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Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Wenn ihr Mario damals adoptiert hättet, dann wäre Danny heute nicht der Älteste von uns Kindern«, erklärte Jan Norden eines Morgens unvermittelt am Frühstückstisch. »Erzähl uns die Geschichte noch mal, Mami«, bettelte seine Zwillingsschwester Désirée sofort begeistert. Prompt verdrehte Felix, der zweitälteste Sohn der Familie, die Augen und stöhnte theatralisch. »Wie oft sollen Mum und Dad die alten Kamellen denn noch aufwärmen? Langsam kommen sie uns schon zu den Ohren heraus.« »Ich mag unsere Familiengeschichten halt«, ließ sich Désirée indes nicht vom abfälligen Kommentar ihres großen Bruders abhalten und wandte sich an ihre Mutter, die lächelnd und in Gedanken an alte Zeiten versunken am Tisch saß. »Es war ein herrlicher Tag am Starnberger See. Damals waren euer Vater und ich noch ein jungverliebtes, unverheiratetes Paar.« »Verliebt sind wir hoffentlich immer noch«, bemerkte Dr. Daniel Norden mit einem Augenzwinkern. »Wie am ersten Tag«, gab Felicitas versonnen zurück. »Aber lasst mich berichten. Wir waren draußen auf dem See, als ein Sturm aufkam. Das Boot von Marios Eltern kenterte. Die beiden hatten keine Chance.
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Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2022
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»Wenn ihr Mario damals adoptiert hättet, dann wäre Danny heute nicht der Älteste von uns Kindern«, erklärte Jan Norden eines Morgens unvermittelt am Frühstückstisch.
»Erzähl uns die Geschichte noch mal, Mami«, bettelte seine Zwillingsschwester Désirée sofort begeistert.
Prompt verdrehte Felix, der zweitälteste Sohn der Familie, die Augen und stöhnte theatralisch.
»Wie oft sollen Mum und Dad die alten Kamellen denn noch aufwärmen? Langsam kommen sie uns schon zu den Ohren heraus.«
»Ich mag unsere Familiengeschichten halt«, ließ sich Désirée indes nicht vom abfälligen Kommentar ihres großen Bruders abhalten und wandte sich an ihre Mutter, die lächelnd und in Gedanken an alte Zeiten versunken am Tisch saß.
»Es war ein herrlicher Tag am Starnberger See. Damals waren euer Vater und ich noch ein jungverliebtes, unverheiratetes Paar.«
»Verliebt sind wir hoffentlich immer noch«, bemerkte Dr. Daniel Norden mit einem Augenzwinkern.
»Wie am ersten Tag«, gab Felicitas versonnen zurück. »Aber lasst mich berichten. Wir waren draußen auf dem See, als ein Sturm aufkam. Das Boot von Marios Eltern kenterte. Die beiden hatten keine Chance. Wir konnten ihnen nicht mehr helfen, als wir den Unglücksort endlich erreicht hatten. Einzig der kleine Mario schien damals einen Schutzengel gehabt zu haben. Wir konnten ihn retten und brachten ihn zunächst zu Papi in die Wohnung und später zu Anne und Johannes auf die Insel der Hoffnung. Die beiden vernarrten sich sofort in den Kleinen. Er war die Krönung ihrer Liebe und so beschlossen sie, ihn zu adoptieren. Was für eine glückliche Fügung des Schicksals.«
»Wolltet ihr ihn denn nicht haben?« hakte Janni neugierig nach, und Daniel lächelte.
»Selbstverständlich hätten wir ihn niemals im Stich gelassen. Aber du darfst nicht vergessen, dass Mami und ich damals jung waren und uns noch kein Leben zu zweit aufgebaut hatten. Mami lebte auf der Insel der Hoffnung, ich war schon Arzt in München und wollte alles schön der Reihe nach machen.«
»Eben so, wie es schließlich gekommen ist. Das Schicksal hat es wahrlich gut mit uns gemeint«, erklärte Fee, und man sah ihr an, wie dankbar und zufrieden sie mit dem Verlauf ihres Lebens war. »Und auch Mario hat großes Glück gehabt. Hätten ihn andere Leute gerettet, wäre ihm womöglich eine Jugend im Heim beschieden gewesen. So ist er aber jetzt auf dem Weg, ein guter Arzt zu werden.«
Obwohl er die Geschichte kannte, hatte Janni aufmerksam gelauscht und wiegte nun nachdenklich den Kopf.
»Ich bin froh, dass ihr meine richtigen Eltern seid. Aber für arme Kinder, die keine Mami und keinen Papi mehr haben, ist Adoption eigentlich schon eine tolle Sache«, teilte er das Ergebnis seiner Gedanken schließlich mit.
Daniel schenkte sich noch einmal Kaffe ein. Es war ein gemütlicher Sonntagmorgen, wie er ihn liebte. Nicht oft bot sich ihm die Gelegenheit, sich ausgiebig und in aller Ruhe mit seinen Kindern zu unterhalten.
»Wie kommst du überhaupt auf dieses Thema?« erkundigte er sich daher und betrachtete seinen jüngsten Sohn aufmerksam.
»Wir reden in der Schule gerade darüber«, ließ es sich die kleine Dési nicht nehmen, die Frage ihres Vaters zu beantworten. »Wir haben eine neue Mitschülerin bekommen. Sie heißt Angela und hat eine dunkle Hautfarbe. Ihre Eltern sind aber hell wie wir.«
»Und da habt ihr neugierigen Kinder sofort nachgefragt, warum das so ist?« spottete Felix gutmütig.
Dési schnitt eine Grimasse in seine Richtung.
»Tu doch nicht so, als wärst du schon immer so schlau gewesen. Manche Sachen musstest du auch erst lernen.«
»Außerdem kennst du bestimmt den Unterschied zwischen Adoptivkind und Pflegekind nicht«, kam Janni seiner Zwillingsschwester zu Hilfe.
Felix schnaubte verächtlich.
»Das ist doch ganz einfach. Bei einer Adoption bleibt das Kind für immer bei den neuen Eltern.«
Anneka, die bisher stumm am Tisch gesessen hatte, blickte von ihren kleinen Geschwistern zu ihrem großen Bruder und zurück. Nach wie vor war sie das, was man ein stilles Wasser nannte, sensibel und in sich gekehrt, aber nicht schüchtern, wenn es darum ging, anderen zu ihrem Recht zu verhelfen. Nun sah sie sich genötigt, ihren Geschwistern Nachhilfeunterricht in dieser Angelegenheit zu geben.
»Das ist schon richtig, aber man kann es noch genauer sagen«, erklärte sie. »Wollt ihr es wissen? Dann könnt ihr morgen in der Schule schlauer sein als die anderen, wenn der Lehrer danach fragt.«
Ehrgeizig, wie die Zwillinge waren, nickten sie eifrig, und Anneka holte Luft. »Also, bei einer Adoption haben die leiblichen Eltern das Sorgerecht an die sogenannten sozialen Eltern abgegeben. Das heißt, die neuen Eltern kümmern sich allein und für immer um das Kind. Es wohnt bei ihnen, sie kaufen ihm Kleidung und Essen, sorgen für seine Schulausbildung und solche Sachen.«
»Genau so, wie Omi und Opi es für Mario getan haben«, nickte Dési mit leuchtenden Wangen.
»Richtig. Pflegeeltern dagegen haben einen Vertrag mit dem Jugendamt. Wenn die leiblichen Eltern zum Beispiel zu wenig Geld haben oder zu krank sind, um sich um ihre Kinder zu kümmern, sucht das Jugendamt Paare, die bereit sind, das Kind als Gast bei sich aufzunehmen. Dafür bekommen sie Geld.«
»Und können irgendwann wieder zurück zu ihren echten Eltern. Das ist ja gut gemacht«, schloss Janni mit einem triumphierenden Blick in Richtung seines großen Bruders.
Doch Felix ließ sich von diesen Reden nicht sonderlich beeindrucken.
»Eines Tages wirst du noch Professorin«, lachte er gut gelaunt.
»Ich möchte lieber mal was mit Kindern machen. Das finde ich sinnvoller, als den ganzen Tag kluge Reden zu schwingen«, ging Anneka nicht auf seinen scherzhaften Ton ein.
Daniel musterte seine Tochter wohlwollend.
»Jeder sollte den Beruf ausüben, der ihn glücklich macht und ausfüllt. Ich glaube, du bist wirklich sehr gut geeignet, um mit Kindern zu arbeiten. Allerdings bist du ein sensibles Seelchen, das sich immer alles sehr zu Herzen nimmt. Das macht dir vielleicht eines Tages Probleme.«
»Keine Sorge, Papi, ich muss ja nicht unbedingt im Kinderheim arbeiten«, versuchte Anneka, ihren Vater zu beruhigen. »Mami würde es sicher nicht freuen, wenn ich ihr vor lauter Mitleid ein Kind nach dem anderen ins Haus bringe«, fügte sie nun mit einem schelmischen Blick in Richtung Fee zurück.
»Leider ist keiner von uns in der Lage, die ganze Welt zu retten, auch wenn ich mir nichts mehr wünschte als das«, nickte Felicitas und war plötzlich traurig geworden. »Natürlich würde ich am liebsten allen Heimkindern ein Zuhause bieten, wie ihr eines habt.«
Daniel bemerkte den Stimmungsumschwung beinahe sofort und legte tröstend seine Hand auf die seiner Frau.
»Vieles wäre schon besser auf dieser Welt, wenn jeder so denken würde wie du. Du tust wahrlich genug, mein Schatz. Wenn ich an all die Ehrenämter denke, die du schon bekleidet hast und immer noch ausübst … du hast schon viel Sonne in das Leben armer Menschen gezaubert und musst dir wahrlich keine Gedanken machen«, lobte er sie voller Wärme.
Das war das Zeichen für die Kinder, aufzuspringen und ihre Mutter zu umringen, der angesichts der Liebe, die sie empfing, die Tränen in die Augen stiegen. Jeder umarmte sie, die Zwillinge drängten sich an sie, und Daniel gab ihr über die Köpfe seiner Kinder hinweg einen zärtlichen Kuss.
So zog der düstere Augenblick vorüber und bald saß die ganze Familie wieder lachend am Tisch und schmiedete Pläne für den freien Tag, den sie in trauter Runde verbringen wollten.
*
Ein Familienleben, wie es die Nordens jeden Tag aufs Neue erlebten, war ein Fremdwort für Meike Wohlrab. Missmutig saß sie an diesem Nachmittag in ihrem Zimmer, das sie mit zwei weiteren Mädchen teilte, und starrte durch die Stäbe der vergitterten Scheibe nach draußen.
»Ich hab das alles hier so satt, das glaubt ihr nicht. Abhauen müsste man.«
»Was redest du nur für einen Unsinn? Früher oder später landest du ohnehin wieder hier. Dann stecken sie dich in ein Einzelzimmer, und du darfst gar nicht mehr raus«, erklärte ihre Zimmergenossin Astrid mit erschrockenen Augen.
Meike starrte sie hasserfüllt an und schnalzte mit der Zunge.
»Was bist du nur für ein erbärmlicher Angsthase!« erklärte sie verächtlich. »Glaubst du im Ernst, ich bleib einen ganzen Monat lang hier, nur um mich danach wieder ins Heim stecken zu lassen? Das kannst du getrost vergessen. Sobald sich eine Gelegenheit ergibt, bin ich weg.« Sie sprang auf und machte mit geballten Fäusten einen entschiedenen Schritt auf Astrid zu. Doch die Dritte im Bunde, die sechzehnjährige Dora, stellte sich schützend vor die Jüngere.
»Laß die Finger von ihr, sonst rufe ich die Aufseherin. Dann kommst du dahin, wo du hingehörst und wir haben endlich unsere Ruhe vor dir.«
»Reg dich ab, Alte«, war alles, was Meike dazu zu sagen hatte. Sie starrte die beiden Mädchen kurz an, streckte ihnen die Zunge heraus und stellte sich wieder ans Fenster. Ein trostloser, herbstlicher Park lag ihr zu Füßen. Die Bäume hatten ihr Laub längst verloren, der Nebel waberte um die beinahe schwarzen Stämme und selbst die Farbe des Grases schien längst verblasst zu sein. Ein leichter Nieselregen besserte Meikes Stimmung nicht gerade auf.
»In den Süden müsste man abhauen, dahin, wo immer gutes Wetter ist. Da wäre ich auch sicher vor der Polizei.«
»Und wie willst du das anstellen?« fragte Astrid schüchtern. Einerseits hatte sie Angst vor Meike, die einen Kopf größer war als sie. Doch die Lebenserfahrung, die die Fünfzehnjährige bereits gesammelt hatte, beeindruckte sie noch mehr.
»Mir wird schon was einfallen, keine Sorge. Und wenn ich erst im Schlaraffenland bin, schreibe ich euch eine Karte, Hasenfüße«, lachte Meike hämisch und warf die dicken, blonden Haare in den Nacken.
Astrid warf ihr einen bewundernden Blick zu, doch Dora schnaubte hämisch.
»Das ist doch nur heiße Luft und nichts dahinter. Spinnerei, nicht mehr. Wirst sehen, Kleine«, wandte sie sich mit betont provozierendem Tonfall an Astrid, »ein paar Tage und sie wird wieder da sein, unsere Maulheldin.«
Diese herausfordernden Worte waren zu viel für Meike. Die altbekannte, unkontrollierbare Wut bauschte sich in ihr auf. Ehe sie es sich versah, hatte sie die Faust geballt und ihrer Zimmergenossin Dora einen heftigen Schlag in den Magen versetzt. Dora krümmte sich stöhnend zusammen, und Astrid schrie vor Angst auf. Keine Minute später stand eine Aufseherin im Zimmer und starrte Meike herausfordernd an.
»Der altbekannte Störenfried. Dachte ich es mir doch. Los, mitkommen.«
»Ich will aber nicht.«
»Du kommst jetzt mit, hast du mich verstanden? Wenn du nicht mit anderen Menschen in Frieden zusammenleben kannst, dann musst du eben alleine sein, bis du verstanden hast, um was es hier geht«, zischte die Sozialarbeiterin.
Sie machte keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegen Meike und bugsierte sie unsanft vor sich her aus dem Zimmer. »Dora, dir schicke ich eine Schwester. Astrid, du passt inzwischen auf, dass nicht noch etwas passiert«, befahl sie in herrischem Tonfall, in dem nicht ein Hauch von Freundlichkeit lag.
»Unsere liebe Meike ist ja jetzt fort. Dann herrscht hier endlich Ruhe«, presste die am Boden liegende Dora grinsend durch die Lippen.
Meike wollte sich schon losreißen und ihr einen Tritt mit dem Fuß versetzen. Aber die Aufseherin erahnte ihr Vorhaben und war schneller. Ein eiserner Griff schloss sich um Meikes Arm und bog ihn auf den Rücken. Meike schrie auf vor Schmerzen und ließ sich vorwärts zwingen. Für den Augenblick hatte sie keine Wahl und musste tun, was von ihr verlangt wurde. Doch in ihrem Inneren gärte ein Plan, den sie sobald wie möglich in die Tat umsetzen wollte.
Freiheit hieß ihr großes Ziel, und sie würde keine Mühen scheuen, um es in nicht allzu ferner Zukunft zu erreichen, egal, mit welchen Mitteln.
*
Es war wie immer spät, als Christian Steinbrück sein Einfamilienhaus in München betrat und die Tür hinter sich zuzog. Er roch den vertrauten, angenehmen Geruch und fühlte sich sehr wohl, als er den Mantel an die Garderobe hängte und die Schuhe in den Schrank stellte. Trotzdem hatte ihn seit geraumer Zeit und wie immer, wenn er zu lange am selben Fleck verharrte, eine innere Unruhe erfasst, der er endlich in absehbarer Zukunft nachgeben konnte. Diese frohe Botschaft ging ihm durch den Sinn, als er leise und auf Socken, um seinen Sohn Fabian nicht zu wecken, die Treppe hinaufeilte.
»Uta, bist du noch wach?« fragte Christian flüsternd, als er neben seiner Frau ins Bett schlüpfte.
»Jetzt auf jeden Fall«, antwortete sie gähnend und wandte sich dem Wecker zu. »Schon wieder nach zwölf«, seufzte sie, als sie die Uhrzeit abgelesen hatte. »Du hast mir doch versprochen, in Zukunft früher nach Hause zu kommen.«
»Tut mir leid, hier in München wird das wohl nichts mehr. Es ist einfach zu viel Arbeit«, erklärte Christian mit einem Lächeln auf den Lippen. Er drehte sich auf den Rücken und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. »Aber ich habe eine tolle Nachricht. Anfang nächsten Monats werde ich für mindestens ein Jahr nach Bangkok versetzt. Wir bekommen ein wunderschönes Haus, Chauffeur, Kindermädchen, alles, was das Herz begehrt. Und ich werde viel mehr Zeit für Fabian und dich haben. Na, was sagst du nun?« Er warf seiner Frau einen fragenden Blick zu.
Angesichts dieser Neuigkeit hatte sich Uta unvermittelt im Bett aufgesetzt und starrte ihren Mann ungläubig an. In der Dunkelheit konnte er ihr Gesicht nicht erkennen und fuhr daher erschrocken zusammen, als er ihren empörten Tonfall vernahm.
»Du bist verrückt geworden«, rief sie zornig. »Als wir aus Singapur zurückkehrten, hast du uns versprochen, es wäre das letzte Mal gewesen. Du wolltest endlich sesshaft mit uns werden und glücklich und zufrieden wie jede andere Familie auch ganz normal hier in München leben.«
»Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, was du willst. Wer hat sich denn neulich über die klein karierten Deutschen beschwert, über die Bürokratie in unserem Staat?« setzte Christian sofort zum Gegenschlag an.
»Darf man sich jetzt nicht mal mehr aufregen, wenn etwas schiefgeht?«
»Natürlich darfst du das. Aber darf ich dich auch daran erinnern, wie sehr du von den herrlichen Zeiten im Ausland geschwärmt hast? Selbst dein Job schien dir auf einmal doch nicht mehr so aufregend wie damals in Asien, als du es scheinbar kaum erwarten konntest, endlich wieder zu arbeiten.«
»Das heißt aber noch lange nicht, dass ich bereit bin, die Koffer erneut zu packen. Aller Anfang ist schwer, und für mich ist es auch nicht leicht, sesshaft zu werden. Aber schon allein für Fabian bin ich wild entschlossen, das ewige Nomadenleben aufzugeben«, fauchte Uta.
Wie so häufig in letzter Zeit war das Ehepaar plötzlich in den schönsten Schlagabtausch geraten. Ein Wort gab das andere, ohne dass einer von beiden imstande war, Vernunft walten zu lassen.
»Fabian!« schnaubte Christian angesichts des Argumentes seiner Frau. »Das ist immer deine letzte Waffe, wenn es darum geht, deinen Willen durchzusetzen.«
