Verlag: Passion Publishing Kategorie: Erotika Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2013

Das Kamasutra am Arbeitsplatz. Tipps, Stories und Stellungen E-Book

Arne Hoffmann  

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E-Book-Beschreibung Das Kamasutra am Arbeitsplatz. Tipps, Stories und Stellungen - Arne Hoffmann

So wie das ursprüngliche Kamasutra ist auch "Kamasutra am Arbeitsplatz" weit mehr als eine bloße Abfolge lustvoller Stellungen beim Sex: Es ist gleichermaßen ein Debattenbuch, ein Ratgeber und eine Quelle der erotischen Phantasie."Sex am Arbeitsplatz sollte von der Ausnahme zur Regel werden", fordert Arne Hoffmann, einer der bekanntesten Sexperten Deutschlands. In diesem Buch erklärt er nicht nur, weshalb das eine positive Entwicklung wäre - ob für Sie persönlich oder für unsere gesamte Arbeitswelt. Sie erfahren auch: - weshalb es jetzt schon ziemlich häufig zu Sex im Büro kommt - was Sie vor Ihrer Entscheidung bedenken sollten - wer als Partner für so eine Liaison in Frage kommt (und wer nicht) - wie Sie einen Kollegen/eine Kollegin am geschicktesten verführen - wie Sie die nötige Zeit für eine Nummer zwischendurch finden - welche Positionen zwischen Schreibtisch und Kopierer am erregendsten sind - wie Sie dafür sorgen, dass niemand etwas von Ihrem Techtelmechtel mitbekommt - wie Sie sich aus der Affäre ziehen, wenn die Sache doch auffliegt - und vieles andere mehr. Zwischen den einzelnen Ratschläge findet sich eine Reihe erotischer Geschichten zu Sex am Arbeitsplatz, die Sie dazu anregen könnten, Ihre eigenen Phantasien aufblühen und schließlich Wirklichkeit werden zu lassen.

Meinungen über das E-Book Das Kamasutra am Arbeitsplatz. Tipps, Stories und Stellungen - Arne Hoffmann

E-Book-Leseprobe Das Kamasutra am Arbeitsplatz. Tipps, Stories und Stellungen - Arne Hoffmann

Impressum

Passion Publishing Ltd.

Postfach 112 8

D-53 621 Königswinter

info@passion-publishing.de

© 2011 Passion Publishing Ltd.

Autor: Arne Hoffmann

Satz und Layout: Ralph Handmann

Titelbild: © Roman Kasperski www.RomanKasperski.de

Umschlagentwurf: Ralph Handmann

Printed in Germany

Vertrieb: VSB, Georg-Westermann-Allee 66,

38104 Braunschweig

ISBN: 978-3-939907-45 -9

VSB-Titelnummer: 300024 8

Bestellhotline: 01805/708709

Bestellfax: 0531 /708601

bestellung@passion-publishing.de

Inhalt

Einleitung

Teil Eins: Was Sie über Sex am Arbeitsplatz wissen sollten

1.) Wie verbreitet sind Sex und Erotik am Arbeitsplatz?

2.) Warum es so häufig zu Sex am Arbeitsplatz kommt

3.) Wie Sex am Arbeitsplatz endlich die unterdrückten Frauen befreit

4.) Gute Gründe: Warum auch Sie mehr Sex am Arbeitsplatz haben sollten

5.) Soll ich oder soll ich nicht? Wichtige Überlegungen vor der Entscheidung

Teil Zwei: Sieben Phantasien von Sex am Arbeitsplatz

Krawatte

Kollegin

Produkt

Zeitfenster

Bewerbung

Deal

Mond

Teil Drei: Kleiner Bürosex-Knigge - Wie man ein sexuelles Verhältnis am Arbeitsplatz unterhält

1.) Mit wem wünschen Sie sich Sex? Und mit wem nicht?

Die fünf Phasen, die zu einer Büro-Affäre führen

2.) Wie verführe ich einen Kollegen/eine Kollegin?

3.) Die schmale Grenze zwischen Verführung und sexueller Belästigung

Zeit gewinnen für die „kleine Nummer“ zwischendurch

4.) Stellen und Stellungen: Welche Position ist am besten?

5.) Die Kunst des Quickies

Kleine Checkliste affärenfestes Büro

6.) Wie man eine erotische Mail schreibt

7.) Die Kunst der Geheimhaltung

Überwachung von Arbeitnehmern – Was ist erlaubt?

8.) Der richtige Umgang mit den Kollegen

9.) Wie sieht bei Sex am Arbeitsplatz die Rechtslage aus?

10.) Wie Sie Ihr Büroverhältnis Ihrem Vorgesetzten beibringen

11.) Wenn alles schief geht: Exit-Strategien entwerfen

12.) Wie man mit einem abgelegten „Büro-Lover“ weiter gut zusammenarbeitet

Einleitung

Wie immer Sie es nennen wollen – "die Praktikantin betreuen", "den Toner nachfüllen", "eine Fusion in die Wege leiten" oder "das Betriebsklima aufheizen" – Fakt ist, dass sich sexuelle Abenteuer am Arbeitsplatz nicht mehr weg diskutieren lassen. Sie finden statt, im Zeitalter gewachsener Liberalität vermutlich häufiger als früher. Obwohl man sich selbst da nicht allzu sicher sein sollte.

Denn schon in ihrem 1964 (also noch vor der "sexuellen Revolution") erschienenen Buch Sex and the Office argumentiert Helen Gurley Brown (S. 184-185): "Kein Büro auf dieser Erde ist so puritanisch, tadellos, elegant, steril oder unbestechlich, dass es nicht das Triebmittel für zumindest eine Affäre enthalten würde, vermutlich mehr. Sie können sagen, dass es hier nicht passieren sollte, aber sobald es nur irgendwo etwas Hefe gibt, beginnt das Brot schneller aufzusteigen, als Sie gucken können. Weit davon entfernt, unwesentliche, vorübergehende oder lächerliche Verbindungen zu sein, können Romanzen und Affären, die bei der Arbeit beginnen, die spannungsgeladensten, befriedigendsten, unvergesslichsten Erfahrungen sein, die es im Leben zweier Personen jemals gab. Selbst wenn die Dinge traurig enden, würde jemand, der an so etwas beteiligt ist, kaum jemals sagen, dass er seinen rechten Arm dafür geben würde, wenn all das niemals passiert wäre. Im Gegenteil: Er – oder sie – phantasiert den Rest seines Lebens darüber, erinnert sich an das Beste davon."

Wie sexuelle Abenteuer am Arbeitsplatz in den sechziger Jahren aussahen, als diese Sätze geschrieben wurden, verraten uns heute so renommierte Fernsehserien wie Mad Men. Wie Sex am Arbeitsplatz hingegen heute ablaufen kann, erfahren wir etwa durch die noch beliebtere Serie Grey's Anatomy. Die Begeisterung der Zuschauer für solche Geschichten lässt ahnen, wieviel an eigenen Wünschen und Phantasien dahinter steckt. Aber man benötigt keine Traumwelten, um seine Bedürfnisse in diesem Bereich auszuagieren. Man kann sie auch ganz direkt in die Tat umsetzen. Dieses Buch verrät Ihnen alles, was es darüber zu wissen und dabei zu beachten gilt.

Ich weiß: Es gibt auch immer wieder vermeintlich wohlmeinende Ratschläge, von solcherlei Dingen besser die Finger zu lassen, um sie sich nicht zu verbrennen. "Never fuck in the factory!" lautet ein beliebter Slogan im englischen Sprachraum; hierzulande gibt es den Spruch "Ist dir deine Ruhe lieb, vögel niemals im Betrieb". Die Tatsache allein, dass solche zweifelhaften Ratschläge immer wieder gegeben werden, belegt jedoch bereits, wie viel mehr Leute sich solchen Dingen widmen, als mancher naiv glaubt.

Zugegeben, auch viele der für diesen Ratgeber herbeigezogenen Bücher raten von Sex am Arbeitsplatz eher ab. "Ihre erste Priorität ist Ihr Job!" – so oder ähnlich lauten immer wieder befehlartige Aussagen, die bis ins Jahr 2010 in solchen Titeln enthalten sind. Wie Sie schon ahnen, ist dieser Ratgeber, den Sie hier vor sich haben, weitaus liberaler ausgerichtet. Denn: Möchten Sie wirklich von einem wildfremden Autor entscheiden lassen, was in Ihrem Leben Ihre erste Priorität zu sein hat? Ich halte meine Leser für mündige Bürger, die sehr gut für sich selbst herausfinden können, was sie zu tun und zu lassen haben. Da Sie sich ein Buch mit dem Titel Kamasutra am Arbeitsplatz gekauft haben, gehe ich zwar davon aus, dass Sie hier keine grundsätzlichen Bedenken haben und derlei Ideen nicht unbedingt weit von sich weisen würden. Insofern wird der Schwerpunkt dieses Buches auf den bisher zu kurz gekommen Argumenten FÜR Sex im Büro liegen. Allerdings habe ich nicht vor, Sie zu etwas zu missionieren, und werde deshalb auch immer wieder darauf hinweisen, was in Ihrer konkreten Situation GEGEN ein solches Abenteuer sprechen könnte, mit welchen Fallstricken Sie zu rechnen haben und wovor Sie sonst noch auf der Hut sein sollten. Letzten Endes können aber nur Sie selbst wissen, welche Risiken für Sie vertretbar sind, worauf Sie sich noch einlassen können und worauf nicht.

Da ich gerade den Titel dieses Ratgebers erwähnt hatte: Ich hoffe, Sie lassen sich durch das Wort "Kamasutra" nicht derart in die Irre führen, als dass Sie auf diesen Seiten hier lediglich eine aneinander gefügte Reihe von Beschreibungen mehr oder weniger ausgefallener Stellungen beim Geschlechtsverkehr erwarten. Das altindische Kamasutra ist zwar für die Vielzahl der darin aufgeführten sexuellen Positionen bis heute besonders bekannt geworden. Sein Inhalt ist aber wesentlich umfassender. Das Kapitel "Über die verschiedenen Weisen, sich niederzulegen" umfasst darin lediglich 52 Verse und damit weniger als fünf Prozent des Gesamtwerks. Der gesamte Rest widmet sich viel tiefgehender dem gesamten Spektrum der Liebeskunst und des gesellschaftlichen Zusammenspiels von Mann und Frau. An diesem Vorbild werde auch ich mich bei diesem Ratgeber orientieren: Auch er wird ein eigenes Kapitel über die beglückendsten Stellungen enthalten, die sich etwa im Bürobereich anbieten, aber es geht darin um die verschiedensten Facetten des Themas "Sex am Arbeitsplatz" an sich.

Zuletzt: Dieser Ratgeber richtet sich vor allem an Menschen, die in Büros arbeiten. Natürlich gibt es auch ganz andere Arbeitsplätze. Wenn Sie also beispielsweise Feuerwehrmann, Quizmaster oder Sherpa sind, sind Sie vielleicht traurig, dass speziell Ihr Job in diesem Ratgeber nicht vorkommt. Hier musste ich mich einfach an der vermutlich größten Zielgruppe für dieses Buch orientieren. Angesprochen sind allerdings beide Geschlechter. Dabei habe ich mich entschieden, meine Worte mal an einen Leser und mal an eine Leserin zu richten statt politisch korrekte Sprachverstümmelungen wie MitarbeiterIn etc. zu verwenden.

Jetzt bleibt mir nur noch, Ihnen ganz herzlich eine unterhaltsame und erkenntnisreiche Lektüre zu wünschen!

Teil Eins:Was Sie über Sex am Arbeitsplatz wissen sollten

In diesem Kapitel wird es darum gehen, überhaupt einmal die grundsätzlichen Aspekte dieses Themas zu beleuchten. Wie häufig kommt es zu Sex am Arbeitsplatz? Wie entstehen solche Situationen? Welche Bedeutung für Politik und Wirtschaft liegt in diesem Thema? Und was bedeutet all das für Sie persönlich?

1.) Wie verbreitet sind Sex und Erotik am Arbeitsplatz?

In der Einleitung dieses Buches habe ich soeben ganz lapidar behauptet, dass sexuelle Abenteuer am Arbeitsplatz häufig stattfinden. Belegt habe ich diese Behauptung noch nicht. Vermutlich dürfte es Sie interessieren, was genau ich mit dem Wort "häufig" meine – oder mit dem Begriff "sexuelle Abenteuer". Sexualität ist ein weiter Bereich und kann so unterschiedliche Dinge umfassen wie sich alleine auf der Toilette einen runterzuholen, nachdem man gerade an der attraktiven Kollegin vorbeigegangen ist, ihr in der Teeküche einen Kuss auf den Nacken zu geben, nach Feierabend mit ihr im Auto auf Tuchfühlung zu gehen oder sie auf dem Schreibtisch des Chefs zu vögeln, während der Rest der Belegschaft zwei Etagen tiefer bei einer wichtigen Konferenz zusammensitzt.

Jedenfalls wüssten wir es gerne ein bisschen genauer. Ist das, was Sie gerne mit Ihrem Kollegen zwischen Teeküche und Kopierer anstellen möchten, etwas, das vielleicht nicht die Mehrzahl aller Angestellten schon mal getan hat, aber doch so viele, dass man es als durchaus üblich betrachten kann? Oder ist die Verbindung von Erotik und Arbeitswelt so ungewöhnlich, dass Sie sich schon als Perverser – oder aber als wagemutigen Tabubrecher – fühlen müssen, wenn Sie hier etwas Action erleben möchten?

Ich habe mir einmal den Spaß gemacht, für dieses Buch die unterschiedlichsten internationalen Umfragen und Statistiken zusammenzusuchen, die Rückschlüsse darauf zulassen, wie häufig es am Arbeitsplatz zu knisternder Erotik zwischen Frauen und Männern kommt. Sie werden feststellen, dass die Zahlen je nach Umfrage oder Studie stark schwanken. Vieles kommt hier zum Beispiel auf die Art der Fragestellung an und wie die Umfrage durchgeführt wurde (etwa telefonisch, von Angesicht zu Angesicht oder komplett anonymisiert). Trotzdem schält sich ein vages Bild heraus, was die Häufigkeit von sinnlichen Arbeitspausen angeht.

* In einer Leserbefragung der Frauenzeitschrift Marie Claire zeigte sich: 60 Prozent der Leserinnen hatten schon mal mit einem Kollegen geschlafen, 85 Prozent sich besonders scharf zurechtgemacht, um einen Kollegen zu beeindrucken, 50 Prozent hatten sich schon einmal erotischen Phantasien über ihren Vorgesetzten hingegeben und 70 Prozent sich zum Orgasmus gebracht, während sie an einen Kollegen dachten.

* Einem Artikel der Associated French Press vom 14. Juni 2002 zufolge fühlen sich 83 Prozent der Frauen geschmeichelt, wenn sie ein Kollege anbaggert. (Bitte bedenken Sie, dass es sich dabei um Französinnen handelt! Hierzulande ist das Risiko groß, dass man sich dafür den Vorwurf der sexuellen Belästigung einfängt – darum wird es in einem späteren Kapitel gehen.) Drei von vier Frauen flirten gerne mit einem Kollegen – die meisten von ihnen finden, Flirten beim Job sei gut für die Arbeitsmoral – und 28 Prozent davon hatten am Arbeitsplatz mit einem Kollegen Sex. Zehn Prozent der befragten Damen hatten bereits eine Affäre mit ihrem Chef.

* Untersuchungen der Online-Stellenportale Jobbörse und Monster gelangten zu dem Ergebnis, dass 26 Prozent der Arbeitnehmer schon einmal Sex am Arbeitsplatz hatten.

* Das Portal Jobscout gelangt in einer eigenen Untersuchung zu höheren Zahlen: Ihr zufolge hatten rund 36 Prozent der Befragten schon einmal Sex am Arbeitsplatz erlebt. Und weitere 30 Prozent können sich ein entsprechendes Abenteuer durchaus vorstellen.

* Dem Onlineportal karriere.com zufolge hatten 26 Prozent bereits mit einem Kollegen Sex – ob am Arbeitsplatz oder außerhalb ist nicht bekannt.

• Meike Müller weist in ihrem Buch Rendezvous am Arbeitsplatz darauf hin, dass einer Statistik der Zeitschrift Men's Health zufolge 56 Prozent der Männer in ihrem Büro bereits Sex mit einer Frau hatten. Allerdings bezifferte die Frauenzeitschrift Freundin diese Anzahl in einer Umfrage auf lediglich zehn Prozent.

Ich halte es durchaus für realistisch, bei den Bekundungen der Mens-Health-Leser ruhig mal zwanzig Prozent abzuziehen, während ich die Freundin-Leserinnen für so zahm halte, dass man da wiederum gut und gerne zwanzig Prozent draufschlagen kann, um zu realistischen Werten zu kommen. Fasst man die obigen Umfragen zusammen, so erhält man eine Spanne von etwa 26 bis 36 Prozent aller Berufstätigen, die schon mal an ihrem Arbeitsplatz mit jemandem gevögelt haben. Pi mal Daumen formuliert: Einem von drei Berufstätigen ist Sex am Arbeitsplatz keineswegs fremd.

Aber all das lässt sich noch ein wenig genauer auffächern:

* Eine Umfrage des amerikanischen Playboy ergab, dass zwei Drittel aller amerikanischen Frauen Phantasien von Sex am Arbeitsplatz haben. Überwiegend würden sie es am liebsten auf dem Schreibtisch tun – die Männer hingegen auf dem Stuhl.

* Wie Spiegel-Online berichtete, hatten einer Umfrage zufolge, die der britische Internet-Anbieter New Woman unter 2000 weiblichen Angestellten zwischen 18 und 35 Jahren durchführte, schon einmal Sex im Büro gehabt. Als beliebtester Ort dafür wurde von jeder vierten Frau das Büro ihres Partners genannt. 16 Prozent der Frauen trieben es lieber in ihrem eigenen Büro. Gerne genannt wurden auch die Toilette (16 Prozent), das Büro des Chefs (zwölf Prozent), der Schreibtisch des Vorgesetzten (zehn Prozent), der Aufzug (neun Prozent), der Firmenparkplatz (fünf Prozent), die Kantine sowie ein Schrank (jeweils vier Prozent). Zwanzig Prozent der befragten Frauen bekundeten, zum Geschlechtsverkehr mit ihrem Vorgesetzten bereit zu sein, wenn dies ihrer Karriere nutze.

Im Auftrag der Zeitschrift PLAYBOY (Ausgabe Mai 2011) befragte auch das Marktforschungsinstitut Emnid rund 1000 berufstätige Männer und Frauen danach, wo genau sie, wenn sie Sex am Arbeitsplatz pflegten, diesen stattfinden ließen. Das Ergebnis dieser Untersuchung: Jeweils 42 Prozent hatten es auf dem Schreibtisch oder im Archiv bzw. Lager getan, 37 Prozent im Auto, 23 Prozent im Chefbüro und 11 Prozent im Aufzug.

* Bei einer Befragung, die im März 2004 die Frauenzeitschrift Lisa durchführen ließ, erklärten sechs Prozent der Frauen und neun Prozent der Männer, sie hätten schon mal mit einem/einer Vorgesetzten Sex gehabt. Wo die Männer durch die Stärke erregt wurden, die ihre Chefin ausstrahlte, fühlten sich die Frauen vor allem vom Gefühl der Wertschätzung gekickt.

Anderthalb Jahre später ermittelte das Meinungsforschungsinstitut Forsa für die Zeitschrift Neon, dass jeder dritte junge Erwachsene es hinnehmbar fand, wenn jemand Sex mit seinem Chef hatte, falls das zu beruflichen Vorteilen führte. Acht Prozent erklärten, sie seien bereit, diese Masche auch selbst anzuwenden.

Als im Jahr 2006 das Magazin Top Santé 5000 Frauen interviewte, berichteten zehn Prozent von einem Verhältnis mit ihrem Vorgesetzten. Zwölf Prozent von ihnen wurden daraufhin in eine höhere Position befördert. Elf Prozent gelang es, ihren Vorgesetzten zu heiraten.

Laut einer Erhebung des Marktforschungsinstituts Harris Interactive aus dem Jahr 2007 schließlich haben 30 Prozent der berufstätigen Frauen in Deutschland schon mal ihren Chef vernascht. Das berichtete das Erotik-Magazin Playboy im Mai 2011. Diesem Bericht zufolge hatten nur 18 Prozent der Männer dasselbe Vergnügen mit einer Vorgesetzten.

Die gravierenden Unterschiede in den einzelnen Erhebungen (z. B. nur sechs Prozent der Frauen in der Lisa-Umfrage, aber volle 30 Prozent in der vom Playboy zitierten Untersuchung) wirkt sicher erst einmal irritierend, ist aber bei im weitesten Sinne sexualwissenschaftlichen Studien alles andere als unüblich. Viel hängt hier von der konkreten Fragestellung, der Art der Durchführung (von Angesicht zu Angesicht oder anonym) sowie der ausgewählten Grundgesamtheit der Befragten ab. Wir müssen uns damit abfinden, es hier nicht mit einer exakten Zahl zu tun zu haben sondern mit einer Spanne.

* Bei einer Studie, die die italienische Sexualforscherin Serenella Salomoni durchführte, gaben doppelt so viele Frauen wie Männer zu, schon einmal eine Affäre am Arbeitsplatz gehabt zu haben. Das legt die Vermutung nahe, dass Frauen eher als Männer bereit sind, über ein solches Erlebnis zu sprechen (bei anderen sexuellen "Normverstößen", etwa Seitensprüngen, ist es umgekehrt). Eine von drei dieser Frauen beichtete sogar, eine Affäre mit ihrem Vorgesetzten eingegangen zu sein, um ihre Karriere voranzutreiben.

* Entweder nehmen die Zahlen trendmäßig zu, oder es beginnen immer mehr Menschen ihre erotischen Eskapaden in ihrer Firma zu beichten. Bei einer Umfrage des Karriereportals Vault.com berichteten im Jahr 2007 volle 17 Prozent der Befragten, schon einmal bei Sex am Arbeitsplatz erwischt worden zu sein. Im Jahr zuvor waren es nur zwei Prozent.

* Dass sich sogar verschiedene Branchen und Berufszweige nach unterschiedlicher Geilheit und Wagemut der Beschäftigten aufschlüsseln lassen, berichtete am 29. Juli 2010 die britische Zeitung Daily Record. Demnach findet Sex am Arbeitslatz besonders häufig unter Fabrikarbeitern statt (neunzehn Prozent wurden hier ermittelt), gefolgt von Bürohengsten (und -stuten) mit 16 Prozent, Barpersonal mit 15 und Verkäufer(inne)n in Ladengeschäften mit 13 Prozent. Dabei gab fast ein Drittel aller Fabrikarbeiter an, sich täglich etwa zwei Stunden ihrer Arbeitszeit erotischen Gedanken hinzugeben – offenbar eine Folge davon, dass bei den monotonen Wiederholungen bestimmter Tätigkeiten die Phantasie besonders stark blühen kann. Die Befragung wurde von der Personalfirma Reabur durchgeführt, weil sie sich immer häufiger um Situationen kümmern musste, bei denen Menschen bei Sex am Arbeitsplatz erwischt worden waren.

* Dem im Jahr 2010 von Jane Merrill und David Knox veröffentlichten Office Romance Survey zufolge genossen zehn Prozent der Befragten schon einmal Oralsex am Arbeitsplatz.

* Der Internetdienst SexTracker, der ermittelt, zu welchen Zeiten besonders stark auf pornographische Websites zugegriffen wird, gelangte aufgrund dieser Zahlen zu der Schätzung, dass jeder fünfte Büroangestellte am Arbeitsplatz auf solche Erotika zugreift.

* Was Chancen auf eine langfristige Beziehung oder gar eine spätere Ehe angeht, steht der Arbeitsplatz an erster Stelle: Fast jedes dritte Paar hat sich dort kennengelernt und Zuneigung füreinander entwickelt.

* Einen besonderen Arbeitsplatz stellt die Universität dar. Jeder fünfte Student habe es, vermeldete die Zeitschrift Unicum im Jahr 2010, schon einmal auf dem Campus getrieben – ob in der Bibliothek oder der Mensa, im leeren Hörsaal, auf dem Dach eines Gebäudes oder an der Sternwarte des astronomischen Instituts. Als Haupttriebfedern für solche Eskapaden nannte die Unicum den Kick, erwischt zu werden, sowie reichlichen Alkoholgenuss auf der einen oder anderen studentischen Feier. Die Pressesprecher der befragten Universitäten zeigten sich durchaus liberal: Sexverbote gäbe es nicht; eine Anzeige sei nicht zu befürchten, falls ein Pärchen erwischt würde – so lautete der allgemeine Tenor. Auch der von Unicum befragte Rechtsanwalt Claus Pinkerneil gab in einem Interview Entwarnung: "Erregung öffentlichen Ärgernisses spielt in der Praxis kaum eine Rolle. Da es unwahrscheinlich ist, dass man bei zufälliger Entdeckung im Hörsaal jemanden stört, droht einem meist keine Strafe. Wenn es zur Anzeige kommt, wird das Verfahren häufig eingestellt." Im schlimmsten Fall seien eine kleine Geldstrafe, eine Verwarnung oder ein Platzverweis zu befürchten.

All diese Erkenntnisse führen zu vielen neuen Fragen. Zum Beispiel: Welche Orte und welche Praktiken sind für Sex am Arbeitsplatz am geeignetsten? Wie vermeidet man, erwischt zu werden? Wie sieht die juristische Situation aus – eine Firma ist ja doch etwas anderes als eine Universität? Ist ein Sex-Abenteuer mit seinem Vorgesetzten wirklich empfehlenswert? Behindert oder fördert Sex im Büro die Karriere? All das und viel mehr wird im Verlauf dieses Buches noch ausführlich behandelt werden.

2.) Warum es so häufig zu Sex am Arbeitsplatz kommt

Nach den bisher genannten Zahlen fühle ich mich ein wenig an das Schreiben meines Ratgebers Onanieren für Profis erinnert. Die Parallelen zwischen Selbstbefriedigung und Sex im Betrieb sind auffällig: Etliche Menschen tun es, aber weil es kaum jemand wagt, offen über seine eigenen Erlebnisse dabei zu sprechen, bleibt das Thema anrüchig, was es wiederum den Menschen schwer macht, darüber unbefangen zu reden.

Was die Gründe angeht, warum Bürosex ein Tabuthema bleibt, kann man nur spekulieren. Möglicherweise gilt es in unserer Leistungsgesellschaft als skandalös, wenn jemand nicht acht Stunden am Tag über seine Akten gebeugt am Schreibtisch sitzt, sondern zwischendurch tatsächlich für eine halbe Stunde Lust empfindet. Zwar vertrödeln etliche Leute auch enorm viel Zeit mit Zigarettenpausen, Tratschen in der Kaffeeküche und Surfen im Internet, aber "Sex am Arbeitsplatz" klingt schon so, als ob man sich dafür doch einen größeren Zeitraum am Stück aus seiner Dienstzeit heraus gebrochen haben muss, als einem eigentlich zusteht. Sobald man Ausschweifungen dieser Art berichtet, besteht auch immer das Risiko, dass missgünstige Kollegen es schnurstracks einem Vorgesetzten zutragen, was zu disziplinarischen Maßnahmen bis hin zum Jobverlust führen könnte. Damit wäre aber die eigene Existenz – gesellschaftlich und finanziell – bedroht. Auf kuriose Weise sind hier anstatt der katholischen Kirche die Führungen der Firmen und Unternehmen oberster Hüter sexueller Tabus geworden.

Ludwig Hasler, ein gefragter Referent für Management, Marketing und Zeitdiagnostik veröffentlichte am 29. März 2005 in der Aargauer Zeitung den zu diesem Thema zitierenswerten Artikel "In der Moralfalle". Anlass dieses Beitrags bot ein Liebesverhältnis des Boeing-Konzernchefs Stoneciphers mit einer Angestellten. Hasler fragte sich, warum dieses Verhältnis dermaßen skandalisiert wurde, und gelangte zu folgendem Urteil: "Seit dem Beginn der Moderne war Sündigen Privatsache. Heute schickt sich das Kollektiv an, über Gut und Böse zu wachen – mit einem handgestrickten Tugendkatalog, dessen Strickmuster die Spießerfraktion liefert. (...) Die sexuelle Freizügigkeit reicht dann noch so weit, wie Sex 'Spaß macht', also quasi therapeutisch wirkt, den Menschen zähmt. Ist ein Mann verrückt nach einer Frau (siehe Boeing/Stoneciphers), hört der Spaß auf, dann ist der Mann ja nicht mehr berechenbar. (...) Wo die Märkte entfesselt sind, müssen Manager und Mitarbeiterinnen privat gefesselt werden. Plakativ gesprochen: Der Neoliberalismus erzeugt rigide Formen von Neomoralismus."

Das erscheint nachvollziehbar. Zugleich könnte es aber sehr gut sein, dass man wegen dieses Neomoralismus zwar seine Liaisons am Arbeitplatz unter der Decke hält, es aber aus demselben Grund immer häufiger zu Sex am Arbeitsplatz kommt.

Vielleicht lässt Sie diese Behauptung stutzen. Sexuelle Erlebnisse sollen in unserer Arbeitswelt gleichzeitig tabuisiert und gefördert werden? Wie kann das sein? Einen Erklärungsansatz bietet die amerikanische Sexualwissenschaftlerin Shere Hite in ihrem Buch Sex & Business. Hite macht darauf aufmerksam, dass die Aussage, das Privatleben solle draußen vor der Bürotür bleiben, verdächtig nach der Parole vieler Eltern klinge "In diesem Haus gibt es keinen Sex!" Genauso wie Eltern wüssten, dass ihre heranwachsenden Kinder an Sex interessiert sind (vielleicht sogar gerade munter vor sich hin vögeln), sei das so lange für sie akzeptabel, solange die Kinder es nicht zu Hause tun. Mit anderen Worten: Weder die Kinder noch die Eltern haben zu Hause Sex. Eltern küssen sich fast nie leidenschaftlich oder erwähnen ihren Kindern gegenüber, dass sie Sex hatten, sondern lassen ihre Söhne und Töchter in dem Glauben, es gebe keinen Sex unter diesem Dach. Vorstandschefs und andere "Väter" in Führungspositionen, vermutet Hite, projizieren vielleicht ein wenig von dieser Haltung auf den Arbeitsplatz. Das eröffne die Frage: Sind "Unternehmenshäuptlinge" ebenso eifersüchtig, wenn ihre "Töchter" und "Söhne" Sex haben? Ist das der Grund, weshalb sie Anhänger des eingangs erwähnten Slogans "never fuck in the factory" sind?

Wenn ein Unternehmen jedoch versucht, den Arbeitsplatz zur liebesfreien Zone zu erklären, dann führt genau jenes Tabu häufig zu dem, was Psychologen als "Reaktanz-Verhalten" bezeichnen: Die Angestellten kommen auf den Gedanken, sie seien freie Menschen, die sich nichts verbieten zu lassen brauchen, und sagen sich: Jetzt erst recht! Das wollen wir doch mal sehen! Wir kennen diese Denke ja bereits aus der Geschichte mit dem biblischen Baum der Erkenntnis, an dem zu essen Adam und Eva eigentlich verboten worden war – was dazu beitrug, sie erst recht aufmüpfig zu machen. Denn was verboten ist, macht einen erst richtig scharf.

Zu der Erkenntnis, dass sich genau dieser psychologische Prozess tatsächlich bei vielen Berufstätigen abspielte, gelangte Jane Merrill im Rahmen ihrer bereits erwähnten Studie, deren Ergebnisse sie 2010 in ihrem Buch Making Love from 9 to 5 veröffentlichte. Darin führt Merrill aus (S.19): "In unseren Befragungen zeigte sich ein verblüffend weit verbreitetes Szenario: Männer und Frauen hatten aus keinem anderen Grund Sex im Büro als dass es verboten war. Es war etwas Ungezogenes, das sie von der Eintönigkeit des Alltags ablenkte. Die Frauen, die darin verwickelt waren, waren liberal und erfahren. Der Bürosex wurde als kleine Gaunerei geschildert, die nichts oder wenig mit Zuneigung zu tun hatte."

Kollegen kopulieren also miteinander, tun das aber heimlich statt offen. Das führt unter anderem zu dem unangenehmen Nebeneffekt, dass ein Vorgesetzter nie weiß, wo die Leute stecken, wenn er sie gerade dringend für irgendeine wichtige Aufgabe braucht. Besser wäre es, wenn es in dieser Hinsicht in den Firmen wesentlich mehr Transparenz gäbe, so dass er sich zum Beispiel sagen kann: "Ach ja, es ist schon wieder halb drei, da pimpert der Müller doch immer die Hertling. Das dauert nie länger als zehn Minuten – am besten, ich schaue dann noch mal in seinem Büro vorbei." Zwar ginge durch so viel Offenheit auch die Spannung des Heimlichtuns verloren, aber diese ist ja ernsthaft nur anfangs für viele Paare reizvoll. Später wird die Notwendigkeit zu ständigen Heimlichkeiten von vielen eher als Nerven raubende Belastung empfunden.

Möglicherweise halten Sie es für illusorisch, dass die Sexpause in unseren Betrieben einmal genauso gang und gäbe sein könnte, wie es im letzten Jahrhundert noch die Zigarettenpause war. Dann sollten Sie aber daran denken, dass Toleranz gegenüber Liebe am Arbeitsplatz grundsätzlich von Jahrzehnt zu Jahrzehnt stärker anwächst. Noch in den Siebzigerjahren herrschte in den Konzernen eine Prüderie, die uns heute kaum vorstellbar erscheint. In der Bekleidungsfirma C&A etwa, berichtet Meike Müller in ihrem Buch Rendezvous am Arbeitsplatz, mussten sich die Untergebenen verpflichten, während ihrer Ausbildung weder zu heiraten, noch sich zu verloben. Nachwuchsmanager platzierte man in firmeneigenen Haushalten, wo ein Ehepaar darauf achtete, dass die jungen Männer auch einen geordneten Lebenswandel hatten. Und noch Ende der achtziger Jahre, schildert Lisa Mainiero in ihrem Buch Office Romance, gab es etwa bei Arthur Andersen, damals eine der fünf größten international tätigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die strenge Regel, der zufolge Mitarbeiter keine anderen Mitarbeiter heiraten durften. Auch der Paketdienst UPS riet von Büroromanzen eindringlich ab, weil das Management befürchtete, dass hierbei entstehende Beziehungen den Eindruck von Günstlingswirtschaft erzeugen könnten. Eine Firma wie Apple stach damals geradezu heraus, indem sie sich auch in dieser Hinsicht als zukunftsorientiert erwies. Ihre Personaldirektorin Debbie Biondolillo erklärte: "Wir haben keine formelle Firmenpolitik gegen Romanzen unter Angestellten. Wir versuchen, solche Situationen nicht zu kontrollieren oder zu überwachen." An erster Stelle stand schon damals der Respekt vor dem Angestellten als freiem Individuum.

Aus heutiger Sicht erscheinen viele der damaligen Zustände, etwa das Heiratsverbot bei C&A als kaum vorstellbar, um nicht zu sagen einigermaßen gaga. Damals wurde es problemlos akzeptiert. In ähnlicher Weise kann es gut sein, dass den folgenden Generationen unsere Anti- Einstellung zu Sex am Arbeitsplatz als unvorstellbar prüde erscheint. Das Ausmaß der sexuellen Freiheit wächst in der westlichen Gesellschaft schließlich von Jahrzehnt zu Jahrzehnt stärker an. Anfangs werden davon die eher kreativen Branchen betroffen sein (Werbung, Medien etc.), aber langfristig werden sich auch konservativere Zweige diesem Wandel anpassen müssen. "Insbesondere Firmen mit modernem Image oder Nachwuchs-/Rekrutierungsproblemen", erklärt die Schweizer Arbeitspsychologin Karin Ammann, "können es sich kaum leisten, als Tugendwächter zu gelten."

Dazu gesellt sich eine weitere Entwicklung, die Sex am Arbeitsplatz begünstigen dürfte. Andrew Kakabadse merkt in seiner 2004 erschienenen Analyse Intimacy: An International Survey of the Sex Lives of People at Work an, dass die gegenwärtigen und kommenden Generationen nicht mehr dieselbe Arbeitsmoral haben wie die Generation der Baby Boomer nach dem Zweiten Weltkrieg. Vor allem im Zeitalter der industriellen Revolution war es für die Fabrikbesitzer wichtig, das sexuelle Verhalten am Arbeitsplatz zu kontrollieren und Werte wie Enthaltsamkeit, Zurückhaltung und eine "saubere" Lebensweise zu bewerben. Verschiedenen Historikern zufolge formte unterdrückte Sexualität das Wesen einer solchen Organisation. Manche argumentierten sogar, dass die Arbeiter und Angestellten ihre Tätigkeit als Ventil für ihre unterdrückte Sexualität empfanden.

Mit dem Beginn des Informationszeitalters jedoch, erklärt Kakabadse, erstreckte sich der Arbeitsplatz insbesondere durch die zunehmende Verwendung von Laptops und Handys an die unterschiedlichsten Orte bis hin zum Zuhause eines Angestellten. Auch was die Arbeitszeit angeht, durchdringen Freizeit und beruflich bestimmte Zeit einander immer mehr. Es kommt zu einer Zeitarmut in beiden Bereichen, die unter anderem dadurch aufgefangen wird, dass sexuelle Erlebnisse auch am Arbeitsplatz stattfinden. Die strenge Trennung zwischen öffentlichem und privatem Leben wird immer mehr verwischt – ein Vorgang, der jedoch in beide Richtungen abläuft: Aktenordner auf dem Nachttisch, Kondome im Firmenbüro. Dabei geht jeder einzelne sehr unterschiedlich damit um, wie er sein Leben vor diesem Hintergrund gestaltet. Persönliche Entwicklung und Zufriedenheit mit sich selbst muss aber für viele im Gleichgewicht stehen mit Karrierestreben und dem Willen zum Erfolg.

Die Entwicklung, die sich hier abzeichnet, wurde in ihrer Anfangsphase bereits 1997 von dem Magazin Focus in einer Titelgeschichte beleuchtet. Erotik halte "Einzug in unseren Arbeitsalltag" hieß es da, ja, das US-Magazin Psychology Today spreche gar von einer "Liebesexplosion am Arbeitsplatz". Als Ursache dafür benannte das Magazin zunächst einmal strikter aufflammende Gefühle infolge von Brainstorming, Teamarbeit und Überstunden. "Wir arbeiten heute alle schneller, smarter, bringen mehr von uns ein" zitiert der Focus die Psychology Today. So werde die Arbeitsatmosphäre buchstäblich "aufgeheizt". Während Arbeit dem amerikanischen Management-Experten David Eyler zufolge an sich schon ein erotisches Unterfangen darstelle, gelte dies um so mehr angesichts eines sich zunehmend verändernden Berufsalltags, der gekennzeichnet ist durch "selbständiges Arbeiten in kleinen Kreativteams, freiere Zeiteinteilung, die verstärkte Vermischung von Freizeit und Profession". Insbesondere verwies das Magazin auf Bill Gates Computerfirma Microsoft – in deren Konzernzentrale sollen sich beim gemeinsamen 14-Stunden-Tag schon ein Dutzend Paare gefunden haben. Wozu Stephen Mindes, Co-Autor eines Buches über den Microsoft-Konzern erklärte: "Solch eine intensive Arbeitsatmosphäre erfordert, sich gedanklich mit dem Gegenüber auseinanderzusetzen – etwas Erotischeres gibt es nicht."

"Auch Organisationen sind sexualisierende Gebilde", weiß der Kienbaum-Personalberater Frank Dievernich. Beruflich bedingter Wirbel führt zu einem hohen Energieniveau und gemeinsame Ziele bei dem einen oder anderen Projekt zu wachsenden zwischenmenschlichen Bindungen. Schließlich wird die im Beruf entstandene Erregung in erotische Erregung umgewandelt – ein Prozess, den Psychologen als "Sublimation" bezeichnen. Wir Menschen verwechseln die Erregung, die durch heikle oder hektische Situationen entsteht, gerne mit der Erregung, die für sexuelle Leidenschaft typisch ist. Es gibt ein berühmtes Experiment, bei dem eine Forscherin einmal Männer interviewte, die eine stabile Brücke überquert hatten, und ein anderes Mal solche, die gerade über eine wacklige, schwankende, gefährlich wirkende Hängebrücke gelotst worden waren. Angehörige der zweiten Gruppe fragten diese Dame weitaus häufiger nach ihrer privaten Telefonnummer und riefen später auch tatsächlich bei ihr an. In ähnlicher Weise kann auch beruflich erzeugter Stress den Funken zur Lust entstehen lassen.

Es gibt verschiedene weitere Experimente, die diesen unbewussten Vorgang belegen. In einem davon sollten sich Studenten Herzschläge – angeblich ihre eigenen – anhören, während sie halbnackte Frauen betrachteten. Tatsächlich wurde der Herzschlag, den sie hörten, willkürlich vom Versuchsleiter festgelegt. Als die Studenten die Frauen nach ihrer Attraktivität beurteilen sollten, bewerteten sie diejenigen höher, von denen sie glaubten, dass sie ihr Herz schneller schlagen ließen. Ähnlich aufschlussreich ist ein Experiment des Psychologen J.W. Brehm. Der teilte seine männlichen Versuchspersonen in zwei Gruppen ein; den Mitgliedern einer der beiden kündigte er an, sie würden später ziemlich starke elektrische Schocks erhalten. Sämtliche Männer wurden daraufhin jungen Frauen vorgestellt und später danach befragt, wie sehr diese ihnen gefielen. Männer, die später einen Schock erwarteten, zeigten größere Begeisterung. Offenbar wurde ihre leichte Angst in sexuelles Begehren verwandelt.

Es gibt keinen Grund, warum dieser Prozess nur bei Männern funktionieren sollte. Für beide Geschlechter sollten demnach die Chancen auf sexuelle Kontakte zu einem Kollegen steigen, wenn auf diesen etwas zukommt, vor dem er etwas Bammel hat: etwa eine schwierige Powerpoint-Präsentation oder ein Gespräch mit einem unangenehmen Chef. Wenn man dann noch weiß, dass ein kleiner Spontanfick diesen Angststress mildern kann (unter anderem weil dabei der Testosteronspiegel steigt), dann liegt ein weiterer Grund für Sex am Arbeitsplatz auf der Hand.

Natürlich geschieht so etwas nicht von jetzt auf gleich. Normalerweise haben wir gelernt, unsere wachsende Geilheit in beruflichen Beziehungen zugunsten von Professionalität und Distanz zu unterdrücken. Das stellt jedoch eine kontinuierliche Gratwanderung dar, wie James Clawson & Kathy Kram im Mai 1985 in dem Fachmagazin Business Horizons erklärten: Zwischen Intimität und Distanz müsse unaufhörlich die richtige Balance gefunden werden – ein Zuviel von einem dieser beiden Extreme ist nicht gut für berufliche Beziehungen. Bei diesem ständigen Balancieren kommt es aber auch regelmäßig zu Spannungen und Verschiebungen. Sobald in einer bestimmten Situation das sexuelle Begehren nicht länger unterdrückt werden kann, bricht es durch. Die betreffende Person erlebt beim Balancieren ein Übergewicht und stürzt – in die Arme des begehrten Kollegen. Man kann sich das ähnlich vorstellen wie wenn ein Mensch, der sich permanent zu Diät und Fasten zwingt, fast unweigerlich irgendwann einen Fressanfall erlebt, weil die menschliche Willenskraft ebenso erlahmen kann wie ein Muskel, der zu dauerhafter Anspannung gezwungen wird.

In ihrem Buch Office Romance (S. 22) erklärt Lisa Mainiero genauer, was sich hier auf der seelischen Ebene abspielt: "Wenn wir in Projekten stecken, die von uns verlangen, unser Ziel mit absoluter Hingabe zu verfolgen, schürt die Intensität unserer Arbeit zwischenmenschliche Anziehungskraft. Ein Gefühl der Verbundenheit entsteht. Insbesondere wenn unser Projekt erfolgreich ist, fühlen wir uns seelisch und körperlich an unsere Kollegen gebunden."

Der typische Moment, an dem viele der Leidenschaft füreinander nachgeben, die aus dem ursprünglich beruflichen Engagement entsprungen war, ist allerdings häufig nicht der Moment größten Stresses, sondern der Augenblick, an dem man sich selbst endlich die Erlaubnis gibt zu entspannen, die Zügel einmal lockerzulassen: etwa bei After-Work-Partys oder gemeinsamen Geschäftsreisen. Folgender Prozess, erklären Jack und Patrice Horn in ihrem Buch Sex in the Office, spielt sich dabei ab: Zwei Menschen, die einander anziehend finden, treffen sich außerhalb ihrer gewohnten Berufsumgebung, also geographisch und emotional davon getrennt. Sie beginnen, über ihre Lieblingsfilme zu sprechen, vielleicht über ihre Kindheit oder Jugend oder emotionale Probleme. Unversehens entstehen größeres Verständnis füreinander, emotionale Nähe, Intimität. Bald geht man auch körperlich auf Tuchfühlung und beginnt eine Affäre – die dann im Arbeitsalltag fortgeführt wird.

Die tatsächlichen Statistiken bestätigen diese Logik: Wie vor einigen Jahren eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Trend Research im Auftrag des Männermagazins Maxim ergab, beginnen Büro-Affären hierzulande am häufigsten beim Abteilungsumtrunk oder der Betriebsfeier mit 33 Prozent. Aber auch gemeinsame Überstunden, die sich bis in die Nacht hineinziehen (wobei es also keine räumliche und emotionale Trennung zur Arbeitswelt gibt), schlagen mit 26 Prozent gut zu Buche.

Inzwischen schlagen die ersten vor, dass Firmen dieses immer wieder stattfindende Umkippen von beruflichem Engagement in sexuelle Leidenschaft für sich nutzen sollten, indem sie sich zu einer "sexy company" entwickeln. John Boogaert und Douglas Noll führen dazu in ihrem Grundlagenwerk Sex, Politics & Religion at the Office (Seite 35) aus: "Eine 'sexy company' nimmt die Sexualität und sexuelle Energie, die jeder Person innewohnt, bereitwillig an. Sexuelle Energie ist kreativ, ausdrucksstark und weitreichend. Sie auf bewusst gesunde und respektvolle Weise anzuzapfen, ist wie sich bei einem Kraftwerk mit unbegrenzten Ressourcen einzustöpseln. Und weil diese Energie anerkannt wird, geschieht keinerlei Unterdrückung. Das Resultat: Ein Arbeitsumfeld, das lebendig und aufregend ist, herausfordernd und stimulierend, Menschen werden nicht kaltgestellt. Und sie werden auch nicht dazu gezwungen, ihre Sexualität verdeckt einzusetzen, um auf der Karriereleiter aufzusteigen. Das wird schlicht überflüssig, weil es jetzt so viele Gelegenheiten gibt, sich selbst sexuell zum Ausdruck zu bringen."