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Das verlorene Paradies ist ein episches Langgedicht in Blankvers, in der Fassung von 1674 auf zwölf Bücher erweitert. Erzählt werden der himmlische Aufruhr, Satans Sturz, der Rat in Pandämonium, die Verführung Adams und Evas und die Vertreibung aus Eden, um Gottes Handeln vor den Menschen zu rechtfertigen. Miltons Stil verbindet Bibel und antike Epik mittels weiter Gleichnisse, latinisierender Syntax und dichter Allusionen. William Blakes spätere Illustrationen begleiten diese Ausgabe und betonen kosmische Dimension, satanische Ambivalenz und menschliche Freiheit. John Milton, klassisch gebildet in London und Cambridge, bereiste Italien, traf Galileo und diente als Sekretär für Fremdsprachen unter Cromwell. Seine republikanischen Überzeugungen, puritanische Theologie und der Umbruch nach der Restauration bilden den geistigen Hintergrund. Seit 1652 erblindet, diktierte er das Gedicht; seine Kenntnis biblischer Sprachen und der antiken Exegese erklärt die enge Verschränkung von Freiheit, Vorsehung und Verantwortung. Diese Ausgabe empfiehlt sich allen, die epische Dichtung, Theologie und politische Ideen im Dialog mit Bildkunst lesen wollen. Blakes Bildfolgen eröffnen eigenständige Deutungswege. Wer sich auf Blankvers, architektonische Disposition und dichte Analogien einlässt, findet ein Werk von nachhaltiger, intellektueller Energie. Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar – destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Autorenbiografie · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Zwischen dem Drang zur Selbstbestimmung und dem Preis des Ungehorsams spannt sich in diesem Werk ein kosmischer Bogen, in dem Größe, Sehnsucht und Verlust einander belauern, Engel und Menschen über Grenzen der Ordnung hinweg nach Sinn greifen, Verführung als Sprache und Blick auftritt, und jede Entscheidung – ob trotzig erhoben oder demütig geflüstert – die Frage nach Freiheit, Verantwortung und der Möglichkeit eines geregelten Universums neu formuliert, sodass der Leser in einer Schwebe aus Erhebung und Erschütterung verharrt, während Macht und Imagination, Gnade und Ehrgeiz unablässig um Vorrang ringen, und Hoffnung sich in Erkenntnis verwandelt.
John Miltons Das verlorene Paradies ist ein episches Gedicht in Blankversen, entstanden im England des 17. Jahrhunderts, erstmals 1667 veröffentlicht und 1674 in überarbeiteter Fassung erneut herausgegeben. Sein Schauplatz umfasst Himmel und Hölle, das irdische Paradies und die Weiten einer noch jungen Welt. In Ausgaben mit Illustrationen von William Blake tritt dem Text eine zweite, bildmächtige Stimme zur Seite: Blakes visionäre Bildfolgen aus dem frühen 19. Jahrhundert übersetzen Miltons Theatrum mundi in Licht, Schatten und Bewegung. Zusammen entfalten Wort und Bild eine dichte Kosmologie, die metaphysische Dimensionen mit psychologischer Feinzeichnung und politischer Imagination verschränkt.
Die Handlung setzt ein nach einem himmlischen Konflikt, dessen Verlierer in einer neu gegründeten Sphäre der Finsternis zusammentreten, während andernorts eine unberührte Welt Form annimmt. Aus dieser Ausgangslage entwickelt Milton eine vielstimmige Bewegung durch Räume, Perspektiven und Gemütslagen. Der Blankvers rollt weit und elastisch, die Perioden sind kunstvoll verschachtelt, doch der Duktus bleibt klar geführt und von eindringlichem Ernst getragen. Klassische Anspielungen stehen neben biblischem Stoff, Rhetorik neben Introspektion. Das Leseerlebnis ist feierlich und zugleich überraschend beweglich: großräumig in der Architektur, erdnah in den Stimmen, wissensdurstig, kontemplativ und immer wieder von beherzter Imaginationskraft getragen.
Zentrale Themen sind Freiheit und Vorsehung, Gerechtigkeit und Gnade, Sprache als Medium der Verführung und der Erkenntnis. Milton prüft, wie Autorität begründet und bestritten wird, und wie sich innerer Wille gegenüber Ordnung, Liebe und Pflicht behauptet. Blakes Illustrationen reagieren darauf mit kühnen Kontrasten, schraubenden Bewegungen und leuchtenden Akzenten, die geistiges Ringen in körperliche Geste übersetzen. Figuren erscheinen im Aufstieg, Sturz oder Innehalten; Räume öffnen sich zu Abgründen und Lichtfeldern. So entsteht ein Dialog, in dem Bild kraftvoll deutet, ohne zu überreden, und der Text Resonanzen erhält, die das ethische und emotionale Gewicht der Szenen eindrücklich vertiefen.
Für heutige Leserinnen und Leser bleibt das Werk bedeutsam, weil es die Mechanismen von Macht und Gegenmacht freilegt: Wie verführt charismatische Sprache? Wie legitimiert sich Herrschaft, wie radikalisiert sich Widerstand? Die Figuren ringen mit Ambivalenzen, die modernen Diskursen über Verantwortung, Schuld, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung entsprechen. Das Epos zeigt, wie Wahrnehmung moralische Urteile formt, und lädt dazu ein, die eigene Position in Konflikten zu prüfen. Blakes Bilder verstärken diese Gegenwartsnähe, indem sie Affekte sichtbar machen und den Blick lenken: Sie schärfen die Sensibilität dafür, wie Darstellung Wirklichkeit prägt – in Kunst, Politik und privater Entscheidung.
Wer Text und Bild gemeinsam liest, erfährt eine wechselnde Taktung: Der Vers entfaltet Bedeutungen sukzessive, während die Tafel einen Augenblick konzentriert. Diese Reibung erzeugt produktive Pausen, in denen sich Motive überblenden. Die Illustrationen sind weniger Begleitstücke als eigenständige Kommentare, die Struktur, Blickrichtungen und Intensitäten setzen. Sie öffnen Einfallstore in Miltons komplexe Syntax und verankern das Erhabene in sinnlicher Anschauung. Es lohnt, die Bildsequenzen nicht als bloße Nacherzählung, sondern als Gesprächspartner zu betrachten; so lassen sich Wiederholungen, Gegenakzente und Schwerpunkte erkennen, die das Verständnis klären und die emotionalen Kurven der Lektüre spürbar machen.
Das verlorene Paradies mit den Illustrationen von William Blake verbindet die Strenge eines barocken Weltgedichts mit der Glut romantischer Bildfantasie und schafft so eine doppelte Zugangsweise zu Fragen, die nicht veralten. In Zeiten schwankender Gewissheiten erkundet es, wie Ordnung entsteht und kippt, wie Bewusstsein sich verstrickt und befreit, wie Eigensinn und Hingabe aneinander geraten. Der Band bietet keinen bequemen Trost, sondern eine anspruchsvolle, lohnende Erfahrung von Denken und Anschauen. Wer sich darauf einlässt, entdeckt ein Werk, das gleichermaßen Mythos und Menschenkunde ist – ein Prüfstein für Urteilskraft, Einfühlung und die Freiheit, selbst zu wählen.
John Miltons Das verlorene Paradies (Paradise Lost) ist ein episches Gedicht des 17. Jahrhunderts, das die Entstehung von Schuld und Freiheit im Spannungsfeld zwischen göttlicher Ordnung und geschöpflicher Entscheidung behandelt. In Ausgaben mit Illustrationen von William Blake werden Miltons kosmische Szenen und symbolische Gegensätze visuell zugespitzt; die Bilder begleiten den Text, ohne ihn zu verändern, und unterstreichen seine dramatische Bildsprache. Die Dichtung entfaltet in weiten Bögen eine Erzählung, die Himmel, Chaos und die erste Welt umfasst, und stellt zentrale Fragen nach Autorität, Liebe, Erkenntnis und Verantwortung. Die folgende Inhaltsangabe skizziert die Abfolge der Handlung, ohne entscheidende Auflösungen vorwegzunehmen.
Die Handlung setzt nach einer himmlischen Rebellion ein: Der Anführer der gefallenen Engel erwacht mit seinen Gefährten in einem düsteren Reich der Entfernung von Gott. Sie sammeln sich, richten eine prunkvolle Versammlungsstätte ein und beraten über ihr weiteres Vorgehen. Schon hier werden Grundkonflikte sichtbar: verletzter Stolz, Sehnsucht nach Selbstbestimmung, aber auch die Frage, ob Widerstand Sinn hat. Blake betont in seinen Darstellungen die monumentale Architektur und die Energie der Verschworenen. Der Ton ist feierlich und zugleich verfinstert; die Ordnung des Himmels kontrastiert mit der neuen, selbst gesetzten Ordnung, die aus Rede, Überredung und Willensanstrengung geschaffen wird.
Im Rat der Gefallenen prallen Strategien aufeinander: unmittelbare Rache, Verschanzung oder eine listige Suche nach Schwachstellen der Schöpfung. Der Anführer entscheidet sich, allein in ein neu geschaffenes Reich vorzudringen, dessen Existenz die Gemüter anheizt. Dieser Entschluss ist ein Wendepunkt, denn er verlegt den Konflikt von offenem Krieg in das Feld der Täuschung. Die rhetorische Kraft der Reden zeigt, wie Sprache Wirklichkeit stiften und verschleiern kann. Blakes Bilder verleihen den Figuren heroische, zugleich beunruhigende Züge, was die Ambivalenz zwischen Größe und Anmaßung sichtbar macht und die kommende Konfrontation mit einer unschuldigen Welt vorbereitet.
Der Weg führt den Eindringling durch ein Grenzgebiet aus Unordnung und Rohstoff des Werdens. An den Toren dieses Reiches begegnet er personifizierten Mächten, deren Beziehung zu ihm zugleich familiär und verhängnisvoll ist; der Durchgang gelingt, doch bleibt etwas Unheilsames zurück. Die Reise durch das Chaos eröffnet ein kosmographisches Panorama, das Miltons Vorstellungskraft ausdehnt und Fragen nach Ursprung, Grenze und Navigation im Moralischen wie im Räumlichen stellt. Blakes Visionen betonen Weite, Dunkel und flackernde Übergänge. Schließlich erreicht der Reisende die Schöpfung und richtet seinen Blick auf eine neu erblühte Welt, die noch ohne innere Brüche erscheint.
In dieser Welt, einem Garten voller Maß und Harmonie, beobachtet der Ankömmling zwei erste Menschen. Ihre Beziehung wird als innig und hierarchisch geordnet entwickelt; Vernunft, Zuneigung und Arbeit verbinden sich zu einer gelassenen Lebensform. Die Szene zeigt, dass Freiheit auch als geübte Fähigkeit verstanden werden kann, die Grenzen anerkennt, um Raum für Liebe zu schaffen. Neid und Groll wachsen im Beobachter, der in der Unschuld eine Herausforderung und ein Ziel erkennt. Blakes Illustrationen legen dabei Licht und Körperlichkeit aufeinander, um die Verletzlichkeit und Schönheit der frühen Unmittelbarkeit zu markieren und die Spannung zu steigern.
Aus himmlischer Perspektive wird die Möglichkeit falscher Wahl anerkannt, ohne die Freiheit zu widerrufen. Ein Mittler stellt sich gegen die zerstörerischen Folgen, doch der Weg der Menschen soll durch Einsicht, nicht Zwang gesichert werden. Ein Engel besucht das Paar, um Ursprung, Ordnung und Gefahr zu erläutern; im Zuge dieser Belehrung wird auch eine frühere Auseinandersetzung unter Engeln geschildert, deren Lehrgehalt Gehorsam, Maß und Besonnenheit betrifft. So verknüpft Milton Erzählung und Reflexion. Blake übersetzt die erzählten Schlachten und Hierarchien in dynamische Kompositionen, die weniger Triumph als moralischen Ernst betonen und den kommenden Prüfungen Gewicht verleihen.
Der Versucher dringt schließlich in den Garten ein. Mit beharrlicher List und verführerischer Argumentation stellt er Grenzen als willkürliche Schranken dar und lockt mit der Aussicht auf erweiterte Kenntnis und Selbstbestimmung. Eine Begegnung in Abwesenheit des Partners führt zu einer entscheidenden Probe, in der Begehrlichkeit, Stolz und Sehnsucht nach Erkenntnis zusammenwirken. Daraus erwächst ein Akt der Übertretung, den Liebe und Loyalität kurz darauf noch verkomplizieren. Diese Zäsur verändert den inneren Zustand der Betroffenen und die Atmosphäre der Welt. Blakes Darstellungen betonen den Moment der Wahl und seine psychische Intensität, ohne die Folgen sentimental zu glätten.
Mit der Verfehlung treten Entfremdung, Scham und Streit auf, und die zuvor leichte Ordnung wird beschwerlich. Natur und Kosmos reagieren in Zeichen der Verstörung; zugleich wird ein Weg der Verantwortung eröffnet, der Strafe nicht mit Verzweiflung gleichsetzt. Himmlische Boten erläutern Sinn und Konsequenzen, deuten eine Geschichte der Zukunft an und stellen die Verbindung von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit heraus, jedoch ohne die Freiheit der Handelnden zu annulieren. Blake verdichtet diese Spannungen in Visionen von Verlust, Kampf und Verheißung. Damit verschiebt sich der Fokus von ungebrochener Unschuld zu reifender Einsicht unter Bedingungen der Endlichkeit.
Am Ende bleibt Das verlorene Paradies eine Dichtung über Wahl und Verantwortung, über die Gefahr hochmütiger Selbstüberschätzung und die Würde bewusster Bindung. Milton verbindet kosmische Erzählung mit theologischer und psychologischer Reflexion, sodass die Fallhöhe individueller Entscheidungen sichtbar wird. Blakes Illustrationen verstärken die symbolische Ebene, kontrastieren Licht und Schatten und öffnen Imaginationsräume, in denen moralische Begriffe körperlich werden. Die nachhaltige Bedeutung des Werks liegt in seiner Fähigkeit, die Fragen nach Freiheit, Autorität, Liebe und Erkenntnis offenzuhalten und Leserinnen und Leser in die Prüfung eigener Motive zu führen, ohne einfache Lösungen oder eindeutige Endurteile zu liefern.
Das verlorene Paradies (Paradise Lost) entstand im England des 17. Jahrhunderts, vor allem in London, einem Zentrum von Hof, Parlament und Buchhandel. Prägende Institutionen waren die Church of England, die Universitäten Oxford und Cambridge sowie die Stationers’ Company, die das Druckgewerbe beaufsichtigte. Nach den Religionskonflikten der Reformation bestimmten Puritanismus, königliche Autorität und parlamentarische Kräfte das geistige Klima. In dieser Umgebung wuchs John Milton auf, studierte am Christ’s College in Cambridge und arbeitete später in London. Die politische Kultur war von Predigten, Pamphleten und gelehrten Debatten geprägt, in denen Fragen von Gewissen, Schriftautorität und Staatsordnung intensiv verhandelt wurden.
Milton (1608–1674) war während der Englischen Bürgerkriege und des Commonwealth ein aktiver Publizist. 1649 wurde er unter Oliver Cromwell als Latin Secretary der republikanischen Regierung berufen, verfasste offizielle lateinische Korrespondenz und staatliche Schriften. Nach seiner Erblindung 1652 diktierte er seine Werke an Schreiber. Das Epos entwickelte er in den 1650er und 1660er Jahren und veröffentlichte es 1667 in London bei dem Drucker Samuel Simmons in zehn Büchern; 1674 erschien eine revidierte Fassung in zwölf Büchern. Die Publikation erfolgte unter dem Restaurationsregime, das Vorzensur verlangte. Milton veräußerte seine Rechte an Simmons gegen eine Anfangszahlung und weitere, an spätere Auflagen gebundene Honorare.
Das Werk steht in der Tradition der antiken Epen von Homer und Vergil, adaptiert aber die Form für ein protestantisches England nach der Reformation. Milton wählte Blankvers und ein hochstilisiertes, vom Lateinischen geprägtes Englisch. Inhaltlich greift er auf die Genesis-Erzählung zurück und verbindet sie mit humanistischer Gelehrsamkeit. Zeitgenössische theologische Streitfragen – etwa Sünde, freie Willensentscheidung und Prädestination – bildeten einen maßgeblichen Rahmen für die Lektüre. Milton hatte zuvor gegen bischöfliche Strukturen polemisiert und zu Ehe- sowie Pressefreiheit publiziert, darunter Areopagitica (1644), eine Rede gegen Vorzensur, die die damalige Debattenkultur prägte und das Verhältnis von Wahrheit, Vernunft und öffentlicher Diskussion betonte.
