Das Schicksal der Hexe Helena - Matthias Kessler - E-Book
Beschreibung

Der Roman erzählt die Geschichte des ersten großen Hexenprozesses. 1485. Es ist ein Tribunal von ungeahnter Größe. Schauplatz ist Innsbruck. Die Metropole in Tirol zählt zu den reichsten der damaligen Welt. Es gab schon vorher Hexenprozesse, doch dieser nimmt in der Weltgeschichte eine einzigartige Stellung ein, weil er völlig anders verläuft als alle davor oder danach. Inquisitor Henricus Institoris (Heinrich Kramer), ein Dominikanermönch, hat von Papst Innozenz VIII. die sogenannte "Hexenbulle" erhalten - eine Vollmacht, die dem Inquisitor eine ungeahnte Machtfülle zuspricht. Allein die schöne Helena Scheuberin wagt es, gegen den Inquisitor aufzubegehren und warnt: Cave Domini Canes - Hüte dich vor den Hunden des Herrn (so wurden damals die Dominikaner genannt). Dafür muss sie bitter bezahlen. Der Inquisitor lässt sie demütigen und foltern.

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Seitenzahl:342

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Impressum

ISBN eBook 978-3-86214-511-9

ISBN Print 978-3-86214-012-1

© 2010 by ALLPART MEDIA GmbH,

Neue Grünstraße 18, 10179 Berlin

Die Verwertung der Texte,

auch auszugsweise, ist ohne Zustimmung des

Verlags urheberrechtswidrig und strafbar.

Dies gilt auch für Vervielfältigungen,

Übersetzungen, Mikroverfilmung und für die Verarbeitung mit elektronischen Systemen.

Lektorat:

Lektoratsbüro Palma Müller-Scherf, Berlin

MATTHIAS KESSLER

Ein Mystery-Krimi Basierend auf

wahren Begebenheiten

Das Schicksal der

Hexe Helena

oder

„Der Teufel soll dich holen“

Der Innsbrucker Prozess von 1485 als

Auslöser zur großen Inquisition

Statt einer Apologia, einer Verteidigungsrede

Dieser Kriminal-Roman ist ein atemloser Sprung in die Vergangenheit: ein Zeitreise-Essay aus Zitaten, Protokollauszügen, Anekdoten, Mythen und Bibelgleichnissen. Er beruht auf den authentischen Protokollen des Innsbrucker Hexenprozesses von 1485, der zum Auslöser der großen Inquisition wurde.

Zur Handlung

Das ausgehende 15. Jahrhundert gilt als Phase der Extreme. Es ändern sich die klimatischen Bedingungen: Die sogenannte kleine Eiszeit beherrscht die Szene. Dem Menschen gelingen dennoch große Schritte. Der Buchdruck öffnet Horizonte.

Bald schon wird Christoph Kolumbus die Neue Welt entdecken…

Und die Alte Welt? Sie krümmt sich unter den Krallen der Inquisition.

Dieses Buch erzählt die Geschichte des ersten großen Hexenprozesses in Oberdeutschland; dazu zählen die heutigen Regionen: Elsaß, Baden, Bayern, Württemberg, Österreich, Südtirol und die deutschsprachige Schweiz. Im Sommer und Herbst 1485 findet in Innsbruck ein Schauprozess von ungeahnter Größe statt. Der Ort ist bewußt gewählt, denn die Metropole in Tirol zählt zu den reichsten und bedeutendsten Städten der damaligen Welt.

Es ist der Dominikaner Heinrich Institoris (Kramer), der die Inquisition in Tirol iniziiert. Er hat von Papst Innozenz VIII. den Titel des Inquisitors für Oberdeutschland erhalten – und die sogenannte Hexenbulle ‚Summis desiderantes affectibus‘. Dieses Rechtsinstrument des Stellvertreters Gottes auf Erden berechtigt, einen gnadenlosen Kampf gegen die Hexen und Ketzer zu führen. Und es berechtigt den Inquisitor auch, das Vermögen der Verurteilten einzuziehen. Heinrich Kramer droht bei seinen Hexenpredigten mit dem angeblich bevorstehenden Weltuntergang: „Der gefallene Engel Lucifer bläst zum Endkampf gegen Gottes Werk, deshalb hat er auch eine ungewohnte ketzerische Verworfenheit im Acker des Herrn emporwachsen lassen: die Ketzerei der Hexen.“

Nach dem Hexenprozess in Innsbruck veröffentlicht Inquisitor Heinrich Kramer seinen ‚Malleus Maleficarum‘. ‚Der Hexenhammer‘ ist eines der verhängnisvollsten Bücher aller Zeiten und verantwortlich für die über 300 Jahre währende Hexenverfolgung in Europa und der Welt.

Dieses Buch erzählt die Geschichte der selbstbewussten und schönen Helena Scheuberin, die es als einzige wagt, dem Inquisitor die Stirn zu bieten, wofür er sie bitter büßen läßt.

Die schöne Helena kämpft nicht allein. Johann Merwais von Wendingen hilft ihr und den weiteren Opfern der Inquisition. Sein geheimes Traktat wird erst nach über fünfhundert Jahren entschlüsselt. Der Verteidiger der angeklagten Hexen ist ein erbitterter Gegner des Inquisitors. Seine Aufzeichnungen belegen, dass die Inquisition vor nichts zurückschreckte. Ihm zur Seite steht der hühnenhafte Amadeus von Hall, Hauptmann der Leibgarde des Erzherzogs.

Dieser Kriminal-Roman erzählt die Geschichte von Regino von Köln. Der junge Dominikaner-Mönch kommt aus dem Kölner Konvent St. Andreas, Provinz Teutonia. Er weilt im Sommer und Herbst 1901 in Innsbruck und findet, versteckt im Archiv der Bibliothek des Hochstifts Wilten, die verschollen geglaubten Protokolle des Innsbrucker Inquisitionsprozesses von 1485.

Er beginnt, sie aus dem Lateinischen ins Deutsche zu übersetzen. Die mittelalterlichen Mitschriften sind eingelegt in ein Urmanuskript des ‚Malleus Maleficarum‘, dem ‚Hexenhammer‘. Das dämonische Buch und die Übersetzungsarbeit an den Protokollen haben eine verhängnisvolle Wirkung auf den jungen Mann.

Es ist ein sensationeller Fund, den der Münchner Journalist Julian in Innsbruck macht. Ihm werden die Chroniken des Mönchs Regino von Köln zugespielt. Er spürt dem Schicksal Reginos nach und findet den Code, um ein mysteriöses Schriftzeichenbuch zu entschlüsseln, das den Chroniken beiliegt.

Prolog

Aus der Überlieferung der Nachfahren der sieben Frauen, die von der Inquisition 1485 als Hexen angeklagt wurden:

„Ich erzähle dir vom Schicksal der Helena, die von Gott aufs äußerste geprüft wurde und die er in seiner Vorsehung in einen Kampf gegen einen übermächtigen Feind führte, den lebendig zu überstehen oder gar zu gewinnen kein menschliches Wesen für möglich gehalten hatte; und dennoch oder gerade darum hat Gott ihr seine Gunst niemals versagt.“

„Der Inquisitor befahl seinen Gehilfen: ‚Zündet sie an, brennen soll die Hexe als Vorgeschmack auf ihren Tod. Doch nur kurz, denn wir wollen sie lebend verurteilen.‘ Die Todsünden taten, wie ihnen befohlen, und weil es dunkel war in dem Gewölbe, konnten wir Helenas Augen sehen und in ihnen sahen wir ein kleines Mädchen vor einer Feuersbrunst; und wütend schleuderte Helena dem Inquisitor diese Worte entgegen: ‚Ich bin schuldig, wenn ich brenne, ich bin schuldig, wenn ich nicht brenne. Der Teufel selbst wird dir dein Haupt anzünden, wenn du in die Hölle fährst.‘ Und ihre Wut war förmlich überwältigend, ihre Wut, dass alles so ungerecht war, und dass es nie zu enden schien. Die Fackeln der Todsünden loderten schon an ihr und beißender Rauch erfüllte den Keller, und die Augen tränten, als Helena schrie; ein Schrei, der so gellend war, dass wir uns die Ohren zuhalten mussten, und der Schrei schien nicht aufhören zu wollen. Helena zitterte, als die Flammen an ihr empor züngelten. ‚Lügner‘, rief sie. Und der Inquisitor ging auf sie zu und sagte: ‚Ich will in deine Augen sehen.‘ Unsichtbare Wellen rasten durch das Gewölbe, warfen uns um, und als wir wieder aufgestanden waren, wirkte alles wie ein Inferno, gemalt von Hieronymus Bosch. Waren es die Schallwellen ihres Schreies, war es die Hand Gottes oder Teufels Werk? Was wir sahen war Folgendes: Helena stand da, wie eine Heilige, und umarmte den Inquisitor, der in Flammen stand. Seine Gehilfen waren an die Wand geschmettert, teils standen ihre Habits in Flammen, teils ihre Häupter, der Notar hatte sich hinter dem umgestürzten Tisch verschanzt und eilte jetzt dem Inquisitor zu Hilfe. Uns und Helena war nichts passiert. Dann erlosch das Feuer, einfach so, wie eine ausgeblasene Kerze.“

Aus dem Albtraum des Mönchs Regino von Köln über das Ende des Hexenbullen-Papstes Innozenz VIII.

Rattus rattus ist eine Mutter. Sie kennt keine Moral. Ihr Instinkt bestimmt ihr Handeln. Sie tötet und nährt. Ihre Zitzen schwellen, je näher sie dem Nest kommt. Im Vorbau zum Nest stillt sie ihren Hunger. Dann speichelt sie das Fleisch ein. Ihre Brut soll entwöhnt werden von ihrerMilch. Es ist an der Zeit. Die Jungen jaulen. Spüren dieMutter. Sie huscht ins Nest. Flehend drängen die Jungen an ihre Zitzen. Sie beißt sie weg. Das Stärkste nagt zuerst an der Beute, die anderen folgen. Die Brut labt sich schmatzend am Hühnerfleisch.

Rattus rattus wittert Blut. Gierig hetzt sie los. Sie weiß, der Gang führt zu ihm. Er endet an einer schmalen Ritze im Stuck zwischen Decke und Wand. Unter ihr sein Schlafgemach.

Sie kennt ihn. Er hurt hier, seit sie lebt. Im Palast des 666, des Antichristen Nero Caesar.

Dicke Tropfen jungen Blutes klatschen aufs Parkett. Wie verlockend. Sie wartet. Ihre Zunge leckt die speichelnden Lefzen trocken.

Die Knaben liegen auf Pritschen. Entblößt. Nur die Scham ist bedeckt. Sie kennt die Prozedur. Aderlass. An den Armen und Oberschenkeln ritzen die Wundheiler die Knabenadern auf. Mal tropft das Blut nur, mal schießt es hervor. Viele Hände halten Schalen. Sie bringen die gefüllten zu einer ausladenden Tafel. Dort werden sie umgefüllt in Kelche.

Seine Lagerstatt gleicht einem Altar. Goldener Baldachin, roter Brokat an der Stirn, grüner Samt umkränzt die Säulen. Gebettet auf blutdurchtränktem Leinen geifert der alte Mann Verwünschungen.

„Verflucht sei seine Seele. Verführer. Dämon meiner Leiden.“

Dann klagt er. Schreit vor Schmerzen.

Auch er wird zur Ader gelassen. Sein Blut tropft träge aus seinen Beinen und seinem Bauch. Sie wittert den grimmigen Geschmack der Fäulnis.

Sein Blut wird sie verschmähen.

Ihm werden Kelch um Kelch gereicht. Er trinkt. Verlangend.

Er trinkt das frische Blut der Knaben.

Die Heiler raten ihm zu. Drängen ihn. Versprechen Linderung aller Leiden.

„Heiliger Vater, nimm sie ihn dir auf, die Kraft der Jugend. Sie wird dich kräftigen und heilen.“

Der Kirchenfürst trinkt und trinkt. Dann flüstert der alte Mann das Engelsgebet:

„Ave Maria, gratia plena,

Dominus tecum.

Benedicta tu in mulieribus,

et benedictus fructus ventris tui, Iesus.

Sancta Maria, Mater Dei,

ora pro nobis peccatoribus

nunc et in hora mortis nostrae.”

„Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,

der Herr ist mit dir.

Du bist gebenedeit unter den Frauen,

und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.

Heilige Maria, Mutter Gottes,

bitte für uns Sünder

jetzt und in der Stunde unseres Todes.“

Die Knaben jammern. Ihre zarten Gesichter sind aschfahl. Ihre Glieder zittern. Rattus rattus wittert ihren Tod. Die Knaben werden nach draußen getragen. Alles geschieht in der hektischen Eile der Heimlichkeit.

Die Wundheiler und Gehilfen eilen zum Kirchenfürsten. Sie verbinden seine Wunden. Er verlangt nach Wein. Er trinkt den blutigen Geschmack aus der Kehle. Seine gelben Augen sind blutunterlaufen. Seine Lippen bleich. Schweiß sammelt sich in den faltigen Hauttälern seines Anlitzes. Sie setzen ihn auf. Mühevoll. Verhüllen den aufgedunsenen Leib. Ihr Handwerk ist getan.

Rattus rattus kriecht aus dem Schlupfloch. Der Vorhang ist ihrWeg nach unten. Sie schmiegt sich in die weichen Falten. Ihr Verlangen ist groß. Übermächtig. Sein drängendes Klingeln hallt durch den Palast.

„Bringt mir den Hexenhammer des deutschen Inquisitors. Ich will auf ihn spucken.“

Und es ist seltsam, aber doch wahr; während ich träume, denke ich über den Traum nach und weiß: Gott wird dich richten, du jämmerlicher Papst, für deine Komplizenschaft mit dem Bösen.

Aus: Julians Tagebuch

Laut dem ‚Diarium urbis Romae‘ des antipäpstlichen soll der Hexenbullen-Papst Innozenz VIII. kurz vor seinem Tod von seinem jüdischen Leibarzt das Blut von drei zehnjährigen Knaben erhalten haben, um deren Jugend zu erlangen. Die Kinder seien darauf gestorben, heißt es weiter.

Aus den geheimen Aufzeichnungen des Dr. med. Lic. Jur. Johann Merwais von Wendingen, Arzt und Jurist

„Es sind die Lebenden, Euer Gnaden, die den Toten die Augen schließen,“ und ich tat das, strich mit meiner Handfläche über Peter Reuths Gesicht, schloss behutsam seine Lider, „und es sind die Toten, die den Lebenden die Augen öffnen. Dieser Mann wurde das Opfer eines grausamen Verbrechens. Seine Handgelenke weisen blutunterlaufene Striemen auf, also wurde er gefesselt. Warum schrie er nicht aus Leibeskräften, als ihm sein Gemächt amputiert wurde? Weil er geknebelt war. Seht her!“ Und ich öffnete, die Totenstarre hatte schon begonnen, gewaltsam den Mund des Leichnams und entfernte ein speichelgetränktes, kugelförmiges Stück Stoff.

Man nennt ihn auch Dämon

1.

Aus: Julians Tagebuch

Wohin einen das Leben führt, das kann man nicht wissen, weil man ja zum ersten Mal lebt.

Alles fängt damit an, dass es nachts um drei an meiner Tür klingelt. Ich wohne in einem mehr oder weniger angesagten Viertel in München, in dem sich viele Nachtschwärmer herumtreiben. Es klingelt zweimal. Sehr kurz. Etwas Unheimliches liegt in der Luft. Ich hasse dieses Gefühl gespentischer Einsamkeit, das Besitz von mir ergreift und mich nicht mehr schlafen läßt.

Plötzlich habe ich wahnsinnige Angst. Etwas läuft schief. Habe ich mein Leben verschwendet? Woher kommt dieses Gefühl? Mir geht es doch ganz gut. Und die Krise hat schließlich jeden im Griff. Die Krise, die aus einer Todsünde entspringt, die Gier heißt, und die man ganz modern entfesselte Märkte nennt. Ich habe in den vergangenen Wochen Reportagen über Menschen gemacht, die in diesen Zeiten einen Plan B haben. Ein Plan B... Was heißt das? Verzweifelte Menschen tun aussichtslose Dinge, um ihrem Schicksal zu entrinnen: Gründen einen Second-Hand-Shop für Übergewichtige. Ein mexikanisches Lokal, wie einfallsreich. Oder ein mobiles Cafe, das ist ein Lastenfahrrad mit einer Espressomaschine, mit dem man durch die Straßen gurkt. Vielleicht haben all diese Menschen mehr Mut als ich. Ich schreibe über Menschen, und ich liebe meine Arbeit. Aber so richtig sinnvoll erscheint mir das alles nicht.

Ich kann nicht weiterschlafen. Ich schieße förmlich hoch. Diese Scheißangst. Dieser Scheißexistenzkampf.

Im Bad erfrische ich mein verschlafenes Gesicht mit kaltem Wasser, dann betrachte ich mich im Spiegel. Ich sehe mich, aber was sehe ich dahinter? Ich zähle mich zur Generation Matrix. Halte mich für intelligent und cool. Fühle mich aber ausgeliefert und ohnmächtig. Als Journalist, das ist mein Beruf, sollte ich wissen, um was es geht. Ist aber nicht so. Deshalb jage ich als rasender Reporter, als Chronist meiner Zeit, rund um den Globus, immer auf der Suche nach einer Wahrheit, die mich befriedigt, oder zumindest berührt. Doch ich finde nur Halbwahrheiten. Und Lügen. Und Betrug.

Ich will mich ablenken, gehe ins Arbeitszimmer: Mit meinem Laptop hänge ich an der Welt. Online. Immer. Tag und nacht läuft das Ding, denn ich befürchte, sonst irgendwie nicht mehr existent zu sein.

Ich checke meine Mails. Halbvier. Zweite Zigarette. Sie haben eine neue Nachricht. Klick. Klick:

‚Betreff: Der Sinn des Lebens ist die Suche nach Wahrheit‘

Ehrwürdiger Julian von München!

Man nennt ihn auch Dämon, das heißt blutrünstig oder blutbefleckt, von den Sünden nämlich, nach denen er dürstet.

Man nennt ihn auch Reverendissima paternitas vestra: Er schreibt seinen verfluchten Hammer, das unheilvolle Buch der Bücher, das dem Bösen die Pforte in diese Welt aufschließt.

Man nennt ihn auch Inquisitor heretice pravitatis, der sein Gift auf orbis terrarum speit.

Willst Du wissen, was geschieht, wenn er Innsbruck berührt?

Übermorgen, beim Klang der Mittagsglocke, am Kenothaph des Kaisers, wirst Du fündig. Die Augenzeugen wissen um die Wahrheit.

Anonymus.‘

Die Mail ist schnell erfasst. Ich bin neugierig, ahne zumindest eine Geschichte, wittere aber auch schon die Sensation. Das hier rührt an etwas Besonderem. Woher soll ich wissen, ob diese Mail nicht von irgendeinem Spinner stammt oder ein makaberer Irrläufer im World Wide Web ist? Egal. Sie hat mich erreicht. Ich werde sogar persönlich angesprochen. Der Verfasser kennt meinen Namen. Ich habe gerade keinen Auftrag, keine Verpflichtungen. Ich bin frei, zu tun und zu lassen, was ich will. Und alles, was mit Vergangenheit, mit unserer Geschichte zu tun hat, hat mich schon immer interessiert.

Ob ich wirklich nach Innsbruck fahre, mache ich von meinen Recherchen abhängig. Ich will erst etwas über den möglichen Urheber und den Inhalt der Mail herausfinden. „... man nennt ihn auch Reverendissima paternitas vestra, man nennt ihn auch Inquisitor heretice pravitatis“, damit fange ich an.

Es ist still, nein, totenstill.

Ich verdränge aufkeimende Bedenken, dass das hier absurd sein und mich in irgendwelche Schwierigkeiten bringen könnte. Meine Hände huschen über die Tastatur, ich rase durchs Internet, das nie schläft.

Euer ehrwürdigster Vater. Inquisitor der ketzerischen Verworfenheit. So lauten die deutschen Übersetzungen. Und es gibt nur einen Inquisitor, das finde ich schnell heraus, der einen sogenannten Hammer geschrieben hat: Es ist der Dominikaner Heinrich Kramer, Verfasser des ‚Malleus Maleficarum‘, zu deutsch ‚Der Hexenhammer“. Dieses Werk gilt als eines der unheilvollsten Bücher der Weltgeschichte. Es ist eine Art ‚Gesetzbuch‘ für weltliche und kirchliche Strafrichter.

Und was erfahre ich noch bei Wikipedia?

„Heinrich Kramer, latinisiert Heinrich Institoris, OP, lat. Ordo fratrum Praedicatorum; Predigerorden. Gegründet im 13. Jahrhundert vom heiligen Dominikus.

Kramer wird um 1430 in Schlettstadt im Elsass geboren. Er stirbt vermutlich um 1505 in Brünn oder Olmütz. Der Dominikaner ist Autor des Hexenhammers und als Inquisitor einer der einflussreichsten Wegbereiter der Hexenverfolgung. Heinrich Kramer stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Er tritt um 1445 in seinem Geburtsort in den Orden der Dominikaner ein. Kramer besucht die städtische Lateinschule und absolviert das Grundstudium der Philosophie. 1482 wird er zum Prior des Dominikanerkonvents in Schlettstadt gewählt. Am 5. Dezember 1484 erhält Heinrich Kramer von Papst Innozenz VIII. die sogenannte Hexenbulle. Den Text dazu soll der Dominikaner selbst verfasst haben. Mit der Hexenbulle bestätigt der Papst Kramer auch als Inquisitor für ganz Oberdeutschland.“

Heinrich Kramer, um ihn geht es also. Der gefürchtete Inquisitor.

Folgendes finde ich noch heraus, und darauf bezieht sich die E-Mail: Im Sommer und Herbst 1485 überzieht er Innsbruck mit der Inquisition, um danach den Hexenhammer zu schreiben. Das Werk wird zum Bestseller, dank der Erfindung des Buchdrucks.

In der kryptischen Mail wird der Kenotaph eines Kaisers erwähnt, an dem ich fündig werde... Damit ist das Grabmal von Maximilian dem I. in der Hofkirche gemeint. Warum dort? Vielleicht, weil sich der Inquisitor unter den Schutz des Kaiser stellte, der die Hexenjagd förderte und die Inquisition schützte? Mir scheint eher wahrscheinlich: Weil eine Grabstätte immer ein mystischer Ort ist.

2.

Nun bin ich doch auf dem Weg nach Innsbruck, sitze im Zug. Morgen ist dieser mysteriöse Termin. Manner-Schnitten und Kufsteinlied, mein Bild von Tirol und Innsbruck ist einfach. Seit dem Erhalt der E-Mail habe ich nicht mehr geschlafen. Trotzdem bin ich nicht müde. Meine Gedanken, Beobachtungen, Schlußfolgerungen, kurz alles, was mich bewegt, werde ich nun in diesem Tagebuch festhalten. Ich habe noch keine Idee, was ich aus der Geschichte machen werde. Einen Artikel? Eine Serie? Wenn das Material gut genug ist – vielleicht ein Buch.

Ich habe Gepäck für eine Woche. Das ist schon viel. Länger will ich in Innsbruck nicht sein. Sonst komme ich finanziell in Schwierigkeiten. Die letzte Zeit war mager. Nahezu alle Reserven sind aufgebraucht. Das Sparkonto nähert sich gegen Null.

Die Landschaft fliegt vorbei, ich mache mir meine Gedanken: Die Dominikaner. Eine selbsternannte Glaubenselite. Eingesetzt im Kampf gegen die Ketzer. Der Stoßtrupp der Kirche gegen die Ungläubigen. Es ist ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der mir gerade diese Einflüsterungen beschert: Der Einzelhandel schrumpft, die Autoindustrie versinkt in Depression. Der Wohnungsmarkt hat keinen Puls mehr. Transition specialists wickeln für Firmen überflüssiges Personal ab. Man sei geradezu ergriffen von einer ungewöhnlichen Düsternis wegen der Kluft zwischen der Unternehmenskultur, „die diktatorisch über Arbeitsplätze verfügt, und dem Rest von uns“, wird ein Kritiker zitiert. Und die Leitfiguren der Finanzwelt? Sie seien mit einem durchsetzungsstarken Dünkel ausgestattet und entwickelten phantastische Geschäftsideen, mit denen sie „selbst den Heiligen Geist zu übertrumpfen glauben“, heißt es schließlich.

Irgendwie haben Allmachtsphantasien immer auch mit Blasphemie zu tun. Mit exzessiver Gier.

Ankunft Innsbruck Hauptbahnhof. Sonnenuntergang wie aus einem Werbeprospekt. Gigantische Alpenkulisse. Und dann dieser Bahnhof, diese Verkehrskathedrale aus rotem Marmor. Alles wirkt so aufgeräumt, so sauber. Zwischen dem Münchner Ostbahnhof und Innsbruck liegen nur zwei Stunden Fahrt. Zwischen den beiden Gebäuden aber liegt eine Welt. Die Krise hat diese Stadt ausgelassen oder vielleicht hat Gott sie geküßt. Wer weiß?

Ich steige in ein Taxi und beschließe, dem Zufall die Wahl des Hotels zu überlassen. „Schönen guten Tag. Bitte in ein typisches Innsbrucker Hotel.“

Der Chauffeur rast durch die Tiefgarage hinaus ins Licht. Die Stadt ist nicht besonders groß, aber charmant. 15 Euro später, für zwei Minuten Fahrt, halten wir vor dem ‚Adler‘. Ein eindrucksvolles Tiroler Patrizierhaus. Im Erdgeschoss eine Tiroler Stube, zur Lounge aufgehübscht. Die Rezeption befindet sich im ersten Stock. Gasthof seit dem 17. Jahrhundert, zuvor ein Wirtshaus, der Gewölbekeller stammt aus dem 15. Jahrhundert. Ich bin in der richtigen Zeit gelandet.

Hotelchefin ist Sophia Brabant. Ein waschechte Tirolerin, dem Dialekt nach. Eine fragile Schönheit, Audrey Hepburn, dem Aussehen nach. Bin auf einmal hundemüde. Für eine Woche? Ja. Was Schönes? Natürlich.

Nummer 400. Großes Zimmer. Blick nach hinten, auf den Garten eines Franziskanerklosters. Schmiedeeiserner Balkon. Unter mir im Hof: Bauch des Hotels, die Küche.

Traumloser Schlaf. Drei Uhr morgens. Wenn das so weiter geht, bin ich in einer Woche tot.

Heute um zwölf werde ich wie bestellt in der Kirche sein. Ich bereite mich vor, lese. Dabei habe ich meine kleine Hexen-Bibliothek: darunter ‚Der Hexenhammer‘, Neuübersetzung von Wolfgang Behringer, Günter Jerouschek und Werner Tschacher, ein analytisch brillantes Buch. Den ‚alten‘ Hexenhammer von J. W. R. Schmidt von 1937. Und einen Faksimiledruck des originalen ‚Malleus Maleficarum‘. Fotos und Zeichnungen von Folter und Inquisition. Zeitungsartikel und ausgedruckte Internetrecherchen.

Langsam werde ich wach. Zimmer 400 ist mit allem ausgestattet. Ich schließe mein Notebook an und bin wieder im Netz. Keine neuen Mails. Ich pinne vorsichtig prägnante Stiche an die Wand: Inquisition. Hexenverbrennungen. Folterinstrumente. Steinerne Hunde.

Ich mache 400 zu meiner Art Hauptquartier.

Wer war „die“ Inquisition? Eine elitäre Clique? Klerikale Massenmörder? Gottgefällige Prediger? Blutgierige Söldner des Vatikans? Bußfertige Prediger? Wer oder was waren die Dominikaner eigentlich?

An zahlreichen Kirchenfassaden findet man sie, die Dominikaner, in Gestalt eines bösen Hundes. Domini Canes, nannte sie der Volksmund, die Hunde des Herrn, weil ihre Inquisitoren mit unerbittlicher Konsequenz vorgegangen sind. Franz Severin Berger beschreibt in der ‚Wiener Zeitung‘ unter anderem:

War die Inquisition – das Wort bedeutet an sich nicht mehr als Erforschung – vom Ursprung her eine administrative Waffe gegen die antikirchliche Ketzerei, deren Methode das einfache Verhörgespräch war, so wurde sie mit der von späteren Päpsten legitimierten Anwendung von Folter zur grauenvollsten und pervertiertesten Einrichtung. Kein Wunder, dass die in der Bibel und im Glauben am besten ausgebildeten Predigerbrüder auch am besten als Untersuchungsrichter eingesetzt werden konnten. Inquisitoren waren auch Franziskaner. Doch die blutigsten, grausamsten und mörderischsten Hexenjäger und Ketzervernichter der Geschichte waren Dominikaner. Tomas de Torquemada (1420 bis 1498), der Großinquisitor Spaniens, der über 16.000 Menschen verbrennen ließ und mehr als 160.000 Juden aus Spanien gewaltsam vertrieb, die Dominikaner Jakob Sprenger und Heinrich Institoris, die 1489 den „Hexenhammer” veröffentlicht haben und damit in Europa mindestens zwei Millionen unschuldige Menschen, hauptsächlich Frauen, auf schrecklichste Art zu Tode brachten. Sie stehen nur als einzelne hervorstechende Schreckensnamen für tausende andere unerbittlich handelnde „Hunde des Herrn”. Dieser Name – aus domini canes abgeleitet, einer bewussten Fehlinterpretation über den Namen des Ordensgründers – war ursprünglich spöttisch gemeint und sollte die Treue und die Wachsamkeit der “Hunde um Gottes Thron” beschreiben. Doch später wurde dieser Begriff zu einem Schreckensruf, denn die Hunde hatten entsetzliche Zähne und schier unersättlichen Blutdurst. “Tötet sie alle!”, soll der Inquisitor Bernardo Gui gesagt haben, als er gefragt wurde, wie man bei der Erstürmung einer Stadt die Rechtgläubigen von den Ketzern unterscheiden könne. “Tötet sie alle! Der Herr wird die seinen schon erkennen.”

Ich recherchiere den Namen Sprenger. Jakob Sprenger wird immer wieder als Co- Autor des ‚Hexenhammers‘ genannt. Die neuere Forschung geht davon aus, dass ausschließlich Heinrich Kramer als Verfasser des Malleus Maleficarum in Frage kommt. Jokob Sprenger, Zeitgenosse von Heinrich Kramer, war Prior des Kölner Dominikanerkonvents und Dekan der einflussreichen theologischen Fakultät.

Zwar wurde auch ihm das Amt des Inquisitors übertragen, von dem er aber, nach heutigem Kenntnisstand, keinen Gebrauch machte. Kramer hingegen benutzte den guten Namen des Kölner Priors, um seinem Machwerk mehr Gewicht zu geben.

Was muss ich noch wissen? Es sind noch sieben Stunden bis zu dem „Termin“ in der Kirche.

Ich lese, dass in Mitteleuropa gegen Ende des 15. Jahrhunderts die sogenannte Kleine Eiszeit herrschte. In der Neuübersetzung des Hexenhammers steht unter anderem: ‚Er traf den Nerv der Zeit, weil gerade Ende der 1470er Jahre eine tatsächliche Häufung von Ernteschäden, Krankheiten und möglicherweise eine Verminderung der Fruchtbarkeit bei Mensch und Tier vorlag. In diesen Jahren setzte nämlich eine neue Welle der Klimaverschlechterung ein, welche in den vergangenen Jahrzehnten im Zusammenhang mit der sogenannten Kleinen Eiszeit in die Literatur eingegangen ist. Viele der klimatischen Erscheinungen, aber auch die Folgen für die Landwirtschaft wurden von den Menschen als „unnatürlich“ betrachtet. Auch wüteten damals in Deutschland Epidemien, darunter die Schwarze Pest. Das Hexereiparadigma eröffnete nicht nur eine Erklärung für Krankheiten und Ernteschäden, sondern auch die Möglichkeit zu konkreten Gegenmaßnahmen.‘

Und in einem uralten Buch über die Hexenverfolgung steht geschrieben: „Da das Reich der Finsternis und Bosheit auf das Höchste gestiegen war“ „… erschien der Inquisitor auf der Weltbühne, und seine Expektorationen waren Bosheit, Unbarmherzigkeit, Heuchelei, Arglist.“

Wie viel Hexenglaube steckt wohl heute noch in uns? überlege ich. Seit Heinrich Kramers Wüten sind mehr als fünfhundert Jahre vergangen.

Schrecken und Angst haben dennoch Bestand. Die Erfahrungen mit dem Bösen sind Teil des kollektiven Unterbewussten.

3.

Sieben Uhr. Mich fröstelt. Von meinem Fenster aus kann ich einen Teil der Nordkette sehen. Die Gipfel sind schneebedeckt. Im Juli. Unten, im Garten des Klosters, bemerke ich zwei Franziskaner, sie blicken hoch zu meinem Fenster. Dann kehren sie schnellen Schrittes zurück in den Schutz ihrer Kirche.

Ich habe kein gutes Gefühl. Mir scheint, als hätten die beiden über mich getuschelt. Vielleicht ist es aber auch nur Schlafmangel. Heiße Dusche. Frühstück wäre gut. Zuvor gehe ich aus dem Hotel. Man sagte mir gestern: Einfach nur geradeaus. Dem folge ich jetzt. 100 Schritte. Links ein Jesuitenkolleg. 50 Schritte. Rechts, ein Stück entfernt, das Landestheater. Direkt vor mir: Die Hofburg. Links: Die Hofkirche. Uralte Herrlichkeit und Macht.

Darin, so wurde mir gesagt, bewachen sie seit Hunderten von Jahren das Grabmal des letzte Ritterkaisers, die Schwarzen Mander.

Ich gehe zurück ins Hotel, in den Frühstücksraum, der sich im kühlen Gewölbe befindet. Gedämpfter Luxus, süßer Tee. Das Frühstücksbuffet gehört mir allein. Verdammt. Ich habe vergessen, das Nicht-Stören-Schild an meine Zimmertür zu hängen. Ich hasse es, wenn jemand in meinen Sachen herumfuhrwerkt. Außerdem geht es keinen etwas an, was ich hier mache.

„Guten Morgen, mein Lieber“, der Gruß reißt mich aus meinen Gedanken.

„Guten Morgen, Frau Brabant.“ Ihre Freundlichkeit wirkt so vertraut. Fast zu vertraut. Ihre Aura drückt mich an die Wand. Die uralten Steine des Gewölbes scheinen auf einmal zu atmen. Und ich meine, Blut in den Ritzen zu sehen.

Aus ihr heraus flutet ein monotoner Singsang. Sie scheint nicht ganz bei sich zu sein. Weiß sie, was sie sagt? Ihre Augen blicken ins Leere: „Hier fließt unser Blut über die Wände, und keiner hört unsere Schreie. Heute binden sie Rosina. Es sind wachsgetränkte Linnen, die dicken Tropfen klatschen auf den Boden. Rosina erleidet unerträgliche Schmerzen. Erst umwickeln sie die Arme, warten bis das Wachs erkaltet, dann zieht die Weiße die Bänder ab. Die Haut hängt in Fetzen. Dann umwickeln sie ihren Brustkorb und zünden das Linnen an … Rosina, Rosina. Nein. Helena schlägt die Flammen tot. Die weiße Frau lacht. Heute kommt wieder die Weiße: Es gibt in der ganzen Hölle keinen düsteren Dämon. Streckbank. Mit einer langen, glühenden Nadel sticht sie Rosina in den Bauch. Sie spricht, ich beherrsche mein Handwerk, habe kleine Engel aus den Bastarden gemacht; die Engelmacherin sticht Rosina in den Bauch, die aufschreit, und spricht, damit wirst du auf alle Zeit unfruchtbar, du Hexe, du Succubus sollst niemals einen Kielkropf gebären. So ist es, und so soll es geschehen, mein Kind, predigt Er. Erleichtere dein Herz, gestehe deinen Pakt. Nein, ehrwürdigster Vater, nein.“

Sie schaut mich an, nimmt mich wahr. Von einer Sekunde auf die andere. Als sei sie zurück aus einer anderen Zeit, von einem anderen Ort.

Die Steine bluten nicht.

Was sie gesagt hat, hat sie nie gesagt.

Es ist nichts passiert.

Alles nur ein Produkt meiner Fantasie, oder?

„Habe ich Ihnen schon guten Appetit gewünscht? Fühlen Sie sich ganz wie zuhause.“

Ich habe auf einmal keinen Hunger mehr. In meinem Zimmer packe ich meine Sachen. Werde das Gefühl nicht los, hier nur benutzt zu werden. Warum habe ich mich überhaupt schon soweit darauf eingelassen? Mittlerweile ist es drückend schwül. Die Luft steht. Schweiß rinnt mir von der Stirn. Soll ich nicht einfach abhauen? Was schürt eigentlich meine Angst? Vielleicht ist das alles nur Hokuspokus. Immerhin war ich schon im Nahen Osten, in Russland, in Afrika, habe gefährliche Situationen überstanden, die jeder Beschreibung spotten. Also, um was geht es? Es geht um mich, wird mir klar. Es geht darum, sich der Urangst auszusetzen, dass jemand anderes über dein Leben bestimmt, und nicht du selbst. Inquisition. Es geht um totale Ohnmacht. Es geht um Vergeltung und Hass. Es geht um Gott, der das alles zulässt, nicht eingreift, geschehen lässt, was nicht sein darf. Es geht um den Antichristen. Man nennt ihn auch Dämon, das heißt blutrünstig oder blutbefleckt, von den Sünden nämlich, nach denen er dürstet.

Jetzt abzureisen würde für mich einer Flucht gleichkommen. Ich bin kein Held, aber auch kein Feigling. Ich bleibe. Ich will es wissen. Ich gehe dahin, wo man mich hinbestellt hat.

Die Hofkirche ist nur über das Volkskunstmuseum zu erreichen. Ich löse eine Eintrittskarte und begegne als erstem Luzifer, dem Höllenfürst aus dem Nikolausspiel. Eine traditionelle Handwerksarbeit aus Tirol. Der Teufel ist eine mannsgroße Holzfigur mit roten Augen und Flügeln, vier Hörnern und einer Krone auf dem Haupt; eine ekelhaft lange Zunge hängt aus seinem Raubtierschlund. So haben sich die Menschen im späten Mittelalter den Satan vorgestellt. Eine wahrhaft furchterregende Erscheinung, die es mit den Aliens und Dämonen aus Hollywood aufnehmen kann.

Die Temperaturen sind für einen Museumsbesuch wohl zu hoch, denn kein Mensch befindet sich hier ausser mir. Eine Stimme aus dem Nichts, die – effektvoll inszeniert – aus versteckten Lausprechern kommt, führt mich durch die Säle, bis ich schließlich den blauen Raum erreiche, der auf mich wie ein Verließ wirkt. Darin ein Globus, umgeben von einer größeren, aus geschmiedeten Streben gefertigten Weltkugel, die die Aufschrift trägt: A E I O U. Der kleine Globus zeigt an seiner Oberfläche die Kontinente und Reiche, wie sie um 1500 existierten. Doch die Kugel hat auch ein Innenleben. Eine Klappe öffnet sich und gibt den Blick frei auf einen Puppenschrein, der einen Kaiser huldigt. Die Stimme aus dem Off berichtet von Szenen aus dem Leben Maximilians des Ersten. Genannt ‚der letzte Ritter‘. Der Habsburger war seit 1493 Erzherzog von Österreich und seit 1508 Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Über seinem Imperium ging die Sonne niemals unter. Deshalb prägte er den Spruch: A lles E rdenreich I st O esterreich U ntertan.

Maximilian I. ist der Nachfolger von Erzherzog Sigmund, der über Tirol herrschte, als der Inquisitor Heinrich Kramer mit seinem Gefolge in der Hauptstadt einfiel. Der nächste Saal, die Tür öffnet sich automatisch, und die geheimnisvolle Stimme fordert mich auf, hineinzugehen, stellt die Totenkammer des Kaisers nach. Am Ende des gotischen Leichengewölbes ein Bild des Kaisers, auf eine Leinwand projiziert. Davor auf dem Boden, mit dem Kopfende an einer mächtigen Säule, steht ein einfacher Holzsarg, offen, der Deckel lehnt am Sarg. Links und rechts ein Spalier aus vollständig in weißem Leinen verhüllten Wächtern, die in ihren Händen Kerzen halten. Die elektronischen Dochte summen wie bei einem defekten Dimmer, was die schaurige Szenerie noch unterstützt. In meinen Ohren klingt es wie das unterdrückte Klagen der Hinterbliebenen. Die Stimme aus dem Hintergrund erinnert: Und in der Stunde seines Todes ließ sich der Kaiser alle Zähne ausreißen und seinen Körper geißeln, um vor Gott als das zu erscheinen, was er zu sein glaubte, ein armer Sünder.

5 vor 12. Ich betrete die Hofkirche, von den Einheimischen Schwarzmanderkirche genannt.

Der Kenotaph Maximilians beeindruckt mich. Die ganze Pracht für ein Scheingrab, das ist ein Kenotaph, der einzig und allein der Erinnerung an den mächtigen Fürsten dient, dessen Leichnam nicht hier ruht, sondern in der St.-Georgs-Kapelle der Burg in der Wiener Neustadt. Das Grabmal steht mitten in der Kirche, vom Hauptaltar her fällt gleißendes Sonnenlicht in das Kirchenschiff. 28 schwarze Bronzefiguren, die Schwarzmander, bewachen den Kenotaph: die Ahnen des Hauses Habsburg.

Die Glocken läuten. Sigmund der Münzreiche, Erzherzog von Österreich. In seinem Schatten warte ich. Zähle elf, zwölf. Beim letzten Glockenschlag trifft mich wie aus dem Nichts ein Fausthieb mitten ins Gesicht. Meine Nase blutet, das spüre ich sofort. Was ich wahrnehme, ist ein Mann in einer Kutte, ein Mönch. Eine Kapuze verschattet sein Gesicht, ich kann es nicht erkennen. So plötzlich, wie er auftauchte, so schnell ist er auch wieder in den Tiefen der Hofkirche verschwunden. Bevor ich irgendwie reagieren kann, etwas sagen kann, ist der Spuk vorbei. Was soll das? Warum schlägt der mich? Schäumende Wut. Ich halte den Kopf nach hinten, um die Blutung zu stoppen, und krame nach einem Taschentuch. Ganz ruhig bleiben jetzt. Nachdenken. Ich fluche leise vor mich hin und wende mich zum Gehen, als ich hinter der Bronzefigur des Erzherzogs eine altertümliche Schachtel bemerke. Ich knie mich neben sie. Mir fällt auf: sowas wurde früher in Kanzleien verwendet...

Auf dem Deckel prangt ein Etikett, darauf steht in Schönschrift:

HÜTE DICH VOR DER ERKENNTNIS

SIE VERMAG DICH ZU VERBRENNEN

Ein Tropfen meines Blutes fällt aufs Etikett.

4.

Es ist wie eine Zeitreise. Ich habe die alte Kanzleischachtel an mich genommen. Nun liegt sie offen auf meinem Bett und ich entdecke darin fein säuberlich verstaute, handschriftliche Manuskripte. Ich hebe sie vorsichtig heraus.

Kein Staub, kein modriger Geruch. Jemand muss sie fachgerecht aufbewahrt haben. Für mich? Das Wissen einer längst vergangenen Epoche halte ich in den Händen. Mein Herz schlägt wie wild.

‚Man nennt ihn auch Dämon, das heißt blutrünstig oder blutbefleckt, von den Sünden nämlich, nach denen er dürstet.

Man nennt ihn auch Reverendissima paternitas vestra: Er schreibt seinen verfluchten Hammer, das unheilvolle Buch der Bücher, das dem Bösen die Pforte in diese Welt aufschließt.

Man nennt ihn auch Inquisitor heretice pravitatis, der sein Gift auf orbis terrarum speit.

Willst Du wissen, was geschieht, als er Innsbruck berührt?‘

Ja. Ich will.

HÜTE DICH VOR DER ERKENNTNIS

SIE VERMAG DICH ZU VERBRENNEN

Es ist ein göttliches Verbot, von den Früchten des Baums der Erkenntnis zu essen. Es symbolisiert die Grenzen, die dem Menschen als Geschöpf Gottes gesetzt sind. Die Missachtung dieser Grenzen ist der Sündenfall. Er führt zum Verlust der Lebensfülle, die Gott dem Menschen eigentlich zugedacht hat: Also zur Vertreibung aus dem Paradies und als weitere Straffolge zur Sterblichkeit. Der Zugang zum Baum des Lebens bleibt auf ewig verwehrt.

Das sagt die Genesis. Der Sinn des Lebens ist die Suche nach der Wahrheit, so sehe ich das.

Das erste Manuskript: um die hundert lose, handbeschriebene Blätter in einer schwarzen Mappe, die an der Seite mit einer Schleife zugebunden ist, die ich jetzt löse. Auf dem Deckblatt steht:

DIE CHRONIKEN DES REGINO VON KÖLN.

VELDIDENA. 1901.

In der nächsten Mappe liegt ein gebundenes Manuskript, beim ersten Durchsehen fällt mir auf, dass die meisten Seiten in lateinischer Sprache verfasst sind. Auf diesem steht:

HEXENPROCESS 1485

CRIMINAL PROCESS

LADE 75.

NUM. 20.

Dann folgt eine rote Mappe. In ihr lose Blätter. Notizen auf Latein. Der Titel:

MALLEUS MALEFICARUM.

Und zu unterst finde ich ein uraltes Buch. Kein Titel. Keine Sprache, sondern von Hand notierte Buchstabenkolonnen. Die Art, wie die Kolonnen angeordnet sind, lässt vermuten, dass es sich um geheime Aufzeichnungen handelt.

Ich beginne sofort, die Chroniken zu studieren.

Aus: Die Chroniken des Regino von Köln.

Ehrlich und wahrheitsgetreu ist es mir ein tiefes Anliegen, dir, geneigter Leser, alles, ohne Einschränkung oder Zensur, weiterzugeben, was sich im Sommer und Herbst des Jahres 1901 im Hochstift Veldidena im gesegneten Tyrol zugetragen hat.

Mein Name ist Bruder Regino aus dem Orden des Heiligen Dominikus. Mein Gelübde habe ich im Kölner Konvent St. Andreas, Provinz Teutonia, abgelegt. Das war vor zwei Monaten. Auf eigenenWunsch nehme ich ein vierwöchiges Lusum, um meine Spiritualität zu festigen, bevor mich mein Konvent für den seelsorgerischen Dienst an den Gepeinigten und Gestrauchelten in den Gefängnissen unserer Provinz einsetzen wird. Schon 27 Lenze zähle ich, bin geboren und aufgewachsen zu Köln am Rhein.

Lerne mich kennen und vertraue mir, wie ich dir vertraue.

Es geschah, noch als Knabe, dass wir schon einmal im Hochstift bei Innsbruck weilten. Meine Mutter und ich hatten diese Reise als Beginn unserer Wundheilung unternommen und beteten in der barocken Stiftskirche, deren Pracht meine Seele tröstete, für das Heil meines über alles geliebten Vaters, der kurz zuvor unter tragischen Umständen gestorben war. Er, der tapfere Vaterlandssoldat, Held seines einzigen Kindes, wurde bei einem Manöver von einer verirrten Kugel tödlich niedergestreckt.

Verzeih, Zuhörer meiner Gedanken, meine Ausschweifungen. Das geschieht, wenn ich an meinen Vater in seiner schmucken Uniform denke, der mich sogar mit seinem Säbel kämpfen ließ.

Wir beteten vor dem goldenen Altar des Herrn, der Jesus Christus auf dem Thron höchster salomonischer Weisheit zeigt, bewacht von Löwen.

Ein Bildnis, das mich berührt, weil es von der Erleuchtung kündet, die unser Heiland jedem gewährt.

Danach nahmen wir an der Vesper teil, um kurz darauf ermattet im Gotischen Gästehaus der Prämonstratenser zu nächtigen.

Warum, mein Freund, der du mit Wohlwollen und Verschwiegenheit diese Zeilen liest, erzähle ich dir das? Weil mich noch in jener Nacht, 13 Jahre war ich alt, meine Berufung ereilte.

Ich konnte keine Ruhe, keinen Schlaf finden, also schlich ich mich leise aus dem Zimmer, um im Garten meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, als ich SIE sah. Zunächst erschrak ich fürchterlich, und ich verbarg mich schnell im Kreuzgang, doch meine Neugierde trieb mich wieder heraus. Auf einer einfachen Holzbank, die sonst dem Gärtner zur Rast diente, saß sie, die heilige Jungfrau Maria und säugte das Jesuskind: Maria lactans. Eine Vision voller Güte, Lieblichkeit und Glanz; als herrschte nicht die pechschwarze Nacht, sondern ein strahlender Tag. Dieser Anblick ließ mich schluchzen vor Glück. Noch bevor ich mich abwenden konnte, bemerkte mich das Christuskind. Ich dachte unwillkürlich, es sei erzürnt über meine peinliche Anwesenheit, doch ganz im Gegenteil. Es blickte mich ruhig an, ein zartes Lächeln im Gesicht. Dann widmete sich der Knabe wieder seiner Mutter, sein Hunger war noch nicht gestillt. Flüsternd ein Ave Maria auf den Lippen, schlich ich rückwärts, den Kopf zum Gebet gesenkt, die Hände gefaltet, der Pforte entgegen. Als ich mich zum Gehen wendete, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen und warf einen Blick zurück. Doch die Erscheinung war verschwunden, allein ihr Zauber lag noch in der Luft. Damals beschloss ich, unumstößlich, ein Bräutigam der Kirche zu werden.

Aus: Julians Tagebuch

Ich notierte, dass die die Berufung im spirituellen Sinn das Verspüren einer inneren Stimme ist, die zu einer bestimmten Lebensaufgabe drängt. Das kann auch durch eine Vision geschehen.

Maria lactans, das Motiv der stillenden Gottesmutter, ist das Symbol der Nähe Gottes zu den Menschen: Das Christuskind ist Gott, der über die Brust der Mutter mit der Menschheit Verbindung aufnimmt.

Aus: Die Chroniken des Regino von Köln

Heute bin ich an jenen Ort zurückgekehrt. Den Grund kennst du bereits, um vierWochen Ferien zu machen. Und ich habe bereits ausgiebig und genussvoll die warme Sonne in mich aufgenommen, während ich durch den Garten wandelte, in dem mich meine Berufung ereilte.

Doch mein eigentlicher Anlaß, dies hier niederzuschreiben, ist ein anderer.

Ich habe gestern Dokumente von allergrößter Bedeutung gefunden. Auf dem Deckblatt ist vermerkt: Criminal Process. Dabei handelt es sich vermutlich um den größten Teil der Akten eines Hexenprozesses, der im Jahre 1485 in Innsbruck stattfand. Je mehr ich mich mit dieser Handschrift beschäftige, desto unglaublicher erscheint mir ihr Inhalt.

Zunächst will ich verraten, wie ich in den Besitz der außergewöhnlichen Akten gekommen bin.

Als leidenschaftlicher Leser und, das darf ich durchaus sagen, vortrefflicher Kenner unseres geliebten Kirchenlateins, durchstöbere ich jede Bibliothek, die ich betrete, nach verborgenen Schätzen. Auch in Veldidena tat ich das gleich nach meiner Ankunft.

Meine Neugier führte mich in ein abgelegenes Hinterzimmer. Dort zog ein alter Sekretär meine Aufmerksamkeit auf sich. Doch alle seine Schubladen waren verschlossen. Kein Rütteln half. Ich empfand mein Verhalten ungezogen und entfernte mich schnell wieder, bevor mich jemand entdecken konnte.Mea culpa. Ich bekenne. Neugier ist meine Schwäche, und vielleicht auch einmal mein Untergang.

Am nächstenMorgen konnte ich der Versuchung nicht widerstehen und begab mich erneut in die Bibliothek, zielstrebig suchte ich das besagte Hinterzimmer auf. Die Tür stand offen, was ich als Aufforderung begriff. Diesmal ließ ich mir mehr Zeit: überall stapelten sich Atlanten, Bücher, Handschriften. Scheinbar wahlos. Ein Sammelsurium, verstaubt und vergessen; und, als wäre es ein Zeichen, steckte jetzt ein kleiner Schlüssel in der Hauptlade des Sekretärs.

Aus: Julians Tagebuch

Ich mache mir weitere Notizen, will meine Eindrücke sofort festhalten: Ich habe bis jetzt noch nicht viel von Regino gelesen, und doch scheint er mir schon so vertraut, als würde ich ihn bereits lange kennen. Wir sind auf einer Wellenlänge. Und trotzdem trennen uns Welten. Seine Spiritualität wirkt auf der einen Seite merkwürdig naiv; auf der anderen Seite fühle ich mich davon angezogen, gerade weil sein Glaube mir und meinem Alltag so paradox zuwiderlaufen scheint. Für Regino spiegelt sein Glaube wohl eine höhere Wahrheit wieder, weit entfernt von den profanen Dingen des Lebens.

Die Berührung

1.

Aus: Die Chroniken des Regino von Köln

Der Bibliothekar, Helmfried von Xanten, ist ein wohlmeinender und zurückhaltender Mensch; er gehört, wie alle Chorherrn hier, den Prämonstratensern an, deren von Liebe und Eintracht geprägtes Ordensleben mich wärmend umschließt. Wir Dominikaner haben unsere Spiritualität einem anderen Ziel untergeordnet: Den Namen des Herrn Jesus Christus in aller Welt zu verkünden. Wir kämpfen seit unserer Gründung gegen Ketzerei und Häresie. Strecken mit dem Schwert des rechten Glaubens unsere Feinde nieder. Wir sind Prediger. DasWort Gottes muss denMenschen erreichen, damit es in ihm wirken kann, so fordert es mein Prior von mir und von uns allen.

Bruder Helmfried teilt mir in der Bibliothek ein wonniges Plätzchen direkt am Fenster zu. „Ich will zum Zeitvertreib alte Lateinschriften studieren“, sage ich, worauf er mir mit einem aufmunternden „Nur zu“ antwortet.

Von meiner besonderen Lektüre erzähle ich nichts; denn erst einmal will ich dasMaterial in Ruhe sichten, das ich heimlich mit schnellem Griff aus der Lade des alten Sekretärs entwendet habe. Vielleicht kennt BruderHelmfried es längst? Ich sitze in angespannter Erwartung an dem kleinen, mir zugeteilten Pult und blicke auf den kleinen Stapel uralter Handschriften vor mir:

CRIMINAL PROCESS.

DAS PROTOKOLL EINES HEXENPROZESSES VON 1485.

Er ist teils in Frühneuhochdeutsch und teils in lateinischer Sprache verfasst. Außerdem habe ich noch ein dünnes Manuskriptum mit dem handschriftlichen Titel ‚Malleus Maleficarum‘, der unsägliche Hexenhammer meines Ordensbruders Henricus Institoris. Ich hege den starken Verdacht, dass es erste Notizen und Ausführungen zum 1487 erschienenen Standardwerk der Hexenverfolgung sind. Ferner befindet sich nun in meinem Besitz ein handgebundenes Büchlein, dessen Seiten über und über mit sinnlos erscheinenden Buchstabenkolonnen gefüllt sind. Was auf mich wie eine alphabethische Gleichung wirkt, ist höchstwahrscheinlich eine Geheimnachricht, deren Entschlüsselung ich mich später widmen will.Meine ganze Aufmerksamkeit ist auf den mittelalterlichen Process gerichtet, habe ich doch davon gehört, dass diese Mitschrift als verschollen gilt. Diese Protokolle werden mir und dir, meinem verehrten Leser, einen einzigartigen Einblick in längst vergangene Zeiten gewähren: Die alten Akten beginnen mit den Worten: