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Jeder Christ lebt in einem ungeheuren Spannungsfeld. Auf der einen Seite der brennende Wunsch, dem Herrn Jesus zu dienen. Auf der anderen Seite die vielfältigen Verlockungen dieser Welt. Wie können wir verhindern, dass wir auf die falsche Seite gezogen werden? Indem wir uns durch Gottes Wort prägen und formen lassen. Darum ist es gut und nützlich, sich auch mit 1. Mose 38 intensiv zu beschäftigen. In diesem bemerkenswerten Kapitel der Heiligen Schrift geht es um Eheprobleme, gescheiterte Beziehungen, Missbrauch von Sexualität - viele Themen, die heute noch aktuell sind.
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Seitenzahl: 199
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Mit freundlicher Genehmigung von Christliche Schriftenverbreitung e.V.ISBN Printversion: 978-3-89287-127-9 ISBN E-Book: 978-3-89287-550-5 © 2014 Christliche Schriftenverbreitung e.V. und www.bibelkommentare.deDieser Kommentar ist im Internet veröffentlicht unter: www.bibelkommentare.de/ebooks/uid.php?cmt.541.epubKontakt: [email protected]
Zum Thema
Wer wird angesprochen?
1. Mose 38
Lektion 1: Einleitung – „Alle Schrift ist von Gott eingegeben“
Eine gewollte Unterbrechung
Eine erste Erklärung
Eine zweite Erklärung
Regierung und Gnade
Das Prinzip „Regierung“:
Das Prinzip „Gnade“:
Lektion 2: Eine falsche Weichenstellung – Der Weg in die Welt
Eine folgenschwere Entscheidung
Weg von seinen Brüdern
Der Weg in die Welt
Drei Warnsignale
Warnsignal 1: Seid nicht gleichförmig dieser Welt!
Warnsignal 2: Liebt nicht die Welt!
Warnsignal 3: Sei kein Freund der Welt!
Ein Weg „hinab“
Herz und Gedanken bewahren
Lektion 3: Der Weg des Gesetzlosen – Ein Weg in die Dunkelheit
Zwei Wege
Der Angriff des Teufels
Versuchungen
Kampf oder Flucht?
Eine Illusion
Simson auf dem Schoß von Delila – ein folgenschwerer Irrtum
Der verlorene Sohn in der Welt – ein kurzes Vergnügen
Drei Schritte auf dem Weg ins Verderben
Lektion 4: Juda heiratet eine fremde Frau – Warnung vor einem ungleichen Joch in der Ehe
Ein Beispiel
Ein Einzelfall?
Ein ungläubiger Ehepartner – ein klares Verbot
Ein alter Grundsatz – immer noch aktuell
Eine biblische Begründung
Eine alte Ausrede
Ein persönliches Wort
Lektion 5: Die Ehe und Familie Judas – Das Drama setzt sich fort
Ehekiller Nr. 1 – Der Tausch der von Gott gegebenen Rollen
Ein uraltes Problem
Gefahr für den Mann
Gefahr für die Frau
„Wohnt bei ihnen nach Erkenntnis“
Gher – Ein schlechter Rat des Vaters
Die Augen des Herrn
Gher muss sterben
Lektion 6: Die Sünde Onans – Das Ich im Mittelpunkt
Ein Irrtum
Der biblische Sinn der Sexualität
Nachkommen
Freude
Eine schwerwiegende Sünde
Ein persönliches Wort
Lektion 7: Exkurs – Selbstbefriedigung im Licht der Bibel
Eine Standortbestimmung
Was die Bibel dazu sagt
Sexualität – keine Einbahnstraße
Ursachen
Folgen
Hilfestellung und Bewahrung
Ein persönliches Wort an Eltern
Lektion 8: Der Zweck und die Mittel – was die Bibel dazu sagt
Das Unrecht Judas
Die Sichtweise Tamars
Eine Maskerade
Zweck und Mittel
Ein Grundsatz im Neuen Testament
Das vollkommene Beispiel
Lektion 9: Juda in Timna (Teil 1) – Die Sünde der Hurerei
Eine Begriffsbestimmung
Eine zweite Bedeutung
Hurerei ist Sünde
Die Bibel warnt
Eine Erklärung
Ein Spannungsfeld
Ursachenforschung
Lektion 10: Juda in Timna (Teil 2) – Die Verantwortung von Juda
Drei Schritte ins Verderben
Die Lust der Augen
Was muten wir unseren Augen zu?
Der Weg unserer Füße
Die Sünde wird geboren
Ein warnendes Beispiel
Der Weg zur Bewahrung
Lektion 11: Juda in Timna (Teil 3) – Die Verantwortung von Tamar
Ein Wort vorab
Ein warnendes Beispiel
Der Weg zur Bewahrung
Lektion 12: Leistung und Gegenleistung – was die Welt fordert
„Gib mir“ – eine Herausforderung
Das Ende der Freude ist Traurigkeit
Ein Beispiel
Ein Ziegenböckchen
Der Welt gestorben
Eine weitere Forderung
Das Beispiel Simsons
Lektion 13: Splitter und Balken – Eine verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit
Heuchelei
Pharisäertum
Selbstgerechtigkeit und Schuldzuweisung
Gnade
Lektion 14: Die Erkenntnis von Juda – Die Wende wird eingeleitet
Eine eindeutige Beweislage
Erkenntnis von Schuld
Bekenntnis ohne Schuldzuweisung
Bekennen und lassen
Vergebung und Vergebungsbereitschaft
Lektion 15: Der Sieg der Gnade – Auf der Seite des Siegers
Zwei Söhne
Überreichliche Gnade
Nicht aufgeben
Serach und Perez
Tamar, Rahab und Ruth
Ein Schlussappell
Sprüche 4,10–5,2
Für jeden wiedergeborenen Christen tut sich im täglichen Leben ein ungeheures Spannungsfeld auf. Auf der einen Seite ein Leben zur Ehre seines Herrn. Auf der anderen Seite ein Leben unter dem Einfluss dieser Welt. Als der Herr Jesus auf der Erde lebte, hat er von den Gläubigen gesagt, dass sie in der Welt leben, aber nicht von der Welt sind (vgl. Joh 17,11.14 und 16). Der Herr Jesus war in der Welt. Er ist jetzt nicht mehr hier. Wir sind aber noch in der Welt. Trotzdem gehören wir nicht mehr zu der Welt. Wir gehören nicht mehr zu dem „System“ Welt, das von Sünde charakterisiert ist und von Satan, dem Fürst der Welt, beherrscht wird. Wir gehören zu einer neuen Welt. Wir suchen das, was droben ist (vgl. Kol 3,1). Das sagen wir, ohne zu vergessen, dass wir noch mit bei den Beinen auf der Erde stehen.
Der Teufel setzt alles daran, uns die Dinge dieser Welt so attraktiv wie möglich zu machen. In der Tat: Die Welt bietet vieles. Ob live, gedruckt oder virtuell. Das Fleisch (die alte, sündige Natur) fühlt sich von dieser Welt angezogen. Der Apostel Johannes schreibt sehr trefflich: „Alles, was in der Welt ist, die Lust des Fleisches und die Lust der Augen und der Hochmut des Lebens, ist nicht von dem Vater, sondern ist von der Welt“ (1. Joh 2,16). Diese drei Dinge kennen wir gut:
Die Lust des Fleisches meldet sich bei jeder möglichen Gelegenheit und versucht, uns in den Griff zu bekommen.
Unsere Augen sind ein besonderes Tor, durch das Satan permanent versucht, uns zu verführen. Wir sehen – und wir begehren.
Egoismus ist die Maxime vieler Menschen. Die Gefahr ist für den Christen nicht zu unterschätzen.
Deshalb fordert uns Jakobus dazu auf, uns von der Welt unbefleckt zu erhalten (Jak 1,27). Die Welt verunreinigt uns. Genau das soll verhindert werden.
Die Bibel warnt uns durch viele Beispiele vor den Gefahren der Welt. Eines dieser Beispiele finden wir in 1. Mose 38. Zugegeben, es ist ein Kapitel, von dessen Existenz wir zwar wissen, um das wir aber vielleicht bisher einen Bogen gemacht haben. Es ist ein Kapitel mit Brisanz und Zündstoff. Ein Kapitel, das unter die Haut geht. Es ist eine traurige, gleichwohl hochaktuelle und lehrreiche Begebenheit. Es wäre fahrlässig, die Botschaft dieses Kapitels einfach zu überlesen oder zu ignorieren. Es ist eine aufrüttelnde Botschaft für uns. Für dich. Für mich. Das Neue Testament sagt uns, dass jede Schrift – 1. Mose 38 eingeschlossen – zu unserer Belehrung gegeben ist. Ziel ist, dass „der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werk völlig geschickt“ (2. Tim 3,17).
Dieses Kapitel skizziert uns die Geschichte Judas. Juda war ein Sohn des Patriarchen Jakob. Es ist eine Geschichte der Warnung. Eine Geschichte der Sünde. Trotzdem eine Geschichte, an deren Ende wir Licht sehen. Sie endet nicht im Chaos, sondern mit Gnade. Wo wir Menschen alles verderben und kaputt machen, findet Gott trotzdem einen Ausweg. Das macht uns Mut.
Wir wollen uns in insgesamt 15 Lektionen mit dieser bemerkenswerten Geschichte beschäftigen. Niemand erwarte eine konsequente Vers-für-Vers-Auslegung. Das ist nicht das Ziel dieses Buches. Es geht darum, was wir in der praktischen Anwendung dieses Kapitels für unser Leben lernen können. Deshalb wird es auch einige Exkurse geben.
In erster Linie junge Leute, die den Herrn Jesus als ihren Heiland angenommen haben. Die Erfahrung zeigt, dass ihr ganz besonders im Visier des Teufels seid. Ihr lebt in einer Zeit, in der es schwierig ist, als Christ gegen den Strom der allgemeinen Meinung und der gängigen Verhaltensweisen in dieser Welt zu schwimmen.
Zweitens möchte ich mich an Christen im mittleren Alter wenden und auch an solche, die älter und alt geworden sind. Denn kein Christ ist immun gegen das, was Satan uns auf silbernem Tablett zu servieren versucht. Gegen das, was auf den ersten Blick so schillernd und begehrenswert aussieht. Das Spannungsfeld „Welt“ betrifft uns alle.
Als Autor dieser Gedanken möchte ich mich in keinem Augenblick über meine Leser stellen. Der Verfasser ist natürlich ein Mensch, der genauso versucht wird wie der Leser. Es kann und muss unser gemeinsames Gebet sein, dass der Herr Jesus uns alle nah bei sich hält. Er allein kann uns davor bewahren, ein Opfer der Listen des Teufels zu werden.
Ein Hinweis noch zu den Beispielen, die in diesem Buch genannt werden: Sie sind nicht frei erfunden, sondern dem täglichen Leben entnommen. Mit Rücksicht auf die Betroffenen sind Namen und Begebenheiten jedoch so geändert worden, dass keine unmittelbaren Rückschlüsse auf Ereignisse und/oder Personen möglich sind.
Es ist mein Gebet, dass dieses Buch dem einen oder anderen Leser zur Hilfe und zum Segen ist. Damit das so sein kann, ist es zunächst erforderlich, das ganze Kapitel (1. Mose 38) aufmerksam durchzulesen. Nur so können wir wirklichen Nutzen davon haben.
Besonders bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei meiner lieben Frau und meinen Eltern, die mir bei der Korrektur geholfen und wertvolle Hinweise gegeben haben.
„Und es geschah zu jener Zeit, dass Juda von seinen Brüdern hinabzog und zu einem Mann von Adullam einkehrte, mit Namen Hira. Und Juda sah dort die Tochter eines kanaanitischen Mannes, mit Namen Schua; und er nahm sie und ging zu ihr ein. Und sie wurde schwanger und gebar einen Sohn, und er gab ihm den Namen Gher. Und sie wurde wiederum schwanger und gebar einen Sohn, und sie gab ihm den Namen Onan. Und wieder gebar sie einen Sohn, und sie gab ihm den Namen Schela; Juda war aber in Kesib, als sie ihn gebar. Und Juda nahm eine Frau für Gher, seinen Erstgeborenen, und ihr Name war Tamar. Und Gher, der Erstgeborene Judas, war böse in den Augen des Herrn, und der Herr tötete ihn. Da sprach Juda zu Onan: Geh ein zu der Frau deines Bruders, und leiste ihr die Schwagerpflicht und erwecke deinem Bruder Nachkommen. Da aber Onan wusste, dass der Nachkomme nicht für ihn sein sollte, so geschah es, wenn er zu der Frau seines Bruders einging, dass er den Samen zur Erde verderben ließ, um seinem Bruder keinen Nachkommen zu geben. Und es war böse in den Augen des Herrn, was er tat; und er tötete auch ihn. Da sprach Juda zu Tamar, seiner Schwiegertochter: Bleibe Witwe im Haus deines Vaters, bis mein Sohn Schela groß sein wird; denn er sagte: Dass nicht auch er sterbe wie seine Brüder! Und Tamar ging hin und blieb im Haus ihres Vaters. Als viele Tage vergangen waren, da starb die Tochter Schuas, die Frau Judas. Und als Juda getröstet war, ging
er zu seinen Schafscherern hinauf nach Timna, er und Hira, sein Freund, der Adullamiter. Und es wurde Tamar berichtet und gesagt: Siehe, dein Schwiegervater geht nach Timna hinauf, um seine Schafe zu scheren. Da legte sie die Kleider ihrer Witwenschaft von sich ab und bedeckte sich mit einem Schleier und verhüllte sich; und sie setzte sich an den Eingang von Enaim, das am Weg nach Timna liegt; denn sie sah, dass Schela groß geworden war und sie ihm nicht zur Frau gegeben wurde. Und Juda sah sie und hielt sie für eine Hure, denn sie hatte ihr Angesicht bedeckt. Und er bog zu ihr ab in den Weg und sprach: Wohlan, lass mich zu dir eingehen!, denn er wusste nicht, dass sie seine Schwiegertochter war. Und sie sprach: Was willst du mir dafür geben, dass du zu mir eingehst? Da sprach er: Ich will dir ein Ziegenböckchen von der Herde senden. Und sie sprach: Wenn du ein Pfand gibst, bis du es sendest. Und er sprach: Was für ein Pfand soll ich dir geben? Und sie sprach: Deinen Siegelring und deine Schnur und deinen Stab, der in deiner Hand ist. Da gab er es ihr und ging zu ihr ein, und sie wurde schwanger von ihm. Und sie stand auf und ging hin, und sie legte ihren Schleier von sich ab und zog die Kleider ihrer Witwenschaft an. Und Juda sandte das Ziegenböckchen durch die Hand seines Freundes, des Adullamiters, um das Pfand aus der Hand der Frau zu nehmen; aber er fand sie nicht. Und er fragte die Leute ihres Ortes und sprach: Wo ist jene Geweihte [d.h. Prostituierte, deren Dienst kanaanitischen Gottheiten geweiht war], die bei Enaim am Weg war? Und sie sprachen: Hier ist keine Geweihte gewesen. Und er kehrte zu Juda zurück und sprach: Ich habe sie nicht gefunden, und auch sagten die Leute des Ortes: Hier ist keine Geweihte gewesen. Da sprach Juda: Sie behalte es für sich, dass wir nicht zum Gespött werden; siehe, ich habe ihr dieses Böckchen gesandt, und du hast sie ja nicht gefunden.
Und es geschah nach etwa drei Monaten, da wurde Juda berichtet und gesagt: Tamar, deine Schwiegertochter, hat gehurt, und siehe, sie ist auch schwanger von Hurerei. Da sprach Juda: Führt sie hinaus, dass sie verbrannt werde! Als sie hinausgeführt wurde, da sandte sie zu ihrem Schwiegervater und ließ ihm sagen: Von dem Mann, dem dies gehört, bin ich schwanger; und sie sprach: Erkenne doch, wem dieser Siegelring und diese Schnur und dieser Stab gehören! Und Juda erkannte es und sprach: Sie ist gerechter als ich, weil ich sie nicht meinem Sohn Schela gegeben habe. Und er erkannte sie fortan nicht mehr. Und es geschah zur Zeit, als sie gebären sollte, siehe, da waren Zwillinge in ihrem Leib. Und es geschah, während sie gebar, da streckte einer die Hand heraus, und die Hebamme nahm sie und band einen Karmesinfaden um seine Hand und sprach: Dieser ist zuerst herausgekommen. Und es geschah, als er seine Hand zurückzog, siehe, da kam sein Bruder heraus; und sie sprach: Wie bist du durchgebrochen! Auf dir sei der Bruch! Und man gab ihm den Namen Perez [Bruch, Riss]. Und danach kam sein Bruder heraus, um dessen Hand der Karmesinfaden war, und man gab ihm den Namen Serach [Aufgang, Glanz].“
In unserer ersten Lektion wollen wir uns zunächst einen kurzen Überblick über das gesamte Kapitel verschaffen. Es ist – nicht ohne Grund – in die Geschichte Josephs eingebunden. Darüber hinaus werden wir zwei wichtige Prinzipien im Handeln Gottes mit uns Menschen erkennen, nämlich das Prinzip „Regierung“ und das Prinzip „Gnade“.
Dem aufmerksamen Bibelleser fällt auf, dass unser Kapitel die Geschichte Josephs abrupt unterbricht. 1. Mose 37 beschreibt uns den Beginn der Geschichte Josephs. Er wird von seinem Vater zu seinen Brüdern geschickt. Er soll sehen, wie es ihnen geht. Dort schlägt ihm eiskalter Hass entgegen. Seine Brüder freuen sich nicht, dass er kommt. Sie gehen übel mit ihm um. Sie werfen ihn in eine Grube und verkaufen ihn dann an midianitische Händler, die ihn mit nach Ägypten nehmen. 1. Mose 39 nimmt den Faden dieser Geschichte wieder auf. Joseph ist in Ägypten. Dort kommt er durch die Intrige einer Frau, die ihn verführen will, unschuldig ins Gefängnis.
Genau dazwischen steht die Geschichte von Juda und seinem bösen Tun. Warum ist das so? Wäre es nicht besser, wenn die Geschichte an einer anderen Stelle stehen würde?[1]Ganz sicher nicht. Wenn der Heilige Geist einen Bericht offensichtlich unterbricht, dann hat er dabei immer eine ganz besondere Absicht.[2]
Eine erste Erklärung für unsere Frage finden wir in der prophetischen Bedeutung dieses Kapitels. Damit wollen wir uns nicht lange beschäftigen, sie aber doch für den interessierten Bibelleser kurz erwähnen[3]:
Joseph ist in den Geschehnissen des 1. Buches Mose ein besonders schöner Hinweis auf unseren Herrn Jesus. Sein Weg war ein Weg, der durch Leiden zur Herrlichkeit führte (vgl. Lk 24,26). Genau das bildet die Geschichte Josephs vor. In Kapitel 37 befindet sich Joseph in der Hand seiner Brüder. Sie lehnen ihn ab. Sie werfen ihn in die Grube. Die Brüder Josephs sind ein Bild der Juden, zu denen der Herr Jesus kam. „Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an“ (Joh 1,11). Das Handeln der Brüder Josephs deutet die Verantwortung der Juden an, die sie an dem Tod des Herrn Jesus haben. Sie waren es, die seine Mörder geworden sind (vgl. Apg 7,52).
In Kapitel 39 ist Joseph in der Hand der Ägypter, die ihn ins Gefängnis werfen. Sie stellen uns die Seite der Nationen vor. Die Nationen tragen ebenfalls Schuld am Tod des Herrn Jesus (vgl. Apg 4,27). Es war ein Römer, der den Befehl dazu gab, Jesus Christus zu kreuzigen. Joseph im Gefängnis in Ägypten zeigt uns deshalb im Bild den Tod des Herrn Jesus. Die Erhöhung Josephs schließlich lässt uns an den Herrn Jesus denken, so wie wir ihn jetzt mit dem Auge des Glaubens sehen. Er ist zur Rechten Gottes mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt.
Die zweite Erklärung führt uns zu der für uns jetzt wichtigen praktischen Bedeutung dieses Kapitels. Dieser Linie wollen wir auch im Weiteren folgen.
Joseph zeigt uns in seiner Geschichte in den Kapiteln 37 und 39, wie ein junger Mann (und auch eine junge Frau) seinen Weg in Gerechtigkeit und Reinheit gehen kann (vgl. Ps 119,9). 1. Mose 37 zeigt einen gerechten Joseph, der seinen Brüdern dient, aber von ihnen gehasst und verstoßen wird. In 1. Mose 39 sehen wir, dass die Frau Potiphars ihn nicht zur Sünde verführen kann. In einer äußerst kritischen und schwierigen Situation sagt er klar und entschieden: Nein. Von diesem Verhalten können wir alle lernen. Joseph floh vor der Sünde. Er spielte nicht mit dem Feuer und war bereit, die Konsequenzen seiner Treue zu tragen.
Das pure Gegenteil finden wir in Kapitel 38. Der Kontrast zwischen den drei Kapiteln (37, 38 und 39) könnte kaum größer sein. Die Bibel zeigt uns hier einen gewaltigen Gegensatz zwischen zwei Menschen auf, die völlig unterschiedlich waren. Auf der einen Seite die Gerechtigkeit und Reinheit Josephs. Auf der anderen Seite die Ungerechtigkeit und Sittenlosigkeit Judas. Beide hatten den gleichen Vater – und doch waren sie völlig verschieden. Vor dem hellen Bild der moralischen Größe und Reinheit Josephs erscheint die Sünde seines Bruders Juda umso schrecklicher. Hier lernen wir durch einen Kontrast.
Wenn wir das Kapitel als Ganzes auf uns einwirken lassen, dann erkennen wir zwei wichtige Prinzipien im Handeln Gottes mit uns Menschen. Diese Prinzipien finden wir immer wieder in der Bibel, sowohl in der Bildersprache des Alten Testaments als auch in den Belehrungen des Neuen Testaments. Wir überschreiben diese beiden Prinzipien mit „Regierung“ und mit „Gnade.“
Zunächst zwei Verse aus dem Neuen Testament, die uns klar machen, worum es geht.
„Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten! Denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Gal 6,7).
Gott handelt mit uns Menschen nach bestimmten Grundsätzen. Davon sind seine Kinder – also wir Gläubigen – nicht ausgenommen. Einer dieser Grundsätze ist, dass wir das ernten werden, was wir auch gesät haben. Das ist schon im natürlichen Leben so. Wer Weizen sät, wird keine Kartoffeln ernten. Wer einen Apfelbaum pflanzt, wird davon keine Kirschen pflücken. Im geistlichen Leben ist das nicht anders. „Wer für sein eigenes Fleisch sät, wird von dem Fleisch Verderben ernten; wer aber für den Geist sät, wird von dem Geist ewiges Leben ernten“ (Gal 6,8). In Hosea 8,7 heißt es: „Wind säen sie, und Sturm ernten sie.“ Die Saat ist also größer als die Ernte. Das macht uns auch 1. Mose 38 ganz klar.
„Wo aber die Sünde überströmend geworden ist, ist die Gnade noch überreichlicher geworden“ (Röm 5,20).
Die Gnade Gottes ist immer da, auch wenn wir sündigen. Es gibt keine Sünde im Leben eines Gläubigen, die so groß ist, dass Gott sie nicht vergeben könnte. Selbst in einem verpfuschten und kaputten Leben kann sich die Gnade Gottes groß machen. Der „verlorene Sohn“ in Lukas 15 hatte unter den bitteren Folgen seines bösen Weges zu leiden (das Prinzip „Regierung“). Trotzdem nimmt der Vater ihn wieder auf. Das ist Gnade. Auch die Geschichte Judas endet mit Gnade. Einer der Nachkommen Judas ist niemand Geringeres als der Herr Jesus. In seinem Geschlechtsregister finden wir Tamar – die Frau Judas – wieder (Mt 1,3).
Auf eine kurze Formel gebracht: Wenn Gott in Gnade handelt, dann handelt er so, wie wir es nicht verdient haben. Wenn er in seiner Regierung handelt, dann handelt er so, wie wir es verdient haben. Beide Seiten sind gleichzeitig wahr. Sie widersprechen sich nicht. Sie heben sich nicht gegenseitig auf. Sie ergänzen einander.
1. Mose 38 ist ein Kapitel der Warnung. Wir wollen sie nicht in den Wind schlagen. 1. Mose 38 ist gleichzeitig ein Kapitel, das Mut macht. Kein Leben ist so kaputt, dass Gott nicht noch etwas damit anfangen könnte.
Fußnoten
[1] Es ist anzunehmen, dass zumindest der Beginn der Ereignisse von 1. Mose 38 zeitlich vor die Ereignisse von Kapitel 37 fällt. Dennoch werden sie an dieser Stelle berichtet.
[2] Das gilt übrigens auch für viele andere Stellen in der Bibel. Immer dann, wenn wir meinen, der Gedankenfluss sei unterbrochen, sollten wir ganz besonders aufpassen, weil Gott das nie ohne Absicht tut. Er möchte, dass wir darüber nachdenken, warum das so ist.
[3] Viele Begebenheiten des Alten Testaments haben neben der praktischen Bedeutung für uns auch eine prophetische Bedeutung. Wer sich näher mit der Bibel beschäftigt, um die Wahrheit Gottes kennen zu lernen, sollte sich durchaus auch einmal mit dem prophetischen Gehalt der alttestamentlichen Berichte beschäftigen. Es ist zwar manchmal etwas mühsam, lohnt sich aber in jedem Fall. Zur Hilfe gibt es gute Literatur, die wir benutzen können.
Wir sahen in Lektion 1, dass die Geschichte in 1. Mose 38 eine traurige Geschichte ist, eine Geschichte der erns-ten Warnung. Sie zeigt uns den wichtigen Grundsatz, dass ein Mensch das erntet, was er vorher gesät hat. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Gnade Gottes auch in einem kaputten Leben siegen kann. Lektion 2 macht uns klar, dass jeder falsche Weg einmal einen Anfang nimmt. Erste Weichenstellungen spielen eine wichtige Rolle in unserem Leben.
Unser Kapitel beginnt mit den Worten: „Und es geschah zu jener Zeit, dass Juda von seinen Brüdern hinabzog“ (Vers 1). Juda hatte viele Brüder. Gemeinsam lebten sie im Haus ihres Vaters Jakob. Was hat in Juda den Entschluss reifen lassen, seine Brüder zu verlassen? Wir wissen es nicht genau. Jedenfalls ging er weg, um sich bei einem Mann aufzuhalten, der in Adullam wohnte.
