Das Radom - Michael Hartmann - E-Book

Das Radom E-Book

Michael Hartmann

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Beschreibung

Wir befinden uns im Jahr 2040. Der Untergang des Abendlandes steht bevor. Geheimer Veranstaltungsort ist das Radom, eine stillgelegte Satelliten-Bodenstation im oberbayerischen Raisting. Hier versammelt sich die absolute wissenschaftliche Elite Deutschlands. Widerstand ist angesagt gegen die weltweit bestehenden politischen und militärischen Führungskreise. Heidi, Professorin der Angewandten KI, und Margot, eine künstlich erschaffene Humanoide, begegnen einander in der Organisation. Beide verspüren eine rätselhafte Anziehung zueinander, doch schon in Kürze wird sich alles dramatisch ändern. Bei einem Anschlag im Kreml wird Margot schwer verletzt. Nur Heidi kann sie noch retten. Kommt es gar zu einem dritten Weltkrieg? Der Befehl zum Einsatz der Atomwaffen ist bereits gegeben …

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Seitenzahl: 263

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Michael Hartmann

Das Radom

Neue Handschrift

AUGUST VON GOETHE LITERATURVERLAG

FRANKFURT A.M. • LONDON • NEW YORK

Die neue Literatur, die – in Erinnerung an die Zusammenarbeit Heinrich Heines und Annette von Droste-Hülshoffs mit der Herausgeberin Elise von Hohenhausen – ein Wagnis ist, steht im Mittelpunkt der Verlagsarbeit.Das Lektorat nimmt daher Manuskripte an, um deren Einsendung das gebildete Publikum gebeten wird.

©2025 FRANKFURTER LITERATURVERLAG

Ein Unternehmen der

FRANKFURTER VERLAGSGRUPPE GMBH

Mainstraße 143

D-63065 Offenbach

Tel. 069-40-894-0 ▪ Fax 069-40-894-194

E-Mail [email protected]

Medien- und Buchverlage

DR. VON HÄNSEL-HOHENHAUSEN

seit 1987

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet abrufbar über http://dnb.d-nb.de.

Websites der Verlagshäuser der

Frankfurter Verlagsgruppe:

www.frankfurter-verlagsgruppe.de

www.frankfurter-literaturverlag.de

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www.fouque-verlag.de

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Dieses Werk und alle seine Teile sind urheberrechtlich geschützt.

Nachdruck, Speicherung, Sendung und Vervielfältigung in jeder Form, insbesondere Kopieren, Digitalisieren, Smoothing, Komprimierung, Konvertierung in andere Formate, Farbverfremdung sowie Bearbeitung und Übertragung des Werkes oder von Teilen desselben in andere Medien und Speicher sind ohne vorgehende schriftliche Zustimmung des Verlags unzulässig und werden auch strafrechtlich verfolgt.

Lektorat: Dr. Annette Debold

ISBN 978-3-8372-2882-3

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1: Die politische Situation

  Der Untergang des Abendlandes

  Rückblick, 2024

  Die Abschaffung der liberalen Demokratie: 2028–2035

  Wir befinden uns im Jahre 2040

Kapitel 2: Der Widerstand

  Radom, Raisting, geheime Veranstaltung, Tag 1

  Radom, Raisting, geheime Veranstaltung, Tag 2

  Kabine 1: Humanoide-Robots (HRs)

  Kabine 2: Informationstechnologie

  Kabine 3: Energiegewinnung durch Kernfusion

  

  Kabine 4: Gen-Technologie

  Kabine 5: Klima- und Umwelt-Technologie

  Die ‚zweite Ebene‘

  Jour fixe, Technische Universität, München

  Europa-Park, Rust: Humanoide Forschungsabteilung

  Der Profiling-Test

  Hotel Colosseo: Das Treffen

  Der Zwischenfall

  Die neue Heimat

  Radom: 47°54´8.302“N, 11°6´57.370“E: Krisensitzung

  Kindliche Unbeschwertheit

  Radom: 47°54´8.302“N, 11°6´57.370“E: Einsatzplanung

  Das letzte Wochenende

  Der Brief

  Eine bittere Erkenntnis

Kapitel 3: Der Auftrag

  Operation „Mondschein“

  Der Staatsempfang, Moskau

  Das Ernennungszeremoniell

  Das abendliche Staatsbankett

  Operation „Morgenstern“

  Internat für Hochbegabte, Omsk, Sibirien

  Krisensitzung, Kreml, Moskau

  Operation „Glasnost“

  Freizeitpark Kiew, ehemalige Ukraine

  Militärzentrale, Kreml

  Die Falle

  Der unangemeldete Flug

  Militärzentrale, Kreml, Moskau

  Die Rettung

  Showdown, Kreml, Moskau

  Forschungszentrum, Europa-Park, Rust

Kapitel 4: Die neue Welt

  Der Übergang

  Back Home

  Center-Park, Allgäu

  Die Villa in Dießen, Ammersee

  Technische Universität, München

  Die große Überraschung

  Radom: 47°54´8.302“N, 11°6´57.370“E: Lagebesprechung

  Der Einzug

Kapitel 1: Die politische Situation

Der Untergang des Abendlandes

Oswald Spengler hat in seinen 1918 und 1922 erschienen Büchern über den Untergang des Abendlandes philosophiert. Er vertrat in seiner Zyklen-Theorie die Hypothese, dass Kulturen nach ihrer Blüte dazu verurteil sind, wieder unterzugehen, um Platz für Neues zu schaffen. Er gab den Verweis auf frühere Kulturen und speziell die Weimarer Republik. Die Demokratiebestrebungen in der Weimarer Republik waren von den Amerikanern aufoktroyiert und wurden von vielen Deutschen nicht angenommen. Gemäß seinen politischen Thesen wird die Demokratie wieder verschwinden und durch einen Cäsarismus, also durch ein totalitäres System abgelöst. Die Demokratie beschrieb er als eines die Dekadenz förderndes System, das die Ehre ablöst und die Herrschaft des Geldes und der Eigeninteressen fördert. Er prognostizierte eine Wohlstandsverwahrlosung. Die Presse bezeichnete er als die intellektuelle Artillerie, da sie keine Meinungen verbreitet, sondern willkürlich Meinungen erzeugt. Die Demokratie unterdrückt die Expansion des Volkes und den Willen zur Macht. Ähnlich wie es auch Nietzsche ausgedrückt hat. Wie recht Herr Spengler doch mit seiner Zyklen-Theorie behalten sollte.

***

Rückblick, 2024

Ende 2024 wurde die Ampelkoalition durch ein Misstrauensvotum abgewählt. Die danach durchgeführten Neuwahlen haben die AfD auf 38 % katapultiert. Die damalige Neupartei, das Bündnis Sahra Wagenknecht, erreichte aus dem Stand 24 %. Nachdem niemand der großen Volksparteien weder mit der AfD noch dem Bündnis S. W. koalieren wollte, haben sich beide Parteien zusammengeschlossen und damit die absolute Mehrheit im Bundestag erreicht. Frau Dr. Weidel wurde zur Bundeskanzlerin gewählt. Dr. S. Wagenknecht wurde zur Vizekanzlerin ernannt. Die SPD und die CDU/CSU erreichten zusammen 18 %, die verbleibenden 20 % entfielen auf die Freien Wähler mit 14 % und 6 % auf die Grünen. Die FDP erreichte gerade mal 3 % und ist an der 5 %-Hürde gescheitert. Damit stand die AfD in Koalition mit dem Bündnis S. W. in exekutiver Verantwortung für Deutschland.

Im gleichen Jahr hat D. Trump im November wieder die Präsidentschaftswahlen in den USA gewonnen. Seine erste Amtshandlung war der fristlose Austritt der USA aus dem NATO- Bündnis. Gleichzeitig hat er sich für alle ihm anhängigen Verfahren selber begnadigt.

Zwei Jahre später gab es bei den Präsidentschaftswahlen in Frankreich den gleichen Rechtsruck wie in Deutschland. Gefolgt von den Parlamentswahlen ein Jahr später in Italien, mit einem ähnlichen „rechten“ Ergebnis. Die osteuropäischen Länder haben in kürzester Zeit nahtlos zu der rechtsradikalen politischen Hemisphäre aufgeschlossen.

***

Die Abschaffung der liberalen Demokratie: 2028–2035

Die Abschaffung der Errungenschaften der liberalen Demokratien findet zwischen 2028 und 2035 statt. Die rechtsfaschistische Regierung Deutschlands wird ein drittes Mal wiedergewählt. Das Fach Staatslehre ist inzwischen in den Schulen als Pflichtfach neu etabliert. Großdemos sind verboten und werden bei Zuwiderhandlung mit empfindlichen Strafen geahndet. Die Verfassungsorgane sind nicht mehr unabhängig, sondern direkt der Regierung unterstellt. Die Polizei wird umstrukturiert, und es gibt wieder überregionale Sicherheitskommandos (ÜSKs). Die Presse- und Meinungsfreiheit existieren nicht mehr. Politische Magazine und Sendungen sind ausschließlich staatlich gelenkt. Die Europäische Union ist nur noch ein wirtschaftlicher Interessensverbund und politisch längst in der Belanglosigkeit verschwunden.

Deutschland ist inzwischen aus der EU ausgetreten und hat sich dem Staatenbund „Neue Sozialistische Weltordnung (NSW)“ angeschlossen. Der NSW-Staatenbund besteht aus dem Russischen Großreich (inkl. der ehemaligen Ukraine und den Balkanstaaten) und China (inkl. Taiwan). Frankreich, Italien und Spanien schließen sich 2032 dem NSW-Staatenbündnis an. Kleinere Europäische Länder schließen sich aus wirtschaftlichen- und sicherheitspolitischen Gründen 2033 ebenfalls dem NSW an. Seit 2034 haben NSW-Länder freies Verkehrs- und Handelsrecht mit Nordkorea und umgekehrt.

Der damals durch Trump eingeleitete Zerfall der NATO hat die geografischen Ost-West-Grenzen neu definiert. Die auf europäischen Territorien installierten amerikanischen Atomraketen sind unschädlich gemacht und wurden weitestgehend durch russische Atomsprengköpfe ersetzt.

Zwischen Indien und den NSW-Staaten gibt es mittlerweile eine erweiterte NSW-Wirtschaftsallianz. Das Gleiche gilt für den arabischen Kontinent. Die arabischen Staaten verhalten sich jedoch politisch neutral. Israel ist inzwischen komplett isoliert und kann sich keiner Allianz anschließen.

Die USA haben sich inzwischen mit Kanada und den südamerikanischen Staaten verbunden. Der neue Staatenbund lautet „New Paradigm (NP)“. Der NP-Staatenbund repräsentiert die neue westliche Hemisphäre auf dem Globus. Australien ist ein assoziiertes Mitglied des NP. Der früher bekannte Slogan „The West against the Rest“ findet inzwischen ohne Europa statt.

Den großen Zankapfel zwischen der neuen Ost-West-Weltordnung repräsentiert Afrika. Afrika ist der Kontinent mit den größten Bodenschätzen, ist dreimal so groß wie Europa und nach Asien der zweitgrößte Kontinent der Erde. Die 50 einzelnen afrikanischen Länder haben militärisch und wirtschaftlich keine bedeutsame Macht. Ägypten ist militärisch am stärksten und Nigeria ist wirtschaftlich am erfolgreichsten. Allerdingst gibt viele politische und militärische Krisen zwischen den Ländern und oft sind die politischen Verhältnisse außer Kontrolle.

Der NSW sowie der NP-Staatenbund möchten jeweils Kontrolle über Afrika bekommen und sich damit die Bodenschätze sichern. Beide Bündnisse versuchen jeweils über wirtschaftliche, technologische und militärische Unterstützungen Allianzen mit den korrupten Machthabern zu schmieden, um einen Fuß in die Tür zu bringen. Inzwischen wird auch offen über eine militärisch erzwungene Annektierung gesprochen. Im Streitfall könnte man sich außerdem eine Aufteilung Afrikas in Nord und Süd vorstellen. Somit wäre eine militärische Auseinandersetzung zwischen NSW und NP vermeidbar, und jeder hätte ein Stück vom Kuchen.

Die Militärausgaben der Ost-West-Bündnisse sind inzwischen jeweils auf über 20 %, bezogen auf das globale BIP, angewachsen.

Aus deutscher Sicht profitieren die deutschen Industrieunternehmen am meisten von den eklatanten Militärausgaben. Die deutsche Industrie ist in Transformation, und es herrscht Vollbeschäftigung. So produziert die deutsche Automobilindustrie überwiegend militärisches Hightechgerät, wie beispielsweise Militärfahrzeuge, die mit kalten Brennstoffzellen auf Land und Wasser fahren können. Eine Abwanderung von systemrelevanten Industriekonzernen ins Ausland ist nicht mehr möglich, da jedem abtrünnigen Konzern ansonsten eine zwangsweise Säkularisierung droht.

Deutsche mit Migrationshintergrund werden „remigriert“ und in ihre Ursprungsländer, sofern diese außerhalb der NSW-Partnerländer liegen, wieder rückgeführt. Hierbei ist es unerheblich, ob sie bereits in der 2. oder 3. Generation hier leben und einen deutschen Pass besitzen.

Die deutschen Universitäten sind nicht mehr frei und müssen Forschungsergebnisse produzieren, die für militärische Zwecke nutzbar sind. Das Motto lautet: Forschen zum Schutz der Allgemeinheit!

Die Kirche verhält sich neutral und möchte die Weltkirche für alle bleiben. Allerdings ist sie abhängig von den Geldmitteln, welche vorwiegend staatlich gelenkt werden. So beugt sich der Klerus – wie schon die letzten Jahrhunderte geschehen – den Machthabern und begrüßt nach Außen die neue Weltordnung. Im Augenblick ist der Vatikan noch ein eigener Staat.

***

Wir befinden uns im Jahre 2040

Die liberale Demokratie hat sich in keiner Weise als robust erwiesen, und die politischen Gewichte haben sich verschoben. Deutschland, als die einst stärkste Industrienation in Europa, hat sich zu einem neofaschistischen Atoll entwickelt. Die alten, früher bestimmenden Volksparteien haben abgedankt und spielen auf Bundesebene nicht mal mehr in der Opposition eine Rolle. Die neuen Hausherren sind durchgängig rechtsradikale nationalistische Faschisten.

Die erdachte neue Weltordnung erweist sich jedoch als zunehmend instabil. Die liberalen Demokratien sind abgeschafft. Die machtbesessenen Despoten wollen jedoch noch mehr Macht und beginnen sich politisch und militärisch gegenseitig zu bekämpfen. So triggert der Wille zur Macht, wie schon seit Jahrhunderten, die Lebenszyklen von Machtstrukturen. Obwohl solche fatalen Entwicklungen alle historisch dokumentiert sind, hat die Gesellschaft scheinbar immer noch nichts daraus gelernt. So wie Brecht es treffend formulierte: „Erst das Fressen, dann die Moral!“ Scheinbar sind diese Verhaltensweisen generationenunabhängig und unbeirrt wiederkehrend. Dieses Mal scheint es jedoch, dass Mutter Natur diesem gesellschaftlichen Phänomen persönlich einen Strich durch die Rechnung machen will.

Der Klimawandel ist in vollem Gange, und die Meeresspiegel sind weltweit durchschnittlich um 5 cm gestiegen. Gleichzeitig hat sich die Durchschnitttemperatur der Welt um mehr als 3 Grad erhöht.

Als Folge des Klimawandels gibt es Milliarden von Klimaflüchtlingen, da viele Orte dieser Welt inzwischen nicht nur von Hochwasser, sondern auch von Dürren oder Naturkatastrophen bedroht werden. Naturkatastrophen führen dabei zu mehr als neunmal so vielen Vertreibungen wie durch Konflikte und gewaltsame Auseinandersetzungen. Gemäß dem Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) werden in den nächsten Jahren etwa 1,2 Milliarden Menschen aufgrund von Naturereignissen wie anhaltenden Regenfällen, lang anhaltenden Dürren, Hitzewellen und Stürmen ihre Heimat kurz- oder langfristig verlassen müssen. Für Migration aufgrund von sich verändernden klimatischen Bedingungen gibt es jedoch bis jetzt immer noch keine rechtliche Handhabe. Der NSW und der NP-Staatenbund haben es geschafft, dass die Klimaflüchtlinge bis jetzt immer noch nicht in die Genfer Flüchtlingskonvention eingeschlossen wurden.

Aufgrund der exorbitanten Militärausgaben haben die USA kein Geld in eine durchgängige Deichlinie gesteckt, welche die Küstenbewohner vor dem ansteigenden Wasser schützen könnte.

70 % der kleinen Inselstaaten und Atolle sind bereits verschwunden oder unbewohnbar. Die Süßwasservorkommen der Atolle sind größtenteils zerstört.

Städte wie New York, Tokio oder Shanghai haben neben den Sturmfluten und Überschwemmungen ein weiteres Problem – die Städte sinken ab, da sie alle an Flussdeltas gebaut sind und sich die Böden verdichtet haben.

Trotz der Deiche sind bestimmte Gebiete von Nord- und Ostsee, die drei bis fünf Meter unterhalb des Meeresspiegels liegen, teilweise nicht mehr bewohnbar. Husum, Helgoland und Norderney werden permanent von Sturmfluten heimgesucht. Laut Experten werden die Inseln in den nächsten zehn Jahren nicht mehr bewohnbar sein und bis 2100 ganz versinken.

In Europa gehören Gebiete wie Englands Ostküste und der gesamte Küstenstreifen, der sich von Belgien bis Dänemark erstreckt, zu den hoch gefährdeten Gebieten.

Venedig liegt nur 90 cm über dem regionalen Meeresspiegel. Trotz der neuen Fluttore sind sich die Experten sicher, dass die Lagunenstadt langfristig versinken wird. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Statistiker prognostizieren, dass im Jahre 2050 9,7 Milliarden auf der Erde leben werden. Aktuell sind es bereits 8,5 Milliarden Menschen. Die Weltbevölkerung entnimmt 3,2-mal so viel Ressourcen, wie von der Erde natürlich regeneriert werden können. In Anbetracht der gigantischen Klimamigration verdichten sich die bewohnbaren Flächen extrem und werden deshalb weitere territoriale Konflikte auslösen. Die skrupellosen Machthaber haben bereits einen Plan, wie sie dieses Problem militärisch lösen werden. Es ist absehbar, dass wir uns selber und unsere Lebensgrundlagen vernichten werden. Die Frage ist nur noch, in welcher Reihenfolge das passieren wird.

Kapitel 2: Der Widerstand

Radom, Raisting, geheime Veranstaltung, Tag 1

Mit diesen apokalyptischen Szenarien schließt der Referent seine Präsentation. Die Teilnehmer sind schockiert und schweigen betroffen.

„Meine Damen und Herren, Sie sind heute alle hier versammelt, weil Sie von uns gezielt ausgesucht wurden. Nachdem Sie unserer Einladung gefolgt sind, haben Sie bereits den Wunsch nach Veränderungen demonstriert. Alle von Ihnen haben eine besondere Fachexpertise und können uns deshalb helfen, diese fatale Entwicklung zum Wohl von uns allen noch aufzuhalten.

Falls Sie dem zweiten Teil meiner Präsentation folgen möchten, gehen Sie gleichzeitig mit Ihrer Anwesenheit die unwiderrufliche Verpflichtung ein, uns zu unterstützen. Falls nicht, haben Sie jetzt die Möglichkeit, die Veranstaltung zu verlassen. Wir machen jetzt eine 15-minütige Pause, um Ihnen die Gelegenheit zu geben, es sich zu überlegen. Es ist ausschließlich Ihre persönliche Entscheidung, und niemand wird Sie aufhalten. Allerdings können sie Ihre einmal getroffene Entscheidung nicht mehr revidieren.“

Das gedimmte Licht wird heller. Die Teilnehmer erheben sich und versorgen sich mit Getränken und kleinen Häppchen. Es bilden sich kleinere Gesprächsgruppen, aber viele hängen alleine ihren Gedanken nach. Die Gesichter der Teilnehmer sind überaus ernst. Sie verstehen durchaus, dass diese Veranstaltung eine Weichenstellung ist und ihr Leben für immer verändern wird, ganz egal, wie sie sich entscheiden werden. Bleiben sie, sind sie Teil einer Art „Widerstandsorganisation“. Gehen sie, machen sie sich womöglich ein Leben lang Vorwürfe, sich nicht für das Richtige entschieden zu haben.

Nach 15 Minuten ertönt ein Gong, und das Saallicht dimmt sich. Die verbleibenden Teilnehmer setzen sich wieder. Zwei Stühle bleiben frei. Auf der Leinwand erscheint ein Logo mit den Worten „Initiative Erdkreis“.

Der Referent steht neben der Leinwand: „Sehr geehrte Damen und Herren, es freut mich, dass so viele von Ihnen geblieben sind und Sie uns Ihr Vertrauen schenken. Mir ist bewusst, dass der heutige Tag sehr intensiv für Sie ist.“ Plötzlich geht die Saaltür auf, und zwei Teilnehmer huschen entschuldigend und gebückt zurück auf die zwei freien Plätze. Der Referent weist daraufhin zwei Sicherheitsleute an, die Saaltüren zu verschließen.

„Somit sind wir wieder vollzählig. Erlauben Sie mir, dass ich mich kurz bei Ihnen vorstelle. Mein Name ist Peter Humboldt. Ich war der Chef der ehemaligen Deutschen GSG 9. Als bekannt wurde, dass es wieder die überregionalen Sicherheitskommandos, genannt ÜSKs, geben wird, haben ich und viele Kollegen von mir unseren Job quittiert. Seither werden wir von den ÜSKs engmaschig beobachtet und bespitzelt. Sie sehen, wir leben in neofaschistischen Zeiten, und es werden wieder Methoden wie bei der damaligen SS angewendet. Zwei meiner ehemaligen Kollegen sitzen bereits, wegen vermeintlicher Staatsspionage, in Haft. Sie sollen in Kürze in die neuen Umerziehungszentren des NSW überstellt werden. Diese werden durch russische Spezialkräfte geleitet.

Lassen Sie mich nochmals konkret zusammenfassen, was ich Ihnen in dem ersten Teil meines Vortrags bereits mitgeteilt habe. Die westlichen Demokratien sind zusammengebrochen. Regierungen werden geführt von Despoten, die gekennzeichnet sind durch Machtbesessenheit, Imperialismus, Größenwahnsinn und Narzissmus. Um ihre Macht zu erhalten, werden sie nicht vor weiterer Rücksichtslosigkeit, Skrupellosigkeit und Ausbeutung zurückscheuen. In ihrer Verantwortungslosigkeit nehmen sie jedwede Art von Kollateralschäden in Kauf, sei es der Mensch oder der Planet selber. Wenn sie sich an die früheren James-Bond-Filme erinnern möchten, ging es dort immer, in allen möglichen Facetten, um die Übernahme der Weltherrschaft. Leider ist das heutzutage kein fiktives Drehbuch mehr, sondern die bittere Realität.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Aufstieg und der Untergang aller uns bekannten Kulturen immer durch den Menschen und seine Machtbesessenheit getriggert waren. Der Unterschied zu heute ist jedoch, dass solche Konflikte nicht mehr regional, sondern global ausgetragen werden. Die technologischen und militärischen Möglichkeiten sind nicht mehr zu vergleichen. Deshalb geht es mittlerweile schlichtweg um das Überleben unserer gesamten Rasse sowie unseres Planeten, genannt Erde.“ Der Referent macht eine Pause, um die Dimension seiner Worte wirken zu lassen.

Die Teilnehmer der Veranstaltung sitzen zunehmend nervös auf ihren Stühlen. Es ist ja nicht so, dass sie die Situation nicht selber kennen würden, vielleicht nicht in so einer komprimierten Dramatik …, aber was wäre, ist die Lösung, und was wird von ihnen schlussendlich erwartet?

Der Referent fährt fort: „Der Mensch kann durchaus als evolutionäre Fehlentwicklung deklariert werden, da er nicht lernt und immer in die gleichen Muster zurückfällt. Die Versuchung der Macht ist einfach zu groß und verhindert eine Weiterentwicklung. Das Problem ist mittlerweile jedoch, dass es in der neuen Weltordnung keinen Stärkeren mehr gibt. Ein weltweiter militärischer Konflikt würde den Planeten zerstören, und es würde kein neuer Lebenszyklus mehr entstehen können. Trotz unserer vermeintlichen aufgeklärten und intellektuellen Gesellschaft gibt es keine Konsolidierung von Lernkurven aus der Vergangenheit. Im Gegenteil, die traditionellen Muster werden weiter ausgebaut und noch rücksichtsloser durchgesetzt.

Wenn man warten würde, bis die Machthaber etwas lernten, wäre der Planet längst ruiniert. Wie schon vorher ausgiebig beschrieben, scheint sich allerdings jetzt auch die Natur einzumischen und unsere Spezies abschütteln zu wollen.

Jeder von Ihnen hat sicherlich schon den Film „Terminator“ gesehen. Die Dramaturgie basiert auf der Annahme, dass eine sich verselbstständigende künstliche Intelligenz, genannt „Skynet“, das Bestreben hätte, die Menschheit auszulöschen und die Macht zu übernehmen. Dies entspricht genau dem imperialen Denkmuster, wie wir Menschen es selber machen. Deshalb können wir den Planeten inzwischen auch 32-mal mit Atomwaffen zerstören. Das ist theoretisch mehr als drei Mal so oft wie in den düstersten Zeiten des Kalten Krieges.

Die Bündnisstaaten haben sich inzwischen hinsichtlich ihrer Kommunikationsstrategien enorm weiterentwickelt. Es werden staatlich gelenkte „Fake News“ oder bewusst lancierte Fehlinformationen verbreitet, um ein einheitliches Meinungs- und Feindbild zu propagieren. Algorithmen sind ständig auf der Suche, um staatsgefährdende Informationen oder Kommentare aufzuspüren. Jeder und alles ist inzwischen „gläsern“.

Der Zugang zu Bildung ist restriktiv und wird personifiziert. So werden Bildungsinhalte individualisiert aufbereitet und sind ebenfalls staatlich gelenkt. Bots und Avatare haben längst die Vermittlung von Wissen entlang der zuvor profilierten geistigen Fähigkeiten von Online-Usern übernommen. Vor Studienbeginn müssen Universitätsstudenten unterschreiben, ihr erworbenes Wissen künftig für den Staat einzusetzen.

Öffentliche Bücherverbrennungen braucht es nicht mehr. Alle Inhalte sind digitalisiert und können beliebig manipuliert werden.

Brot und Spiele sind politisch komplett unterwandert und gekauft. Man nehme nur das Olympische Komitee oder die FIFA. Ein Konsortium an korrupten Mandatsträgern, die gerne bereit sind, sich durch die Vertreter der Staaten-Bündnisse beliebig schmieren zu lassen. Dopingkontrollen sind aufgehoben. Es ist inzwischen ein rein Medizin-technologischer Wettbewerb der Staaten-Bündnisse. Es gewinnt derjenige, der es versteht, die Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit technologisch besser auszureizen. Langzeitfolgen für die Athleten sind hierbei unerheblich. Das russische Modell eben. Das Ziel ist der Weg.

Forschungen an menschlichen Embryonen sind wieder erlaubt. Genetisch manipulierte Stammzellen sollen eine leistungsfähigere und widerstandsfähige Rasse züchten. Es gibt inzwischen russische Leihmütter, denen genmanipulierte Embryonen erfolgreich eingesetzt wurden. Eine neue Rasse soll sich verbreiten, um den Machterhalt zu sichern.

Meine Damen und Herren, wie Sie sehen, befinden wir uns in allen Aspekten des gesellschaftlichen Lebens wieder im Dritten Reich. Schlimmer noch, aufgrund des technologischen Fortschritts sind die Methoden umfangreicher und wesentlich effizienter. Erlauben Sie mir deshalb, unsere Epoche auch als das „Vierte Reich“ zu bezeichnen.

Sie werden sich jetzt berechtigterweise fragen, ob man all dem überhaupt noch Parole bieten kann. Was sollen 12 Wissenschaftler, versammelt in einem Saal in Raisting, im schönen Oberbayern, gegen so eine weltweite Übermacht schon ausrichten können? Man bräuchte doch weltweit Verbündete, Infrastruktur, Technologie, Know-how und nachhaltige finanzielle Ressourcen, um überhaupt seriös weiterdenken zu können. Und wie – hypothetisch gesprochen – könnte eine neue Weltordnung überhaupt aussehen? Was ist die Vision? Mit dem Züchten von Friedenstauben wird es ja nicht getan sein?“ Der Referent geht an den äußersten Rand der Bühne und schaut ernst ins Publikum. Zufällig beginnen in dem Augenblick feierlich die Kirchturmglocken von Raisting zu schlagen. Es herrscht gespannte Stille. Jeder wartet, was jetzt wohl passiert.

„Sehr geehrte Damen und Herren, wir haben Sie nicht ohne Grund in das Radom in Raisting eingeladen.“ Der Referent geht zu seinem Rednerpult und drückt einen roten Knopf.

Plötzlich öffnet sich der mittlere Teil der oberen innenliegenden Kuppel des Radom und gibt den Blick auf eine Kommunikationszentrale frei. Alle schauen nach oben. Zu sehen sind große Bildschirme, auf denen vernetzte Weltkarten erscheinen. Davor sitzen Personen an Computern, die irgendetwas eintippen. Verschiedene Punkte auf den Weltkarten leuchten abwechselnd auf. Darüber befinden sich holografische Gebilde, die wohl Satellitenaktivitäten abbilden sollen.

Die Teilnehmer sind inzwischen aufgesprungen und trauen ihren Augen nicht. Das schaut ja aus wie bei einem Raketenstart der NASA. Das Radom wurde doch schon 1985 stillgelegt und ist seither nur noch ein Technologiemuseum mit Ausstellungen, Aufenthaltsräumen und einem Café. Es gehen täglich viele Besucher ein und aus. Die Teilnehmer stehen fassungslos mit offenen Mündern vor der geöffneten Kuppel.

Der Referent lässt den Eindruck auf die Teilnehmer noch etwas wirken und bittet anschließend alle, sich wieder zu setzen. Er drückt auffällig ein weiteres Mal den Knopf, und die Kuppel schließt sich.

„Liebe Anwesenden, ich weiß, das muss alles sehr verwirrend für Sie sein, und ich mute Ihnen heute sehr viel zu. Sie haben sicherlich zahlreiche Fragen. Ich versuche, Ihnen vorab die wichtigsten zu beantworten.

Von diesen offiziell stillgelegten Satelliten-Stationen gibt es weltweit 727 Lokationen, die inoffiziell alle wieder aktiviert wurden und mit uns verbunden sind. Das Radom ist somit nur einer von vielen Kommunikations-Knotenpunkten unserer Organisation. Es erlaubt uns, dass wir 24/7 mit all unseren Verbündeten vernetzt sind. Die Satelliten-Verbindungen sind gekapselt, kodiert und können durch gleichzeitig wechselnde analog-digitale Frequenzen nicht gehackt werden. Es funktioniert ähnlich wie bei Blockchains. Notwendige Informationen werden auf zwei Datenautobahnen oszillierend verteilt und können erst beim Empfänger wieder zusammengesetzt werden. Sollten Daten-Autobahnen doch einmal gehackt werden, kann man mit den Daten nichts anfangen, da sie unvollständig und somit wertlos sind. Gleichzeitig kann man den Sender und Empfänger der Daten nicht lokalisieren, da wir keine IP-Adressen nutzen. Wir haben diese Technologie entwickelt, weil wir für unsere Kommunikation nicht die herkömmlichen Daten-Highways nutzen können.

Offiziell ist das Radom ein Testzentrum für Studenten der technischen Universität München. Dieses arbeitet wiederrum mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zusammen.

„Sehr geehrte Damen und Herren, ich glaube, es ist genug für heute, und ich möchte unsere Veranstaltung hiermit beenden. Ich darf Sie noch darauf aufmerksam machen, dass Ihre roten Armbänder sogenannte Diffusionsarmbänder sind. Solche Armbänder haben an der Unterseite einen Diffusionsfilm, der bei Hautberührung Micro-Bots freisetzt, welche unmittelbar durch die Haut diffundieren. Diese Micro-Bots sind im Nano-Bereich, lagern sich an den Blutbahnen an und vernetzen sich wieder. Sie sind gesundheitlich absolut unbedenklich, da sie nur mikroskopisch klein sind. Wir haben die Micro-Bots während Ihrer Anwesenheit bereits aktiviert. Damit können wir Sie überall auf der Welt orten. Dies ist lediglich zu Ihrem persönlichen Schutz. Wir können auf Wunsch jeden einzelnen Nano-Bot auch wieder deaktivieren.

Wie in der Einladung beschrieben, treffen wir uns alle morgen wieder hier, um die gleiche Zeit. Sie müssen Ihre Armbänder also nicht mehr mitbringen. Ich bedanke mich jetzt schon für Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung!“

Die Teilnehmer stehen mit gemischten Gefühlen auf. Manche lassen ihre Armbänder auf den Stühlen liegen. Die Geschichte mit den Nano-Bots ist für viele wie ein Schock. Es fühlt sich irgendwie an wie eine Zwangsannektierung. Kann man dieser Organisation überhaupt vertrauen? Niemand traut sich im Augenblick jedoch etwas zu sagen. Alles wirkt so unwirklich und ist eigentlich nicht zu glauben. Der Saal hat sich nach fünf Minuten geleert.

Dr. Gerhard Ratgeb und Dr. Dieter Hager sitzen gemeinsam im Auto vor dem Radom. Sie arbeiten beide im Max-Planck-Institut in München im Bereich Biochemische Forschung und haben sich seit Jahren mit Micro-Bots beschäftigt. „Dieter, wir besuchen hier im unbescholtenen Raisting eine Veranstaltung und sitzen nach zwei Stunden mit diffundierten Nano-Bots in unseren Adern wieder im Auto. Ich kann es einfach nicht glauben. Seit Jahren forschen wir an dem Zeug und haben nichts Vergleichbares hinbekommen!“ „Gerhard, mir geht’s genauso. Das ist ein Technologievorsprung von mindestens 10 Jahren, wenn nicht mehr! Wo haben die das bloß her? Wer hat so etwas entwickelt? Ich dachte bis jetzt, dass wir führend auf diesem Gebiet sind. Haben wir da irgendwen übersehen?“ „Dieter, wir schauen uns morgen mal so ein Armband genauer an. Vielleicht können wir den ‚Diffusionsfilm‘ im Labor untersuchen und finden irgendwas.“ „Alles klar, wir sehen uns morgen gleich in der Früh im Labor. Noch einen schönen Abend, ciao!“

Dr. Richard Meiler ist ein weltweit anerkannter Experte für Informationstechnologie. Er war mehr als 20 Jahre bei der NSA in den USA und leitete den Bereich IT-Sicherheit und Kryptologie. Nebenberuflich war er Professor beim MIT in Cambridge, USA. 2005 bekam er für seine Forschungen zusammen mit seinem Team den Nobelpreis für „Quanten-Prozessoren“. Inzwischen ist er 69 Jahre alt, wohnt wieder in seiner Heimat am Starnberger See und hat sich aufgrund der politischen Entwicklungen vom internationalen Parkett zurückgezogen. Es vergeht kein Tag, wo er nicht behelligt wird, sich dem „Security Council for Military Defense Systems (SCMDS)“ bei der NSW als Berater anzuschließen. Bis jetzt ist es ihm noch gelungen, sich erfolgreich dem Aufruf zu entziehen. Herr Meiler möchte weder zurück nach Amerika, noch kommt für ihn eine Unterstützung der NSW infrage. Deshalb hat er auch die heutige Veranstaltung besucht. Er sucht verzweifelt nach einer Alternative, sein Wissen einer sinnvollen Sache zur Verfügung zu stellen.

Herr Meiler besitzt ein großes Seegrundstück mit einer Villa und diversen Nebengebäuden unweit von Seeshaupt. Er wohnt dort mit seiner Frau. Seine beiden Kinder sind längst erwachsen und in den USA geblieben. Ein Nebengebäude, im hinteren Teil des Seegrundstücks, ist seine Kommunikationszentrale. Diese ist ausgestattet mit allem, was zurzeit an Hightech-Equipment verfügbar ist. Er ist immer noch intensiv mit seinen alten Kollegen verbunden. Sie tauschen sich regelmäßig über die neuesten Entwicklungen und Forschungsergebnisse aus und teilen ansonsten alle die gleiche politische Weltanschauung.

Herr Meiler sitzt in seiner Kommunikationszentrale und versucht sich mit den ihm zuvor implementierten Nana-Bots zu verbinden. Er nutzt seine verschiedensten X-Ray-Scanner, hat aber keinen Erfolg! Auch die proprietäre Antennen-Technologie, wie sie im Radom existierte, wurde seines Wissens seit den 80ern nicht mehr weiterentwickelt. Von einer Kombination zwischen digitaler und analoger Frequenztechnologie hat er noch nie gehört. Er loggt sich in die verschiedenen Forschungsplattformen der Ivy-League-Universitäten in den USA ein. Er hofft, dort mehr über Nano-Bots sowie den oszillierenden Uplink des Radom, der scheinbar ohne IP-Adresse funktioniert, zu erfahren. Zu seinem Erstaunen gibt es bezüglich seiner Suche keinerlei Ergebnisse, nicht einmal einen technologischen Diskurs oder sonstige Hinweise. Die Technologie ist schlichtweg nicht existent. Er kann sich keinen Reim darauf machen. Ist das alles nur ein geschickter Bluff, oder gibt es tatsächlich technologische Entwicklungen, die im Verborgenen stattfinden?

Er nimmt sein Smartphone zur Hand und ist im Begriff, seinen Freund, Prof. Dr. Reinmann an der TU München, anzurufen. Plötzlich hält er inne, und es fällt ihm wie Schuppen von den Augen. Eigentlich gehört er ja seit heute einer geheimen Widerstandsgruppe an und sollte deshalb Stillschweigen bewahren. Er ist irritiert, irgendwie hat er die Konsequenzen seiner Zustimmung noch nicht internalisiert. Er ist fest entschlossen, den Dingen bei der nächsten Veranstaltung auf den Grund zu gehen.

Dr. Heidi Finker ist 31 Jahre alt und gilt in ihrem Freundeskreis als das „Superbrain“. Sie hat als Einzige ein Stipendium an der Harvard University bekommen und ihre Promotion im Bereich künstliche Intelligenz (KI) mit „cum laude“ abgeschlossen. Inzwischen ist sie Vollprofessorin an der TU München und hat dort bereits mit 26 Jahren den Lehrstuhl für Angewandte Künstliche Intelligenz übernommen. Sie war damals die jüngste Lehrstuhlinhaberin seit Bestehen der Universität. Neben der Entwicklung von Chat-Bots forscht sie inzwischen an der neuesten Generation von Humanoiden-Robots (HRs) und ist gut vernetzt mit den führenden Universitäten in diesem Bereich.

Leider konnte sie sich der Berufung durch den NSW nicht erwehren und gehört seit knapp einem Jahr dem „Security Council for Military Defense Systems“ an. Sie ist dort KI-Expertin und muss oft Fachvorträge abhalten. Es ist ihr wahrlich jedes Mal ein Gräul, vor diesem Gremium referieren zu müssen. Seit Monaten versucht sie die Ergebnisse im Feld der HRs-Forschung herunterzuspielen oder gleich gar nicht zu erwähnen. Sie weiß genau, dass das Interesse dieser militanten Despoten ausschließlich in der Verwendung der Technologie für den militärischen Einsatz liegt.

Eigentlich wollte sie zuerst Deutschland wieder verlassen und zurück in die USA gehen. Leider hat die Gründung des NP-Staatenbundes eine ähnliche politische Entwicklung wie die in Deutschland ausgelöst. Somit könnte man im Augenblick eigentlich nur noch nach Indien, als relativ politisch neutrales Land, flüchten. Dort möchte sie aber unter keinen Umständen hin, da Indien in ihrem Forschungsbereich nahezu keine Rolle spielt. Sie ist ratlos und hofft, dass sich die politische Situation bald wieder ändert und bis dahin von den Militärs kein dritter Weltkrieg angezettelt wird. Die heutige Veranstaltung war deshalb für sie durchaus ein möglicher Lichtblick, aber sie ist noch skeptisch. Sie möchte abwarten, was der nächste Tag bringt.

Dr. Felix Schlichter ist promovierter Psychologe und hat in Rostock studiert. Nach seinem Studium hat er in Frankfurt am Main als Kriminalpsychologe angefangen und sich auf das Profilieren von Straftätern spezialisiert. Er hat sein Wissen in diesem Feld so weit ausbauen können, dass er nach kurzer Zeit zum gefragtesten „Profiler“ in ganz Deutschland avanciert ist. Danach hat er fast zehn Jahre bei der NSA und dem FBI in Washington, USA, gearbeitet. Bei Krisensituationen wurde er regelmäßig vom White House als Berater rekrutiert. Mittlerweile hat er ein weltweites Casino-Verbot, weil er Menschen untrüglich lesen kann. Er darf an keinen Poker-Runden teilnehmen.

Aufgrund der politischen Entwicklungen in den USA ist er vor einem halben Jahr zurück nach Deutschland in seine Heimatstadt Leipzig zurückgekehrt. Dort hat er jedoch ein noch schlimmeres politisches Chaos vorgefunden. Obwohl er eigentlich der gefragteste „Profiler“ der Welt ist, hat er sich zurückgezogen, einen neuen Namen angenommen und betreibt einen unscheinbaren Kiosk am Leipziger Hauptbahnhof. Er weiß natürlich genau, dass ihn die NSW inzwischen verzweifelt sucht. Nur zu gerne würde die ÜSK sich seines Talents bedienen. Aus seinem unscheinbaren Kiosk beobachtet er oft ÜSK-Agenten, die am Leipziger Hauptbahnhof suchend umherschwadronieren. Er muss ja nur einmal hinschauen, um Bescheid zu wissen. Mit seinem Vollbart und seinen langen Haaren ist er jedoch nahezu unkenntlich und blieb bis dato unbehelligt.

Er ist der Einladung nach Raisting gefolgt, weil er hofft, sein Talent für einen sinnvollen Zweck zum Allgemeinwohl einsetzen zu können. Er hat den Referenten heute beobachtet und ist überzeugt, dass sie morgen noch Unglaubliches erfahren werden. Er hat vollstes Vertrauen und ist äußerst gespannt. Hinsichtlich der Nano-Bots macht er sich keine Sorgen, ganz im Gegenteil. Er fühlt sich erstmalig wieder einer sinnhaften Gemeinschaft zugehörig.

Die zwei Atomphysiker, Dr. Reimund Heller und Dr. Siegmund Raab, sitzen im Seehof in Herrsching beim Bier und lassen den heutigen Tag Revue passieren. Beide sind hochdekorierte Atomphysiker und leiten seit fünf Jahren das Kernfusions-Reaktorprojekt mit dem Namen „ITER“ in der Stadt Vinon-sur-Verdon in Südfrankreich. Seit vielen Jahren arbeiten sie eng mit den USA zusammen, die einen ähnlichen „Sonnen“-Reaktor namens „SPARC“ entwickeln, welcher sich in Devens, Massachusetts, befindet. In England wird derzeit eine alternative Technologie entwickelt, die auf Wasserstoff-Isotopen beruht. Unterm Strich haben alle Technologien das gleiche Problem. Wie lässt sich das mehr als 100 Millionen Grad heiße Plasma im Netz von Magnetfeldern halten, ohne dass die Reaktorwände schmelzen? Niemand konnte das Problem bis jetzt dauerhaft lösen.