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Können Neuanfänge am Meer Wunder bewirken? Herzklopfen mit Wellenrauschen auf Norderney: »Das Glücksatelier am Meer« ist ein romantischer Wohlfühlroman über Frauenfreundschaft, den Zauber des Meeres und die Macht der Liebe. Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes steht Stella mit ihrer kleinen Tochter Mira vor dem Nichts: Aus der luxuriösen Eigentumswohnung müssen sie ausziehen, alle Konten sind leer. Zuflucht findet die junge Witwe schließlich auf Norderney bei ihrer besten Freundin Lara, die im Begegnungszentrum als Yogalehrerin arbeitet. Stella und Norderney - das ist Liebe auf den ersten Blick! Auch Mira lebt sich schnell ein und findet neue Freundinnen. Am Meer entdeckt Stella ihre Leidenschaft fürs Fotografieren wieder und träumt von einem eigenen kleinen Fotoatelier. Doch für eine professionelle Ausrüstung fehlt ihr das Geld. Dann ist da noch Georg, der in den ersten schweren Wochen nach dem Verlust ihres Mannes für sie da war, und den sie in Düsseldorf zurückgelassen hat. Kann es auf der Insel wirklich eine Zukunft für sie geben? Wunderschöner Liebesroman mit Insel-Feeling – die perfekte Urlaubslektüre für alle Nordsee-Fans Emma Jacobsen begeistert mit einer herzerwärmenden Liebesgeschichte (Wholesome Romance), bei der man die Wellen rauschen hört und Salz in der Luft schmeckt. Unter ihrem Pseudonym Julie Peters hat sie die erfolgreichen Insel-Liebesromane um »Friekes Buchladen« geschrieben. Die Insel-Frauen von Norderney, die einander durch jede stürmische Krise helfen, triffst du auch in Emma Jacobsen anderen Knaur-Romanen. Alle Romane sind unabhängig voneinander lesbar: - Die Inselhebamme - Die Inselschäferin - Die Glücksbäckerei am Meer
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Seitenzahl: 366
Veröffentlichungsjahr: 2025
Emma Jacobsen
Roman
Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.
Herzklopfen und der Zauber des Meeres
Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes steht Stella mit ihrer kleinen Tochter Mira vor dem Nichts: Die luxuriöse Eigentumswohnung ist in Wahrheit nur gemietet, die Konten sind leer. Zuflucht findet die junge Witwe schließlich auf Norderney bei ihrer besten Freundin Lara, die im Begegnungszentrum als Yogalehrerin arbeitet.
Stella und Norderney - das ist Liebe auf den ersten Blick! Auch Mira lebt sich schnell ein und findet neue Freundinnen. Am Meer entdeckt Stella ihre Leidenschaft fürs Fotografieren wieder und träumt von einem eigenen kleinen Fotoatelier. Doch für eine professionelle Ausrüstung fehlt ihr das Geld. Dann ist da noch Georg, der in den ersten schweren Wochen nach dem Verlust ihres Mannes für sie da war, und den sie in Düsseldorf zurückgelassen hat ... Kann es auf der Insel wirklich eine Zukunft für sie geben?
Der neue Liebesroman der Autorin der erfolgreichen Insel-Reihe »Die Inselhebamme« und »Die Glücksbäckerei am Meer«.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.droemer-knaur.de
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Epilog
Gleich noch mal die schwarze Piste?« Piet prostete Stella mit dem Fliegenden Hirsch zu, den er sich gerade bestellt hatte. Sie nippte an ihrem Aperol Spritz und blinzelte in die niedrig stehende Sonne. Piet hatte recht. Es war die beste Idee des Jahres gewesen, Anfang Februar noch mal für ein paar Tage in die Alpen zu brausen. Erst hatte sie gezögert. Mira hatte keine Schulferien. Das hatte Piet ausgehebelt, denn um Rosenmontag gab’s im Rheinland immer ein paar Tage extra frei. Und für diese erzwungene Fröhlichkeit hatte er nichts übrig. Er brauchte dringend den Nervenkitzel beim Skifahren. Stella hielt sich da eher ans Après-Ski, und ihre siebenjährige Tochter liebte es, im Familienhotel zu bleiben und am Skikurs teilzunehmen oder eine der zahlreichen Aktionen mitzumachen, die dort für Kinder angeboten wurden.
Stella blickte auf die Uhr. Halb fünf, einmal mit dem Skilift hoch auf den Berg und noch mal runtersausen, das ginge schon. Aber sie hatte Alkohol getrunken, und das vertrug sich ihrer Meinung nach nicht mit dem Skifahren. Es hieß nicht umsonst Après-Ski.
»Solltest du das nach zwei Fliegenden Hirschen noch machen?«, fragte sie skeptisch. Die Mischung aus Red Bull und Jägermeister hatte sie einmal probiert – nie wieder würde sie das Zeug anrühren. Der Alkohol knallte rein und Red Bull ließ sie die ganze Nacht nicht schlafen. Unangenehm.
Piet hievte sich aus dem Liegestuhl hoch und streckte sich. Sie blickte zu ihm hoch. Manchmal konnte sie nicht glauben, dass sie es mit ihm so gut getroffen hatte. Ein Mann wie ein Baum, muskulös und sportlich, beruflich extrem erfolgreich als Anwalt, und selbst nach neun gemeinsamen Jahren trug er sie immer noch auf Händen. Keine Seitensprünge, er kümmerte sich rührend um die gemeinsame Tochter. Sie hätten gern mehr Kinder gehabt, aber als es nach längerem Versuchen nicht klappte, hatten sie sich darauf geeinigt, dass es ihnen doch gut ging. Mira war sein ganzer Stolz.
»Ach, das bisschen Alkohol. Ich bin hellwach und konzentriert!« Er zwinkerte ihr zu und grinste. Stella stand auf. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn auf den Mund.
»Pass gut auf dich auf, ja?«, flüsterte sie.
Er drückte sie an sich und erwiderte den Kuss. »Versprochen. Warte nicht auf mich, vielleicht mache ich zwei Runden.«
Sie winkte ihm nach, als er die Terrasse verließ. Dann sank sie wieder in ihren Liegestuhl, setzte die Sonnenbrille auf und hielt ihr Gesicht in die wärmenden Strahlen.
Eine halbe Stunde später machte sie sich auf den kurzen Weg zurück ins Hotel. Sie hatte Mira versprochen, dass sie gemeinsam heute Abend zum Familiendinner gehen und sich vorher dafür »fein machen« würden. Für Mira ein sehr wichtiges Detail, und Stella liebte es, mit wie viel Hingabe und Konzentration ihre Tochter das richtige Outfit auswählte, sich für eine Frisur entschied und sogar ein kleines bisschen Lipgloss auf die Lippen tupfte. Hoffentlich kam Piet rechtzeitig von der Piste zurück.
Im Hotel begrüßte Mira sie mit einem neuen Armband, das sie in der Kinderbetreuung gefädelt hatte. »Das trage ich heute Abend, Mama!«, verkündete sie stolz. Das Band bestand aus unterschiedlichen Perlen und zwei schwarzen Bändern, die zwischen den Perlen zusammengeknotet wurden und die Perlen umrahmten. Mira konnte sich gar nicht daran sattsehen.
»Heute Abend muss ich was passend dazu anziehen, Mama!«
»Da gibt dein Kleiderschrank bestimmt was her.« Stella küsste Mira auf die Wange.
Sie hatten ein wunderschönes Familienapartment gemietet, weil Piet meinte, wenn sie schon für fünf Tage Skiurlaub machten, mussten sie sich auch richtig was gönnen. Außerdem konnten sie es sich leisten, denn als erfolgreicher Wirtschaftsanwalt verdiente er richtig gut. Stella hatte anfangs manchmal gefragt, ob es nicht auch eine Nummer kleiner ging (»Nein!«, war jedes Mal Piets Antwort gewesen). Inzwischen liebte sie den kleinen Luxus hier und da. Das Leben war angenehm und bequem. Piet kümmerte sich um alles Finanzielle, sie beschränkte sich auf das Häusliche. Manchmal dachte sie fast ein wenig wehmütig an früher zurück. Daran, wie sie damals als Fotografin arbeitete. Kurz nach ihrem Studium hatte sie aber nur ein knappes Jahr im Job gearbeitet. Danach meinte Piet, es sei doch nicht nötig. Und sie hatte nach anfänglichem Zögern Gefallen daran gefunden, nicht arbeiten zu müssen.
Mira ließ sich die Schlüsselkarte geben und öffnete die Tür. Sie lief direkt zum Ankleidezimmer und begann, in den vielen Kleidern zu wühlen, die sie unbedingt hatte mitnehmen wollen, obwohl sie höchstens zwei oder drei davon brauchte. Sie fand rasch das richtige Outfit, legte es auf ihrem Bett aus und begann, sich umzuziehen.
Stella stand etwas ratlos vor ihrem eigenen Kleiderschrank. Sie hatte gedacht, sie hätte genug eingepackt, aber jetzt fühlte sich irgendwie alles falsch an – sowohl das hübsche, dunkelblaue Kleid als auch die silberne Hose mit dem schwarzen Top wirkten irgendwie unpassend. Sie sehnte sich nach etwas Einfachem – Jeans und ein Rollkragenpullover mit Norwegermuster, das wäre jetzt das Richtige. Bequem und nicht so aufgerüscht. Sie entschied sich für das blaue Kleid, weil sie wusste, dass Piet es an ihr mochte und es ihr von einer Geschäftsreise nach New York mitgebracht hatte. Während Mira wie ein kleiner Flummi zwischen Schlafzimmer und Bad hin und her hüpfte, bürstete Stella sich die Haare und legte ein wenig dezentes Make-up auf.
Die Tür ging auf, als sie gerade versuchte, sich für Ohrringe zu entscheiden. Piet kam herein, ein bisschen atemlos, die Wangen gerötet, als wäre er gerannt. »Hallo, meine Schönen!«, rief er fröhlich.
»Papa!« Mira lief zu ihm, er hob sie hoch und sie drehten sich mehrmals im Kreis.
»Papa, lass mich runter!« Mira strampelte. Stella lächelte und wählte die Perlenohrstecker. Sie trat vor den Spiegel. Piet umarmte sie von hinten und gab ihr einen Kuss, der nach Jägermeister schmeckte. »Du siehst toll aus«, flüsterte er. Sie lächelte ihn im Spiegel an. Dann drehte sie sich zu ihm um, nahm sein Gesicht in die Hände und erwiderte den Kuss.
»Ihhhh, lasst das!« Mira drängte sich dazwischen. Für eine Siebenjährige waren sich küssende Eltern ein ständiges Ärgernis. Lachend lösten Piet und Stella sich voneinander. Mira wollte eine Hochsteckfrisur, Stellas dunkelbraune Locken brauchten auch noch etwas Aufmerksamkeit und Piet musste sich umziehen, bevor sie zum Dinner gehen konnten. »Duschen schaffe ich wohl nicht«, meinte er.
»Wenn du länger drüber nachdenkst, bestimmt nicht«, neckte Stella ihn. Er verschwand im Bad, keine zwei Minuten später hörte sie die Dusche. Sie lächelte, während sie ihre Haare hochsteckte und sich noch einmal prüfend im Spiegel betrachtete. Piet liebte es, nach einem aktiven Tag schnell zu duschen, selbst wenn Mira und sie dann warten mussten. Sie vertrieben sich die Zeit mit einer komplizierten Flechtfrisur für Mira und einer Runde Mogelmotte.
»Da bin ich.« Piet trug zu hellen Chinos ein hellblaues Hemd und einen dunkelgrünen Pullover. Er fuhr sich noch mal schnell mit beiden Händen durch die blonden Haare, die noch etwas feucht waren. »Nehmt ihr mich so mit?«
»Na klar.« Stella küsste ihn auf die Wange. Hand in Hand gingen sie aus dem Apartment Richtung Fahrstuhl. Mira lief voran und hüpfte in ihrem dunkelroten Samtkleid mit der dicken Schleife herum wie ein übermütiges Fohlen. Als sie auf den Fahrstuhl warteten, sang ihre Tochter leise ein Lied aus Vaiana. Stella legte kurz den Kopf auf Piets Schulter ab. Sie war müde, aber sie wusste, dass die Müdigkeit spätestens beim zweiten Gang verschwinden und vor allem dem Gefühl Platz machen würde, das ihr Leben dominierte.
Sie war glücklich. Mit Mann und Kind, mit einem sorglosen Leben, das ihr so außergewöhnliche Kurztrips ermöglichte. Manchmal konnte sie nicht glauben, dass ihr Leben vor knapp zehn Jahren so eine Kehrtwende gemacht hatte. Dann wieder gab es Momente, in denen sie dachte, das könnte doch nicht alles gewesen sein. Genügte es ihr, die Kreativität, die sie einst so ausgezeichnet hatte, mit ein paar Blumen und ausgewählter Deko auszuleben? Zu Weihnachten gestaltete sie selbst die Karten. Mehr war von dem, was sie immer machen wollte, nicht geblieben.
Andererseits: Das musste sie auch gar nicht. Piet kümmerte sich wundervoll um Mira und sie.
»Was ist?«, fragte er.
Sie lächelte nur. »Es ist so schön«, flüsterte sie an seiner Schulter.
»Du bist schön.«
»Alter Charmeur.« Sie legte die Hand an seine Wange.
Mit einem leisen Plingen öffnete sich die Fahrstuhltür. Mira tänzelte voran Richtung Restaurant.
»Warte«, flüsterte Piet. Er nahm ihre Hand und zog sie an sich. Stella kicherte atemlos, als er mit der Hand im Kreuz sanft ihren Unterleib gegen seinen drückte. Er küsste sie auf den Mund. »Du schmeckst so gut«, murmelte er an ihren Lippen.
»Und du nach Jägermeister«, erwiderte sie leise.
Piet lachte. »Das klingt aber nicht besonders romantisch.« Da musste sie ebenfalls lachen. Er legte den Arm um ihre Schulter, sie legte den Arm um seine Hüfte. Eng umschlungen folgten sie Mira, die vor dem Restaurant aufgeregt herumhüpfte. Sie konnte es kaum erwarten.
Das Leben ist schön, dachte Stella. Manchmal passierte ihr das, dass sie einen Moment lang von dem Glück überwältigt wurde, das sie hatte. Piet bemerkte, wie gerührt sie war und drückte sie noch etwas fester an sich. »Ich weiß«, flüsterte er in ihre Haare.
Stella atmete tief durch. Der Moment verflog, die Tür zum Restaurant ging auf und das Stimmengewirr der anderen Gäste umfing sie.
»Wo willst du hin?«, murmelte sie im Halbschlaf. Piet beugte sich über sie und gab ihr einen Kuss auf die Schläfe.
»Schlaf ruhig weiter«, hörte sie ihn sagen. »Ich bin heute Mittag wieder da.«
Sofort war sie hellwach und zog die Bettdecke hoch, weil sie plötzlich fröstelte. »Heute Mittag?«
»Ich muss kurz beruflich nach Salzburg. Es kam ein Anruf.« Er wirkte gänzlich unbesorgt. Statt Freizeitkleidung trug er bereits einen Anzug mit Krawatte. Sie hatte nicht mal gewusst, dass er den eingepackt hatte.
»Hoffentlich nichts Schlimmes?« Sofort war sie alarmiert.
»Nein, nein. Nur ein Klient, der sich mit mir zusammensetzen will. Ein Vertrag, den ich vor dem Urlaub geprüft habe, und dann hat ein Kollege Mist gebaut. Muss ich jetzt ausbügeln. Sorry. Macht euch nen schönen Tag, ja? Ich beeile mich, dann können wir nachmittags noch mal auf die Piste und fahren heute Nacht zurück.«
»Okay …« Sie sank zurück ins Bett. Ihr Blick fiel auf den Radiowecker. 5:41. Bis Salzburg waren es knapp zwei Stunden, Termin, danach zurück … Die Tür klickte ins Schloss, Stella schloss die Augen und war im nächsten Moment wieder eingeschlafen. Als sie das nächste Mal aufwachte, war es schon kurz nach sieben, Mira kam aus ihrem Zimmer getapst und kuschelte sich zu Stella ins Bett. Sie dösten noch ein wenig, standen irgendwann auf und genossen es, nirgends hinzumüssen. Das Frühstücksbüffet war bis elf, sie spielten am Tisch UNO und Mira kicherte beim Trinken so viel, dass ihr der Kakao aus der Nase schoss, was für noch mehr Heiterkeit bei ihnen sorgte. Sie gingen noch mal nach oben, weil sie sich umziehen mussten. Als sie die Lobby durchquerten, bemerkte Stella zwei Polizisten, die an der Rezeption mit einer Mitarbeiterin sprachen.
Oben zogen sie sich für eine Schlittenfahrt um. Die hatte Mira schon das ganze Wochenende machen wollen, aber Piet war strikt dagegen gewesen. »Rumsitzen und in den Schnee gucken, wie öde!«, hatte er gemeint, und Mira hatte kurz geschmollt. Dann hatte er sie gekitzelt und ihr versprochen, sie könnten die Schlittenfahrt eventuell am Abreisetag noch machen. Der war heute. Wenn er nicht da war, würde er Mira wenigstens nicht den Ausflug mit seiner schlechten Laune vermiesen, denn die war quasi vorprogrammiert, wenn er in dem Schlitten saß. Piet hasste es, untätig zu sein. Er musste immer in Bewegung bleiben.
Stella half Mira mit dem Mantel und dem kleinen Muff, den sie sich vor ein paar Tagen gekauft hatte, weil er »genau richtig für eine Schlittenfahrt, Mama!« war. Als sie im Fahrstuhl standen, hüpfte Mira auf und ab. Sie freute sich so sehr auf den Ausflug. Stella legte den Arm um ihre Tochter und drückte sie kurz an sich.
Sie verließen den Fahrstuhl. Die beiden Polizeibeamten standen immer noch an der Rezeption. Einer drehte sich zu ihnen um. Er berührte seinen Kollegen am Ärmel, die Rezeptionistin sagte etwas zu ihnen. Stella verlangsamte ihre Schritte. In ihrem Bauch war ein nervöses Flattern, von dem sie nicht wusste, woher es kam.
»Frau Schmitz?«
»Ja?« Sie blieb stehen. Mira hängte sich an ihren Arm und stöhnte theatralisch. Sie wollte endlich los!
»Können wir einen Moment mit Ihnen reden? Allein.« Sein Blick fiel auf Mira, die sofort schmollend die Unterlippe vorschob. Die Rezeptionistin kam hinter der Theke hervor und bot Mira an, mit ihr in die Kinderbetreuung zu gehen. Stella konnte gar nicht so schnell reagieren, aber Mira nickte und ließ sich von der jungen Frau wegführen. Die Polizisten wiesen einladend auf das Büro hinter der Rezeption. Offenbar gab es sonst keinen Ort, wo sie ungestört miteinander reden konnten. In einem Hotel mit über zweihundert Zimmern. Sie hinterfragte das nicht. Sie wusste nur, dass das Unwohlsein sich verstärkte.
»Ist was mit Piet?«, fragte sie, sobald sich die Tür hinter dem zweiten Polizeibeamten schloss. Er wechselte einen Blick mit seinem Kollegen.
»Setzen Sie sich doch, Frau Schmitz.«
Sie spürte, dass etwas nicht stimmte. Wie ein schmerzhafter Knoten in ihrem Bauch, der sich zusammenzog. Ihr wurde schwindelig. »Es ist was passiert«, flüsterte sie.
Jemand drückte ihr ein Glas Wasser in die Hand. Sie blickte zu dem jüngeren Polizisten hoch, der ebenso hilflos wirkte wie sie sich fühlte.
»Mein Name ist Gruber, mein Kollege Moser und ich kommen von der Polizei Salzburg …«
Stella schloss die Augen. Wusste sie, was kommen würde? Ja, vielleicht. Aber sie war nicht bereit, zuzuhören. Solche Szenen kannte man doch aus Spielfilmen. Zwei Polizeibeamte, die irgendwo auftauchten und einer Ehefrau erklärten, ihr Mann sei leider verstorben, Opfer eines Unfalls oder Verbrechens …
»… leider mitteilen, dass Ihr Mann Piet Schmitz heute früh auf der Autobahn einen schweren Unfall hatte. Er wurde in Salzburg in ein Spital gebracht und liegt dort auf der Intensivstation.« Die beiden Männer wechselten einen Blick.
Stella schöpfte Hoffnung. »Geht es ihm gut?«, wollte sie wissen.
Wieder so ein stummer Blick. Sie hätte die beiden gern gepackt und geschüttelt.
»Leider waren die Verletzungen so schwer, dass Ihr Mann nicht wieder aufwachen wird. Also … er ist … hirntot.« Der Beamte geriet ins Stottern und verstummte.
Sie schüttelte den Kopf. Das darf nicht wahr sein, dachte sie. Nicht wieder aufwachen? Hirntot? Das war gleichbedeutend mit richtig tot, oder? Nur dass sein Körper noch an den Maschinen hing, und die beiden Beamten waren vermutlich hier, weil sie Stellas Einverständnis für eine Organspende einholen wollten …
Sie stand auf. »Entschuldigen Sie mich«, sagte sie gefasst. »Meine Tochter und ich haben eine Schlittenfahrt gebucht, die würde ich jetzt gern wahrnehmen.«
»Frau Schmitz …«
Sie schüttelte den Kopf. Sie war nicht bereit, die Information zu verarbeiten. Oder sich den Konsequenzen zu stellen, die sich daraus ergaben.
Piet war tot.
Der Gedanke war zu groß.
Sie konnte das nicht glauben. Die Polizeibeamten mussten sich irren. Es gab so viele Männer, die Piet Schmitz hießen, oder? Bestimmt war ein anderer gemeint.
Und wie sollte das gehen? Tot. Das hieße ja, dass sie und Mira allein wären. Oh Gott. Sie musste Mira davon erzählen. Sie musste ihr sagen, dass ihr geliebter Papa nicht mehr war. Sie war doch erst sieben, wie sollte Mira das verstehen? Gar nicht. Weil es nicht stimmte. Es durfte einfach nicht stimmen, denn das hieße, dass ihre Welt zusammenbrach …
Sie durchquerte die Lobby, steuerte das Treppenhaus an. Im ersten Stock befand sich die Kinderbetreuung, eine bunte, lebensfrohe Spiellandschaft, in der sich drei Betreuerinnen tagsüber um die Kinder kümmerten und mit ihnen vielfältige Angebote machten. Als Stella hereinkam, saß Mira an einem Basteltisch und fädelte ein neues Armband. Sie blickte auf und strahlte, mit Zahnlücke und ihren dunkelblonden, langen Haaren. »Guck mal, Mama! Das habe ich für Papa gemacht!«
Stella kniete sich neben ihre Tochter. Sie schloss Mira in die Arme und drückte sie so fest, als müsste sie sich vergewissern, dass ihre Tochter wenigstens noch da war, dass Mira lebte. Mira machte sich unwillig von ihr los, weil sie manchmal überzeugt war, sie sei doch schon viel zu groß für solche innigen Umarmungen. Aber zugleich war Mira auch noch so klein, zu klein, um einen Elternteil zu verlieren. Es war zu früh. Für Mira und für Stella. Sie sollten jetzt allein ihr Leben bewältigen. Wie sollte das gehen?
»Können wir jetzt los?«, fragte Mira.
Stella nickte. »Na komm«, sagte sie, nahm Mira an die Hand und ging mit ihr nach unten.
Erst die Schlittenfahrt.
Danach musste sie Mira erzählen, was passiert war. Aber bis dahin, für die nächsten anderthalb Stunden, durfte sie Piets Tod noch ignorieren, redete sie sich ein.
Dabei war er längst in ihr Bewusstsein gesickert. So unwirklich, aber in jedem Gedanken schwang der Verlust schon mit. Piet war tot.
Und damit sollte sich alles ändern.
Miras erste Reaktion war Stellas nicht unähnlich. Sie wollte es nicht glauben. Sie konnte es nicht glauben, und erst als Stella ihr mehrfach bestätigte, es stimme, ihr Papa sei tot und werde nie, nie, nie wiederkommen, brach Mira in ihren Armen zusammen. Sie weinte und tobte. Sie schrie und klagte. Sie ließ sich nicht trösten, und Stella hielt sie einfach nur fest und konnte endlich stumm mit ihr weinen.
Danach schlief Mira erschöpft ein. Stella überzeugte sich davon, dass ihre Tochter ruhig da lag, dann stand sie lautlos auf und ging nach unten in die Lobby.
Sie hatten ursprünglich heute Nacht abreisen wollen, aber das konnte sie sich jetzt nicht vorstellen. Andererseits müsste sie bald nach Salzburg fahren. Als sie vorhin mit Mira von der Schlittenfahrt zurückgekommen war, hatte die Rezeptionistin ihr die Karte eines der Polizisten zugesteckt. Stella rief ihn nun an und erfuhr, in welchem Spital Piet lag. Sie bekam eine Telefonnummer und starrte geschlagene zehn Minuten auf die Ziffern, die sie notiert hatte, bevor sie die Nummer wählte.
Eine Ärztin wurde für sie ans Telefon gerufen. Die Ärztin sprach ruhig und mitfühlend mit Stella. Sie erklärte, Piet sei bei einem Alleinunfall in die Leitplanke gerast, der Wagen hätte sich dabei mehrfach überschlagen und sei dann einen Abhang hinabgestürzt. Es sei ein Wunder, dass er nicht sofort tot gewesen sei. Sie erklärte auch, es gelte in Österreich bei Organspende die Widerspruchslösung, das hieß, dass Piet vor seinem Tod einer Organspende hätte widersprechen müssen, wenn er sie nicht gewollt hätte.
Stella schluckte. »Er ist Organspender«, sagte sie. »War«, fügte sie nach einer kurzen Pause hinzu.
»Können Sie herkommen?«, fragte die Ärztin sanft. »Sie können sich von ihm verabschieden. Bis morgen ist er noch hier.«
»Ich weiß nicht, wie …« Stella starrte vor sich hin. Sie spürte, wie die Trauer und die Überforderung sie sofort wieder überwältigten. Sie schluchzte auf. Wie sehr wünschte sie, Piet wäre jetzt hier. Er hatte so eine zupackende, pragmatische Art, wenn es darum ging, etwas zu organisieren. Aber ohne ihn fühlte sie sich verloren. Komplett sich selbst überlassen.
»Können Sie einen Mietwagen nehmen?«
»Ja«, sagte Stella dankbar. »Ja, das bekomme ich hin.«
»Gut, dann sehen wir uns morgen. Melden Sie sich, wenn Sie Fragen haben. Meine Kollegen und ich sind für Sie da.«
Stella ging wieder nach oben. Sie müsste eigentlich noch Piets Eltern anrufen. Ihren Vater. Sein Büro. Was war mit seinem Termin heute früh? Hatte er den Unfall schon auf dem Hinweg gehabt? Zu viele Fragen, und irgendwie kam es ihr unwichtig vor, ob sie Antworten fand oder sich erst neben Mira aufs Bett legte und die Augen schloss.
Sie schlief ein, erschöpft vom Heulen, erschöpft davon, Miras Emotionen auszuhalten, ihren eigenen Schmerz und die große Verantwortung, die von einem Moment auf den nächsten auf ihr lastete.
Erst das Brummen ihres Handys weckte sie. Stella tastete danach. Sie sah Georgs Namen auf dem Display und ging sofort dran.
»Georg?«
»Stella. Wo bist du?«
Sie schloss die Augen. Allein am Klang von Georgs Stimme erkannte sie, dass er es wusste.
»Georg, es ist was passiert.«
Sie hörte ihn am anderen Ende der Leitung tief durchatmen und schloss die Augen. Georg war Piets bester Freund, sie kannten sich seit dem Studium. Als Stella Piet kennenlernte, hatte er sie zunächst Georg vorgestellt und erst viel später seinen Eltern. Stella und Georg hatten sich auf Anhieb gut verstanden, er war Miras Patenonkel und auch für Stella immer ein guter Freund gewesen.
»Ich weiß, was passiert ist«, hörte sie ihn jetzt ruhig sagen. »Ich bin einer seiner Notfallkontakte. Das Krankenhaus hat mich benachrichtigt.«
»Was soll ich denn jetzt machen?«, fragte Stella. Sie fühlte sich so hilflos.
»Wo bist du?«
»Noch im Hotel. Ich habe es bisher nicht geschafft zu packen, ich muss …« Stella verstummte. Sie musste gar nichts. Nur zu Piet. Zusammen mit Mira.
»Hör zu, Stella. Ich sitze gerade im Auto und bin unterwegs nach Österreich. In zwei Stunden bin ich in Salzburg, aber ich kann auch direkt zu euch durchfahren und euch abholen, wenn du mir die Adresse vom Hotel schickst. Dann bringe ich euch nach Salzburg. Ja?«
»Ja«, flüsterte sie mit tränenerstickter Stimme.
»Ich komme«, versprach Georg.
»Kannst du noch ein bisschen mit mir reden?«
Einen Moment lang blieb es still.
»Worüber möchtest du reden, Stella?«
»Ich weiß nicht. Irgendwas. Ich habe es vorhin Mira erzählt, und sie ist komplett durchgedreht. Jetzt schläft sie, aber ich habe Angst, wenn sie aufwacht und merkt, dass es kein Albtraum war. Dass Piet wirklich nie wieder …« Sie verstummte. Auf einmal bekam sie keine Luft mehr.
»Stella? Atme tief durch. Komm. Wir atmen zusammen. Ein … aus …«
Sie ließ sich von seiner Stimme durch eine Atemübung führen, und das Gefühl, an der Überforderung zu ersticken, schwand langsam.
»Ich wäre gern woanders«, platzte es aus ihr heraus.
»Verstehe.«
»Am Meer oder so.«
Georg lachte. Er klang merkwürdig, und sie verstand ihn ja. Es war absurd, dass sie sich woanders hin wünschte. Gerade jetzt. Aber das alles überforderte sie, und sie vertraute Georg. Er hatte sie nie in irgendeiner Form enttäuscht.
»Wenn das hier vorbei ist, fährst du ans Meer«, versprach er ihr.
»Piet hat das Meer gehasst.«
»Ich weiß.«
»Ich war so lange nicht am Meer.«
»Ich weiß.«
Sie schwiegen. Schließlich sagte Stella leise: »Ich versuche mal zu schlafen.«
»Geht’s dir besser?«
Wie konnte es ihr besser gehen, wenn ihr Mann gerade halbtot auf einer Intensivstation lag? Aber sie schluckte die Antwort herunter und sagte: »Ja, ein bisschen. Danke.«
»Ich melde mich, wenn ich da bin. Schickst du mir die Adresse?«
Sie versprach es und legte auf, schickte ihm die Adresse und legte sich wieder hin, das Handy auf der Brust, damit sie es beim nächsten Klingeln bemerkte. Sie blickte zur Seite. Mira lag neben ihr, den Kopf auf die Hände gebettet. Sie sah so friedlich aus, dass es Stella schmerzhaft das Herz zusammenzog.
»Ich werde immer für dich da sein«, versprach sie ihr.
Hier.« Georg drückte Stella einen Becher mit saurem Automatenkaffee in die Hand. Er setzte sich neben sie auf einen der unbequemen, orangen Besucherstühle. »Wie geht es dir?«
Sie schüttelte den Kopf. Nicht jetzt, sollte das heißen. Mira saß auf der anderen Seite. Stella hatte ihr erlaubt, auf dem Tablet ihre Lieblingsserie zu schauen. Sie wusste, dass sie damit Miras Schmerz nur für den Moment betäubte, aber sie wusste auch nicht, wie sie ihre Verzweiflung zusätzlich zu ihrem eigenen Schmerz aushalten sollte, ohne sofort verrückt zu werden.
Sie saßen im Krankenhausflur vor der Intensivstation. Eine Ärztin kam den Gang entlang. »Frau Schmitz?«
Stella blickte auf.
»Ich bringe Sie jetzt zu ihm, wenn Sie möchten.«
»Ja.« Stella räusperte sich. Sie drückte Georg den Pappbecher in die Hand und berührte Mira sanft an der Schulter. »Ich bin mal kurz mit der Ärztin weg.«
Mira nickte. Georg setzte sich neben sie und redete leise mit ihr. Mira schob den Kopfhörer vom Ohr, sie zeigte ihm etwas auf dem Bildschirm. Stella folgte der Ärztin durch die Doppeltür auf die Intensivstation. Sie gingen an den kleinen Zimmern vorbei, aus denen die unheimlichen Geräusche der Maschinen drangen, ein stetes Pumpen, Piepsen, Knacken, mit dem andere Menschen an der Schwelle zum Tod festgehalten wurden.
Die Ärztin betrat zuerst das Zimmer. Stella folgte ihr nur zögernd. Sie wusste nicht, was sie erwartet hatte, aber das sicher nicht: Piet lag im Bett, umgeben von Maschinen, die ihn am Leben hielten. Etwas blasser. Ansonsten bis auf eine Schramme an der Schläfe gänzlich unberührt von dem Unfall. Als schliefe er nur, nachdem er sich den Kopf bei einer waghalsigen Kletteraktion angestoßen hatte.
»Piet«, flüsterte Stella. Und dann brachen die Tränen aus ihr hervor, die sie so lange zurückgehalten hatte. Sie hatte nicht geweint, als Georg Mira und sie im Hotel abholte. Als er sie nach Salzburg gefahren hatte, hatte sie hinten neben Mira gesessen, die auf der Fahrt die ganze Zeit ihre Hand halten wollte. Auch vorhin im Krankenhausflur, als sie auf die Ärztin warteten, hatte Stella die Tränen zurückgehalten, obwohl in ihr die ganze Zeit ein unruhiges Zittern war. Aber jetzt war es mit ihrer Selbstbeherrschung vorbei. Sie spürte, wie ihr die Ärztin einen Stuhl unter den Hintern schob, sie setzte sich neben das Bett, hielt Piets kalte Hand und ließ die Tränen fließen. Die Ärztin hielt sich im Hintergrund und gab ihr den Raum für diesen Schmerz, den Stella brauchte.
Sie wusste nicht, wie lange es dauerte. Konnte man überhaupt irgendwann zu Ende getrauert haben um einen Menschen, den man so sehr geliebt hatte? Mit dem man die letzten neun Jahre verbracht hatte? Aber irgendwann versiegten die Tränen, und was blieb, war eine erschöpfte, tiefe Traurigkeit, die sich in ihren Körper gegraben hatte. Stella war unendlich müde, als sie schließlich aufstand und sich suchend nach der Ärztin umsah. »Und es gibt keinen Zweifel? Er wacht nie wieder auf?«
Die Ärztin schüttelte mitfühlend den Kopf. »Es tut mir leid«, sagte sie ruhig. »Kommen Sie. Ich erkläre es Ihnen.«
Sie führte Stella in ein Büro und erklärte ihr, wie es um Piet stand. Sie zeigte Stella die Aufnahmen vom EEG, das die Hirnströme maß. Bei Piet waren da nur flache Linien. »Er ist nicht mehr da«, sagte sie sanft. »Was ihn am Leben hält, sind die Maschinen.«
»Aber es sieht so aus, als ob er schläft …« Stella musste wieder weinen. Die Ärztin hielt ihr eine Schachtel Kleenex hin, und Stella dachte kurz, wie oft sie wohl Gespräche wie diese mit Angehörigen führte.
»Sie sagten, Ihr Mann sei Organspender?«
Stella nickte.
»Gut. Wir möchten Ihnen und Ihrer Tochter Zeit geben, sich von Ihrem Mann zu verabschieden, bevor wir …« Jetzt schien auch die Ärztin den Faden zu verlieren, und Stella war ihr dankbar dafür. Zeigte es ihr doch, dass es auch für ihr Gegenüber kein alltäglicher Fall war.
»… die Maschinen abschalten?«, half Stella ihr.
»Ja, die Organentnahme beginnen.«
Stella nickte. »Wie viel Zeit bleibt uns?«, fragte sie leise.
»Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie und Ihre Tochter brauchen.«
»Danke«, flüsterte Stella. Die Ärztin stand auf. Das Gespräch war beendet, es warteten andere Patienten. Die, die überleben würden und nicht …
Stella drängte den Gedanken daran zurück, was mit Piet passierte, wenn Mira und sie sich endgültig von ihm verabschiedet hatten. Sie ertrug ihn nicht. Später war Zeit, ihn zuzulassen.
Georg stand auf, als sie auf den Krankenhausflur trat. Er machte zwei Schritte auf sie zu, und sie fiel ihm um den Hals. Er hielt sie fest. Sagte nichts, sondern war einfach für sie da. Stella weinte an seiner Schulter. Sie spürte, wie sie zitterte. Wie die Anspannung der letzten Stunden, der Schock, das Entsetzen, ihre Versuche, sich einzureden, dass hier ein Irrtum vorliegen musste, der schmerzlichen Erkenntnis Platz machte, dass Piet nie mehr für sie da sein würde.
Ihr Leben würde nun ein einziges Nie-Wieder sein, und sie war nicht sicher, wie sie das überleben sollte.
»Mama, guck mal.« Mira hob das Tablet hoch. Sie wollte Stella eine besonders witzige Szene in ihrer Serie zeigen. Stella setzte sich neben Mira. Sie legte den Arm um ihre Tochter und schaute mit ihr, wie Marinette und Adrien wieder mal Paris vor einem Superschurken retteten. Mira blickte fragend zu Stella hoch, und sie strich ihrer Tochter über den Kopf.
Wir schaffen das, dachte sie. Irgendwie werden wir das hier überleben.
Müde schob Stella die schwarzen Stiefel von den Füßen. Sie hängte den Mantel in den Garderobenschrank und blickte sich in dem Flur der luxuriösen Fünfzimmerwohnung um, die Piet und sie vor acht Jahren im Düsseldorfer Stadtteil Pempelfort gekauft hatten. Streng genommen hatte Piet die Wohnung gekauft, aber er hatte ihr versichert, dass sie auch ihr zur Hälfte gehörte.
Okay, jetzt gehörte sie ihr ganz. Nach Piets Tod erbte sie nach dem Berliner Testament, das sie abgeschlossen hatten, sein Vermögen. Nach ihrem Tod bekäme dann Mira alles. Nächste Woche war schon die Testamentseröffnung.
Sie schüttelte müde den Kopf, ging ins Schlafzimmer, schaltete im Ankleidezimmer das Licht ein und zog sich bis auf die Unterwäsche aus. Mira war direkt nach der Heimkehr in ihrem Zimmer verschwunden. Ihre Tochter brauchte abwechselnd Nähe und Einsamkeit, und Stella musste gerade lernen zu akzeptieren, dass Mira vor allem nach einem anstrengenden Termin wie der Trauerfeier zuerst mal für sich sein wollte. Auch eine Siebenjährige konnte schon wissen, was sie brauchte. Ihre Tür stand für Mira immer offen, und das wusste sie.
Stella ließ ihre Kleidungsstücke auf dem Boden liegen, sie war zu müde, um sich darum zu kümmern. Sie schlüpfte in einen fliederfarbenen Lounge-Anzug und legte sich aufs Bett. Sie spürte, wie die Müdigkeit wieder übernahm, die in Momenten der größten Anspannung in ihrem Körper keinen Platz hatte.
Später wollte Georg noch mit Essen vorbeikommen. Wie so oft in den letzten Tagen. Er hatte ihr geholfen. Bei der Überführung von Piets Leichnam, bei der Planung der Trauerfeier, der Wahl eines Baums im Friedwald, bei allem. Und sei es nur, dass er geduldig neben ihr saß und wartete, bis sie bereit war, Entscheidungen zu treffen. Heute Abend wollte sie ihn bitten, sie und Mira zur Testamentseröffnung zu begleiten. Danach, dachte sie, konnte sie viele Dinge wieder allein in die Hand nehmen. Irgendwann musste sie sich auch wieder Arbeit suchen, aber nicht sofort. Piet hatte vorgesorgt, das hatte er ihr immer stolz erzählt. Geld würde nie ihr Problem sein. Wie erleichternd!
Sie griff nach ihrem Handy, das sie vorhin achtlos aufs Bett geworfen hatte. In den vergangenen Tagen waren unzählige Nachrichten von ihren Freundinnen eingegangen, sie hatte aber bisher auf keine reagieren können. Heute bei der Trauerfeier waren zumindest Lara und Cecile gewesen. Lara kannte Stella noch von früher, als sie beide studierten und in einer WG wohnten. Inzwischen hatte Lara ihre Arbeit als Hotelmanagerin aber aufgegeben, und nach einer Yoga-Ausbildung hatte sie jetzt einen Job auf einer Nordseeinsel angenommen. Sie wollte zur Ruhe kommen, sagte Lara. »Und das müsst ihr jetzt auch nach diesem Verlust«, fügte sie hinzu. »Melde dich, wenn du irgendwas brauchst. Und wenn ihr nach dem ganzen Scheiß hier Urlaub braucht, melde dich auch, dann kommt ihr für ein paar Tage auf die Insel. Versprochen? Ich verschwinde ja nicht aus deinem Leben, nur weil ich jetzt ein paar hundert Kilometer wegziehe.«
Stella hatte geschluckt. In den letzten Jahren hatten Lara und sie sich ein bisschen aus den Augen verloren; es lag wohl vor allem daran, dass sie sich in unterschiedlichen Kreisen bewegten. Stella war nach Miras Geburt ganz in den Kosmos aus Krabbelkursen, Rückbildung, Kitamüttern und Frauen von Piets Kollegen versunken, mit denen sie sich gut verstand, weil sie auf die eine oder andere Weise gemeinsame Themen hatten. Mit Miras Einschulung letzten Sommer hatte sie wieder neue Eltern kennengelernt, doch das war eben ganz anders als Laras Yogakurse, die vor allem von agilen Rentnerinnen, erfolgreichen Geschäftsleuten und kinderlosen Paaren aufgesucht wurden. Der Gedanke, Lara ihr Herz auszuschütten, war etwas befremdlich, nachdem sie so lange nicht viel miteinander zu tun gehabt hatten.
Cecile war eine dieser Krabbelkurs-Mütter, mit denen Stella sich auf Anhieb verstanden hatte. Sie ging auf jede Person so offen und herzlich zu, dass man gar nicht anders konnte, als sie zu mögen. Cecile hatte sich beim ersten Kursnachmittag neben Stella gesetzt. Damals war Mira vier Monate alt und Ceciles Sohn Tom fünf Monate. Während Tom auf seiner Krabbeldecke eifrig versuchte, sich zu drehen, war Mira knatschig und hatte so lange geningelt, bis Stella sie hochhob und anlegte. Mira schmatzte zufrieden, während Stella unsicher war, ob es überhaupt okay war, wenn Babys während der Krabbelgruppe gestillt wurden. Cecile hatte sie mitfühlend angelächelt. »Meine Älteste war beim ersten Krabbelkurs genauso«, erzählte sie, und damit war das Eis gebrochen. Während die Kursleiterin den interessierten Müttern – und dem etwas verloren wirkenden Vater, der offensichtlich noch weniger als Stella wusste, was er hier suchte – erklärte, wie sinnvoll ein Obstlutscher aus Silikon beim Beikoststart sein könne, beugte sich Cecile zu Stella. »Und nachher erklärt sie uns, wie schädlich Zucker ist. Aber Obstlutscher für den Beikoststart.« Sie zwinkerte Stella zu. »Ich habe das schon zweimal durch mit ihr.«
»Und wieso gehst du trotzdem her?«, erkundigte Stella sich ebenso leise.
»Man lernt tolle Eltern kennen. Nur deshalb.«
Stella lachte. Und so einfach war das. Cecile wurde ihre beste Freundin.
Die anderen Mütter, mit denen sie sich im Laufe der vergangenen Jahre angefreundet hatten, waren der Trauerfeier ferngeblieben, teils ohne Entschuldigung. Stella versuchte sich einzureden, dass es unwichtig war, wer nicht zu Piets Beisetzung kam; wichtig waren nur die, die kamen.
Auch Piets Familie war gekommen. Aber statt danach noch mit zu Stella und Mira zu kommen, hatte seine Mutter sich nach der Beisetzung beinahe überstürzt verabschiedet. Sein Bruder Sven hatte ihr die Hand gedrückt und etwas davon gemurmelt, man werde sich ja mal sehen. Danach waren sie weg, und was blieb, war eine unerklärliche Leere. Stella und Piet hatten keinen intensiven Kontakt mit seiner Familie gepflegt. Er sagte gelegentlich, sein Vater habe immer zu viel von ihm und seinem Bruder erwartet, weshalb Sven zum Studium ans andere Ende der Republik gezogen war und Piet den Kontakt aufs Nötigste beschränkte. Stella hatte gelegentlich eingewandt, es wäre doch schön, wenn Mira auch ihre Großeltern besser kennenlernte und nicht nur ihren Vater als Opa hatte. Aber da hatte Piet erstaunlich vehement abgeblockt.
Sie scrollte durch die Nachrichten ihrer Freundinnen. Anne, Sophia, Claire, Naemi, sie alle schrieben mitfühlend und fanden die richtigen Worte. Trotzdem konnte Stella sich nicht gegen das Gefühl wehren, dass es irgendwie distanziert klang. Sie legte das Smartphone neben sich auf die leere Bettseite und schloss die Augen.
Nackte Füße tappten über den Parkettboden. »Mama?«
»Komm her.« Sie breitete die Arme aus und Mira kroch zu ihr aufs Bett. Sie hatte die schwarze Kleidung ebenfalls ausgezogen und trug eine pinke Kuschelhose und einen lila Hoodie. Stella umfing sie mit den Armen. Mira seufzte.
»Ich weiß«, flüsterte Stella in Miras Haare. »Ich weiß …«
Sie lagen eine Weile einfach still beisammen, bis Miras tiefe Atemzüge ihr verrieten, dass sie eingeschlafen war. Stella blieb noch einen Moment liegen. Sie fühlte sich leer. Leergeweint, leergegrübelt, leerorganisiert. So vieles war in den vergangenen zwei Wochen an ihr hängen geblieben und auf sie eingestürzt. So viele Menschen, mit denen sie sprechen musste. So viele Entscheidungen, die sie treffen sollte. So viele Gedanken, die weiterhin an ihr klebten und sich nicht so leicht abschütteln ließen.
Schließlich stand sie auf und ging in die Küche. Ihr Blick streifte das teure Ledersofa, die hochwertigen Kunstdrucke an den Wänden, die Möbel. Piet hatte eine Innenarchitektin mit der Wohnungseinrichtung beauftragt, weil er der Meinung war, Stella sollte sich deshalb nicht den Kopf zerbrechen müssen. Sie hatte danach tagelang mit der Innenarchitektin Kataloge gewälzt. Aber das Ergebnis liebte sie. Auf dem Weg in die Küche fiel ihr Blick auf das auf Leinwand gezogene Foto, das sie als einzige persönliche Einrichtung durchgesetzt hatte. Es war über ein Meter achtzig breit und im Querformat. Schwarzweiß. Das stürmische Meer brandete an den Strand. Stella blieb stehen.
Sie wusste noch, wie sie das Bild aufgehängt hatte und Piet ihr abends erklärte, er fände es scheußlich.
»Ich weiß, dass du es aufgenommen hast«, fuhr er rasch fort. »Aber deshalb muss ich es nicht zwingend mögen.«
»Dich stört daran ja nur, dass es das Meer zeigt«, erwiderte sie spitz.
»Stimmt leider.«
»Es erinnert mich an die vielen Urlaube mit meinem Vater«, verteidigte sie sich.
»Ich habe ja auch nicht gesagt, dass es da nicht hängen darf.« Er legte den Arm um sie und küsste sie auf die Schläfe. »Man erkennt, dass du einen Blick für das Schöne hast.«
»Was ist das mit dir und dem Meer?«, fragte sie nach ein paar Sekunden, in denen sie gemeinsam das Bild betrachteten.
»Nichts.« Sofort verschloss sich sein Gesicht und er machte sich von ihr los. Zukünftig hatte Stella versucht, das Thema zu vermeiden, denn es sorgte regelmäßig für schlechte Laune bei ihm. Irgendwas war da, aber sie wurde vom Leben abgelenkt und vergaß das Thema wieder. Bis jetzt.
»Was ist das mit dir und dem Meer, Piet?«, murmelte sie. Dann trat sie vor und versuchte, das Bild von der Wand zu nehmen. Aber es war zu sperrig, und sie musste den Versuch aufgeben. Georg musste ihr dabei helfen.
Wie bei allem.
Sie seufzte. In der Küche kochte sie einen besonders starken Kaffee und ging zurück ins Schlafzimmer. Sie wachte über Miras Schlaf und wartete auf Georg.
Erklärst du mir, warum wir das machen?« Georg ächzte, doch gemeinsam schafften sie es, das Bild abzuhängen.
»Piet hat es gehasst«, sagte Stella. Sie lehnten das Bild gegen die Wand.
»Ist Hass nicht etwas zu … groß für diese Abneigung gegen das Meer?« Georg runzelte die Stirn.
»Genau das habe ich auch immer gedacht.« Stella seufzte. »Ich habe sogar einmal versucht, ihn ans Meer zu locken. Gar nicht dorthin, wo es wild an den Strand donnert, nur ein paar Tage nach Greetsiel, schöne Spaziergänge auf dem Deich im Nebel, so was. Er ist die ganze Zeit im Hotel geblieben und hat sich geweigert, mit mir ans Meer zu gehen.« Stella schüttelte den Kopf. Auf einmal erinnerte sie sich wieder daran. Verrückt. Sie war gerade frisch schwanger gewesen mit Mira, die anfängliche Übelkeit war vorbei. In jedem Schwangerschaftsratgeber stand, das zweite Trimester sollte man für ein paar schöne Reisen nutzen, bevor das Baby kam. Sie hatte Piet damit überrascht, und er hatte so … ja, geradezu feindselig reagiert. Als wäre das Meer für ihn das Schlimmste. Zurück in Düsseldorf hatte er sich damit entschuldigt, er hätte zu viel um die Ohren, die Arbeit fresse ihn auf. Trotzdem hatte er sie zwei Wochen später mit einem Kurztrip nach Paris überrascht. Als kleine Wiedergutmachung, weil sie Greetsiel nicht hatten genießen können.
»Verstehe.« Georg sah allerdings so aus, als könnte er es absolut nicht verstehen. »Ich bringe es später in den Keller. Aber vorher sollten wir was essen. Wo ist Mira?«
»Sie schläft.«
»Ist vermutlich besser für sie.«
Stella sagte dazu nichts. Die letzten zwei Wochen hatten ihnen so viel abverlangt. Sie wusste nicht, wie Mira am Montag wieder ganz normal zur Schule gehen sollte. Sie ging in die Küche. Georg hatte auf dem Weg hierher bei einem Koreaner angehalten und das Abendessen mitgebracht. Es gab Dumplings, Bulgogi und gefüllte Reistaschen. Stella starrte auf das reichhaltige Angebot. Sie verspürte wenig Hunger, aber Georg machte sich daran, für sie einen Teller mit ein paar Speisen zu befüllen. Sie goss Wasser in zwei Gläser und deckte den Tisch.
»Du isst ja nicht.« Georg aß mit Appetit, und sie starrte ihn an.
»Zwingen will ich mich nicht.«
Er nickte. »Wir müssen gleich noch was Wichtiges besprechen. Es wäre gut, wenn du da wenigstens ein bisschen im Magen hättest.«
Widerstrebend griff sie zur Gabel und nahm einen Bissen. Es schmeckte bestimmt lecker, aber ihr Gehirn war so benebelt vom Schmerz, dass die Speisen sie überhaupt nicht berührten.
»Bitte, Stella.« Georg legte das Besteck neben den Teller und legte die Hand auf ihre. »Du musst auf dich aufpassen.«
»Aber das machst du doch schon.« Sie lächelte halbherzig, und er grinste.
»Ja, schon. Aber ich bin nicht immer hier. Ich habe auch noch einen Job, weißt du?«
Sie starrte seine Hand auf ihrer an. Es war merkwürdig. Einerseits tat es ihr gut, wenn er sie berührte, zugleich war es zum Aus-der-Haut-Fahren unangenehm. Georg bemerkte ihr Unbehagen und zog die Hand zurück.
Sie nickte stumm. Nach ein paar weiteren Bissen sagte sie leise: »Ich brauche auch einen Job. Oder?«
Georg musterte sie aufmerksam. »Vermutlich«, sagte er.
»Andererseits muss das ja nicht sofort sein«, fuhr sie fort. »Aber es könnte helfen. Also, nicht damit Geld reinkommt. Wir haben ja Geld. Piet hat immer was beiseitegelegt. Es gibt die Lebensversicherung. In seinem Arbeitszimmer habe ich einen Ordner gefunden, da sind viele Unterlagen. Aber bisher habe ich es nicht geschafft, mir alles anzusehen.«
Sie stocherte in dem Bulgogi herum.
»Soll ich mir die Sachen ansehen?«, schlug Georg vor.
Stella nickte, doch dann schüttelte sie entschieden den Kopf. »Das sollst du nicht. Ich muss das allein hinbekommen.«
»Du darfst dir aber immer gern Hilfe holen.« Auf einmal wirkte Georg seltsam angespannt. »Also, ich kann gern mit dir zusammen draufgucken. Und wenn dir etwas nicht klar ist …«
Sie legte den Kopf schief. »Weißt du, ich bin nicht so ein dummes Frauchen, das der Mann immer von allen finanziellen Entscheidungen fernhält und die nach seinem Tod merkt, dass sie mit leeren Händen dasteht. Wir haben über so etwas immer offen geredet.«
»Okay, okay. War nur ein Angebot.«
Sie lächelte leicht. »Angebot abgelehnt.«
Er nickte und nahm sich noch was von den Dumplings.
»Was war das Dringende, worüber du mit mir reden wolltest?«
»Ähm, ja.« Georg räusperte sich, er wischte mit der Papierserviette über den Mund und knüllte sie zusammen. »Wegen Piets Testament. Ich dachte …«
Sie spannte sich an. »Wir haben das geregelt«, erklärte sie. »Es gibt ein Berliner Testament. Ich bekomme die Wohnung und alle Aktiendepots und Konten. Wenn ich eines fernen Tages sterbe, ist Mira die Alleinerbin.«
»Ja«, sagte er. »Aber …«
»Nichts aber«, fuhr sie ihn ärgerlich an. Glaubte er wirklich, sie wüsste nicht, was in dem Testament stand? Sie hatte es durchgelesen und sich von Piet erklären lassen. Sie war nicht begriffsstutzig!
»Ich wollte nur helfen.«
Sie schwiegen betreten. Stella nahm ein paar Bissen und sah an Georg vorbei. Sie wollte gar nicht streiten, aber sie hatte es satt, dass er bei ihnen herumhing und sich bei jeder Gelegenheit helfend aufdrängte. Sie merkte, dass sie Ruhe brauchte und fand sich zugleich ungerecht, weil sie sich nicht helfen ließ.
