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Im Kloster Benediktbeuern wird aus wissenschaftlichen Gründen mit Ausgrabungsarbeiten begonnen. Hierbei werden auch Mönchsgräber freigelegt. Mit Beginn der Ausgrabungsarbeiten beginnt gleichzeitig auf dem Dachboden des nördlichen Schlafsaals ein unbekanntes Wesen um Mitternacht die Schüler in Angst und Schrecken zu versetzen. Protestieren die toten Mönche über die Störung der Grabesruhe?
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Seitenzahl: 103
Veröffentlichungsjahr: 2017
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In Dankbarkeit für eine wundervolle Internatszeit widme ich dieses Buch meinen gütigen Lehrern P.Söll, P.Bundschuh, P.Menzl und anderen. Die Namen meiner Mitschüler sind aus Datenschutzgründen geändert.
Vorwort
Ausgrabungsankündigung
Beginn der Ausgrabung
Geisterstunde im Schlafsaal
Die Mäusejagd
Schülerrevolte
Die Mutprobe
Lieber Leser
Die folgende Erzählung basiert auf einem Ereignis welches ich als ehemaliger Internatsschüler des Kloster Benediktbeuern im Jahre 1952 selbst am Rande miterlebt habe.
Damit die geschilderten Vorgänge besser verstanden werden, will ich kurz über das Kloster selbst und den Orden der Salesianer informieren:
Gründer der Salesianer ist der Heilige Don Bosco, welcher in Turin gelebt und gewirkt hat und sich in ganz besonderer Weise bedürftigen Jugendlichen gewidmet hat. Dies ist auch der Auftrag, den der Heilige Don Bosco seinen Nachfolgern auf deren Lebensweg mitgegeben hat
Sein wichtigster Wahlspruch lautete:
Gutes tun, fröhlich sein und die Spatzen pfeifen lassen!
Er war zudem ein sehr großer Marienverehrer und vertraute sein Lebenswerk Maria, Hilfe der Christen an. Hauptfest ist der 24. Mai und er ordnete an, dass an jedem 24. eines Monats der Tag Maria, Hilfe der Christen begangen wird.
Wie sehr ihm das Wohl der Jugendlichen am Herzen lag kann man an drei wesentlichen Grundregeln erkennen:
Ein Mitglied des Salesianerordens darf niemals einem ihm anvertrauten Jugendlichen mit Gewalt begegnen. Er ist verpflichtet auftauchende Probleme in Güte und Liebe zu lösen. Treten zwischen ihm und ihm anvertrauten Jugendlichen Differenzen oder gar Streit auf müssen diese Probleme friedlich gelöst werden und niemand darf dabei körperlich oder seelisch verletzt werden.
Jegliche Freundschaft der Jugendlichen untereinander sollte vermieden werden. Grund: Eine Freundschaft grenzt andere aus. Jeder sollte versuchen eine gute Beziehung zu seinen Mitmenschen aufzubauen.
Die Mitglieder seines Ordens sollten so viel wie möglich Sport treiben oder sich ein umfangreiches sportliches Wissen aneignen. Denn mit Sport erreicht man die Jugend am besten.
Es war ein herrlicher Sommertag. Die Schüler des Internats hatten den Vormittag mit Unterricht in den verschiedensten Fächern hinter sich gebracht. Nun war gemeinsames Mittagessen im Speisesaal des Klosters in Benediktbeuern angesagt. Der Speisesaal selbst war mit einem Quertisch und einer dreimaligen Längsfront von Tischen ausgestattet.
Am Quertisch speiste der Direktor des Klosters – Pater Söll und einige Patres – während die Schüler an den Längstischen Platz genommen hatten.
Als das Mittagsmahl sich dem Ende näherte stand Pater Söll auf. Er ergriff die vor ihm platzierte Glocke und bat mit einem entsprechenden Glockenzeichen um Aufmerksamkeit der anwesenden Schüler. Das war ein Ritus, welcher immer wieder vollzogen wurde, wenn der Herr Direktor etwas mitzuteilen hatte. So auch an diesem Tag.
„Liebe Schüler ich habe euch heute etwas sehr wichtiges mitzuteilen. Wie ihr wisst wurde unser Kloster bereits im Jahr 725 nach Christus gegründet und unsere Kirche durch den Heiligen Bonifatius eingeweiht. Es ist somit eines der ältesten Klöster Bayerns. Ursprünglich war es eine Benediktinerabtei und eine große Anzahl von Benediktinermönchen ist unter unserer Kirche und dem Kloster begraben. Im Jahr 1803 wurde dann das Kloster aufgrund der Säkularisation aufgelöst.
Im Jahr 1819 kamen die Gebäude des Klosters in Staatsbesitz und wurden als Kaserne, Invalidenheim, Gefängnis und als Genesungsanstalt genutzt.
Im Jahr 1930 konnte unser Orden – die Salesianer Don Boscos – die Gebäude erwerben und zu einem Zentrum religiöser Bildung, Wissenschaft und Erziehung im Dienst an jungen Menschen einrichten.
Unser Kloster hat also eine sehr bewegte und wissenschaftlich sehr wertvolle, umfangreiche Geschichte. Doch leider wissen wir viel zu wenig über den Inhalt der Geschichte. Zum Beispiel: Wie lebten die Mönche zur Zeit des heiligen Bonifatius und sehr viele andere Fragen.
Deshalb hat die bayerische Regierung beschlossen ein Forscherteam zu beauftragen um offene Fragen aus der Vergangenheit des Klosters – und somit auch aus dem Leben der Menschen in der Frühzeit zu erforschen. Es wird dabei vermutet wichtige Dokumente in den alten Mauern des Klosters zu finden. Dieses Forscherteam wird deshalb in den nächsten Monaten Ausgrabungen unter unserer Kirche und unter unserem Kloster vornehmen.
Das war‘s was ich euch heute mitteilen wollte. Und nun wollen wir Gott danken für die uns geschenkte Speise.“
Damit war die Rede des Direktors beendet. Entsprechend seiner Aufforderung erhoben sich alle Schüler und Patres um Gott für die geschenkte Speise zu danken.
Allerdings hatten einige der Schüler ihre Teller noch nicht geleert. Dies wurde nun nachgeholt, während der größte Teil der Anwesenden den Speisesaal verließ.
Mittagspause! Der Lehrplan des Gymnasiums in Kurzform war ziemlich hart. Schließlich musste das gesamte übliche Lernprogramm innerhalb von vier Jahren gelernt werden entgegen den üblichen 8 Jahren. Dennoch durfte an einem entsprechenden Erholungsprogramm nicht gespart werden.
So gab es an diesem Internat jeden Monat einen sogenannten Wandertag an dem die wunderschöne Bergwelt erkundet werden konnte. Und da der Gründer der Salesianer auch sehr großen Wert auf Sport gelegt hat gab es ausreichende Möglichkeiten sich sportlichen Aktivitäten zu widmen. Dazu gehörte auch ein wunderschöner Fußballplatz am Rande des linken Klostergebäudes.
Zum Kloster selbst gehörten zudem eine Gärtnerei, sowie ein großer Bauernhof. Bei Bedarf wurden die Schüler frei gestellt, um die Arbeit im Bauernhof hilfreich zu unterstützen. Dies war hauptsächlich zu Erntezeiten der Fall wie zum Beispiel bei der Kartoffelernte. Es kam aber auch vor, dass auf den großen Feldern in der Nähe der Loisach Bäume gepflanzt werden mussten,
So war für die Schüler des Internats ausreichend für Abwechslung gesorgt.
Wie an vielen anderen Tagen auch, war die Ansprache des Direktors schnell vergessen, denn wichtiger war nun der runde Ball für die meisten Schüler des Internats. Was interessierte auch die Sache mit den Forschern, welche unterhalb Kirche und Kloster Grabungen vornehmen wollten!
Martin Weingartner war kein großer Fußballfan. Er liebte mehr das Faustballspiel auf dem angrenzenden Faustballfeld. Allerdings benötigte er hierzu entsprechende Mitspieler. Und bis die jeweils benötigten zusätzlichen 9 Kameraden bereit waren sah er interessiert dem bereits laufenden Fußballspiel zu.
Er selbst war schon ein ‚alter Internathase‘ und hatte bereits die ersten beiden Klassen des Internats erfolgreich hinter sich gebracht.
Ganz besonders spannend war es, wenn einer der Patres sich am Fußballspiel beteiligte. Die Geistlichen spielten jeweils im Talar und es kam vor, dass sich der eine oder andere Ball unter dem Talar versteckte. Sollte man da dem Pater zwischen die Beine treten? Das verbat sich jedoch jeglicher Respekt. So war ein Fußballspiel immer abhängig ob und wieviel Patres am Fußballspiel sich beteiligten.
Problematisch wurde so ein Spiel, wenn einer der Mitspieler im Eifer des Gefechts ein sogenanntes Faul beging. Dann erhitzten sich manchmal die Gemüter und hier galt es dein Leitspruch des hl. Don Bosco in die Tat umzusetzen:
Gewalt ist keine Lösung von Problemen! Du musst versuchen Probleme gütig und liebevoll zu lösen.
Anders ausgedrückt verlangte also der hl. Don Bosco, dass wenn in einem Fußballspiel ein Spieler seinem Gegner einen Schmerz zufügte, dieser eine entsprechende Entschuldigung akzeptieren sollte. Eine nicht immer leicht in die Tat um zusetzende Anweisung!
Nach einer gewissen Zeit war auch die Faustballmannschaft komplett und das Spiel konnte beginnen. Das Faustballspiel war etwas anders gelagert als ein Fußballspiel. Beim Faustball konnte man seinen Gegner nicht so leicht verletzen wie beim Fußball. Es sei denn ein Spieler donnerte den Ball seinem Gegner mit voller Absicht ins Gesicht. Doch das kommt beim Faustballspiel äußerst selten vor. Allerdings bietet dieses Spiel gelegentlich auch die Möglichkeit heftig zu streiten – dann nämlich, wenn es darum ging ob ein Ball zum Beispiel innerhalb einer Linie des gegnerischen Feldes landete oder eben nicht.
Im Sommer gab es noch eine weitere Möglichkeit:
Auf dem anschließenden Gelände des Klosters war auch noch ein eigenes Freibad vorhanden. Doch dieses konnte meist nur klassenweise benutzt werden im Rahmen eines sogenannten Sportunterrichts oder an den bereits erwähnten Wandertagen.
Um 14 Uhr war dann Schluss mit der Mittagszeit. Es ging hinein in den jeweiligen Unterrichtssaal, der am Nachmittag gleichzeitig auch dazu diente die jeweils angeordneten Hausaufgaben zu machen oder eben das gelehrte auswendig zu lernen wie zum Beispiel eine Fremdsprache. Um 16 Uhr gab es eine Kaffeepause. Dann ging es weiter mit dem Lernen bis 18 Uhr: Abendessen! Danach war erneut Freizeit angesagt bis 20 Uhr. Um diese Zeit versammelten sich die Schüler in der Hauskapelle zum gemeinsamen Abendgebet.
Anschließend war Ruhezeit angesagt. Die Schüler zogen sich in eines der beiden Schlafräume zurück um am anderen Morgen ausgeschlafen und konzentriert den neuen Tag mit einem Morgen – Gottesdienst und anschließendem Frühstück zu beginnen.
Die Schlafräume selbst waren je nach Klassen unterteilt. Die Schüler der untersten beiden Klassen waren im Südflügel untergebracht und die Schüler der beiden obersten Klassen hatten ihren Schlafraum im nördlichen Klostergebäude.
Martin Weingartner – welcher die ersten beiden Klassen erfolgreich absolviert hatte musste dem zu Folge zu Beginn des dritten Schuljahres vom Südflügel in den nördlich gelegenen Schlafsaal umziehen. Allerdings hatte dies für ihn keine besonderen Nachteile, weil auch seinen anderen Schulkameraden den Schlafsaal zu dem genannten Zeitpunkt wechseln mussten.
Auch wenn es eine sogenannte ‚Spezial - Freundschaft‘ in diesem Kloster nicht gab, so hatte sich Martin doch an seine Schulkameraden gewöhnt.
Die jeweiligen Räume selbst lagen im ersten Stockwerk während die darunter liegenden Räume im Erdgeschoß für andere Zwecke benutzt werden. So war unterhalb des südlichen Schlafraums eine Bäckerei untergebracht während im nördlichen Teil eine Jugendherberge eingerichtet war.
In der heutigen Zeit kann man sich eigentlich nicht mehr vorstellen, wie so ein Schlafsaal ausgestattet war.
Es war ein riesiger Raum mit einer großen Anzahl von Betten. Bett stand neben Bett nur durch ein Nachttischkästchen getrennt. Gleich am Eingang des Schlafsaals gab es den Schlafraum des Präfekten, der nur durch entsprechende Tücher abgeteilt war.
Seitlich angeschlossen an den großen Schlafraum gab es einen Waschraum mit mehreren Waschbecken, einen Duschraum mit mehreren Duschen, einen Toilettenraum mit ebenfalls mehreren Toiletten und einen Raum mit Kleiderschränken für die einzelnen Schüler des großen Schafsaals.
Das Schulmaterial selbst musste in den einzelnen Klassenzimmern in den jeweiligen Schulpulten untergebracht werden, welche jedem einzelnen Schüler zur Verfügung standen.
An dem erwähnten Tag war durch den Sport sehr schnell die Ankündigung des Direktors in Vergessenheit geraten. Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, welche Folgen diese Ankündigung im Laufe der kommenden Wochen noch nach sich ziehen würden.
Die Schüler wussten eigentlich sowieso nicht, was diese Ankündigung mit ihnen selbst zu tun haben sollte. Schließlich ging es hier um irgendwelche geschichtliche Interessen des Klosters oder auch anderer Institutionen.
Viel wichtiger war es, beim Sport als Sieger vom Platz zu gehen.
An diesem Tag hatte Martin allerdings keinen Erfolg. Er verlor das Faustballspiel ganz glatt in drei Sätzen gegen eine Mannschaft aus der ersten Klasse.
Nun hieß es: Zurück in den Schulraum um sich den Hausaufgaben zu widmen und zu lernen. Vorher allerdings konnte er sich mit seinen Kameraden in den Toiletten – und Waschräumen frisch machen.
Der Rest des Tages verlief wie andere Tage auch, an welche man sich bereits gewöhnt hatte:
Kaffeepause, nochmals Studium, Abendessen, nochmals Freizeit (diesmal mit einem Spaziergang durch die Felder des Klosters) und Abendgebet.
Dann zog sich Martin mit seinen Kameraden in den Schlafsaal zurück, wo man sich zunächst in den Waschräumen für die Nacht vorbereitete. Dann kroch jeder nach und nach in sein eigenes Bett.
Martin selbst hatte sein Bett ziemlich in der Mitte des Schlafsaals.
Auch an seine Bettnachbarn Fritz Sedlmeier, Wolfgang Hertel, Joseph Siebert und Paul Becker hatte er sich inzwischen gewöhnt. Es waren friedliche Bettnachbarn auch wenn sein direkter Nachbar Fritz manchmal wie ein Ferkel grunzte.
Die folgenden Tage verliefen wie an den vielen anderen Tagen auch und inzwischen hatten die meisten Schüler die Ankündigung von Pater Söll längst vergessen. Auch Pater Söll hatte in den folgenden Tagen keine weiteren Angaben mehr gemacht.
So blieb ‚Lernen‘ das absolute Pflichtfach und das jeweilige Erholungsprogramm ein wichtiges Element innerhalb des Internats, um sich in diesem Umfeld wohl zu fühlen.
Einige Tage später aber stand Pater Söll nach dem Mittagstisch erneut auf, griff zu der vor ihm stehenden Tischglocke und ließ deren Ton erklingen. Als ein entsprechendes Schweigen eingetreten war, ergriff er wiederum das Wort:
„Liebe Schüler,
vor ein paar Tagen hatte ich es ja schon angekündigt, dass einige Wissenschaftler unter unseren Kirchen- beziehungsweise Klostermauern Ausgrabungen vornehmen wollen, um mehr über die große
