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Die Christenheit hat sich entzweit am Herrenmahl und an der Taufe, nicht jedoch am Vaterunser. Dieses Gebet, zuerst einer kleinen Jüngerschar gegeben, wurde zum universalen Gebet der Christenheit und darüber hinaus. Wie kam es zu dieser Universalität? Wo liegen die Wurzeln? Welchen Sinn haben die einzelnen Bitten, ihre Abfolge und vor allem die Anrede? Ein Gebet will gebetet sein, aber die gefalteten Hände haben Gewinn, wenn das gesprochene Wort in seiner tiefen Bedeutung zu Herzen dringt.
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Seitenzahl: 137
Veröffentlichungsjahr: 2008
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Fritz Neugebauer
Das Vaterunser
Eine theologische Deutung
Herausgegeben von Eduard Berger
Die Deutsche Bibliothek – Bibliographische Information
Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über ‹http://dnb.ddb.de› abrufbar.
2., korr. Auflage
© 2008 by Evangelische Verlagsanstalt GmbH, Leipzig
Alle Rechte vorbehalten
Umschlaggestaltung: Kai-Michael Gustmann, Leipzig
ISBN 9783374034789
www.eva-leipzig.de
Cover
Titel
Impressum
Geleitwort
Vorwort
1 Die Überlieferung des Herrengebets in Lk 11,2–4 und Mt 6,9–13
2 Das Vaterunser und sein jüdisches Umfeld
3 Die Kürze des Gebets
4 Das Vaterunser als Gebet der Jüngergemeinschaft
5 Das Herrengebet als Bittgebet
6 Die Anrede
7 Die erste Dein-Bitte
8 Die zweite Dein-Bitte
9 Das Verhältnis der beiden Dein-Bitten
10 Die Zeitfolge der Unser-Bitten
11 Die erste Unser-Bitte und das rätselhafte Wort
12 Die zweite Unser-Bitte und die Reichweite der Vergebung
13 Die dritte Unser-Bitte und die Bewahrung vor der Versuchung
14 Der Zusammenhang der beiden Tafeln des Vaterunsers
15 Die bei Matthäus hinzugefügte Unser-Bitte um Errettung vom Bösen
16 Die dritte Dein-Bitte bei Matthäus und das Wachstum des Herrengebets auf dem Weg der Gemeinde
17 Zur Bedeutung fehlender Bitten
18 Die Universalität des Vaterunsers
Anmerkungen
Weitere Bücher
Sie halten „Das Vaterunser“ von Dr. Fritz Neugebauer, Verfasser einschlägiger Arbeiten zum Neuen Testament, in Händen. Darüber freut sich mein Herz als Christ und ebenso mein Kopf als Theologe.
Es war unter den gegebenen Umständen nicht leicht, die Drucklegung zu erreichen. Wurde denn nicht längst und sogar mehrfach alles gesagt, was sich zu diesem kurzen Text sagen lässt? Das dachte ich bei mir auch, ehe ich das Manuskript gelesen hatte. Schon bald aber war ich erstaunt, wie erfrischend neu und teilweise fremd dieses Gebet mir wurde. Dieser Erfahrung wegen möchte ich Ihr Interesse wecken und darum vertraue ich auf den Gewinn der Leser.
Kein Gebet ist so bekannt wie das Vaterunser. Sogar viele, die der Kirche fernstehen, kennen wenigstens einige der Bitten. Ähnlich ist es nur mit den Zehn Geboten. Woran liegt das? Die wenigen und kurzen, aber überaus gehaltvollen Sätze prägen sich leicht ein, und doch bieten sie dem Nachdenkenden viel und sehr gehaltvolle Nahrung.
Aber verstehen das kirchliche Außenseiter, verstehen selbst wir Christen das aus eigener Kraft genau genug, was da so kurz und doch umfassend erbeten wird?
Dafür ist die Nähe zum Urtext unumgänglich. Ohne griechische Worte und deren präzise Bedeutung werden wichtige inhaltliche Aspekte des Vaterunsers nicht deutlich genug.
Alle Mühe, die wir aufwenden, um uns und auch anderen den Reichtum und die Tiefe des Vaterunsers zu erschließen, zahlt sich reich aus.
Dr. Neugebauers Auslegung hilft, den Wert des Schatzes zu erkennen, der uns mit diesem Gebet anvertraut ist. Das auch „Herrengebet“ genannte Vaterunser gleicht wahrhaftig der „Perle im Acker“, um derentwillen der Finder hinging und alles verkaufte, was er besaß, um den Acker zu kaufen, in dem er diesen Fund gemacht hatte.
Froh und erleichtert war ich über die meist schnelle und bereitwillige Reaktion der Angefragten, zum Druckkostenzuschuss beizutragen. Bei ihnen allen bedanke ich mich von Herzen.
Neben vielen persönlichen Beiträgern möchte ich besonders die Melanchthon-Stiftung (Prof. M. Hengel), die VELKD (Prof. K. Grünwaldt), das Landeskirchenamt in Dresden (Dr. Chr. Münchow), die Bischöfe A. Noack (EKM), Dr. H.–Chr. Knuth (NEK), Dr. H.-J. Abromeit (PEK), Dr. Chr. Demke und Dr. H.-W. Pietz (EKBO) erwähnen.
Und nun hoffe ich, meine Überzeugung vom Wert dieses Büchleins und mein Vertrauen zum interessierten Leser reichlich bestätigt zu sehen.
Eduard Berger
„Als ich sechsundzwanzig Jahre alt war, fand ich in meinem Yoga-Buch zum ersten Mal in meinem Leben ein Gebet. Es war das Vaterunser. Ich habe gar nicht gewusst, dass man beten kann und wie man beten kann. Ich habe alle alten Frauen verachtet, die in die Kirche gingen. So haben wir das alle gemacht. Und ich habe gedacht, dass das Christentum eine ganz alte Sache sei, die bald verschwinden werde, wie das ja auch Chruschtschow erklärt hat. Er hat versprochen, dass er den letzten Priester im Fernsehen bald zeigen wird. Das habe ich auch geglaubt. Ich interessierte mich immer für neue Sachen, für moderne Sachen. Als ich das ‚Vaterunser‘ zum ersten Mal gelesen habe, habe ich nicht gebetet. Der Heilige Geist hat für mich gebetet. Und es kam eine Offenbarung über mich. Es war keine Vision, es war ein Zustand, wo ich ganz ergriffen wurde von der Freude, von der Erkenntnis, dass mein himmlischer Vater existiert, und dass Er die Liebe ist, die Liebe. Ich habe mich verliebt, aber ich habe niemals vor diesem Augenblick gewusst, was die Liebe ist. Ich habe die Menschen irgendwie niemals verstanden. Ich habe sogar die Natur niemals geliebt. Die Schönheit der Welt habe ich niemals bemerkt. Alles war fremd. Und in diesem Augenblick kam diese Liebe. Ich war so ergriffen, und ich habe verstanden: ER braucht mich. Es war das erste Gespräch mit Gott“ (Tatjana Goritschewa, 21996).
Die hier beschriebene Erfahrung verrät etwas vom Geheimnis des Vaterunsers, und es wird immer wieder Menschen geben, die mit diesem Gebet eine besondere Berührung verbinden. Oder das Vaterunser ist Gerüst ihres Lebens.
Ein Gebet will gebetet sein. Und doch hilft es dem Beter, wenn dem Sinn der Worte geduldig und aufmerksam nachgegangen wird. Ein Gebet und gerade das Gebet Jesu will, damit es recht gesprochen werden kann, gehört und wahrgenommen werden. Es hält dem Beter nicht wenige Überraschungen bereit.
Dem Hören auf das Vaterunser ist die folgende Untersuchung gewidmet.
Sehr zu danken habe ich Oberkirchenrat Eduard Berger, Dresden, dessen persönlicher Einsatz die Veröffentlichung vorliegender Untersuchung in die Wege leitete. Ein besonderer Dank gilt meiner Frau, die mir nicht nur beim Korrekturlesen zur Seite stand.
Lutherstadt Wittenberg im März 2008 Fritz Neugebauer
Fünf Bitten umfasst das von Jesus gegebene Gebet bei Lukas, bei Matthäus sieben. Von diesem Unterschied bleibt der Aufbau des Gebets unberührt. Am Anfang stehen bei Lk zwei auf Gott bezogene Dein-Bitten, denen bei Mt eine dritte „Dein Wille geschehe ...“ hinzugefügt ist, und entsprechend verhält es sich mit der zweiten Gruppe der Bittenfolge. Zu den drei Unser-Bitten bei Lk, die die menschlichen Urnöte entfalten, tritt beim ersten Evangelisten eine vierte hinzu: „Erlöse uns von dem Bösen!“ Mt gibt uns also einen Heptalog, Lk einen Pentalog.
Es liegt nahe, in der kürzeren Gestalt, also dem Pentalog, die älteste Gestalt des Herrengebets zu vermuten, und an dieser Stelle treffen die meisten Ausleger zusammen. Bei näherer Betrachtung werden sich zusätzliche Gründe ergeben. Bekommen wir also von Lk den Umfang des Herrengebets, so ist dort, wo es um den Wortlaut der einzelnen Bitten geht, Mt näher am Ursprung. Wenn es bei ihm heißt: „Unser täglich Brot gib uns heute!“ – auf das schwierige Wort wird später einzugehen sein –, so tritt die mit Jesus wandernde Jüngerschaft vor unsere Augen. Ihre Daseinsvorsorge dehnt sich nicht über den heutigen Tag hinaus. Was wird morgen sein? Vor dem Reich Gottes ist jeder Tag ein letzter Tag, und gibt es den neuen Tag, gilt ihm erneut die Brotbitte.
Wegen der Einmaligkeit und Letztmaligkeit dieser Bitte erscheint der Imperativ „Gib!“ im Aorist. An seine Stelle tritt bei Lk der iterative Imperativ des Präsens: „Gib uns immer wieder und immer neu!“ Denn die Fortsetzung denkt nicht nur an den heutigen Tag, sondern an die Folge der Tage: „Unser täglich Brot gib uns immer wieder Tag für Tag!“ Offensichtlich ist mit dieser Fassung die Erstgestalt der Brotbitte in die Situation der Ortsgemeinde umgesprochen. Die Gemeinde vor Ort lebt in der Erstreckung der Zeit. Hoffnung und Geduld finden zusammen, und Fürsorge gibt es nicht ohne Vorsorge. Umso erstaunlicher ist es, dass die Matthäusfassung zum Besitz der Kirche wurde.
Eine genaue Entsprechung zu dem, was bei der Brotbitte zu beachten ist, begegnet beim nächsten Satz, der Schuldbitte. Auch hier ist die Einmaligkeit der Matthäusfassung bei Lk ins Iterative transponiert. Zwar wird die göttliche Vergebung mit dem aoristischen Imperativ gesucht – und hier sind Lk und Mt zusammen –, aber die Fortsetzung geht bei Lk zum Präsens über: „wie auch wir jedes Mal jedem vergeben, der immer wieder an uns schuldig wird!“ Bei Mt dagegen geht es um den Schlussstrich unter den heutigen Tag: „... wie auch wir unseren Schuldnern die Schulden erlassen haben!“ Es ist gar nicht so einfach, den Aorist ins Deutsche zu transportieren.2
Werden Worte, Wendungen und Aussagen des Herrengebets punktuell zu den reichlich fließenden Überlieferungen des antiken Judentums in Beziehung gesetzt, so ergibt sich eine erdrückende Vielfalt von Analogien, ja ein Dickicht von Parallelomanie. Eine solche Betrachtungsweise, die zudem Analogie und Ätiologie in einen Topf wirft, hat eine lange Tradition. Demgegenüber ist daran festzuhalten, dass die nächsten Analogien zum Vaterunser in der Jesusüberlieferung zu finden sind, und es ist geradezu selbstverständlich, dass aus dem Vaterunser, wird es in jüdische Überlieferungen eingebettet, ein jüdisches Gebet wird. Möglich ist ein solches Deutungsmuster, weil Jesu Verhältnis zum geistlichen Erbe seines Volkes nie auf den Gegensatz reduziert werden kann (Mk 12,28–34!). Wird darüber hinaus die Differenz zum Wesentlichen emporgehoben, ist ein verstümmelter Jesus die Folge. Für ihn war nicht nur wesentlich, was ihn von den maßgebenden Kräften seines Volkes unterschied, sondern gerade auch das, was zum gemeinsamen Erbe gehörte. Eine vergleichende Betrachtungsweise muss der Komplexität des Gegebenen gerecht werden. Dazu gehört auch, dass nicht ein zerstückeltes Vaterunser, sondern vielmehr das Gebet in seiner Eigenheit und Ganzheit mit dem Umfeld in Berührung kommt.
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