Das Versprechen - Patricia Vandenberg - E-Book

Das Versprechen E-Book

Patricia Vandenberg

0,0

Beschreibung

Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Dottore, kommen Sie bitte schnell, sie kommt zu sich!« rief Schwester Rose aufgeregt, und Dr. Kilian eilte zu dem Wachraum des Tropenhospitals. Vor drei Tagen war die junge Patientin eingeliefert worden. Man hatte sie schwerverletzt aus einem Jeep befreit, der aus noch unbekannten Gründen von der unwegsamen Straße abgerutscht war. Dr. Jobst Kilian hatte voller Ungeduld darauf gewartet, daß sie endlich aus dem Koma erwachen würde, denn diese unbekannte junge Frau übte eine seltsame Faszination auf ihn aus. Langsam hoben sich die bläulichen Lider und gaben erstmals nachtdunkle Augen frei, in die nur langsam Leben kam. »Wer sind Sie?« fragte sie mühsam. »Dr. Kilian«, erwiderte er. »Sie befinden sich im Hospital.« »Nairobi?« fragte sie heiser. »Fünfzig Meilen entfernt«, erwiderte er. »Würden Sie mir Ihren Namen nennen?« »Marisa Mendes, wo ist Jon?«

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 111

Veröffentlichungsjahr: 2021

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Dr. Norden Extra – 37 –Das Versprechen

Patricia Vandenberg

»Dottore, kommen Sie bitte schnell, sie kommt zu sich!« rief Schwester Rose aufgeregt, und Dr. Kilian eilte zu dem Wachraum des Tropenhospitals.

Vor drei Tagen war die junge Patientin eingeliefert worden. Man hatte sie schwerverletzt aus einem Jeep befreit, der aus noch unbekannten Gründen von der unwegsamen Straße abgerutscht war. Dr. Jobst Kilian hatte voller Ungeduld darauf gewartet, daß sie endlich aus dem Koma erwachen würde, denn diese unbekannte junge Frau übte eine seltsame Faszination auf ihn aus.

Langsam hoben sich die bläulichen Lider und gaben erstmals nachtdunkle Augen frei, in die nur langsam Leben kam.

»Wer sind Sie?« fragte sie mühsam.

»Dr. Kilian«, erwiderte er. »Sie befinden sich im Hospital.«

»Nairobi?« fragte sie heiser.

»Fünfzig Meilen entfernt«, erwiderte er. »Würden Sie mir Ihren Namen nennen?«

»Marisa Mendes, wo ist Jon?«

Dr. Kilian war irritiert. »Es war niemand sonst in dem Jeep«, erklärte er zögernd. »Wer war bei Ihnen?«

Ihr Gesicht verschloß sich. »Ich war allein? Ich kann mich nicht mehr erinnern. Wie ist das möglich?«

»Es ist sehr leicht möglich nach einem solchen Unfall«, sagte er. Aber es ist auch etwas ungewöhnlich, daß man sich dann sofort an Na­men erinnert, dachte er für sich.

»Sollen wir jemand benachrichtigen?« fragte er.

»Ich muß überlegen. Was hatte ich bei mir?«

»Es wurde nichts gefunden.«

»Wer hat mich gefunden?«

»Ein Wildhüter, der zufällig diese Straße fuhr. Sie ist sehr abgelegen. Warum sind Sie diese gefahren?« Er sagte es spontan, aus Gedankengängen heraus.

»Ich weiß es nicht. Ich muß wirklich erst überlegen.«

Aber sie machte trotz der langen Bewußtlosigkeit keinen verwirrten Eindruck. Wer mochte Jon sein? Warum wollte sie nicht über ihn sprechen?

Sie schloß die Augen. »Ich brauche Geld«, sagte sie. »Wann kann ich das Hospital denn wieder verlassen?«

»Nicht vor nächster Woche, vielleicht in zehn Tagen. Sie hatten innere Blutungen, eine schwere Gehirnerschütterung und eine Lungenprellung, zwei Rippenbrüche und außerdem ein schweres Schleudertrauma.«

»Ich habe keine Schmerzen«, sagte sie aggressiv.

»Weil Sie ständig schmerzlindernde Infusionen bekommen.«

Sein Ton war jetzt energisch geworden, und sie schlug wieder die Augen auf.

»Sie müssen nicht gleich gekränkt sein«, sagte sie spöttisch.

»Ich bin nicht gekränkt, aber Sie werden sich wundern, wie geschwächt Sie sind, falls Sie aufstehen sollten.«

»Ich werde nicht heimlich verschwinden, falls Sie das fürchten sollten. Ich bin noch niemals jemandem etwas schuldig geblieben. Ich weiß nicht, warum ich keine Papiere bei mir hatte, aber das wird sich klären lassen. Ich habe ein Bankkonto in Nairobi, an das man auch mit meinen Kreditkarten nicht so einfach heran kann.«

Ihre Stimme hatte plötzlich einen ganz eigenartigen Klang, so als wäre ihr eine Ahnung gekommen, die Mißtrauen in ihr hervorrief. Sie sah Jobst Kilian forschend an.

»Ist die Polizei eingeschaltet?« fragte sie.

»Ja, aber Sie wissen doch sicher, wie langsam hier ermittelt wird. Wie lange leben Sie schon hier?«

»Sechs Monate.«

»Sie sind Amerikanerin?«

Ihre Lippen verzogen sich zu einem ironischen Lächeln. »Wie kommen Sie darauf? Ich würde mich als Weltbürgerin bezeichnen. Eigentlich gehöre ich nirgendwo hin. Ich weiß nicht, wo meine Wurzeln sind.«

Es war merkwürdig, wie sie das sagte. Es klang traurig und zornig zugleich.

»Aber es gibt hier niemanden, den Sie benachrichtigen wollen?« fragte Jobst Kilian rauh.

»Nein, eigentlich sollte ich schon in München sein, wenn ich mich recht erinnere.«

»Sie werden dort erwartet?«

»Das glaube ich nicht, aber ich bin immer für eine Überraschung gut.«

Und Jobst war jetzt überzeugt, daß sie auch sehr amüsant sein konnte. Er erfuhr dann noch, daß sie dreiundzwanzig Jahre alt war. Er hätte sie jünger geschätzt. Aber dann schien sie nicht mehr geneigt zu sein, irgendwelche Fragen zu beantworten, oder sie war tatsächlich müde. Jedenfalls war er der Meinung, daß sie ihm noch manche Rätsel aufgeben könnte, aber andererseits war es beruhigend für ihn, daß sie wenigstens etwas gemeinsam hatten, nämlich München als Ziel. In drei Wochen wollte er auch dort sein und hier seine Zelte für immer abbrechen. Nun konnte er jedoch über diesen seltsamen Zufall nachdenken. Nichts hatte sich in den zwei Jahren, die er hier tätig war, getan, was ihn persönlich beeindruckt hatte. Flüchtige Bekanntschaften, die ihm nichts bedeuteten, mehr war da nicht gewesen außer Arbeit, und er hatte auch nicht länger bleiben wollen, denn im Grunde hatte er sich alles ganz anders vorgestellt. Jetzt, da er mit seinen Gedanken schon in der Heimat war, lernte er Marisa Mendes kennen, die auch nach München wollte. Er konnte es nicht leugnen, daß sie seine Gedanken völlig beherrschte.

*

Daniel und Fee Norden hatten viel von Jobst Kilian gesprochen in den letzten Tagen. Sie wußten, daß er nach München zurückkehren würde.

»Ob er Carla endlich vergessen hat?« meinte Fee nachdenklich.

»Das will ich doch meinen. Aber welcher Mann verträgt es schon, von einer Frau so hintergangen zu werden. Da nagt auch mehr die gekränkte Eitelkeit als die enttäuschte Liebe.«

»Es ist nur komisch, wie viele Männer, die doch eigentlich nicht dumm sind, auf solche Frauen fliegen«, meinte Fee.

Daniel zuckte die Schultern. »Da bin ich überfragt. Ich fühle mich nicht angezogen von solchen Frauen.«

»Das möchte ich mir auch sehr verbitten. Aber zurück zu Jobst. Weißt du schon, was er im Auge hat?«

»Keine Ahnung. Wahrscheinlich geht er in die Forschung. Das war doch sein eigentliches Ziel. Aber jetzt, mein Schatz, muß ich dich verlassen. Mein Besuch bei Hoffmeister ist fällig.«

»Besteht da überhaupt noch Hoffnung?« fragte Fee.

»Solange ein Herz schlägt…«, mehr sagte Daniel nicht.

»Hat man von seinem Bruder schon etwas gehört?«

Daniel wunderte sich, daß Fee sich plötzlich so eingehend erkundigte.

»Woher dieses Interesse?« fragte er.

»Seine Kusine tönt, daß alles zusammenbrechen würde, wenn sie nicht wäre. Sie scheint sehr erpicht, seine Nachfolgerin zu werden.«

»Wenn sie sich nur nicht sehr täuscht. Alex Hoffmeister ist noch immer bei vollem Verstand.«

Und er hatte anscheinend einen guten Tag gehabt, denn er wirkte nicht so müde wie sonst, als Dr. Norden kam, um ihm die jeden Abend fällige Injektion zu geben. Alex Hoffmeister war sechsundvierzig Jahre alt, und Dr. Norden hoffte, daß sich für ihn noch ein geeignetes Spenderherz finden würde, bevor es zu spät war, aber einfach war es auch nicht gewesen, ihn für eine Herztransplantation zu gewinnen. Er hatte bereits resigniert, aber jetzt schienen seine Lebensgeister noch einmal zu erwachen.

Agnes Hoffmeister öffnete Dr. Norden die Tür, nicht Camilla wie sonst. Die alte Dame zeigte immer Haltung und ließ sich selten anmerken, wie es ihr ums Herz war.

»Ich würde Sie gern allein sprechen, Dr. Norden«, sagte sie leise, »bevor Camilla kommt. Sie gibt sich etwas zu wichtig.«

Zum ersten Mal machte Agnes Hoffmeister eine kritische Bemerkung über ihre Nichte.

Daniel Norden kannte Agnes Hoffmeister als eine tolerante, gü­tige Frau, eine Dame vom Scheitel bis zur Sohle.

»Ich habe Nachricht von Bodo«, begann sie ohne lange Vorrede. »Er wird kommen. Er will auch nicht, daß Camilla alles an sich reißt. Ich fühle mich ihr nicht gewachsen. Ich bin keine Kämpferin, das wissen Sie. Ich bete, daß Alex durch eine Operation gerettet werden kann, denn ohne ihn wird sowieso alles zerbrechen. Ich möchte ihn nicht überleben, Dr. Norden. Ist es immer noch nicht möglich, ein Spenderherz zu bekommen?«

»Bei ihm ist die Verträglichkeit in Frage gestellt, weil er diese seltene Blutgruppe hat. Es hängt sehr viel davon ab, daß wir Blutspender dafür finden. Wissen Sie, ob Ihr Sohn Bodo die gleiche Blutgruppe hat?«

»Sie meinen, daß es eigentlich so sein müßte, aber Bodo hatte eine andere Mutter. Sie werden das doch für sich behalten.«

Dr. Norden war so überrascht, daß er nicht wußte, was er sagen sollte. Agnes Hoffmeister lächelte flüchtig.

»Mein Mann hatte eine Liaison, nennen wir es mal so. Ich erfuhr davon, als er mir Bodo präsentierte. Nun, er hatte so manche Affären, aber ein Kind war dabei nie entstanden, nur dieses eine Mal. Vielleicht hat ihm die Frau viel bedeutet. Sie hat die Geburt nicht überlebt, Bodo wuchs als unser Sohn auf. Alex weiß es nicht anders.«

»Sie waren einverstanden?« staunte Daniel Norden.

»Hätte ich mich weigern sollen, ein unschuldiges Kind aufzunehmen? Es mag seltsam erscheinen, aber ich liebte meinen Mann. Unsere Ehe gestaltete sich dann harmonischer als zuvor. Daß sich Bodo anders entwickelte als Alex, fiel nicht auf«

»Geschwister sind häufig verschieden«, sagte Daniel Norden, immer noch konsterniert.

»Mich hat es schockiert, daß sich Bodo mit seinem Vater gar nicht verstand, und das war wohl auch der Grund, daß er so früh sein Elternhaus verließ. Mein Mann ist sieben Jahre tot, und ich hatte erwartet, daß Bodo heimkehren würde. Ich mag ihn, und er hängt an mir. Er sieht ja in mir seine Mutter. Ich vertraue es Ihnen an, damit Sie verstehen, warum ich so sehr hoffe, daß Alex zu helfen ist. Es ist schwer genug für mich, Camilla im Hause zu haben.«

»Gibt es dafür ein Muß?« fragte Dr. Norden.

»Mein Mann wollte es, als ihre Eltern verunglückten. Sie hatte sonst gar keine Angehörigen mehr.«

Agnes Hoffmeister wurde jetzt unruhig. »Alex wird warten«, sagte sie hastig. »Er wird sich fragen, was ich so lange mit Ihnen geredet habe.«

»Ich werde ihm erklären, daß ich Sie vorsorglich einmal wieder untersucht habe. Er ist doch sehr darauf bedacht, daß ich auch auf Ihre Gesundheit achte.«

Alex Hoffmeister nahm das auch als Erklärung hin. Er saß noch in seinem Sessel und las einen Krimi, den er als sehr spannend bezeichnete.

»Ist Mama in Ordnung?« fragte er.

»Sie hält sich sehr gut. Und Ihnen geht es heute anscheinend auch besser.«

»Es mag am Wetter liegen«, meinte Alex. »Und natürlich auch an Ihrer Fürsorge.«

»Wenn ich nur mehr tun könnte. Es ist alles in die Wege geleitet, daß wir auch Blutspender bekommen.«

»Ob es gut ist, ein Leben willkürlich verlängern zu wollen?« sagte Alex nachdenklich. »Wegen Mama, ja, ihretwegen bin ich mit allem einverstanden, aber sonst vermißt mich niemand.« Sein Blick irrte ab. »Es hätte alles anders kommen können, wenn…«, er unterbrach sich, und ein wehmütiger Ausdruck kam in seine Augen. »Sie sind ein glücklicher Mann, Dr. Norden. Sie haben eine wundervolle Frau und gesunde Kinder.«

Es klang sehnsüchtig. Daniel Norden hatte noch nicht erlebt, daß Alex etwas von seinen Gefühlen preisgab, er wäre auch nicht auf den Gedanken gekommen, ihm eine indiskrete Frage zu stellen, wenn er nicht plötzlich das Gefühl gehabt hätte, daß Alex sich mitteilen wollte.

»Sie hatten auch einmal Träume«, sagte er behutsam.

»Ja, wenn man mir das wohl auch nicht zutraut. Es gab eine Zeit, in der ich glücklich war, doch das Glück erwies sich als trügerisch. Können Sie sich vorstellen, was es bedeutet, wenn man erfährt, daß die Frau, die man über alles liebt, verheiratet ist?«

»Sie haben sich verraten gefühlt?«

»Ich war verzweifelt. Sie hat es mir verschwiegen, weil sie mir nicht weh tun wollte. Sie dachte, daß es für mich nur ein heißer Flirt gewesen sei. Ich war erst zweiundzwanzig.«

»Und Sie haben nie wieder einer Frau getraut?«

»Ich habe sie nie vergessen. So wurde ich nach außen hin der harte Mann, der Manager, der keine Zeit für Frauen hatte. Und meine Kusine Camilla hat dazu beigetragen, kein Interesse mehr an Frauen zu haben. Es tut mir leid für Mama, die sicher gern Enkel gehabt hätte. Vielleicht erfüllt ihr Bodo diesen Wunsch doch noch. Er ist immerhin zehn Jahre jünger als ich.«

Daniels Gedanken überstürzten sich. Alex müßte doch mitbekommen haben, wie Bodo ins Haus gekommen war, wenn er schon zehn Jahre alt gewesen war. In diesem Alter wußte man, wie Kinder geboren wurden.

»Was haben Sie eigentlich gesagt, als Ihr Bruder geboren wurde?« fragte er beiläufig.

»Ich habe es gar nicht mitgekriegt. Ich war schon im Internat. Bodo war da, als ich in den Ferien heimkam, und ich fand ihn niedlich. Er war ein so fröhlicher Junge. Es ist schade, daß sich das Verhältnis zwischen ihm und Vater später so negativ entwickelte. Vater paßte es wohl nicht, daß er nicht so gute Zeugnisse nach Hause brachte wie ich und aus dem Internat immer wieder Klagen über sein Benehmen kamen. Er hatte eben einen so großen Freiheitsdrang, und eigentlich war er Vater darin ähnlicher als ich. Aber es ist wohl so, daß Väter ihre eigenen Schwächen nicht bei ihren Kindern wiederfinden wollen.«

Daniel sah seinen Patienten forschend an. Anscheinend wußte er doch mehr über das Vorleben seines Vaters, als seine Mutter wohl ahnte.

»Aber es scheint, als mochten Sie Ihren Bruder«, sagte Daniel.

»Ich mag ihn immer noch und hoffe, daß er heimkommt, damit Mutter ihn hat, wenn ich sterbe, und Camilla nicht alles an sich reißt. Ich muß den Tatsachen ins Auge sehen, Dr. Norden.«

»Aber nicht die Hoffnung aufgeben, da Ihnen vielleicht doch bald noch geholfen werden könnte.«

»Es kommt, wie es mir vorgezeichnet ist, Dr. Norden. Unser Leben liegt in Gottes Hand.«

*

Camilla kam, als Dr. Norden ging. Sie war eine attraktive Frau. Ende Dreißig, ziemlich groß, schlank und sehr gepflegt, natürlich auch ensprechend elegant. Ihre Augen waren eiskalt, aber sie musterte Dr. Norden stets mit einem herausfordernden Blick.

»Wie steht es?« fragte sie mit rauchiger Stimme, »hat sich schon etwas ergeben?«

Sie wollte am liebsten hören, daß alles aussichtslos sei, das wußte Dr. Norden nur zu gut.

»Ich denke, daß bald eine Entscheidung fallen wird«, erwiderte er kühl. »Der Zustand des Patienten ist stabil.«

Sie kniff die Augen zusammen. »Wenn Sie es sagen«, stieß sie hervor.