Das Restaurant der kleinen Wunder - Silke Schütze - E-Book

Das Restaurant der kleinen Wunder E-Book

Silke Schütze

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Beschreibung

Ein Rezept für die Liebe: Der köstliche Feelgood-Roman »Das Restaurant der kleinen Wunder« von Silke Schütze jetzt als eBook bei dotbooks. Goldglänzende Tartes und duftende Aufläufe … Eigentlich wollten sie nur einen Kochkurs besuchen – doch bald wird der Abend für die kunterbunte Truppe im kuscheligen Lokal »Brokkoli« zu einer gehörigen Herausforderung: Während der Küchenchef Mimoun alle Hände voll zu tun hat, dass ihm die begeisterte Meute nicht die Küche in den Brand setzt, hat seine stets neugierige Mutter einen geheimen Plan: Sie hat erfahren, dass eine berühmte Foodbloggerin inkognito am Kurs teilnimmt. Wer mag das sein? Ist es vielleicht Christy, die ihren Hallodri-Lover endgültig von sich überzeugen will? Oder Julia, die ihrer perfektionistischen Mutter jede Sorge vor einem verunglückten Familienessen nehmen möchte? Oder muss Latifa am Ende ganz woanders gucken – etwa bei dem liebenswürdigen und etwas eigenwilligen Anwalt Hubertus? Ein zauberhafter Kurzroman mit den beliebtesten Figuren aus Silke Schützes Erfolgsromanen »Schwimmende Väter«, »Lass uns nach den Sternen greifen« – und vielen mehr! Jetzt als eBook kaufen und genießen: Die romantische Komödie »Das Restaurant der kleinen Wunder« von Silke Schütze ist ein Lesevergnügen für alle Fans von Julie Caplin und Anne Barns! Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.

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Seitenzahl: 116

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Über dieses Buch:

Goldglänzender Stollen und duftender Früchtepunsch … Eigentlich wollten sie nur einen weihnachtlichen Kochkurs besuchen – doch bald wird der Adventsabend für die kunterbunte Truppe im kuscheligen Lokal »Brokkoli« zu einer gehörigen Herausforderung: Während der Küchenchef Mimoun alle Hände voll zu tun hat, dass ihm die begeisterte Meute nicht die Küche in den Brand setzt, hat seine stets neugierige Mutter einen geheimen Plan: Sie hat erfahren, dass eine berühmte Foodbloggerin inkognito am Kurs teilnimmt. Wer mag das sein? Ist es vielleicht Christy, die ihren Hallodri-Lover endgültig von sich überzeugen will? Oder Julia, die ihrer perfektionistischen Mutter jede Sorge vor einem verunglückten Weihnachtsessen nehmen möchte? Oder muss Latifa am Ende ganz woanders gucken – etwa bei dem liebenswürdigen und etwas eigenwilligen Anwalt Hubertus?

Über die Autorin:

Silke Schütze lebt in Hamburg. Sie hat zahlreiche Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht. 2008 wurde sie vom RBB und dem Literaturhaus Berlin mit dem renommierten Walter-Serner-Preis ausgezeichnet.

Silke Schütze veröffentlichte bei dotbooks bereits die Romane »Links und rechts vom Glück«, »Lass uns nach den Sternen greifen«, »Die Erdbeerkönigin« und »Schwimmende Väter«, die Romanbiographie »Die Sängerin von Berlin« (auch bekannt unter dem Titel »Henny Walden – Memoiren einer vergessenen Soubrette«) , sowie – für alle Leser mit feinem Humor – die Familie-Hasemann-Abenteuer »Frau Hasemann feiert ein Fest«, »Herr Hasemann auf Wolke 7«, »Die Hasemanns auf großer Fahrt« und »Frau Hasemann findet das Glück«, die es auch in gesammelter Form gibt: »Eine Familie zum Verlieben«. Außerdem erschien bei dotbooks der Kurzroman »Das Restaurant der kleinen Wunder« mit Auftritten ihrer beliebtesten Figuren.

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eBook-Neuausgabe November 2023

Dieser Kurzroman erschien bereits 2022 unter dem Titel »Lorbeerblatt & Gänseglück« in der Anthologie »Ein Weihnachtswunder kommt selten allein«, herausgegeben von Frederik Bahr und Alina Hettmann, im dotbooks Verlag, München.

Copyright © der Originalausgabe 2022 dotbooks GmbH, München

Copyright © der Neuausgabe 2023 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: dotbooks GmbH unter Verwendung eines Bildmotivs von Adobe Stock/Daria

eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (fb)

ISBN 978-3-98690-855-3

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Silke Schütze

Das Restaurant der kleinen Wunder

Ein Weihnachtsroman

dotbooks.

Kapitel 1Rettet das Brokkoli!

Sorgsam schob Mimoun die Schneide seines Schälmessers unter die trockene Außenschale der Zwiebel und zog sie langsam ab. Er bewunderte das violette Glänzen der freigelegten Stelle und setzte das Messer erneut an. Die Morgenstunden allein in der Küche, in denen er sein Bistro und sich selbst für den täglichen Auftritt rüstete, liebte er besonders. Manchmal kam ihm das »Brokkoli« mit der offenen Küche tatsächlich vor wie eine Bühne. War er nicht selbst einem Schauspieler ähnlich, wenn er vor den Gästen wie vor einem Theaterpublikum kochte? Statt Texte zu rezitieren und Szenen zu spielen, hackte er Gurken, frittierte Tofu und briet Kartoffeln. Doch wie der Held eines Dramas arbeitete er auf einen Höhepunkt hin, zu dem er die Speisen appetitlich zum bestellten Gericht arrangierte und dann – »voilà!« – servierte. Mitunter erhielt er dafür sogar Szenenapplaus. Mimoun war vom Temperament zurückhaltend, aber er gestand sich ein, dass er diese Momente größerer Aufmerksamkeit durchaus genoss.

Jeden Tag, wenn er die Tür des Bistros aufschloss, durchfuhr ihn ein Glücksgefühl. Stets fiel dabei sein Blick auf die Gravur des kleinen Messingschilds am Türrahmen: »Inh. Mimoun Smissen«. Mit Bedacht hatte er für das Schild einen maritimen Look gewählt, als ob es von einem Schiff stammte; auf diese Weise ehrte er das Andenken an seinen viel zu früh verstorbenen Vater Ole. Dieser war Lotse im Hafen gewesen und hatte den kleinen Mimoun manchmal an Bord seines Schleppers mitgenommen. Da hatte er mit Schwimmweste und Sicherungsschnur in Wind und Wellen an Deck gestanden und seinen Vater bewundert, wenn dieser furchtlos auf die größten Schiffe zugefahren war, um sie in den Hafen zu leiten.

Mimoun legte die Zwiebel zu den bereits geschälten auf das Holzbrett, wischte Hände und Messer an dem Geschirrtuch ab, das er sich in den Hosenbund gesteckt hatte, und warf einen Blick auf die große Uhr im Gastraum. Zwanzig nach sieben. Das hieß, dass bald die ersten Gäste hereinströmen würden, um ihre Morgengetränke, Croissants und Sandwiches zu kaufen. Die Espressomaschine summte, wie Schulkinder aufgereiht standen die Behälter mit Soja-, Mandel- und Hafermilch hintereinander auf der Arbeitsplatte; die Gläser mit den grünen, gelben, violetten und roten Smoothies leuchteten in der Vitrine.

Der Timer klingelte, und Mimoun öffnete die Backofentür. Wie immer war er ein wenig erleichtert, als das Blech mit den appetitlich gerundeten Croissants vor ihm lag und der Teig perfekt aufgegangen war. Jetzt musste er die Croissants noch mit Ahornsirup bepinseln und eine weitere Viertelstunde im Ofen goldgelb backen.

Es hatte ein wenig Übung gekostet, bis ihm dieses Gebäck so gelungen war, wie er es sich vorgestellt hatte. »Croissants ohne Butter?«, hatte seine Mutter Latifah stirnrunzelnd gefragt und dabei kaum ihren Blick von dem Display ihres Laptops gehoben. Wie so häufig war sie mit ihrem Blog »@Latifahslebenstipps« beschäftigt. Darauf informierte sie einige Hundert Follower über vergessene, aber erstaunliche Haushaltstipps (»Silberputzen mit Backpulver!«), teilte ihre Lieblingsrezepte und gab in langen Chats Tipps für Batik-Techniken und andere Handarbeiten (»Maschenhaft Häkeltipps!«).

Auf ihre skeptische Nachfrage nach den rein pflanzlichen Croissants hatte Mimoun mit fester Stimme geantwortet: »Natürlich ohne Butter, schließlich ist das ›Brokkoli‹ ein veganes Restaurant.« Seine Mutter hatte mit den Schultern gezuckt und sich dann tatsächlich an ihre Abmachung gehalten: Diese besagte, das Konzept des »Brokkoli« nicht täglich infrage zu stellen.

Dass sich ihr Sohn, ein gelernter Koch, ausgerechnet für die vegane Küche entschieden hatte, war anfangs verwirrend für sie gewesen. Latifah stammte aus Marokko und war mit Hühner- und Kamelfleisch aufgewachsen. Mimoun hatte stundenlang mit ihr über seine Entscheidung diskutiert. »Aber Mama, wer hat mir denn die Gemüseküche beigebracht? Nimm dein Zaalouk beispielsweise.«

»Zaalouk ist von vornherein ein Gericht ohne Fleisch. Aber mein Couscous oder mein Pastilla – ohne Hähnchen? Auch maurische Spieße, Harira und Tajine ohne Fleisch!« Sie unterstrich ihre Worte mit dramatischen Gesten. »Wie soll das gehen?«

»Mama, dein Tajine schmeckt auch ohne Fleisch köstlich! Deswegen serviere ich es doch nach deinem Rezept im ›Brokkoli‹.«

»Aber, vegan, Mimoun, woher hast du das nur?«

Natürlich wusste Latifah genau, woher er damals diese Idee gehabt hatte, dachte Mimoun jetzt, während er versuchte, den verklebten Deckel der Flasche mit Ahornsirup zu öffnen. Der Grund für seine Veränderung war Nadine gewesen. Dieser gut gelaunte Wirbelwind, der fast zwei Jahre lang sein Leben auf den Kopf gestellt hatte. Nadine, das Meereskind von einer stürmischen Küste in der Bretagne. Eine Yogalehrerin und Surferin, die den gemütlichen, leicht pummeligen Mimoun in eine völlig neue Welt entführt hatte.

Kennengelernt hatten sie sich bei einem Yoga-Retreat in Dänemark. Nicht, dass Mimoun etwa Yoga praktizierte – er war als Koch für einen erkrankten Kollegen eingesprungen. Nadine hatte dort unterrichtet und ihn mit ihrer offenen, charmanten Art vom ersten Moment bezaubert. Er hatte sich Hals über Kopf in sie verliebt. In sie und ihre Weise, die Welt zu sehen und in ihr zu leben. Dazu gehörte auch die Entdeckung vieler neuer Lebensmittel, unbekannter Pflanzen und Gewürze. Das größte Wunder aber war für ihn gewesen, dass ausgerechnet diese wilde, schöne Frau seine Liebe erwidert hatte; er war schließlich still und gänzlich unsportlich. Aber Nadine hatte seine Zweifel eines Abends mit einer Umarmung und einem Kuss in Luft aufgelöst: »Ich liebe deine Augen und deine Neugier, wir haben Spaß miteinander. Lass uns zusammen weiterreisen.«

Danach war alles sehr schnell gegangen. Von heute auf morgen hatte er seinen Job in einem Golfhotel an der Elbe an den Nagel gehängt und war mit Nadine um die Welt gereist, von Yoga-Konferenz zu Surf-Camps, von Atem-Workshops zu Meditations-Seminaren. Bald schon hatte er angefangen, auf diesen Veranstaltungen vegan zu kochen.

Bei seinen unregelmäßigen Besuchen in Hamburg hatte er seine eigene Veränderung in den Augen seiner Mutter gesehen. »Mein Sohn, du bist völlig abgemagert!«, hatte sie liebevoll kritisiert, obwohl auch intensives Yoga seinen kleinen Bauch nie völlig verschwinden ließ. Ihr verwunderter Blick auf seine Armbänder und Halsketten, die Bermudashorts und Flip-Flops hatte jeden weiteren Kommentar unnötig gemacht. Seitdem Mimoun mit Nadine zusammen war, summte er häufig vor sich hin, wenn er für Latifah kochte, und seine Mutter raunte ihm beim Abschiednehmen zu: »Ich wünsche mir, dass du so voller Lachen, mit glücklichen Augen und mit glücklichen Melodien im Herzen bleibst. Dann soll mir alles recht sein.« Sie hatte ihn sanft an sich gezogen. »Papa hätte dasselbe gesagt. Der hat nämlich auch immer gesummt, wenn es ihm gut ging.«

Mit einem Ruck gab der Deckel seinen Schraubversuchen nach. Mimoun stieß erleichtert die angehaltene Luft aus. Er war sich nicht sicher, ob er das Summen seines Vaters tatsächlich erinnerte oder es deswegen manchmal zu hören glaubte, weil ihm Latifah davon erzählt hatte.

Leider hatte sich ihr Wunsch nicht erfüllt. Eines Tages kehrte er ohne Glück in den Augen und ohne Melodien in seinem Herzen zurück.

»Es ist vorbei.« Mehr sagte er nicht. Noch heute tat es ihm weh, überhaupt an Nadine zu denken. Er war dankbar, dass seine Mutter, sonst unnachgiebig wie ein Drillbohrer, nie versuchte, ihn über Nadine und das Ende ihrer Beziehung auszufragen. Was hätte er ihr auch erzählen sollen? Dass Nadine einen amerikanischen Atemtrainer aufregender als ihn gefunden hatte? Erstens hätte ihn das selbst zu sehr geschmerzt, und zweitens hätte Latifah ihm kein Wort geglaubt. Für sie war ihr Sohn der großartigste Mann der Welt, und jede Frau, die er liebte, konnte sich glücklich schätzen.

Erstaunlicherweise war es ihm gelungen, wieder seinen alten Job als Hotelkoch zu bekommen. Doch als er durch einen Zufall von der Aufgabe eines kleinen Lokals in dem beliebten Hamburger Stadtteil Eimsbüttel erfuhr, packte ihn unvermittelt ein starker Wunsch nach Freiheit und Selbstständigkeit. Er bemühte sich erfolgreich um den Mietvertrag – und wenige Monate später eröffnete er das »Brokkoli«.

Trotz ihres Unverständnisses für den Veganismus hatte Latifah ihn von Anfang an in seiner Entscheidung bestärkt, hatte mit ihm über Rezepten, Menüabfolgen und Businessplänen gebrütet und ihn auch finanziell unterstützt. Das »Brokkoli« lief von Anfang an recht gut: Im Viertel mochte man das kleine Restaurant mit den hellgrünen Wänden und den Pflanzenregalen. Aber dann kam die Pandemie, und die Lockdowns trafen das Bistro schwer. Auch nach den Lockerungen und der Aufhebung vieler Maßnahmen hatte es noch immer ums Überleben zu kämpfen.

Sorgsam bepinselte Mimoun das erste Croissant. Er war so vertieft in seine Tätigkeit, dass er heftig zusammenfuhr, als die Bistrotür aufgerissen wurde und die Stimme seiner Mutter wie ein Weckruf durch das Bistro scholl:

»Mein Sohn, ich habe eine großartige Idee!«

Mimoun musterte sie mit dem für ihn charakteristischen, vorsichtigen Blick, den er sich angewöhnt hatte, wenn seine Mutter wieder einmal mit mehr Energie als eine Herde galoppierender Wildpferde eine Idee verfolgte.

Sie zog ihre Augenbrauen bedeutungsvoll zusammen: »Jetzt guck doch nicht wieder wie ein verschrecktes Kaninchen! Ich habe nachgedacht. Wir müssen endlich die Dynamik des Internets nutzen!«

Mimoun leckte sich gedankenverloren etwas Sirup vom Zeigefinger. Vor einiger Zeit hatte Latifah, die sich als Rentnerin langweilte, angefangen, regelmäßig unter den Hashtags #brokkolihamburg und #hamburgvegan Tagesmenüs und kleine Filme zu posten. Tatsächlich kamen ihre Beiträge gut an, und das »Brokkoli« hatte so bereits wieder eine Handvoll Stammgäste zurückerobert. Aber das waren natürlich noch nicht genug. Er sah seine Mutter auffordernd an: »Dann erklär mir mal: Was bringt die Dynamik des Internets für unser Bistro?«

»Du gibst einen Kochkurs, hier im ›Brokkoli‹, für … ein veganes Weihnachtsmenü! Am Sonntag des vorletzten Adventswochenendes. Das spült erst einmal Geld in die Kassen, ich hab mich erkundigt, was so was einbringt. Über dieses Wochenende machen wir einen Film. Wir informieren die Lokalpresse und ein paar wichtige Food-Leute mit bekannten Blogs. Ich hab sogar schon einen Titel: ›Lorbeerblatt & Gänseglück – Das vegane Weihnachtsmenü‹.«

Sie musste tief Luft holen. Als Mimoun nicht reagierte, erklärte sie: »Lorbeerblatt ist so ein klangvolles Wort.« Sie ließ es genüsslich über ihre Zunge rollen. »Sicher kannst du es im Menü irgendwo unterbringen. Und Gänseglück, weil es keinen Gänsebraten gibt. Du kochst ja vegan. Das macht Gänse doch bestimmt glücklich, oder? Und passt auch zum Fest der Liebe. Weih-nach-ten …« Ihre Stimme nahm einen träumerischen Klang an. »Meine Lieblingsjahreszeit! Meine Liste mit den schönsten Weihnachtsliedern habe ich aktuell neu zusammengestellt und hochgeladen.« Sie sang leise »I’m dreaming of a white christmas«.

Mimoun schüttelte nachsichtig den Kopf. Latifah war weihnachtsverrückt, und jedes Jahr zelebrierte sie dieses Fest mit höchster Inbrunst. Natürlich ging sie niemals in die Kirche: Der christliche Ursprung des Festes war ihr zwar bekannt, wurde aber nachhaltig von ihr ignoriert. Für Latifah war Weihnachten ein Fest für Freunde und Familie, mit geschmückten Wohnungen, Kerzenduft, traditionellen Liedern und Texten, Geschenken für alle und vor allem mit einem großen Weihnachtsbaum, der vom ersten Dezember bis Silvester in ihrer Wohnung stand.

»May your days be merry and bright, and may all your christmases be white.«