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Ein umfassendes Weltbild, dessen A und O ein Begriff ist, den jeder kennt, dem jedoch hier eine neue, elementare Bedeutung zukommt: der Information. Der Ökonom Kurt Oktabetz durchquert auf der Suche nach der Wahrheit natur- und geisteswissenschaftliche Ebenen, deren Horizonte heute miteinander verschmelzen. Durch die Verknüpfung wissenschaftshistorischer Tatsachen mit neuesten Erkenntnissen unseres Computerzeitalters entsteht ein faszinierendes Gesamtbild, das unbekannte Facetten des menschlichen Seins erschließt. Denn die Information zieht sich wie ein roter Faden durch sämtliche Disziplinen der Wissenschaft, durch die Natur, das Leben und den menschlichen Geist, bis hin zu jener Linie, hinter der die Erkenntnisse (die relative Wahrheit der Menschheit) im metaphysischen Nebel verschwinden. Information ist ein Urelement - bestimmend für jegliche Existenz. Sie überschreitet die metaphysischen Grenzen und findet ihre Heimat in der Transzendenz. Der Begriff des Infoversums steht dann anstelle aller Religionen, und deren Gott oder Götter abstrahieren sich als die unendliche Summe aller Informationen zur Absoluten Wahrheit. Denn: Was ist nicht Information
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Seitenzahl: 574
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Dies ist ein Versuch, Erfahrungen und Fakten, Vorlesungen über Medienkunde (Informationsökonomie), die Lektüre verschiedener Disziplinen und Genres sowie Gedanken über Sinn und Ziel des Lebens zusammenzufassen. Ein Versuch, das Erlebte, Erfahrene und Sinnierte zu folgern und niederzuschreiben. Ein höchst persönliches – vorläufiges – Ergebnis ohne jeglichen Anspruch!
Die in diesem Werk entwickelte Theorie setzt das Verständnis einer säkularen Gesellschaft voraus, die ein jeweils gesichertes Wissen zur Kenntnis nimmt und Vernunft und Glauben zumindest gleichsetzt. Ich habe mit voller Absicht auf ein Lektorat von Wissenschaftlern und Experten betreffend die einzelnen behandelten Themenbereiche und Disziplinen verzichtet und bin mir bewusst, dass ich Kritik von allen Seiten zu erwarten hätte, sollte diese Abhandlung auch nur einen sehr begrenzten Leserkreis erreichen. Für die geneigte Leserin, den geneigten Leser mag sie möglicherweise verwirrend, kompliziert und nicht leicht nachvollziehbar sein. Für Informationswissenschaftler, Physiker, Quantenphysiker, Biologen, Psychologen und Philosophen ist sie mit Sicherheit zu unwissenschaftlich und teilweise vielleicht fehlerhaft. Für Theologen und Vertreter aller Religionen wird sie als Kampfschrift aufgefasst werden, obwohl dies nicht beabsichtigt ist.
Ich werde auf keine Kritik eingehen, weil die in dieser Abhandlung entstandene Theorie meiner ganz persönlichen Auffassung entspricht, die natürlich nicht zu beweisen ist, weil sie sich letztlich der Empirie entzieht und daher wieder eines Glaubens bedarf. Vielleicht lässt sich diese Art des Glaubens mit dem Verstand besser vereinbaren, wenn ein gewisser Wissensstand und die Vernunft zu jener metaphysischen Grenze hinführen, hinter der bislang nur entweder Agnostik, Nihilismus, Atheismus oder Religionen herrschen. Wenn man meinen deistischen Glauben an eine transzendente Intelligenz im weiteren Sinne auch als eine Art von Religion bezeichnen könnte, dann ist es jedenfalls eine, die universell und konfliktfrei ist.
Als eher nüchterner und pragmatischer Mensch bewege ich mich in einem geistigen Bereich, den man allgemein als Spiritualismus bezeichnen könnte. Nietzsches Über-Ich lässt mich über ein geistiges Über-Mir spekulieren, und Sloterdijks Aufforderung, aus Traditionen und Lagern auszubrechen, lässt mich im Sinne der Noetik über das Denken nachdenken und die offenen Fragen des Menschen nach dem Woher, Wozu und Wohin in einer Schlussfolgerung zu beantworten versuchen, die sich aus der elementaren Bedeutung des Begriffes Information ergibt. Dieser Begriff zieht sich wie ein roter Faden durch alle behandelten Wissensgebiete, und die so entwickelte Theorie scheint mir insofern zumindest der philosophischen Forderung nach Logik gerecht zu werden.
Dieses Buch entstand in einem Zeitraum von mehreren Jahren; zunächst durch simples Nachdenken über Gott und die Welt, durch persönliche Erfahrungen und Gespräche, durch eine Vielzahl von Gedächtnisnotizen, Aufzeichnungen, Korrespondenzen und diverse früher verfasste Artikel sowie durch die zunächst wenig gezielte Lektüre natur- und geisteswissenschaftlicher Bücher und dann – im Zuge einer zunehmend wachsenden Idee von einer ganzheitlichen Bedeutung des Begriffes Information – durch die bewusste Auswahl betreffender literarischer Werke. Die Idee, eine Theorie zu entwickeln, war mir ein Bedürfnis, weil ich eine ähnliche Folgerung nicht finden konnte – auch wenn meine überzeugte Conclusio als abstruses Konstrukt bezeichnet werden sollte.
Ich würde den Kritikern aller Disziplinen gerne eine einzige Frage stellen: Was ist nicht Information?
Ausführlichere Literaturbesprechungen werden durch Einrückung ersichtlich gemacht. Der Covertext beziehungsweise die Kapitelüberschriften werden auch in binärem Code dargestellt. Die Formeln sind nicht mathematisch, sondern philosophisch zu verstehen.
Es beginnt damit, dass die Überschrift dieses Kapitels zu relativieren ist. Ohne jetzt schon auf Karl Popper zu verweisen: Es ist tatsächlich immer alles zu relativieren, weil nicht bewiesene Aussagen mehrheitlich den objektiven (sachlichen und zeitlichen) und subjektiven (Empfindungssituationen) Bedingungen unterliegen. Richtigerweise müsste daher die Überschrift lauten: „Die Logik meiner Gedanken“ und „Wie komme ich zur Sinnfrage?“.
Mit dieser Einschränkung sind in der Folge vor allem alle Folgerungen, Verknüpfungen und Zusammenfassungen zu sehen. Aber auch alle angeführten Autorenmeinungen und ebenso die aktuellen Wissenserkenntnisse sind so zu verstehen, weil buchstäblich alles, was nicht letzte und bewiesene Erkenntnis ist, das Fragezeichen der Falsifikation oder der Bestätigung mit sich trägt.
Irgendwie plant jeder Mensch sein Leben, das heißt, jeder denkt dann und wann an seine Zukunft und hat das Bedürfnis, sein Leben so gut wie möglich zu gestalten; selbst wenn er nur an morgen denkt oder von der Hand in den Mund lebt, ist dies eine Folgerung von jetzt auf nachher, von einem Augenblick auf den nächsten und insofern die primitivste Überlebensplanung eines jeden Lebewesens. Die etwas qualifiziertere Lebensplanung umfasst in der Regel materielle (sinnliche), ideelle (geistige) und sinngebende (kontemplative) Ebenen.
Ein simples Beispiel (stichwortartig):
Ausbildung
Gesundheit
geistige Entwicklung
Beruf
Familie
Verinnerlichung
Karriere
Sozialkontakte
Kontemplation
Vermögensaufbau
Freizeit
Erkennen
Die materiellen Voraussetzungen, das Bewusstsein und die metaphysische Ebene, oder wie immer man kategorisieren will (z. B. Körper, Geist, Seele), sind aber als eine Einheit aufzufassen. In der Folge wird daher die ganzheitliche (holistische) Betrachtung unterstrichen.
In diesem Sinne ist die Gedankenfolge als relativ logisch zu verstehen: Sie beginnt mit der materiellen und endet mit dem Beginn der Sinnebene, und sie versucht, die Ebenen zu verknüpfen. Persönliche Beispiele in Form von„Nachtgedanken“mögen dies illustrieren. (Es handelt sich dabei um freie, auf ein Diktafon gesprochene, unkorrigierte Selbstgespräche.)
Ich sitze auf der Terrasse, vor dem offenen Feuer in der angehenden Nacht – ich weiß nicht, zum wievielten Mal – und sinniere vor mich hin. Wir sind gerade von der Südsee zurück und genießen den prachtvollen Frühling hier in Stubenberg, den Garten – es blüht alles –, es ist herrliches Wetter, und eben habe ich mit Pizi telefoniert, die während einer Nilkreuzfahrt gerade in Edfu ist, und ich überlege, ob ich meine Gedanken, die ich nicht sammeln kann, niederschreiben soll. Ich kann sie deshalb nicht sammeln, weil ich an sich philosophisch interessiert bin, meine begonnene – aus der mit Freunden über Gott begonnenen Diskussion entstandene – Informationstheorie weiterführen will, die Gedanken aber durch die Ereignisse rund um mich immer abgelenkt werden. Wenn ich mich daher entschließe, diese niederzuschreiben, dann könnte ich nur ein Kapitel über meine Meinung zur Welt, zu den Menschen, zur Politik und ihren Ausformungen, die uns politische Menschen ständig beschäftigen, abwechselnd mit jenen Kapiteln, die mich interessieren – über Gott, die Welt, über den Sinn des Lebens –, mischen. Gibt es ihn, den Sinn, den Gott? Wie kann man ihn fassen, einen an sich Unfassbaren, einen Er, eine Sie, ein Es? Das führt mich wieder zu meiner Informationstheorie – die Summe aller Informationen, die Erkenntnis, die Erleuchtung. Ist es das, worin wir Gott sehen? Warum leben wir? Hat unser Leben einen Sinn? Sind wir uns eines Sinnes bewusst, oder leben wir nur so dahin, ohne daran zu denken, dass unser Leben limitiert ist? Und was ist dann?
Ich höre neben den Flammen im offenen Kamin im Hintergrund die Uhr ticken. Die Uhr erfüllt einen Raum mit Leben, die Uhr zeigt die Zeit an. Ist die Zeit, die mit unserem Leben verbunden ist, unser Schicksal, unser irdisches Schicksal? Haben wir in der uns gegebenen Zeit irgendetwas zu erfüllen? Was haben wir zu erfüllen? Wir leben so dahin und überlegen, was wir morgen essen werden; wir gehen am Ostersonntag in die Kirche, weil wir es gewohnt sind, zu Ostern in die Kirche zu gehen. Warum gehe ich wirklich dorthin? Offenbar, weil ich doch beeindruckt bin. Ich habe gestern einen Film mit Oskar Werner und Anthony Quinn gesehen („In den Schuhen des Fischers“), in dem ein Papst letztlich das gesamte Kirchenvermögen den Armen der Welt opfert. Das war faszinierend – im Film, entspricht aber bedauerlicherweise nicht der Realität. Und dennoch beeindruckt mich die Institution der Kirchen, weil sie etwas näherzubringen versuchen, was wir nicht begreifen.
Eine meiner Lektüren in der Südsee war unter anderem auch ein Gespräch zwischen Natur- und Geisteswissenschaftlern, die sich über Psychedelika unterhalten haben, die Menschen früher vermehrt zu Trancezuständen geführt und in eine andere Welt entrücken haben lassen. Alkohol sollte die gleiche Wirkung haben: Vor mit steht eine Flasche guten französischen Rotweins, und vielleicht ist es dessen Wirkung, die mich zu diesem Diktat führt. Ich möchte mich gern in einen Zustand begeben, der mich meine Gedanken sammeln lässt, der mich konzentriert meditieren lässt. Meine Gedanken jedoch kreisen, sie sind zu menschlich, zu irdisch, zu banal, sie beschäftigen sich mit Dingen, die wir für bedeutend halten; sie beschäftigen sich mit alltäglichen lokalen, regionalen, nationalen und auch internationalen Problemen, die wir versuchen zu lösen und von denen wir gar nicht wissen, ob wir sie lösen können, zum Nutzen aller, zum Nutzen der Menschheit; aber wir hypertrophieren die jeweilige Bedeutung und verharren in Gesprächen über Dinge, die in Wahrheit unbedeutend sind. Apropos Wahrheit! Was ist Wahrheit? Ist Wahrheit absolut oder relativ? Wir versuchen in den letzten Jahrzehnten auf naturwissenschaftlichem Weg, ihr näherzukommen, und wir scheitern, weil – wie Popper sagt – mit jeder neuen Entdeckung zehn neue Geheimnisse entstehen. Was uns letztlich wirklich interessiert, ist die Absolute Wahrheit. Aber auch Popper kennt die Absolute Wahrheit nicht, ja er leugnet sie geradezu. Er ist mein Lieblingsphilosoph, aber diesbezüglich kann ich ihm nicht folgen, weil es neben seinen drei Welten eine vierte geben müsste, die über der Welt 3 steht. Die Welt 3 vergrößert sich ständig und kommt – weil sie immer nur das menschliche Wissen umfasst – nie zu einem Ende. Die Welt 4 hingegen kommt zu einem Ende, weil sie die Erleuchtung, die Offenbarung, die letzte Erkenntnis, die Summe aller Informationen ist. Sie ist die Absolute Wahrheit – nach Platon. Oder kennt auch Platon nur die relative Wahrheit?
Wie bedeutsam ist es, was uns bewegt? Ist es die Frage, wer bei den nächsten Wahlen gewinnt? Ist es die Frage, ob die Neutralität Österreichs noch gerechtfertigt ist oder nicht, ob in Italien Neofaschisten in die Regierung kommen oder in Belgien und Deutschland der Nationalismus wieder stärker wird? Ist es die Frage, ob es Schwarzenegger gelingt, Kalifornien wirtschaftlich zu sanieren, ob Putin aus Russland ein neues Russland machen wird, was die Chinesen, die Japaner, die Afrikaner unternehmen, um die wirtschaftliche Entwicklung nicht wiederum nur einer Minorität der dort lebenden Menschen zugutekommen zu lassen? Ist es die Dritte Welt, der wir Wirtschaftshilfe geben sollen, weil die Menschen dort nicht, wie in unseren geografischen Breiten, das Glück des Ortes und der Zeit ihrer Geburt haben? Als politischer Mensch interessiert mich das alles, aber es ist nicht das, was mich wirklich bewegt und erfüllt.
Welchen Sinn hat also unser Leben? Sind es nur einige Jahrzehnte Dasein auf Erden? Dann aus? Nichts mehr? Ist es die Auferstehung, der Übergang in ein anderes Reich, in ein anderes Dasein, ist es die Reinkarnation? Seit Menschengedenken bewegt diese Frage. Eine Annäherung an eine Antwort ist bis jetzt überhaupt nicht in Sicht. Das Leben ist schön, wenn man sich alles das leisten kann, was man sich vorstellt und was man sich wünscht; es wäre zweifellos auch für die Menschen schön, die keine Vergleichsmöglichkeit haben, aber mit dem archaischen Selbsterhaltungstrieb ist die Summe der Emotionen wie Neid, Eifersucht, Habgier, Hass verbunden; und diese Emotionen lassen die Menschen seit jeher auch zu Bestien werden. Dieser hypertrophierte Selbsterhaltungstrieb ist die Ursache für Konflikte, Kriege, für die unaufhörliche Entwürdigung des Menschen. Woher kommt das und warum ist das so? Welche Rolle spielt der Mensch? Ist es sein freier Wille, der ihn so sein lässt, wie er ist? Er ist zweifellos gefangen durch seinen genetischen Code, durch die Information, die ihm seine Erbsubstanz vermittelt. Was aber kann er darüber hinaus machen, gestalten? Ist die Summe der Informationen, die er sendet, die er beiträgt zur Entwicklung in seinem irdischen Leben, ein Wert an sich? Welche genetischen Codes haben andere Lebewesen? Haben oder vermitteln etwa auch anorganische Stoffe Informationen?
Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an die wunderschönen Inseln und Atolle der Südsee; die meisten davon entstanden durch Korallenausscheidungen. Wir wanderten auf endlosen Stränden aus Korallensand. Sind das anorganische Stoffe, weil sie jetzt Sand heißen? Oder sind das die Reste von Lebewesen? Wo ist der Unterschied zwischen den Informationen, die ein Lebewesen, z. B. ein Hund, eine Katze, ein Pferd, ein Fisch, eine Koralle, aussendet, und jenen Informationen, die ein Sandkorn, ein Stein, ein Fels oder jene Gattung senden, die wir nur halbherzig zu den Lebewesen zählen, wie einen Baum, einen Strauch, eine Pflanze, Gras?
Wir haben keine Ahnung von den genetischen Codes anderer irdischer Materie. Wir kennen auch die Energie nicht, die von irdischen oder universalen Kräften ausstrahlt, geschweige kennen wir die darin enthaltenen Informationen. Die Naturwissenschaft meint, innerhalb der nächsten 50 Jahre den gesamten genetischen Code, die Erbsubstanz des Menschen, entschlüsseln zu können. Das mag möglich sein. Stephen Hawking ist auf der Suche nach der Weltformel. Das wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht gelingen. Wenn doch, würde das Tor aufgestoßen werden zu einer neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnis, einer Erkenntnis, die diese Erde, jenen winzig kleinen Teil des Universums, in dem wir uns befinden, der Ganzheit näherbringt. Jenes Universums, von dem wir die Informationen unserer Vorfahren haben. Jene Informationen, die weiterleben, wie unsere Informationen nicht nur unser Leben ermöglichen, sondern auch weiterleben und Teil der Erkenntnisse der Nachwelt sind. Das, was wir erleben und bewirken, wird also Teil des geistigen Inhalts eines universellen Speichers.
Was tragen diese Informationen aber zum Lauf der Entwicklung des Ganzen bei? Strebt dies alles dem Punkt Omega des Teilhard de Chardin zu? Erleben wir geistig diesen Punkt Omega? Ist das die Summe der Informationen, die Auferstehung, die Erleuchtung, die Offenbarung, die letzte Erkenntnis, die Absolute Wahrheit? Kann das, im Nachhinein betrachtet, der Sinn unseres Lebens gewesen sein, oder beenden wir unser Leben mit der unbeantworteten Frage, ob die Henne oder das Ei zuerst war.
Der nächste Tag: Ich sitze wieder beim Feuer und sinniere. Aus der Lektüre von Wissenschaftsberichten entnehme ich, dass man erwartet, in den nächsten Jahrzehnten nicht nur die Weltformel zu finden, sondern auch den genetischen Code zu knacken, das heißt, das menschliche Genom vollständig zu analysieren sowie herauszufinden, wodurch es sich von der Erbsubstanz anderer Lebewesen unterscheidet. Zweifellos sind die genetischen Codes die Informationen, die ein Leben und dessen Handlungen bestimmen, also die Wurzel des Gesamtverhaltens eines Lebewesens. Und wenn es gelänge, durch Genmanipulation den Idealtypus z. B. eines Menschen zu klonen, dann dürfte dieser idealerweise – keinen Körper haben, denn dieser Körper ist jedenfalls vergänglich, sein Geist, sein Bewusstsein, seine Informationen, deren Verarbeitung und Weitergabe hingegen sind immateriell, körperlos. Es müsste sich also um einen Geistmenschen handeln. Das ist insofern Utopie, als die Grenzen der Naturwissenschaften auf das Stoffliche beschränkt sind. Der genetische Code muss aber die Eigenschaft haben, sich weiterzuentwickeln. Er muss Informationen von der Außenwelt aufnehmen, assoziieren, denken und geistige Handlungen in Form der Veränderung der Codes vornehmen. Das versteht man unter Evolution. Der Urcode jedes Lebewesens muss Informationen weiterleiten, die der Selbsterhaltung dienen.
Nach der auch heute unbestrittenen Lehre Darwins herrscht das Ausleseprinzip; nur jenes Lebewesen setzt sich durch, das sich jeweils am besten konditioniert. Diesen archaischen Trieb, diese archaische Eigenschaft hat der Mensch allerdings hypertrophiert. Letztlich ist es gar nicht schwer, sämtliche Handlungen auf diesen Urtrieb der Selbsterhaltung zurückzuführen. Aus ihm entstehen jene Eigenschaften, die wir als Habgier, als Eifersucht, als Neid, als Macht – auch über andere, um sich damit besser durchzusetzen, sich selbst besser zu erhalten – bezeichnen. Wenn wir die menschliche Entwicklungsgeschichte und die gegenwärtigen Zustände, z. B. die heutige Politik, um die sich alles dreht, verfolgen, erkennen wir, dass es um Macht, um Einfluss, um mehr materielle Güter, um sogenanntes Glück etc., etc. geht. Dass dabei Ideologien vorgeschoben werden, liegt auf der Hand. Der Selbsterhaltung wegen haben wir z. B. in Österreich derzeit die Politik, die wir haben: ungeachtet der Verantwortung, der Moral und der Ethik Machtfindung und Macherhaltung um jeden Preis. Das gilt für sozialdemokratische, christlich-soziale, nationale, gewerkschaftliche und kirchliche „Selbsterhaltungsgruppen“ gleichermaßen. Aber ich will jetzt über Politik gar nicht nachdenken; sie ist nur der Ausfluss des menschlichen Verhaltens, gesteuert von dessen Genom, als eine Grundsubstanz, deren Teil auch die Selbsterhaltung ist. Lassen sich aber durch die genetischen Informationen jene Fragen beantworten, die uns immer wieder bewegen? Was steuert uns, und was steuern wir? Wo ist der freie Wille des Menschen? Lassen sich die Begriffe Moral, Ethik, Gerechtigkeit, Freiheit, Selbstbestimmung damit erklären? Der Mensch verfügt über Stamminformationen, die ihm die Überlegenheit gegenüber anderen Lebewesen geben. Er könnte sie dazu nutzen, ein Paradies aufzubauen und nicht dazu, selbstzerstörerisch zu wirken! Warum führen diese Erbanlagen zur Anreicherung von Macht und materiellen Gütern und nicht zu geistigen Werten? Warum verwendet er sein Erbpotenzial nicht zur Erlangung von höherer Erkenntnis, sondern zum ewigen Verharren auf dem vergänglich Irdischen? Wird es der freie Wille des Menschen erlauben, eine Trendumkehr zuzulassen? Wird er es ihm erlauben, sich seiner selbst bewusst zu werden, sich als Teil des Universums zu empfinden, sich als Informationsträger, -empfänger und -sender zu sehen? Welche Erkenntnisse oder Erleuchtungen auf natur- oder geisteswissenschaftlichem Gebiet müssten geschehen, um die menschliche Selbsterkenntnis herbeizuführen, um dem Menschen bewusst werden zu lassen, dass das Einzige, was von ihm übrig bleibt, seine Informationen sind. Jene Informationen, die er seinen Mitmenschen, seinen Nachfahren, der Natur, dem Universum weitergibt. Der Mensch ist zweifellos Teil der Summe der Informationen, und wenn die Summe der Informationen Gott ist, dann ist er Teil Gottes.
Solche und ähnliche „Nachtgedanken“, die natürlich unkoordiniert sind und die alle mit einem Fragezeichen enden, könnten – jeweils von Menschen niedergeschrieben – Bibliotheken füllen. Meine persönlichen Überlegungen zu koordinieren, ist mir ein Bedürfnis, zumal mir meine Freizeit erlaubt, mich neben der Familie, der Gartenarbeit, dem Sport und Reisen auch einer – hoffentlich – geistig aktiven Tätigkeit zu widmen. Dieses Gedankengut kann natürlich nicht wissenschaftlich fundiert sein. Es ist von einem Ökonomen verfasst, der sich diesem Thema durch die Verknüpfung von vier Interessensgebieten verschrieben hat.
Da waren erstens die Vorlesungen an der Grazer Universität im Bereich des Medienkundlichen Lehrgangs (Medienbetriebswirtschaft), in denen Informations- und Kommunikationstheorien behandelt wurden, und zwar aufbauend auf Norbert Wiener („Information ist weder Energie noch Materie, sondern ein eigenes Grundelement“) und auf die chronologische Entwicklung von Information und Kommunikation (siehe Struktur der Codes); zweitens das schlummernde Interesse an grenzwissenschaftlichen Themen; und drittens die laufenden Diskussionen über metaphysische Fragen, Kirchen als Institutionen und den Glauben an ein höheres Wesen. Daraus entstand die Idee, diese drei Bereiche zusammenzuführen und eine eigene Theorie zu entwerfen. Höchst interessant war dabei die Verfolgung der speziellen Informationstheorien in allen Wissenschaftsgebieten, unter anderem auch die Einbeziehung der Genforschung, der ungeheuren Möglichkeiten der Computertechnologie und die Erwartung, dass die Mikrowissenschaften in allen Bereichen erstaunliche Ergebnisse bringen werden; was jedoch nicht impliziert, dass dieWeltformel(Hawking) gefunden werden wird, sondern dass eher eine Annäherung an metaphysische Elemente (grenzwissenschaftliche Felder) stattfinden wird. Die weitere Zerlegung der Atome – sowohl der organischen wie auch der anorganischen Stoffe – wird zu völlig neuen Dimensionen und Erkenntnissen führen. Die Beobachtung der Reaktion der Quanten und Quarks und die Rückmeldung an den Beobachter lassen möglicherweise die verschiedene Akzeptanz – von scheinbar gleichen Dingen – durch die Menschen erklären. Es geht dabei jedenfalls immer um ein Senden und Empfangen von Informationen!
Wir leben ausschließlich in Augenblicken! Die Vergangenheit ist nur Erinnerung (Information); die Erfahrung, die wir haben, ist Information der eigenen und fremden Vorwelt. Die Zukunft ist nur in unseren Vorstellungen, Erwartungen, Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten zu fassen. Die Frage ist, ob jeder Mensch den Augenblick gleich erlebt und ihn mit anderen teilen kann. Wahrscheinlich nicht! Die Erinnerung ist sicher unterschiedlich; die Erwartung ebenfalls! Paul Watzlawik hat mit der Frage „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“ schon recht.
Die Kapazität im Cyberspace ist nahezu unbegrenzt. Das derzeitige Volumen ist zwar nur die Sammlung des bestehenden menschlichen Wissens (nach Popper die Welt 3), aber durch die Tatsache, dass es Verschränkungsmöglichkeiten gibt, ist es zwar nicht (noch nicht) selbstlernfähig, jedoch interdisziplinär wesentlich erweiterbar. Die auf diese Weise erreichbare Beschleunigung des Wissens lässt eine ungeahnte Erkenntniserweiterung erwarten.
Aber auch die Potenzierung der Informationen, des Wissens und der Erkenntnisse wird nicht zur Offenbarung führen. Das lässt nur den Schluss zu, dass Teilhard de Chardin recht hat, wenn er meint, dass der Mensch dem Punkt Omega zusteuert und letztlich als eine Art Geistwesen Gott immer ähnlicher wird. Vielleicht mündet die Summe dieses Wissens in der Erkenntnis, dass Materie und damit materielles Dasein nichts, Geist jedoch alles ist. Wäre das der Aufbruch ins Paradies?
Ein viertes Element für diese Gedankengänge sind natürlich auch die von mir so genannten „Nachtgedanken“ bei offenem Kamin, Kerzenlicht und gegebenenfalls leiser Musik und einer Flasche Wein, Gedanken, die am Waldrand genauso kommen wie am Meeresstrand, wo man versucht, zu sinnieren und sich oft erfolglos bemüht, nachzudenken oder gar zu meditieren. Manchmal gelingt dies, aber wenn man die Gedanken nicht festhält oder niederschreibt, gehen sie wieder verloren (wobei zugegebenerweise dieser Verlust nicht immer einen Schaden bedeutet). Hin und wieder aber hält man Ideen für gut, und dann sind sie ungefasst nutzlos, vor allem, wenn man gewohnt war und ist, mit seinen Ideen ein Ziel zu erreichen und auf dieses Ziel strategisch und operativ zuzugehen.
Wenn man also behauptet, dass die Summe der Informationen Gott ist oder eben dieses Geistwesen, das man zu beschreiben unfähig ist, dann stellt sich natürlich unmittelbar die Frage, woher diese Informationen kommen. Und hier meine ich, dass sie in einer – natürlich – immateriellen Form schon immer da waren. (Gott ist ewig!) Wenn die Summe aller Informationen, also die Absolute Wahrheit oder wie immer man diesen Zustand bezeichnen will, immer da war, stellt sich die weitere Frage, wie dann jene Welt wurde, in der wir leben und die wir erleben und erforschen wollen. Ist es ausgeschlossen, dass diese Summe den zunächst gasförmigen Zustand des Universums, der vor dem Urknall bestanden hat, und eben auch diesen Urknall ausgelöst hat? Es ist vorstellbar, dass eine Information, ein Digitus, ein digitaler Befehl, plötzlich Materie in einem unendlichen, ewigen Raum entstehen ließ, jenes Universum eben, dessen Evolution wir beobachten, bis heute, bis zum aktuellen Stand der Wissenschaft, wo wir feststellen, dass die genetischen Codes auf einer Unzahl binärer Befehle beruhen, die dann in der Summe den Menschen oder das Lebewesen ausmachen.
Eine mögliche Weltformel.
Ist es so unmöglich, dass man feststellen wird, dass das Lebewesen nicht anders funktioniert wie ein auf digitaler, binärer Basis aufgebauter Computer, der nur mit seiner Geschwindigkeit und mit der Vielzahl von einfachen Befehlen und Verschränkungen alles das ergibt, was das Lebewesen selbst und dessen Verhalten ausmacht? Etwa wenn diese Informationen aufgrund von biochemischen Vorgängen zustande kommen, wobei diese Neuro- transmitter als chemische Substanzen die Botschaften (Signale) bzw. Informationen einfachster, binärer Art nur transportieren und selbst keine Informationen sind. Die Unterscheidung zwischen Medien und Informationen wird in vielen Fällen nicht streng genug zum Ausdruck gebracht! Tatsächlich sind esJa/Nein-Entscheidungen, die einen Computer steuern, Vorgänge bei Lebewesen hervorrufen und auch in der atomaren Struktur sogenannter toter Materie ablaufen.
Vielleicht ist die Weltformel einfacher als Einsteins Energieformel, und sie besteht aus der Unendlichkeit von 0/1-Entscheidungen: 0 oder Nein für die Verhinderung, 1 oder Ja für die Zulassung eines Signals:
∑ ∞ ( 0 / 1 )
die Summe aus unendlichen Ja/Nein-Entscheidungen
Für uns ist das alles insofern unbegreiflich, weil wir mit den Begriffen des Augenblicks, der Unendlichkeit und der Ewigkeit wenig anzufangen wissen, eben weil wir in der Zeit, im Raum und in der Endlichkeit leben. Vielleicht ist diese Erkenntnis bzw. das Wissen um die jeweilige Verkettung der endlichen oder auch unendlichen binären Entscheidungen die Absolute Wahrheit, nämlich die Fähigkeit, aus einer Unzahl von solchen einfachen Entscheidungen und Verknüpfungen eine Materie, einen Organismus oder auch eine geistige Einheit entstehen zu lassen.
