Das Trauerspiel der Schwarzen Witwe - Jürgen Heller - E-Book

Das Trauerspiel der Schwarzen Witwe E-Book

Jürgen Heller

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Beschreibung

Also das kennt man ja schon, Bruno Hallstein wieder mal auf detektivischen Abwegen. Diesmal hat es ihn in einen Ostseebadeort verschlagen, wo er seinen Cousin besucht, wie immer zu Ostern. Knapp einem Attentat entgangen, versucht er die Hintergründe zu erforschen und die Täter zu identifizieren. Dummerweise unterschätzt er die Gefährlichkeit der Schwarzen Witwe, vielleicht auch weil sie an der Ostsee eher selten vorkommt. So wird aus einem vermeintlich terroristischen Anschlag schnell ein Gespinst aus ostholsteinischer Korruption, Geldgier und Eifersucht, eine gefährliche Kombination, wie Bruno Hallstein ganz schnell merken wird.

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Seitenzahl: 370

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Jürgen Heller

Das Trauerspiel der Schwarzen Witwe

Hallsteins dritter Fall

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorbemerkung

Berlin, Donnerstag, 05.04.2012

Berlin, Freitag, 06.04.2012

Lütjenbrook, Sonnabend, 07.04.2012

Eutin, Sonntag, 08.04.2012

Eutin, Montag, 09.04.2012

Lütjenbrook, Mittwoch, 11.04.2012

Lütjenbrook, Donnerstag, 12.04.2012

Lütjenbrook, Freitag, 13.04.2012

Lütjenbrook, Sonnabend, 14.04.2012

Lütjenbrook, Sonntag, 15.04.2012

Lütjenbrook, Montag, 16.04.2012

Lütjenbrook, Dienstag, 17.04.2012

Lütjenbrook, Mittwoch, 18.04.2012

Lütjenbrook, Donnerstag, 19.04.2012

Lütjenbrook, Freitag, 20.04.2012

Lütjenbrook, Sonnabend, 21.04.2012

Impressum neobooks

Vorbemerkung

Die Handlung in dem vorliegenden Roman ist vollständig frei erfunden, ebenso alle auftretenden Darsteller und ihre Namen. Entstehende Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und unbeabsichtigt. Lütjenbrook, der eigentliche Ort der Handlung, ist fiktiv aber in die real existierende Landschaft des Kreises Ostholstein eingebettet. Ich gebe gerne zu, dass mich einige Badeorte an der Ostsee zu der Geschichte inspiriert haben. So besteht die Gefahr, dass dem eingeweihten Leser die eine oder andere Situation bekannt vorkommt. Das konnte ich leider nicht verhindern.

Jürgen Heller

Berlin, Donnerstag, 05.04.2012

Bruno Hallstein schiebt den leeren Teller etwas von sich weg, wischt sich die Lippen mit der bisher unbenutzten Stoffserviette ab und greift nach dem Glas mit dem restlichen Rotwein, Blaufränkisch vom Neusiedlersee, Jahrgang 2009. Zufrieden mit der Welt und seiner Getränkewahl genießt er die charaktervollen Aromen noch immer, obwohl der Wein die Geschmacksnerven in seinem Mund längst passiert hat. Er lehnt sich entspannt gegen die Stuhllehne zurück und beobachtet das Geschehen im Lokal. Er war lange nicht hier, wobei lange den Zeitraum von maximal einer Woche beschreibt. Hier, bei seinem alten Kumpel Harry, der die 'Mühle' jetzt schon im fünfzehnten Jahr betreibt, ist er Stammgast, anfangs nur wegen der Freundschaft, später aber auch wegen der ausgezeichneten Küche und der sehr speziellen Weinkarte. Am Anfang stand Harry, immerhin ausgebildeter Koch und Konditor, noch selbst in der Küche, aber im Laufe der Jahre hat er seinen Schwerpunkt mehr und mehr in Richtung Gästebetreuung verlagert, also am Stammtisch sitzen und mit den Gästen plaudern, dabei ab und zu auch mal einen mittrinken. Heute sitzt er allerdings nicht mit am Tisch, sondern in einem Flieger nach München. Wenigstens seine Sylvia hat Harry zurückgelassen. Das ist für Bruno eine sehr angemessene Entschädigung, denn normalerweise begleitet sie ihren Harry auf allen Reisen, aber nicht, wenn der seine Tochter besucht. Die beiden Frauen mögen sich nicht besonders. Tina ist damals nach der Scheidung ihrer Eltern bei der Mutter geblieben und sah Jahre lang in ihrem Vater einen Schurken, der Frau und Kind verlassen hatte. Vor fünf Jahren stand sie dann plötzlich vor der Tür, wollte ihren leiblichen Vater besuchen. Sie hatte im Laufe der Jahre, die durch die einseitige Erziehung der Mutter geprägt waren, eine neue Sicht der Dinge entwickelt, eine attraktive junge Frau, die inzwischen in München Sport studierte und ein eigenes Leben führte, nicht mehr an Mamas Rockzipfel. In ihrer Beziehung zu ihrem Vater hatte sie viel nachzuholen, und Harry war geradezu närrisch, wollte alles wieder gut machen, ging natürlich nicht. Inzwischen hat die Zeit aber alte Wunden verheilt und Vater und Tochter haben ein normales Verhältnis. Nur mit Sylvia mochte Tina nicht Frieden schließen, da kam dann doch das alte Gespenst der zerstörten Familie wieder hervor. Obwohl Sylvia erst sehr viel später in Harrys Leben trat, war sie für Tina doch so etwas wie das Symbol für die Untreue ihres Vaters. Einmal im Jahr besucht Harry sie in München und mindestens einmal im Jahr kommt Tina nach Berlin, meist in den Semesterferien. Bruno hat sie hier schon als Bedienung genießen dürfen, kann sich noch sehr gut an ihren koketten Gang erinnern und an ihr Goldkettchen mit dem Kreuz, das ihn von einer strategisch wichtigen Stelle aus ermahnte, seine Blicke zu kontrollieren. Da wusste er allerdings auch noch nicht, dass sie Harrys Tochter war.

Bruno macht sich bemerkbar, indem er den Arm mit dem leeren Glas in der Hand in Richtung Tresen erhebt. Sylvia reagiert umgehend, obwohl sie gerade in ein Gespräch mit Herrn Schneider verwickelt ist. Herr Schneider kennt das aber, schließlich sitzt er jeden Abend dort und schüttet der guten Sylvia sein Witwerherz aus, das zu Beginn immer traurig, spätestens nach dem vierten Bier aber das Herz eines galanten älteren Herrn ist, der sie dann nicht selten mit charmanten Komplimenten überhäuft, sozusagen mit ihr flirtet, auf seine Art. Für Sylvia ist es kein Problem, bei diesem Spiel mitzuwirken, wie sie überhaupt jedem hier zuhört, zur Not auch die Beichte abnimmt. Sie ist wie gemacht für diesen Job, immer aufmerksam, für jeden Gast ein nettes Wort, oder sagen wir mal für fast jeden, und nicht zu vergessen, ihre Wirkung, also die auf Männer. Bruno kann es gar nicht so richtig einordnen, sie verkörpert so eine Mixtur aus Diva und Märchenfee, könnte, wenn sie denn wollte, mit Leichtigkeit jedem Mann den Kopf verdrehen, kann aber auch auf so unnahbar umschalten, dass man sich gar nicht getraut sie anzusprechen. Seit Bruno sie kennt, ist sie für ihn die Messlatte, wobei Messlatte natürlich ein etwas fragwürdiges Kompliment. Aber so müssen Frauen sein, genauer gesagt, müsste seine Frau sein, die anderen sind ihm ja egal. Ziemlich sicher aus diesem Grund ist er immer noch allein. Da gab es mal eine Carla mit 'C', seine aristokratische Ex-Freundin mit italienischen Wurzeln, dann die bildschöne Anita aus dem Stubaital, die ihm sogar ganz unverhohlen eine Wohnung in ihrem Haus angeboten hat, und nicht zu vergessen Sara Anschütz, die Polizistin, die er anhimmelte, die aber auch so unerreichbar schien, dass er manchmal schon dachte, sie würde eher mit Frauen…, aber egal, Fakt ist, Bruno lebt immer noch allein in seiner großzügigen Tegeler Dreizimmerwohnung. Selbst seine derzeitige Beziehung zu Karla mit 'K' ist eigentlich gar keine richtige Beziehung. Obwohl er sie wirklich sehr gerne hat und sie ihn wahrscheinlich sogar liebt, kann er den letzten Schritt nicht gehen, noch nicht, wie er sich immer wieder einredet. Sie wartet nur darauf, das weiß Bruno, und sie ist sicher auch eine Hammerfrau, wie Harry immer sagt. Der wundert sich deshalb auch, dass Bruno so lange zögert. Dabei muss der das gerade sagen, befinden sich Sylvia und Harry doch selber noch in der Warteschleife. Beide haben ihre eigene Wohnung, beide ziehen sich auch ab und zu dorthin zurück, um allein zu sein. Vielleicht ist es doch eine Frage des Alters…

Ach ja, Karla. Was du jetzt wohl machst? Warum habe ich dich eigentlich nicht zum Essen eingeladen? Jetzt hänge ich wieder allein hier rum und starre der Freundin meines Freundes hinterher, lasse meiner Fantasie freien Lauf und weiß doch, dass zwischen uns nie etwas laufen wird, weder von meiner noch von ihrer Seite aus. Aber hinschauen muss ich schon, diese roten Haare…

"Na Bruno, hat's geschmeckt? Ich hab dir schon mal einen neuen Wein mitgebracht, hab ich doch richtig verstanden, oder? "

"Jaja, alles bestens. Das Essen war übrigens Spitze, dein Sohn wird immer besser. Hast du nachher mal ein paar Minuten für mich? Ich bin so einsam."

"Ach je, kleinen Moment noch, Bruno, ich muss mich erst mal um Herrn Schneider kümmern, der hat es nötiger als du. Der nimmt höchstens noch ein Bier, dann geht er sowieso. Die anderen Gäste beschäftigen sich ja mit sich selbst. Aber warte, ich werde dich schon mal von dem alten Geschirr befreien."

Geschickt stapelt sie die zwei kleinen Schüsseln auf den Teller und legt das Besteck dazu. Dann schenkt sie Bruno noch ein kleines Lächeln und balanciert alles zu einer Durchreiche zur Küche. Brunos Blicke folgen jeder ihrer Bewegungen, Harry ist ja nicht dabei und Sylvia hat hinten keine Augen. Sonst würde Bruno selbstverständlich auch nicht so ungeniert starren, wirklich nicht. Ein Schlückchen Wein bringt ihn auf andere Gedanken.

Eines ist irgendwie eigenartig, alle Frauen, die so auf meiner Festplatte gespeichert sind, haben eines gemeinsam, sie stehen allesamt im Zusammenhang mit meinen kriminalistischen Verwicklungen in der Vergangenheit, bis auf Sylvia und natürlich Anna, meine Anna hinter den Bergen. Aber die beiden haben auch etwas gemeinsam, sie sind vergeben, quasi out of Zugriff. Da wird auch nicht dran gerüttelt Bruno! Lieber noch einen wönzigen Schlock… Aber noch einmal, das könnte doch der Grund sein, also, wie soll ich sagen, dass ich noch solo bin, oder? Detektive können sich keine feste Bindung erlauben. Mensch, wenn mir mal was passiert, die arme Witwe…, nicht auszudenken.

Bruno beobachtet, wie Herr Schneider bezahlt und sich dann von Sylvia mit einem Handkuss verabschiedet.

Handkuss? Hier in der Mühle? Man, der hat's ja drauf, hat er bestimmt mal in einem Film mit Hubert von Meyerinck gesehen. Muss ich auch mal üben, vielleicht stehen Frauen auf sowas…

"So, mein Lieber, jetzt habe ich ein wenig Zeit. Aber ich muss mich da auf die Bank setzen, damit ich alles im Blick habe. Lässt du mich mal?"

Bruno erhebt sich, um Sylvia vorbeizulassen, aber Achtung, Schlitzohr, er lässt ihr gerade so viel Platz, dass sie ganz schön dicht an ihm vorbei muss. Sie tut es ohne zu zögern. Es kommt ihm einen Augenblick sogar so vor, als ob sie ihm ganz kurz ziemlich tief in die Augen blickt, vielleicht auch für den Bruchteil einer Sekunde stehen bleibt, aber das reicht schon, um Bruno eine schlaflose Nacht zu bereiten, er weiß es nur noch nicht.

"Möchtest du nichts trinken? Ich lade dich ein."

"Danke, Bruno, das ist lieb von dir, aber stell dir vor, ich würde jede Einladung zu einem Getränk annehmen…, und Cola oder Limo mag ich nicht, auch kein Kaffee am Abend."

Schade, sonst müsstest du nochmal an mir vorbei. Muss ich wohl selber noch einen bestellen.

"Wie geht es dir eigentlich? Was macht denn deine Karla, oder seid ihr nicht mehr zusammen? Ist wirklich 'ne tolle Frau, passt auch gut zu dir. Also ich mag sie."

"Was heißt zusammen? Wir sind schon öfter zusammen, meistens am Wochenende aber…"

"Das ist doch kein Zusammensein, Bruno, mach mal halblang. Worauf wartest du denn, dass du Pflegestufe Eins bekommst? Mensch, unsere Zeit läuft bald ab, das geht schneller als du denkst. Jetzt ist jetzt und hier und heute. Morgen kann schon sonst was geschehen sein. Harry und ich haben auch viel zu lange gewartet, das bereuen wir jetzt beide. Deshalb haben wir uns auch verlobt, schau hier."

Sylvia hält ihm die linke Hand entgegen. Der weißgoldene Ring ist sehr schlicht und kommt gerade deshalb besonders zur Wirkung, auch weil es der einzige Ring an ihren Fingern ist.

"Ach, dann war das gar kein Handkuss von Herrn Schneider, sondern er hat deinen Ring taxiert und leider sieht er nicht mehr so gut."

"Du bist ein Quatschkopf, Bruno. Das war sehr wohl ein Handkuss. Herr Schneider ist eben noch von der alten Schule."

"Aber Verlobung? Auch alte Schule, oder? Wer macht das denn heute noch, und warum hat Harry mir das nicht erzählt? Schöner Freund. Braucht ihr keinen Trauzeugen?"

"Nee, von Heirat ist ja nicht die Rede. Die Ringe sollen nur symbolisieren, dass wir zusammengehören. Ansonsten ändert sich nichts, das wollen wir beide so. Wir haben ja jeder ein erwachsenes Kind und wollen nicht durch eine Hochzeit die erbrechtlichen Angelegenheiten noch verkomplizieren. Du weißt ja, das mit der Tina ist sowieso schon schwierig genug. Willst du noch einen?"

Sie hat sich schon erhoben, wohl auch wegen dem Gast in der hinteren Ecke des Lokals, der sich schon ein paarmal nach der Bedienung umgesehen hat. Bruno steht auf und lässt ihr diesmal wesentlich mehr Platz, zollt der Verlobten seines Freundes den angemessenen Respekt.

Verlobung. Wäre das eine Lösung für mich? Kann man sich eigentlich auch mit mehreren Frauen verloben oder ist das auch schon Bigamie? Mal Karla fragen, was sie davon hält. Aber wie sieht ein Ring an meinen Wurstfingern aus? Und gibt es so große Ringe überhaupt? Und wenn ich dann mit einem Verlobungsring durch die Welt ziehe, keine Frau wird mehr mit mir reden, höchstens nach dem Weg fragen oder wann der Bus kommt…

Sylvia erscheint mit einem weiteren Rotwein und hat sich selber ein kleines Glas mitgebracht. Bruno erhebt sich wieder, um sie vorbeizulassen. Die Gasse ist wieder mehr auf Körperkontakt eingestellt. Verlobung ist keine ernstzunehmende Abgrenzung für ihn, das hat ja nun seine Analyse eben gerade klipp und klar ergeben. Sylvia schaut Bruno fest in die Augen und hebt ihr Glas, sozusagen Benimmregel, beim Anstoßen schaut man sich an. Bruno macht zwar Kling aber das mit dem fest in die Augen sehen, also da ist noch Luft nach oben. Wobei man nach vier Glas Rotwein natürlich immer den Nachteil hat, konzentriert zu sehen, ganz egal wohin.

"Na, hast du dir doch ein Gläschen eingeschenkt? Musst dir meinetwegen Mut antrinken, nicht wahr? Keine Sorge, ich bin ganz beherrscht, obwohl es nicht ganz einfach ist. Du bist schon eine, wo einem das Wegschauen nicht ganz leicht fällt, also ich meine…, du siehst schon verdammt gut aus."

"Mann, Bruno, stell dich doch nicht so an. Du sollst doch nicht wegschauen. Ich weiß doch, dass ich dir gefalle, aber man kann ja nun nicht jeden Menschen, der einem gefällt, gleich heiraten."

"Aber Verlobung!"

Sylvia muss lachen. Dadurch sieht sie in Brunos Augen noch schöner aus und durch den fünften Rotwein nochmal schöner. Ihm wird klar, er muss die Sache jetzt schnellstens abbrechen.

"Sag mal, wo ist übrigen Lucie? Hat Harry sie etwa mitgenommen?"

"Nein, wo denkst du hin? Lucie ist hinten in der Wohnung. Mit der muss ich nachher noch raus, Gassi gehen. Wolltest du sie ein paar Tage übernehmen?"

"Eigentlich sehr gerne, aber ich bin über Ostern gar nicht da. Ich will dann auch langsam mal los, muss morgen früh fit sein. Es geht an die Ostsee."

"Ostsee? Was machst du da denn? Ist das nicht noch viel zu kalt?"

"Ach was, ich besuche meinen Cousin, wie jedes Jahr zu Ostern. Sonnabend gehen wir zum Osterfeuer, direkt am Strand. Das ist richtig gut und vor allen Dingen warm. Für Notfälle wird auch Glühwein angeboten. Also wenn es nicht gerade regnet…"

"Dann mal viel Spaß, Bruno, ich hole mal deine Rechnung."

Noch einmal muss sie an ihm vorbei und noch einmal genießt er es. Jetzt aber, er weiß nicht warum, fällt ihm Karla ein.

Die könnte ich jetzt in die Arme nehmen. Die wäre froh, wenn ich es öfter täte.

Draußen empfängt ihn ein kühler Wind. Bruno zieht den Reißverschluss seiner Jacke ganz hoch und verbirgt sein Gesicht bis zur Nase im Stehkragen. Die Hände hat er ebenfalls in den Taschen vergraben und so geht er den Weg nach Hause. Obwohl seit letzter Woche diese unsympathische Sommerzeit herrscht, ist es inzwischen stockdunkel, nur der volle Mond lugt ab und zu durch die vom Wind aufgerissene Wolkendecke.

Scheiß Vollmond, werde ich wieder kein Auge zukriegen. Obwohl, genügend Bettschwere habe ich eigentlich…

Tegel ist wie ausgestorben. Wahrscheinlich sind die Menschen schon in andächtiger Erwartung wegen des bevorstehenden Osterfestes. Aber irgendwie kann das auch nicht sein, weil Bruno erst kürzlich einen Fernsehbericht verfolgt hat, in dem ein Reporterteam einen Tag lang vor dem KaDeWe gestanden hat, um hunderte von Passanten nach der Bedeutung des Osterfestes zu befragen. Bruno mit seiner christlich geprägten Kindheit, abends beten, Lieber Gott mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm, im Religionsunterricht immer nur 'Sehr Gut' und dann auch noch getauft und konfirmiert, hat sich prächtig amüsiert. Kaum einer der Befragten wusste die richtige Antwort. Komischerweise waren etliche Bürger mit Migrationshintergrund, wie man heute so schön sagt, in der Lage, die richtige Antwort zu geben. Jaja, es ist schon ein Kreuz mit dem Kreuz und der Wiederauferstehung.

"Always look on the bright side of life…"

Lange nicht gesehen diesen Klassiker mit Monty Python, wäre doch jetzt angemessen. Aber was den religiösen Glauben betrifft, sind die Menschen auf der ganzen Welt ja völlig humorlos. Im Gegenteil, sie warten nur auf einen entsprechenden Anlass, um dann mit Hasstiraden und Gewalt an den jeweils Andersgläubigen Vergeltung zu üben, seit Jahrhunderten, das muss man sich mal bewusst machen. Was ist das eigentlich für ein Glaube, der die Intoleranz zum Gesetz erhebt und der die Rechtfertigung bietet für Unterdrückung, Bevormundung, Verfolgung und Vernichtung von Menschenleben? Wieviel zigtausend Menschen haben dafür schon ins Gras gebissen? Wer sagt eigentlich, dass dieser Gott lieb ist? Kann doch nur einer sein, der selber Böses im Schilde führt…

Bruno merkt, wie eine Wut in ihm aufsteigt, denn fromm ist er schon lange nicht mehr. Dazu bedurfte es keiner Gehirnwäsche, nicht mal der skandalösen Affären mit missbrauchten kleinen Jungs oder selbstverliebter, prunksüchtiger Würdenträger. Allein der Auftritt der lila Kirchen-Topmanager, mit ihren durchgeistigten, scheinheiligen Gebärden und ihren qualmenden Ritualen bringt Bruno auf die Palme. Da hilft auch keine Fußwäsche.

Fußwäsche als Symbol für den Dienst an den Armen, dass ich nicht gleich kotze. Sollen sie doch mithelfen dafür zu sorgen, dass es keine Armen mehr gibt auf dieser Welt. Im Gegenteil, sie treiben Steuern ein und genieren sich auch nicht, nach jedem Gottesdienst den Klingelbeutel rumgehen zu lassen. Die Füße könnten sich die Menschen selber waschen, wenn sie denn im Besitz von Wasser und Seife wären. Habe ich nicht Recht?

Bruno wirft noch einen Blick in die Fernsehzeitung, muss irgendwie auf andere Gedanken kommen, sonst klappt das mit dem Schlaf schon gar nicht. Und als ob ihn jemand erhört hat, auf dem Bildschirm ein Vorbericht über die zu erwartenden Osterfeierlichkeiten. Beim Anblick des ersten Kardinals Brechreiz. Bruno schaltet die Kiste sofort wieder aus. Dann, im Kühlschrank, noch ein Bier.

Das genehmige ich mir…, und dann könnte ich auch schon mal ein paar Klamotten zusammensuchen. Dann brauche ich das morgen früh nicht zu machen.

Bruno holt aus der Rumpelkammer seiner Wohnung eine kleine Reisetasche und einen Koffer. Er stellt beides mitten auf den Esstisch. Dann sammelt er Wäsche und Kleidung für fünf, sechs Tage zusammen und stopft die Sachen hinein. Also stopfen ist jetzt nicht der richtige Ausdruck, im Gegenteil, er gibt sich sogar richtig Mühe, alles ordentlich zu verstauen, auch um zu vermeiden, dass er die Sachen später aufbügeln muss. Außerdem, als Ingenieur weiß er natürlich, dass ordentlich gepackt viel mehr in so einen Koffer hineinpasst. Überwältigt von seinem erfolgreichen Arbeitsanfall lässt er sich in seinen Lieblingssessel fallen, nuckelt an der Bierflasche und überlegt.

Ob ich noch etwas für meinen Cousin und seine Frau mitnehmen sollte, so als Mitbringsel? Keine Idee… Wein wäre nicht schlecht, da bin ich auch ganz gut sortiert…, blöd nur, Michael trinkt keinen Wein. Ostereier? Nee, Ostereier sind was für Kinder…

Das Telefon reißt ihn aus seinen Gedanken.

"Hallo Bruno, du bist doch noch wach oder? Ich kann nicht schlafen und dachte mir…"

"Hallo, Karla, hast Glück, war gerade auf dem Weg ins Bett. Kannst nicht schlafen? Liegt bestimmt am Vollmond."

"Ja, kann sein, aber ich musste auch den ganzen Tag an dich denken. Wann sehen wir uns eigentlich mal wieder? Jetzt, wo Ostern ist…"

"Hast du viel Zeit, oder? Bei mir sieht es allerdings nicht so gut aus, muss morgen an die Ostsee, zu meinem Cousin. Ist so eine alte Tradition, machen wir schon seit Jahren."

"Aha, Männerparty, verstehe. Da ist natürlich kein Platz für Frauen. Schade, ich dachte wir könnten mal gemeinsam etwas unternehmen. Ich wäre so gerne in deiner Nähe."

Bruno überlegt kurz, ob er sie nicht einfach mitnehmen sollte. Jeder andere Mann würde sich nach Karla verzehren, aber Bruno zweifelt wieder Mal an sich selbst, an seine Gefühle zu ihr, an der Echtheit ihrer Zuneigung, schließlich ist er fünfzehn Jahre älter als sie, kurz gesagt, er überlegt, ob die Welt nicht doch eine Scheibe ist.

"Naja, Männerparty, ich weiß nicht, ob es das trifft. Mein Cousin ist fast so alt wie ich, da wird aus Party schnell Reha. Aber ich mache dir einen Vorschlag, wenn ich zurück bin, feiern wir unsere Verlobung! Ist das 'n Ding?"

Berlin, Freitag, 06.04.2012

Es ist schon ziemlich spät, also jedenfalls wesentlich später als geplant, aber Bruno ist einfach nicht aus dem Bett gekommen. Das war aber irgendwie nicht anders zu erwarten, hat er doch bis vier Uhr morgens wach gelegen, konnte einfach kein Auge zumachen, oder genauer gesagt, zumachen schon, nur der Schlaf wollte sich einfach nicht einstellen. Ursachen gab es einige, einmal der dämliche Vollmond, der schon alleine dadurch, dass er im Kalender verzeichnet ist, vielen Menschen den Nerv, beziehungsweise den Schlaf raubt. Da kann die Wolkendecke so dicht sein wie sie will, Vollmond ist Vollmond, auch wenn er nicht zu sehen ist. Dann dieses Geplänkel mit Sylvia. Das beschäftigte seine Gedanken doch mehr als ihm lieb war, und zum Abschluss das Telefonat mit Karla, das in einem völlig überraschenden Schachzug endete, auch für ihn selbst. Welcher Verlobungsteufel hatte ihn da nur geritten? Er zerbrach sich das Gehirn, aber es wollte ihm einfach nicht einfallen, wie Karla reagiert hatte. Hat sie überhaupt reagiert, irgendetwas dazu gesagt? Summa summarum wirklich keine guten Voraussetzungen für einen erholsamen Schlaf.

Bruno fährt auf der A24, vor der Wiedervereinigung ehemalige Transitstrecke Berlin-Hamburg, Richtung Nordwesten. Noch fünf Kilometer bis zur Raststätte Walsleben bei Neuruppin. Das große Hinweisschild motiviert ihn, eine verspätete Frühstückspause einzulegen. Um wieder etwas Zeit zu gewinnen, hatte er auf das morgendliche Frühstück verzichtet, hatte sowieso nichts Vernünftiges im Haus. Es ist schon fast Mittag und deshalb vielleicht entschuldbar, dass in der Glasvitrine am Tresen nur noch zwei verwelkte Käsebrötchen liegen. Der dunkelgelb schwitzende Käse hat sich an den Enden etwas nach oben gebogen, quasi letztes Aufbäumen: nimm mich mit, ich vertrockne sonst. Am schlimmsten aber das Salatblatt, das kraftlos unter der Käsescheibe herunterhängt, von dunklen Flecken durchzogen. Mit hochgezogenen Augenbrauen sieht sich Bruno fragend um, was es sonst noch gibt und registriert an der Wand hinterm Tresen ein Plakat mit Farbbildern der angebotenen Speisen, Bockwurst mit Senf und Brot, Soljanka, Currywurst mit Pommes und quaderförmigen Fisch mit Remoulade und Bratkartoffeln. Er überlegt kurz, ob er nicht die nächste Raststätte aufsuchen sollte, befürchtet allerdings ein ähnliches Bild. Es gibt sie eben immer noch, die Überbleibsel der alten DDR. Diese Raststätte jedenfalls holt die Erinnerung zurück. Nur die Intershop-Läden sind nicht mehr da, diese ehemaligen Devisenbeschaffer der DDR, wo man für harte Währung westliche Genussmittel und Luxusartikel kaufen konnte, Schnaps, Zigaretten, Parfüm, Uhren, auch Markenkleidung. Aufgrund der wesentlich niedrigeren Preise kauften die meisten Transitreisenden hier ein, ohne sich einen Kopf zu machen, dass sie dadurch den 'Real existierenden Sozialismus' unterstützten. Bruno war da keine Ausnahme. Aber Schnee von gestern, dann schon lieber noch weiter zurückgeschaut, denn zu Brunos Lieblingslektüre gehören Fontanes 'Wanderungen durch die Mark Brandenburg'. Das Kapitel 'Die Grafschaft Ruppin' ist ihm in guter Erinnerung, und er wollte schon immer mal in diese geschichtsträchtige Gegend reisen, sozusagen mit Fontanes Reiseführer auf den Spuren der Familie Zieten, des Karl-Friedrich Schinkel und nicht zuletzt des Dichters selbst, allesamt untrennbar mit Ruppin verbunden. Bisher ist es aber bei der Absicht geblieben, und die wird auch immer nur dann aufgewärmt, wenn er hier mal auf der Autobahn vorbeikommt. Wie auch immer, das Thema ist nicht geeignet, um ihn auf andere Gedanken zu bringen. Bruno hat Hunger und landet schließlich doch bei der Bockwurst. Wahrscheinlich ist da das Risiko der zu erwartenden kulinarischen Katastrophe wirklich am geringsten. Und in der Tat, die Wurst hat zwar eine ziemlich harte Pelle, schmeckt aber tadellos, und der Kaffee auch. So sitzt er wenig später deutlich versöhnt wieder hinterm Steuer seines Subaru und fährt in einer Kolonne mit unzähligen Ostertouristen weiter seinem Ziel entgegen.

Eigentlich tue ich den Leuten unrecht. Die Bockwurst und auch der Kaffee waren astrein, und ich weiß wirklich nicht, ob die Lösung der anderen, neueren Raststätten mit ihren gastronomischen Filialen der großen Fastfood-Anbieter und ihrem vorgefertigten Einheitsessen wirklich ein Fortschritt sind. Zuhause gehe ich auch nicht in solche Läden… Außerdem haben die das mit den fotografierten Speisen erfunden, braucht man eben keine Sprachkenntnisse mehr… Aber interessant! Sprachkenntnisse zwar überflüssig aber wie sieht es denn mit den Kenntnissen über unsere Leitkultur aus? Im Prinzip hätte ich doch gar keine Bockwurst essen dürfen! Karfreitag! Okay, das Abendmahl gestern in der 'Mühle' war für einen Gründonnerstag grenzwertig aber immerhin Abendmahl…, heute nun absolute Abstinenz Herr Hallstein! Schöne Aussichten.

Bruno ist froh, das ihm so wichtige Fragen einfallen, lenken sie doch ein wenig von der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h ab und unterdrücken die aufkommende Müdigkeit. Nach dem Abzweig Wittstock ist damit endlich Schluss und er kann auch mal auf die Tube drücken, so als freier Bürger. Die Verkehrsdichte hat deutlich abgenommen, es sind doch viele weiter Richtung Rostock gefahren. Die Sonne teilt sich den blauen Himmel mit dicken weißen Wolken und ein zunehmender Wind sorgt dafür, dass beide abwechselnd die Oberhand gewinnen, mal Wolke, mal Sonne. Das ist für Bruno nun auch wieder etwas lästig, da er dauernd die Sonnenbrille auf- und wieder absetzen muss, naja, es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel, dass die Sendeleistung seines geliebten Berliner Stammsenders nun nicht mehr ausreicht, und der automatische Suchlauf nach einigen Sekunden bei einem Radiokanal aus Mecklenburg-Vorpommern hängen bleibt. Die Moderatorin schafft es innerhalb von zwanzig Minuten gefühlte zehnmal zu erklären, dass dieser Sender der beste in McPomm sei und die abwechslungsreichste Musik der Welt spiele, also Oldies und Pop, auch mal was auf Deutsch, ziemlich genau das, was schätzungsweise siebenhundert andere Sender auch bringen. Es fehlt auch nicht an Meldungen über Blitzer und das derzeitige Wetter. Bruno schaltet um auf CD und ist überrascht, dass er immer noch die alte Hubert-von-Goisern-Platte drin hat, bestimmt schon länger als drei Jahre. Da hat er jetzt aber auch keine Lust drauf, und so stellt er das Radio ganz aus. Am Abzweig Schwerin verlässt er die A24 und fährt auf die A14 Richtung Wismar. Jetzt ist er fast völlig allein auf der Straße, muss allerdings wieder eine vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit beachten. Erst ab Schwerin hat er freie Fahrt und fliegt mit über 180 km/h über das graue Band.

Fahr 'n, fahr 'n, fahr' n, auf der Autobahn.

Vor uns liegt ein weites TalDie Sonne scheint mit GlitzerstrahlDie Fahrbahn ist ein graues BandWeiße Streifen, grüner RandJetzt schalten wir das Radio anAus dem Lautsprecher klingt es dann:Wir fahren auf der Autobahn . . .

Kraftwerk, ob es die überhaupt noch gibt? Müsste ich mal recherchieren. Sowas habe ich noch nie in den letzten zwanzig Jahren im Radio gehört. Ist doch auch ein Oldie aber wahrscheinlich zu avantgardistisch, kein Mainstream… Naja, über Geschmack lässt sich trefflich streiten, besonders Musikgeschmack…

Am Autobahnkreuz Wismar wechselt er auf die A20 und fährt nun Richtung Lübeck. Die Ostsee liegt zur rechten Hand und der Wind macht sich immer stärker bemerkbar. Bruno muss sich wegen der seitlichen Böen konzentrieren, auch weil der Verkehr hier wieder wesentlich dichter ist. Kurz vor Lübeck muss er ohnehin runter vom Gaspedal, wieder mal Begrenzung, diesmal100 km/h. Nach weiteren zehn Minuten hat er endlich die letzte Autobahnetappe erreicht, er wechselt auf die A1 Richtung Puttgarden. Auf der rechten Seite sind kurz die Kirchtürme der Stadt Lübeck zu sehen. Bruno erinnert an einige berufliche Aufenthalte in dieser Stadt, die mit ihrer imponierenden hanseatischen Kulisse über mehr Authentizität und Wohlfühlpotential verfügt, als so manche ihrer gelobten und berühmteren Schwestern aus den Reisekatalogen. Bruno war jedenfalls immer sehr gerne hier und hätte sich sogar vorstellen können, hier zu leben.

Er ist gut in der Zeit und rollt jetzt mit dem Verkehr mit, bleibt ihm auch gar nichts weiter übrig, die drei Spuren sind voll. Erst nachdem sich ein Großteil der Autos Richtung Travemünde verabschiedet hat, entspannt sich die Verkehrslage etwas, allerdings stehen auch nur noch zwei Fahrstreifen zur Verfügung. Bruno versucht es noch einmal mit dem Radio und findet prompt den besten Sender der Region, mit der größten Musikvielfalt, Oldies, Pop, auch mal was auf Deutsch, nicht zu vergessen, mit den meisten Blitzern.

Igitt, welch ein Satz, 'Bei uns hören Sie die meisten Blitzer'…, wenn das die Brüder Mann erleben müssten…, dazu ein Auslösegeräusch, das mich an meine erste Spiegelreflexkamera von 1970 erinnert. Ob die hier wirklich so alte Kameras bei der Geschwindigkeitsüberwachung einsetzen? Dann würde der Satz ja wieder Sinn machen, bei uns hören Sie die Blitzer, leider nicht alle aber die meisten…

Bruno verlässt die Autobahn bei der Ausfahrt Scharbeutz und biegt dann in die schmale Kreisstraße ein, die ihn direkt nach Lütjenbrook führt. Etwa zwei Kilometer nach dem Ortseingang liegt auf der linken Seite das Haus seines Cousins, etwas abseits und von einer mindestens zwei Meter hohen Lorbeerhecke umrahmt. Bruno beschließt aber, erst mal sein Quartier aufzusuchen, um seine Koffer auszupacken und sich etwas frisch zu machen. Im Vorbeifahren kann er erkennen, dass ein grüner Golf in der Auffahrt steht. Das Kennzeichen kommt ihm bekannt vor. Er ist sich sicher, dass er diese Nummer schon mal gesehen hat, aber eigentlich kann das auch nicht sein, Ostholsteiner in Berlin, wohl eher selten. Er wohnt wie immer bei Trude Langfeld, einer älteren Dame, die seit dem Tod ihres Mannes vor einigen Jahren in dem für sie viel zu großen Haus zwei Gästezimmer vermietet, die ehemaligen Kinderzimmer. Frau Langfeld ist eine sehr aufgeschlossene Frau, die an fast allem interessiert ist, was um sie herum passiert, und obwohl sie schon über achtzig ist, steht sie noch voll im Leben. Sogar einen Computer hat sie sich vor zwei Jahren zugelegt und war sehr dankbar, dass Bruno ihr damals bei der Inbetriebnahme geholfen hat. Auch die ersten Schritte hat sie bei ihm gelernt und war sehr stolz, als sie die erste E-Mail verschickt hat, natürlich an Bruno. Die Begrüßung fällt sehr herzlich aus, Frau Langfeld freut sich wirklich. Bei der kurzen Umarmung spürt Bruno den mageren Körper der zierlichen Frau, die aber gar nicht zerbrechlich wirkt, eher drahtig.

"Ich habe gerade frischen Kaffee bereitet. Wie wär 's mit einer Tasse?"

"Sehr gerne, Frau Langfeld, Kaffee kann ich jetzt gut gebrauchen. So eine Autofahrt strengt doch an, da merkt man, dass man nicht mehr fünfzig ist."

"Och, Sie Jungspund, was soll ich denn sagen? Ich fahre schon seit Jahren nicht mehr selber Auto. Die Augen, wissen Sie? Ich habe einmal fast ein Schulkind angefahren. War Schietwetter und die Kleine hatte auch dunkle Plünnen an, aber ich hätte mir ewig Vorwürfe gemacht. Da bin ich am nächsten Tag zum Bürgermeister und habe meine Pappe offiziell zurückgegeben. Paar Tage später kam er nochmal mit Blumen und hat einen jungen Mann mitgebracht. Der musste dann Fotos für unser Käseblatt machen, von mir und dem BM Maas, wie ich ihm den Führerschein übergebe. Ich glaube ja, der wollte ein bisschen Reklame für sich machen, war damals kurz vor der Wahl. Ich will ja nichts gegen Ihren Cousin sagen, aber die sind doch alle so. Lassen sich gerne ablichten, wenn ein Kindergarten eröffnet wird, so als hätten sie ihn persönlich bezahlt und gebaut, oder wenn die Sparkasse einen ganzen Baum gespendet hat, dann zeigen sie sich alle gerne mit einem Spaten und tun so, als würden sie das zarte Bäumchen im Gegenwert von 19,95€ gerade einpflanzen. Dabei siehst du ganz genau, der und der haben noch nie einen Spaten in der Hand gehabt, und der Spaten selbst ist so blank, der hat noch nie einen Krümel Erde gesehen, da kannst du von essen. Ist doch wahr. "

"Da haben Sie gewiss nicht ganz Unrecht, Frau Langfeld. Ich frage mich sowieso, weshalb ein Dorf wie Lütjenbrook einen eigenen Bürgermeister hat. Was macht der denn den ganzen Tag?"

"Na jetzt ist unser Bürgermeisteramt ja nur noch ehrenamtlich. Die eigentliche Verwaltung wurde ja von der Kreisstadt übernommen. Daher wird der BM, wie wir sagen, ja auch nicht direkt vom Volk gewählt, sondern vom Gemeinderat. Können Sie sich vorstellen, was da abgeht? Abends zusammen saufen, parteiübergreifend und dann Politik machen, ich kann Ihnen Geschichten erzählen."

"Ich komme darauf zurück, Frau Langfeld. Jetzt muss ich aber erst mal auspacken, vielen Dank für den Kaffee."

"Dafür nich. Ach so, wenn Sie mal dreckige Wäsche haben, kein Problem, die legen Sie einfach aufs Bett, dann haben Sie sie am nächsten Tag wieder sauber. Ich habe jetzt nämlich auch einen Trockner. Ist zwar schade für die Umwelt aber hilfreich bei dem Schietwetter."

Bruno verzieht sich auf sein Zimmer und hat innerhalb weniger Minuten seine Koffer entleert und den Inhalt auf Kleiderbügel und Schubladen verteilt. Dann springt er kurz unter die Dusche und fühlt sich alsbald wie ein neuer Mensch. Da die Sonne draußen den Kampf gegen die Wolken offensichtlich verloren hat, entscheidet er sich bei der Auswahl der Kleidung für die wärmere Variante mit Jeans, langarmigem Baumwollpullover und seiner Softshell-Jacke. Dazu bindet er sich locker einen Schal um den Hals und setzt seine Lieblingsmütze auf, die mit dem Tiroler Adler. Dann schlendert er Richtung Ortsmitte und wirft seine Blicke mal hierhin, mal dorthin, achtet auf Vorgärten, Dächer, Hausfassaden, Fenster, Türen und Zäune.

Ich weiß nicht was es ist, aber es sieht hier so völlig anders aus. Auch in unseren Einfamilienhaus-Siedlungen, besonders in den Neubaugebieten, gewinne ich einen ganz anderen Eindruck. Aber ich wüsste keine Antwort auf die Frage, was denn anders sei. Vielleicht sind es ja gar nicht die Häuser selbst, sondern der Himmel darüber. Das ist zum Beispiel so ein Punkt, der Himmel, in Berlin fast immer Tele und in Lütjenbrook meistens Weitwinkel, um das mal fototechnisch zu beschreiben. Es könnte aber auch am Licht liegen, an den Farben, an den Pflanzen in den Gärten, keine Ahnung. Ich wüsste jetzt auch nicht, was mir besser gefällt. Lütjenbrook ist natürlich ein besonderes Dorf, besonders sauber, besonders spießig, besonders norddeutsch, obwohl norddeutsch immer noch besser als süddeutsch, genauer gesagt als bayrisch. Aber Bayern eigentlich nicht so weit weg von Tirol und Tirol ganz weit vorne.

Bruno hat das Grundstück seines Cousins erreicht. Die Lorbeerhecke steht wie eine Eins und Bruno fragt sich, wie oft die wohl im Jahr geschnitten werden muss. Die letzten Meter bis zur Haustür sind mit weißen Kieselsteinen belegt, und Bruno schämt sich fast für sein Schuhwerk, sportlich, bequem, rustikal und natürlich nicht geputzt. Dieser Weg hätte Lackschuhe verdient, Lackschuhe mit Carrara-Kiesel-Zulassung. Ist das eventuell eine Geschäftsidee oder gibt’s die schon?

Ich weiß nicht, ob mir dieses Leben hier gefallen würde, dieses geleckte, ewig supergepflegte und vielleicht gerade dadurch leblos wirkende Bild. Die Menschen, die hier leben, drücken ihre Lebenslust durch den Rasenschnitt aus oder durch die Auswahl der Steine ihrer Häuser und Wege, bis hin zu weißen Kieselsteinen. Naja, vielleicht sehe ich das ein wenig zu eng, aber Michael ist immerhin mein Cousin und ich weiß, wo er herkommt. Bei meiner Oma gab es jedenfalls keine weißen Kieselsteine. Die hätte sie bestimmt verscheuert, um an Geld zu kommen, Geld für die Lebensnotwendigkeiten, Essen, Kleidung, Miete, Kohlen, was weiß ich.

Bruno drückt den Klingelknopf und fast im gleichen Augenblick wird die große Eingangstür geöffnet.

"Mensch, Keule, da bist du ja endlich. Ich warte schon die ganze Zeit."

"Hallo Micha, alte Hütte, hast du hinter der Tür gestanden? Freut mich, dass wir uns mal wieder sehen. Aber so ein Jahr geht schnell herum - oder?"

"Ach, Bruno, fang bloß nicht an die Zeit zu messen. Die macht schon keine Fehler. Die Zeit macht alles richtig, und wir müssen nur dafür sorgen, dass wir bei der Erfassung möglichst unbemerkt bleiben, nur keine Auffälligkeiten. Nur nicht berühmt werden, dann wirste alt. Die Medien und die Öffentlichkeit interessieren sich doch nur für Tote, wenn sie einen gewissen Bekanntheitsgrad haben. Deshalb werden die vom Schicksal auch als erste ausgesucht, verstehst du?"

"Verstehe alles, darf ich trotzdem reinkommen? Meine Schuhe sind auch wirklich sauber. Kannste nachsehen, keine Spuren auf dem schneeweißen Kiesel."

"Komm rein und behalte die Galoschen an, Moni ist nicht da. Wie wär's mit einem kleinen Cognac? Von einem Freund, zwanzig Jahre alt, also der Cognac."

Die beiden Männer nehmen auf zwei ausladend großen, weißen Ledersesseln Platz. Der Raum ist eigentlich ein Wintergarten und brutal überhitzt, trotz der Bewölkung draußen. Bruno zieht sich die Ärmel seines Pullis hoch und denkt, dass ein kühles Bier wesentlich sympathischer wäre. Michael Maas wäre aber nicht er selbst, wenn er diesen Wunsch seines Cousins nicht schon längst erkannt hätte. Auf einem Tablett serviert er zwei ziemlich große und ziemlich volle Cognacschwenker aber auch eine Flasche Mineralwasser und eine Flasche Bier. Deren Glaskörper ist beschlagen und erinnert Bruno an einen australischen Werbespot, wo ein Kinogänger anstelle eines eiskalten Bieres lieber eine Tüte Popcorn bestellt und dann, als er sie verputzt hat, der Durst fast unerträglich! Aus seiner Not rettet ihn schließlich eine junge Kellnerin, die ihm das beworbene Bier kredenzt. Das Glas natürlich auch beschlagen und ein paar Tautropfen rinnen außen am Glaskörper herunter, da kriegt selbst der Undurstigste eine trockene Zunge.

"Und Bruno, was macht die Kunst? Wie geht es deiner Karla? Und was macht meine Heimatstadt Berlin? Man hört hier so wenig und wenn überhaupt, immer nur von dem blöden Flughafen."

"Ach weißt du Micha, die Sache mit dem Flughafen. Ist doch schon immer so gewesen, dass alle anderen immer alles besser wissen. Wenn die Menschheit irgendwann mal bergreifen würde, dass die Verantwortung für technische Projekte dieser Größenordnung nicht mehr in die Hand von Laien gehört, sondern von Profis, sprich von technisch versierten Leuten…"

"Habe die Ehre, Herr Ingenieur. Ist ja klar, dass du die alle noch verteidigst. Lass uns von etwas anderem reden. Ich habe zu dem Thema sowieso keine Meinung. Dazu bin ich zu weit weg. Ich weiß nur eins, Projekte, die von der öffentlichen Hand bezahlt werden, laufen immer aus dem Ruder, Kosten, Termine, alles wird überzogen."

"Ist schon wahr, aber da gibt es ja auch einen logischen Zusammenhang, sozusagen eine Regel. Da haftet doch niemand von den Verantwortlichen, jedenfalls nicht mit seinem eigenen Geld. Da werden doch 'nur' Steuergelder verpulvert. Dann kostet so eine Anlage eben nicht mehr die geplanten 2 Milliarden, sondern mehr als doppelt so viel, na und? Kleiner Aufschrei in den Medien und das war's. Hat nicht Hamburg auch so ein Projekt?"

Nach einer halben Stunde haben die beiden Männer ihren Cognac vernichtet und auch das schöne kühle Bier hat Brunos Kehle passiert. Soviel zum Karfreitag. Da stirbt einer am Kreuz, übernimmt noch alle Sünden und was machen die beiden Ungläubigen…? Die haben in der Zwischenzeit alle aktuellen Missstände auf dieser Welt analysiert und gleich noch behoben, also theoretisch. Die praktische Umsetzung muss eben noch warten. Eigentlich eine gute Voraussetzung, den weiteren Abend zu planen.

"Was willst du essen? Vielleicht Fisch? Immerhin ist heute Karfreitag. Komm, ich lade dich ein."

"Na, wo geht denn der Bürgermeister immer hin, wenn er gut essen will? Gibt es die 'Ole Kajüte' noch?"

"Ja schon, aber da gehen wir nicht mehr rein, falsche Partei, verstehst du?"

"Falsche Partei? Ich denke du bist parteilos? Da kannst du doch überall rein, oder sehe ich das falsch?"

"Naja, genaugenommen ist parteilos ja auch eine gewisse Parteilichkeit, sonst könnte ich ja auch in eine der etablierten Parteien eintreten. Nur es hat sich hier auf dem Land so eingebürgert, dass bei fehlenden Mehrheiten die Freien Wähler sehr oft entscheiden, wer denn in Amt und Würden kommt. Außerdem würde ich bei den anderen in der Liste wohl erst unter 'ferner liefen' erscheinen. Politisch würde ich in jede Partei passen, da bin ich sehr flexibel…, aber so als Kompromisskandidat habe ich es doch viel leichter. Komm, wir gehen in den Goldenen Anker, da stimmt die Qualität und die Preise müssen dich ja nicht interessieren."

Der Goldene Anker ist genau von der Sorte Restaurant, die Bruno so liebt, sehr edel, sehr teuer, sehr geschmacklos eingerichtet und nach Brunos Empfinden ohne jede Eigenheit, ohne Charme, ohne Atmosphäre. Da helfen auch nicht die vielen, völlig deplatzierten Schiffsmodelle. So ein Restaurant würde er normalerweise nie betreten.

Sieht aus wie ein Oligarchentreffpunkt, haben die hier in Lütjenbrook auch schon solche Typen zu Gast? Kann ich mir kaum vorstellen, russische Multimilliardäre bei den Lütjenbrooker Heringstagen?

"Guten Abend, Herr Bürgermeister, zwei Plätze oder erwarten Sie noch jemand?"

"Nein, nein, Herr Petkovic, wir bleiben unter uns. Ist die kleine Ecke nicht frei?"

"Doch, doch, ist immer frei für solche Fälle. Man weiß ja nie, was Abend noch bringt. Nicht wahr?"

Herr Petkovic lächelt etwas schmierig und geht mit wichtigtuerischem Schritt voraus. Sein schwarzer Anzug ist ihm eine Nummer zu klein und Bruno hat sofort die blankgebügelten Stellen an der Hose entdeckt. Also so hundertprozentig passt Herr Petkovic nicht zum Anspruch des Goldenen Ankers, oder mal abwarten, vielleicht ja doch.

"So, meine Herren, hier Sie sind völlig ungestört. Ich bringe Ihnen sofort Speisekarte. Wollen Sie schon etwas trinken, vielleicht ein…"

"Jaja, bringen Sie uns bitte ein Glas Sekt."

"Nur ein Glas?"

"Naja, für jeden natürlich, also zwei Glas Sekt."

"Zwei Glas Sekt, sehr wohl."

Bruno kann sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen. Wie locker und trotzdem souverän geht es dagegen bei seinem Freund Harry in der 'Mühle' zu. Hier ist alles steifes Getue, sogar die Nerv tötend leise Klaviermusik, die aus unsichtbaren Lautsprechern klingt. Also von klingen kann man eigentlich gar nicht sprechen, dazu ist die Musik viel zu leise. Bruno muss sich regelrecht anstrengen, um sie zu erkennen. Also dann lieber ganz aus.

"Außerhalb von Karte wir haben noch Lammfilet mit grüne Bohnen und neue Kartoffeln, und ganz frische Dorsch, heute Morgen direkt vom Fischer gekauft. Dazu gibt es Senfsoße und Dillkartoffeln."

Herr Petkovic öffnet die in Kunstleder gebundenen Speisekarten, bevor er sie den beiden Männern überreicht.

"Bist du mit Dorsch einverstanden? Also ich nehme ihn auf jeden Fall. Was sollen wir lange die Karte studieren."

Bruno nickt zustimmend, hat sich aber seine Brille aufgesetzt, um die Getränkeauswahl zu studieren, man muss ja auch noch etwas trinken. Beeindruckt stellt er fest, dass der Goldene Anker recht gut sortiert ist. Seine Wahl fällt auf einen Weißburgunder von der Nahe. Michael bestellt eine Flasche und für sich ein großes Bier.

"Wie jetzt? Soll ich die Flasche allein trinken? Dann bin ich ja blau."

"Ach was, so schnell wird man nicht blau, bist doch ein starker Mann. Aber mir Wein zu kredenzen, ist wirklich wie die berühmten Perlen vor die Säue werfen. Da müsstest du dann mit meiner Frau essen gehen. Die macht das bestimmt gerne…"

Bruno meint einen gewissen Unterton wahrzunehmen, geht aber nicht darauf ein. Die Getränke kommen unverzüglich, werden aber nicht von Herrn Petkovic, sondern von einer jungen Frau serviert. Die ist zwar nicht gerade eine Schönheit, schaut aber aus lustigen Augen in die Welt und spricht Bruno direkt an.

"Guten Abend, der Wein ist bestimmt für Sie, unser Bürgermeister und Wein, das passt ja nun gar nicht."

Bruno wird von ihrem Lächeln angesteckt und beobachtet, wie sie routiniert die Flasche öffnet, nachdem sie ihm diese vor die Nase gehalten hat, damit er das Etikett studieren kann. Den kleinen Probeschluck spült er im Mund hin und her und bestätigt der Kellnerin seine Zufriedenheit. Sie gießt sein Glas nur halbvoll und stellt die Flasche in den mitgebrachten Weinkühler.

"Wird sonst zu schnell warm. Einen schönen Abend, die Herren."

"So, nun lass uns mal anstoßen, Bruno. Auf ein schönes Osterfest. Hoffentlich lässt der Wind noch nach, sonst wird das problematisch mit dem Feuer. Das war übrigens Inga, Inga Langfeld, die Enkelin deiner Vermieterin. Kommt ganz nach ihrer Oma, mit 'm Mund immer vorneweg, aber plietsch ist sie, also schlau. War die Klassenbeste in meinem letzten Abiturjahrgang. Bin zwar nicht ihrer Meinung, was die Politik betrifft, aber sie ist ja auch noch jung, wird sich schon noch einnorden lassen."

"Einnorden? Schöne Umschreibung, du meinst anpassen. Früher waren dir die Angepassten verhasst. Erinnerst du noch die unglaublich dämlichen Auseinandersetzungen über die 'richtige' Linie? Wir diskutierten bis zum Abwinken, wer denn die wahren, aufrechten Sozialisten wären und wer die Revisionisten. Das war ungefähr so, als würde man darüber streiten, ob Vogel- oder Katzenscheiße besser schmeckt. Wir redeten uns die Köpfe heiß über Bernstein und Kautsky und argumentierten mit Zitaten aus Büchern, die kein Mensch auch nur annähernd verstanden hat. Mir ist gerade neulich so eine alte Schwarte in die Hand gefallen, als ich auf dem Speicher nach einem Kochbuch gesucht habe. 'Die Polemik über die Generallinie der internationalen kommunistischen Bewegung' oder so ähnlich, ein wirklich epochales Werk. Über 600 Seiten Protokolle von Parteitagen der KP Chinas und der KPdSU, und ich habe den Quatsch damals wirklich gelesen, davon zeugen unzählige Markierungen und handschriftliche Anmerkungen. Frage mich aber nicht, was ich davon behalten habe."