• Herausgeber: mvg
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2012
Beschreibung

Alexandra Reinwarth will es wissen: Sie will die beste Liebhaberin der Welt werden. Dazu macht sie sich auf die Suche nach dem G-Punkt und der teuersten Hure Deutschlands, sie stürzt sich in die Lingam-Massage und absolviert einen Oralsexkurs. Wilde Sex-Toys und ein ausgebauter Beckenboden, weiße Magie und ein Bett im Kornfeld, alles wird ausprobiert. Nur der homophobe Freund sträubt sich noch gegen die Sache mit der Prostata . . .

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Seitenzahl: 303

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Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet überhttp://d-nb.deabrufbar.

Für Fragen und Anregungen:[email protected]

2. Auflage 2014 © 2013 by mvg Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH, München, Nymphenburger Straße 86 D-80636 München Tel.: 089 651285-0 Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Redaktion: Mareike Fallwickl, Rif bei Hallein Umschlaggestaltung: Maria Wittek, München Satz: HJR, Jürgen Echter, Landsberg am Lech EPUB: Grafikstudio Foerster, Belgern

ISBN Print: 978-3-86882-289-2 ISBN E-Book (PDF): 978-3-86415-188-0 ISBN E-Book (EPUB, Mobi): 978-3-86415-240-5  

Weitere Informationen zum Thema:

www.mvg-verlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.muenchner-verlagsgruppe.de

Inhalt

Einleitung

Dirty Talk

Der Beckenboden und ich

Wie ich auszog, den G-Punkt zu finde

Die Sache mit der Prostata

Diana, das Callgirl

Sex an ungewöhnlichen Orten

Das Hotel Q

Strip, Strip, Hurra!

Aphrodisiaka

Toy, toy, toy: Sexspielzeug

Der Liebeszauber

Der Eros CTD

Die Tantramassage

Amora

Die Liebesschaukel

Nachwort

Vielen Dank

Einleitung

Sex ist die schönste Sache der Welt. Heißt es.

Die vollkommene Vereinigung zweier Menschen bis zu völligen Selbstaufgabe, ein unbeschreibliches Einswerden, gipfelnd in einem orgiastischen Sturm der Leidenschaft.

Nun ja. Das ist schön, keine Frage. Aber ich finde das Strawberry-Cheesecake-Eis von Häagen-Dazs auch eine schönste Sache der Welt. Oder Schuhe von Manolo Blahnik.

Warum habe ich den Verdacht, dass es irgendwo dort draußen Erotikgeheimnisse geben muss, die Häagen-Dazs-Eis und Blahniks in den Schatten stellen? Größere Erotikgeheimnisse als, sagen wir, sich gegenseitig mit einem Strickschal ans Bettgestell zu fesseln?

Mit leichtem Unwillen denke ich an halbgare Sexexperimente zurück: das Sexgeflüster, das scharfe Worte in schale Peinlichkeiten verwandelte. Ein aufgestellter Spiegel, der wippende Problemzonen und den Labrador im Hintergrund zeigte. Ganz zu schweigen von dem Tipp, ein bisschen Abwechslung ins Schlafzimmer zu bringen, indem frau sich nackt in Klarsichtfolie hüllt. Ich kann immer noch nicht fassen, dass ich das gemacht habe. Und den Gesichtsausdruck meines Freundes werde ich auch nie vergessen. Das kann doch nicht der Gipfel der Lust gewesen sein. Oder?

Warum bekommt man Sex eigentlich nicht beigebracht? Praxisnah und bunt gefächert? Die schönste Sache der Welt (neben Strawberry-Cheesecake-Eis) und man muss alles im Selbstversuch herausfinden. Das ist doch ein Witz! Da lernt man in der Schule alles über Hoden, Nebenhoden und Beckenböden, aber was man damit anfangen soll, das lernt man nicht. Ein herzliches »Toi, toi,toi!« und der Hinweis auf Aids und Empfängnisverhütung. Das war’s.

Und das, obwohl Sex etwas ist, was wir alle haben können, jederzeit, überall. Es kostet (meistens) nichts und wir haben das nötige Equipment immer dabei! Ich fordere vorbeugende Kurse in Sachen sexuelles Krisenmanagement! Ich will Anleitungen mit Rollenspielen und Video-Feedback!

Vielleicht ist das ein traditionelles Weitergeben eines Traumas, von den Eltern an die Kinder, nach dem Motto: Wir wussten auch nicht, wo oben und unten ist, wieso solltet ihr es da besser haben?

Ich persönlich habe das jährliche Knecht-Ruprecht-Trauma an Sankt Nikolaus schon nicht gut verwunden. Da können Sie sich ungefähr vorstellen, in welcher Verfassung ich mich befand, als mir meine beste Freundin Beate erzählte, nachts wachse das Pipi der Väter auf doppelte Größe an (sie war damals fünf, sie hat das inzwischen relativiert), um sodann in der Mumu der Mama versenkt zu werden. Was denkt da eine vernünftige Fünfjährige?

So etwas Entsetzliches würden meine Eltern niiiiiee machen. Wobei – andererseits lassen sie auch jedes Jahr an Nikolaus diesen schrecklichen Mann mit der Rute und dem Sack für unartige Kinder ins Haus ...

Kinder haben es auch nicht leicht.

Die völlig absurde Vorstellung von Monsterpipis und Mama-Mumus wurde nur noch von dem eierlegenden Hasen an Ostern getoppt, wobei mir die Sache mit dem Hasen wesentlich plausibler erschien. Die Verwirrung war spätestens dann komplett, als das Wort Eier von den Erwachsenen mehrdeutig verwendet wurde.

Diverse Doktorspiele mit den Kindergartenkollegen brachten nicht die erhofften Erkenntnisse, höchstens die eine: Dass Bubenzipfel aussehen wie Schupfnudeln. Erst später wird daraus, wie Walter Moers schon so treffend menschliche Genitalien beschrieb, radioaktiv verstrahltes Gemüse aus dem Weltall.

Die Motivation für meinen Forscherdrang war, wie bei den meisten Kindern zwischen zwei und fünf Jahren, die Frage: Woher komme ich und wie kam ich auf diese Welt? Gott sei Dank wusste meine Freundin Beate auch über das Wie Bescheid: »Der Bauch explodiert.«

Zufrieden mit dieser Antwort, konnte ich mich den Rest meiner Kindheit wichtigeren Dingen widmen. Gummihüpfen zum Beispiel.

In diese Zeit fällt auch die erste Erinnerung an eine sexuelle Handlung. Natürlich mit Beate. Wir badeten des Öfteren abends vor dem Zubettgehen zusammen, wenn die eine bei der anderen schlief, weil es schier unvorstellbar war, sich erst am nächsten Morgen wiederzusehen. Während der Badezeremonie spielten wir dann manchmal das Engelchen-Teufelchen-Spiel: Das Engelchen legte sich dabei längs in die Wanne, das Teufelchen legte sich darauf und rutschte ein bisschen auf und ab. Danach explodierte in unserem Spiel der Bauch des Engelchens und es wurde ein imaginäres Baby aus der Wanne gehoben und dem Verantwortungsbereich des Badewannenvorlegers übergeben. Dann wurden die Rollen getauscht. Das Spiel provozierte ein kleines, süßes Ziehen in meinem Inneren, einen wunderbaren und geheimen Sog, der Großartiges versprach. »Bald«, flüsterte er, »noch nicht jetzt, aber bald.« Ein Appetizer.

Die doofen Jungs machten erst Jahre später auf sich aufmerksam durch Haareziehen, Rocklupfen und blöde Sprüche. Ein Wunder, dass wir sie damals nicht einfach erschlagen haben. Irgendwann, und von mir zunächst völlig unbemerkt, haben dann die Pubertätsgene KiSS1 und KiSSR beschlossen, es sei an der Zeit, mit der Arbeit zu beginnen. KiSS kommt von dem Peptidhormon Kisspeptinund hat nichts mit der bekannten Hardrock-Band zu tun. Die echte Geschichte ist noch besser: Das Gen KiSS1 wurde von Forschern in Hershey, Pennsylvania, USA, entdeckt, und sie benannten es nach dem berühmtestenExportartikel ihrer Stadt: dem Schokobonbon Kiss der HersheyFoods Corporation. Das nenne ich Lokalpatriotismus. Was die Pubertät allerdings mit süßen Schokoladendrops zu tun hat, bleibt das Geheimnis der Wissenschaftler in Hershey. Entweder hatten die keine Kinder im relevanten Alter oder einen sehr, sehr trockenen Humor.

Es geht ja die Mär um, die Kinder kämen immer früher in die Pubertät. Jeder weiß von einem Kind von einem Bekannten eines Verwandten, das praktisch direkt nach der Geburt anfing zu pubertieren. Und wissen Sie was: Die Mär stimmt. Also nicht, dass Kinder schon nach der Geburt pubertieren, aber darauf könnte es hinauslaufen. Seit über 140 Jahren hält der Trend an, dass die Pubertät immer früher einsetzt. Und die Sexualwissenschaftler berichten, dass es noch nicht zu einem Stillstand gekommen ist.

Seit 1980, so eine Studie der Universität Landau, rückt die Geschlechtsreife jährlich um zwei Monate vor. Sehen Sie, was ich sehe? Wenn man das linear weiterführt, beginnen die Kinder im Jahr 2035 zu pubertieren, bevor sie eingeschult werden! Da bekommen die Mädchen Flügelbinden und Einführhilfen in die Schultüten!

Jahr

Menstruation Mädchen

Samenerguss Jungs

1860

16,6

1920

14,6

1950

13,1

1980

12,5

14,2

1994

12,2

12,6

2001

11,5

11,5–12

2010

10,3

10,5

(Das heißt nicht, dass Jungs vor dem Jahr1980 keinen Samenerguss hatten, es waren nur keine entsprechenden Aufzeichnungen vorhanden. Herren, die diesbezüglich ein Mitteilungsbedürfnis verspüren, mögen sich direkt an den Verlag wenden.)

Und wer ist schuld daran? Schuld an allem sind die dicken Kinder (von Landau). Je mehr Körperfett, desto früher geht’s los. Wie Karl Lagerfeld im Zuge der Diskussion um magersüchtige Models schon so schön bemerkte: »Problematisch sind doch eher die dicken Leute.«

Hand in Hand mit diesem Trend geht eine Angleichung des Entwicklungsunterschieds. Die Entschuldigung zahlreicher Mütter von hummeldummen Jungs: »Die Mädchen sind den Buben ja um Jahre voraus!«, stimmt nicht mehr. Mädchen sind im Durchschnitt den Jungs in ihrer Entwicklung nur noch wenige Monate voraus. Auch wenn das im Straßenbild ganz, ganz anders aussieht.1

Wenn ich mich recht erinnere, waren jedoch die körperlichen Veränderungen nicht das eigentliche Problem während der Adoleszenz.

Wikipedia meint zu diesem Thema:

»Die Heranwachsenden kommen während der Pubertät vermehrt in problembelastete Situationen, vor allem, wenn diese Situationen von Erwachsenen strukturiert werden. Durch die vermehrte Hormonausschüttung wird auf diese Situationen mit stärkeren Gefühlen reagiert.«

Meine Mutter hingegen meint, Pubertierende seien unzurechnungsfähige Idioten. Wie sie auf diese Idee kommt, ist mir allerdings völlig schleierhaft. Ich fand mich als Pubertierende hinreißend und empfand im Gegenzug eher meine Mutter als extrem problematisch.

Die süßen Gefühle mitsamt dem verführerischen Sog in meinem Inneren waren zu einer Art Tsunami geworden, der mich überrollte, sobald ich so etwas fantastisch Sexuelles tat, wie zum Beispiel zu schwofen. Sie kennen das? Sie umarmten einen Tanzpartner und bewegten sich so gut wie nicht von der Stelle, während im Hintergrund Kuschelrock lief? Da kamen die Hormone in Wallung!

Meine erste Liebe hieß Aufi, abgeleitet von seinem Nachnamen Aufhauser (pfiffig, was?) und er erfuhr tragischerweise nie etwas von seinem Glück. Wie viele As ich gemalt habe, auf Federmäppchen, in den Schnee, auf die Schulbank und mit der Taschenlampe in den Nachthimmel (das müsste er doch sehen, oder?), habe ich nicht mitgezählt. Es waren viele. Ich habe sein Fahrrad gestreichelt, ihn heimlich beim Fußballtraining bewundert und nachts meinen größten Teddybären so drapiert, dass ich mir vorstellen konnte, ich läge in seinem Arm. Und als er plötzlich eine Freundin hatte, blieb die Welt stehen.

Wenn zum ersten Mal die Welt stehen bleibt, weiß man noch nicht, dass sie sich doch weiterdrehen wird. Diese Erfahrung fehlt, und deswegen ist es endgültig und das Schlimmste. (Das Verrückte ist, dass später im Leben das Wissen, dass sich die Welt doch immer weiterdreht und nicht stehen bleibt, ähnlich schmerzhaft ist.) Kurzum, völlig gegen meine Erwartungen blieb die Welt nicht im Pausenhof des Goethe-Gymnasiums stehen. Bald darauf, mit 13, verliebte ich mich nämlich schon in meinen ersten »richtigen« Freund. »Richtig« im Sinne von: »Wir gingen miteinander«, nicht im Sinne von: »Wir hatten zügellosen Sex.«

Er hieß Tobias Grabinski. Er war zwar zunächst nicht in mich, sondern in Gabi verliebt, ich konnte das aber Gott sei Dank ändern. Wer weiß, was noch ein Tiefschlag mit meinem weiteren Liebesleben angerichtet hätte. Er begleitete mich zur Reitstunde, ich schoss Fußbälle ins Tor, damit er üben konnte, Torwart zu werden, wir hielten Händchen. Meine Mutter fand ihn erst nicht so gut. Das legte sich aber schlagartig, als sie erfuhr, dass sein Spitzname Grabschi nur der Abkürzung seines Nachnamens geschuldet war.

Eines Tages lagen Grabschi und ich auf meinem Bett, rieben die Nasen aneinander und tauschten gehauchte Küsse aus. Und an diesem Nachmittag machten wir die Entdeckung des Jahres: den Zungenkuss. Es war – perfekt.

Von ihm bekam ich meinen ersten Liebesbrief. Er war mit Schreibmaschine auf lila Briefpapier geschrieben, hinter den ersten Zeilen ging der Mond im Meer unter. Er steckte in einem passenden lila Briefumschlag, den mir mein Liebster an einem Freitag nach der letzten Schulstunde in die Hand drückte:

Mein nächster Freund hieß Gerald. Gemein, was?

Mit Gerald tappte ich in genau jene Falle, in die Frauen immer wieder mit traumwandlerischer Sicherheit und sehenden Auges hineintappen: Er war gut aussehend, älter, eisig cool und wahnsinnig – unnahbar. Dass seine Überlegenheit daher kam, dass er aufgrund eines Erbsenhirns bereits zweimal sitzen geblieben war, blendete ich aus. (Es ist erstaunlich, was man alles ausblenden kann. Meine Freundin Jana war einmal in einen Kerl verliebt, der unsozial, unattraktiv, humorlos, geizig und gleichzeitig dumm wie Brot war. Alles in einem. Und was sagte Jana damals? »Aber er hat so süße Grübchen!« Und da war sie Ende 20.)

Wäre Gerald ein paar Jahre älter gewesen, hätte er ein Motorrad und eine abgewetzte Lederjacke gehabt. Aus Geralden werden später die Männer, von denen Frauen denken, sie seien empfindsam und nachdenklich, nur weil sie nichts sagen. In Wahrheit haben sie einfach nur nichts zu sagen.

Geralde schreiben auch keine Liebesbriefe. Bei denen ist man schon froh, dass man überhaupt an ihrer Seite weilen darf. Ich glaube, im Leben jeder Frau gibt es mindestens einen Gerald. In meinem gab es fünf – manche brauchen eben länger.

Sex hatten Gerald und ich nicht, wir hatten aber eine ungefähre Ahnung, was theoretisch wohin gehört und drückten unter heftigem Geknutsche die zuständigen Körperpartien aneinander. In diese Zeit fiel auch der Aufklärungsunterricht im Rahmen der Biologiestunde bei Frau Rammel. Ja, Rammel. Keine andere Lehrerin ist so oft mit ihrem Namen angesprochen worden. Frau Rammel kam Jahre zu spät. Dass in der gängigen Geburtspraxis die Babys in der Regel nicht auf die Welt kommen, indem der Bauch platzt, sondern, und diese Vorstellung war noch viel schrecklicher, die Babys irgendwie dort unten rausgepresst werden mussten, das hatte sich vorher schon geklärt. Abgesehen von den Themen Schwangerschaft und Geburt gab es im Aufklärungsunterricht jede Menge kopierte Arbeitsblätter, auf denen abstrahierte männliche und weibliche Geschlechtsorgane in Vorder- und Seitenansicht zu sehen waren. Den verschieden bunt schraffierten Flächen musste man dann Begriffe zuordnen wie:

Scheidenöffnung mit JungfernhäutchenHarnröhrenöffnungVorsteherdrüseNebenhodenGlied

Jetzt mal ehrlich – was soll das? Frau Rammel versteckte sich hinter dem Overhead-Projektor und sprach keine einzige der wirklich relevanten Fragen an:

Wie kann man den Penismuskel trainieren? (Jungs)Wie groß muss mein Busen mindestens werden, in Zentimetern, und wann sind sie endlich gleich groß? (Mädchen)

Wir erfuhren auch nichts darüber, dass Sex mitunter nicht vollkommen ist, Geräusche macht und dass der Beckenboden und die Prostata außer schraffiert auch sexuell interessant sein könnten. Stellungen, G-Punkt, homo, bi, anal und Fetisch, das wurde uns alles verschwiegen. Von Frau Rammel. Das musste dann alles Dr. Sommer richten oder in meinem Fall Beate. Was wäre ich ohne sie gewesen.

Irgendwann zwischen dem 14. und dem 16. Lebensjahr, sagt die Statistik, erleben die meisten Jugendlichen ihr erstes Mal. Mädchen im Durchschnitt mit 15,5 Jahren und Jungs mit 16,4 Jahren.

Da war ich dann dabei. Entgegen meiner Vorstellung war es überhaupt nicht romantisch, gar nicht erhebend und es waren auch keine Glocken zu hören. Nur die A-Seite einer Tanita-Tikaram-Platte.2 Ich habe an den Akt an sich keine genauen Erinnerungen, aber ich weiß noch genau, was ich dabei dachte:

Und darum machen alle so ein Theater?Und:Ach schau, das dauert genau so lange wie eine Seite einer Langspielplatte.

Mein erster Orgasmus kam mit etwas Verspätung, ungefähr 1,5 Jahre danach, als ich allein in meinem Bett lag und nicht einschlafen konnte. Davor hatte ich mich hin und wieder gefragt, ob ich nicht vielleicht schon längst einen Orgasmus gehabt hatte. In DER Nacht war mir dann mit einem Schlag klar, dass dem nicht so gewesen war. Ich hätte es gemerkt. Und es wurde mir auch klar, warum alle so ein Theater darum machten. Was für eine Entdeckung!

In den darauffolgenden Jahren war Sex vergleichbar mit einem großen Abenteuerspielplatz. Man musste alles mindestens einmal ausprobieren, auch die große Rutsche, und auch wenn man sich dabei ein Knie aufschlug. Während der regelmäßigen Weiberabende wurden dann Erfahrungen ausgetauscht, es wurde zu viel getrunken und infolge gekichert und mit dem Kellner geflirtet, der die nächste Flasche Prosecco brachte. Erinnert sich noch jemand an diese blauen Flaschen? Mit dem Bindfaden um den Korken? Genau die.

Nach Ergebnissen der Sexstudie 2008 von Pro7 haben Frauen im Schnitt mit 6,7 Partnern Geschlechtsverkehr. Also jetzt nicht auf einmal, sondern im Laufe ihres Lebens. Männer geben an, mit 10,2 Partnerinnen im Bett gewesen zu sein. Lustig: Mathematisch ist das unmöglich. Die Macher der Studie erklärten dies anhand einer Neigung zur Übertreibung auf Männerseite, wiesen aber auch gleichzeitig auf einen gewissen Hang zum Understatement seitens der Frauen hin. 6,7 Männer, dass ich nicht lache. Ich hatte alleine schon fünf Geralde. Von Beate fange ich jetzt mal gar nicht an.

Und dann ist schleichend der Ernst des Lebens über uns gekommen. Ehe wir »Prösterchen« sagen konnten, waren wir mit Karrieren und Arbeitskollegen beschäftigt. Ich fing in einer kleinen Agentur als Grafikerin an und traf dort den Mann meines Lebens. Nebenbei wurden Mamas Fragen nach Enkelkindern abgeschmettert, die erste gemeinsame Wohnung sauber, man selbst strahlend gehalten und man kannte plötzlich jemanden, der eine Raumpflegerin engagierte. Kurz darauf sprach das erste Paar im Bekanntenkreis in Wir-Form. Es war beängstigend. Die Partys bestanden nicht mehr aus Nudelsalat, lauter Musik, Tanzen und Knutschen. Ich saß auf einmal mit meinem Liebsten in der Ikea-Küche eines befreundeten Paares bei einem »schönen Glas Rotwein«, wir unterhielten uns zivilisiert und kochten zusammen. Zum Rauchen wurde ich auf den Balkon geschickt. Und genau dort fragte ich mich, wann ich das letzte Mal Sex hatte. War das letzte Woche? Oder ist das jetzt schon zwei Wochen her? Und warum erinnere ich mich nicht daran? Was ist aus dem Abenteuerspielplatz geworden? Ich trank dann noch mehrere, ebenfalls sehr schöne Gläser Rotwein. An diesem Abend lernte ich, dass man andere Paare nie, nie, nie im Beisein ihres Partners fragen sollte:

Wie oft habt ihr Sex?Ist er aufregend?Wie viele Lover hattet ihr vorher?Und wie aufregend war es mit denen?

Zumindest sollte man spätestens dann, wenn das Gegenüber die Antworten unverständlich in sich hineinbrummelt, nicht dreimal hintereinander: »Was? Ich kann dich gar nicht hören!«, fragen.

Laut der Studie Sexual Wellbeing Survey des weltweit größten Kondomherstellers Durex, bei der sich mehr als 26.000 Menschen aus 26 Nationen unter die Decke schauen ließen, haben die Deutschen 117 Mal Sex. Im Jahr. Eine andere Studie3 spricht gar von 139 Mal im Jahr. Das macht 2,8 Mal in der Woche! Haben denn die Leute sonst nichts zu tun? Toll! Alle haben Sex, außer mir! Zum Kotzen ist das. Ich muss der Tatsache ins Gesicht sehen: Der Abenteuerspielplatz ist zu einem Sandkasten geworden.

Bei uns zu Hause hat sich das Liebesleben nach der ersten Verliebtheit (Mamma mia, was für eine Zeit) beruhigt und wir haben circa einmal die Woche Sex. Manchmal auch einen ganzen Monat lang nicht und dann wieder an mehreren Tagen hintereinander. Das geht phasenweise rauf und runter, wie eine Fieberkurve. Meistens in der Löffelchenstellung. Erstens komme ich mir dabei sexy vor und zweitens hab ich eine Hand frei. Außerdem liegt man schön bequem. Die Missionarsstellung hingegen finde ich nicht immer unproblematisch: Das ist nur schön, wenn gerade absolute Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung herrscht. Denn: So ein Gesichtsausdruck beim Sex ist mitunter ziemlich lächerlich, wie beim Niesen oder Sich-einen-Mückenstich-Aufkratzen, man verdreht die Augen und guckt wie ein Depp. Das findet man nur hinreißend, wenn nichts als Wohlwollen, Liebe und/oder Lust vorherrschen. Und wenn man frisch verliebt ist. Ich habe festgestellt: Je länger die Beziehung, desto Augen zu. Lieber mehr spüren als gucken. So kann man auch leichter von diesem wahnsinnig gut aussehenden Kabarettisten fantasieren. Das macht man nicht, wenn der Mann noch frisch ist. Die Zeit macht den Sex unaufgeregter, dafür zuverlässiger, man ist aufeinander eingespielt, das ist schön und vertraut. Und etwas langweilig.

Zu meiner Genugtuung waren die Umfrage-Nymphomanen auch nicht zufrieden mit ihrem Sexleben. Gott sei Dank. Zu wenig (!), zu schnell, zu langweilig, zu höhepunktlos usw. Problem Nummer eins scheint die mangelnde Kommunikation zu sein. Eine Studie in meinem Freundeskreis ergab, dass es 100 Prozent der Deutschen leichter fallen würde, zwei richtig scharfe Chilis zu essen, als mit ihrem Partner über ihre geheimsten Sexwünsche zu reden. Also die richtig geheimen. Ich überlege, wann L. und ich das letzte Mal über verborgene Fantasien gesprochen haben. Das muss Jahre her sein. Ich sag es ja, zum Kotzen, wenn man drüber nachdenkt. Das kann so nicht weitergehen. Am nächsten Abend, während der Zubereitung meiner himmlischen Gamba-Lasagne, frage ich L., ob er findet, dass ich gut im Bett bin. Er sagt: »Ja.«

Ich bin mir nicht sicher, ob das nicht ein Was-immer-du-willst-aber-lass-mich-in-Ruhe-Ja ist. Außerdem kann er sich wahrscheinlich ungefähr vorstellen, was los gewesen wäre, hätte er Nein gesagt. L. wendet sich wieder seiner Sonntagszeitung zu und tätschelt den Kopf von unserem Hund Lila, der zu seinen Füßen vor dem Sofa liegt.

Das ist der Moment, in dem ich L. insgeheim schwöre, dass ich ihn so weit bringen werde, dass er allein bei der Erwähnung des Wortes Bett wimmert und/oder wie ein Tier über mich herfällt – eins von beidem auf jeden Fall, ich bin mir da noch nicht sicher.

Im Ernst. Ich will, dass ihm Schauer über den Rücken laufen, wenn er an unsere letzte Nacht denkt. Dass ich ihm eine Lust bereite, die er so noch nie verspürt hat und nach der er süchtig wird. Und ich auch. Dass er vom Büro nach Hause kommt und sich auf dem Weg ins Schlafzimmer die Klamotten vom Leib reißt, weil ich ihn mit einem Anruf so heiß gemacht habe, dass er seit der Mittagspause nicht mehr klar denken kann. Gut, vielleicht nicht jeden Tag. Aber manchmal.

Haben Sie auch 9½Wochen gesehen, vor gefühlten hundert Jahren? Die hatten doch ein paar gute Ideen. Wobei ich das gegenseitige Einschmieren mit Lebensmitteln, um sie sich gegenseitig vom Körper zu lecken, WIRKLICH nicht zur Nachahmung empfehle. Was habe ich mir damals die Beine geschrubbt, bis der Honigpapp wieder abging. Nein, da muss es andere Möglichkeiten geben, um zur Sexgöttin zu werden. Ich glaube auch, dass ein Mann, dessen Freundin eine Cruise Missile im Bett ist, den Reizen von anderen Frauen indifferenter gegenübersteht. Nicht, dass ich da größere Befürchtungen hätte, aber als Nebenwirkung ist mir das durchaus willkommen. Der Entschluss ist gefasst, ich werde der Sache jetzt auf den Grund gehen. Ich werde die beste Liebhaberin der Welt werden.

Als Allererstes konsultiere ich, wie jede Frau, meine beste Freundin: Jana. Sie ist 32 und seit zwei Jahren Single. Ihre italienische Urgroßmutter hat ihr die schwarzen Locken, die dunklen Augen und ein leicht aufbrausendes Temperament vererbt. Neben Jana komme ich mir immer vor wie ein blutleerer Stangensellerie, mit meinem mittelbraunen Schnittlauchhaar und meiner blassen Haut. Janas Vorliebe für Süßigkeiten ist verantwortlich für stetig wiederkehrende Diäten, die sie meist nach drei Tagen abbricht, und ein Dekolleté, von dem ich mit meinen 75B nur träumen kann.

Ihr Ex, der Arschkrapfen, wie sie ihn wenig liebevoll nennt, entdeckte relativ überraschend nach dreijähriger Beziehung sein ­Faible für blonde Mittzwanzigerinnen. Jana konnte dieses Interesse nicht teilen und trennte sich sowohl szenen- als auch tränenreich. Seitdem hat sie Flirts, Affären, Abenteuer und Katastrophen und soll mich nun mit ihrer Erfahrung unterstützen. Jana und ich haben weiß Gott schon oft über Sex geredet, gerne das eine oder auch das andere Glas dazu getrunken und viel und herzlich gelacht. Zum Beispiel über Janas Nacht mit einem Bernie, den sie nach einer Feier mit zu sich nach Hause genommen hatte. Nachdem beide diesen speziellen Punkt überschritten hatten, an dem klar ist, dass der andere ebenfalls nicht »nur noch ein Glas trinken« will, fielen sie recht hübsch übereinander her. Und während Jana auf der Couch kniete, an ihrem Fuß ihr Slip baumelte und sie sich über die Seitenlehne beugte, kniete ein schnaufender Bernie rhythmisch hinter ihr und kam mit seinem Bernie-Knie auf die Wiederwahltaste von Janas Handy. An diesem Tag hatte Janas Mutter Geburtstag, Jana hatte sie kurz vorher angerufen, um zu gratulieren ...

Auf jeder Familienfeier muss sich Jana seither die Geschichte anhören, wenn unter dem fröhlichen Gegacker der versammelten Sippe Janas Mutter das Gehörte zum Besten gibt. »Das stärkt den Charakter«, meint Jana und amüsiert sich inzwischen selbst königlich über das Bernie-Erlebnis. An ihrer Stelle hätte ich, glaube ich, stangenselleriegleich den Kopf in den Sand gesteckt. Für immer.

Aber heute geht es ans Eingemachte. Wir werden nicht über lustige Pannen und peinliche Expartner lachen, sondern ich will, dass Jana, im übertragenen Sinn, die Hosen runterlässt. Ich kenne Jana jetzt seit zehn Jahren, wir haben immer alles zusammen gemacht, ich kenne ihre Träume, ihre Tränen und die Geheimzahlen ihrer Konten – aber es ist trotzdem komisch, sie zu fragen, wie genau sie fickt und tickt, und warum.

Vorausschauend habe ich eine Kiste Cava besorgt und gleich alle sechs Flaschen kalt gestellt. Man kann nie wissen. Jana kommt nach der Arbeit zu mir. Wir sitzen an dem Bistrotisch in der Küche. Es dauert 1,5 Flaschen. Dann ist Jana bereit für unser Gespräch.

»Und du erzählst bitte niemandem Details aus meinem Schlafzimmer!«

»Selbstverständlich nicht!«

Es konnte losgehen.

»Alex, dir ist schon klar, dass jeder Mann unterschiedlich reagiert?«

Ich bejahe und schenke ihr ein neues Glas ein.

»Und dass das Flirten vor dem Sex eine Wissenschaft für sich darstellt?«

»Ich brauche jetzt aber Fakten, Fakten, Fakten.«

»Okay. Also als Erstes: Ich habe eine Frühchen-Möse.«

»Was?«

Jana hat also eine Frühchen-Möse. Ich habe das Wort vorher noch nie gehört und schaue prompt in ihren Schritt, sehe aber nur das Blümchenmuster ihres Sommerrocks. Jana ist vier Wochen zu früh auf die Welt gekommen. Zu diesem Zeitpunkt, erklärt sie mir, sind bei den Mädchen die äußeren Schamlippen noch nicht komplett entwickelt und schließen sich nicht um die Inneren. Dies kann im Laufe der Zeit noch geschehen oder, wie in Janas Fall, auch nicht. Im Gegensatz zu den meisten anderen Frauen schauen die inneren Schamlippen nicht ein bisschen oder gar nicht hervor, sondern Möse und Klitoris liegen offen, wie eine geplatzte Frucht.

Interessant. Das muss ich sehen.

»Interessant. Das muss ich sehen.« Jana schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.

»Oh Alex, dafür habe ich nicht genug getrunken.«

Kein Problem, ich schenke nach. Dann hole ich den Laptop und wir schauen auf www.the-clitoris.com Bilder aus der Vulva Gallery an. Nach dem Betrachten von hundert Mösen ist man da nicht mehr so zimperlich. Jana auch nicht. Sie hebt ihren Rock und zieht den Slip runter. Und es stimmt! Statt einem schmalen Spalt sehe ich eine leicht geöffnete rosa Vulva – sie sieht ein bisschen so aus, als wenn eine normal entwickelte Frau ein wenig die Beine spreizt.

»Und da fahren die Männer drauf ab?«

»Und wie.«

Da ich im Nachhinein nichts an meiner Geburt bzw. deren Zeitpunkt ändern kann, habe ich mir ein einzigartiges Programm zusammengestellt:

Dirty Talk

Ich werde endlich lernen, wie man hübsch schmutzig spricht. Das ins Kissen genuschelte »Fick mich« gehört von nun an der Vergangenheit an. Ich kam mir dabei sowieso immer blöd vor, und seien wir ehrlich, Blödvorkommen ist keine ideale Vorraussetzung für hemmungslosen Sex. Umfragen zufolge steht jeder zweite Mann auf das Sexgeflüster. Außer, und jetzt die Läffl uffschbärrn: die Sachsen. Wer hätte das gedacht. (Nischds för unjut.) Ich werde also meinen Mut zusammennehmen und mich auf den Weg zu verbalen Höhepunkten machen.

Der Beckenboden und ich

Ich werde meinen Beckenboden ausbauen. Mit Übungen des amerikanischen Urologen Dr. Arnold Kegel finde ich heraus, was und wo mein Beckenboden ist und wie ich zum Muskelprotz werde. Die alte, orientalische Kunst um den Muskel ist legendär – ich werde herausfinden, was ich tatsächlich damit anstellen kann und ob sich der Aufwand wirklich lohnt.

Wie ich auszog, den G-Punkt zu finden

»Hast du ihn schon gefunden?« Nein. Hab ich nicht. Ich kenne auch niemanden, der ihn gefunden hat. Ich habe aber auch nicht gerade intensiv danach gesucht. Das wird geändert. Ich mache mich auf die Suche. Egal, wie lange es dauert und was für eine Ausrüstung ich dafür brauche, das Ding muss geortet werden. Das kann doch nicht wahr sein: Da gibt es so etwas wie einen Orgasmusknopf und ich kann ihn nicht betätigen, nur weil ich nicht ordentlich nachgesehen habe. L. soll ja etwas Vergleichbares haben: die Prostata. Noch eine Suche:

Die Sache mit der Prostata

Die Prostata ist der G-Punkt des Mannes. Heißt es.Verstörend intensive Orgasmensoll er dem Mann bescheren.Ungeahnte Höhepunkte, multipel und lang andauernd noch dazu. Das klingt doch – verlockend? Leicht zu finden ist die Prostata auch, theoretisch steht dem Urknall nichts mehr im Wege. Aber die Theorie ist der leichtere Teil: Wie überzeuge ich mein Praxismodell zu Hause?

Diana, das Callgirl

Ich werde mich mit Diana treffen, einem der teuersten Callgirls Deutschlands. In einem Forum im Internet können Kunden von VIP-Callgirls die Leistungen der Damen beurteilen. Sie können Aussehen und Performance bewerten, auf einer Skala von eins bis zehn. Zehn Punkte bedeutet dabei: One in a lifetime. Eine Frau, wie man sie nur einmal im Leben trifft. Diana ist die Doppelzehn. Die Königin. Um eine Nacht mit Diana verbringen zu dürfen, zahlen Männer mehrere Tausend Euro. Was ist das für eine Frau, für die so viel Geld gezahlt wird? Wie sieht eine Nacht mit Diana aus? Und wie sieht Diana aus? Und vor allem: Was kann ich von ihr lernen?

Sex an ungewöhnlichen Orten

Ich habe eine Liste, und ich werde sie benutzen: 101 Plätze, an denen Sie Sex haben sollten, bevor Sie sterben. Von A wie Autobahnbrücke bis Z wie Zugabteil. Es ist DER Trick schlechthin für die ganz große Aufregung. Bei S wie Sprungbrett werde ich stutzig. Na, das wird ein Spaß. Mit dabei ist ein ungewöhnliches Hotel:

Das Hotel Q

Rot ist die Farbe der Liebe und rot ist es in diesem Hotel überall. Hier mieteten sich schon Jodie Foster, Drew Barrymore, Quentin Tarantino, Brad Pitt und Angelina Jolie ein, Barbara Becker feierte hier Hochzeit und die Ochsenknechtjungs Geburtstag. Es ist das Hotel mit dem heißesten erotischen Übernachtungsspecial und ich bin schon grässlich neugierig.

Strip, Strip, Hurra!

Es ist doch so: Man begibt sich zu zweit ins Schlafzimmer, die Stimmung ist großartig, heiße Küsse werden ausgetauscht und dann – dann strumpelt man sich aus der Jeans, hüpft auf einem Bein und steht in Socken da. Damit ist jetzt Schluss. Ich werde einen Stripkurs bei der Strip Academy belegen. Der Strip-Europameister wird mir zeigen, wie ich mit ein paar Tanzschritten und den richtigen Bewegungen einen ästhetischen Strip zu Hause hinbekomme – auch wenn sich in meinem Schlafzimmer keine Strip-Stange und kein überdimensionales Martini-Glas befinden.

Aphrodisiaka – Nicht lang schnacken, Kopf in’ Nacken

Ich werde mich durch die bunte Welt der aphrodisierenden Drogen wühlen. Was wird wohl das Richtige für mich sein: Liebestropfen? Hormone? Die Barbiedroge oder doch lieber psychoaktive Pflanzen? Eine Wirkung haben sie alle gemeinsam: erhöhtes sexuelles Verlangen und Erektion. Ich bin gespannt.  

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Toy, toy, toy: Spielzeuge

Ich werde die interessantesten Sexspielzeuge testen, die der Markt hergibt. Ich besorge uns das Vibro-Ei Boditalk Escort. Das kleine Vibrationsei wird am Körper getragen (von mir) und legt los, sobald mich jemand auf dem Handy anruft. Es hört erst auf zu vibrieren, wenn man auflegt. Ich bin gespannt wie diese Gespräche aussehen und wo ich dann gerade bin.

Ausprobiert wird auch der We-Vibe, der erste Vibrator für Paare. Er schmiegt sich von innen und außen an und stimuliert durch sanftes Vibrieren beide Partner. Der c-förmige We-Vibe wurde als Most Innovative Product mit dem Erotic Line Award 2008 ausgezeichnet und wird als Meilenstein auf dem Markt der Sextoys bezeichnet. Sieben Jahre dauerte die Entwicklung, jetzt soll er uns um den Verstand bringen.

Der Liebeszauber

Ich werde die Geheimnisse der weißen Magie zu Hilfe nehmen. Ein alter, überlieferter Liebeszauber soll uns ein erfülltes Liebes- und Sexualleben schenken. Ich beauftrage die Magierin und Hexe Madeleine. Eine ehemalige Kundin bezeichnet sie als »die beste Weißmagierin Europas«. An einer alten romanischen Kultstätte im Tessin führt sie den Liebeszauber durch. Das urzeitliche Wasserbecken im Felsen, das vermutlich schon von Druiden für Rituale verwendet wurde, nutzt die Magierin, um mit ihren Gottheiten in Kontakt zu treten. Sie stellt dort eine Verbindung zum Übernatürlichen her und nutzt die kosmische Energie für das Ritual. Außerdem lasse ich ein erotisches Horoskop erstellen und lerne einen Liebeszauber zum Selbermachen kennen.

Eros CTD

Ich bestelle den Eros CTD. Der Eros ist ein medizinisches Gerät, das der Verbesserung der weiblichen Sexualität dient und in den USA nur auf Rezept zu haben ist. Angeblich wird man mit dem Ding zum Monster-Masturbator. Er ist sauteuer, sieht aus wie ein Taschenstaubsauger und verspricht unter anderem eine verbesserte Orgasmusfähigkeit von über 55 Prozent! Und eine Verbesserung der Empfindlichkeit von über 90 Prozent! Ich werde an die Decke gehen, wenn L. mich nur schräg von der Seite ansieht! Das klingt doch gut, das nehm ich!

Tantra

Ich werde in die erotische Welt des Tantra eintauchen. Ich buche eine Tantramassage de luxe, um zu wissen, was ich hier genau lernen kann. Unter Lingam-Talk kann sich doch kein Mensch etwas vorstellen. Eine erfahrene Tantra-Masseurin soll mir zeigen, was diese alte, indische Liebestechnik für uns bereithält. Ich werde die Lingam-Massage lernen und den Big Draw. Was mag wohl ein Big Draw sein? Ich hab das im Online-Übersetzungsprogramm LEO nachgeschlagen. Große Ausformschräge, sagt LEO, ein Begriff aus dem Modellbau. Das wird noch richtig spannend, das spüre ich.

Amora

Ich werde das Lifestyle-Experiment Amora besuchen, die interaktive Sexakademie. Im Themenpark für schamlose Erwachsene will ich alles über das Vorspiel und Hormone erfahren, Fetische kosten, einen Orgasmus von innen erleben, mir einen virtuellen Traummann bauen und am Plastikmodell die Prostata suchen. Ich werde das Wissen der umfassendsten Sexausstellung mit nach Hause nehmen und für mich nutzen.

Die Liebesschaukel

Eine Liebesschaukel soll ja Stellungen ermöglichen, dass man nur so mit den Ohren schlackert. Jeder will sie mal ausprobieren, und tun tut es dann doch keiner. Liebesschaukelgeschäfte gehören zu den Orten, die man nur aus dem Fernsehen kennt. Wie man dort einkauft, ohne rot zu werden, wo man sie befestigt, was man damit anstellen kann, was dabei passieren kann, ob sich die Anschaffung lohnt und wie man das Ding als hängenden Wäschekorb tarnt ...

Eine Bestandsaufnahme

Ich heiße Alexandra, ich bin 30 Jahre alt und ich will die beste Liebhaberin der Welt werden. Ich habe zwei Katzen, einen Hund und L., meinen Freund, der nicht ausschließlich begeistert von meinem Vorhaben ist:

»Ich lass mir aber nicht den Finger in den Hintern stecken!«

»Keine Sorge, mach ich nicht.«

Zumindest nicht, solange mir niemand ausdrücklich dazu rät.

»Und du erzählst bitte keine Details aus unserem Schlafzimmer!«

»Selbstverständlich nicht!«

Es gibt viel zu tun.

Kommen Sie mit, wenn ich losziehe, die beste Liebhaberin der Welt zu werden.

Wir fangen an mit Dirty Talk.

Dirty Talk

Mein erster Dirty Talk war ein komplettes Missverständnis. Ich war damals zum ersten Mal mit L. auf Reisen. Frisch verliebt zuckelten wir mit dem Auto durch Spanien und landeten in Malaga. Wir verbrachten den Abend in einem wunderschönen kleinen Restaurant am Hafen, zusammen mit gegrillten Fischen und eiskaltem Weißwein. Leise klatschten die Wellen an die Hafenmauer und die Steine der Terrasse strahlten noch die Wärme des Sommertages ab. Höchst romantisiert machten wir uns Arm in Arm auf den Weg in das schnuckelige Hotel, wo wir ein Zimmer mit Blick aufs Meer gemietet hatten.

Wir legten uns nackt auf die weiße, glatt gestrichene Tagesdecke des Betts und durch die Ritzen der hölzernen Fensterläden fielen Streifen aus Mondlicht auf unsere Körper, was wahnsinnig gut aussah. Mein wunderbarer Mann strich mit seinen Fingern zart das Licht auf meiner Haut nach. Ein paar zärtliche Küsse später schmiegten wir uns aneinander, er lag hinter mir und ich drückte mich an ihn. Er streichelte mir über den Hals hinab bis zu meiner Hüfte, dann haute er sich (!) kräftig auf den Po und rief:

»Ficken, Drecksau!«

Kennen Sie so Momente, in denen man salzsäulenartig erstarrt, um noch einmal nachzuspüren, ob das eben Erlebte oder Gesagte tatsächlich passiert ist? Wenn der Partner einen, zum Beispiel, gerade mit dem Namen der Exfreundin angesprochen hat? Oder wenn das Gegenüber während eines Small-Talks in einen riesigen Fettnapf getreten ist? Oder wenn Ihr Liebster während eines zärtlichen Vorspiels plötzlich: »Ficken, Drecksau!«, ruft? Dem folgt eine ganz spezielle Stille.

Zu meiner großen Erleichterung war es nicht die Absicht von L., die romantische Situation durch ein bisschen Dirty Talk aufzupeppen, sondern es hatte ihn eine Fliege gepiesackt, die sich immer wieder auf seinem Hinterteil niederließ. Die extravagante Wortwahl Ficken, Drecksau ging auf eine dumme Angewohnheit meines Liebsten und seines besten Freundes zurück, die sich zu dieser Zeit intensiv mit dem Humorpotenzial des Tourette-Syndroms beschäftigten. Wenn etwas danebenging, schleuderten sie statt »Mist« oder »Verdammt« Salven von unangebrachten und obszönen Wörtern heraus. Ein Systemabsturz des Computers konnte L. damals durchaus ein »Ficken, Drecksau, Arschloch, Pillermann, Sau, Sau, Sau« entlocken. Ich bin sehr froh, dass diese Angewohnheit überwunden ist, und erinnere mich immer wieder gerne an unsere romantische Nacht in Malaga. Zum Beispiel, wenn in den Nachrichten Meldungen über verheerende Waldbrände in Malaga kommen. Was denke ich da? Ficken, Drecksau. Und habe ein schlechtes Gewissen dem Waldbrand gegenüber.

Aber nun zum richtigen, echten, schmutzigen Dirty Talk.

Wissen Sie, was die am häufigsten verwendeten Wörter beim Dirty Talk sind? Obacht:

IhnEsSie

Meist wird davor ein Verb im Imperativ Singular gesetzt, wie etwa nimm, steck, schieb, leck