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"Du, Ferdinand, sie fährt mit", ruft sie triumphierend. "Die Mutter vom Alexander. Sie hat angeboten, dich am Lenkrad hie und da abzulösen. Ob dir das recht ist?" "Na, und ob mir das recht ist", erwidere ich und fühle mich durch diese Mitteilung sogar außerordentlich erleichtert. Es ist ja doch eine ganz schön weite Strecke von Melk bis Nizza. Und damit beginnt eine nächtliche Fahrt der Wunder. Denn sie bringt den beiden Reisenden völlig unverhofftes Liebesglück und heiße Freudentränen. Oder ist eine Auferstehung von den Toten etwa kein unerhörtes Wunder? Und trotzdem enthält das unverhoffte Liebesglück einen großen Wermutstropfen.
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Seitenzahl: 18
Veröffentlichungsjahr: 2026
Karl Plepelits
Das Wunder einer Herbstnacht
So lieb hab ich dich
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Inhaltsverzeichnis
Titel
1
2
3
4
5
6
Impressum
Impressum neobooks
Das Wunder einer Herbstnacht
So lieb hab ich dich
„Du, Ferdinand, sie fährt mit“, ruft sie triumphierend. „Die Mutter vom Alexander. Sie hat angeboten, dich am Lenkrad hie und da abzulösen. Ob dir das recht ist?“
„Na, und ob mir das recht ist“, erwidere ich und fühle mich durch diese Mitteilung sogar außerordentlich erleichtert. Es ist ja doch eine ganz schön weite Strecke bis Nizza.
Ja, anlässlich des achtzigsten Geburtstages meiner Mutter weile ich – zum ersten Mal seit wie vielen Jahren? – zurzeit in Melk. Soll sie doch über meinen „Räuberbart“ lästern, wenn’s ihr Spaß macht. Hier lebt sie unter einem Dach mit meinem jüngeren Bruder, seiner Doris und Enkelin Andrea.
Es ist ein wunderschöner Herbsttag. Doch zu meiner Bestürzung finde ich das Haus in größter Aufregung vor. Andrea, so jammern sie, ist „ausgerissen, abgehauen, durchgebrannt“, noch dazu mit ihrem Freund Alexander, dem Sohn von Doktor Zaim, dem Primarius im Melker Spital, einem gebürtigen Syrer, wie Omi missbilligend feststellt.
Wahrscheinlich hat sie unsere Vorwürfe nicht mehr ausgehalten.“ So mein Brüderlein Martin.
Das ist also der Kummer meiner Lieben. Und der erinnert mich an meinen eigenen unauslöschlichen Schmerz über den Verlust meiner geliebten Nasrin. Sie war Perserin und studierte Medizin in Graz. Ihr Ehemann ist Ägypter. Wegen ihrer Liebe zu mir hat er sie in Ägypten ermordet. Das ist mittlerweile fünfzehn Jahre her. Aber die Sehnsucht, genauer, die sehnsüchtige Erinnerung an sie, ist, nach so vielen Jahren noch, frisch wie am ersten Tag. Ungebrochen ist meine Trauer.
Bravourös übersteht Omi die vielen Besuche zu ihren Ehren. Unsere Verwandtschaft setzt sich nämlich nicht aus drei Sippen zusammen. Nach dem Tod meines Vaters heiratete meine Mutter noch einmal, und dieser Ehe entstammt Martin. Während nun ich den Namen meines leiblichen Vaters, Hahn, trage, heißt meine Mutter, eine geborene Longhi, seit ihrer Verehelichung mit meinem Stiefvater wie dieser Swoboda und ebenso Martin samt Familie.
