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Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Wer war denn das?« Daniel Norden schaute interessiert von seinem Frühstücksteller auf, als seine Frau Fee an diesem Samstagmorgen von einem längeren Telefonat aus dem Büro an den Frühstückstisch der Familie zurückkehrte. Sie lächelte zufrieden. »Ja Mami, mit wem hast du denn so lange telefoniert?« fragte auch Anne-Kathrin, die jedoch nur Anneka genannt wurde. »Stellt euch vor, das war meine liebe Freundin Rita Jost aus Griechenland«, erklärte Fee daraufhin freudig. »Ich wußte gar nicht, daß du eine griechische Freundin hast«, wunderte sich daraufhin Danny. »Rita ist keine Griechin. Sie war eine Kommilitonin eurer Mutter, als sie noch Medizin studiert hat«, erklärte Daniel daraufhin. »Bis sie in einem Urlaub auf Kreta Dimitri Topalis kennen- und liebengelernt hat«, fuhr Fee mit verträumtem Gesichtsausdruck fort. »Das ist ja richtig kitschig«, entfuhr es Felix, der noch mehr für Abenteuer denn für Liebesgeschichten zu haben war. »Finde ich überhaupt nicht«, monierte Anneka sofort. »Ich stell' mir das sehr romantisch vor, im Urlaub die große Liebe kennenzulernen.« »Dafür bist du noch ein bißchen zu jung, Schwesterherz«
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Seitenzahl: 138
Veröffentlichungsjahr: 2023
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»Wer war denn das?« Daniel Norden schaute interessiert von seinem Frühstücksteller auf, als seine Frau Fee an diesem Samstagmorgen von einem längeren Telefonat aus dem Büro an den Frühstückstisch der Familie zurückkehrte. Sie lächelte zufrieden.
»Ja Mami, mit wem hast du denn so lange telefoniert?« fragte auch Anne-Kathrin, die jedoch nur Anneka genannt wurde.
»Stellt euch vor, das war meine liebe Freundin Rita Jost aus Griechenland«, erklärte Fee daraufhin freudig.
»Ich wußte gar nicht, daß du eine griechische Freundin hast«, wunderte sich daraufhin Danny.
»Rita ist keine Griechin. Sie war eine Kommilitonin eurer Mutter, als sie noch Medizin studiert hat«, erklärte Daniel daraufhin.
»Bis sie in einem Urlaub auf Kreta Dimitri Topalis kennen- und liebengelernt hat«, fuhr Fee mit verträumtem Gesichtsausdruck fort.
»Das ist ja richtig kitschig«, entfuhr es Felix, der noch mehr für Abenteuer denn für Liebesgeschichten zu haben war.
»Finde ich überhaupt nicht«, monierte Anneka sofort. »Ich stell’ mir das sehr romantisch vor, im Urlaub die große Liebe kennenzulernen.«
»Dafür bist du noch ein bißchen zu jung, Schwesterherz«, lächelte Felix nachsichtig, und Anneka gab ihm einen Knuff in die Seite.
»Und du zu kindisch!«
»Daß ihr beiden immerzu kabbeln müßt!« schaltete sich Fee in die Diskussion ihrer Kinder ein. »Letztendlich ist es doch egal, wo man den Menschen trifft, mit dem man sein Leben verbringen möchte. Aber zugegebenermaßen war es bei Rita wirklich sehr romantisch.« Sie warf ihrem Mann einen liebevollen Blick zu.
»Ich kann mich gar nicht mehr richtig daran erinnern«, sinnierte Daniel, als er sich eine weitere Tasse Kaffee einschenkte.
»Das wundert mich nicht. Es ist schließlich auch schon über zwanzig Jahre her.«
»Dann kann deine Freundin aber nicht lange studiert haben«, warf Danny ein, der schnell nachgerechnet hatte.
»Ungefähr drei Jahre. Nebenbei hat sie in einem Reisebüro gejobbt und sich so den langersehnten Urlaub nach Griechenland zusammengespart. Als sie auf Kreta am Flughafen ankam, vertauschte sie ihren Koffer mit dem eines jungen Griechen, der seinerseits in Deutschland Urlaub gemacht hatte. Ihr könnt euch ihren Schreck vorstellen, als sie den Koffer im Hotel öffnete und Rasierzeug und Herrenkleidung fand.«
»Der junge Mann hat sicher auch gestaunt über die Bikinis«, schmunzelte Daniel vergnügt.
»Was ist dann passiert?« Anneka fand die Geschichte spannend.
»Na, Rita war schon immer eine sehr selbstbewußte Frau. So hat sie sich kurzerhand mit dem Koffer auf den Weg zu seinem Besitzer gemacht. Schließlich war am Henkel ein Zettel mit der Adresse angebracht. Es stellte sich heraus, daß er gar nicht weit entfernt wohnte. Als ihr ein junger Mann die Tür öffnete, hat es zwischen den beiden sofort gefunkt. Sie ist gar nicht mehr von diesem Urlaub zurückgekehrt, sondern gleich bei ihm geblieben.«
»Das war aber ganz schön mutig«, warf Danny kritisch ein. »Ich würde wegen einer Frau bestimmt nicht meine ganze Existenz aufgeben. Stell dir vor, es wäre schiefgegangen.«
»Das kann es doch immer, egal ob in Deutschland oder anderswo«, warf Anneka ein.
»Natürlich war es ein Risiko, aber wie ich schon sagte, war Rita immer sehr selbständig und unternehmungslustig gewesen. Außerdem ist sie fünf Jahre älter als ich und wußte damals schon genau, was sie wollte. Sie hätte die Situation auch gemeistert, wenn es nicht geklappt hätte.«
»Es gehört immer Mut zum Risiko dazu, wenn man sein Vertrauen einem fremden Menschen schenkt«, gab Daniel zu bedenken.
»Sind die beiden heute noch verheiratet?«
»Ja, Anneka, und soviel sie mir erzählt hat, sind sie glücklich wie am ersten Tag.«
»Was ich viel erstaunlicher finde ist, daß ihr beiden über all die Jahre den Kontakt nicht verloren habt«, stellte Daniel Norden fest.
»Rita und ich haben uns vom ersten Augenblick gut verstanden, und auch wenn wir manchmal monatelang nichts voneinander hören, bleibt die Vertrautheit bestehen.«
»Hat sie Kinder mit dem Griechen?« Annekas Neugierde war noch nicht gestillt, während die Zwillinge schon unruhig auf den Stühlen herumrutschten. Sie verstanden gar nicht, worum es überhaupt ging. Viel lieber wollten sie mit Lenni an diesem trüben Samstag Plätzchen backen.
Lächelnd befreite Fee sie aus ihrer umbequemen Lage, und während die beiden davonsausten, beantwortete sie Annekas Frage.
»Ja, zwei. Der Sohn heißt Aki und ist achtzehn Jahre alt. Die Tochter heißt Sofia und ist sechs Jahre älter als ihr Bruder. Deswegen hat Rita unter anderem auch angerufen. Sie bat mich, für Sofia in einer kleinen, familiären Pension ein Zimmer zu buchen, da sie geschäftlich für einige Zeit in München sein wird.«
»Kommt Rita mit?«
»Leider nein. Jedes Mal, wenn Sofia hier zu tun hat, nimmt sie es sich vor, aber leider hat es noch nie geklappt, daß sie sie begleitet.«
»War Sofia schon öfter hier?« fragte Danny und tat sehr unbeteiligt, während er die Frühstücksteller zusammenstellte.
»Schlag dir das aus dem Kopf, die ist viel zu alt für dich«, bemerkte Felix lachend.
Danny lief vor Zorn und Verlegenheit rot an.
Er zischte seinem Bruder verärgert ›Blödmann!‹ entgegen und verschwand dann schnell aus dem Blickfeld seiner Eltern, die sich amüsiert zuzwinkerten. Danny war inzwischen in einem Alter, in dem ihm die Damenwelt nicht mehr gleichgültig war, und sie fühlten sich bei seinem Anblick an ihre eigene Jugend erinnert.
»Es ist doch schön, jung zu sein«, seufzte Fee mit leichter Wehmut.
»Aber denk daran, welche Wirrungen und Irrungen noch vor ihm liegen, bis er eine Partnerin gefunden haben wird, mit der er sein Leben teilen möchte«, gab Daniel zu bedenken und legte den Arm liebevoll um Fee.
»Du hast recht, es hat doch alles seine Vor- und Nachteile«, gestand diese lachend und küßte ihren Mann zärtlich, ehe auch sie sich vom Tisch erhob, um nach den Zwillingen zu sehen, die unter Lennis Anleitung bereits eifrig Teig ausrollten.
*
Sofa Topalis stand am Münchner Flughafen und wartete auf ihren Koffer. Ihr Beruf als Fotografin brachte es mit sich, daß sie oft mit dem Flugzeug unterwegs war, doch jedes Mal, wenn sie an einem Laufband stand und auf ihre Gepäckstücke wartete, wurde sie an die Liebesgeschichte ihrer Eltern erinnert und lächelte unwillkürlich in sich hinein. Das Schicksal hatte es wirklich gut mit den beiden gemeint, und auch nach fast dreißig Jahren Ehe waren sie glücklich wie am ersten Tag. Nicht nur Ritas Eltern waren aus Sorge gegen die Verbindung gewesen, doch Ritas und Dimitris Glück hatte alle skeptischen Stimmen zum Schweigen gebracht. Aki und seine Schwester hatten eine wohlbehütete Kindheit verbracht, und nichts wünschte Sofia sich sehnlicher, als auch eine solche Familie gründen zu können. Doch um Sofias Liebesleben war es schlecht bestellt. Die Männer bemerkten oft nur ihre rassige Schönheit und nicht den Menschen dahinter. Daher hatte auch die eine oder andere Affäre nicht die gewünschte Erfüllung gebracht, und jedes Mal war Sofia eine Spur enttäuschter zurückgeblieben. Zwei Männer hatte es in ihrem Leben gegeben, die ihr das Gefühl gegeben hatten, um ihrer selbst willen geliebt zu werden. Doch für den einen hegte sie nur freundschaftliche Gefühle, und der andere war unerreichbar für sie.
Sorgenfalten bildeten sich auf Sofias Stirn, als sie daran dachte. Erleichtert stellte sie in diesem Moment fest, daß ihr Koffer langsam auf dem Laufband nahte. Mit einer energischen Handbewegung wischte sie die schmerzlichen Gedanken beiseite und wuchtete ihr Gepäck mit einem entschlossenen Ruck auf den Kofferwagen, den sie sich in weiser Voraussicht bereits besorgt hatte. Als sie endlich die Zollabfertigung passiert hatte, blickte sie sich suchend um.
Endlich entdeckte Sofia die geliebten Gesichter, nach denen sie Ausschau gehalten hatte. »Tante Irene!« Mit einer Hand winkte sie eifrig, während sie mit der anderen versuchte, den Kofferkuli zu steuern, was sich als schwieriges Unterfangen herausstellte. Doch Irene und Gerald hatten sie bereits bemerkt und eilten auf die geliebte Nichte zu.
»Sofia, da bist du ja endlich!« rief Irene fröhlich. »Umwerfend schaust du aus. Ich wundere mich jedes Mal, daß du nicht mindestens einen Mann an jedem Finger hast.« Anerkennend musterte Gerald seine Nichte.
»Du übertreibst schamlos, Onkel Gerald«, lachte Sofia fröhlich. Dennoch konnte sie nicht leugnen, daß sie Geralds Komplimente sehr schätzte. Viele Männer äußerten sich bewundernd über ihr lockiges schwarzes Haar und das ausdrucksstarke Gesicht der Griechin, doch nur bei Gerald konnte sie wirklich sicher sein, daß er keine berechnenden Hintergedanken dabei hatte.
»Immer noch derselbe Charmeur!« lächelte sie dankbar.
»Aber ein paar Jahre älter und nicht mehr so knackig frisch«, lächelte Irene nachsichtig und warf Gerald einen liebevollen Blick zu. Erst jetzt bemerkte Sofia die vielen Fältchen um seinen vollen Mund und den müden Ausdruck seiner Augen. Auch war er etwas fülliger geworden, und seine Schritte hatten nicht mehr die Elastizität vergangener Tage.
»Geht es dir nicht gut?« Sorge lag in Sofias Stimme.
Gerald wirkte leicht ärgerlich, als er schnell antwortete.
»Ich weiß gar nicht, was du hast, Irene«, erklärte er vorwurfsvoll. »Ich fühle mich wie ein junger Gott!«
»Entschuldige, ich wollte dir nicht zu nahe treten.« Irene warf ihrer Nichte einen vielsagenden Blick zu und übernahm dann entschlossen den Kofferwagen.
»Laßt uns nach Hause fahren. Du bist sicher müde von der langen Reise. Wo wohnst du denn dieses Mal?«
»In der Pension Waldblick. Eine gute Freundin von Mama hat mir ein Zimmer dort besorgt. Ich glaube, es ist sehr nett. Fee Norden hat immer einen ausgesucht guten Geschmack, wenn es um familiäre Pensionen geht.«
»Es tut mir so leid, daß du nicht bei uns wohnen kannst. Aber du weißt ja, wie klein unser Haus ist«, bedauerte Irene aufrichtig.
»Zerbrich dir darüber nicht den Kopf, Tantchen. Ich bin ganz froh, eine eigene Bleibe zu haben, da ich über einen Monat in München sein werde. Ich würde euch ganz schön auf den Wecker gehen, wenn ich bei euch wohnen würde«, entgegnete Sofia, während sie sich bei ihrem Onkel einhakte.
Zu dritt gingen sie durch das weitläufige Flughafengebäude auf dem Weg zu dem Parkdeck, wo der Wagen geparkt war.
»Niemals, das weißt du genau!« widersprach Gerald. »Wer bezahlt das eigentlich alles? Ein Monat in einer Pension geht doch ganz schön ins Geld.«
»Die Kosten muß ich als freischaffende Künstlerin selbst übernehmen. Aber mein Honorar ist so gut, daß das schon drin ist.«
»Um diesen Beruf beneide ich dich wirklich. Kommst herum in der Welt und wirst dafür auch noch gut bezahlt. Was kann es Schöneres geben«, sagte Irene nachdenklich, während sie auf den Aufzug warteten. »Du vermißt bestimmt nichts.«
»Eine Familie!« entfuhr es Sofia.
Irene und Gerald Kramer musterten ihre Nichte überrascht.
»Du würdest für Mann und Kinder deinen Beruf aufgeben?«
»Vielleicht nicht ganz. Ich könnte immer noch im regionalen Bereich tätig sein. Aber ihr dürft nicht vergessen, daß das Reisen mitunter eine sehr einsame Angelegenheit ist. Darauf kann man nach ein paar Jahren gut verzichten.« Sofia war unvermittelt ernst geworden, und die Stimmung drohte zu kippen.
»Jetzt ist nicht die richtige Zeit für so ernste Themen«, erklärte Irene deshalb schnell. »Wir wollen uns erst einmal richtig freuen, daß du da bist und die Zeit miteinander genießen.«
»Richtig. Unsere Ersatztochter soll sich ja wohl fühlen bei uns«, bestärkte sie Gerald.
»Ihr seid so lieb zu mir«, sagte Sofia leise und lächelte gerührt.
*
Um diese Jahreszeit wurde es schnell dunkel und Jan hatte so lange gebettelt, bis Daniel einwilligte, Feuer im offenen Kamin zu machen.
»Darf ich anzünden?« erkundigte sich der kleine Jan und griff voll Eifer zum Feuerzeug.
»Aber nur, wenn ich dabei bin. Du weißt, was alles passieren kann, wenn Kinder zündeln«, ermahnte Daniel ihn streng.
Jan nickte. Schon oft hatte sein Papi ihm zur Abschreckung von den schlimmen Wohnungsbränden erzählt, und er nahm diese Berichte sehr ernst.
»Du weißt doch, daß du dich auf mich verlassen kannst«, entgegnete er deshalb, und Daniel mußte insgeheim lächeln. Jans kleine Schwester beobachtete die beiden interessiert, und als sie bemerkte, daß ihr Bruder das Feuer anzünden durfte, lief sie erbost zu Fee.
»Das ist so gemein!« rief sie zornig und baute sich in der Küche auf.
»Was ist denn passiert, Désilein?« erkundigte sich Fee und betrachtete erstaunt ihre jüngste Tochter.
»Jan darf schon wieder mit Papi Feuer machen. Ich will auch mal!« Wütend stampfte sie mit dem Fuß auf.
»Was heißt hier schon wieder? Wir haben den Kamin schon lange nicht mehr angemacht.«
»Aber ich weiß noch genau, daß Jan das letzte Mal auch durfte.«
Désis Empörung war grenzenlos, und Fee seufzte, ohne zu widersprechen. Kinder hatten ein sensationelles Gedächtnis, gerade was solche Dinge betraf, das wußte sie, dennoch wollte sie die Idylle zwischen Vater und Sohn nicht stören.
Sie überlegte kurz, was sie Désirée als Ausgleich anbieten konnte, dann hatte sie eine Idee.
»Was hältst du davon, wenn du ganz allein Bratäpfel machen darfst?«
»Die leckeren mit der Marzipan-Füllung?« Die Kleine klatschte vor Freude in die Hände, und schon war das Feuer vergessen.
»Dann darf ich aber wenigstens die Vanillesoße dazu machen«, ertönte in diesem Moment eine beleidigte Stimme aus dem Hintergrund, und Fee seufzte.
»Ist es möglich, daß man es in dieser Familie keinem recht machen kann?«
»Aber sonst ist es ungerecht. Jan darf Feuer machen, Dési die Bratäpfel und ich wieder gar nichts«, beschwerte sich Anneka lautstark.
»Was soll denn das heißen?« Fees Stimme hatte einen warnenden Unterton. »Ich kann mich gut daran erinnern, daß du vorgestern ganz allein mit Lenni Plätzchen gebacken hast. Ich habe extra dafür gesorgt, daß ihr beide ungestört bleibt.«
»Ach, stimmt ja«, gab Anneka kleinlaut zu und verließ schnell die Küche.
Kurz darauf saß die Familie zufrieden vor dem prasselnden Kaminfeuer und genoß die heißen Bratäpfel mit Vanillesoße.
»Ist es nicht wunderbar, daß unsere Kinder kein bißchen neidisch aufeinander sind? Jeder hat eine andere Aufgabe übernommen, ohne sich zu zanken«, schwärmte Daniel, nachdem die drei kleineren Kinder stolz ihre Werke präsentiert hatten. »Wir können sehr zufrieden mit unserer Erziehung sein, Feelein.« Stolz blickte er in die Runde, und Fee warf einen belustigten Blick auf ihre Töchter, die sofort beschämt die Augen senkten, jedoch nichts sagten. Glücklicherweise klingelte es in diesem Moment, und Anneka sprang erleichtert auf, um die Tür zu öffnen.
»Erwarten wir Besuch?« erkundigte sich Daniel verwundert.
»Nicht, daß ich wüßte«, gab Fee zurück und erhob sich, um zu sehen, mit wem Anneka an der Tür sprach.
»Sofia, was für eine Überraschung! Kommen Sie doch herein«, rief sie kurz darauf erfreut aus, und auch Daniel erhob sich, um den unerwarteten Gast zu begrüßen. Felix und Danny blieben im Wohnzimmer zurück.
»Die schöne Griechin kommt dich besuchen, Bruderherz«, lästerte Felix, der bemerkt hatte, daß Danny bei Fees Ausruf rot geworden war.
»Na warte, dir werde ich helfen.« Er nahm ein Sofakissen und warf es nach seinem Bruder, als sich die Wohnzimmertür unvermittelt öffnete und die Besucherin unbeabsichtigt Ziel der Attacke wurde.
»Hoppla, das ist ja eine stürmische Begrüßung«, rief Sofia überrascht aus und warf das Kissen geschickt zurück zu Dannny, der ganz erschrocken war.
»Entschuldigen Sie, das war nicht für Sie bestimmt«, stotterte er zutiefst beschämt, doch Sofia schenkte ihm nur einen belustigten Blick.
»Und ich dachte schon, Ihr würdet Damenbesuch immer so empfangen. In diesem Fall hätte ich ein paar Tips für dich, was bei Mädchen besser ankommt.«
»Nicht nötig, vielen Dank.« Inzwischen wies Dannys Gesicht hektische rote Flecken auf, und er beeilte sich, in sein Zimmer zu verschwinden, nicht ohne Felix einen rachsüchtigen Blick zuzuwerfen.
»Diese Jungs«, ließ Daniel verlauten, doch Sofia lachte nur darüber.
»Aber ich bitte Sie, Herr Dr. Norden. Zum einen habe ich selbst einen Bruder und kann mich lebhaft an unsere kleinen Kabbeleien erinnern, und zum anderen bin ich selbst schuld, wenn ich das traute Familienleben so unangemeldet störe, noch dazu an einem Wochenende.« Sie lächelte entwaffnend. »Aber ich wollte unbedingt die Gelegenheit nutzen und ein Geschenk von meiner Mutter vorbeibringen, bevor ich mich in die Arbeit stürze. Außerdem möchte ich mich herzlich für das Zimmer in dieser entzückenden kleinen Pension bedanken. Es ist herrlich dort.«
»Es freut mich, wenn Sie sich wohl fühlen!« Fee lächelte herzlich. »Setzen Sie sich doch und trinken eine Tasse Tee mit uns. Dann können wir ein wenig plaudern.«
»Vielen Dank.« Sofia nahm das Angebot freudig an.
Es wurde ein unterhaltsamer, kurzweiliger Nachmittag für alle. Anneka lauschte Sofias Berichten über Griechenland und ihren Beruf. Sie besaß ein unglaubliches erzählerisches Talent und verstand es, ihr Leben in den schillerndsten Farben zu schildern. Doch schließlich wurde es Zeit zum Aufbruch.
»Vielen Dank für Ihre Gastfreundschaft, Frau Dr. Norden.« Sofia bedankte sich herzlich und küßte Fee links und rechts auf die Wangen.
»Ich danke Ihnen für den Besuch. Noch heute abend werde ich mit Rita telefonieren und mich für den wunderschönen Pareo bedanken. Sicher habe ich im nächsten Sommerurlaub Gelegenheit, ihn zu tragen.«
»Warum besuchen Sie Mama nicht einfach mal auf Kreta? Ich bin sicher, daß sie sich sehr freuen würde. Es gibt wirklich nicht viele Freunde aus Deutschland, die ihr die Treue gehalten haben.«
