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Die Neue Apostolische Reformation (NAR) ist eine schnell wachsende neue Bewegung in der Christenheit, die Zeichen und Wunder betont und lehrt, dass Gott heute durch neue Apostel und Propheten neue Offenbarungen gibt. In Das gefälschte Gottesreich zeigen die Apologeten und NAR-Experten Holly Pivec und Douglas Geivett, wie die Hauptlehren der NAR das Evangelium verzerren, die Heilige Schrift verdrehen, von New-Age-Praktiken beeinflusst sind und gläubige Christen zum Schiffbruch im Glauben führen. Sie bieten praktische Hilfen für kritische Leser, die diese Bewegung bereits kennengelernt haben oder sich Sorgen um Angehörige machen. Was früher an den Rändern der Kirche stattfand, ist heute Mainstream, und viele werden davon beeinflusst, ohne es zu wissen. Dieses Buch ist ein Weckruf.
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Seitenzahl: 390
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Holly Pivec, R. Douglas Geivett
Das gefälschte Gottesreich
Die Gefahren neuer Offenbarungen, neuer Propheten und Apostel und esoterischer Praktiken für die Gemeinde
Best.-Nr. 275528 (E-Books)
ISBN 978-3-98963-528-9 (E-Books)
Titel des amerikanischen Originals:
Counterfeit Kingdom
The Dangers of New Revelation, New Prophets, and New Age Practices in the Church
Copyright © 2022 by Holly Pivec and R. Douglas Geivett
Published by B&H Publishing Group, USA. All rights reserved.
Wenn nicht anders angegeben, wurde folgende Bibelübersetzung verwendet: Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen.
Außerdem wurde verwendet: bibel.heute, Neue evangelistische Übersetzung, © 2010 Karl-Heinz Vanheiden und Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg (NeÜ). Darüber hinaus wurden verwendet: Einheitsübersetzung 2016 (EÜ), Lutherbibel 2017 (LUT), Neue Genfer Übersetzung (NGÜ).
1. Auflage (E-Books)
© 2025 Christliche Verlagsgesellschaft mbH
Am Güterbahnhof 26 | 35683 Dillenburg
Diese deutsche Ausgabe wurde in Zusammenarbeit mit der B&H Publishing
Group durch Riggins Rights Management veröffentlicht.
Übersetzung: Marko Schubert
Satz und Umschlaggestaltung: Christliche Verlagsgesellschaft mbH
Umschlagmotive: www.artvee.com, The Pied Piper of Hamelin Pl 34 + 35 (1910), Kate Greenaway (English, 1846 – 1901), public domain files; © freepik.com (Hintergrund)
Wenn Sie Rechtschreib- oder Zeichensetzungsfehler entdeckt haben, können Sie uns gern kontaktieren: [email protected]
Danksagungen
Vorwort der Herausgeber der deutschen Ausgabe
Vorwort
Anmerkung der Autoren
1.Wach auf, Olive!
2.Wer sind die neuen Apostel und Propheten?
3.Hogwarts für Christen
4.Die übersehene Warnung Jesu
5.Die apostolische Machtübernahme und geistlicher Missbrauch
6.Gefälschte Erweckung
7.Die leidenschaftlich falsche „Bibel“
8.Vergiftete Anbetungsmusik
9.Ist es immer Gottes Wille zu heilen?
10.Kinder vor Täuschungen schützen
Schlussfolgerung: Sich dem Widerstand anschließen
Sonderanhang 1: Über Wunder und die NAR
Sonderanhang 2: Zur Situation der NAR in Deutschland
Endnoten
An den gut aussehenden Fremden, den ich bei Starbucks getroffen habe. (Siehe Kapitel 2.)
– HOLLY
Für meinen Vater Howard und meine Mutter Dixie.
– DOUG
Viele Menschen haben uns auf unterschiedliche Weise bei der Fertigstellung dieses Manuskripts geholfen – mit Recherchen, Kritik und Ermutigung. Natürlich bedeutet ihre Hilfe, in welcher Form auch immer, in keiner Weise eine Befürwortung unseres Buches oder eine Zustimmung zu seinen Schlussfolgerungen. Zu denjenigen, die uns geholfen haben, gehören Alisa Childers, Aaron Mapes, Jennifer Stoll, Teasi Cannon, Greg Koukl, Natasha Crain, Mike Heiser, Brandon Kimber, Keith Gibson, Monique Duson, Kevin Lewis, Paul Carden, Simon Brace, Rudy Boshoff, Todd Johnson, Doreen Virtue, Mike Winger, Marcia Montenegro, Alan Gomes, Cheryl Sackett, Mitch und Melody Flynn, Greg und Kerry Pippin, Doug Wubbena, Alan Kurschner, Richard P. Moore*, K. L. Marshall, Bart McCurdy, Alison Townsend, Lakshmi Mehta, Belinda Clark, Tara Pauls, Mary Beth Osborn, Dianne Geivett, Erin und Forrest McBride, Howard und Kris Geivett, Dixie und Frank Smith, Debbie und Larry Stout, Brenda Sandeno, Stephanie England, Kimberly Larson, Jon Griswold, Peter Everett, Adam Pivec, Daniel Peters, Linda Peters, Kate Pivec, Lizzie Pivec, Sherina Anderson, Kara Beck, Jon und Lacey McBride, John Tebay und die Mitglieder von Hollys Kleingruppe in ihrer Gemeinde.
Wir sind unserem Literaturagenten Bill Jensen sehr dankbar für sein großes Anliegen, den Glauben zu verteidigen, außerdem für seine Ermutigung und seine außerordentliche Kompetenz. Und wir sind dadurch gesegnet, dass wir mit Taylor Combs, Ashley Gorman und dem restlichen Team von B&H Publishing zusammenarbeiten durften.
* Siehe auch den Sonderanhang 2 von Richard P. Moore, S. 246–249.
In den letzten Jahren kamen wir in unserer Arbeit immer wieder in Kontakt mit Christen, die uns von der Bethel Church, der „Bethel School of Supernatural Ministry“ (BSSM) oder anderen von der „New Apostolic Reformation“ (NAR) geprägten Kirchen und Werken erzählten. Zum einen waren es Christen, die Rat suchten, um Lehren, Beobachtungen und Erlebnisse einzuordnen. Zum anderen waren es Christen, die begeistert von dem waren, was sie erlebten, und das mit uns teilen wollten. Wir wussten aber sehr wenig über diese vielfältige Bewegung. Also suchten wir nach Hilfe. Deshalb waren wir dankbar, als uns dieses Buch empfohlen wurde. Dadurch bekamen wir einen Überblick und eine theologische Einordnung dieser Bewegung. Durch Gespräche mit anderen Christen merkten wir, dass es anderen auch so geht, dass sie Informationen brauchen, um diese Bewegung einordnen zu können. Deshalb entschlossen wir uns, dieses Buch ins Deutsche zu übersetzen und herauszugeben.
Brauchen wir in Deutschland also dieses Buch? Unsere Erfahrung sagt uns: Ja! Aber wer genau braucht dieses Buch? Es wurde für die breite Masse von Christen geschrieben. Es gibt Jugendlichen, Eltern, ehrenamtlichen Mitarbeitern und Leitern, Pastoren und Lehrern einen guten Einblick in diese neue, sich rasant ausbreitende Bewegung. Und wenn Sie zu einer dieser Zielgruppen gehören, dann ist dieses Buch für Sie wichtig. Denn die Bethel Church hat besonders auf die evangelikale Szene in Deutschland einen gewaltigen Einfluss – und zwar auf folgende Weise:
•Sie haben in Ihrer Gemeinde oder Kirche sehr wahrscheinlich schon einige Lieder gesungen, die aus der Bethel Church stammen und die zu den beliebtesten aktuellen christlichen Liedern gehören.
•An der „Bethel School of Supernatural Ministry“ (BSSM, dt. etwa „Bethel-Schule für übernatürlichen Dienst“) sind jedes Jahr über 2000 Studenten aus über 70 Ländern eingeschrieben – der größte Anteil von ausländischen Studenten kommt aus Deutschland. Man muss aber nicht erst nach Redding in Kalifornien reisen. Denn in Deutschland gibt es mittlerweile mindestens zehn Schulen, die das BSSM-Ausbildungsprogramm anbieten oder sehr stark von BSSM beeinflusst sind. Es bestehen also große Chancen, dass Sie selbst oder die Kinder und Jugendlichen Ihrer Gemeinde an einem solchen Ausbildungsprogramm teilgenommen haben oder planen teilzunehmen.
•Sie selbst oder Mitglieder Ihrer Gemeinde waren vielleicht schon auf Konferenzen, die von einer solchen Schule oder von „Awakening Europe“ veranstaltet wurden oder bei denen Pastoren der Bethel Church oder Absolventen der BSSM Hauptredner waren.1
•Vielleicht haben Sie auch schon Bücher von einem der Pastoren der Bethel Church gelesen, oder die Leitung Ihrer Gemeinde ist stark von diesem Gedankengut beeinflusst.
•Mittlerweile gibt es 47 Orte in Deutschland, wo die „Seelsorgemethode“ Sozo offiziell angeboten wird.
Sie werden also sehr wahrscheinlich früher oder später mit dem Gedankengut der Bethel Church in Berührung kommen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, dieses Buch zu lesen, um die Theologie und die Praktiken dieser Gemeinde und der damit verbundenen Bewegung einordnen zu können.
Das Buch richtet sich sowohl an die Christen, die glauben, dass Gott die übernatürlichen Zeichen-Gaben des Heiligen Geistes heute nur noch in besonderen Situationen gibt (wie es die CV Dillenburg vertritt), als auch an die sogenannten „Continuationisten“, die glauben, dass Gott die Wundergaben wie zur Zeit der Urgemeinde gibt. Es geht also in diesem Buch nicht darum, Christen aus charismatischen Gemeinden und Pfingstkirchen zu verurteilen. Sondern hier geht es darum, auf Entwicklungen hinzuweisen, die eindeutig dem Wort Gottes entgegenstehen und deshalb der Gemeinde Christi schaden. Aus diesem Grund bringen wir dieses Buch heraus, weil wir den Leib Christi vor geistlichem Schaden schützen wollen.
Die Autoren haben sorgfältig Beweise zusammengetragen, die zeigen, wo diese Bewegung über die Schrift hinausgeht. Wir sehen den gefährlichen Einfluss dieser Bewegung auf einzelne Christen und ganze Gemeinden und befürchten, dass durch dieses Gedankengut manche ihren Glauben verlieren werden und der Glaube an Jesus unnötigerweise in Verruf geraten wird.
Man muss nicht mit jeder Schlussfolgerung einverstanden sein, die die Autoren ziehen, sollte aber ihre Warnungen ernst nehmen.
CHRISTLICHES BILDUNGSZENTRUM ERZGEBIRGE E. V.
CHRISTLICHE VERLAGSGESELLSCHAFT DILLENBURG
AUGUST 2024
Ich werde nie das Gefühl vergessen, das ich hatte, als ich eine mir unbekannte Gemeinde betrat. Ich war noch ängstlich und zurückhaltend, denn in meiner vorherigen Gemeinde hatte ich sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Diese Gemeinde hatte noch am Ostersonntag das Lied „In Christus ist mein ganzer Halt“ gesungen, und ein Jahr später entschuldigte man sich für den Text von „Amazing Grace“. Diese Gemeinde hatte sich (stark) der progressiven Theologie zugewandt. Das hätte beinahe meinen Glauben zerstört. Jetzt, nur wenige Wochen nachdem ich zum letzten Mal durch die Tür dieser Gemeinde gegangen war, betrat ich eine neue Gemeinde, die für die nächsten sieben Jahre unsere geistliche Heimat werden sollte. Als der Gottesdienst begann, fühlte ich mich sofort wohl. Der Lobpreis war dynamisch, mitreißend und fühlte sich lebendig an. Ich war mir sicher, dass dies ein sicherer Ort war. Ich war noch dabei, mich von den Wunden von meiner vorherigen Gemeinde zu erholen, und beobachtete, wie die Gottesdienstbesucher kühn „die Tore des Himmels“ stürmten. Das gab mir ein Gefühl der Sicherheit. Ich saß ein paar Jahre lang in der letzten Reihe auf der Empore und erholte mich von den Wunden einer Glaubenskrise. Dann begann ich langsam, mich einzubringen. Zuerst arbeitete ich in der Kleinkinderbetreuung mit. Danach wurde ich Teil des Lobpreisteams, und schließlich begann ich, Frauen und Jugendliche in Apologetik zu unterrichten. Ich war voll dabei.
Diese Gemeinschaft von Gläubigen war leicht charismatisch, aber auf das Evangelium ausgerichtet und ausgewogen. Doch dann begannen sich die Dinge zu ändern. Bis heute bin ich mir nicht sicher, ob sie sich verändert haben oder ob ich einfach nur kritischer geworden bin, während ich mich intensiv mit Apologetik und Theologie beschäftigte. Eines Tages geschah es: Unser Pastor lud einen bekannten Propheten der „Neuen Apostolischen Reformation“ (kurz: NAR) ein, an einem Samstagabend und am folgenden Sonntagmorgen zu sprechen.
Zu dieser Zeit entdeckte ich die Arbeit von Holly Pivec und Doug Geivett. Sie hatten bereits sehr detailliert recherchiert und aufgeschrieben, was ich schließlich im wirklichen Leben miterlebte: den Prozess und die Folgen, die eintreten, wenn die Lehren und Praktiken der NAR in eine Gemeinde kommen. Ich kann persönlich bezeugen, welche Zerstörung und Wunden diese Lehre im Leben von Menschen anrichtet. Ich habe gesehen, wie ahnungslose Christen, die sich nach Erweckung sehnten, von einer Bewegung mitgerissen wurden, die Einheit, Erneuerung und sogar Wunder verspricht, nur um dann Verwirrung, leere Versprechungen und Manipulation zu liefern.
Vielleicht haben Sie noch nie von der NAR gehört, aber wenn Sie Christ sind und zu einer Gemeinde gehören, besteht eine fast 100-prozentige Chance, dass Sie eines der Lieder dieser Bewegung in einem Gottesdienst gesungen haben. Deshalb ist es so wichtig, dass jeder Christ, und insbesondere jeder christliche Pastor und Leiter, dieses Buch liest.
Ich bete, dass die sorgfältige Recherche, der zurückhaltende Schreibstil und die wahrheitsgetreuen Beobachtungen in diesem Buch vielen Gemeinden helfen werden, die in die Theologie und die Praktiken der NAR abdriften könnten. Ich bete, dass es vielen Gemeinden hilft, wichtige Kurskorrekturen vorzunehmen bei ihrem Bestreben, ein authentisches Christsein in Geist und Wahrheit zu leben.
ALISA CHILDERS
Autorin des Bestsellers Ankern. Eine Verteidigung der biblischen Fundamente in postmodernen Gewässern
In diesem Buch berichten wir von persönlichen Erfahrungen. Wir geben die Ereignisse nach bestem Wissen und Gewissen und nach sorgfältiger Prüfung unserer eigenen aufgeschriebenen Beobachtungen wieder. Wir haben auch Geschichten von Menschen aufgenommen, die durch die Bewegung der „Neuen Apostolischen Reformation“ geschädigt wurden, so wie sie uns mitgeteilt wurden. Wo es möglich war, haben wir die Erlaubnis eingeholt, diese Geschichten zu veröffentlichen; andernfalls haben wir die persönlichen Daten entfernt, um die Privatsphäre der Personen zu schützen. Außerdem haben wir die Namen einiger Personen geändert. Es gab andere Geschichten, die wir sehr gern aufgenommen hätten, dies aber nicht taten, weil die Eltern, die sie uns erzählten, Angst vor möglichen Konsequenzen hatten, wenn ihre erwachsenen Kinder – die Anhänger der „Apostel“ und „Propheten“ geworden sind und den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen haben – erfahren würden, dass sie mit uns gesprochen haben. Diese Eltern befürchteten, dass ihre ohnehin schon zerrütteten Beziehungen zu ihren Kindern endgültig zerbrechen würden. Ihre Angst ist ein starker Hinweis auf die zerstörerische Wirkung der Bewegung, über die wir schreiben.
Dieses Buch konzentriert sich vor allem auf die Praktiken der Bewegung der Neuen Apostolischen Reformation und die konkrete Art und Weise, wie sie sich in Gemeinden, christlichen Werken und in der Musik zeigt. Wir haben weitere, wissenschaftliche Bücher geschrieben, die tiefer in die Theologie der NAR eintauchen und die alles ausführlich belegen. Diese Bücher heißen A New Apostolic Reformation? A Biblical Response to a Worldwide Movement (dt. etwa: Eine Neue Apostolische Reformation? Eine biblische Antwort auf eine weltweite Bewegung) und die Kurzfassung dieses Buches: God’s Super-Apostles: Encountering the Worldwide Prophets and Apostles Movement (dt. etwa: Gottes Superapostel: Der Bewegung der weltweiten Propheten und Apostel begegnen). Beide sind bei Lexham Press erschienen. Während wir an Das gefälschte Gottesreich schrieben, haben wir ein weiteres wissenschaftliches Manuskript fertiggestellt, das sich mit der Theologie der Bethel Church in Redding, Kalifornien, beschäftigt. Es wird demnächst bei Cascade/Wipf & Stock unter dem Titel Reckless Christianity: The Destructive New Teachings and Practices of Bill Johnson, Bethel Church, and the Global Movement of Apostles and Prophets2 (dt. etwa: Leichtsinniges Christentum: Die zerstörerischen Lehren und Praktiken von Bill Johnson, der Bethel Church und die globale Bewegung der Apostel und Propheten) erscheinen. Wenn Sie Fragen haben, die in diesem Buch nicht beantwortet werden, verweisen wir Sie auf diese anderen Bücher und auf Hollys Blog unter www.HollyPivec.com.
Wir möchten auch darauf hinweisen, dass wir, wenn wir uns in diesem Buch auf Lehren von NAR-Leitern beziehen, damit nicht behaupten wollen, dass jeder Apostel, Prophet oder Lehrer in dieser Bewegung dieselben Überzeugungen vertritt oder mit jedem Punkt der Theologie und Praxis übereinstimmt. Aber die Praktiken und Lehren, die wir hier hervorheben, sind diejenigen, die von einflussreichen Leitern in dieser Bewegung propagiert werden und aus diesem Grund in einer wachsenden Zahl von Gemeinden Eingang gefunden haben. Wir haben jede Gelegenheit zum direkten Dialog mit den Leitern der Bewegung begrüßt.
Ich ermahne euch aber, Brüder,dass ihr achthabt auf die,welche entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt,Parteiungen und Ärgernisse anrichten,und wendet euch von ihnen ab.
RÖMER 16,17
Es ist eine Gemeinde,die Sie ganz offen gesagt durcheinanderbringt:
Ihre Theologie, Ihre Art, Gemeinde zu leben, und Ihre Auffassung von Ihrem Leben mit Jesus.
ARTIKEL ÜBER DIE BETHEL CHURCH IN „PREMIER CHRISTIANITY“3
Mit mehr als 780 000 Instagram-Followern ist die Bethel Church in Redding, Kalifornien, eine der bekanntesten Gemeinden in Amerika und der ganzen Welt. Ein wichtiger Grund dafür ist ihre Musik. Bethel Music (mit sage und schreibe 1,7 Millionen Instagram-Followern) hat viele der beliebtesten Lieder produziert, die in Gemeinden gesungen und online gestreamt werden, darunter „No Longer Slaves – Nicht mehr Sklave“, „You Make Me Brave – Du machst mir Mut“ und „Reckless Love – Gewagte Liebe“. Die Pastoren, darunter Bill Johnson und Kris Vallotton, haben zahlreiche Bestseller geschrieben, darunter Und der Himmel bricht herein und Eine Frage der Ehre: Der übernatürliche Lebensstil der Königskinder.
Offensichtlich kennen viele Christen die Bethel Church. Aber wissen sie wirklich, was dort vor sich geht, und wissen sie, was die Leiter dieser Gemeinde tatsächlich lehren?
Sicher, ihnen ist vielleicht klar, dass die Gemeinde charismatisch ist. Auch wenn diese Art von Theologie nicht jedermanns Sache ist, gibt es unter den Charismatikern doch viele treue Christen. Vielleicht sind die Überzeugungen von Bethel also gar nicht so abwegig. Oder doch?
Wir geben Ihnen einige aufschlussreiche Einblicke hinter die Kulissen von Bethel, damit Sie sich selbst ein Urteil bilden können.
Diese Geschichte ist herzzerreißend. Die Leser werden zweifellos mit denjenigen mitfühlen, die diese Tragödie durchgemacht haben, vor allem, wenn sie selbst schon einmal etwas Ähnliches erlebt haben. Aber was Bethel danach tat, schockierte und verstörte Christen auf der ganzen Welt, darunter viele pfingstkirchliche und charismatische Christen, die von Gott Wunder erwarten (auch, dass er kranke Menschen heilt), die aber Bethels Handeln nicht gutheißen.
Am 14. Dezember 2019 lag die zweijährige Olive Heiligenthal schlafend in ihrem Bett und hörte plötzlich auf zu atmen. Als dies entdeckt wurde, setzte ihre Familie den Notruf ab, und die Sanitäter brachten sie schnell ins Krankenhaus. Doch es war zu spät. Die kleine Olive war gestorben.
Eine sinnlose Tragödie. Die tiefste Angst aller Eltern. Der Schmerz der Hilflosigkeit und die Beerdigung, die mit Sicherheit folgen würde.
Aber vielleicht nicht dieses Mal.
Die meisten trauernden Eltern hätten eine Beerdigung geplant. Aber nicht die Eltern von Olive. Ihre Mutter Kalley, eine Lobpreisleiterin in Bethel, und ihr Vater Andrew weigerten sich, Olives Tod zu akzeptieren. Aufgrund ihres eigenartigen Verständnisses der Bibel – das ihnen von den Leitern der Bethel Church beigebracht worden war – schienen sie zu einhundert Prozent davon überzeugt zu sein, dass Gott Olive von den Toten auferwecken würde. Also bewahrten sie ihre Leiche in der örtlichen Leichenhalle auf – nur für eine Weile –, während sie darauf warteten, dass sie wieder zum Leben erwachte.
Über die sozialen Medien forderten die Leiter von Bethel Christen auf der ganzen Welt auf, sich den Eltern anzuschließen und eine Auferstehung zu „proklamieren“, weil sie glaubten, dass ihre gesprochenen Worte als Kinder Gottes die Macht hätten, Olive zurückzubringen. Der Hashtag #wakeupolive ging viral. Zehntausende in aller Welt schlossen sich der auf Facebook und Instagram geposteten „Proklamation“ an.
„Wir beten und proklamieren Auferstehungsleben für Olive … Kleine Olive, in Jesu Namen, steh auf!“
„Vater, in Jesu Namen proklamieren wir und gebieten, dass der Geist des Lebens in Olives Körper zurückkehrt!“
„Wach auf, kleine Olive, wir lassen im Namen Jesu Auferstehungskraft in deinen Körper fließen.“4
Sogar bekannte Lobpreisleiter aus anderen Gemeinden, darunter Taya Gaukrodger und Brooke Ligertwood von Hillsong, schlossen sich den Aufrufen auf Instagram an. Die amerikanische Sängerin und Songschreiberin Kari Jobe machte eine verblüffende Mitteilung an ihre eine Million Follower: „Wir warten immer noch im Glauben darauf, dass Olive aufwacht.“5
Die Geschichte wurde von den nationalen Nachrichten aufgegriffen. Die Washington Post, die Daily Mail, USA Today, Slate und BuzzFeed gehörten zu den vielen hochkarätigen Medien, die darüber berichteten. BuzzFeed benutzte Worte wie herzzerreißend und entsetzlich in seiner Beschreibung der Versuche der Gemeinde, Olive aufzuerwecken:
In dieser Woche ging ein Instagram-Beitrag einer Mutter, die eine prominente Persönlichkeit in einer einflussreichen, aber umstrittenen christlichen Kirche ist, viral. Ihre Bitte ist sowohl herzzerreißend als auch entsetzlich: Sie bittet ihre Kirche und die Gläubigen in den sozialen Medien, für die Auferweckung ihres Kindes zu beten, das am Wochenende plötzlich gestorben ist … Tausende von Menschen teilen die Überzeugung, dass die Macht des Gebets und die Verbreitung über die sozialen Medien einem Kind buchstäblich wieder „Leben einhauchen“ kann.6
Von diesen Berichten aufgewühlt, verfolgten Menschen auf der ganzen Welt, wie sich die Geschichte entwickelte.
Ein Tag verging.
Keine Auferstehung.
Zwei Tage.
Nichts.
Drei Tage. Sicherlich würde dies der Tag sein. Immerhin wurde Jesus drei Tage nach seinem Tod auferweckt. So schlussfolgerten die Anhänger von Bethel.
Immer noch nichts.
Aber die Geschichte war noch nicht zu Ende. Sie ließen nicht locker. „Tag vier ist ein wirklich guter Tag für eine Auferstehung“, schrieb Kalley auf Instagram.7 Später am Abend stand das Paar auf der Bühne der Gemeinde und sang aus voller Kehle: „Olive, komm aus diesem Grab, komm aus diesem Grab in Jesu Namen!“8 Die Gemeinde schloss sich ihnen an, tanzte, hob die Arme in die Luft und befahl Olive, ins Leben zurückzukehren.
Am nächsten Tag wiederholte Kalley die gleichen Worte: „Tag fünf ist ein wirklich guter Tag für eine Auferstehung.“9
Schließlich, nach sechs Tagen, gab die Gemeinde plötzlich auf. USA Today erklärte: „Olive ist nicht auferstanden. Nachdem sie für ein Wunder gebetet hatte, plant die Familie des Mädchens nun eine Trauerfeier.“ Viele andere Nachrichtenorganisationen brachten ähnliche Schlagzeilen.
Der Abschluss der dramatischen Ereignisse der vorangehenden Woche war enttäuschend. Die Verantwortlichen von Bethel veröffentlichten eine Pressemitteilung, in der sie ankündigten, dass die Familie mit der Planung einer Trauerfeier begonnen hatte. Ihre Versuche, Olive aufzuerwecken, waren lautstark gewesen und hatten in der Öffentlichkeit stattgefunden. Im Gegensatz dazu wurde der Trauergottesdienst im Stillen geplant und hinter den Kulissen abgehalten. Fast so, als hofften sie, so wenig Aufmerksamkeit wie möglich auf die Beerdigung zu lenken – und auf ihr Versagen darin, Olive aufzuerwecken.
Was Bethel als kühnen christlichen Glauben ansah, betrachteten andere Christen als Narrheit. Die Proklamationen, das fieberhafte Tanzen und das Leugnen hatten ein Ende gefunden. Olives Eltern blieben mit einem Loch in ihrem Herzen und mit Versprechungen einer Gemeinde zurück, die sich nicht erfüllt hatten.
Was würde aus Olives Eltern werden?, fragten sich besorgte Beobachter. Würde ihr Glaube überleben? Was ist mit den Anhängern der Gemeinde auf der ganzen Welt, die wirklich glaubten, dass Olive auferstehen würde? Würden sie so desillusioniert sein, dass sie die Gemeinde – oder schlimmer noch, Gott – verlassen würden?
Viele machten sich Sorgen, dass Bethels „verrückte“ Eskapaden die Art und Weise, wie Nichtchristen über alle Christen denken, beeinflussen und das Zeugnis von vielen Christen vor einer zuschauenden Welt beschädigen würden. Traurigerweise hatten sie recht. Ein populärer atheistischer Blogger, der mehr als eine halbe Million Facebook-Follower hat, sah die Gelegenheit, sich über alle religiösen Überzeugungen lustig zu machen, nicht nur über die von Bethel. Hemant Mehta, der unter dem Pseudonym „The Friendly Atheist“ (Der freundliche Atheist) auftritt, schrieb:
Ich empfinde tiefes Mitgefühl mit der Familie. Ich weiß nicht, was sie gerade durchmachen. Aber die Gemeinde muss ihre eigene Theologie überdenken, denn es ist geradezu grausam, den Menschen zu sagen, dass ihre verstorbenen Angehörigen zurückkommen könnten, wenn sie nur fest genug beten. Dem unvorstellbaren Kummer wird durch diese religiösen Überzeugungen weiteres Leid hinzugefügt.10
Zweifellos fühlten sich viele Anhänger des Friendly Atheist in ihrer Überzeugung bestätigt, dass Christen unvernünftige Dummköpfe seien.
Ein anderer Blogger unterstellte, dass Bethel den Fall der kleinen Olive ausnutzte, indem sie einen Bethel-Music-Song mit dem Titel „Come Out of That Grave – Resurrection Power“ (dt. etwa: „Komm heraus aus diesem Grab – Auferstehungskraft“) herausbrachten. Das Album wurde nur sechs Monate nach Olives Tod veröffentlicht.11
Natürlich verteidigen einige immer noch Bethels Versuch, Olive aufzuerwecken. Vielleicht sind die Überzeugungen dieser Gemeinde bizarr – sagen sie –, aber die Leute haben es gut gemeint, und das ist es, was zählt. Aber unabhängig von ihren guten Absichten lassen sich die verheerenden Folgen ihrer Handlungen und ihrer Botschaft nicht leugnen.
Nicht nur die Aktivitäten, die in der Bethel Church stattfinden, sondern auch ihre „Exkursionen“ haben für Aufsehen gesorgt.
Was treibt eine Gruppe von Studenten im College-Alter dazu, auf einem Friedhof herumzuhängen? Antwort: der Wunsch nach übernatürlichen Kräften.
Einige lagen mit ihrem Rücken auf den Grabstätten. Andere lagen mit dem Gesicht nach unten im Gras vor den Grabsteinen. Eine junge Frau hatte sich in der Fötusstellung vor einem Grabstein zusammengerollt, als würde sie sich von der immer noch anwesenden geistlichen Kraft der Leiche ernähren. Die Anhänger von Bethel nennen diese Kraft „Salbung“.
Wie sich herausstellte, kamen diese Studenten von der „Bethel School of Supernatural Ministry“ (BSSM, dt.etwa: „Bethel-Schule für übernatürlichen Dienst“) und nahmen an einer Praxis teil, die man „grave sucking“ (Deutsch: „Grab aussaugen“) oder „grave soaking“ (Deutsch: „sich vom Grab durchtränken lassen“) nennt. Sie besuchten die Gräber bekannter „Wundertäter“ – wie das Grab des britischen Wunderheilers Smith Wigglesworth und der amerikanischen „Heilungs“-Evangelistin Kathryn Kuhlman – und versuchten, die Kräfte der toten Wundertäter „aufzusaugen“ (oder sich davon durchtränken zu lassen). Was war die Motivation für ihr schauriges Treiben? Sie verwiesen auf einen wenig bekannten Bibelvers, 2. Könige 13,21. Darin wird erzählt, wie der Körper eines Toten mit den Gebeinen Elisas in Berührung kam und der Mann wieder zum Leben erwachte.
Eine Kontroverse brach aus. Bethel leugnete, dass seine Leiter diese Praxis jemals unterstützt hätten. Ehemalige BSSM-Studenten sagen jedoch, dass die Leiter diese Praxis auf jeden Fall gefördert hätten.12 Bilder und Videos – die Sie mit einer schnellen Google-Suche finden können – zeigen, dass diese Praxis von den Leitern unterstützt wurde. Ein YouTube-Video zeigt, wie der Bethel-Pastor und BSSM-Absolvent Ben Fitzgerald daran teilnimmt.13 Und sogar Beni Johnson, die Frau von Bill Johnson und selbst leitende Pastorin, ist auf verschiedenen Bildern zu sehen, wie sie auf dem Rücken auf einem Grab liegt und einen Grabstein fest umarmt. Als sie nach den Gründen dafür gefragt wurde, sagte sie: „Erinnern Sie sich an Elisa und seine Gebeine?“14
Das „Grabsaugen“ wurde bald zu einem PR-Problem, und Bethel hat diese Praxis inzwischen eingestellt. Aber die Katze ist aus dem Sack, und Praktiken wie das „Grabsaugen“ haben die Besorgnis über die Art und Weise verstärkt, wie den Menschen in Bethel beigebracht wird, die Bibel zu lesen – sich Verse herauszupicken und sie zu missbrauchen, um seltsame neue Praktiken für Christen zu erfinden.
Wir wetten, dass Sie nicht wussten, dass sich Engel manchmal langweilen können. Zumindest lehrt man das in Bethel. In ihrem Blog erzählt Beni Johnson zwei Geschichten von Engeln, die sich so sehr langweilten, dass sie einschliefen. In der ersten Geschichte behauptet eine Studentin der BSSM, Gott habe ihr gesagt, sie solle zur „Moriah Chapel“ gehen, einer Gebetskapelle in Wales, und „Aufwachen, Aufwachen“ rufen. Das tat sie, und zu ihrer Überraschung weckte sie einen Engel, der sich in der Kapelle niedergelassen hatte. Hier ist Beni Johnsons Bericht darüber, was passiert ist:
Sie stand an diesem Tag da und schrie aus vollem Halse: „Aufwachen, Aufwachen!!!“ Etwa fünf Minuten lang geschah nichts, also drehte sie sich um, um die Straße zu überqueren und in ein Geschäft zu gehen. Als sie sich umdrehte, spürte sie, wie der Boden zu beben begann, und sie hörte ein gewaltiges Gähnen. Sie blickte zurück zur Kapelle, und ein riesiger Engel trat heraus. Alles, was sie sehen konnte, waren seine Füße, weil er so groß war. Sie fragte ihn, wer er sei, und er wandte sich zu ihr um und sagte: „Ich bin der Engel der Erweckung von 1904, und du hast mich gerade aufgeweckt.“ Sie fragte ihn: „Warum hast du geschlafen?“ Der Engel antwortete: „Weil niemand mehr nach Erweckung gerufen hat.“15
Beni Johnson war von der Geschichte ihrer Schülerin so inspiriert, dass sie nun regelmäßig Engel aufweckt. Hier ist eine weitere Geschichte von ihr:
In den letzten Monaten habe ich persönlich die Aktivität der Engel in diesem Bereich wahrgenommen. Einer dieser Momente war, als wir auf einer Gebetsreise in Arizona waren. Eine Gruppe von uns hatte beschlossen, dass es für uns an der Zeit war, eine Gebetsreise nach Sedona zu unternehmen, um mehr von Gottes Reich freizusetzen. Dazu mieteten wir ein Wohnmobil und fuhren von Redding, Kalifornien (wo wir leben), bis nach Sedona, Arizona. Unterwegs hielten wir an und beteten, wenn wir uns dazu berufen fühlten.
Eines Morgens, als wir über den Tehachapi-Pass fuhren und in die Mojave-Wüste kamen, begann ich, Engel zu spüren. Je näher wir kamen, desto stärker wurde der Eindruck. Ich konnte sie überall sehen! Immer, wenn Engel anwesend sind, werde ich sehr lebhaft und aufgeregt, weil ich weiß, dass Gott etwas Großes vorhat. Ich teilte dies der Gruppe mit und sagte: „Wir müssen anhalten! Wir müssen irgendwo anhalten.“ Wir fanden eine Ausfahrt, nahmen sie und fuhren in diese kleine Stadt. Wir wussten nicht wirklich, was wir tun oder wohin wir gehen sollten. Wir wussten nur, dass irgendetwas vor sich ging und dass wir herausfinden mussten, was. Als wir um eine Ecke fuhren, sagte ich: „Ich glaube, wir werden hier ein paar Engel aufwecken.“ Kaum hatte ich das gesagt, fuhren wir an einem Hotel zu unserer Linken vorbei, und, kein Scherz, der Name des Ladens war „Mariah Country Inn“. Als ich das Schild sah, erinnerten wir uns sofort an die Aufwachen-Geschichte aus Wales. Wir wussten, dass wir umdrehen, aus dem Wohnmobil aussteigen und die Engel aufwecken mussten. Ich wünschte, ich könnte Ihnen die Energie und die Schnelligkeit vermitteln, mit der Gott am Werk war. Wir sprangen aus dem Wohnmobil, ich blies das Schofar (eine Trompete aus dem Horn eines Widders) und läutete die Glocke, und wir riefen „Aufwachen!“. Wir stiegen wieder in das Wohnmobil und fuhren los. Als wir losfuhren, brachen wir in schallendes Gelächter aus! Wir waren fassungslos über die Geschwindigkeit, mit der das alles geschah, und waren ganz aus dem Häuschen über das Abenteuer und die Aktivität der Engel. Was um alles in der Welt ist gerade passiert?! Der Himmel ist mit der Erde kollidiert. Juhu!“16
Beni Johnson schrieb, dass sie seit dieser Zeit den Wunsch verspürt, Engel aufzuwecken. In ihrem öffentlichen Wirken bringt sie die Menschen oft dazu, „Aufwachen!“ zu rufen.
Die Vorstellung von schlafenden Engeln mag ein wenig ungewöhnlich anmuten. Aber eine der respektlosesten Aussagen über Engel stammt von einer leitenden Lobpreispastorin der Bethel Church. Jenn Johnson ist die Schwiegertochter von Bill und Beni Johnson. Als sie auf einer Frauenkonferenz lehrte, beschrieb sie eine Szene aus der Bibel, im Buch der Offenbarung, wo Engel den Thron Gottes umgeben. Dort beten sie ihn an und rufen: „Heilig, heilig, heilig!“17. Jenn Johnson sagte, dass sie über diese anbetungswürdige Szene nachdachte, als sie sich vorstellte, wie die Engel wahrscheinlich lachen und herumalbern, während sie den Thron umkreisen. Diese Gedanken kamen ihr in den Sinn: „Ich wette, sie schreiben sich gegenseitig Textnachrichten. Ich wette, sie veranstalten Furz-Wettbewerbe.“18
Die Frauen, die an der Bethel-Konferenz teilnahmen, lachten hysterisch über ihr Gerede von Engeln mit Blähungen. Aber jenseits der Mauern Bethels fanden viele das gar nicht lustig. Zusammen mit Beni Johnsons Schilderung der dösenden Engel ergibt sich ein beunruhigendes Bild. In Bethel scheinen heilige Dinge als alltäglich und banal behandelt zu werden.19
Was um „Mittelerde“ willen geht in Bethel vor sich? Das fragten sich viele Menschen, als sie ein Video auf Facebook sahen. Es zeigte den leitenden Pastor der Gemeinde, Bill Johnson, zusammen mit zwei anderen bekannten „Aposteln“, die an einer bizarren „Herr-der-Ringe“-Nachstellung teilnahmen.20
Das „prophetische“ Nachspielen, das in Bethel stattfand und auf Bethel.TV ausgestrahlt wurde, basierte auf einer bekannten Szene aus „Der Herr der Ringe“, in der der Zauberer Gandalf dem dämonischen Monster Balrog in einem spannenden Patt gegenübersteht. Aber anders als im Film kämpften die Apostel nicht gegen den Balrog. Sie waren dort, um einen mächtigen und dämonischen „Geist des Rassismus“ aus der weltweiten Kirche auszutreiben. Als Apostel behaupteten sie, sie hätten von Gott die außerordentliche Vollmacht, das sogenannte „apostolische Dekret“ zu erlassen.
Angeführt von einer Prophetin, die einen weißen Umhang trug und die Rolle von Gandalf imitierte, versammelten sich die Apostel und einige andere in der Mitte der Bühne. Sie umklammerten mit den Händen einen langen Holzstab. Das Publikum wurde angewiesen, seine Zustimmung zu diesem „historischen“ prophetischen Akt, der nun stattfinden sollte, zu zeigen, indem es sich von ihren Plätzen erhob.
„Wir proklamieren und gebieten, dass der Rassismus enden wird. Es ist vorbei … von diesem Abend an, in Jesu mächtigem Namen“, erklärte Apostel Ché Ahn. Der Rest der Apostel schlug in einem Anflug von übernatürlicher Kraft den Stab laut auf den Bühnenboden.
Als Nächstes rief die „Zauberin“ mit fast den gleichen Worten wie Gandalf im Film: „Du kannst nicht vorbei!“ Gandalf imitierend forderte sie das Publikum auf, den Satz dreimal mit ihr zu wiederholen.
Nach diesem Schauspiel war der Dämon des Rassismus angeblich besiegt. Die Apostel klatschten, und das Publikum brach in Jubel aus.
Nur zur Sicherheit – glaubt irgendjemand, dass das funktioniert hat?
Wenn zu Ihrer Vorstellung vom Christsein nicht gehört, dass Apostel-Zauberer mit ihren Stäben auf den Boden stampfen, um mächtige Dämonen abzuwehren, dann sind Sie nicht allein. Aber anscheinend ist das die Bethel-Art, Dinge zu tun. Und abgesehen von den okkulten Elementen ist besonders bedeutsam, dass die Apostel nicht nur schauspielern wollten. In ihrem Verständnis war dies eine ernste Angelegenheit – die bedeutsamste Art der geistlichen Kriegsführung, die von Nachfolgern Christi geführt werden kann – mit tiefgreifenden Folgen für die Kirche.
Das Chaos in der Bethel Church wurde der Öffentlichkeit erstmals 2011 bekannt. Viele Christen kannten diese Kirche noch nicht, bis sie – buchstäblich, wie man sagt – in einer „Herrlichkeitswolke“ auftauchte.
Im Jahr 2011 begann eine mysteriöse, glitzernde goldene Substanz, sich während der Gottesdienste der Kirche zu materialisieren. Nach Angaben der Leitung der Kirche erschien diese Wolke innerhalb von 18 Monaten 26-mal. Sie nannten sie die „Herrlichkeitswolke“ und feierten sie als Zeichen der besonderen Gegenwart Gottes im Gebäude der Gemeinde. Ein Augenzeuge beschrieb diese „Herrlichkeitswolke“ wie folgt:
Sie erhebt sich aus dem Boden, wie aus dem Nichts. Wenn man unter ihr stand, konnte man spüren, wie sie durch den Körper ging, die Haut berührte oder in die Augen geriet. Sie blieb auch an allem haften. Denjenigen, die krank waren, wurde gesagt, sie sollten sich unter die Wolke begeben, und einige wurden innerhalb von Minuten geheilt.21
Andere beschrieben, dass die Wolke nicht vom Boden aufstieg, sondern von der Decke herabkam. Einige Leute drehten Videos und stellten sie auf YouTube ein, wodurch die Kirche ins Rampenlicht katapultiert wurde. In den Videos sieht man Menschen, die zu der schwebenden Substanz hinaufstarren und „Wow“ rufen. Sie fangen etwas davon in den Händen und rufen: „Ist das nicht verrückt? Seht euch das an!“ Viele Menschen reisten nach Redding in der Hoffnung, das Phänomen zu beobachten.
Auch Jahre später wird noch darüber diskutiert, was wirklich in Bethel passiert ist. Einige sagen, dass es sich um einen Publicity-Gag der Kirchenleitung handelte. Sie sagen, die glitzernde Substanz sei lediglich Glitter gewesen, der absichtlich in der Lüftungsanlage der Kirche platziert wurde. Gerüchten zufolge sammelten einige Leute die Substanz sogar ein und brachten sie zu Edelsteinfachleuten zur Analyse. Es wurde festgestellt, dass es sich weder um Gold noch um etwas anderes von Wert handelte. Mit anderen Worten: Es war ein Trick.
Andere vermuten eine wissenschaftliche Erklärung – vielleicht war es nur ein Effekt, der durch die hellen Scheinwerfer erzeugt wurde, die Staubpartikel oder Schweißtropfen in der Luft sichtbar machten. Wieder andere bestehen darauf, dass es sich bei der Herrlichkeitswolke um eine echte Erscheinung handelte, und nichts wird sie von ihrer Meinung abbringen.
Von allen Dingen, die sich in Bethel zugetragen haben, ist die Herrlichkeitswolke immer noch eines der meistdiskutierten – sogar noch mehr als die „Engelsfedern“, die angeblich während der Gemeindeveranstaltungen von oben herabflatterten, oder die unerklärlichen Windstöße in den Räumen. Bill Johnson hat die Herrlichkeitswolke – genau wie die Federn und den Wind – gegen die Kritiker verteidigt, indem er sie als wundersames „Zeichen, das einen zum Staunen bringt“ bezeichnete.22 Andere sagen, dass es sich dabei nicht um echte Wunder handelt, sondern um einen Hype – höchstwahrscheinlich um Betrug –, und dass sie von der wahren Anbetung Gottes auf der Grundlage der Wahrheit der Heiligen Schrift ablenken.
Genau das ist die Bethel Church: eine Menge Blendwerk, das zahlreiche Fans der Kirche überzeugt, während viele andere verunsichert sind und nicht wissen, was sie von alledem halten sollen.
Diese Beispiele sind nur einige der vielen seltsamen Geschichten, die man aus Bethel hört. Und dabei haben wir die „lila Blase des Schutzes“ noch gar nicht erwähnt. Der Hauptprophet der Kirche, Kris Vallotton, sagte, dass Gott diese Blase über Bethel-Studenten kommen lasse, um sie „unempfindlich“ gegen abgefeuerte Schüsse, Bomben, Entführungen, Vergewaltigungen und Morde zu machen.23 Auch haben wir noch nicht die „Reisen der gesamten Gemeinde in den Himmel“ beschrieben. Der „Prophet“ Bob Jones behauptete, er habe die gesamte Bethel-Gemeinde während eines Gottesdienstes zu Jesus und Gott, dem Vater, in den Himmel geführt, als er sie zu einer Reihe von tiefen Atem- und Visualisierungstechniken anleitete, die zu einer außerkörperlichen Erfahrung führen sollten. Er sagte ihnen, sie könnten dieselben Techniken, die er ihnen beigebracht hatte, anwenden, um in den Himmel zu reisen – so oft sie wollten.24 Auch in den Kindergottesdiensten von Bethel wurden Kinder von den Leitern auf „Reisen in den Himmel“ mitgenommen, und es wurde ihnen beigebracht, Tote auferstehen zu lassen, indem sie wie Mumien in Toilettenpapier eingewickelt wurden.25 Auf den folgenden Seiten erzählen wir Ihnen noch weitere, ebenso abstruse Geschichten.
Sie denken vielleicht, dass diese bizarren Geschichten zu lächerlich sind, um ernst genommen zu werden, aber Sie irren sich. Durch die Medien, die Musik und geschicktes Marketing ist Bethel weltweit bekannt geworden und hat eine massive Bewegung ausgelöst, die als „Neue Apostolische Reformation“ oder kurz NAR bekannt ist.26 Allein in den Vereinigten Staaten besuchen mehr als 3,5 Millionen Menschen NAR-Kirchen, die von modernen „Aposteln“ und „Propheten“ geleitet werden.27 Viele weitere Millionen Menschen auf der ganzen Welt besuchen Kirchen, die sich auf NAR-Apostel und -Propheten verlassen, darunter auch die von Bethel, um „gesalbte“ Lehren zu erhalten.
Dabei ist auffällig, dass viele der Bethel-Anhänger eher traditionelle christliche Gemeinden besuchen. Diese Menschen glauben, dass ihren Gemeinden etwas Entscheidendes fehlt. Also gehen sie am Sonntagmorgen in die Gottesdienste ihrer Gemeinden. Während der Woche hören sie die Lehren der Bethel Church, weil sie deren Leiter für echte Apostel und Propheten mit Wunderkräften und einem direkten Draht zu Gott halten. Viele glauben, dass sie ohne Bill Johnsons und Kris Vallottons neue Offenbarungen keine „Intimität mit Gott“ erfahren, keine „dämonischen Festungen in ihrem Leben besiegen“ und ihre göttlich bestimmte Berufung nicht erfüllen können. Das sind keine Kleinigkeiten.
Mehr als 11 000 Menschen nennen die Bethel Church ihr „Zuhause“, aber sie ist auch zu einem christlichen „Mekka“ geworden, in das jedes Jahr Tausende von Menschen aus der ganzen Welt reisen, die ein persönliches „Wort“ von Gott oder Heilung von einer Krankheit suchen. Andere kommen, um an Bethel-Konferenzen für Männer, Frauen, Jugendliche und christliche Führungskräfte teilzunehmen.
Wenn Menschen nicht den ganzen Weg nach Redding auf sich nehmen können, ist das kein Grund zur Sorge. Die Leiter von Bethel kommen zu Ihnen. Sie reisen häufig durch die ganze Welt und werden regelmäßig eingeladen, um in kleinen Gemeinden in winzigen Städten (wie in Iowa und Alaska) zu sprechen oder in den allergrößten Gemeinden in den größten Städten (wie Houston und Sydney).
Viele Kirchen schicken ihre jungen Leute auch auf die „Bethel School of Supernatural Ministry“ – ein Zentrum für die Ausbildung von Wundertätern – mit mehr als 2600 Studenten und 13 000 Absolventen aus mehr als 100 Nationen. Und Pastoren, die ihre eigenen Gemeinden nach dem Vorbild Bethels umgestalten wollen, schließen sich dem „Bethel-Leiter-Netzwerk“ an. Das ist ein „apostolisches“ Netzwerk und wird von einem Apostel (Johnson) geleitet, der mit einem Propheten (Vallotton) zusammenarbeitet. Indem sie dem Netzwerk beitreten, erklären sich die Pastoren bereit, sich der geistlichen Autorität der Bethel-Leiter zu unterstellen.
Warum sollten Pastoren jemals zustimmen, sich der Autorität eines Apostels oder Propheten zu unterstellen? Bethels Antwort: um Segen zu erhalten. Kurz gesagt: Es gibt angeblich eine göttliche Befehlskette. Und wenn sie sich nicht der Autorität eines Apostels oder Propheten unterordnen, rebellieren sie gegen Gottes offenbarten Willen für die Kirche. Der psychologische und geistliche Druck, sich den Aposteln und Propheten von Bethel (oder den Aposteln und Propheten einer anderen Kirche) zu unterwerfen, ist also groß.
Wenn die Geschichten, die Sie in diesem Kapitel gelesen haben, Sie beunruhigen, dann sollten Sie wissen, dass sie auch uns beunruhigen. Unzählige Menschen aus aller Welt haben sich an uns gewandt und uns ihre eigenen Geschichten darüber erzählt, wie sie, ihre Familien und ihre Gemeinden durch die Lehren von Bethel und anderen NAR-Kirchen geschädigt wurden.
Warum sollten Pastoren jemals zustimmen, sich der Autorität eines Apostels oder Propheten zu unterwerfen? Antwort: um Segen zu erhalten.
Um ihren Geschichten eine Stimme zu geben, haben wir dieses Buch geschrieben. Es soll aufdecken, was das für eine Bewegung ist und welche Praktiken sie hat. Dabei decken wir die Gefahren der NAR-Lehren, wie auch den Schaden, den sie anrichten, und die Art und Weise, wie sie das Evangelium kompromittieren, auf.
Die Wahrheit ist: Obwohl Bethel die führende Kirche in einer weltweiten Bewegung ist, die inzwischen Tausende von Kirchen beeinflusst hat, ist dies vielen Christen immer noch unbekannt. Vielleicht sind sogar Ihre eigenen Überzeugungen von Bethel und NAR beeinflusst worden, ohne dass Sie sich dessen bewusst waren. Aber das ist jetzt vorbei. Im weiteren Verlauf dieses Buches werden Sie hinter den Vorhang blicken, damit Sie Teil der Gegenbewegung werden können – um des Evangeliums willen.
Mehr, Gott! Mehr! Ich muss um jeden Preis mehr von Dir haben!
DER „APOSTEL“ BILL JOHNSON
Wer sind die geheimnisvollen Männer und Frauen hinter der Bewegung, die Gemeinden auf der ganzen Welt verändert und den Glauben von Millionen von Christen beeinflusst hat? In diesem Kapitel nehmen wir zwei der einflussreichsten „Apostel“ und „Propheten“ unter die Lupe – den „Apostel“ Bill Johnson und seine rechte Hand, den „Propheten“ Kris Vallotton, beide von der populären und polarisierenden Bethel Church in Redding, Kalifornien.
Wir werden beschreiben, wer diese Männer sind, wie sie aus dem Nichts auftauchten und zu den Anführern einer weltweiten Bewegung wurden und was sie antreibt. Wir werden auch ein wenig über uns selbst berichten, damit Sie verstehen, was unsere Motivation dabei ist, diese Leiter zu entlarven, die versuchen, den christlichen Glauben neu zu definieren.
Bill Johnson, Pastor in fünfter Generation, ist der Hauptpastor der Bethel Church und geradezu besessen von „Erweckung“ – beziehungsweise der Ausbreitung des Reiches Gottes. Bethels Mission Statement liest sich so: „Bethels Mission ist Erweckung – die persönliche, regionale und globale Ausbreitung des Reiches Gottes durch seine manifeste Gegenwart.“ Und die Ausbreitung des Reiches Gottes, so glaubt Johnson, wird durch Wunder erreicht. Er behauptet, selbst Wunder zu vollbringen, zu prophezeien und Kranke zu heilen. Seine eigenen Wunderkräfte führt er zum großen Teil auf eine übernatürliche Erfahrung im Jahr 1995 zurück, bei der er einen Handel mit Gott abgeschlossen haben will.
Dieses Erlebnis ereignete sich ein Jahr vor seiner Ankunft in Bethel, als er Pastor einer Gemeinde in der nahe gelegenen Stadt Weaverville war. Seit Monaten hatte er Gott Tag und Nacht angefleht, ihm „mehr von ihm“ zu geben. Mitten in der Nacht erhörte Gott sein Gebet – allerdings nicht so, wie er es erwartet hatte. Johnson beschreibt das Erlebnis in dieser Nacht so:
Plötzlich wachte ich aus dem Tiefschlaf auf und war sofort hellwach. Eine unerklärliche Kraft begann durch meinen Körper zu fließen, anscheinend nur knapp vor einem Stromschlag. Es war, als hätte man mich an eine Steckdose angeschlossen. Und nun floss ein Strom von 1000 Volt durch meinen Körper. Meine Arme und Beine schossen in stummen Explosionen nach vorne, als ob etwas durch meine Hände und Füße freigesetzt würde. Je mehr ich versuchte, es zu stoppen, desto schlimmer wurde es … Es war ungezügelte Kraft … es war Gott.28
Obwohl niemand sonst es sehen konnte, war es Johnson zunächst peinlich, was mit ihm geschah. Dann hatte er ein „Bild“ von sich selbst, wie er vor seiner Gemeinde predigte. Plötzlich begannen seine Arme und Beine herumzufuchteln. Das „Bild“ änderte sich: Er ging nun die Hauptstraße seiner Stadt entlang, als er erneut die Kontrolle über seine Arme und Beine verlor. Er glaubte nicht, dass ihm irgendjemand abnehmen würde, dass Gott für das, was mit ihm geschah, verantwortlich war. Das erinnerte ihn an Jakob, einen Patriarchen des Alten Testaments, und wie dieser nach seiner Begegnung mit dem Herrn für den Rest seines Lebens hinkte. Johnson dachte auch an Maria, die Mutter von Jesus, und daran, dass selbst ihr Verlobter zunächst nicht glaubte, dass das Kind in ihr von Gott gezeugt worden war.
Es wurde mir klar, dass die Gunst Gottes aus der irdischen Perspektive manchmal anders aussieht als aus der himmlischen. Meine Bitte um mehr von Gott hatte ihren Preis. … Im Vordergrund stand die Erkenntnis, dass Gott einen Tausch machen wollte – seine verstärkte Präsenz für meine Würde. … Mitten in den Tränen kam ein Punkt, an dem es kein Zurück mehr gab. Ich gab gern nach und rief: „Mehr, Gott! Mehr! Ich muss um jeden Preis mehr von Dir haben! Wenn ich mein Ansehen verliere und dafür mehr von dir bekomme, bin ich gern bereit, diesen Handel einzugehen. Gib mir einfach mehr von Dir!29
Seine Begegnung mit Gott gibt Johnson bis heute Kraft. Infolgedessen treibt er die Bethel Church dazu an, die Gegenwart Gottes zu „beherbergen“ und durch wundersame Zeichen und Wunder „den Himmel auf die Erde zu holen“. Seine persönliche Vision ist es, dass alle Gläubigen die Gegenwart Gottes erfahren und Wunder wirken können. Er und andere Leiter der Gemeinde glauben, dass Gott in der Bethel Church besonders präsent ist und dass dort regelmäßig Wunder und Heilungen geschehen.
Unter seiner Führung verließ die Bethel Church den pfingstkirchlichen Gemeindeverband „Assemblies of God“ und wurde eine eigenständige Gemeinde. Dadurch wurde es ihren Leitern ermöglicht, Johnsons umstrittene Auffassung von Erweckung durch Wundertaten ungehindert umzusetzen. Obwohl die Hälfte der 2000 Mitglieder nach Johnsons Amtsantritt die Gemeinde verließ, ist sie inzwischen auf mehr als 11 000 Menschen angewachsen. Er reist auch um die Welt, spricht auf Konferenzen und lehrt mit anderen bekannten „Aposteln“, „Propheten“ und Leitern von Organisationen, die von der NAR beeinflusst sind (z. B. Benny Hinn, Brian Houston, Randy Clark, Ché Ahn, Mike Bickle und Heidi Baker).
Der Partner von Bill Johnson ist Kris Vallotton, stellvertretender Leiter bei Bethel und oberster „Prophet“ der Kirche. Im Gegensatz zu einem Apostel, der in einer NAR-Gemeinde das Sagen hat und bei allen wichtigen Entscheidungen das letzte Wort hat, besteht die Aufgabe des Propheten darin, direkte Offenbarungen von Gott zu empfangen und sie dem Apostel weiterzugeben. Daher arbeiten ein Apostel und ein Prophet wie Johnson und Vallotton oft zusammen. Beide behaupten, eine besondere „Bundes“-Beziehung eingegangen zu sein, die auf Lebenszeit angelegt ist und es ihnen ermöglicht, die wundersamen Gaben und Salbungen des jeweils anderen „anzuzapfen“.
Wie Johnson behauptet auch Vallotton, bemerkenswerte Begegnungen mit Gott gehabt zu haben. Bei einer dieser Begegnungen im Jahr 1985 soll Gott ihm gesagt haben, dass er eine besondere Berufung für sein Leben habe.
Jesus kam mitten in meinem abendlichen Bad in mein Badezimmer und sagte zu mir: „Ich habe dich dazu berufen, ein Prophet für die Völker zu sein. Du wirst vor Königen und Königinnen sprechen. Du wirst Premierminister und Präsidenten beeinflussen. Ich werde dir Türen öffnen, damit du mit Bürgermeistern, Gouverneuren, Botschaftern und Regierungsvertretern auf der ganzen Welt sprechen kannst.30
Vallotton glaubt also, dass er zum „Propheten für die Völker“ berufen wurde. Wie wir in diesem Buch zeigen werden, ist seine prophetische Erfolgsbilanz allerdings gelinde gesagt glanzlos.
Im Jahr 1998 wurde Vallotton von Johnson eingeladen, Teil von Bethel zu werden und die „Bethel School of Supernatural Ministry“ zu gründen. Vallotton schreibt:
Im selben Jahr lag ich eines Morgens auf dem Boden und betete, als der Herr so deutlich zu mir sprach, dass es mich völlig überwältigte. Er sagte: „In dieser Stunde bricht eine neue Epoche an. Ähnlich wie bei der protestantischen Reformation steht eine weitere Reformation bevor, die das eigentliche Fundament des Christentums zutage fördern wird. Diese Bewegung des Geistes wird deine Vorstellungen darüber, was die Gemeinde ist und wie sie funktionieren sollte, völlig neu definieren.“ Ich fragte ihn: „Wie wird dieser Übergang aussehen?“ Er sagte: „Meine Gemeinde bewegt sich von der Trennung durch Denominationen zum Apostelamt.“31
Vallotton ist inzwischen Bestsellerautor. Unter seiner Leitung ist die „Bethel School of Supernatural Ministry“ (ein dreijähriges Vollzeitprogramm) von jährlich nur 37 Studenten auf mehr als 2600 angewachsen. Durch seinen wachsenden Einfluss als Prophet erhielt Vallotton sogar eine Audienz beim Papst.
Gemeinsam gelten Johnson und Vallotton nicht nur in ihrer Heimatgemeinde, sondern auch in der internationalen Bethel-Church-Bewegung als Apostel und Propheten. In dieser Stellung behaupten sie, der weltweiten Kirche neue „Offenbarungen“ weiterzugeben, sprich: Wahrheiten von großer Tragweite, die die Kirche einmal besaß und später verloren hat. Diese verlorenen Wahrheiten werden nun angeblich von Johnson, Vallotton und anderen „Aposteln“ und „Propheten“ wiederhergestellt, damit alle Christen wundersame Kräfte entwickeln können. Auch wenn die beiden das nicht gern zugeben, sind sie Teil einer größeren Bewegung von „Aposteln“ und „Propheten“, die als „Neue Apostolische Reformation“ (NAR) bekannt ist. Diese Propheten und Apostel tauchten in den 1980er- und 1990er-Jahren in den Kirchen der Vereinigten Staaten auf.32
