Das Elixier der Verwandlung - Frank Krause - E-Book

Das Elixier der Verwandlung E-Book

Frank Krause

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Beschreibung

Viele christliche Kreise wünschen sich eine Erneuerung der Gemeinde und des geistlichen Lebens, häufig jedoch mit der Vorstellung, dies sei schmerzlos zu haben. Sie denken, für Gott sei es doch ein Kleines, die gewünschten Heilungen, Befreiungen und Veränderungen zu vollbringen. Dagegen finden wir in der Bibel immer wieder, dass Gott Menschen zunächst unerklärliche und schwierige Wege führt, damit sie ihre falsche Identität (Masken und Rollen, Muster und Prägungen) ablegen können. Der Heilige Geist will uns in die Tiefe unseres Wesens führen, um uns die Wahrheit über uns selbst und ebenso über Christus zu offenbaren. In der Auflösung unserer alten Natur und Entfaltung einer neuen Schöpfung erfahren wir etwas von dem „Elixier der Verwandlung“. Dieses wird uns von Gott wie ein „Stärkungstrank“ mitten im Leid gereicht und hilft uns, eine solche Wesensveränderung zu erleben und zu verkraften. Psalm 18, in dem der Abstieg und Aufstieg Davids drastisch beschrieben wird, dient den Autoren dabei als Grundlage dieses Prozesses, den Christen verstehen sollten, um im Leid nicht liegenzubleiben oder aufzugeben.

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Frank & Brigitte Krause

Das Elixier der Verwandlung

VOM GEHEIMNIS DES LEIDENS

GLORYWORLD-MEDIEN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. E-Book-Auflage 2022

© 2013 Frank und Brigitte Krause

© 2013 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany, GloryWorld-Medien

Alle Rechte vorbehalten

Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, der Elberfelder Bibel, Revidierte Fassung von 1985, entnommen.Weitere Bibelübersetzung: Lutherbibel, Revidierte Fassung von 1956/64 [LUT]

Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst.

Lektorat/Satz: Manfred MayerUmschlaggestaltung: Kerstin & Karl Gerd Striepecke, www.vision-c.deFoto: istockphoto

ISBN (epub): 978-3-95578-179-8

ISBN (Druck): 978-3-936322-79-8

 

 

Inhalt

Vorwort

Einführung

Müssen Leiden sein? | Theologie des Leidens | Göttliche Transformation | Böse Leiden, gute Leiden | Verschiedene Kategorien von „spirituellen“ Leiden | Selbstverantwortung

1. Der Weg des Geliebten

Das Gewicht der Erfahrung | Reife Liebe kontra Egotrip | Selbsterlösung kontra Gottes Erlösung | Sammlung kontra Zerstreuung | Heiliges Nichtstun kontra Stress

2. Abstieg

Worum geht es eigentlich? | Wir feiern Kommunion | Die Sterbephasen: Nichtwahrhabenwollen, Zorn, Verhandeln, Depression, Akzeptanz | Kälte

3. Vom Schein zum Sein

Narzissmus | Der Sündenfall ist noch nicht beendet! | Zerbrochene Träume | Grenzerfahrungen | Der Geist über dem Chaos | Hinab zu den Wurzeln | Leer werden, um voll zu werden | Reinigung | Selbstlosigkeit | Götzen | Verlieren, um zu gewinnen

4. Weil er Gefallen an mir hat

Der Weg der Jüngerschaft | Ohne Liebe keine Befreiung | Ich, mich, meiner, mir – Herr, segne uns vier! | Wo wohnst du, Gott? | Wenn wir alles wissen, aber nichts erleben und Gott uns fern zu sein scheint | Gottes Reich und der Kirche Reich | Der Herr sieht auf das Herz, worauf sehen wir? | Barmherzigkeit | Frommer Stress | Wem gehört dein Herz? | Das Kreuz Christi

5. Wer ist Gott?

Buße | Glauben | Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist | Verschiedene Betrübnisse | Papier-Geistlichkeit | Identität | Domestizierte Spiritualität | Der Bund mit Gott | Ein reines Herz

6. Wendepunkte

Unser Kreuz auf uns nehmen | Erneuerung | Gegenwind | Der Preis der Veränderung | Ein anderer Krieg | Den Geist der Waisenschaft überwinden | Die Gegenwart Gottes praktizieren | Herrschaft à la Saul oder David | Offene Türen und neue Kraft | Ganze Sache machen | Eine neue Erfüllung

7. Erhöhung

Göttliche Alchemie | Alles zu seiner Zeit | Prinzip Teilhabe | Kultur der Unmündigkeit | Der Krieg um die Anbetung | Widerstand der Offiziellen

8. Das Erbe Davids

Das große Bild | Paradigmenwechsel | Erleuchtung | Der Prozess der Verwandlung | Vom Kriechen zum Fliegen

9. Achtet es für lauter Freude

Vollendung | Herrlichkeit | Harte Bandagen | Gnade | Der wunderbare Weg | Das Leben feiern | Erziehung der Gefühle | Die Schule der täglichen Achtsamkeit | Humor | Das Kölsche Grundgesetz

10. Anhang

Bibliographie | Buchempfehlungen | Über die Autoren

 

 

Wir widmen dieses BuchBrigitte Schmidt (1939–2008),einer großen Frau Gottes,die mit Leiden vertraut war,zu beten wussteund uns stets beigestanden hat.Wir danken ihr für alle Treue.

 

Vorwort

Das Herz allein kennt sein Leid,und auch in seine Freude kann sich kein Fremder mengen.

Sprüche 14,10 LUT

Nachdem wir in einem Alter sind, in dem wir über eine gewisse Lebenserfahrung verfügen, seit unserer Jugend bekehrt sind und unzählige Erfahrungen im nun jahrzehntelangen geistlichen Dienst gesammelt haben, fühlen wir uns gedrängt, etwas zum Thema „Leiden“ beizutragen. Wir kennen die einschlägige christliche Literatur und „moderne“ Predigt zum Thema: Darin werden Aspekte der Leiden, durch die wir alle gehen, seien es Krankheiten, Beziehungskrisen oder geistliche Prozesse, manches Mal in die Ecke der „Sünde“ verbannt, als Folge von Unglauben abqualifiziert oder anderweitig bagatellisiert, tabuisiert und beiseite geschoben, um mit einer „Alles-ist-gut“-Theologie aufzuwarten, die zwar viel „besucherfreundlicher“ ist, der Realität jedoch nicht gerecht wird – aber wen interessiert denn heute schon die Realität?

In allen christlichen Kreisen wird um Erneuerung der Gemeinde und des geistlichen Lebens gebetet, jedoch finden wir immer wieder die naive Vorstellung, dies sei schmerzlos zu haben. Manche Christen meinen, Gott brauche doch nur „mit dem Finger zu schnippen“ und die gewünschten Heilungen, Befreiungen und Veränderungen seien vollbracht. In aller Regel jedoch bleibt der „Schnipp“ aus und es gilt, einen Weg des Wachstums hinein in größere Freiheit, Kraft und Erneuerung zu gehen. Über diesen Weg machen wir uns im Folgenden Gedanken.

Die Wahrheit macht uns frei, heißt es in Johannes 8,31-32, jedoch braucht nichts mehr Mut als der vorbehaltlose Blick in den Spiegel der Wahrheit. Das Elixier der Verwandlung empfangen wir in der Tiefe unseres Wesens, wohin uns der Heilige Geist führt, um uns die Wahrheit über uns selbst und ebenso über Christus zu offenbaren. Es ist ein verborgener Ort, den unser Ego meidet, da es sich dort auflöst und wir die Freiheit und Leere finden, die es braucht, um sowohl die Gegenwart Christi zu erfahren als auch die Fülle Gottes aufzunehmen. Das Licht dieser Gegenwart definiert uns neu und der Reichtum der Fülle macht uns überfließend, wir kehren verwandelt aus der Tiefe zurück. Diese Erfahrung bezeichnen wir in diesem Buch als „Elixier“, weil sie uns eine so tiefgehende und kostbare Veränderung erleben lässt. In der Zerbrochenheit teilt sich uns auf eine geheimnisvolle Art eine Berührung mit der Wirklichkeit Gottes und mit uns selbst mit, die mit Worten schwer zu beschreiben, jedoch höchst wertvoll ist, da sie das Potential hat, uns tatsächlich zu verwandeln. Es ist in der Regel ein schmerzlicher Weg „durchs dunkle Tal“, welchen es zu gehen gilt, um dann in der Lage dazu zu sein, auf den lichten Berg zu gelangen. Darüber möchten wir schreiben.

Wir plädieren mit allem Nachdruck für eine ganzheitliche Betrachtung des Themas, welche die Vielschichtigkeit der Realität des Lebens, Menschseins und Christseins reflektiert. Wir haben erlebt, wie wir in tiefen Tälern und verzweifelten Situationen von vielen Christen abgeschrieben und fallen gelassen wurden. Kaum waren wir nicht mehr „oben auf“ und leistungsfähig, entsprachen nicht der „Norm“ und „Erwartung“ von gemeindlichen Strukturen und ihren Leitern, verlor sich das Interesse an uns. Über Nacht „erstarben“ Beziehungen, von denen wir geglaubt hatten, dass sie mehr gewesen seien als reine Gemeinde-Arbeitsbeziehungen. Ja, wir kennen die Enttäuschungen, „Verzweiflungen“ und schwierigen Fragen, die so etwas aufwirft. Wir haben die unsäglichen, naiven und manchmal heftig selbstgerechten Rat„schläge“ von wohlmeinenden Geschwistern erlebt, die so ganz an der Sache vorbeigingen. Und leider kennen wir auch so manche, die unter diesem Druck ganz vom Glauben abgefallen sind und mit anderen Christen nichts mehr zu tun haben wollen. Die Bitterkeit hat sie vergiftet, aber anderen ist in dem „Loch“, in das sie gefallen sind, einfach auch der „gesunde Menschenverstand“ wiedergekehrt, der vorsichtig gegenüber großen Versprechungen ist, die am Ende niemand halten kann.

Grundsätzlich gilt, dass das geistliche Leben und Wachstum ganz allgemein zu bestimmten Krisen führt, wie das Wachstum des natürlichen, physischen Lebens auch. Diese werden häufig nicht erkannt und in der Folge seelsorgerlich falsch eingeschätzt und „behandelt“. Bei vielen führt das zu einer solchen Lähmung in ihrem Christsein, dass sie weder in die Berufung ihres Lebens noch in die Fülle des Geistes, noch in die reife Fruchtbarkeit eines christozentrischen Dienstes hineinkommen. Das ist in unseren Augen eine große Tragödie, der wir mit diesem Buch begegnen wollen. Möge es bei vielen Lesern die blockierte Dynamik wieder in Gang bringen und Licht in die lange Dunkelheit bringen, in der sie ausgeharrt haben.

Wir folgen in diesem Buch dem Pfad Davids, wie er ihn im 18. Psalm beschreibt. David gibt uns darin tiefe Einblicke in den Weg, der zunächst „nach unten“ führt, jedoch gerade dort in den Leiden und Krisen den „Mann Gottes“ aus ihm machte, der Gott so nahekam, dass er die größten Rettungen und kostbarsten Verheißungen empfangen konnte, die wir uns nur vorstellen können.

Frank & Brigitte Krause

 

Psalm 18

Dem Chorleiter.Von dem Knecht des HERRN, von David,der die Worte dieses Liedes zum HERRN redete an dem Tag,als der HERR ihn gerettet hatte aus der Hand aller seiner Feindeund aus der Hand Sauls.

2 Und er sprach: Ich liebe dich, HERR, meine Stärke!

3 Der HERR ist mein Fels und meine Burg und mein Retter,mein Gott ist mein Hort, bei dem ich mich berge,mein Schild und das Horn meines Heils,meine hohe Feste.

4 „Gepriesen!“, rufe ich zum HERRN,so werde ich vor meinen Feinden gerettet.

5 Es umfingen mich Bande des Todes,und Bäche des Verderbens erschreckten mich.

6 Fesseln des Scheols umgaben mich,ich stand vor den Fallen des Todes.

7 In meiner Bedrängnis rief ich zum HERRN,und ich schrie zu meinem Gott.Er hörte aus seinem Tempel meine Stimme,und mein Schrei vor ihm drang an seine Ohren.

8 Da wankte und bebte die Erde,die Grundfesten der Berge erzitterten und wankten,denn er war von Zorn entbrannt.

9 Rauch stieg auf von seiner Nase,und Feuer fraß aus seinem Mund,glühende Kohlen brannten aus ihm.

10 Er neigte den Himmel und fuhr hernieder,und Dunkel war unter seinen Füßen.

11 Er fuhr auf einem Cherub und flog daher,so schwebte er auf den Flügeln des Windes.

12 Er machte Finsternis zu seinem Versteck rings um sich her,zu seiner Laube Wasserdunkel, dichtes Gewölk.

13 Aus dem Glanz vor ihm zogen seine Wolken vorübermit Hagel und Feuerkohlen.

14 Und der HERR donnerte im Himmel,und der Höchste ließ seine Stimme erschallenmit Hagel und Feuerkohlen.

15 Und er schoss seine Pfeile und zerstreute sie,er schleuderte Blitze und verwirrte sie.

16 Da wurden sichtbar die Betten des Wassers,und die Fundamente der Welt wurden aufgedecktvor deinem Schelten, HERR,vor dem Schnauben des Hauchs deiner Nase.

17 Er griff aus der Höhe, erfasste mich,zog mich heraus aus großen Wassern.

18 Er rettete mich vor meinem starken Feindund vor meinen Hassern,denn sie waren mächtiger als ich.

19 Sie ereilten mich am Tage meines Unglücks,aber der HERR wurde mir zur Stütze.

20 Und er führte mich heraus ins Weite,er befreite mich, weil er Gefallen an mir hatte.

21 Der HERR handelte an mir nach meiner Gerechtigkeit,nach der Reinheit meiner Hände vergalt er mir.

22 Denn ich habe die Wege des HERRN eingehaltenund bin von meinem Gott nicht gottlos abgewichen.

23 Denn alle seine Rechtsbestimmungen waren vor mir,und seine Ordnungen wies ich nicht von mir.

24 Auch war ich untadelig gegen ihnund hütete mich vor meiner Schuld.

25 So vergalt der HERR mir nach meiner Gerechtigkeit,nach der Reinheit meiner Hände vor seinen Augen.

26 Gegen den Treuen verhältst du dich treu,gegen den untadeligen Mann untadelig.

27 Gegen den Reinen zeigst du dich rein,gegen den Verkehrten aber verdreht.

28 Ja, du rettest das arme Volkund erniedrigst hochmütige Augen.

29 Ja, du lässt meine Leuchte strahlen.Der HERR, mein Gott, erhellt meine Finsternis.

30 Denn mit dir erstürme ich einen Wall,und mit meinem Gott überspringe ich eine Mauer.

31 Gott – sein Weg ist untadelig; des HERRN Wort ist lauter;ein Schild ist er allen, die sich bei ihm bergen.

32 Denn wer ist Gott außer dem HERRN?Und wer ist ein Fels als nur unser Gott?

33 Gott umgürtet mich mit Kraftund untadelig macht er meinen Weg.

34 Er macht meine Füße den Hirschen gleich,und stellt mich hin auf meine Höhen.

35 Er lehrt meine Hände das Kämpfenund meine Arme spannen den ehernen Bogen.

36 Und du gabst mir den Schild deines Heils,und deine Rechte stützte mich,und deine Herabneigung machte mich groß.

37 Du schaffst Raum meinen Schritten unter mir,und meine Knöchel haben nicht gewankt.

38 Meinen Feinden jagte ich nach und erreichte sie,und ich kehrte nicht um, bis ich sie aufgerieben hatte.

39 Ich zerschmetterte sie,dass sie nicht mehr aufstehen konnten;sie fielen unter meine Füße.

40 Und du umgürtetest mich mit Kraft zum Kampf,beugtest unter mich, die gegen mich aufstanden.

41 Meine Feinde aber –du hast sie vor mir in die Flucht geschlagen,und meine Hasser, ich habe sie vernichtet.

42 Sie schrien – aber da war kein Retter – zum HERRN,doch er antwortete ihnen nicht.

43 Und ich zermalmte sie wie Staub vor dem Wind;wie Straßenkot schüttete ich sie aus.

44 Du hast mich gerettet aus den Streitigkeiten des Volkes;du hast mich zum Haupt der Nationen gesetzt;ein Volk, das ich nicht kannte, dient mir.

45 Sowie ihr Ohr hörte, gehorchten sie mir;die Söhne der Fremde schmeichelten mir.

46 Die Söhne der Fremde sanken hinund zitterten hervor aus ihren Festungen.

47 Der HERR lebt! Gepriesen sei mein Felsund erhoben der Gott meines Heils!

48 Der Gott, der mir Rache gab und mir die Völker unterwarf,

49 der mich rettete vor meinen zornigen Feinden.Du erhöhtest mich über die, die gegen mich aufstanden;von dem Mann der Gewalttat hast du mich befreit.

50 Darum will ich dich preisen unter den Völkern, HERR,und will spielen deinem Namen,

51 der seinem König große Rettungen schenktund Gnade erweist seinem Gesalbten, Davidund seinen Nachkommen ewig.

 

 

Einführung

Sie befestigten die Seelen der Jünger und ermahnten sie, im Glauben zu verharren, und sagten, dass wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen.

Apostelgeschichte 14,22

Wir gehen davon aus, dass sich für die „Seelen der Jünger“ nichts geändert hat. Auch heute brauchen sie die „Befestigung und Ermahnung“, im Glauben zu verharren, da sie durch viele Trübsale (Bedrängnisse) in das Reich Gottes eingehen müssen. Diesen Jüngern ist das vorliegende Buch im Besonderen gewidmet.

Jene, die gerade jetzt in allerlei „Trübsalen“ stecken und deren Sinn zu verstehen trachten, sollen erstens etwas darüber erfahren, dass der Prozess der Verwandlung in das Bild Christi (vgl. 2 Kor 3,18) eine Menge ganz spezifischer Krisen mit sich bringt. Das liegt einfach in der Natur der Sache. Schließlich werden wir versetzt aus dem Machtbereich der Finsternis in den des Lichts (vgl. 1 Pt 2,9), womit einfach alles anders wird. Über die damit einhergehenden Veränderungs-Krisen wird im Allgemeinen wenig gepredigt, da es die modernen, humanistisch geprägten Kirchenbesucher erschrecken könnte, dass es im Christsein wesentlich um Krisen geht. Jünger jedoch müssen Bescheid wissen über das, was in ihnen und an ihnen geschieht, wenn sie umgestaltet werden in eine „neue Schöpfung“ in Christus (vgl. 2 Kor 5,17; Gal 6,15).

Wie die Raupe sich auflöst, um sich in ihrem Kokon neu zu formieren zu einem Schmetterling, gehen auch die Gläubigen durch entsprechende Prozesse der Auflösung und Neuformierung. Altes vergeht, Neues wird. Wenn sie nicht begreifen, was da vor sich geht und warum es unbedingt nötig ist und wie das vonstatten geht, können sie sehr irritiert sein und an den „Trübsalen“ (und den manchmal nicht minder trübseligen Ratschlägen ihrer Mitmenschen) verzweifeln.

Das muss nicht sein, darum betrachten wir in dem vorliegenden Buch einmal den Weg der Transformation (Verwandlung) anhand von Psalm 18, in dem uns der Psalmist David unschätzbar wertvolle Einblicke in seine Erfahrung des Weges der Jüngerschaft mit ihren ganz spezifischen Leiden gibt. Er kann uns etwas von dem heiligen „Elixier der Verwandlung“ berichten, welches nicht an der Oberfläche des Lebens gefunden wird, sondern in der Tiefe, zu der wir überhaupt erst einmal einen Zugang gewinnen müssen.

Zweitens sollten Jünger etwas davon verstehen, was es bedeutet, der Leiden Christi teilhaftig zu werden (vgl. 2 Kor 1,3-7), was für echte Nachfolger Jesu unumgänglich und eine Ehre ist.

Wer darauf „keine Lust“ hat, ist noch kein Jünger geworden und in der Einheit mit Jesus noch nicht weit gediehen. Diese Einheit ist das Ziel der Jüngerschaft.

Wir werden viele Bibelstellen in den Text einstreuen, um dem Leser die Möglichkeit zu geben, die Fundstellen in der Schrift für sich selbst zu studieren und darüber zu beten. Ein Jünger sollte sich in der Bibel auskennen und die Stellen rasch finden können. Gerade in den Krisen ist das Wort Gottes ein sicherer Anker und einzigartiger Halt, an den wir uns in den Stürmen in und um uns herum klammern können.

Müssen Leiden sein?

Das letzte Wort im einführenden Vers aus der Apostelgeschichte mag irritierend sein: „… dass wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen.“ Warum müssen? Ist es denn unumgänglich für uns, zu leiden? Unsere Antwort darauf ist ein klares „Ja“.

Wollen wir Jünger sein, werden wir leiden, denn wie in anderen Bereichen auch, erfordert das intensive Einlassen auf eine Sache Disziplin und Konzentration. Paulus verwendet nicht von ungefähr den Vergleich mit Sportlern im Wettkampf. Sie unterwerfen sich freiwillig einem strengen, sowohl mentalen wie körperlichen Training, um den Preis zu gewinnen. Nicht anders verhält es sich in der Jesus-Nachfolge, die diesen Namen auch verdient (vgl. 1 Kor 9,24-27).

Freudige Ereignisse und die Eliminierung des Schmerzes scheinen das Leben „glücklich und zufrieden“ zu machen, doch führen sie meist nicht zu Selbsterkenntnis, innerem Wachstum und größerer Freiheit. Problematische Ereignisse und Situationen bergen in sich das Potential, uns wachzurütteln und zu „pie­sacken“, bis wir aus der „Wohlfühlzone“ aufstehen und uns umschauen nach der Wirklichkeit.

Wollen wir in das Reich Gottes eingehen, werden wir eine Menge „Trübsale“ durchstehen müssen, die es mit sich bringt, unser eigenes Reich beiseitezulegen und Jesus tatsächlich den Herrn sein zu lassen. Wir müssen es üben, unentwegt von uns selbst weg- und zu Jesus hinzuschauen (vgl. Hebr 12,1-3). Dieser Blickwechsel ist die grundlegende Übung der Heiligung überhaupt.

Stehen wir in diesen geistlichen Übungen am Anfang, werden wir schnell ermatten und uns fragen, wie das Christsein nur so anstrengend sein kann, jedoch werden wir bei fortschreitendem Training ein Vielfaches an Kraft gewinnen und lernen, immer weniger aus eigener und immer mehr aus göttlicher Kraft zu schöpfen. Das macht uns im Endeffekt „selig“, denn wir lernen das große Geheimnis, unsere Schwachheit nicht mehr zu hassen, zu fürchten und zu bekämpfen, sondern zu nutzen für desto mehr Herrlichkeit. Dies ist eine Revolution, die unseren gesamten geistlichen Lebensvollzug verändert.

Theologie des Leidens

Das Thema Leid ist vielschichtig und kein Buch kann es erschöpfend behandeln – auch das vorliegende stellt nicht diesen Anspruch und steht neben vielen anderen Werken, die sich dem Gegenstand von den verschiedensten Seiten nähern. Es ist „Stückwerk“ und stellt einen Teil unserer eigenen Erfahrung und Auseinandersetzung mit der Materie dar, die wir im Spiegel des 18. Psalms betrachten möchten. Dabei geht es uns im Besonderen darum, das Leid aus der Isolation zu holen, in die es häufig von uns selbst, aber auch von der leistungs- und konsumorientierten Gesellschaft und sogar mancher modernen Kirche/Gemeinde verbannt wird, als sei es mit dem christlichen Glauben unvereinbar zu leiden, nach dem Motto: „Hättest du nur richtig geglaubt, wäre dir kein Leid geschehen, aber da du versagt hast, bist du jetzt selber schuld an deinem Elend. Stell dich in die Ecke und schäm dich!“

Uns ist bewusst, dass es frühere Jahrhunderte gegeben hat, in denen die Kirche bzw. Theologie das Leid geradezu verherrlicht und als eines der großen Erziehungsmittel Gottes betrachtet hat. Da wurden Gott und Teufel wohl häufig miteinander verwechselt und die Erlösung manches Mal verkürzt dargestellt. Dabei heraus kamen viele irrsinnige Unmenschlichkeiten, derer die Kirchengeschichte leider randvoll ist.

Unumstößlich gilt die fundamentale Beschreibung der stellvertretenden Leiden Christi, wie sie uns in Jesaja 53 gegeben und am Kreuz von Golgatha erfüllt wurde.

Jedoch unsere Leiden – er hat sie getragen, und unsere Schmerzen – er hat sie sich aufgeladen … Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünden willen. Die Strafe lag auf ihm zu unserem Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden (Jes 53,4-5).

Das Geheimnis dieser Übernahme unserer Leiden und Schmerzen ist eines der schwer zu fassenden Mysterien des Gottes, der Liebe ist … und der ewige Vater.

In die Geheimnisse Gottes kann man nicht allein durch Wissen und abstrakt-theologische Betrachtungen eintreten, sondern nur durch den Heiligen Geist. An ihn sollten wir uns in unserem Leid wenden und ihn darum bitten, uns den Weg zum Kreuz Christi zu führen, damit wir begreifen, mehr noch, erleben, was dort wirklich geschehen ist und was das wirklich für uns heute bedeutet. Nur der Geist Gottes kann uns das historische Ereignis der Hinrichtung Jesu so aktualisieren, dass wir es direkt, persönlich und „hautnah“ sowie in seiner Zeitlosigkeit, also „jetzt“, für uns selbst erleben. Wenn unsere Nöte uns auf diese Fährte setzen, haben sie uns schon einen unschätzbaren Dienst erwiesen!

Nach Jahrzehnten im geistlichen Dienst ist unsere Erfahrung die, dass die Mehrheit der Christen das Kreuz offenbar nicht ausreichend verstanden hat und von der dort vollbrachten Erlösung nur wenig praktisch erlebt.

Das Wesen der Liebe Gottes als Vater wird unvergleichlich beschrieben im Gleichnis vom „verlorenen Sohn“ (vgl. Lk 15,11-32), der ganz unten ankommt und am Tiefpunkt seines Lebens zu der schicksalswendenden Idee findet, zu seinem Vater (Gott) umzukehren. Für viele Menschen braucht es den Tiefpunkt, um zu eben dieser Einsicht und Umkehr zu gelangen: Wir alle sind der verlorene Sohn.

Wurden also in vergangenen Epochen der Christenheit Leiden eher verherrlicht und das „stille Erdulden“ derselben als fromme Tugendhaftigkeit betrachtet, fallen wir heute gerne auf der anderen Seite vom Pferd. Wenn Christus unsere Leiden getragen hat, dann brauchen wir uns ja gar nicht mehr mit ihnen abzugeben, oder? Christen sind doch „allezeit fröhlich“ sagt schon Paulus und die Gläubigen „überwinden den Feind“ im Namen Jesu. Im Pendelschlag zu der tradierten Leidensverherrlichung und Durchhalte-Theologie werden nun Nöte, Krankheit und Bedrängnis vorwiegend negativ bewertet – Leiden sind out, Erfolg und Triumph sind angesagt.

Diese Art zu denken, erzeugt auf der einen Seite christliche „Überflieger“ (barmherzige und unbarmherzige) und auf der anderen „Looser“, die unter einer „ekklesiogenen“, also von der Gemeinde selbst erzeugten Depression leiden, weil sie den Triumph der absoluten und direkten Heilung und Wiederherstellung aller Dinge nicht zu teilen vermögen und sich ausgegrenzt fühlen. Dass Heilung zumeist ein langwieriger, umfassender und tiefgehender Prozess ist, haben sie als „Unglauben“ verkauft bekommen, denn schließlich wurden bei Jesus doch auch alle „direkt“ geheilt, oder nicht?

Göttliche Transformation

Leiden haben immer eine isolierende Tendenz, selbst ein verletztes Tier zieht sich zurück und lässt keinen an sich heran. Bei den Christen wird das Problem häufig dadurch verschärft, dass sie das Leid unzulässigerweise in einen ausschließlichen Zusammenhang mit der Sünde stellen und damit übermäßig negativ bewerten, was gar nicht hilfreich ist. Dazu kommt noch die Dimension der Anfechtung, in der der Teufel ihnen einflüstert, dass Gott sie im Elend hängen lässt und vergessen hat. In einer „Gemeinde des Triumphes“ kann es für die Leidenden zu Phänomenen intensiver Beschämung und Verdrängung kommen, was auf Dauer sehr ungesund ist und den Leidensdruck verstärkt.

Anhand des 18. Psalms wollen wir zeigen, dass es sowohl einen göttlichen Weg in die Isolation hinein gibt, als auch einen Weg wieder aus ihr heraus, auf dem die Leiden nicht verdrängt, sondern transformiert werden und uns zum Guten dienen müssen.

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken (Röm 8,28).

Wie können uns alle Dinge – auch die schlechten, von denen die Welt übervoll ist und die wir alle erleiden müssen – zum Guten dienen? Das klingt ja ganz ungeheuerlich und geradezu sagenhaft! Nun, sie tun es, wenn wir Gott lieben, so sagt der Text. Dies scheint der Kontext zu sein, in dem das Unmögliche möglich wird!

Vielleicht sehen wir auf Anhieb den Zusammenhang nicht, aber das Wesen der Liebe ist es doch, dass sie uns eins macht. Wenn wir mit Gott durch die Liebe eins werden, dann werden alle unsere Leiden zu seinen Leiden, sie verlieren ihre isolierende Macht und werden von Gott benutzt, um uns zu segnen.

Wenn wir uns mit unseren Leiden vertrauensvoll in Gottes Arme hinein loslassen wie ein Kind, können wir manchmal etwas von dem erkennen, was Gott mit diesen Leiden zu tun gedenkt. Oder wir erkennen es nicht, werden aber genug getröstet, um das Leiden als nicht so groß zu empfinden wie zuvor. Die Furcht bläht die Leiden auf, die Liebe kocht sie herunter und nimmt ihnen die übertriebene Bedrohlichkeit. Manchmal können wir dann sogar inmitten der Leiden fröhlich werden, obgleich sie noch vorhanden sind. Das ist ein großer Sieg. Dazu eine alte Geschichte aus Ägypten:

Miobi war in ein Dorf gekommen, in dem die Leute nichts anderes taten als zu stöhnen und zu jammern. Sie zündeten kein Feuer mehr an und molken ihre Ziegen nicht mehr, weil alle Dorfbewohner meinten, sie würden doch bald von dem Ungeheuer gefressen, das oben auf dem Berg hauste. Dieses Monster hatte den Kopf eines Krokodils, den Körper eines Nilpferdes und einen Schwanz wie eine fette Schlange; und wenn es schnaubte, stob ihm Feuer aus Mund und Nase.Aber Miobi sagte: „Ich werde auf den Berg steigen und das Ungeheuer zum Kampf herausfordern!“ Das Ungeheuer war auch tatsächlich dort. Aber als der Junge auf den Berg kletterte und ihm näher und näher kam, sah es tatsächlich immer kleiner aus.„Das ist nun aber wirklich komisch“, meinte der Junge. „Je weiter ich von dem Ungeheuer weg bin, desto größer scheint es zu sein, und je näher ich komme, desto kleiner wird es.“Als der Junge die Höhle erreichte, fand er gar kein Ungeheuer. Er fand nur ein kleines Tier, so groß wie ein Frosch, das ganz friedlich schnurrte; das nahm er als Haustier mit.Als die Dorfbewohner ihn zurückehren sahen, wollten sie ihn zum Helden erklären, der das Ungeheuer erlegt hatte; aber er erklärte ihnen, wie sich alles zugetragen hatte, und dass er das Ungeheuer als Haustierchen mitgebracht habe.Aber wie hieß es nur?Das Ungeheuer antwortete: „Ich habe viele Namen. Die einen nennen mich Hungersnot und andere Seuche; aber die Menschen, die am meisten Angst haben, geben mir ihren eigenen Namen.“ Und gähnend fügte es noch hinzu: „Die meisten Leute nennen mich ‚Was-passieren-könnte‘.“1

Die Liebe gibt uns den Mut, uns unseren „Drachen“ zu stellen und eben die Feststellung Miobis zu machen, dass sie sich häufig viel gewaltiger dargestellt und „angefühlt“ haben, als sie in Wahrheit sind. Solange unsere Leiden jedoch so etwas wie unser „Privatbesitz“ sind, unser rein „eigenes Problem“, werden sie uns genauso lähmen wie die Dorfbewohner in der kleinen Geschichte. Werden sie dagegen Gottes Eigentum und damit heilig, können sie uns nicht mehr töten, sondern müssen zu unserem „Guten mitwirken“.

Wie die Liebe uns mit Gott eins macht und wie sie die Leiden transformiert, das mag uns unbegreiflich erscheinen, aber sie tut es, weil sie Liebe ist.

Jünger sind die, die Gott lieben – darum gehen sie mit ihm Wege, die „höher sind als die der Welt“ (vgl. Jes 55,8-9) und die irdische Vernunft übersteigen.

Gott hat nicht vor, den Leiden die Herrschaft und das letzte Wort zu überlassen, er ist ein Meister darin, den Spieß umzudrehen und das, was uns zu vernichten droht, gerade zu unserem Wohl zu gebrauchen. Die Bibel ist voller Beispiele dafür, und gerade David kann uns eine Menge zu diesem Thema erzählen. Gott macht unseren Untergang zu unserem Aufgang, unser Ende zu unserem Anfang. Im Zerbruch lässt er uns das Elixier finden, welches uns tatsächlich und nachhaltig verwandelt. Das ist der heilige Triumph.

Wenn dies geschieht, sind wir „wie die Träumenden“ und „unser Mund füllt sich mit Lachen“ (vgl. Ps 126,1-2). Wir werden sowohl Zeugen der Wende unseres Schicksals als auch der Kraft Gottes, „mit der er vermag, auch alle Dinge sich zu unterwerfen“ (Phil 3,21).

Wenn dies geschieht, sind wir des Weiteren „Söhne und Töchter Davids“, weil wir seinen Weg gehen und seine Erfahrungen teilen.

Es ist unser aufrichtiger Wunsch, dass viele von uns diesen Pfad Davids verstehen und gehen. Darum wollen wir ihn in den folgenden Kapiteln Stück für Stück anhand einzelner Verse aus Psalm 18 untersuchen. Wir werden wahres Gold finden!

Böse Leiden – gute Leiden

Psalm 18 wird uns etwas davon zeigen, dass es Arten von Bedrängnissen gibt, die nicht alle Menschen – ob gläubig oder nicht gläubig – gleichermaßen erleiden. Tatsächlich sollten die Jünger Jesu bestimmte Kategorien von Leiden überwunden haben, etwa die Leiden an der Dominanz der Sünde, an der Herrschaft des Bösen sowie an den Folgen eines von Gott abgekoppelten (Ego-)­ Lebens. Sie sollten in die Erfahrung eingetreten sein, dass das Kreuz Christi sie befreit und erlöst hat von einer ganzen Reihe von Lasten, Nöten und Problemen, die das Leben des Nicht-Christen, welches sich ja im „Machtbereich der Finsternis“ vollzieht, prägen und bestimmen. Jedoch gibt es eine Menge Christen, die davon nichts wissen, da sie noch gar keine Jünger geworden sind, sondern lediglich Bekehrte sind, die einmal in der Woche eine Kirchenveranstaltung besuchen. Ihr so geartetes Christsein ist zu oberflächlich, als dass sie die tieferen Dimensionen der Erlösung und Verwandlung durch das Kreuz und den Heiligen Geist erfahren könnten. Davon wird in den folgenden Kapiteln noch oft die Rede sein, da es sehr wichtig für uns ist, den Unterschied zwischen bloßen Gemeindebesuchern einerseits und Jüngern Jesu andererseits klar zu verstehen, sodass wir uns entscheiden können, welchen Weg wir gehen wollen bzw. begreifen können, welchen Weg Gott mit uns geht. Denn seltsamerweise scheint er uns einerseits durch das Kreuz aus einer Welt von Leiden zu befreien, um uns dann jedoch geradewegs in eine Menge anderer „Trübsale“ hineinzubringen, wenn wir uns tiefer auf ihn einlassen und von Kindern der Finsternis zu Kindern des Lichts werden.

Es handelt sich dabei nun allerdings um eine Reihe von ganz anderen Leiden als die, die das Kreuz „erledigt“ hat. Die Aufrichtung des Kreuzes Christi in uns führt zu einer grundlegenden Veränderung unseres Wesens: unser Denken, Fühlen und Wollen sowie unsere Motive werden erneuert. Dies ist eine „geistliche Revolution“, wir werden von innen heraus zu neuen Menschen. Die Bibel spricht in diesem Zusammenhang von einer „neuen Schöpfung“ in Christus (vgl. 2 Kor 5,17) – und ihr Zeugnis ist wahr. Alle Jünger erleben genau das genau so, wie das Wort Gottes es beschreibt. Der Geist Gottes bringt sie mit dem Wort in Einklang, sie finden auf einmal ihre eigene Geschichte in der Bibel wieder! Dann begreifen sie staunend, dass es sich wirklich um ein „lebendiges“ Buch handelt. Für Leute, die sich zwar bekehrt haben, den Weg der Jüngerschaft aber – aus welchen Gründen auch immer – nicht gehen, stellt sich das Wort Gottes als rätselhaft und wirkungslos heraus. Zum Heiligen Geist finden sie kein Verhältnis und bleiben in der Folge „unverwandelt“.

Wer sich wahrhaftig auf das Evangelium einlässt, entdeckt schnell: Es geht im Christsein um viel mehr als Moral und beschauliche Kirchlichkeit, es geht um eine Transformation unseres gesamten Seins mittels der Liebe des Vaters, der Gnade Jesu Christi und der Gemeinschaft des Heiligen Geistes (vgl. 2 Kor 13,13). Wir erfahren ein stetig fortschreitendes „Uns-selber-Sterben“. Der gewohnte „Egotrip“, das ewige Drehen um uns selbst, hört auf, das Nicht-Göttliche wird abgelegt und wir erkennen etwas von unserem wahren Sein, wie Gott es meinte, als er den Menschen schuf.

Das Kreuz ist das Portal, durch das wir eintreten in die reale Erfahrung all dieser göttlichen Dimensionen, von denen wir zuvor gar nichts wussten. So großartig diese Berührung mit der Liebe, Gnade und Kraft Gottes auch ist, muss sie jedoch von uns verkraftet werden. Damit dies möglich ist, müssen wir „umgestaltet“ werden, wir müssen „kompatibel“ gemacht werden mit dem Himmel bzw. der göttlichen Dimension und ihren Kräften. Und diese Kräfte sind sehr mächtig! Unser gesamter Bezugsrahmen muss durch einen Prozess der Umorientierung und Umstrukturierung gehen, unser ganzes Wesen neu ausgerichtet werden von einer irdischen zu einer himmlischen Perspektive (vgl. Kol 3,1-3). Das ist wahrhaftig keine kleine Sache, die so nebenher oder „automatisch“ passiert!

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht (Joh 12,24).

Die Vorstellung, dass Gott uns im Großen und Ganzen dieselben bleiben lässt, die wir sind, und lediglich ein etwas besseres Benehmen sowie ab und an einen Besuch des Gottesdienstes von uns fordert, um dann etwas Segen obendrauf zu gießen, damit wir etwas besser durchs Leben und später in den Himmel kommen, ist naiv, aber weit verbreitet.

Gott geht viel weiter: Er macht uns zu Söhnen und Töchtern, zu seinen Erben (vgl. Röm 8,14-17). Das ist etwas ganz anderes, als ein wenig gesegnet zu werden. Wir gehen durch einen Prozess des permanenten inneren Sterbens und Auferstehens: Das Leben in der Sünde endet, und das Leben in Heiligkeit beginnt; das Leben im Ego endet, und das Leben in Christus beginnt. Diese Umwandlungen bringen eine Reihe ganz neuer Erfahrungen von Freuden, aber auch von Leiden mit sich, die wir früher so nicht kannten. Dinge, die wir zuvor kaum bemerkten und die an uns vorübergingen, scheinen uns nun mit Wucht zu treffen, aus der Bahn zu werfen und zu verletzen. Andere Dinge, die uns bedeutsam waren, verblassen dagegen und verlieren jeden Reiz. Was geschieht mit uns?

Verschiedene Kategorien von „spirituellen“ Leiden

Der Konflikt mit der Lüge

Es gibt eine Kategorie von Leiden, die damit zusammenhängt, dass Gott uns wahr macht. David kommt in seinen Psalmen immer wieder auf diesen Punkt zu sprechen. Wir werden weiter unten noch sehen, dass dies auch im 18. Psalm von wesentlicher Bedeutung ist. Die Wahrheit macht uns zwar frei (vgl. Joh 8,31-36), tut jedoch häufig weh – umso mehr, je mehr wir an Lügen und Illusionen gewöhnt sind. Jedoch ist es unmöglich, ein Jünger zu werden und das Reich Gottes zu erben, wenn wir noch in der Selbstentfremdung sowie den eitlen Illusionen gefangen sind, die wir über uns selbst hegen, wenn wir „aus der Welt“ kommen. Diese konnte uns nichts darüber sagen, wer wir wirklich sind, und hat uns stattdessen trainiert, Rollen zu spielen und uns ihren Zwängen und Vorgaben anzupassen. Wir erben von ihr ein falsches, verzerrtes Selbstbild, d. h. wir sind angefüllt mit Vorstellungen über uns selbst, Gott und die Welt, die völlig an der Realität vorbeigehen. Es gibt viel zu lernen – und ebenso viel zu verlernen, was sich häufig als schwieriger herausstellt als Ersteres.

Der Konflikt mit dem Ego

Dann ist da eine weitere Kategorie von Leiden, die damit zu tun hat, dass Gott uns befreit von unserem„Egotrip“, unserem krampfhaften Kleben an uns selbst (vgl. Röm 8,1-17). Die Bibel nennt die egozentrische Natur des Menschen das „Fleisch“. Die Befreiung von unseren Ängsten und Sorgen um uns selbst, von den minderwertigen oder aber größenwahnsinnigen Selbstentwürfen unseres gekränkten und stolzen Egos, kann lange brauchen und muss bis zu den Wurzeln unseres Seins hinabreichen.

Tatsächlich kann das „Fleisch“ sehr „fromm“ werden und all die religiösen Gepflogenheiten übernehmen, um nun auch in „religiösem Gewand“ weiter der „Herr im Haus“ zu bleiben und die Bibel, die Gemeinde und Gott in seiner typischen „Geschäftsmentalität“ für die eigenen Zwecke benutzen. Mit dieser Art von „Heiligen“ hatte Jesus in Form der Pharisäer und Schriftgelehrten die größten Konflikte auszutragen, und sie waren es, die ihn aufs Schafott brachten, weil er ihren „frommen Geschäften“ im Wege stand.

Der Konflikt mit der Finsternis

Darüber hinaus befinden wir uns im Gegensatz zu den Nichtbekehrten in einer konstanten Auseinandersetzung mit den dämonischen Mächten und der Finsternis. Sie bedrängt uns unentwegt und versucht, uns klein zu halten und zu verblenden. Sie will das alte Programm der Lügen und Illusionen fortfahren und das Licht Gottes aus unserer „inneren Verdunkelung“ heraushalten. Das kann so aussehen, dass wir von Gedanken und Gefühlen „bombardiert“ werden, die uns einreden, wir seien nicht gut genug, nicht fleißig genug, nicht fromm genug für Gott, hätten keine Gnade verdient und die Erlösung durch unsere wiederholten Sünden verspielt. Diese permanente innere Bedrängnis, die gerade unerfahrene, junge Gläubige plagt, gilt es mit der Autorität des Wortes Gottes zu konfrontieren. Aber das muss erst einmal gelernt werden. Ein Jünger muss „stark im Herrn und in der Macht seiner Stärke“ werden (vgl. Eph 6,10), um erfolgreich mit den bösen „Mächten und Gewalten“ zu ringen. Dieser Kampf kann je nachdem sehr heftig sein und uns an die Substanz gehen.

Konflikte um der Liebe willen

Schließlich gibt es noch die Kategorie von Leiden, die die Liebe auf sich nimmt für die Geliebten. Hier kommen wir an die Dimension der Leiden heran, die unumgänglich sind für die Liebenden – und sie stellen sich am Ende als die intensivsten Leiden überhaupt heraus. Wer Jesus liebt, wird an seiner Mission teilnehmen wollen, mit ihm weinen über das, was ihn traurig macht, und teilnehmen an seinen Schmerzen über eine verlorene Welt voller Ungerechtigkeit, Not und Zerstörung. Gerade die Liebe ist es, die uns die größten Entscheidungen abverlangt und die keine Halbherzigkeiten bzw. faulen Kompromisse duldet. Die Liebe ist es, die uns zu Überwindern macht! Sie bringt uns auch in Konflikte mit unseren Familien und Freunden und deren Ansprüche an uns, die wir nun, da wir Jesus folgen, oftmals zurückweisen müssen. Vieles, was wir aus Liebe tun, wird die Welt geradewegs als das Gegenteil bezeichnen, denn sie kann an Liebe gar nicht glauben und sieht auch darin nur ein Geschäft.

Selbstverantwortung

An dieser Stelle wollen wir kurz auf den Bereich körperlicher Leiden eingehen, da in unserer Kultur viele kranke Menschen verwundet „auf dem Schlachtfeld“ des Leidens zurückgelassen werden. Für viele Leute, auch Christen, scheint es inakzeptabel zu sein, dass sie persönliche Verantwortung für ihre Gesundheit und ihren Körper, der ja ein „Tempel Gottes“ (vgl. 1 Kor 3,16; 2 Kor 6,16) genannt wird, tragen sollen. Sie verlassen sich ganz auf die Ärzte und Medikamente – oder auf Pastoren und deren Gebete – anstatt Eigenverantwortung für sich und ihren Körper zu übernehmen und verschiedene Krankheiten sogar als Chance dafür zu sehen, ihr Leben zu verändern, denn ohne sie würden sie es nicht tun.

Dass man durch falsche, denaturierte, zu stark tierische Ernährung, durch Dauerbelastung mit Umweltgiften, Elektrosmog, Rauchen, Alkohol usw. krank werden kann, ist eine allgemein gültige Tatsache. Die sogenannten „Zivilisationskrankheiten“ haben epidemische Ausmaße angenommen und betreffen uns alle. Das wird dennoch gerne unter den Tisch gekehrt und ignoriert – oder vergeistlicht. Selten wird in christlichen Kreisen über Umwelt, Natur oder Tierschutz gesprochen. In den Anfangsjahren meines (Brigitte) Glaubens wurde mir tatsächlich von einer Leiterin gesagt, dass dies nicht Themen der Kirche seien, da die Erde ja sowieso untergehen würde. An der Fassungslosigkeit gegenüber dieser ignoranten, unwissenden und manchmal leicht elitären Haltung hat sich meines Erachtens bis heute nichts nennenswert geändert. Diese allgegenwärtige Ignoranz gegenüber dem Leben geht durch alle Kreise, ob christlich oder nicht. Besonders zum Thema Gesundheit und Heilung wird die Realität oft einfach ausgeblendet und der „allmächtigen Schulmedizin“ vertraut sowie deren „Experten“ und „Göttern in Weiß“. Alternative Erkenntnisse und Therapien werden schnell und ungeprüft in die Ecke des Okkulten geschoben. Dabei leitet sich das Wort „Pharmazie“ von dem griechischen Wort „Zauberei“ ab, und „Antibiotika“ heißt übersetzt „Gegen-das-Leben“.

Die Frau eines Bekannten sagte mir auf eine „alternative“ Buchempfehlung bezüglich ihrer Beschwerden hin, dass sie so etwas „Nichtchristliches“ nicht lesen würde, das wäre okkult, sie verließe sich ausschließlich auf die Schulmedizin, die ihr aber leider bei ihren Leiden nicht wirklich helfen kann. Wörtlich sagte sie: „Ich gebe mich nicht mit den Dingen der Welt ab …“

Es soll nun allerdings nicht der Eindruck entstehen, wir lehnten jegliche schulmedizinische Behandlung und Medikamente ab, jedoch stellen wir einen überhöhten „Glauben“ daran sowie eine generelle Ablehnung aller alternativen Heilungsmethoden in Frage.

Wir denken, Gott will immer Heilung, jedoch geschieht sie oft viel umfassender, als wir meinen. Es braucht grundlegende Änderungen in unserem ganzen Lebensstil, unserem Umgang mit uns selbst und unserer Welt. Das ist nicht bequem und braucht die genannte Übernahme von Verantwortung für uns selbst. Da es eine Menge guter Literatur dazu gibt (siehe Anhang), werden wir hier nicht weiter auf dieses Thema eingehen.

Eine kurze Begebenheit soll zeigen, wie Gott in diesem Bereich reden kann:

Ich (Brigitte) litt von frühester Jugend an unter Migräne und Schmerzen in der Muskulatur (Fibromyalgie). Die übliche „Odyssee“ eines Schmerzpatienten begann: Ich reiste von Arzt zu Arzt und von Frustration zu Frustration. Später kam das Anstehen in „Heilungsschlangen“ dazu, die jedoch – trotz meines großen Aufgebotes von Glauben in der Sache – keine bleibende Heilung brachten. Manchmal war meine Verzweiflung über diese „Behinderung“ grenzenlos, genau wie die furchtbaren Schmerzen, die niemand erklären konnte. Man ist dann eben ein „Migräniker“ oder bekommt einen anderen „Titel“ verpasst und fertig.

In einigen Bereichen fand ich selbst die Auslöser der Schmerzattacken heraus, in anderen nicht. Meiner Erinnerung nach gab es mehrmals und von verschiedenen Leuten im Gebet den Eindruck, es sei „Gift“ im Spiel – und mir wurde anschließend geraten, mein Leben auf verborgene Sünden hin zu durchforsten. Neben der Beschämung, die durch solche Aussagen aufkam, suchte ich dann wie verrückt nach irgendwelchen versteckten Sünden. Ich glaube, es gab damals nichts mehr, was ich Gott nicht wiederholt bekannt habe und abzustellen versuchte – nur der Schmerz blieb.

Ich erinnere mich noch lebhaft an einen Traum, der schließlich die Wende brachte. In diesem Traum stand ich vor Gottes Thron und klagte ihm, dass nichts gegen die Schmerzen half. Ich hielt ihm alle meine Maßnahmen vor, auch die Stigmatisierung durch die Ärzte, alles sei nur „psychisch“, und die wohlmeinenden Christen, die mir mangelnden Glauben und versteckte Sünden vorwarfen.

Da, auf einmal, stand Gott auf, stieg von seinem Thron herab und „donnerte“ mich an: „Wenn ich sage Gift, dann meine ich Gift und nicht Sünden … verstehst du! Lies Sirach 37,30-31.“

Vor lauter Schreck wurde ich wach und notierte mir gleich den Vers und schaute ihn am nächsten Morgen nach:

Mein Kind, prüfe, was für deinen Leib gesund ist; und sieh, was für ihn ungesund ist, das gib ihm nicht. Denn nicht alles ist jedem nützlich, auch mag nicht jeder alles.

Infolge dieses Traumes änderte sich mein komplettes Leben. Ich lernte, mich zu entgiften, und entzog mich so vielen Chemikalien und künstlichen Stoffen wie nur möglich – und die Schmerzen verschwanden. Allerdings kehren sie wieder, sobald die Toleranzgrenze überschritten wird. In unserer von Kunst-Stoffen nur so strotzenden Kunst-Welt ist die Grenze schnell erreicht und fordert Wachsamkeit – aber eben nicht nur eine geistliche, sondern auch eine natürliche Wachsamkeit. Wir erleben häufig, dass Christen die „natürliche Welt“ ignorieren und alles vergeistlichen. Manchen scheint jegliche Vernunft in diesem Zusammenhang abhanden gekommen zu sein. Wo ein Glas Wasser helfen würde, beten sie die Nacht durch und kämpfen mit „Dämonen und Teufeln“. Manche kämpfen immerzu und kommen nie zur Ruhe, obgleich Jesus uns vorrangig eben das geben will:

Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben (Mt 11,28).

Es gibt also eine Menge zu leiden, packen wir’s an!

Es sind gerade die Leiden, die uns an die wesentlichen Fragen über Leben und Tod heranführen, die uns auch nach Jesus schreien und in einer ganzheitlichen Art und Weise nach ihm verlangen lassen. Geht es uns gut, sind wir dafür meist viel zu beschäftigt.

Solange wir nicht bereit sind, für den Glauben zu leiden, bleibt er oberflächlich und wirkungslos. Diesen „nutzlosen Glauben“ finden wir leider überall in den Kirchen – gut gehegt und gepflegt – und die große Mehrheit macht einfach mit und hält das für ganz normal, aber das ist es nicht.

 

1 Quelle unbekannt.

Kapitel 1: Der Weg des Geliebten

Dem Chorleiter. Von dem Knecht des HERRN, von David, der die Worte dieses Liedes zum HERRN redete an dem Tag, als der HERR ihn gerettet hatte aus der Hand aller seiner Feinde und aus der Hand Sauls. Und er sprach: Ich liebe dich, HERR, meine Stärke!

Psalm 18,1-2

Wie wunderbar lesen sich diese Anfangsworte des 18. Psalms. Nicht alle Verse werden so erhebend sein, nein, es wird das ganze Ausmaß der Rettung „aus der Hand aller Feinde“ und des Ausrufes: „Ich liebe Dich, Herr!“ erst noch klar werden, wenn in den folgenden Abschnitten die Abgründe genannt werden, durch die David gehen musste und in denen er der David wurde, den wir aus der Schrift kennen, der „Mann nach dem Herzen Gottes“.

Mit wie vielen verrückten Situationen wurde er konfrontiert! Da ist nicht nur die berühmte Geschichte von Goliath, sondern auch die Verkennung von seinen Eltern, die ihn bei Samuels Besuch gar nicht erst mit den übrigen Brüdern vorstellten, dann die absurden Tötungsversuche durch Saul, der Weg in die Wüsten-Höhle Adullam, die Herausforderung von Ziklag, die seltsame Sammlung des seltsamen Heeres um ihn her in der Wüste. Und außerdem die grausige Episode seines Ehebruchs mit Bathseba, die schwierige Heimholung der Bundeslade nach Jerusalem, die fatale Volkszählung mit tödlicher Folge, der Verrat durch seinen Sohn Absalom, Vertreibung, Kriege ohne Ende … Ach, wie kann ein einziges Leben so viel Elend und Stress verkraften?! Die klassische Frage drängt sich auf: Wie konnte Gott das zulassen? War David denn nicht sein König, sein Gesalbter, der die vielen Psalmen schrieb und ewige Verheißungen empfing, welche die Geschichte Israels wesentlich prägten und darüber hinaus Einfluss auf die ganze Welt nehmen sollten? Würde nicht selbst Jesus Jahrhunderte später „Sohn Davids“ genannt werden? War er nicht der „Geliebte“?

Das Gewicht der Erfahrung

Hier, im 2. Vers des 18. Psalms, antwortet dieser David seinem Gott, der ihm so viel zugemutet hat – nach so viel Wüste, Krieg und Bedrängnis –, von ganzem Herzen, ganzer Seele und mit ganzer Wahrhaftigkeit: „Ich liebe dich, Herr!“