war auch ihr Blut auf das Material gelangt.

Als er das Papier betrachtete, erlebte er mit, wie sich die Zeichen erneut zu einem weiblichen Gesicht zusammenzogen. Die Lippen verformten sich zu einem Lächeln, und Sam lächelte zurück.

»Ich komme«, flüsterte er so leise, dass niemand sonst ihn verstehen würde.

Sehr langsam trat er vor. In diesem Bereich lag die Höhlendecke noch weiter über ihm. Den Fackeln gelang es gerade noch, sie aus der Dunkelheit zu reißen.

Sam konzentrierte sich so sehr auf das Gestein über ihm, dass er nur aus den Augenwinkeln bemerkte, wie sich das Gesicht der Frau zu einer Fratze des Schreckens verformte. Der Vampir erstarrte, und das keine Sekunde zu früh. Direkt unter ihm öffnete sich der Höhlenboden. Sam warf sich zurück, während vor ihm spitze Zähne aus dem Untergrund schossen. Etwas spritzte von ihnen ab und traf das Gestein der Höhle, das von der säureartigen Flüssigkeit einfach weggeätzt wurde.

Um was auch immer es sich bei der Substanz handelte, sie trocknete innerhalb weniger Sekunden ein. Auch die bräunlichen Zähne, die von dem Unterkiefer eines riesigen Monsters zu stammen schienen, verharrten in ihrer Position.

Sam legte das Pergamentpapier ab, ließ auch das Gewehr mit dem langen, silbrigen Lauf von seiner Schulter rutschten und zog das dünne Schwert hervor, das er in einer Scheide auf seinem Rücken trug. Ohne einen Laut von sich zu geben, trat er vor und schlug zu.

Die Klinge schnitt wie durch Butter in das organische Material. Mit wenigen Schlägen gelang es ihm, eine mehrere Meter breite Lücke in die Zahnreihe zu reißen. Das dunkle Blut, das dabei hervorspritzte, bewies ihm, dass das Gebiss tatsächlich von einem lebenden Wesen stammte.

»Los jetzt, weiter!«, rief er seinen Männern zu.

Die Vampire trieben die Jungfrauen und auch Mordecai Heflin voran. Der Zuhälter wirkte zunehmend unsicher. Eigentlich hätte er schon misstrauisch werden müssen, als Sam ihm seine Bitte, doch einige seiner Männer mitnehmen zu dürfen, abgeschlagen hatte. Doch das Versprechen, sein Leben lang umsonst mit Blutegeln versorgt zu werden, hatte ihm alle Bedenken genommen.

Sam kümmerte sich nicht weiter um ihn. Sein Blick galt allein der Wand. Fast nebenbei steckte er das Schwert weg und sammelte sein Gewehr und das Pergament wieder auf. Das Gesicht der Frau zeigte jetzt wieder ein zufriedenes Lächeln.

Vorsichtig trat er noch weiter auf die Wand zu. Mit beiden Händen presste er das Pergament gegen das Gestein. Dabei folgte er allein einer Intuition. Wenn sie ihn täuschte, musste er es wohl doch mit Sprengstoff versuchen. Mit leeren Händen wollte und durfte er auf keinen Fall an die Oberfläche zurückkehren.

Das Totengesicht reagierte tatsächlich. Nur ganz anders, als er es sich erhofft hatte. Die weiblichen Züge lösten sich einfach auf und drangen in die Wand ein. Überrascht starrte er auf ein vollkommen leeres, jetzt wertlos gewordenes, altes Stück Papier.

»Nein«, flüsterte er.

Sein Gefühl hatte ihn also wirklich getäuscht. Jetzt musste er doch alles riskieren, um an das Grab heranzukommen. Mit etwas Glück half ihm sogar einer der magischen Steine, die in der Innentasche seiner Lederjacke steckten. Aber Glück schien gerade genau das zu sein, was ihm fehlte.

Ein Schrei fegte aus seiner Kehle. Wütend warf er das Pergamentpapier zur Seite. Seine Faust rammte gegen die steinerne Wand – und sprengte ein menschengroßes Loch in sie hinein.

Ungläubig starrte Sam auf seine Finger, von denen einige Gesteinsreste herabrieselten. Ja, er war stark, aber sicher nicht so stark, einfach so eine Felswand zu zerschlagen. Anscheinend war seine Aktion doch von Erfolg gekrönt gewesen. Die Magie in dem Pergament hatte die Mauer durchlässig werden lassen.

Sam schlug kein zweites Mal zu. Stattdessen ging er einfach vor. Das Gestein bot so gut wie keinen Widerstand mehr. Sobald er seinen Körper gegen die Masse drückte, zerfiel sie einfach. Nach wenigen Sekunden gelangte er auf die andere Seite.

Entgegen seinen Erwartungen war es im Inneren der Grabstätte nicht stockdunkel. Ein graues Licht erhellte die Wände und Teile des Tunnels, der einige Dutzend Meter weiter erneut in der Finsternis auslief. Der Schein hatte keinen natürlichen Ursprung. Er drang aus dem steinernen Sarg, der sich direkt vor ihm auf einem kleinen Hügel befand.

Sam grinste zufrieden. Endlich hatte er das Grab der großen Vampirin Dara Belgin gefunden!

***

Fast schon ehrfürchtig trat Sam Tosh näher an den steinernen Sarg heran. Er war ungefähr so groß wie der eines Menschen. Ursprünglich hatte er damit gerechnet, mit einem mehrere Meter langen Sarkophag konfrontiert zu werden. Das war jedoch nicht der Fall. Wahrscheinlich hatte er sich von den hochtrabenden Aufzeichnungen doch in die Irre führen lassen.