Das Reissen der Magie - Andrea Ego - E-Book

Das Reissen der Magie E-Book

Andrea Ego

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Beschreibung

Zwei Welten, verbunden durch eine unbekannte Kraft, und ein Beben, das sie zu zerstören droht. Skadi steht mit beiden Beinen mitten im Leben. Auf die Forschungen ihrer besten Freundin, die an fremde Welten glaubt, gibt sie nicht viel – bis sie selbst in einer solchen landet: in der Baumstadt Urudan. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn das Portal wird sich bald für immer schliessen. Doch Skadis Ankunft hat die Magie, das Sýl, in Urudan zerstört. Wie soll sie den Schlüssel zum Portal finden, wenn sie als Verbrecherin gejagt wird? Nur der attraktive Lebemann Ley ist bereit, ihr zu helfen. Gemeinsam geraten sie in einen unentrinnbaren Sog aus Katastrophen, dunklen Kräften und tiefen Begierden. Aber kann sie ihm wirklich trauen? »Das Reissen der Magie« ist der mitreissende Auftakt einer siebenbändigen High-Fantasy-Saga. Tauche ein in eine Welt voller Magie, Spannung und Geheimnisse!

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Das Reissen der Magie

Tränenfeuer 1

Andrea Ego

Fantasyroman

Im Herzen der Schweiz, wo ich herkomme und es leckere Schokolade, gute Messer und unglaublich schöne Berge gibt, läuft vieles ein wenig langsamer und anders. Ich liebe unser Tal und die Berge rundherum, die schrulligen Leute und den Herbstwind.

Wir Schweizer werden ohne »ß« gross. Weil ich unser Schriftbild schön finde, stolz auf diese Schweizer Eigenheit bin und vor allem die Vielfalt der deutschen Sprache liebe, verwende ich konsequent »ss«.

Ich danke euch allen schon im Voraus für das Verständnis, was die Rechtschreibung angeht, und wünsche trotzdem ein schönes Leseerlebnis.

Karte

Ein neuer Auftrag

Ley

Kühle, erdige Luft schlug Ley entgegen, als er an den unscheinbaren Eingang der Höhle trat, die zu einer im schwarzen Vulkangestein versteckten Festung führte. Er blickte den Weg zurück, den er gekommen war. Unter ihm breitete sich ein lichter Wald aus, der von den harschen Lebensbedingungen auf der Insel erzählte. Das Holz wuchs knorrig und wild durcheinander, ganz im Gegensatz zum Festland, das sich über kerzengerade Stämme und hochwertiges Holz freute. Der Wald zu seinen Füssen, der eigentlich kein richtiger Wald war, zog sich zwischen schwarzen, scharfkantigen Steinen und Felsbrocken bis zum Meer. Keine einzige Hütte war zu erkennen, nicht der kleinste Wohnbaum. Selbst ein hagerer Einsiedler, der kaum mehr als Wasser und Luft zum Leben brauchte, könnte in dieser Einöde nicht überleben. Ein schmaler Pfad schlängelte sich am dunklen Hang des Berges entlang zu der Höhle, vor der er stand. Sie wirkte, als wollte sie ein williges Opfer verspeisen.

Ley gab sich einen Ruck und betrat den Tunnel. Immer wieder musste er sich bücken, um einem spitzen Stein auszuweichen, als wollte der Berg verhindern, dass sich Besucher einfanden. Zu der Kühle in der Luft mischte sich Feuchtigkeit. Beides Dinge, die nicht zu einem Vulkan passen wollten. Doch auch dafür gab es einen Grund, so wie es für alles einen Grund gab, was in der Welt passierte.

Der Weg führte Ley in die absolute Dunkelheit, sodass er sich tastend vorwärts wagte. Hätte man ihm keinen lukrativen Auftrag versprochen, hätte er spätestens in diesem Moment kehrtgemacht. Doch hier ging es um mehr als um einen Auftrag: Es ging um seine Heimat.

Gerade als er glaubte, den falschen Weg genommen zu haben, erahnte er an einer gezackten Höhlenwand den warmen Schimmer von Flammen. Er hielt darauf zu, stolperte über eine Unebenheit, verfluchte sich und diesen wahnwitzigen Eingang und verfolgte sein Ziel weiter.

Vor ihm tat sich ein Schlund auf. Ein in den Stein gehauener Weg hangelte sich spiralförmig an der Wand hinunter, um sich hinter einer Biegung zu verlieren.

Ergeben folgte Ley dem Pfad. Es war kein Wunder, dass niemand wusste, wohin sich der düstere Geselle Uori und seine Untertanen zurückzogen, wenn sie nicht in Zura anzutreffen waren. Der gefürchtete Bandenführer dieses kargen Landes hatte seinen Sitz nicht in der Stadt, sondern irgendwo. Dass er diesen Weg jeden Tag auf sich nahm, verwunderte Ley – und er fragte sich, warum er dieses Geheimnis wahrte. Niemand, der noch ganz bei Trost war, würde sich freiwillig in so ein Loch wagen, also war es bestens geschützt.

Je tiefer Ley vordrang, desto stärker wurde das Leuchten. Schon in der letzten Kurve des Weges tat sich ihm eine andere Welt auf. In einer scheinbar endlosen Halle stand die Festung. Hohe schwarze Türme ragten in der Mitte auf und erreichten das Dunkel nicht, in dem die Höhlenwände verschwanden. Auf den Mauern erkannte er dunkel gekleidete Menschen, die jede seiner Bewegungen zu mustern schienen, obwohl sie ihn nicht ansahen. Die Einfriedung verwehrte den Blick auf die restlichen Bauwerke dahinter. Rund um das Bollwerk aus wuchtigen Steinquadern quetschten sich kleinere Häuser aneinander, als suchten sie gegenseitig Schutz, während sie Schulter an Schulter und mit dem Rücken zur Wand dem Feind gegenüberstanden.

Das unterschwellige Murmeln verschiedenster Gespräche drang an Leys Ohren. Obwohl an vielen Stellen Feuer brannten, reichte der Schein kaum aus, um den Ort zu erhellen. Die Schwärze des Vulkangesteins schluckte das Licht wie das Meer einen Stein. Dennoch brannte der Russ in Leys Lunge.

Das also war der geheime Sitz des sagenumwobenen Emer Uori, der sich einen Namen damit gemacht hatte, gemeine Strassendiebe zu skrupellosen Kämpfern auszubilden. Ley würde seine Zunge hüten müssen, um mit dem Kopf auf den Schultern wieder herauszuspazieren, so abweisend, wie der Ort wirkte.

Vielleicht dreissig, vierzig Häuser schmiegten sich aneinander, boten Platz für etliche Leute. Wer lebte hier? Wer tat sich die Dunkelheit freiwillig an? Nur mit Mühe konnte sich Ley ein Stirnrunzeln verkneifen. Wer wusste denn schon, wer ihn aus der Ferne beobachtete. Uori und er kannten sich noch nicht, hatten nur voneinander gehört, deshalb vertrauten sie einander auch kein fremdes Haar an.

Mit lockeren, weit ausholenden Schritten näherte sich Ley dem Ort. Er setzte ein gewinnendes Lächeln auf, nickte einem Mann zu, der ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen musterte, als wollte er ihn nächstens ausrauben. Noch im Gehen glaubte er, ein unterschwelliges Beben zu spüren, ein Ziehen in der Tiefe, das nicht seine Beine, jedoch aber andere Sinne erreichte. Sýl, hier? Dieses Wunder, das beinahe die gesamte Welt durchdrang, seine eigenen Wege zog und doch immer Teil des Lebens war, sollte nach Zura zurückgekehrt sein? Zwar konnte Ley selbst die Macht nicht nutzen, doch für den öden Flecken, den er seine Heimat nannte, wäre es ein Segen. Beinahe hätte er geblinzelt, doch er hielt sich zurück. Sein Auftreten war das, was ihn schützte, deshalb durfte er keine Schwäche zeigen, kein Zögern und erst recht keine Verwirrung.

Zwischen zwei sich unter einer unsichtbaren Gefahr duckenden Häuschen entdeckte er ein Tor, das Zugang zur Festung gewährte. Aufmerksam und nach aussen hin möglichst gelassen spazierte Ley hindurch, gab vor, das grobe Mauerwerk zu bewundern, nur um einen Blick auf die Verteidigungsanlage zu werfen. Gegen innen wiesen die Mauern Ausbuchtungen auf, wie Türme, die nicht über die Brüstung hinausragten. Darauf waren merkwürdige Konstruktionen verteilt, die auch in Abwesenheit des Sýl funktionieren sollten. Ähnliche hatte er schon am Hafen gesehen, sich jedoch keinen Reim daraus machen können.

Um nicht die Aufmerksamkeit eines Wachmannes auf den Mauern oder den Türmen zu provozieren, ging Ley weiter, ein fröhliches Lied pfeifend. Es wirkte so fremd wie ein Fisch auf einem Baum, dennoch brach er nicht ab. Je mehr die Leute dachten, dass er ein naiver, dümmlicher Mann war, der die feinen Schwingungen nicht wahrnahm, desto eher vertrauten sie ihm Wissen an, das ihnen wichtig war. Sie glaubten, so dumm, wie er sein musste, könnte er keine Zusammenhänge sehen, keine Verbindungen schliessen. Doch die Menschen waren es, die dumm waren. Sie vertrauten einfachen Leuten, weil sie dachten, sie führen zu können. Beeinflussen. Meist war es einzig ihre eigene Unwissenheit, die sie verunsicherte und sie dazu verleitete, anderen ihre vermeintliche Überlegenheit zu demonstrieren.

Ley hielt auf den schwarzen Schlund zu, ein grob behauener Eingang, der sich aus den Schatten der Festung schälte. Sie sass in der Mitte der unheimlichen Siedlung, weit von deren Mauern entfernt, sodass kein Wurfhaken einfach in ein Fenster geworfen werden konnte. Schwer einzunehmen. Schwer zu bestehlen. Er zuckte mit den Schultern, obwohl er das Konstrukt gern noch eine Weile studiert hätte. Wissen konnte nie schaden, besonders nicht, wenn man an einem Ort wie diesem war und keinen vernünftigen Fluchtweg kannte.

Ein Gang führte zum Zentrum der Festung zu einem kreisrunden Raum mit einer hohen, kuppelförmigen Decke. In der Mitte brannte ein helles Feuer, dessen Licht ebenso geschluckt wurde wie das der Flammen draussen. Vielleicht lag es gar nicht am Vulkangestein, dass die Höhle so düster war, sondern an all dem Russ, der in der Luft hing.

Strahlförmig führten weitere Gänge vom Raum weg. Am Rande des Raumes schwangen sich Treppen in die Höhe und verbanden sich mit Balkonen, die um das Rund herumreichten. Nach drei Stockwerken öffnete sich ein kleines Loch im Dach, durch das der Rauch abziehen konnte.

Aus einem Gang trat ein schmächtiger Junge mit viel zu grossen Augen, abgehackten Bewegungen und trübem Blick in den Raum. Er musterte ihn einen Moment, deutete eine Verbeugung an. »Emer Ley?«

»Ja, der bin ich.« Er setzte ein breites Grinsen auf. »Schön habt ihr es hier. Gemütlich.«

Der Junge sah auf, blinzelte, als hätte er die Worte des Besuchers nicht korrekt verstanden. Ley tat so, als würde er die stummen Fragen nicht wahrnehmen und schritt an dem Jungen vorbei in den Gang, der in einen Besprechungsraum führte.

An einem schweren Schreibtisch aus edlem, poliertem Holz sass der finstere Uori, Herrscher über den Untergrund des verarmten Reiches Zura. Unter seiner Weste zeichnete sich eine kräftige Brust ab, die trotz des spärlichen Lichts Schatten auf die Narben warf, die er sich in seinem Leben zugezogen hatte. Es war klar, dass Uoris Ruf und sein Name nicht von ungefähr kamen. Er hatte all seine Kämpfe selbst ausgefochten.

Sein Hintern hatte es sich auf einem mit Samt bezogenen, gepolsterten Stuhl bequem gemacht. Auf dem Schreibtisch stand eine Schüssel mit frischen Früchten, ein seltenes Gut in Zura. Dazu genoss er nicht nur ein Gläschen, sondern eine ganze Flasche Schwarzbeerenwein. Vermutlich war die teurer als der Schreibtisch, und der dürfte angesichts der nicht wachstumsfreudigen Bäume auf der Insel mehr kosten, als ein Hafenarbeiter in einem Zyklus der sich küssenden Schaumkronen verdiente.

Hinter Uori standen zwei schwer bewaffnete Männer. An ihren Gürteln hingen je ein Säbel, an den Oberarmen konnte Ley ein paar Wurfsterne erkennen. Durch die wenigen sichtbaren Waffen liess sich Ley nicht täuschen. Ein Mann wie Uori hatte viele Feinde und liess sich nicht durch nur zwei bullige Männer schützen, wenn die nicht bis auf die Zähne bewaffnet waren. Allerdings schien allein ihre Masse eine Waffe zu sein. Fast jeder Gegner würde zu Boden gehen, wenn einer der beiden gegen ihn prallte.

Emer Uori lehnte sich im Sessel zurück, legte den Finger ans Kinn und rieb über den stoppeligen Bart. Seine Augen waren leicht verengt. Jeder Blick glich einem feinen, kaum spürbaren Schnitt, der nicht zu stören schien und doch mehr preisgab, je mehr sich davon über die Haut zogen. »Emer Ley. Ihr habt uns gefunden.«

»Die Wegbeschreibung war auch exzellent.« Ley liess einen Mundwinkel nach oben wandern, als hätte der Bandenführer einen Witz gemacht, den nur Eingeweihte verstanden.

Uori zog die Augenbrauen zusammen. Seine Nase zuckte. Offenbar wusste er nicht, ob er sich erzürnt zeigen sollte, weil sich Ley nicht von ihm einschüchtern liess, oder ob er die Angelegenheit lieber schnell erledigt haben wollte.

Ein Kribbeln fuhr durch Ley hindurch, nicht viel mehr als ein leichtes Zupfen an seiner Wahrnehmung. Dennoch horchte er innerlich auf.

Emer Uori hievte sich aus dem Stuhl, gab einen Wink in Richtung Tür, und nur einen Moment später schwang diese schwer ins Schloss.

Augenblicklich schnellte Leys Kopf herum. Er war sich sicher, dass niemand dort gestanden hatte, der die Tür hätte schliessen können. War es etwa das Sýl gewesen? Das war unmöglich. Trotz des Kribbelns. In Zura gab es kein Sýl mehr, das das Leben bereichern würde. Also musste es ein Diener gewesen sein. Obwohl Ley nicht gänzlich beruhigt war, drehte er sich zu Emer Uori zurück.

Ley hatte keinen Zweifel daran, dass er so lange in diesem Raum bleiben würde, bis Uori ihn entliess. Es gefiel ihm nicht, genauso wenig wie es dem Bandenführer gefiel, dass ihm ein Halunke nicht den gebotenen Respekt zollte.

Schliesslich wandte Uori den Blick ab, als könnte er durch die Mauern nach draussen sehen und einen Baum beim Wachsen beobachten. »Was wisst Ihr vom Sýl? Könnt Ihr es beeinflussen?«, fragte er wie aus dem Nichts.

Ley zögerte mit der Antwort, auch wenn er genau wusste, dass er nicht zögern durfte. Zögern bedeutete Unsicherheit, Unsicherheit deutete auf Schwäche hin. Schwache Menschen wurden verfolgt. »Ich habe davon gehört, wie es uns genommen wurde und unseren Heimatboden in unfruchtbares Land verwandelte. Ich habe es jedoch noch nie gespürt, geschweige denn nach meinem Willen geformt.«

Uori seufzte. »Würdet Ihr es versuchen, wenn es nach Zura zurückkehren würde?« Er drehte sich um und blickte ihn mit überraschend wachen Augen an.

Ein leises, kontrolliertes Lachen kam über Leys Lippen. »Wer würde nicht versuchen, diesen Quell der Macht und Inspiration für sich zu nutzen, wenn er die Gelegenheit erhielte?«

Für die Dauer eines Lidschlages hellten sich die Augen des Bandenführers auf, als hätte er sich genau diese Antwort erhofft. Doch Emer Uori bemühte sich, seine Freude zu verbergen. Er war ein lausiger Täuscher, ganze Klassen tiefer als Ley, obwohl seine Position wohl einiges von ihm erforderte. Ley gab vor, nichts davon zu bemerken. Er war der dumme Trampel von der Strasse, der ausgerechnet ein Talent für Diebstahl in die Wiege gelegt bekommen hatte. Das sollten die Leute in ihm sehen, nicht mehr, manchmal sogar weniger.

Mit langsamen Schritten ging Uori zu seinem ebenso wuchtigen wie teuren Sekretär. Auf seiner Stirn bildeten sich dunkle Furchen, als er die Augenbrauen zusammenzog. Er holte eine Pergamentrolle aus der obersten Schublade, nicht länger als seine Hand, doch er fasste sie mit so spitzen Fingern, dass sich Ley unwillkürlich fragte, ob sie aus seinem Lieblingshaustier gemacht worden war.

Emer Uori reichte ihm die Rolle. »Bringt mir das, und Ihr werdet reich belohnt.«

Bevor Ley versprach, dass es kein Problem war, rollte er das Schriftstück aus. Eine detailreiche Zeichnung eines in Edelstein gebannten Feuers, in dem weitere Flammen züngelten, war zu sehen. Was sollte das darstellen? Obwohl er keine Ahnung hatte, sprang eine leise Saite in seiner Erinnerung an, als hätte er schon einmal etwas Ähnliches gesehen – vor langer Zeit. Doch so sehr er sich auch anstrengte, er konnte sich nicht daran erinnern, wo oder wann es gewesen war.

Mit zusammengezogenen Augenbrauen hob er den Blick. »Wo soll das gute Stück sein?«

»Sieben. Es sind sieben.«

Für einen Moment verschlug es Ley die Sprache. Sieben solcher Dinge sollte er stehlen und zu Uori bringen, obwohl er noch nicht einmal wusste, in welche Lande er dafür reisen musste. Oder was genau es war. Er zwang sich, den Blickkontakt nicht zu unterbrechen. »Das wird Euch eine angemessene Bezahlung kosten.«

»Das ist mir bewusst, Emer Ley, seid Euch dessen gewiss. Sofern Ihr meine Bedingungen erfüllt, soll es Euch Euer Leben lang an nichts mehr fehlen.« Seine Augen funkelten, als ahnte er, was diese Worte in einem Mann wie Ley auslösten.

Dieser nickte knapp. »Wo finde ich die Gegenstände?«

Emer Uori legte den Kopf leicht schief. »Es liegt an Euch, das herauszufinden.«

»Aber …«

Der abschätzige Ausdruck des Bandenführers liess Ley verstummen. »Ihr seid doch der Beste, nicht wahr?« Das war keine Frage, sondern eine Warnung, ihm nicht erneut zu widersprechen. »Und damit Ihr nicht mit leeren Händen gehen müsst, gebe ich Euch ein Viertel der Belohnung für ein Tränenfeuer schon jetzt.« Ohne den Blick von ihm zu lösen, hielt Uori ihm einen schweren Beutel vor die Nase. Überrumpelt streckte Ley ihm die offene Hand hin, und der Bandenführer liess den Beutel hineinfallen. Es klimperte verlockend. Darin waren genug Tauri, dass sich Ley ein schönes Leben machen konnte, ohne die gesuchten Gegenstände zu beschaffen. Uori zuckte mit den Schultern. »Verschwindet damit und bleibt ein Leben lang auf der Flucht vor mir und meinen Leuten. Oder nehmt den Auftrag an und macht Euch zum grössten Dieb aller Zeiten. Ausserdem werdet Ihr Ruhm erlangen, weil Ihr uns das Sýl zurück nach Zura bringen werdet.«

Ley hielt den Atem an. Seine in langen Jahren angeeignete Maske bekam Risse, als er an die Freiheiten dachte, an all die Möglichkeiten, die ihnen die Rückkehr des Sýl erlauben würde. Er wusste, wie einfach das Leben mit dem Sýl war, er hatte es auf der anderen Seite des Meeres gesehen. Es wäre nur gerecht, wenn die anderen Länder ihre Macht über Zura verlieren würden.

Grimmig nickte Ley, als er die Hand fester um das Pergament schloss. »Ich werde alles tun, um meiner Heimat eine neue Zukunft zu ermöglichen.« Er versprach es nicht nur sich selbst, sondern auch dem Volk, das seit bald einem Jahrhundert unter dem Joch der anderen Länder litt.

Ley würde dafür sorgen, dass das Leben zurückkehrte, und sei es nur, um die Freude auch in der Hafenstadt zu spüren, das Glück auf den Gesichtern der Menschen zu sehen. Wenn Emer Uori einen Weg gefunden hatte, wollte Ley seinen Teil dazu beitragen.

Leicht neigte er den Kopf, um sich zu verabschieden. Er hatte einen Auftrag, von dem er noch nicht wusste, wie er ihn ausführen sollte, der ihm aber Hoffnung schenkte.

Im selben Moment schwang die Tür auf. Ein leichtes Kribbeln kitzelte in seinen Fingerspitzen. Möglichst unauffällig blickte Ley nach links und rechts, konnte jedoch noch immer niemanden erkennen. Das Sýl hatte die Tür bewegt, da war er sich sicher.

Mit platzenden Gedanken und viel zu vielen Fragen schritt er weit aus und eilte aus der Festung zurück zu dem unsäglichen Pfad hierher.

Er hätte auch nach dem richtigen Weg suchen können, doch er wusste, dass ihm die Schergen des Bandenführers folgten. Es waren ausgebildete Krieger, die nichts zu verlieren hatten. Das waren die Gefährlichsten. Solange Uori ihm nicht den offiziellen Zugang zeigte, würde er so tun, als glaubte er, dass der beschwerliche Weg der einzige war. Was nicht bedeutete, dass er zu einem anderen Zeitpunkt danach suchte. Bevor das nächste Schiff den Hafen verliess, blieb noch etwas Zeit.

An der frischen Luft atmete er erleichtert aus. Die Stimmung im Vulkan hatte ihn beinahe erschlagen. Ley mochte die Nacht, die Dunkelheit, denn sie verbarg seine langen Finger vor neugierigen Blicken, doch die drückende Stimmung im Inneren des Berges fühlte sich ganz anders an. Nur gut, dass er es nicht mehr erleben musste, bis er seinen Lohn erhielt.

Wie von selbst wanderten seine Hände zu dem Beutel unter seinem Gewand. Es würde ein verdammt guter Lohn sein.

Verschwinden

Skadi

Skadis Schritte hämmerten auf den weichen Waldboden. Sie übersprang einen toten Ast, schlug beim nächsten Baum einen Haken. Hinter einem Strauch entdeckte sie die Zielscheibe aus rosa Karton. Blitzschnell legte sie einen Pfeil auf den Bogen, zielte noch im Rennen und schoss. Gleich darauf wich sie einem Felsbrocken aus, setzte über ein Rinnsal, das bei Starkniederschlägen zu einem reissenden Bach anschwoll. Noch zwei Pfeile, noch zwei Ziele. Weiter, immer weiter. Nicht zu lange zögern.

»Zwei Minuten sechsunddreissig«, erklang die Stimme ihres Bruders Eik aus den Kopfhörern. Skadi lag gut in der Zeit.

Das Aufblitzen von Rosa, rechts von ihr. Ohne abzubremsen, legte sie den zweitletzten Pfeil an, zielte auf die Fläche und liess die Sehne summen.

Der Karton bewegte sich kein bisschen.

»Verdammt!« Sie hatte danebengeschossen. Schon wieder.

Skadi verlangsamte ihre Schritte. Am liebsten hätte sie den Bogen und ihren letzten Pfeil hingeworfen. Seit Tagen übte sie diesen Parcours nun schon, und noch nie hatte sie ihn geschafft. Entweder ging der letzte oder der zweitletzte Pfeil ins Leere.

Wie ein eigener Pfeilhagel brannten Eiks Worte in ihrem Kopf, die er ihr unzählige Male zum Trost gesagt hatte: Nicht aufgeben. Immer weitermachen. Dabei hatte er jedes Mal gelächelt. Konnte er auch.

Es waren die Worte ihres Vaters, die ihr Bruder ihr eintrichterte. Und die ihrer Mutter. Ihre eigenen. Es war der Leitspruch ihrer Familie, mit dem ihr Bruder und sie aufgewachsen waren.

Skadi erlaubte sich einen tiefen Atemzug und rannte weiter. Entschlossen hetzte sie den Weg entlang, hielt auf den Punkt zu, in dessen Nähe das letzte Ziel angebracht sein musste. Direkt hinter dem dicken Baumstamm hatte Eik es versteckt. Skadi bremste, visierte das Ziel im Stehen an und traf die Kartonscheibe in der Mitte.

Schwer atmend liess sie den Bogen sinken. Für einige Augenblicke konnte sie nur das durchbohrte Ziel anstarren, dann sah sie eine unversehrte Scheibe. Die vom zweitletzten Ziel. Es lag nicht am Parcours, der war nicht zu schwierig. Eik schaffte ihn auch. Doch sie versagte. Wie so oft.

Ihr Zwillingsbruder Eik wartete am Ende des Parcours auf sie. Er kam auf sie zu und schlug ihr auf die Schulter, drückte sie leicht. »Alles in Ordnung?« Seine Augenbrauen zuckten so leicht, dass jeder andere Mensch es übersehen hätte.

»Ja, klar.« War es nicht, doch das wusste er. Ohne ihn eines Blickes zu würdigen, ging Skadi zum letzten Ziel und las Pfeil und Scheibe vom Boden auf.

»Skadi, sei nicht so hart zu dir«, redete Eik auf sie ein.

Sie warf ihm einen scharfen Blick zu. Er kratzte sich hinter dem Ohr und lachte leise. Im Licht der warmen Herbstsonne strahlten seine dunkelblonden Haare und standen im Kontrast zu seinem im Schatten verschwindenden Körper. Er war gross und kräftig. Skadi verstand jede Frau, die ein Auge auf ihn warf. Nicht nur, dass er gut aussah, er war auch ein Mensch, den man einfach mögen musste. Fröhlich, intelligent und immer zur Stelle, wenn jemand Hilfe benötigte.

Als Skadi wieder an seine Seite trat, nahm er sie in den Arm und drückte ihr einen Kuss auf die dunkelbraunen Haare. »Es liegt an deinem Kopf«, meinte er. »Du hast schon abgeschlossen. Machst dir zu viel Druck, weil du nicht danebenschiessen darfst. Das nächste Mal nehmen wir zwei Ziele mehr. Wetten, dass du dann alle triffst?«

Wenig aufgemuntert nickte Skadi. Vermutlich hatte er recht. Doch das half nichts gegen ihr Unvermögen, die letzten Ziele zu treffen. Sie versagte im Moment der Entscheidung. Wenn sie statt der zwölf tatsächlich vierzehn Scheiben treffen müsste, würde sie auch die letzte oder zweitletzte verfehlen. »Lieber nicht. Deine Wetteinsätze sind meistens zu hoch.« Skadi grinste schief und schob sich mit dem Handrücken eine verirrte Strähne aus der schweissnassen Stirn.

»Wir sagen Papa einfach, dass du alle getroffen hast«, meinte Eik grosszügig.

Sie verdrehte die Augen. »Als ob das was helfen würde. Der will das dann sehen.« Und wiederholen konnte sie eine nicht erbrachte Leistung nur schlecht.

Seit Skadi denken konnte, trieb ihr Vater sie zu Höchstleistungen an. Nie war er mit einem Gut zufrieden, immer musste es herausragend sein. Schon immer hatte sich Eik geschickter angestellt. Ihm fiel vieles einfacher, noch dazu hatte er sich zu einem kräftigen Mann entwickelt, während sie … eine Frau geworden war. Nicht zu leicht, nicht zu klein, aber auch nicht so, wie man sich eine Frau vorstellte, die Survival-Team-Events durchführte. Noch nicht einmal ihr sackstarker Lehrabschluss als kaufmännische Angestellte vor vier Jahren hatte etwas daran geändert.

Befreit lachte Eik auf. »Lass das mal meine Sorge sein.« Er klopfte ihr auf den Rücken und bückte sich nach dem nächsten Ziel und dem danebengeschossenen Pfeil.

Innerlich atmete Skadi auf. Eik besass einen guten Draht zu ihrem Vater, ganz anders als sie, die er immer distanzierter behandelt hatte. Nie war das Gefühl, dass sie eine Enttäuschung war, ganz von ihr gewichen, obwohl ihr Vater es nie direkt gesagt hatte. Vielleicht hatte er sich zwei Söhne gewünscht, die beide so talentiert und einnehmend waren wie Eik. Er besass nicht nur sämtliches Rüstzeug, um allein in der Wildnis zu überleben, er hatte auch eine unglaublich charmante Art, die Leute für sich zu gewinnen. Nur wenige folgten ihm nicht, wenn er sie rief. Er könnte ein ganzes Dorf in den sicheren Tod schicken, und sie würden es, ohne zu murren, tun.

Nachdem Skadi und Eik alle Pfeile und Zielscheiben aufgesammelt hatten, machten sie sich auf den Weg nach Hause. In stiller Übereinkunft wichen sie dabei dem Camp aus, in dem ihr Vater und Eik die Trainings durchführten. Ihr Vater führte Team-Events und Schulungen zum Überleben in der freien Natur durch und verdiente damit sein Geld. In der Branche hatten sich ihre Eltern einen Namen gemacht. Wenn es nach ihrem Willen ging, würden Eik und Skadi in deren Fussstapfen treten. Doch im Moment wollten sie weder Othmar noch einem Gast über den Weg laufen, und so nahmen sie einen kurzen Umweg in Kauf. Als das Haus ihrer Eltern in Sicht kam, rauschten sie das letzte Stück über raschelndes Laub bis zum Kiesweg hinunter.

Eik warf einen Blick zu den Bergen, hinter denen sich die Sonne in einer halben Stunde schon versenken würde. »Und, heute noch etwas vor?«, fragte er.

»Ich gehe noch zu Elin. Mädelsabend.« Ein Lächeln huschte über Skadis Gesicht, als sie an den Besuch bei ihrer besten Freundin dachte. Elin war nicht nur eine der wenigen Gleichaltrigen im Dorf, sondern kannte sie seit dem Kindergarten. Manchmal jagte sie zwar merkwürdigen Spinnereien hinterher, doch Skadi liebte sie so, wie sie war.

»So?« Eiks Stimme schwang vielleicht einen halben Ton höher als normal, der Tonfall zu nebensächlich, als dass es wirklich unwichtig sein konnte.

Skadi nickte. »Ich glaube, sie hat jemanden kennengelernt.« Auch wenn sie tat, als wäre das alles einfaches Geplänkel, beobachtete sie ihren Bruder ganz genau. In letzter Zeit zeigte er mehr Interesse an Elin.

Eik schluckte, presste die Lippen aufeinander. Sein Blick ging stur geradeaus.

Erst versuchte Skadi, das Lachen zu unterdrücken, doch es brach aus ihr hervor. Mit einem breiten Grinsen knuffte sie ihn in die Seite. »Glaubst du wirklich, sie hat Zeit, sich einen Mann anzulachen?«

Er brummte. »Das war gemein.«

Vielleicht. Ihre Beziehung ertrug den einen oder anderen Seitenhieb. Ausserdem … Skadi unterdrückte ein Seufzen. Der Gedanke daran, dass sich ihr Bruder und ihre beste Freundin näher sein könnten als ihr, fühlte sich befremdlich an. Kalt.

Skadi wollte den beiden nicht im Weg stehen. Sie hatten alles Glück der Welt verdient. Dennoch schaffte sie es nicht, die quälenden Gedanken loszuwerden, die ihr einflüsterten, dass sie dann ganz allein auf der Welt wäre. Niemand würde ihre Schwächen vor ihrem Vater verbergen. Niemand nahm sie mit auf eine mysteriöse Suche, deren Ziel sie nicht kannte.

Ergeben seufzte Skadi. »Du warst ja auch ein leichtes Opfer.« Mit einem Augenzwinkern überspielte sie ihre gemischten Gefühle, die Angst, die sie mit einer Beziehung der beiden verband. »Du weisst doch, Papa sagt immer, wir sollten zuschlagen, wenn wir eine Möglichkeit sehen.«

»Ja«, erwiderte er noch immer verstimmt. »Nur bin ich weder ein Feind noch ein Tier, das du essen kannst.«

»Wer weiss? Vielleicht etwas zäh, aber essbar vermutlich schon.« Sie öffnete die Haustür und trat ein.

Eik schlüpfte aus seinen Schuhen und entledigte sich der braunen Jacke, die ihn vor dem herbstlichen Wind schützte. »Menschenfleisch hat zu wenige Kalorien, habe ich mir mal sagen lassen. Deshalb hat sich Kannibalismus nie wirklich durchgesetzt.« Er sagte es, als würde er die Schlagzeilen der letztjährigen Nachrichten wiederholen.

»Iih! Das ist ja ekelhaft!« Skadi rümpfte die Nase. Der Gedanke daran unterdrückte jeden Hunger, und das, obwohl ihre Eltern ihnen beigebracht hatten, sich auch von Käfern und Würmern zu ernähren. Doch Menschen … Bäh!

Ihr Bruder warf ihr einen herausfordernden Blick mit seinem umwerfenden Lächeln zu. »Du hast damit angefangen.«

Touché. Skadi zuckte mit den Schultern und trat in das kleine Badezimmer beim Eingangsbereich. Es war karg eingerichtet und bot gerade genug Platz, dass man sich zwischen Waschbecken, enger Dusche und Toilette drehen konnte. Bevor sie Elin besuchte, wollte sie noch duschen. »Ich komme erst nach dem Abendessen nach Hause, also wartet mit dem Essen nicht auf mich.«

Zum Gruss hob Eik die Hand. »Verstanden. Bis später.«

Skadi klingelte bei Elin und trat einen Schritt zurück. Sie kannte ihre beste Freundin. Zur Begrüssung sprang sie ihr an den Hals und riss sie dabei fast zu Boden. Einmal war Skadi mit dem Hintern mitten im schönen Hibiskus gelandet, der direkt neben der Treppe wuchs. Den abgebrochenen Ast sah man noch immer. In Gedanken beim verregneten Nachmittag suchte Skadi die Stelle und fuhr mit der Hand über die eingewachsene Verletzung der Pflanze.

Ein herbstlicher Windstoss holte sie aus ihren Erinnerungen und zog ihre Gedanken in die Gegenwart. Normalerweise öffnete Elin die Tür, noch bevor Skadi geklingelt hatte, doch heute blieb das Haus verschlossen. Skadi drückte den schwarzen Knopf erneut.

Aus dem Inneren ertönten eilige Schritte, und Elins Mutter Helen öffnete die Tür. Ihr wildes Haar stand in alle Himmelsrichtungen ab, obwohl sie es mit einem unordentlichen Knoten zu bändigen versucht hatte. Schon als Skadi ein Kind gewesen war, hatten sich die Haare immer aus ihrer Frisur befreit. Skadi kannte die Mutter ihrer besten Freundin nur mit zerzausten Haaren und einem breiten Lächeln. »Skadi, wie schön, dass du da bist. Ich glaube, Elin ist im Keller. Wieder einmal.« Ihr Lächeln wich einer Turnübung der Lippen, die nicht so recht wusste, was sie werden wollte. Helen trat zur Seite, um Skadi eintreten zu lassen. »Vielleicht kannst du sie ein wenig nach draussen locken. Sonne täte ihr gut.«

»Ich versuche es.« Skadi unterdrückte ein Schmunzeln. Die Sonne war bereits untergegangen. Doch das änderte nichts daran, dass Elin ein bisschen frische Luft nach all den komischen Ideen und dem ganzen Staub im Keller nicht schaden würde.

Helens warmer Blick streifte sie. »Vielen Dank. Ich wüsste nicht, was mit Elin wäre, wenn sie dich nicht hätte. Wahrscheinlich wäre sie nicht mehr als ein Geist.« Obwohl ihr die Sorge um ihre Tochter im Gesicht stand, zwang sie sich zu einem leichten Lachen.

Elin ging es gut. Sie und Skadi sahen sich beinahe täglich. Skadi kannte niemanden mit mehr Lebensfreude und Elan als ihre beste Freundin. Einzig ihre Suche nach einer fremden Welt nahm manchmal etwas viel Zeit ein. »Wir werden einen Spaziergang machen«, versprach sie.

Unerwartet legte Helen ihr die Hand auf die Schulter. »Du bist eine gute Seele, Skadi.«

»Danke, du und Elin auch.« Mit einem Nicken verabschiedete sich Skadi von Helen und betrat die Treppe in den Keller. Neben einem Vorratsraum und einer Waschküche beherbergte er Elins Forschungslabor, wie sie es liebevoll nannte. Dabei hatte sie weder mit Forschung noch mit Laborarbeit viel am Hut, sondern hatte als Lehrerin jeden Tag kleine Kinder um sich herum. In ihrer Arbeit ging sie vollkommen auf. Sie erdete sie, wo der Traum der fremden Welt sie davon wegzuzerren versuchte.

Bei Elins Forschungslabor angekommen, hielt Skadi erstaunt inne. Obwohl das Licht brannte, war Elin nirgends zu sehen. Noch schwebte der Duft nach ihrem Vanilleshampoo in der Luft. An den Wänden hingen Zeichnungen, ausgedruckte Bilder und zusammengekritzelte Ideen. Teilweise waren sie so alt, dass sie sich an den Ecken eingerollt hatten, als wollten sie das Geschriebene verstecken. Sie liessen den Blick auf ältere Ideen frei, auf die Elin neue Hinweise gekritzelt hatte.

Staunend drehte sich Skadi um die eigene Achse, als sie eintrat. Sie war so oft hier gewesen, und doch hatte sie das Ausmass von Elins Forschungen nie wirklich erfasst. Ganz abgesehen davon, dass sie den wilden Theorien nicht wirklich hatte folgen können. Aber es hatte Spass gemacht, mit Elin zu fantasieren und sich Dinge auszumalen, die gar nicht real sein konnten.

Es waren die fremden Welten, an die Elin glaubte. Sie war besessen davon, sie zu finden und wenigstens eine davon zu besuchen. Sie sprach von Magie und einem unsichtbaren Etwas, das alles zusammenhielt. Obwohl sie keine Idee hatte, was es war, wie sie dorthin kam oder wie wieder zurück, gab sie nicht auf. Vom Gerede im Dorf liess sie sich erst recht nicht beeindrucken.

Im Gegensatz zu Elin glaubte Skadi nicht an fremde Welten. Wer tat das schon? Die Menschen waren bis ins Weltall vorgedrungen und hatten kein Portal gefunden, mit dessen Hilfe sie andere Welten besuchen konnten. Sie scheiterten schon an einem Besuch auf dem Mars oder der Erkundung der Tiefseegräben.

Doch Elin hatte immer wieder etwas Neues herausgefunden, Skadi mit strahlenden Augen und wehenden Locken davon erzählt, die ganze Welt dabei vergessen und sie mit auf die unmögliche Reise genommen. Niemand konnte so begeistert von so etwas Verrücktem sprechen wie Elin.

Ein mildes Lächeln huschte über Skadis Lippen. Wenn eine Idee Elin begeisterte, konnte sie die ganze Welt für sich gewinnen. So hatte sie einen Schulausflug ins Leben gerufen, an dem alle Klassen teilnahmen und die älteren Schüler mithalfen, auf die jüngeren aufzupassen. Die ersten beiden Male waren zu einem Anlass geworden, an den sich alle gerne erinnerten, das dritte Mal war fest im neuen Jahresplan eingetragen.

»Elin?«, fragte Skadi in die Stille. Keine Antwort. War auch nicht anders zu erwarten gewesen. Vielleicht musste sie mal für kleine Mädchen. Das würde auch erklären, warum sie die Tür nicht geöffnet hatte.

An der Ecke eines Notizzettels entdeckte Skadi einen beginnenden Kreis, der sich mit dem Ende des Papiers verlor. Dennoch trat sie näher und schob das darüber hängende Blatt zur Seite. Elin hatte mit einem leuchtend blauen Stift über die Notizen gezeichnet.

Mit einem Seufzen drehte sich Skadi abermals um die eigene Achse und bewegte sich dabei zur Mitte des Raumes. Immer wieder blitzten die hellblauen gebogenen Linien auf verschiedensten Zetteln auf, als wollten sie einen ganzen Kreis bilden und wären doch zu weit voneinander entfernt, als dass sie sich finden könnten.

Skadi stolperte über einen Gegenstand am Boden, ruderte mit den Armen und fing sich gerade noch rechtzeitig. Elins Notizbuch lag aufgeschlagen auf den Steinplatten, nun um einen Sohlenabdruck ihrer Schuhe reicher. Sie bückte sich danach und hob es auf, um die zerknitterte Seite glatt zu streichen. Elin war das Notizbuch heilig. Was auch immer sie entdeckte, welche Wege sie gefunden glaubte, schrieb sie hier nieder.

Sphären. Das Wort war mit derselben blauen Farbe eingerahmt wie die Kreissegmente an der Wand. Wenn sie aufeinandertreffen, entstehen Wege. Deshalb so viele Beben in der Luft? Bald neue Vereinigung? Was passiert dann?

Skadi schüttelte leicht den Kopf. Beben in der Luft. Elin glaubte wirklich, dass es fremde Welten gab. Auch Skadi glaubte an fremde Welten, allerdings entsprangen diese weniger einer unbekannten Dimension und mehr dem Wissen um die schiere Anzahl an Planeten im Weltall. Unmöglich, dass bei so vielen Chancen, neue Welten und damit neues Leben zu erschaffen, nur die Erde bewohnbar war. Was Elin da geschrieben hatte, deckte sich mit den Erzählungen von esoterisch angehauchten Menschen.

Dennoch blätterte sie um und las die nächsten Zeilen. Die Sphären sind eine Art Parallelwelten, die über einen Energieaustausch mehr oder weniger stark miteinander verbunden sind. Möglicherweise bestehen sie in anderen Dimensionen, so viele, wie mathematisch rechenbar sind. Dies steht auch im Buch von M. A. Klingt kompliziert und ist es wahrscheinlich auch.

Ähnlich wie Planeten schwirren die Sphären um Zentren mit grosser Masse, in ihrem Falle Energie, herum und berühren sich in der Regel nicht. Nähern sich zwei Sphären einander an, entstehen Energiekanäle, durch die man reisen kann, wenn man weiss, wo. Dadurch gleichen sich die Energien aus, sodass es nirgends zu viel oder zu wenig gibt. Dafür wurden Portale geschaffen, und ich glaube, ich habe ein solches gefunden. In meinem Labor. Was für ein Zufall ist das denn? Wahnsinn! Nun muss ich nur noch abwarten, bis sich das Portal öffnet, dann kann ich endlich reisen.

Neben den letzten Satz hatte sie ein lächelndes Emoji hingezeichnet.

»Wie aufschlussreich«, murmelte Skadi mit leicht sarkastischem Unterton, um die beklemmende Stille zu beenden.

»Elin? Skadi?«, drang Helens Stimme an ihre Ohren. »Wollt ihr etwas essen?«

Skadi schlug das Buch zu und legte es auf den Stuhl vor dem Schreibtisch, der einzige Ort neben dem Boden, auf dem sich keine Blätter, Skizzen und Notizen türmten. »Elin ist nicht hier«, rief sie und wollte den Raum verlassen, als ihr eine Bodenplatte in der Mitte des Raumes ins Auge sprang. Die Oberfläche war nicht glatt wie die der anderen Platten, sondern mit einem wirbelnden Muster versehen, in dessen Zentrum eine Kuhle war. Darin lag ein zerbrochener dunkler Stein. Winzige Flammen schienen darin zu tanzen. Gefangen zu sein. Skadi bückte sich, um ihn aufzuheben, und drehte ihn zwischen ihren Fingern.

»Merkwürdig«, murmelte Skadi. So einen Stein hatte sie noch nie gesehen.

Von Elin fehlte nach wie vor jede Spur, und das obwohl sie ihr am Telefon versprochen hatte, all die wunderbaren Erkenntnisse über die neuen Welten mit ihr zu teilen.

In Skadis Bauch breitete sich der Vorbote eines Sturms aus. Tobende Windstösse tanzten mit einem einsetzenden Regen um die Wette. Kalter Schweiss trat ihr aus allen Poren. Etwas stimmte hier ganz und gar nicht.

Als sie aufstand, drehte sich die Welt um sie. Halt suchend streckte sie den Arm nach der Stuhllehne aus, griff daneben und stürzte zu Boden. Um sie herum wurde alles schwarz.

Bebendes Sýl

Ley

Ley starrte den Lederbeutel auf dem Boden vor ihm an. Grau. Dunkelgrau, wenn er es genau nahm. Im Licht der schwach leuchtenden Schimmerkugeln, die über seinem Kopf schwebten, erkannte er die Farbe zwar nicht genau, doch er hatte ihn bereits draussen im Sonnenlicht betrachtet. Egal wie lange er den Beutel anstarrte, das Sýl floss weiter. Ein komplexer Knoten band es an die Schimmerkugeln und die Herdplatte in der Küche, in das Lachen des Kellners, damit die Gäste ihn mehr mochten, in die Kleider der Frau weiter rechts, um sie leuchtender erscheinen zu lassen als alle anderen, in die Worte des jungen Mannes mit den Adleraugen, der ihnen mehr Gewicht verlieh. Meist geschah es unbewusst. Die Menschen, die mit dem Sýl aufgewachsen waren, benutzten es einfach.

Ley wandte sich seinen Tauri zu. Er war nicht so dumm, in einem dicken, teuren Lederbeutel sein ganzes Vermögen aufzubewahren und ihn auf den Tisch zu legen. Die Münzen hatte er sorgfältig an verschiedenen Stellen an seinem Körper versorgt, damit er, falls er ausgeraubt würde, nicht ganz ohne Tauri dastünde.

Mit einem unterdrückten Seufzen griff er nach dem Beutel und verstaute ihn in der Innentasche seines Hemds, während seine Blicke den Kellner suchten, der sich durch die Menge schlängelte. Sein Hintern schien die Aufmerksamkeit einiger Damen auf sich zu ziehen, und so erntete er einen Klaps auf seine wohlgeformte Rundung und kreischendes, begeistertes Lachen. Er fiel ein, zwinkerte dem übermütig johlenden Sitzkreis zu und fing endlich Leys Blick ein.

Ley hatte sich lange überlegt, wie oder wen er nach den merkwürdigen Gegenständen fragen sollte, die er finden musste. Auch das nagende Gefühl, dass er eigentlich wissen müsste, wonach er suchte, hatte ihm noch keinen Hinweis gegeben. Dabei war sein Treffen mit Emer Uori bereits fünf Tage her. Und ohne Anhaltspunkt war es schwer, etwas zu finden.

Der Kellner trat zu ihm und hob auffordernd die Augenbraue. »Was darf ich dem Emer bringen?«

Knapp lächelnd nickte Ley ihm zu. »Eine Schale Eintopf, bitte, und dazu gern einen Becher Wein.«

»Wein?« Die Augenbraue des Kellners wanderte noch höher, und er kräuselte die Nase. »Wir sind für unser gutes Bier bekannt.«

Und für ihre Informationen. »Wein, bitte. Er bekommt mir besser.«

Der Kellner rümpfte die Nase noch stärker, liess seinen Unmut jedoch gleich wieder von seinem Gesicht verschwinden. Vermutlich hatte sonst niemand es gesehen. Ley hatte sich angewöhnt, alles wahrzunehmen: jedes Lachen, jedes Zucken, am besten jeden Pups. Das machte ihn zu einem Meister seines Fachs.

Der Kellner nickte. »Gut, ich bringe Euch Wein und eine Schüssel Eintopf.«

Zufrieden lehnte sich Ley in seinem Sitzkissen zurück und beobachtete den vollen Raum. Dem nassen Wetter draussen zum zweifelhaften Dank hatte sich die Luft mit Feuchtigkeit getränkt. Seine Haarspitzen klebten an der Stirn, die Kleider auf seiner Haut. Und noch immer wusste er nicht, wo er mit seiner Suche beginnen sollte. Der Beutel hatte ihn gereizt – und die Aussicht darauf, weitere davon zu erhalten. Viele weitere.

Ley kam ein Seufzen über die Lippen, und er richtete sich auf. Ein leichtes Lächeln hüpfte in sein Gesicht, als hätte er eben an seine Frau gedacht, die die schönste auf der ganzen Welt war, weil er sie so sehr liebte. Nicht auszudenken, wenn jemand erahnte, woran er wirklich dachte. An Tauri. Jeder brauchte Tauri, besonders in einem Quartier wie diesem, in dem die Stadtwache aufgrund der wohlhabenden Bewohner häufiger nach dem Rechten sah.

Als der Kellner ihm den Wein und den Eintopf brachte, zwinkerte Ley ihm übermütig zu. »Vielen Dank, Emer, sehr grosszügig von Euch.«

Blinzelnd blieb der Kellner neben ihm stehen. Offensichtlich fehlten ihm die Worte.

Ley tat, als wollte er sich seinem Essen widmen, als würde ihn ein Geistesblitz zum Umdenken bewegen, und musterte den schmal gebauten Kellner erneut. »Ich kam nicht umhin zu bemerken, dass Ihr eher Euer Bier empfehlen würdet.« Er legte eine Hand auf seinen Bauch. »Leider verträgt mein Magen Bier nur sehr schlecht, weshalb ich ablehnen musste.«

Ein mitleidiges Lächeln huschte über die dünnen Lippen des Kellners. »Das ist wirklich schade, Emer …«

Ley beeilte sich, dem Kellner die Hand hinzustrecken und die dürren Finger zu umschliessen. »Emer Ley. Und welchen Namen hat Euch Eure Mutter gegeben?«

»Gruona, Emer.« Gruona deutete ein Nicken an. Nach dem kurzen Schwatz wirkte er wesentlich freundlicher als eben noch.

Ley nutzte die Gelegenheit und liess den Blick durch die halbmondförmige Gaststube schweifen. Die Sitzkreise verfügten über grosse, bequeme Kissen, auf denen man sich guten Wein und gutes Bier gönnen konnte, bis nur noch die Sitzkissen verhinderten, dass man auf dem Boden lag. Einige davon hatten sieben oder acht Plätze, andere nur zwei, wie der, an dem Ley sass.

»Sagt, ich bin nicht oft hier, doch heute scheint es … anders. Aufgewühlter. Als käme etwas Neues auf uns zu.« Dabei sah alles aus wie in jedem anderen Gasthaus: Laute und leise Gäste, wilde Rufe und getuschelte Worte, Wärme, Feuchtigkeit, der Geruch nach Bier und Wein und all den Gewürzen, die in der Küche Verwendung fanden.

Die Augen des Kellners leuchteten für einen Wimpernschlag auf. »Emer Ley scheint gute Augen zu haben.« Er schenkte ihm ein ehrlich erfreutes Lächeln, als er sich ungefragt in das zweite Sitzkissen ihm gegenüber sinken und seinen Blick über Ley wandern liess. »Tatsächlich munkelt man, dass sich ein Schwertakademiker aus Egheni aus seinem Nest gewagt und uns besucht hat. Aber gesehen habe ich ihn noch nicht. Und auch nicht wirklich gehört. Es ist nur ein Gerücht, doch es rollt schneller durch die Stadt als jeder Sturm.« Ein amüsiertes Lachen kräuselte die Lippen des Kellners, als hätte er den besten Spruch seit der Erfindung der Sprüche gemacht.

Ley hatte von den Schwertakademikern gehört. Ihre Vorgänger waren dafür verantwortlich, dass sich das Land Egheni im letzten Krieg auf die andere Seite geschlagen hatte und Zura in den Rücken gefallen war. Die Schwertakademiker wurden tiefer verehrt als gefürchtet, auch wenn es umgekehrt besser wäre. Es gab nicht viele von ihnen, doch jeder Einzelne war einer zu viel. Sie trugen ein langes, dünnes Schwert, das auseinanderfallen müsste, wenn ein gewöhnlicher Schmied es hergestellt hätte. Doch die Schmiede der Akademie in der Stadt Egheneri kannten offenbar ein Geheimnis, das den anderen verborgen blieb.

Ohne es wahrzunehmen, hatte sich seine Hand auf dem niederen Tisch vor ihm zur Faust geballt. Ley zwang sich, sie zu entspannen, auch wenn es ihm schwerer fiel als gedacht. Mit einem aufgesetzten Lächeln blickte er zum Kellner neben sich. »Was erzählt man sich denn über den Schwertakademiker?«

Gruona warf einen Blick durch den Raum, durchsuchte ihn nach unzufriedenen Gesichtern, und wandte sich dann wieder Ley zu. »Wisst Ihr, Emer Ley, das ist so eine Sache mit den Schwertakademikern. Sie kommen und gehen, wie es ihnen beliebt, und man erkennt sie nur an ihren Schwertern. Sie halten sich bedeckt und zeigen sich nur, wenn sie es wollen.« Er beugte sich über den Tisch und sprach eine Spur leiser weiter: »Bisher ist es nur ein Gerücht, doch ich hoffe, ich bekomme ihn noch zu sehen, bevor er abreist. Sie sollen gut aussehen, die Schwertakademiker.« Aufgeregt zwinkerte er.

Geistesabwesend nickte Ley. Davon hatte er gehört. Doch nachdem, was sie seinem Volk angetan hatten, war es ihm egal, wie gutaussehend sie waren. Er würde jedem von ihnen am liebsten den Kopf abtrennen. Dafür waren seine Dolche scharf genug. »Was will er denn in Urudan?«

Gruona zuckte mit den Schultern. »Das weiss niemand. Zumindest nicht offiziell. Einige sagen, er wäre gekommen, um den Bann gegen Zura zu brechen, doch das kann ich mir nicht vorstellen. Kein vernünftiger Mensch würde so etwas wollen.« Er lachte so laut, dass sich zwei Frauen vom benachbarten Sitzkreis zu ihnen umdrehten. Ley hoffte, dass sie nicht bemerkten, wie er den Kellner ausfragte. Fragende Fremde warfen Fragen auf, säten Misstrauen.

Den Bann gegen seine Heimat zu brechen … Ausgerechnet ein Schwertakademiker! Das konnte doch nur ein schlechter Wink des Schicksals sein, eine Falle, um zu testen, auf welcher Seite Ley stand. Leise fiel er in Gruonas Lachen ein, um seine eigene Herkunft nicht preiszugeben. Als ein Gast seinen Hals streckte, um den Kellner zu rufen, deutete Ley zu ihm. »Ich glaube, Ihr müsst Eurer Arbeit nachkommen, Emer Gruona.«

Der Kellner sprang von seinem Kissen auf, richtete sein Hemd und schenkte Ley einen dankbaren Blick. »Werter Emer, es war mir eine Freude.«

»Mir auch.« Zufrieden beobachtete Ley, wie der Kellner von dannen zog und seine Aufmerksamkeit dem Mann schenkte, der ihn gerufen hatte.

Ley widmete sich seinem Essen, tauchte den Löffel in den Eintopf und rührte ihn kurz. Ein verführerisch würziger Duft stieg ihm in die Nase. Den gestrigen Tag hatte er auf See verbracht und nichts anderes als den langweiligen Frass, den es auf See eben gab, vorgesetzt bekommen. Dieser Gemüse­eintopf war das erste Mahl seit vorgestern.

Ein Donnern rollte über Ley hinweg, als er den Löffel zum Mund führte. Es durchdrang ihn wie ein Erdbeben, das vom Boden bis in seine Eingeweide vordrang. Mit dem gefüllten Löffel in der Hand erstarrte Ley. Das Beben war stumm gewesen, dennoch hatte ihn etwas bis in sein Innerstes aufgerüttelt. Ein Ziehen ergriff von ihm Besitz, zerrte ihn von seinem Essen weg, wollte ihn an einem anderen Ort wissen. Wie ein innigster Wunsch, den man weder ablegen noch vergessen konnte. Es gehörte zu seinem ureigensten Wesen.

Es war das Sýl, das ihn rief. Das Aufbegehren hatte nichts mit dem Kribbeln und Streicheln zu tun, mit dem es ihn normalerweise umschmeichelte. Es war ein unbändiger Sturm, der ihn zu zerquetschen drohte.

Vorsichtig hob Ley den Blick. Keiner der anderen Gäste reagierte, obwohl unter ihnen sicherlich jemand war, der das Tun des Sýl spürte. Sie müssten ebenso reagieren – erstarren, Fragen stellen, sich umsehen. Nach der Ursache suchen. Doch keine Frau, kein Mann regte sich. Es wirkte, als wäre alles normal.

Ley zwang sich, den Löffel in den Mund zu schieben.

Ein weiteres Beben erfüllte ihn und zwang seine Muskeln dazu, loszulassen. Mit einem Klimpern fiel der Löffel in die Schale, Eintopf spritzte auf das Holz des Tisches. Die Frauen, die Gruona und ihn vorhin beobachtet hatten, musterten ihn mit herablassend gerümpften Nasen erneut. Die Dickere der beiden beugte sich zu der Älteren hinüber und flüsterte ihr etwas ins Ohr.

Ley wusste, was das Ziehen des Sýl zu bedeuten hatte. Es würde sich formen, neue Wege gehen und etwas Grosses erschaffen oder zerstören. Nur mit Mühe schaffte er es, den Blick von den Eintopftropfen zu wenden und Gruona zu suchen.

Der Kellner brachte eine Platte mit Trockenfrüchten und einen Krug zu einer Dreiergruppe. Dem Grinsen nach zu urteilen war es Bier und kein Wein.

Gruona würde wissen, wo der nächste Sýlmeister zu finden war. Urudan war nicht bekannt für seine grossen Taten, was das Sýl anging. Umso erstaunlicher war dieses Flimmern, das in der Luft summte und kaum zur Ruhe kam. Wer auch immer gerade etwas mit dem Sýl plante, musste aufhören, und zwar sofort. Ansonsten …

Kurz entschlossen stand Ley auf und gesellte sich zu den beiden Frauen. Ohne Wert auf nutzloses Geplänkel zu legen, sah er der ersten fest in die Augen, als diese ihn mit brüskiertem Blick musterte. »Wo finde ich den besten Sýlmeister der Stadt?«

Die Frau drehte sich zu ihrer Freundin um, doch diese zuckte lediglich mit den Schultern. »Ich glaube, irgendwo im Norden.«

Norden. Norden ergab Sinn. Es war weiter von der Grenze weg, hinter der es keinen Funken Sýl gab. Die Dichte des Sýl nahm mit jedem Schritt von der Grenze entfernt zu. Es erstaunte ihn deshalb nicht, dass ein Sýlmeister jedes noch so kleine bisschen Abstand zur Grenze gewinnen wollte.

Mit grimmigem Gesichtsausdruck packte Ley seinen Umhang und eilte aus dem Gasthaus die gewaltige Treppe hinunter, die sich um den Stamm schwang. Unablässig prasselte Regen auf Leys Gesicht. Wie durch einen Schleier hindurch nahm er Gruonas Ruf wahr, allerdings verstand er die Worte nicht. Seine Füsse flogen über die Wurzeln hinweg, als er sich weg vom Gasthaus und den reicheren Quartieren in die nördlicheren Gebiete wagte. Gross war der Unterschied nicht, doch er war zu riechen. In der Luft prickelte der erfrischende Duft von Waldboden, der rund um die Lachende Perle, in der Gruona arbeitete, durch trockene Wege und gepflegte Gärten getilgt war, selbst bei diesem Regenwetter. Auch im Norden floss das Wasser von den Wegen in das Gras daneben, statt sich in der Mitte zu braunen Pfützen zu sammeln. Zudem murmelten die Schatten keine Verwünschungen, wenn man an ihnen vorbeiging.

Mit der vorhin erlebten Macht war das Rieseln des Sýl in diesem Moment nicht zu vergleichen, und dennoch glaubte Ley, in der Ferne Beben zu spüren. Wie das Donnern eines sich geschwind nähernden Gewitters. Die Beben würden nicht die Erde erschüttern und auch keine Bäume entwurzeln, doch jene, die sich in dem Moment dem Sýl hingaben, würden sterben. Es würde ihr eigenes Sýl mitreissen, als würde es ihren Verstand aus dem Körper zerren, und willenlose, herzlose Gestalten zurücklassen. Noch bevor der nächste Tag dämmerte, wären sie verstorben.

Wieso wagte es ein Gelehrter, ein Meister des Sýl, seine Forschungen in der Nähe einer Stadt mit so vielen Menschen durchzuführen? Fühlten sie sich für das Wohl der Leute nicht verantwortlich?

Vermutlich nicht. Sýlmeister kümmerten sich um ihre eigenen Angelegenheiten. Um Forschung und darum, neue Funktionen zu entwickeln. Um zu erfahren, wie sich das Sýl auf den menschlichen Körper auswirkte. Ob Tiere über die Schwingungen mit den Menschen in Kontakt traten oder ob Haare schneller wuchsen, wenn man an sie dachte und deshalb unbewusst die Kraft des Sýl darauf lenkte.

Ley schüttelte die viel zu wirren Gedanken ab. Was auch immer im Begriff war zu geschehen, er wusste, dass es massiv sein würde. Hässlich. Die Angst brannte sich regelrecht in sein Bewusstsein, wollte ihn nach links drängen, obwohl er doch nach Norden gehen musste.

Mitten auf der Strasse blieb Ley stehen. Der Schlamm klebte am Leder seiner Schuhe und drohte es über Nacht steif werden zu lassen. Längst hatte er die schönen Wurzelwege verlassen. Der Regen war unter sein Hemd und die Tunika gedrungen, hatte sogar seine Arschspalte erreicht. Allerdings nahm er das nur am Rande wahr. Viel stärker war das Gefühl, etwas zu übersehen. Ein Detail in dem Bild, das sich vor ihm verstecken wollte.

Langsam drehte er sich nach links, dorthin, wo es ihn hinzog. Links war Westen, nicht Norden. Dennoch wusste er, dass er hier richtig war. Beim Gedanken daran rieb er sich über die Oberarme, blickte die Strasse hinauf und hinab. Obwohl er sich beobachtet fühlte, war niemand zu sehen.

Ein Stoss wie von einer heftigen Windböe trieb Ley einige Schritte auf eine Gasse zu, die sich dunkel und unscheinbar zwischen zwei wuchtige, unbewohnte Baumstämme quetschte. In einer unbekannten Melodie trommelten die Regentropfen auf den Boden und entlockten den Bäumen ihr unverkennbares Lied.

Es war kein Windstoss gewesen, der ihn geschubst hatte, sondern das Sýl. Verwirrt blickte Ley hinter sich, schüttelte den Kopf, lauschte dem zunehmenden Rauschen der unsichtbaren Macht, die ihn durchdrang. Sie schob sich in Richtung Westen zu einem ganz bestimmten Punkt nur wenige Baumstämme weiter.

Ley gab sich einen Ruck und betrat den unscheinbaren Weg, auf dem noch nicht einmal Trittspuren zu sehen waren. Ein runder Stamm reihte sich an den nächsten. Dazwischen wuchsen riesige Farne und Gräser, deren Ähren den Blick auf das verwehrten, was dahinter war. Auf das, was das Sýl ihm zeigen wollte.

Der Sturm in ihm wuchs zu einem Orkan, der ihn mitriss und gleichzeitig an ihm abprallte, als wäre er nicht Teil davon. Wie ein Stein im Ozean, wenn ein Vulkan auf der Insel ausbrach. Und er war gezwungen, dem Ruf zu folgen. Selbst wenn er gewollt hätte, hätte er sich dem Sog nicht erwehren können, der ihn erfasst hatte.

In der Mitte eines runden Platzes neben einer hüfthohen Holzsäule, aus der munter Wasser sprudelte, entdeckte er eine blonde Frau. Ihre nassen Haare und das Strahlen in ihrem Gesicht waren wie die beiden Monde Eliali und Larin in einer sternenklaren Nacht. Sie leuchtete von innen. Ihre Kleidung war ungewöhnlich: Die weisse Bluse schien weich und dünn und besass keine Schnürung, dafür wurde sie mit jedem Tropfen Regen durchscheinender. Die Frau streckte die Arme seitlich aus, hiess den Regen willkommen und legte den Kopf in den Nacken. Langsam drehte sie sich um die eigene Achse. Ihrer Kehle entkam ein Lachen, das ein Rauschen aus Glück durch das Sýl schickte.

Ein Brausen rauschte heran, lauter und heftiger als die vorherigen. Schon jetzt spürte Ley den Donner, der dahinter wartete. Der Sturm erfasste ihn, riss an ihm, liess ihn nicht in Ruhe. Mit jedem Wimpernschlag wurde es heftiger, Leys Kraft geringer. Das Sýl zerrte ihn mit. Erschöpft liess er sich gegen einen Baum sinken und ging in die Knie, die Augen geschlossen.

Die Kraft baute sich auf und formte einen Trichter, der bis weit in den Himmel hinaufreichte, noch weiter als das fluffige Sýl, auf dem die Wolken ihrer Wege zogen. Wie ein Finger streckte sich ein winzig dünner Kanal bis zu der blonden Frau aus. Als würde ihre Kraft durch seine Augenlider dringen, sah er, wie sie die Hand ausstreckte. Als sie den Ausläufer berührte, zuckte ein Blitz durch die Stadt. Mit einem Knall verpuffte die Frau. Eine Welle aus Sýl fegte durch Urudan hindurch und nahm jedem Sýlmeister das Augenlicht. Etwas schrie. Das Sýl? Der grässliche Ton wütete durch sein Inneres, zerstörte, was ihm in den Weg kam, und liess seine Kraft wie durch ein Leck aus ihm hinausfliessen. Schwer atmend presste sich Ley an die harte Baumrinde, zählte die Herzschläge, bis der unendliche Schrei leiser wurde. Er brannte dennoch weiter.

Als Ruhe einkehrte, war die Welt eine andere. Noch immer regnete es in Strömen, die Häuser bestanden aus ausgehöhlten Bäumen, und aus der Säule sprudelte Wasser.

Doch das Sýl war nicht mehr.

Nur ein Traum

Skadi

Skadis Kopf schlug auf dem Boden auf. Heftiger Schmerz pochte durch ihre Gedanken. Sie gönnte sich einen Augenblick, um Ruhe zu finden und die sich drehenden Blitze zum Stehen zu bringen. Von fern vernahm sie das Rauschen von Regen, selbst auf ihren Wangen spürte sie die Tropfen.

Sie stützte sich seitlich auf den Unterarm und tastete mit der freien Hand über die Stelle am Kopf, die am meisten schmerzte. Es fühlte sich nass an. Skadi sollte besser etwas finden, um die Blutung zu stoppen. Elin und Helen hätten wohl keine Freude, wenn der halbe Keller vollgeblutet wäre.

Zu gut erinnerte sie sich an Eiks Platzwunde, als er einmal im Wald ausgerutscht und gegen einen Ast geknallt war. Damals war er kreidebleich geworden, und sie hatte ihn notfallmässig versorgt – eines der wenigen Male, bei denen sie souveräner gehandelt hatte als er. Er hatte das Training weiterführen wollen.

Verunsichert hielt Skadi in ihrer Bewegung inne. Die Nässe fühlte sich nicht nach Blut an, zudem war es kühl. Normalerweise spürte man nicht, wenn der Kopf blutete, weil das Blut genauso warm war wie die Haut. Wieso also …?

Ihr Blick fiel auf ihre Finger, die eben noch die Wunde betastet hatten. Kein Blut. Sie sah von der Hand zum braunen, regennassen Schlamm. Nur ein paar Schritte von ihr entfernt gurgelte Wasser aus einer Säule aus holzähnlichem Material, lief in einer spiralförmigen Rinne daran herab und verschwand in einer in den Boden eingelassenen Tonschale.

Skadis Gedanken erstarben, die Muskeln verweigerten ihr den Dienst. Schlamm. Im Keller. Regen. Auch im Keller. Eine Säule mit daraus heraussprudelndem Wasser. Im Keller!

Was ging hier vor sich?

Als hätte ihre Verwirrung den Regen verstärkt, trommelte er immer schneller auf ihre Haut, benetzte ihr Haar und vermischte sich mit schlammigen Pfützen, aus denen etliche kleinere Tropfen wieder aufsprangen. Das Rauschen des Regens in den Bäumen war laut und durchdringend. Ansonsten herrschte Stille. Der Geruch von nasser Erde stieg Skadi in die Nase, unter ihrer Hand ertastete sie krümelige, nasse Erde. Das war kein Keller, das war ein Wald. Wie war sie …? In Gedanken ging Skadi ihre jüngsten Erinnerungen durch. Beim besten Willen kam da kein Wald vor, und auch kein Regen.

Verwirrt und mit dem Anflug von Panik im Bauch setzte sie sich auf. Am Rand des Platzes wuchsen hüfthohe Farne und Gräser, die sich unter der Last der Regentropfen bogen. Dahinter standen Bäume, deren Stämme so dick wie Häuser waren. Sie streckten sich so weit in die Höhe, dass Skadi den Kopf in den Nacken legen musste, um die Baumkronen zu sehen. Die waren bestimmt drei- oder viermal höher als die Bäume, die sie kannte. Als wäre sie geschrumpft.

An den Stämmen in weiterer Entfernung waren Fenster zu sehen – Fenster! –, und Türen. Treppen führten an den Aussenseiten hinauf.

Niemand war zu sehen. Bis auf das Rauschen des Regens drang kein Geräusch zu ihr durch.

Wo um alles in der Welt war sie?

Skadi blinzelte, um das Trugbild loszuwerden, doch es wurde nur noch klarer. Sie stand auf und schlang die Arme um den Oberkörper, um nicht unnötig auszukühlen. Nach zwei Schritten blieb sie stehen, unsicher, was sie tun sollte.

Mit einem tiefen Atemzug ging sie ihre letzten Erinnerungen durch. Sie war in Elins Labor getreten, hatte ein paar Kreise betrachtet, hatte einen kaputten Stein gefunden und dann … war es schwarz um sie herum geworden.

Der Stein! Skadi öffnete die Hand, die sie bisher geschlossen hatte, doch da war nichts mehr. War das hier ein merkwürdiger Traum, den ihr Hirn abspielte, um dem Erfolgsdruck ihres Vaters zu entgehen?

»Elin?« Ihre Stimme zitterte.

Niemand antwortete.

»Helen?« Sie drehte sich um die eigene Achse, die Finger krallten sich fest in ihre Oberarme. »Eik?« Skadi klang wie ein verletztes Tier, das sich Hilfe von seinen Rudelmitgliedern erhoffte, obwohl keines reagieren würde. Tiere waren stark oder starben. Deshalb hatte ihr Vater sie ausgebildet, wie ein Tier zu denken und zu handeln. Stark zu sein, um im Falle einer Katastrophe handlungsfähig zu bleiben. Allerdings gab es keine vernünftige Erklärung, wieso sie an einem ihr total fremden Ort mit Fenstern in Baumstämmen gelandet war.

Um der aufsteigenden Panik Herr zu werden, lachte Skadi auf. Ein Traum. Es musste ein Traum sein. Normalerweise war sie sich nicht bewusst, wenn sie träumte. Umso schöner war es, dass sie diesmal die Freiheiten des Träumens nutzen konnte.

Ob sie fliegen konnte? Wie beim Schwimmen streckte Skadi ihre Arme nach oben, sprang in die Luft und vollführte einen perfekten Armzug. Sie landete auf dem Boden. Die Bewegung hatte sie kein Gramm leichter gemacht. Manchmal musste sie auch von einem Baum oder Haus springen, um genug Schwung mitzunehmen. Sie blickte zu den etwas entfernten Bäumen, die offenbar als Häuser dienten, und schüttelte leicht den Kopf. Das Risiko war ihr dann doch zu gross. Also setzte sie sich in Bewegung und wählte wahllos eine Richtung.

Ein junger Mann schälte sich aus den Schatten und warf ihr einen Blick aus dunklen Augen zu. Seine schwarzen Haare hingen ihm wild ins Gesicht, schwer vom Wasser, das der Regen in einem fort vom Himmel fallen liess. Sein breiter Mund deutete ein Lächeln an, das seine Augen nicht erreichte. Er trug dunkle, nasse Kleidung, die ihm bei einem Fantasyfestival alle Ehre eingebracht hätte.

Grinsend tippte sich Skadi an die Schläfe. »Hey.«

Der Mann legte die Stirn in Falten und murmelte etwas, von dem sie kein einziges Wort verstand. Obwohl er wirkte, als würde er am liebsten einen weiten Bogen um sie herum machen, blieb er stehen.

»Na, sprachlos?« Sie widerstand dem Verlangen, auf ihn zuzugehen und ihn aus der Reserve zu locken. Es wäre spannend zu sehen, was ihr Gehirn im Traum aus dem Mann formte, wenn sie es zum Handeln zwang.

Wieder sagte er etwas, eine Aneinanderreihung von Silben und Vokalen, dazu dieses Unverständnis auf seinen Zügen. Er warf einen Blick über ihre Schulter hinter sie, schüttelte leicht den Kopf und sah in die Richtung, in die sie hatte gehen wollen.

Würde ihr Gehirn einen verwirrten jungen Mann in den Traum integrieren und ihn zwar vernünftig erscheinen lassen, aber mit einer fremden Sprache ausstatten? Vielleicht … Nein! Energisch schüttelte Skadi den Kopf. Auch wenn es keinen Sinn ergab, einen solchen Traum zu haben, ergab die Vorstellung, dass dies kein Traum war, noch viel weniger Sinn. Sie wäre in einer fremden Welt gelandet.

Skadi lachte auf. In einer fremden Welt! Wahrscheinlich waren ihr Elins Forschungen zu Kopf gestiegen, und als sie eingeschlafen war, hatte sich ihre Vorstellung direkt dorthin befördert, wo Elin immer hatte landen wollen. Dass dort eine Sprache gesprochen wurde, die sie nicht verstand, war nur logisch. Auch Häuser in Bäumen konnte sie sich ausgedacht haben. Das war alles kein Grund zum Durchdrehen.