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Joseph Hauser, ein "Diener des Wortes" unter den Hutterischen Brüdern verfasste 1605 die Schrift "Der Christ und das Eigentum" um anderen Christen anhand der Heiligen Schrift zu zeigen, dass "alles" wirklich "alles" bedeutet, wenn der Herr uns sagt, wür müssen "allem" absagen, was wir besitzen, wollen wir wirklich Seine Jünger werden (Luk 14,33). Für manche vielleicht verstörend, aber kompromisslos und herausfordernd legt Hauser die Worte Christi aus, die heute um nichts weniger gültig sind als damals, als Er sie in Galiläa das erste Mal aussprach.
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Seitenzahl: 116
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Vorwort des Herausgebers
Gütergemeinschaft ist eine neutestamentliche Lehre
Der Schatz im Acker
Der reiche Jüngling
Einwand: Das betrifft nur den Jüngling
Einwand: Der Jüngling wollte zu hoch hinaus
Einwand: Alles zu verkaufen, meint die Laster
Einwand: Nur hier wird von „allem“ geredet
Einwand: Wer sind denn die Armen?
Einwand: Die Reichen dürfen ihren Reichtum sehr wohl besitzen
Einwand: Erst unter Verfolgungen müssen wir alles verlassen
Almosen und Halljahr
Allem absagen, um ein Jünger zu werden
Jesu eigenes Vorbild
Der Heilige Geist stiftete die Gemeinschaft
Die Apostel bestätigen die Gemeinschaft
Schlussworte
Vorbemerkung: Joseph Hauser war ein Prediger unter den Schweizer Brüdern.
Er kam aber nach Mähren zu der Gemeinde und wurde zu Neumühl am 9. März, 1594 als Prediger erwählt.
Unser Geschichtsbuch gibt ihm das Zeugnis:
„Er war ein hochbegabter Mann, in hebräischer, griechischer, lateinischer, französischer und deutscher Sprache wohlerfahren.“
Andreas Ehrenpreis, der zu der Zeit die ganze Gemein versah, schickte ihn mit noch 73 Personen nach Preußen, um daselbst mit den Mennoniten Gemeinschaft zu schließen.
Sie wollten sich dazu aber nicht schicken, so daß alle wieder nach Mähren zogen.
Dieser Artikel ist auf Menglen in Preußen am 12. August, 1605, von Joseph Hauser geschrieben worden.
Joseph Hauser hat auch zwei Lieder geschrieben, die im Buch „Lieder der Hutterischen Brüder“ auf Seite 814-815 zu finden sind: „Jetzt ist die Zeit beikommen“ und „Mich hat die Lieb gedrungen sehr“.
Vorliegenden Text betrachte ich als ein Geschenk, das mir unverhofft zuteil wurde. Lange schon dachte ich über die Gemeinschaft der Güter nach neutestamentlichem Vorbild nach. Viele Schriftstellen habe ich bereits erwogen und mit den lieben Geschwistern unserer Hausgemeinde besprochen. Mehr und mehr entsteht vor uns das biblische Bild der Gemeinde, dem wir nachstreben wollen.
Natürlich ist das mit Ängsten verbunden, mit Einwänden, die ganz natürlich kommen und ernst genommen werden wollen. Doch Gottes Wort wollen wir noch ernster nehmen als alle menschlichen Einwände, denn der Herr sagt: „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr; sondern so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“ (Jes. 55,8-9) Wenn wir unsere Fragen, Sorgen und Einwände nämlich zu ernst nehmen, indem wir sie dazu gebrauchen die absoluten und herausfordernden Worte unseres Herrn Jesus abzuschwächen oder gar außer Kraft zu setzen, dann folgen wir nicht mehr dem Heiligen Geist, sondern dem menschlichen Vorstellungsvermögen. Das aber ist nichts anderes als blanker Unglaube.
Wir nehmen also unsere Sorgen und Einwände nur dann recht ernst, wenn wir sie als Feinde des Glaubens wahrnehmen, als Unkraut, welches die gute Saat erstickt oder als Raben, die den Samen aufpicken. Als Abraham den Bund mit Gott schloss, lesen wir daher: „Da stießen die Raubvögel auf die toten Tiere herab; aber Abram verscheuchte sie.“ (1.Mose 15,12) So sind die Einwände in rechter Weise ernst genommen. Wie aber verscheucht man Sorgen und Zweifel? Mit dem Wort Gottes, an dem wir im Glauben umso entschlossener festhalten, je mehr der Wind des Unglaubens uns verwehen will.
Joseph Hauser, ein hutterischer Prediger des 17. Jahrhunderts hat sich mit vielen Einwänden biblisch auseinandergesetzt. Warum ist dieses Büchlein nun ein solches Geschenk für mich? Weil er viele Stellen, die auch mir bereits aufgefallen sind, auslegt und zu denselben Einsichten kam wie ich. Aber ich bin eher zu nachsichtig, eher zu geduldig, und das gibt dem Fleisch Raum, indem der Gehorsam mehr und mehr verzögert und verschleppt wird. Bruder Hauser lehrt mit Nachdruck und Eifer. Das ist unbequem für das Fleisch, aber ein heilsamer Ansporn für alle geistlich gesinnten Christen.
Ich habe den Text in seiner altertümlichen Fassung belassen, mit wenigen Anpassungen um der Verständlichkeit Willen. Das zwingt zu einem langsameren Lesen und gründlicherem Nachdenken. Das soll mit Ehrfurcht geschehen, denn wir haben hier ein Zeugnis aus einer Märtyrergeneration vor uns, ein Buch, für dessen Inhalt die Glaubenszeugen mit ihrem Blut einzustehen bereit waren. Viele hutterische Sendboten (Missionare) ließen dafür auf grausamste Weise ihr Leben.
Du fragst vielleicht, wer die Hutterer waren. Das alles darzulegen, sprengt den Rahmen des Vorwortes, doch so viel sei gesagt: Im Jahr 1525 trennte sich von der Schweizer Reformation (Huldrych Zwingli) eine Gruppe von Christen, die es nicht länger erdulden konnten, dass um des gesellschaftlichen Friedens willen, der Reformator mehr und mehr zu Kompromissen neigte. Weiterhin wurde die lateinische Messe gelesen, obwohl Zwingli lange erkannt hatte, dass dies unbiblisch sei. Weiterhin wurden die Bilder in den Kirchen geduldet, obwohl er aus der Bibel erkannte, dass diese keinen Platz im Gottesdienst haben dürfen. Weiterhin wurden unmündige Kinder getauft, der Kirchenzehent eingetrieben, der Dienst mit dem Schwert gut geheißen ... obwohl Zwingli und seinen Bibelschülern klar wurde, dass all das reformiert werden müsse. Allein der Rat von Zürich lehnte um des gesellschaftlichen Friedens willen diese radikalen Schritte ab. Zwingli wurde in die Kompromisse vielleicht hineingezwungen – aber doch nur, weil er nicht zugeben wollte, dass Staat und Kirche getrennt werden müssen. Einem Teil seiner Bibelschüler genügte das nicht mehr; sie begannen einander neu zu taufen und eine Gemeinde zu gründen, die allein nach neutestamentlichen Vorbild verfasst sein sollte.
Von Beginn an war in der sogenannten Täuferbewegung neben der Friedfertigkeit, der Glaubenstaufe, der Absonderung von der Welt auch die Gemeinschaft der zeitlichen Güter ein wichtiges Thema, wie bereits die ältesten Gemeindeordnungen zeigen (z.B. Schweizer Ordnung 1529). Wolfgang Brandhuber, ein Täufer aus Linz, lehrte die Gütergemeinschaft in einem Brief; er wurde jedoch mit 70 anderen um 1528 in Linz verbrannt, ehe er es umsetzen konnte. So sehr tobte die Verfolgung in der Schweiz, Tirol, Süddeutschland und Österreich, dass es schwer war, gesunde Gemeinden zu gründen und das christliche Leben in Gemeinschaft zu etablieren. Erst in Mähren, wohin viele flohen, weil es dort mehr Toleranz gab, gelang es Jakob Hutter um 1530 die Gemeinde zu stabilisieren und ihre eine gesunde Ordnung zu geben, nach der die Nachkommen dieser Gemeinde im Wesentlichen noch heute leben: die Hutterer bzw. die hutterischen Brüder.
Unter allen anderen historischen Täufergemeinden, zu denen auch die Mennoniten und Amischen gehören, haben alleine die Hutterer diese Form der Gütergemeinschaft in einem gemeinsamen Wohnen und Arbeiten verwirklicht. Es mag von außen betrachtet das anspruchsvollste Gemeindemodell sein; ein Mennonit mit Privateigentum mag man leichter werden. Doch die Aussagen des Herrn Jesus begnügen sich nicht damit, ein bisschen zu geben, und den Rest zu behalten. Er ruft uns auf, allem abzusagen, was wir haben (Luk. 14,33). Keine andere Gemeinderichtung nimmt diese und andere Worte des Herrn so ernst wie die hutterischen Brüder.
Das fällt auch in diesem Buch auf: Alles wird von den Worten Jesu her begründet. Die Geschichte vom reichen jungen Mann wird ohne Abstriche ernst genommen. Das Gleichnis vom Schatz im Acker hinterfragt nachdrücklich, ob wir tatsächlich so erfüllt von Freude über den Schatz sind, dass wir alles dafür geben. Teils überraschend, aber nichtsdestotrotz überzeugend legt Hauser uns diese und viele andere Stellen aus und geht dabei auf viele Einwände ein, die auch in unseren Herzen aufkeimen, wenn wir mit diesen Herausforderungen konfrontiert werden.
Ein Schlüsselwort will ich zu Beginn erläutern, denn es ist notwendig, um den hutterischen Zugang zur Gütergemeinschaft nachempfinden zu können: Gelassenheit. Gelassenheit meint heute eher einen apathischen, entspannten Zustand. Im hutterischen Sprachgebrauch aber meint es ein Loslassen, ein Losgelöst Sein von den Dingen der Welt, von den Sorgen, von sich selbst. Wahrhaft gelassen ist, wer nicht mehr an den Dingen der Welt hängt, wer nicht mehr den Eigennutz sucht, dem die Ehre Gottes und der Nutzen für den Nächsten mehr gilt als die eigene Ehre und das eigene Leben. Das aber nicht apathisch, sondern in einer geistlichen „Vergnügtheit“, einer tiefen Freude über diesen Schatz.
Habe ich diese Freude? Hast du sie? Ohne diese Freude werden Dir die folgenden Seiten fremd, unverständlich, radikal, sektiererisch, utopisch und grundfalsch vorkommen. Bist du jedoch erfüllt von dieser Freude, dann wird mit jeder Seite des Buches dein Herz erwärmt, dein Mut gefestigt, dein Wille entschlossener, deine Dankbarkeit tiefer, dein Staunen größer, deine Liebe zu Gott, dem Herrn Jesus und Seiner Gemeinde reiner und wahrer.
In diesem Sinne empfehle ich dieses Büchlein unseres lieben Bruders Joseph Hauser der Gemeinde Gottes heute zur Nachahmung und Verwirklichung zur Ehre unseres großen Gottes. Amen.
Daß die Gemeinschaft der zeitlichen Güter eine Lehr des Neuen Testaments sei und von allen Gläubigen erfordert werde
Eingang des Schreibens, daß man die Gebote Christi soll halten zur Seligkeit. Darunter die Gemeinschaft auch gehört, und doch gar verachtet werde. Was die Gemeinschaft sei und wie in diesem Schreiben davon soll gehandelt werden.
Es ist ein großer Schatz und edles Kleinod um das ewige Leben, welches Gott geben will denen, die ihn lieben. Darum man billig alles tun soll. Wer das erlangt, dem kann nichts Böses widerfahren, und wer das einmal versäumt, der kann den Schaden ewiglich nicht wieder gutmachen. Der Weg, der dazu führt, ist schmal, spricht Christus und sind ihrer wenige, die ihn finden (Matth. 7,14). Es sind zwar viele Menschen, die danach trachten, daß sie hineinkommen, und werden es doch nicht tun können (Luk. 13,24). Und das allein ist die Ursache: daß sie nicht auf dem schmalen Weg wandeln wollten, der einzig und allein dazu führt. Das ist, daß sie die Gebote Gottes, die uns Christus gelehrt hat, nicht halten. Denn welche sie halten, die werden das Kleinod erlangen, und welche sie nicht halten, die haben sich Christo nicht zu rühmen, da ja erst diese Christum erkennen, die seine Gebote halten (1. Joh 2,4).
Daß aber die elenden Menschen die Gebote Christi nicht halten, daran ist ihre eigene Bosheit schuld. Etlichen geschieht es darum, weil sie dieselben aus Bosheit ihrer Herzen nicht verstehen, und ob es ihnen schon gesagt wird, so fällt der Same doch nur auf den Weg, und es kommt der Satan und nimmt’s hinweg. Etliche aber, ob sie die Gebote gleich wohlverstehen, so halten sie die aus Bosheit ihrer Herzen nicht. Der schmale Weg treibt sie ab. Diese erschreckt die Trübsal, die man darum erdulden soll. Da fällt der Same in das Steinige, bekommt nicht Wurzeln, und der Sonne Hitze macht’s welk und dürr. Sie erschreckt die Gelassenheit,1 und mögen den betrügerischen Reichtum, Wollust dieser Welt und Lebens und Sorge der Welt nicht übergeben; auch, wenn sie den Weg schon wissen, so ist er ihnen doch zu schmal.
Was soll es nun aber mit diesen allen werden? In Luk. 12 lehrt Christus, das der Knecht, der seines Herren Willen weiß und sich nicht bereitet hat, auch nicht nach seinem Willen getan, der werde viel Schläge leiden müssen. Der es aber nicht weiß und hat getan, das der Schläge wert ist, wird wenig Schläge leiden. Hieraus ist gut zu sehen, daß ein jeder, der da will selig werden, die Gebote Christi wissen, und so er sie weiß, auch tun muß. So ihr solches wisset, sagt der Herr, seid ihr selig, so ihr’s tut. Nun aber werden viele Menschen durch Betrug der Sünden verführt, und das darum, weil sie wissen, daß man die Worte Christi zur Seligkeit tun soll, so tun sie es und unterlassen doch etwas, und machen sich selbst einen Trost um das, was sie tun, und nicht einmal Sorgen um das, was sie nicht tun. Den fleischlichen Menschen ist wohl mit dem Betrug, die gerne selig sein wollen, und es doch nicht gerne darum tun, wie es sich gehört. Aber die List wird ihnen nicht helfen, ihre Hoffnung wird ihnen fehlen. Denn Petrus lehrte uns in Mose, daß man den großen Propheten Christus in allem, was er uns sagt, hören soll, und wer das nicht tut, dessen Seele soll vertilgt werden (Apg. 3,22-23).
Paulus will, daß wir in allen Stücken an dem, der das Haupt ist, Christus, wachsen sollen (Eph. 4,15). Jakobus spricht, wer das ganze Gesetz hält und sündigt an einem, der sei am Ganzen schuldig (Jak 2,10). Christus der Herr erfordert die höchste Treue auch im Geringsten, und wer im Namen Christi schon etwas, ob es auch kräftige Taten wären, getan habe—wenn er übertritt und nicht in der Lehre Christi bleibst, so hat er Gott nicht und Christus kennt ihn nicht, sondern wird sagen: Weicht von mir, ihr Übeltäter (Matth 7,22). Darum warnt Paulus in Gal. 6,7 und sagt. Irrt euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten.
Unter den Geboten aber unseres Herrn Jesu Christi, deren man nicht achtet, sondern spricht und dagegen handelt, ist sonderlich die Gemeinschaft. Die ist bei manchen, auch die sich Brüder und Schwestern des Herrn nennen, sogar in Vergessenheit gekommen, sogar verachtet und verhaßt, daß man sie nicht allein für eine fremde Lehr ansieht, sondern noch spöttisch verlacht, sie als ein Greuel anfeindet und dagegen kämpft.
Ich verstehe aber hier bei dieser Gemeinschaft nicht, daß man nur, wenn man etwas übrig hat, gibt, und das meiste behält, wie es auch vorhin unter dem Gesetz geschehen, und die Reichen es noch in aller Welt tun (der eine mehr, der andere weniger). Der Gemeinde Brauch ist, besonders die Gemeinschaft, von der wir reden, daß man sich alles des, was man hat, entledigt, das Herz davon reinigt und zum gemeinsamen Nutzen der Heiligen freiwillig und fröhlich hingibt; wie das vollkommene Gesetz des Geistes, das Evangelium, vermag und den armen Witwen (Mark 12) samt andern mehr zukommen läßt, wie es bei allen Gläubigen zu Jerusalem Brauch war.
