Das zerbrochene Lächeln - Patricia Vandenberg - E-Book

Das zerbrochene Lächeln E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Ich fürchte, wir werden um einen Kaiserschnitt nicht herumkommen«, erklärte Dr. Daniel Norden seiner Patientin Tine Flint ernst, ohne den Blick von dem Ultraschallmonitor zu wenden, auf dem das Ungeborene zu sehen war. »Gerade bei der ersten Geburt ist eine Steißlage problematisch, zumal Ihr Sprössling nicht gerade klein ist.« »Dabei habe ich mich so sehr auf eine natürliche Geburt gefreut und auch wirklich alles dafür getan. Aber selbst die Wendeversuche von Dr. Leitner sind erfolglos geblieben.« »Davon halte ich eigentlich auch nicht allzu viel. Das Kind wird schon seine Gründe haben, warum es genauso und nicht anders herum liegt. Vielleicht ist die Nabelschnur zu kurz, oder es fühlt sich einfach so wohler.« »Dann werde ich wohl in den sauren Apfel beißen müssen.« Tine seufzte bedrückt. Sie fürchtete sich sehr vor einem operativen Eingriff. Und obwohl sie seit einigen Wochen ahnte, was ihr bevorstand, hatte sie den Gedanken an eine Section weit von sich geschoben. »Irgendwie muss die Kleine ja rauskommen.« »Machen Sie sich keine Sorgen. Bei Dr. Leitner sind Sie in besten Händen. Er wird Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ich bin auch immer für Sie da, wenn Sie mich brauchen«

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Seitenzahl: 126

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Dr. Norden Extra – 88 –Das zerbrochene Lächeln

Unveröffentlichter Roman

Patricia Vandenberg

»Ich fürchte, wir werden um einen Kaiserschnitt nicht herumkommen«, erklärte Dr. Daniel Norden seiner Patientin Tine Flint ernst, ohne den Blick von dem Ultraschallmonitor zu wenden, auf dem das Ungeborene zu sehen war. »Gerade bei der ersten Geburt ist eine Steißlage problematisch, zumal Ihr Sprössling nicht gerade klein ist.«

»Dabei habe ich mich so sehr auf eine natürliche Geburt gefreut und auch wirklich alles dafür getan. Aber selbst die Wendeversuche von Dr. Leitner sind erfolglos geblieben.«

»Davon halte ich eigentlich auch nicht allzu viel. Das Kind wird schon seine Gründe haben, warum es genauso und nicht anders herum liegt. Vielleicht ist die Nabelschnur zu kurz, oder es fühlt sich einfach so wohler.«

»Dann werde ich wohl in den sauren Apfel beißen müssen.« Tine seufzte bedrückt. Sie fürchtete sich sehr vor einem operativen Eingriff. Und obwohl sie seit einigen Wochen ahnte, was ihr bevorstand, hatte sie den Gedanken an eine Section weit von sich geschoben. »Irgendwie muss die Kleine ja rauskommen.«

»Machen Sie sich keine Sorgen. Bei Dr. Leitner sind Sie in besten Händen. Er wird Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ich bin auch immer für Sie da, wenn Sie mich brauchen«, versuchte Daniel Norden seiner Patientin Mut zu machen. Die ganze Schwangerschaft hindurch hatte er sie auf ihren Wunsch hin betreut. Und obwohl auch Hans-Georg Leitner und sein Team sehr freundlich und nett zu ihr gewesen waren, zog Tine Flint es vor, so lange wie möglich in Dr. Nordens Obhut zu bleiben.

»Wann ist es denn soweit?« erkundigte sie sich zaghaft.

»Das sollten Sie noch heute mit Dr. Leitner besprechen. Am besten, wir machen gleich einen Termin bei ihm aus. Der Muttermund ist schon weich, und die Geburt wird nicht mehr lange auf sich warten lassen.«

»Ich vertraue Ihnen«, seufzte Tine. Und obwohl sie und ihr Mann sich über alle Maßen über ihren ersten Nachwuchs freuten, überwog im Augenblick die Angst vor dem bevorstehenden Eingriff.

Das bemerkte auch Tines Ehemann Steve, als er am Abend von der Arbeit kam. Obwohl er müde und erschöpft von dem anstrengenden Tag war, galt seine ganze Aufmerksamkeit und Liebe seiner hochschwangeren Frau.

»Was ist denn mit dir los, Tinchen? Du bist ja ganz blass. Stimmt was nicht mit der Kleinen?«

»Doch, schon. Aber ich muss morgen früh in die Klinik, um ein paar Untersuchungen machen zu lassen und einen Termin für einen Kaiserschnitt festzusetzen.«

»Muss es also doch sein?« Bekümmert nahm Steve seine Frau in die Arme. Er wusste, wie gespannt sie dem Erlebnis einer natürlichen Geburt entgegengesehen hatte. Aber er ahnte nicht, wie viel Angst Tine tatsächlich vor dem Eingriff hatte, der ihr wider alle Natur erschien. »Dr. Norden meinte schon. Die letzte Entscheidung liegt allerdings bei mir. Es ist möglich, das Kind auf normalem Weg zu bekommen, aber das Risiko ist ungleich höher als bei einer Schädellage. Und wir wollen schließlich ein gesundes Kind haben, nicht wahr?«

»In erster Linie geht es mir um dich, Tinchen. Hauptsache, du überstehst die Sache gut. Ich liebe dich über alles und will nicht, dass dir etwas passiert.«

»Und wenn ich nicht mehr aus der Narkose aufwache?«, fragte Tine mit bebender Stimme. Erst hier, in den Armen ihres liebevollen Mannes konnte sie aussprechen, welche Sorgen sie bewegten. »Und dann erst die Schmerzen danach. Ich hab’ solche Angst, Stevie.«

»Keine Angst, mein Kleines. Ich lass dich nicht alleine. Soll ich dich morgen in die Klinik begleiten?«

»Schön wäre es schon. Aber kannst du die Firma alleine lassen?« »Die Firma ist nicht so wichtig wie du«, erklärte Steve energisch. Die Geschäfte liefen zwar nicht sehr gut, aber damit musste er Tine im Augenblick nicht belasten. Sie hatte auch so Probleme genug. »Ich rufe gleich Rainer an, damit er mich morgen vertritt.«

»Du bist so süß. Ich liebe dich so sehr, Darling.«

»Ich weiß, und ich liebe dich auch. Mach dir keine Sorgen. Gemeinsam haben wir bisher alles geschafft«, sprach er ihr Mut zu und wiegte sie sanft in seinen Armen.

Tine seufzte. Die Angst war zwar nicht gewichen, aber durch Steves Zuspruch war ihr Herz doch mutiger geworden.

»Machen Sie sich keine Sorgen. Gemeinsam schaffen wir das schon«, erklärte auch Dr. Hans-Georg Leitner, nachdem er Tine Flint am nächsten Morgen untersucht hatte. »Ein Kaiserschnitt ist heutzutage ein Routine-Eingriff und überdies besonders schonend für das Kind. Das Risiko einer Komplikation ist inzwischen sogar niedriger als bei einer natürlichen Geburt.«

»Was ist denn mit den Narkosemitteln? Gehen die nicht auf das Kind über?«, erkundigte sich Tine. Sie hatte so viele Ängste, dass sie gar nicht wusste, wo sie anfangen sollte zu fragen.

»Natürlich verwenden wir nur solche Dosen, die unschädlich für das Ungeborene sind. Aber ich wollte ohnehin mit Ihnen über die Art der Narkose sprechen. Da gibt es mehrere Möglichkeiten, die in Ihrem Fall infrage kommen. Könnten Sie sich vorstellen, die Geburt Ihres Kindes wach zu erleben?«

»Ist das denn möglich?«, fragte Tine überrascht und warf ihrem Mann, der ihre Hand hielt, einen raschen Blick zu. »Ehrlich gesagt habe ich nämlich eine riesige Angst vor einer Vollnarkose«, gestand sie mit leiser Stimme.

»Das ist nichts, wofür Sie sich schämen müssten, und kommt häufiger vor, als man denkt. Aber nicht nur deshalb halte ich eine Spinalanästhesie bei einem Kaiserschnitt für vorteilhafter. Diese Art der Narkose belastet den Organismus nicht so stark. Sie können Ihr Kind gleich nach der Geburt in Empfang nehmen und nach der ersten Untersuchung durch den Kinderarzt bei sich behalten. So haben Sie ein zumindest halbwegs natürliches Geburtserlebnis.«

Tines Gesicht war schon nicht mehr so skeptisch und angsterfüllt wie noch zu Beginn des Arztbesuches. Die Neuigkeiten erfüllten sie mit einer vagen Hoffnung, die Geburt doch unbeschadet zu überstehen. Aber schon quälte sie eine neue Sorge. »Darf denn mein Mann dabeisein oder bin ich ganz allein?«

»Allein sind Sie ohnehin nicht«, lächelte Dr. Leitner beruhigend. »Sie werden von zwei OP-Schwestern, zwei Ärzten, einem Anästhesisten und einer Hebamme betreut, die das Neugeborene übernehmen wird. Aber in unserer Klinik haben wir keine Probleme damit, dass die Männer ihren Frauen beim Kinderkriegen beistehen. Von der Operation bekommen Sie ohnehin nichts mit«, wandte er sich lächelnd an Steve, »da sie hinter einem Tuch stattfindet. Sie können sich also voll und ganz auf Ihre Frau konzentrieren.«

»Sind das nicht wundervolle Neuigkeiten, Tinchen?« Steve strahlte übers ganze Gesicht. »Du hättest dir nicht so viele Sorgen zu machen brauchen.«

»Wirklich nicht«, bekam er Unterstützung von Schorsch. »Kinder auf die Welt zu bringen ist heutzutage nicht mehr so schlimm wie früher, als man den Frauen nicht mit Schmerzmitteln oder erleichternden Maßnahmen helfen konnte. Für beinahe jede werdende Mutter findet sich auch unter der Geburt ein geeignetes Mittel, die Sache gut zu überstehen. Und ich bin mir ganz sicher, dass wir auch ihren kleinen, widerspenstigen Sprössling gesund und munter zur Welt bringen werden. Jetzt gilt es nur noch, einen Termin zu finden.«

»Dr. Norden meinte, es könnte nicht mehr allzu lange dauern«, konnte Tine berichten. Langsam begriff sie, dass sie in der Leitner-Klinik in den besten Händen war und nicht unnötig leiden musste. Die Vorfreude auf ihr Baby wuchs von Minute zu Minute und verlieh ihrem Gesicht ein glückliches Strahlen.

»Diese Ansicht teile ich. Aber lassen Sie mich einen Blick auf den OP-Plan werfen.« Schorsch tippte ein paar Worte in seinen Computer ein und studierte aufmerksam die Daten, die daraufhin auf dem Bildschirm erschienen. »Na, das trifft sich ja hervorragend. Morgen früh wurde ein Eingriff abgesagt. Dann werde ich diesen Termin doch gleich für Sie reservieren.«

»Morgen früh schon?« Überrascht schnappte Tine nach Luft. »Ganz recht. In ein paar Stunden werden Sie Mama und Papa sein. Ist das nicht aufregend?«, fragte Dr. Leitner zufrieden. Seine Freude wirkte ansteckend auf die werdenden Eltern. Steve warf seiner Frau einen glücklichen Blick zu und drückte fest ihre Hand. »Da kann man es neun Monate lang kaum erwarten, und plötzlich ist der Tag da. Ein komisches Gefühl«, sinnierte Tine, als Hans-Georg Leitner sie höchstpersönlich in ihr Zimmer führte.

»Ab morgen wird Ihr Leben nie mehr so sein, wie es einmal war. Bis dahin haben wir aber noch ein bisschen Arbeit vor uns. Wir müssen ein EKG schreiben, Blut abnehmen, mit dem Anästhesisten sprechen und solche Dinge mehr.«

»Das ist ganz gut so. Dann komme ich wenigstens nicht zum Nachdenken und kann mir keine Sorgen machen, was mich morgen früh so alles erwartet.«

»Alles wird gut. Machen Sie sich mal keine Gedanken«, tröstete Schorsch seine Patientin und öffnete die Tür zu einem Krankenzimmer. »Bitte schön, hier ist Ihr neues, vorläufiges Zuhause. Ich hoffe, Sie fühlen sich in den nächsten Tagen wohl bei uns.«

»Ach, ist das schön!«, rief Tine, als sie sich in dem heimeligen Raum umsah. »Ich werde mich fühlen wie in einem Hotel.«

Dr. Leitner lächelte ihr freundlich zu, ehe er sich von dem Ehepaar verabschiedete, um seinen vielfältigen Aufgaben nachzugehen. »Siehst du, alles wird gut werden«, lächelte auch Steve zufrieden, als sich die Tür hinter dem Klinikleiter geschlossen hatte. »Dann kann ich dich ja beruhigt eine Weile hier allein lassen und in der Firma nach dem rechten sehen. Heute Nachmittag komme ich mit der Klinik-Tasche wieder. Brauchst du sonst noch was? Süßigkeiten, Obst oder ein paar Zeitschriften?«

»Du bist so lieb, vielen Dank. Ich warte erst mal ab, was jetzt alles so mit mir passiert. Und verhungern werde ich hier bestimmt nicht. Wenn das Essen nur halb so gut ist, wie ich vermute, werde ich ein paar Kilo zunehmen, bis ich wieder bei dir zu Hause bin.«

»Das schadet gar nichts. Schließlich bist du dann Mama und brauchst deine ganze Kraft für die Kleine und dich.« Steve küsste seine Frau sehr zärtlich und verabschiedete sich mit einem Lächeln, das jedoch verschwand, als er auf den Klinikflur getreten war. Natürlich beruhigte es ihn, seine Frau so zuversichtlich zu wissen. Dennoch nagten die beruflichen Probleme an seiner Seele. Er konnte nur hoffen, dass sich seine schlimmsten Befürchtungen nicht bewahrheiten würden.

*

Noch am selben Abend erhielt Dr. Daniel Norden von seinem Studienfreund und Kollegen Schorsch Leitner Kunde, dass Tine Flint wohlauf sei. Zufrieden mit dieser Nachricht kehrte er auf die Terrasse zurück, wo sich die Familie zu einem spontanen Grillabend eingefunden hatte.

»Wer hat dich denn schon wieder bei deinem wohlverdienten Feierabend gestört?«, erkundigte sich der älteste Sohn Danny interessiert. Zum Stolz seiner Eltern studierte er Medizin hier in München und ließ sich nur zu gerne vom Berufsalltag seines Vaters berichten.

»Das war nur Schorsch, der Entwarnung gegeben hat.«

»Hattest du schon wieder einen schwierigen Fall?«, fragte Felicitas Norden mitfühlend und legte vorsichtig fünf Stücke Fleisch und ein paar Grillwürste auf den Rost. Felix fächelte der Glut mit einem Stück Pappe Wind zu, und die Zwillinge deckten zusammen mit Anneka den Tisch. Es war ein harmonischer Familienabend, den alle Beteiligten ausgiebig genossen. Daniel lächelte beruhigend.

»Nichts Dramatisches, keine Sorge. Nur eine schwangere Frau, die per Kaiserschnitt entbinden wird und Angst vor der Narkose hatte. Aber Schorsch konnte sie beruhigen. Sie wird eine Spinalanästhesie bekommen und die Geburt ihres Kindes bei vollem Bewusstsein miterleben.«

»Es ist schon unglaublich, was die Medizin heute für Möglichkeiten hat«, nickte Fee zufrieden. »Im Mittelalter war das ganz anders«, mischte sich Anneka in das Gespräch ein. »Da gab es keine Schmerzmittel und kaum Medikamente. Und die weisen Frauen, die sich mit Heilkunde auskannten, wurden als Hexen verbrannt. Eine grässliche Zeit. Bin ich froh, dass ich heute lebe.«

»Woher weißt du denn das alles?« »Annika lernt grad in Geschichte was übers Mittelalter. Und schau mal, was sie mir mitgebracht hat.« Stolz stülpte sich der kleine Jan einen Ritterhelm aus Pappe über den Kopf. »Fehlt nur noch die Rüstung«, tönte seine dumpfe Stimme durch die Ritzen des Kartons.

»Wart mal, ich hol schnell einen Fotoapparat. Das sieht zu niedlich aus.« Mit wenigen Sprüngen war Anneka im Wohnzimmer, um diesen lustigen Augenblick auf Papier zu bannen. Geschmeichelt stellte sich Jan in Pose und ließ sich nur zu gerne für das Familienalbum ablichten.

»Irgendwie fände ich so eine Zeitreisemaschine schon super. Ein Tag im Mittelalter würd’ mich schon mal interessieren«, stellte Felix nachdenklich fest.

»Aber nur, wenn man wieder zurückfahren kann«, erklärte Anneka entschieden. »Stell dir mal vor, du bekommst grad an dem Tag Zahnschmerzen. Dann wird dir der Zahn ohne Betäubung gezogen. Und früher sind die Menschen auch noch an Appendizitis gestorben.« Wie selbstverständlich kamen den Arztkindern selbst schwierige medizinische Fachausdrücke mühelos über die Lippen.

»Blinddarmentzündung ist auch heute noch eine ernsthafte Erkrankung, der mehr Menschen zum Opfer fallen, als man meinen möchte«, warf Daniel Norden ein. »Aber wir sollten an diesem herrlichen Abend nicht von so düsteren Sachen sprechen. In ein paar Stunden wird Frau Flint beinahe schmerzfrei ein hoffentlich gesundes Kind zur Welt bringen. Und in ein paar Tagen wird sie die Klinik verlassen. Fast wie nach einer ganz normalen Entbindung.«

»Trotzdem möchte ich das mit dem Mittelalter mal erleben«, beharrte Felix, der manchmal sehr eigensinnig sein konnte. Sein Bruder Jan unterstützte ihn wortkräftig, und Daniel dachte einen Augenblick nach.

»Wenn ich mich nicht irre, findet bald ein mittelalterlicher Markt mit Gauklern und Wirtsbuden und solchen Sachen statt. Wenn ihr Lust habt, könnten wir einen Familienausflug planen und uns die Sache mal ansehen. Spannend ist es bestimmt und wenn es uns nicht gefällt, können wir jederzeit in die Gegenwart zurückkehren.«

Dieser Vorschlag wurde mit allgemeiner Begeisterung aufgenommen. Felicitas lächelte vergnügt in sich hinein, während sie ihre Familie beobachtete. Es gab viele kleine und große Geheimnisse für ihr Glück. Eines davon war, dass sie, wann immer es die knappe Zeit erlaubte, gemeinsam Dinge unternahmen, an denen die ganze Familie Spaß hatte. So war im Lauf der Jahre ein festes Band unter Kindern und Eltern entstanden. Fee konnte sich sicher sein, zu den beneidenswerten Müttern zu gehören, deren Kinder auch im Erwachsenenalter immer wieder gerne nach Hause zurückkehrten, um ihr Leben mit den Eltern zu teilen. Sie warf Daniel, der ihre Gedanken lesen konnte, einen liebevollen Blick zu. Er lächelte versonnen zurück, ehe ihn ein brenzliger Geruch aufmerksam werden ließ. »Hoppla, das riecht hier irgendwie nach angebranntem Fleisch. Felix, du solltest doch aufpassen!«, rief er erschrocken und war mit einem Sprung am Grill, um zu retten, was zu retten war.

»Oh, Papi, jetzt musst du das arme Fleisch verarzten«, bedauerte Dési mit einem verschmitzten Lächeln ein besonders verkohltes Steak.

»Ich fürchte, da kann selbst ich nicht mehr viel ausrichten«, lachte Daniel und legte das übrige Grillgut auf einen Teller. Felix grinste breit und erbot sich, als Wiedergutmachung den Tisch abzuräumen. Keiner nahm ihm übel, dass er das Essen über dem Mittelalter-Gespräch vergessen hatte. Bald tönte aus dem Garten der Familie Norden gedämpftes Plaudern und hin und wieder ein lautes Lachen. Ein besonderer Frieden lag über dem Einfamilienhaus, der in der ganzen Stadt nach seinesgleichen suchte.

Eine solche Harmonie war bei Saskia Werner und ihrem Freund Matthias Kreutz eher die Ausnahme. So ruhig und bedächtig Matthias auch war, so temperamentvoll war Saskia. Sie langweilte sich schnell und brach aus eben diesem Grund häufig einen Streit vom Zaun. Matthias, der seine Freundin aus tiefstem Herzen liebte, betrachtete diese Eigenart mit ruhiger Nachsicht, was Saskia oft nur noch mehr reizte.