Der einzige Zeuge - Patricia Vandenberg - E-Book

Der einzige Zeuge E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Die Serie von Patricia Vandenberg befindet sich inzwischen in der zweiten Autoren- und auch Arztgeneration. »Da bist du ja! Ich hab schon auf dich gewartet!«, rief Anneka Norden, als ihr Freund Noah um die Ecke bog. Sie war extra in die Notaufnahme der Behnisch-Klinik gekommen, um ihn abzuholen. Der junge Mann, der eine Ausbildung zum Rettungsassistenten machte, beugte sich atemlos zu seiner Freundin hinunter und küsste sie unter den neugierigen Blicken der Schwester, die hinter dem Tresen saß und auf Neuankömmlinge wartete. »Tut mir leid. Wir hatten noch einen Notfall«, entschuldigte sich Noah bei seiner Freundin. »Hoffentlich nichts Schlimmes«, tat Anneka ihre Hoffnung kund. Sensibel, wie sie war, litt sie mit jedem Patienten, und obwohl sie ihren Freund für seine Arbeit ebenso bewunderte wie Vater und Bruder, verstand sie nicht, wie sie alle die Kraft aufbringen konnten, tagtäglich mit Leid, Krankheit und Not umzugehen und dabei noch fröhlich zu sein. »Verkehrsteilnehmerin, 25 Jahre alt, bei Verkehrsunfall als Fußgänger von PKW angefahren, durch die Luft geschleudert nach Aufprall auf die Motorhaube. Musste nicht intubiert werden, Kreislauf stabil. Die Patientin hat offenbar Glück im Unglück«, erstattete Noah sachlich Bericht über das Geschehene. Erleichtert atmete Anneka auf. »Ein Glück. Dann können wir ja jetzt los.« »Hast du meine Sachen mitgebracht?«, erkundigte sich Noah, und Anneka bückte sich nach der Sporttasche, die sie neben sich auf dem Boden abgestellt hatte.

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Seitenzahl: 109

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dr. Norden Bestseller – 383 –Der einzige Zeuge

Janni, du musst reden!

Patricia Vandenberg

»Da bist du ja! Ich hab schon auf dich gewartet!«, rief Anneka Norden, als ihr Freund Noah um die Ecke bog. Sie war extra in die Notaufnahme der Behnisch-Klinik gekommen, um ihn abzuholen.

Der junge Mann, der eine Ausbildung zum Rettungsassistenten machte, beugte sich atemlos zu seiner Freundin hinunter und küsste sie unter den neugierigen Blicken der Schwester, die hinter dem Tresen saß und auf Neuankömmlinge wartete.

»Tut mir leid. Wir hatten noch einen Notfall«, entschuldigte sich Noah bei seiner Freundin.

»Hoffentlich nichts Schlimmes«, tat Anneka ihre Hoffnung kund.

Sensibel, wie sie war, litt sie mit jedem Patienten, und obwohl sie ihren Freund für seine Arbeit ebenso bewunderte wie Vater und Bruder, verstand sie nicht, wie sie alle die Kraft aufbringen konnten, tagtäglich mit Leid, Krankheit und Not umzugehen und dabei noch fröhlich zu sein.

»Verkehrsteilnehmerin, 25 Jahre alt, bei Verkehrsunfall als Fußgänger von PKW angefahren, durch die Luft geschleudert nach Aufprall auf die Motorhaube. Musste nicht intubiert werden, Kreislauf stabil. Die Patientin hat offenbar Glück im Unglück«, erstattete Noah sachlich Bericht über das Geschehene.

Erleichtert atmete Anneka auf.

»Ein Glück. Dann können wir ja jetzt los.«

»Hast du meine Sachen mitgebracht?«, erkundigte sich Noah, und Anneka bückte sich nach der Sporttasche, die sie neben sich auf dem Boden abgestellt hatte. Sie zog den Reißverschluss auf und präsentierte stolz den Inhalt.

»Hier ist deine Kappe.« Vergnügt setzte sie Noah die Schirmmütze mit dem Emblem seines favorisierten Eishockeyvereins auf den Kopf. »Dann haben wir hier den Schal. Und natürlich die Fahne.« Sie schlang ihm den Schal um den Hals, sah ihn an und lachte. »Wie ein echter Eishockey-Fan!«

»Ich bin ja auch einer!«, erklärte Noah mit Nachdruck, nahm seiner Freundin die Fahne aus der Hand und schwenkte sie hin und her. »Steht zusammen, gebt nie auf! E-H-C Kir-chen-see!«, rief er leise einen der Schlachtrufe, mit denen im Stadion für gewöhnlich die Mannschaft angefeuert wurde.

Zwei Ärzte, die gerade des Weges kamen, sahen ihn neugierig an.

»Schau dir den Jungspund an!«, sagte Matthias Weigand zu seinem Kollegen Arne Bogner.

»So waren wir auch mal drauf. Ich zumindest!«

Die beiden lachten und gingen ihres Wegs.

»Können wir?«, fragte Anneka belustigt. »Wir müssen ja noch Janni abholen. Nicht, dass wir doch noch zu spät kommen.«

»Was täte ich nur ohne dich?«, fragte Noah und bückte sich nach der Tasche. »Allein, dass du die Sachen mitgebracht hast … Ohne dich müsste ich praktisch nackt ins Stadion gehen.«

»Interessante Vorstellung«, erklang eine weibliche Stimme aus dem Hintergrund, und Noah und Anneka drehten sich gleichzeitig zu Lernschwester Carina um, die immer noch hinter dem Tresen saß und das Geschehen beobachtet hatte.

»Kannst ja mitkommen und mir zuschauen, wie ich den Schal wieder abnehme!«, lachte der junge Rettungsassistent unbefangen, während Anneka mit einem Anflug von Eifersucht kämpfte, zumal Carina mit ihrem krausen Haar und den Sommersprossen auf der Stupsnase wirklich süß aussah.

Doch die Lernschwester hatte ohnehin nur Augen für den Chef der Pädiatrie, Mario Constantin. Seit Monaten umkreisten sich die beiden und flirteten heftig miteinander, ohne sich je privat getroffen zu haben.

»Nein, danke, Eishockey finde ich nicht besonders erotisch«, winkte Carina herablassend ab und grüßte die Klinikchefin Jenny Behnisch, die mit wehendem Kittel um die Ecke kam.

Als sie die kleine Versammlung sah, hielt sie kurz inne.

»Hallo, Anneka!« Erfreut begrüßte sie die Tochter ihres langjährigen Freundes Dr. Daniel Norden, ehe sie sich mit fragendem Blick an Annekas Begleiter wandte. »Wen hast du denn da mitgebracht?«

»Aber das ist doch dein eigener Mitarbeiter«, erklärte Anneka überrascht.

Im selben Augenblick bemerkte Jenny ihren Irrtum.

»Noah, sieh mal einer an!«, lachte sie. »Dich hätte ich ja fast nicht erkannt.«

»Das liegt bestimmt an der Kappe.« Noah nahm seiner Chefin die Frage nicht übel.

Interessiert studierte Jenny das aufgedruckte Vereinszeichen.

»EHC Kirchensee …«, murmelte sie und erinnerte sich an das Werbeplakat, das sie auf dem Weg zur Arbeit gesehen hatte. »Ach, jetzt erinnere ich mich … Ihr geht zur Saison-Eröffnung? Das ist ja spannend. Ich wollte schon immer mal zum Eishockey.«

»Ich war auch noch nie im Stadion«, gestand Anneka und sah Carina nach, die aufgestanden war und mit wiegenden Hüften davon ging. »Bin ja mal gespannt, was mich dort erwartet.«

»Auf jeden Fall solltest du vorsichtig sein«, mahnte Jenny Behnisch die älteste Tochter ihres Freundes. »Gerade bei Eishockeyspielen hört man ja immer wieder von randalierenden Fans und Ausschreitungen.«

»Keine Sorge, Chefin.« Noah zögerte Noah nicht, die besorgte Freundin der Familie zu beruhigen. »Anneka hat ja mich dabei. Ich werde sie hüten wie meinen Augapfel.«

»Dann bin ich ja beruhigt. Abgesehen mal davon, dass du das so oder so tun solltest. Ein Mädchen wie Anneka ist kostbar wie ein Diamant«, lächelte Jenny Behnisch, ehe sie sich verabschiedete und sich auf den Weg zu einer Besprechung machte. Und auch für das junge Paar wurde es Zeit zum Aufbruch. In weniger als drei Stunden sollte das Spiel beginnen, und vorher wollten noch ein paar Dinge erledigt werden.

*

»Ich muss los, Kumpels!« Cons­tantin Rudolph drückte die Zigarette im Aschenbecher am Boden aus und erhob sich ächzend von der Matratze. Dabei stieß er gegen eine Bierflasche, die klirrend umfiel.

Die drei Jugendlichen, die ebenfalls am Boden lümmelten, zuckten erschrocken zusammen.

»Mann, Conny, musst du immer so einen Lärm machen?«, murrte Fabian, einer der Jugendlichen und Constantins bester Freund, träge. »Da werd ich ja wach. Und da hab ich gar keinen Bock drauf.«

Alle lachten, einschließlich Constantin.

»Interessant!«, grinste er auf seinen Freund hinab. »Dann kommst du auch nicht mit auf’s Spiel, ein paar Milchbubis aufmischen?«

In diesem Moment wurde Fabian hellhörig. Er zog eine Augenbraue hoch und musterte Cons­tantin mit einem Anflug von Interesse.

»Ist das heute schon?«

»Klar. Hast du die Plakate nicht gesehen?«

»Nö!« Fabian schüttelte den Kopf und setzte sich, benebelt vom Bier, mühsam auf. »Aber jetzt wissen wir’s ja. Ihr seid doch dabei, Jungs?« Er schickte einen fragenden Blick in die Runde seiner Freunde, die nach und nach aus ihrer Lethargie erwachten.

»Klar. So eine Gelegenheit dürfen wir uns nicht entgehen lassen. Mal wieder ein paar Mamasöhnchen erschrecken … Das hat mir direkt gefehlt«, stimmte Jonas zu und lachte rau.

Constantin stand an der Tür und grinste zufrieden. Seine Freunde waren die Familie, die er nie gehabt hatte. Mit ihnen lachte und weinte er. Mit ihnen hatte er Spaß. Hier gehörte er hin, nur hier fühlte er sich verstanden. Trotzdem musste er ab und zu nach Hause, damit seine Mutter nicht nervte. Außerdem musste er noch überlegen, wie er Charlotte davon überzeugen sollte, dass er an diesem Abend nicht mit ihr essen gehen konnte. So verabschiedete er sich für den Moment und verließ das Jugendzentrum, das ihm inzwischen zur zweiten Heimat geworden war, und stieg in den Bus, der ihn in das reiche Viertel brachte, in dem die Villa stand, die seine Mutter als ihr gemeinsames Zuhause betrachtete.

Er hatte sich eben erst auf einen freien Platz im Bus gesetzt und einen Kaugummi in den Mund geschoben, als sein Handy klingelte.

»Co, mein Schatz, ich bin’s, Charlotte«, meldete sich seine Mutter mit ihrer hellen Stimme, die immer ein wenig aufgesetzt fröhlich klang.

Seit sich ihr Mann vor vielen Jahren von ihr getrennt hatte und sie mit ihrem Sohn allein lebte, bestand sie darauf, dass Constantin sie beim Vornamen nannte wie eine Freundin. Denn das wollte sie sein: Seine beste Freundin!

Inzwischen hatte sich Constantin daran gewöhnt.

»Hallo, Charlie!«, begrüßte er seine Mutter. Er hielt das Mobiltelefon ans Ohr, während er gelangweilt nach draußen blickte.

»Wie oft soll ich dir noch sagen, dass mein Name Charlotte ist!«, ließ der erwartete Protest nicht lange auf sich warten.

Constantin lachte in sich hinein.

Er liebte es, sie zu provozieren.

»Was gibt’s, Mama?«

»Co!«

»Schon gut, Charlotte«, tat er ihr schließlich den Gefallen. »Was willst du?«

»Es tut mir wahnsinnig leid, aber ich komm heute nicht pünktlich aus dem Geschäft. Macht es dir was aus, wenn wir unsere Verabredung zum Essen auf morgen verschieben?« Es war nicht das erste Mal, dass sich Charlotte Rudolph nicht an die Vereinbarungen hielt, die sie mit ihrem Sohn getroffen hatte. Früher hatten ihn ihre Absagen verletzt. Doch jetzt nicht mehr. Inzwischen war es ihm egal, und an diesem Tag freute er sich sogar darüber.

»Klar macht mir das was aus«, mimte er trotzdem Enttäuschung.

Seine Mutter mit ihrem schlechten Gewissen zu quälen, bereitete ihm eine diebische Freude.

»Ach, mein Hase! Du weißt, wie wahnsinnig leid mir das tut, dass ich dich so oft allein lassen muss. Aber du bist doch schon ein großer Junge«, fiel Charlotte auch diesmal wieder auf die Finte ihres Sohnes herein. »Morgen klappt es bestimmt.«

»Das sagst du jedes Mal, und dann wird wieder nichts draus.« Constantin kannte keine Gnade.

»Was kann ich denn tun, damit du nicht so enttäuscht von mir bist, mein Süßer?«, jammerte Charlotte.

»Die Besprechung absagen und zur Abwechslung mal für dein einziges Kind da sein!«, verlangte Constantin spontan.

Es war ein Pokerspiel, und er konnte nur hoffen, dass seine Mutter nicht auf diesen Vorschlag einging. Seine Hoffnung erfüllte sich prompt.

»Ausgerechnet heute ist das unmöglich«, erklärte die erfolgreiche Geschäftsfrau verzweifelt. »Es geht um einen Millionenabschluss. Da muss ich unter allen Umständen dabei sein. Das verstehst du doch? Schließlich profitierst du auch davon.«

In diesem Punkt musste Constantin seiner Mutter insgeheim recht geben. An materiellen Gütern hatte es ihm noch nie gefehlt. Keiner seiner Wünsche war je unerfüllt geblieben, egal, ob es sich – wie früher – um Spielzeug, oder später um Kleidung oder Freizeitartikel gedreht hatte. Und doch hatte es ihm am Wichtigsten gefehlt, was ein Kind brauchte: an Liebe und Geborgenheit, an Wärme und Vertrauen. So hatte auch er keine Wärme in sich. Manchmal dachte Constantin, dass dort, wo andere ein Herz hatten, bei ihm nur ein großes, schwarzes Loch war.

»Bist du noch dran, Co?«, fragte Charlotte in die Gedanken ihres Sohnes hinein.

»Klar.« Die quietschenden Bremsen des Busses, der an der nächsten Haltestelle anhielt, bewiesen es im nächsten Augenblick.

»Dann sag mir schnell, wie ich mein Versäumnis wieder gut machen kann«, bat sie.

An ihrer Stimme erkannte Cons­tatin, dass ihr die Zeit mal wieder unter den Nägeln brannte. Noch nicht einmal in Ruhe telefonieren konnte sie mit ihm. Doch diesmal war das die Gelegenheit, auf die er gewartet hatte.

»Wenn du nicht kommst, dann würd ich gern zum Eishockey gehen«, setzte er alles auf eine Karte.

Am anderen Ende der Leitung wurde es still. Der junge Mann wusste, warum das so war.

»Nach der letzten Schlägerei hatten wir doch vereinbart, dass du nicht mehr auf solche Veranstaltungen gehst«, warf Charlotte nach kurzer Bedenkzeit ein.

Ruckelnd fuhr der Bus wieder an, und Constantin stand gleich darauf auf. An der nächsten Haltestelle musste er aussteigen. Mit einer Hand hielt er sich an einer der Stangen fest. Mit der anderen presste er das Mobiltelefon gegen das Ohr.

»Das ist jetzt fast ein Jahr her, Charlotte«, erklärte er nachdrücklich. Diesmal sagte er ihren Namen mit Bedacht. »Außerdem hab ich dir doch schon hundert Mal gesagt, dass der Typ damals selbst schuld war. Er hat angefangen und mich angepöbelt und geschubst.«

»Die Polizei damals hat das anders gesehen«, gab Charlotte ungeduldig zurück.

Im Hintergrund waren gedämpfte Stimmen zu hören. Cons­tantin wusste, dass sie den Hörer zuhielt und ein paar hektische Worte mit jemandem wechselte, ehe sie die Hand wieder wegnahm.

»Wenn ich dir das Alibi damals nicht gegeben hätte, hättest du eine Jugendstrafe bekommen«, erinnerte sie ihren Sohn an die unabänderlichen Tatsachen.

»Schnee von gestern«, winkte Constantin mit gelangweilter Stimme ab. »Das kommt nicht mehr vor. Du kannst dich auf mich verlassen. Komm schon, Charlotte. Wenn du schon nicht heimkommst, kannst du mir doch wenigstens diesen kleinen Spaß gönnen«, appellierte er wieder an ihr schlechtes Gewissen.

Das waren genau die richtigen Worte, um Charlotte in die Enge zu treiben. Der drängende Termin tat ein Übriges dazu, dass sie endlich ihr Einverständnis gab.

»Aber mach keinen Unsinn«, verlangte sie noch.

»Ich doch nicht, Charlotte!«, versicherte Constantin grinsend und legte grußlos auf.

Wieder einmal hatte er sein Ziel erreicht und war stolz darauf, wie gut er die Frau, die sich seine Mutter nannte, inzwischen im Griff hatte.

*

»Was haben wir uns nur dabei gedacht, als wir den Holzroller aufgehoben haben?«, fragte sich Dr. Daniel Norden ratlos. Er stand in der Doppelgarage seines Hauses und hielt das Corpus Delicti in die Höhe.

Seine Frau Felicitas, die gerade kopfüber in einer alten Umzugskiste steckte, tauchte auf und blies sich eine hellblonde Strähne aus der Stirn.

»Den haben wir aufgehoben für den Fall, dass wir mal Enkelkinder bekommen, erinnerst du dich nicht?«, fragte sie ungläubig. »Aber daraus wird ja nun erst mal nichts.« Ein Ausdruck leiser Trauer huschte über ihr Gesicht, als sie sich an die traurigen Neuigkeiten erinnerte, die sie vor Kurzem erhalten hatten.

Aufgrund einer Erbkrankheit wollte die Freundin ihres ältesten Sohnes Danny keine Kinder bekommen. Dabei hatte Fee die lebenslustige, intelligente und starke Tatjana wie eine eigene Tochter in ihr Herz geschlossen.

Daniel las im Gesicht seiner Frau wie in einem offenen Buch.