Der christliche Reporter - Guido Walter - E-Book

Der christliche Reporter E-Book

Guido Walter

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Beschreibung

Inniger Glauben, geheimnisvolle Rituale und vergessene Liturgien - seit Ende der 90er Jahren sind die Reporter Guido Walter und Björn Göttlicher dem Glauben auf der Spur. Ihre Reportagen führten sie nach Äthiopien, wo die Heilige Bundeslade vermutet wird, zu den UFO-Gläubigen in Südfrankreich, auf den Jakobsweg im Norden Spaniens oder zu den Naturkulten auf der Vulkaninsel Island. Mit lebendigen Reportagen und packenden Fotografien zeigen Walter und Göttlicher, was uns Menschen eint: der Glauben an etwas Höheres, manchmal Unverständliches und doch universell Gütiges.

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Seitenzahl: 93

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Guido Walter

Der christliche Reporter

Dem Glauben auf der Spur

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

Die Suche nach dem Heiligen Schrein

Gott ist euer Karate-Trainer

Vom Finden der Liebe durch eine Flaschenpost

UFOs im Katharerland

Zum weihnachtlichen Zauber gehört ein Nussknacker

Vom Glauben an Elfen und Zwerge

Der Weg, das Ziel

Reisen ist Glaubenssache

Don Camillo und Peppone

Erläuterungen zu den Bildern

Impressum neobooks

Vorwort

Inniger Glauben, geheimnisvolle Rituale und vergessene Liturgien - seit Ende der 90er Jahren sind die Reporter Guido Walter und Björn Göttlicher dem Glauben auf der Spur.

Ihre Reportagen führten Sie nach Äthiopien, wo die Heilige Bundeslade vermutet wird, zu den UFO-Gläubigen in Südfrankreich, auf den Jakobsweg im Norden Spaniens oder zu den Naturkulten auf der Vulkaninsel Island. Mit lebendigen Reportagen und packenden Fotographien zeigen Walter und Göttlicher, was uns Menschen eint: der Glauben an etwas Höheres, manchmal Unverständliches und doch universell Gütiges.

Guido Walter

Björn Göttlicher

Verfertige eine Lade aus Akazienholz, zweieinhalb Ellen lang, eineinhalb Ellen breit und eineinhalb Ellen hoch! Überziehe sie mit reinem Gold von innen und von außen und befestige eine goldene Leiste ringsherum. Gieße für sie vier goldene Ringe und bringe sie an den vier Ecken an, und zwar zwei Ringe an ihrer einen Seitenwand und zwei an der andern! Verfertige Stangen aus Akazienholz und überziehe sie mit Gold! Stecke die Stangen durch die Ringe an den Seitenwänden der Lade, dass man sie mit ihnen tragen kann! Die Stangen sollen in den Ringen der Lade bleiben; man soll sie aus ihnen nicht herausziehen! In die Lade sollst Du das Gesetz legen, das ich dir geben werde!

Die Suche nach dem Heiligen Schrein

von Guido Walter

Eineinhalb Milliarden Christen und 15 Millionen Juden glauben an die Zehn Gebote - doch wo ist jene Bundeslade mit den Schrifttafeln, die Gott einst Moses gab? Ihr Verschwinden ist für die christliche und jüdische Welt eines der größten Rätsel, das ihnen die Bibel aufgab. Eine Spur führt nach Äthiopien, ins Land der verborgenen Schätze.

Glockenschläge wecken die in Sacktuch gehüllten Schläfer im Kirchenpark von Axum. Am Zaun der Kapelle der Heiligen Maria von Zion, die vor einem Hain aus Wacholderbäumen aufragt, fällt das erste Sonnenlicht auf eine Gruppe von Priestern. In weißem Ornat und schwarzen Schultertüchern lehnen sie auf ihren Gebetsstöcken, der Schlag einer Kebrero-Trommel mischt sich mit dem Rasseln eines Sistrums. Ein leiser Wechselgesang ist das Echo der Gemeinde auf Kerzenschein und Weihrauchschwaden, die aus den Gitterfenstern der Kapelle dringen. Aus dem Dämmerlicht, noch mehr Nacht als Tag, tritt ein dunkelhäutiger, bärtiger Priester in einer goldbestickten Brokatrobe langsam hinter dem Vorhang am Kapellenportal hervor. Über dem Kopf trägt er eine mit Seidentüchern dick verhüllte Kiste. Wie von Zauberhand geteilt, bahnt die Gruppe der Erwachten der Lade den Weg. Als sei ihr Träger magnetisch, folgen ihm leise summend zwei Diakone mit goldenen Handkreuzen, dann betende Priester in grünen Seidenroben und Gebetskronen. Am Torbogen des Kirchenparks reihen sich Hunderte von barfüßigen, weißgekleideten Gläubigen in die Prozession ein. Nur neben dem Mann mit der Lade geht niemand. „Nicht zu nahe kommen“, sagt ein Mönch. Angst spiegelt sich in seinen Augen, nicht die Spur von Ärger. Die Lade ist mächtig.

„Die heilige Bundeslade ist bei uns, sie ist in Äthiopien. Glauben Sie mir, sie ist hier.“ Der 32jährige Haile Selassie Berhe ist sich seiner Sache ganz sicher. Der Historiker aus Axum in der Provinz Tigre glaubt fest daran, ebenso fest wie Äthiopiens Patriarch in Addis Abeba und die 30 Millionen Gläubigen der äthiopisch-orthodoxen Kirche.

Ausgerechnet in Axum soll sich die heiligste Reliquie der christlichen wie der jüdischen Welt befinden. In diesem 20. 000-Seelen Nest im baumlosen äthiopischen Hochland, mit seiner Ansammlung von wellblechgedeckten Würfelhäusern und Strohhütten, in dem junge Mädchen mit Kanistern wie einem geheimen Plan folgend Brackwasser aus der einzigen Zisterne schöpfen und zwischen den Wohnhütten hin und her tragen. Wo ihre Brüder in der Morgenkühle auf der kurzen, einzigen Asphaltstraße zum neuen Yeha-Hotel ihr Radfahrtraining absolvieren und am höchsten Punkt der Serpentine Luft holen. Von hier oben, vom kakteenübersäten Granitfelsen des May-Quahomassivs, blickt man über Axum. Für äthiopisch-orthodoxe Christen hat Axum eine Bedeutung wie Rom für europäische Katholiken. Die Obelisken der Stadt zeugen von einer jahrtausende alten Kultur, und erinnern an die Glanzeit im vierten und fünften Jahrhundert, als das Reich von Axum sich bis auf die arabische Halbinsel erstreckte und mit Elfenbein- und Weihrauchhandel zu sagenhaftem Reichtum gelangte. Nach der Bekehrung zum Christentum im vierten Jahrhundert stieg Axum zu einem Zentrum der neuen Religion auf. Im geheiligten Bezirk der Stadt steht die kleine Kapelle der Kirche zur Maria von Zion. Sie birgt die wichtigste Reliquie Äthiopiens: die Bundeslade mit den Tafeln der zehn Gebote. Die Kapelle ist nicht zugänglich. Angeblich durften nicht einmal die Kaiser von Äthiopien das Heiligtum sehen.

Im Jerusalem Äthiopiens, verlässt dreimal im Jahr ein „Tabot“ (das amharische Wort für Bundeslade) den Tempel, um bei den Prozessionen gezeigt zu werden. In Axum, so behaupten die Äthiopier, tragen die Priester das Original durch die staubigen Straßen, in anderen Städten des christlichen Hochlandes sind es dagegen Tabot-Kopien, die in Gegenwart der „echten“ Bundeslade geweiht wurden.

Ein Besuch der farbenprächtigen Prozessionen während der Kirchenfeste gehört zu den Höhepunkten jeder Äthiopienreise. Am besten sehen kann man sie entlang der sogenannten Historischen Route durchs Äthiopische Hochland. Die historischen Stätten entlang der „Historischen Route“ bergen religiöse Kunstschätze von unbezahlbaren Wert. - inmitten atemberaubender Landschaften. Die steilen Tafelberge des Hochland wirken als natürliche Festung, sie schnitten die alten Provinzen Amhara, Gondar,Tigray und Shewa seit Jahrtausenden von Handel und Verkehr ab. In der unzulänglichen Landschaft haben die Schätze der äthiopisch-orthodoxen Kirche überdauert. Seien es die rätselhaften Wandmalereien auf den Mönchinseln Tana Cherkos oder Kebran, oder die Goldkronen der Kaiser aus der Salomonischen Dynastie in Axum, dem letzten Zufluchtsort der heiligsten Reliquie aller Christen und Juden: der Bundeslade. Weil sich die Liturgie der äthiopisch-orthodoxen Kirche in 1600 Jahren kaum geändert hat, gleicht eine Reise zu den Klöstern und Kirchen einer Reise ins Mittelalter. Ein guter Ausgangspunkt ist die amharische Prozinzhauptstadt Bahir Dar (ca. 570 nördlich von Addis Abeba). Die 60.000 Einwohner zählende Stadt am Tana-See, dem „magischen Auge Äthiopiens“ wird häufig als Ausgangspunkt der „historischen Route“ gewählt. Von hier aus sind Ausflüge zu den berühmten Fällen des Blauen Nils möglich, die wegen der besonderen Lichtbrechung früh morgens besucht werden sollten. Eine Bootsfahrt auf dem Tana-See ist ein Erlebnis. Auf Inseln wie Kebran, Dek oder Tana Cherkos leben die Mönche wie im 15. Jahrhundert. Ihre Rundkirchen bergen Schätze wie Kronen, Gewänder und wertvolle Malereien. Boote sind im Tana- und im Ghion-Hotel zu mieten. Achtung: einige Inseln (z.B. Kebran) dürfen nicht von Frauen betreten werden.

Von Bahir Dar lässt sich Gondar gut erreichen. Die äthiopische Kaiserstadt des 17. und 18. Jahrhunderts liegt auf halbem Weg zwischen Tana-See und Simien-Hochgebirge. Nicht zu unrecht trägt die Stadt den Namen„Afrikanisches Camelot“. Auf 70 000 Quadratmeter ragt im Palastbezirk ein ganzes Ensemble von Burgen auf, unter anderem die Fasiladesburg, ein zweistöckiges Schloß mit vier Wehrtürmen und einem Balkon, vom dem Kaiser bis zum 80 Kilometer entfernten Tana-See blicken konnte. Für seine Burgen nahmen Fasilidas (1632-1667)und seine Nachfolger hadramitische Sultanspaläste zum Vorbild. Indische Architekten entwarfen Bankettsäle und Bäder, und sogar eine Sauna. Der „Badepalast des Fasilidas“ ist ein auf Doppelbögen ruhender Steinbau, der sich im türkis schimmernden Wasser wiederspiegelt. Zu Zeiten der religiösen Festen ist das Bassin Ziel der Prozessionen. Gondar, Lalibela und Axum lassen von hier aus mit dem Bus (NTO) oder mit dem Flugzeug (Ethiopian Airlines) bereisen. Pauschalreiseangebote enthalten die Route fast automatisch.

Gleich 28 der Tabota sind in Lalibela, der Stadt der Felsenkirchen, während der Timkat-Prozession zu besichtigen. Nirgendwo in Äthiopien finden sich auf so engen Raum so zahlreiche Felsenkirchen wie in Lalibela. Viele sind durch unterirdische Gänge miteinander verbunden. Nach Axum gilt Lalibela als zweitheiligster Ort der Kirche Äthiopiens, die Felsenkirchen sind aber auch von hoher kulturgeschichtlicher Bedeutung. Wer Lalibela zum ersten Mal besucht, wird sich wie einem Traum vorkommen. Die Enstehung Lalibela soll auf einen heiligen König zurückgehen, der von 1181 bis 1221 gelebt haben soll. Gott soll diesem König im Schlaf befohlen haben, in der Stadt Roha ein neues Jerusalem zu errichten. Weil ein Bienenschwarm die Wiege des Königs nach seiner Geburt umgab, nannte man ihn „den von Bienen erkorenen König“, was in der Sprache der Agaw „Lalibela“ heisst. Fortan trug die Stadt Roha den Namen des Königs.

Wenn Priester und Laien mit ihren goldbedruckten Seidenkronen aus dem Schatten der Beta Mariam, Beta Abbba Libanos, Beta Emanuel und der anderen Felsenkirchen hervortreten und sich am Fluss, der wie sein biblisches Vorbild Jordan heißt, treffen, gemahnt dies an einen Versammlung der Waisen aus dem Morgenland. Aus einem Felsgang, in dem keinen zwei Männer nebeneinander gehen können, kommen die Depteras und Priester von Beit Gyorgis empor. In Form eines griechischen Kreuzes wurde die knapp elf Meter hohe Kirche aus dem Fels gemeisselt, sie gilt als achtes Weltwunder. „Ich schwöre bei Gott in dessen Gewalt ich bin, dass alles, was ich geschrieben habe, die Wahrheit ist und dass ich sogar einiges ausgelassen habe aus Furcht, man könnte mich der Fälschung verdächtigen“ schrieb bereits Anfang des 16. Jahrhunderts der Portugiese Francisco Alvarez über Lalibela, dass wie Axum von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Die in Paris ansässige „Welterbenkomission“ nahm 1980 die Ruinen von Axum auf. Ob man davon überzeugt ist, dass hier der Hort der heilige Reliquie ist, ist Glaubenssache. In Äthiopien zweifelt niemand daran.

„Du sollst in die Lade legen das Zeugnis, das ich dir geben werde“ heißt es im Alten Testament. Das Zeugnis, das sind die zehn Gebote. Die Lade, das ist die geheimnisvolle Bundeslade, von der es heißt, sie sei seit 2000 Jahren verschollen.