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Der Seekrieg des Ersten Weltkrieges war geprägt von neuen Technologien, unvorhersehbaren Taktiken und einer gnadenlosen Blockadepolitik, die nicht nur das militärische, sondern auch das zivile Leben drastisch beeinflusste. Dieses Buch beleuchtet die komplexen Ereignisse und Entscheidungen, die die maritime Kriegsführung im Ersten Weltkrieg prägten. Von der erbitterten Schlacht im Atlantik bis hin zu den strategischen Überlegungen in der Nordsee und dem Mittelmeer, wird hier die Geschichte des Seekrieges detailliert dargestellt. Der aufreibende Seekrieg und insbesondere die Blockaden trugen erheblich zur deutschen Kapitulation bei. Die Leser werden eingeladen, sich mit den Strategien, den Helden und den Dramen auseinanderzusetzen, die sich auf den stürmischen Wellen des Krieges abspielten. Von den großen Schlachtschiffen der deutschen und britischen Flotten bis hin zu den tödlichen U-Boot-Kampagnen war der Seekrieg des Ersten Weltkrieges sowohl von technologischem Fortschritt als auch von menschlicher Kühnheit geprägt. Mit diesem Werk möchte ich nicht nur historische Fakten beleuchten, sondern auch die Emotionen, dass Leid und die Tapferkeit der Männer, die auf und unter den Wellen kämpften, in den Vordergrund stellen. Es ist eine Erinnerung daran, dass der Krieg auf See ebenso furchterregend und entscheidend war wie an Land. Ich lade Sie ein, diese oft vergessene Front des Ersten Weltkrieges zu erkunden und die Geschichte aus einer Perspektive zu betrachten, die viel zu selten im Rampenlicht steht.
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Seitenzahl: 191
Veröffentlichungsjahr: 2025
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1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
16. Kapitel
17. Kapitel
18. Kapitel
19. Kapitel
20. Kapitel
21. Kapitel
22. Kapitel
23. Kapitel
Anhang
I. Schiffsklassen und Typen der kaiserlichen
III. Skagerrak-Schlacht
IV. U-Boot-Typen
IV. Verschiedene Seeminenarten des Ersten Weltkrieges
V. Verbleib der U-Boote der Kaiserlichen Marine
Abkürzungen / Erläuterungen
Quellennachweis Bilder
Genutzte und weiterführenden Literatur
Der Erste Weltkrieg wird oft als ein Krieg der Schützengräben und der endlosen Stellungskämpfe an der Westfront in Erinnerung behalten. Doch es war nicht nur ein Krieg des Landes, sondern auch ein Krieg auf und unter den riesigen Wasserflächen der Meere.
Die Ozeane wurden zu strategischen Schauplätzen, auf denen Großmächte um Vorherrschaft und Kontrolle kämpften.
Der Seekrieg des Ersten Weltkrieges war ein Wesentlicher, wenn auch oft weniger beachteter Teil der militärischen Auseinandersetzung.
Er spielte eine entscheidende Rolle, insbesondere im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Blockade, dem U-Boot-Krieg und einigen bedeutenden Seeschlachten.
Die deutsche Kriegsflotte des Kaiserreiches, auch bekannt als kaiserliche Marine, bestand während der Zeit des deutschen Kaiserreiches (1871 - 1918) aus verschiedenen Schiffstypen, die unterschiedliche Rollen in der Seekriegsführung spielten.
Die Flotte wurde insbesondere ab der Jahrhundertwende stark ausgebaut, um mit den anderen Seemächten, insbesondere Großbritannien, zu konkurrieren.
Unter der Führung von Kaiser Wilhelm II. und maßgeblich beeinflusst durch Admiral Alfred von Tirpitz wurde ein massives Flottenbauprogramm initiiert, das in mehreren Flottengesetzten festgelegt wurde.
Die kaiserliche Marine war eine der bedeutendsten Seestreitkräfte der damaligen Zeit und spielte während des Ersten Weltkrieges eine entscheidende Rolle in der Seekriegsführung, besonders in der Nordsee und im Atlantik. Die berühmte Seeschlacht vor dem Skagerrak (auch bekannt als die Schlacht von Jütland) im Jahr 1916 war die größte Seeschlacht des Ersten Weltkrieges.
Der Erste Weltkrieg markierte auch einen Wandel in den Seemachtsverhältnissen, wobei Großbritannien seine Dominanz behielt, aber die USA als bedeutende Seemacht aufstieg.
Insgesamt hatte der Seekrieg einen tiefgreifenden Einfluss auf den Verlauf des Ersten Weltkrieges, insbesondere durch seine Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Nachschub der Krieg führenden Nationen.
Die Rolle der Marine wurde oft als sekundär betrachtet, aber in Wirklichkeit war sie entscheidend für den Ausgang des Krieges und beeinflusste die geopolitische Landschaft des 20. Jahrhunderts nachhaltig.
1.Entgegen den Bestimmungen des Völkerrechts hatte die britische Regierung bereits im November 1914 eine „Fernblockade“ gegen die deutsche Küste verhängt, um das Deutsche Reich von den Einfuhren aus Übersee abzuschneiden.
Die sogenannte „Fernblockade“ wurde nicht nur bis zum Ende des Krieges 1918 durchgeführt. Auch nach dem Waffenstillstand wurde diese fortgesetzt, um sicherzustellen, dass Deutschland die Bedingungen des Versailler Vertrages akzeptierte.
Diese Maßnahme stieß auf Kritik, da sie als unnötige Fortsetzung des Leids der deutschen Zivilbevölkerung angesehen wurde.
Ursprünglich war es das Ziel der Blockaden, die Häfen des Gegners von See aus abzusperren und damit seinen Seehandel zu stören.
Großbritannien ging weit über das rechtlich Zulässige hinaus und verhängte Hungerblockaden über Deutschland. Seine Kriegsschiffe beschlagnahmten bei Kontrolle neutraler Frachtschiffe alle Waren - auch Lebensmittel -, die für Deutschland bestimmt waren oder von dort kamen.
Die Royal Navy patrouillierte im Ärmelkanal und in der Nordsee, um sicherzustellen, dass keine Schiffe Deutschland erreichen konnten.
Schiffe, die verdächtigt waren, verbotene Waren zu transportieren, wurden oft beschlagnahmt oder zurückgewiesen.
Häfen wie Scapa Flow dienten als wichtige Stützpunkte für die britische Blockadeflotte.
Die Sperrlinie reichte von Norwegen bis zu der Shetlandinseln und zum Ärmelkanal.
Alle Schiffe waren angewiesen, kontrollierte Seewege in der Nähe der englischen Küste zu benutzen, und wurden von der englischen Kriegsmarine durchsucht.
Für Deutschland bestimmte Waren wurden beschlagnahmt.
Weil Deutschland bei Milchprodukten, Kunstdünger, Kraftfutter, Baumwolle und anderen Gütern auf Einfuhr angewiesen war, gab es im Reich bald einen Mangel an diesen Produkten.
Die Blockaden verursachten also erhebliche Lebensmittelknappheiten in Deutschland und führten zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen.
Dies führte immer mehr zu zunehmender Kriegsmüdigkeit und Unzufriedenheit in der deutschen Bevölkerung.
Die Blockade wurde nicht nur militärisch, sondern auch diplomatisch geführt.
Großbritannien nutzte sein wirtschaftliches und politisches Gewicht, um neutrale Länder wie die Niederlande, Dänemark und Schweden davon abzuhalten, Waren nach Deutschland zu liefern.
Dies führte zu Spannungen, insbesondere mit den USA, die anfangs ihre Neutralität bewahren wollten, aber durch die Blockade ebenfalls beeinträchtigt wurden.
Nur einmal, im Mai 1916, wagte die deutsche Marine einen Ausfall, doch die Schlacht am Skagerrak endete mit einem Patt.
Die britische Flotte war am Abend des 30. Mai 1916 und die deutsche am nächsten Morgen aus ihren Stützpunkten ausgelaufen.
Beide Flotten wollten unabhängig voneinander zur norwegischen Küste vorstoßen. So trafen sich beide Flotten am Nachmittag des 31. Mai 1916 in der Nordsee ungefähr 120 Kilometer westlich von der dänischen Halbinsel Jütland (dem heutigen Dänemark), im Gebiet des Skagerraks.
Die Schlacht begann, als ein Geschwader unter dem Kommando von Admiral von Hipper mit britischen Schlachtkreuzern unter Befehl Vizeadmiral David Beatty zusammentrafen.
Ziel der Deutschen war es, einen Teil der überlegenen britischen Flotte auszulöschen und damit die britische Seeblockade zu schwächen, die die deutschen Seestreitkräfte erheblich beeinträchtigte.
Die Schlacht wurde durch die Schlachtkreuzer eröffnet, dann folgte das Artillerieduell der Linienschiffe. Schließlich suchten, als die Tagesschlacht keine Entscheidung gebracht hatte, die Torpedoboote und Zerstörer durch nächtliche Angriffe dem Gegner entscheidende Verluste beizubringen.
Um 15.30 Uhr sichteten die Aufklärungskräfte beider Flotten einander und teilten sofort den unmittelbar hinter ihnen stehenden Schlachtkreuzern Distanz und Peilung zur Annäherung an den Gegner mit. Während die Hauptkräfte noch rund fünfzig Seemeilen entfernt waren, näherten sich die beiden Schlachtkreuzer schnell.
Bild 1: Höhepunkt der Schlacht. Einschläge bei den englischen Schlachtkreuzern.
Das britische Geschwader bestand aus sechs Schlachtkreuzern. Während das Deutsche aus fünf bestand.
Als sich beide Geschwader sichteten, drehten die britischen Schlachtkreuzer mit Süd Kurs auf die deutschen Schiffe zu.
Die deutschen Schlachtkreuzer gingen auf Parallelkurs an die britischen Schiffe heran und eröffneten um 16.48 Uhr das Feuer.
Es war der Versuch die britischen Schlachtkreuzer und mit ihnen die britische Flotte auf die deutschen Hauptkräfte zu ziehen.
Durch die Einführung des V. britischen Schlachtgeschwaders in den Kampf, das aus den vier neusten Schlachtschiffen der Queen-Elizabeth-Klasse bestand, kam es nicht zur Verwirklichung der deutschen Absicht.
Ein gegenseitiger Torpedoangriff zur Entlastung der eigenen Linien verlief auf beiden Seiten ergebnislos.
Um 17.30 Uhr sichteten die Engländer die deutschen Hauptkräfte. Sie versuchten nun auf Gegenkurs zu gehen, um die deutsche Flotte auf die britischen Hauptkräfte zu ziehen.
Bild 2: Die Seeschlacht vor dem Skagerrak (31. Mai 1916). Der letzte Kampfabschnitt der Tagesschlacht. Die englischen Schiffe waren im Abenddunst unsichtbar, die deutschen hoben sich gegen den hellen westlichen Abendhimmel scharf ab. Zweite Gefechtskehrtwendung der Hochseeflotte. Panzerkreuzer und Torpedoboote: „Ran an den Feind!“ Die Engländer drehten vor den anlaufenden Torpedos ab, die Gefechtsverbindungen der beiden Flotten riss dadurch ab.
Den Schlachtkreuzern folgend, ging auch das V. britische Schlachtgeschwader auf Gegenkurs.
Um den errungenen Vorteil auszunutzen, folgten die deutschen Schiffe und setzten den Kampf fort, bis plötzlich, völlig überraschend im Osten, das britische Gros gemeldet wurde.
Ohne diese Meldung zu kontrollieren, lösten sich die deutschen Schlachtkreuzer aus dem Gefecht und setzten sich an die Spitze der inzwischen aufdampfenden eigenen Hauptkräfte.
Damit endete das Eröffnungsgefecht der Schlachtkreuzer.
Die britische Flotte verlor in diesem Gefecht zwei Schlachtkreuzer, während der deutsche Verband keinen Totalverlust hatte.
Bild 3: Der britische Schlachtkreuzer „Queen Mary“ flog in der Skagerrakschlacht am 31.05.1916 um 16.23 Uhr in die Luft.
Die von den deutschen Kreuzern gemeldete Spitze des britischen Gros waren in Wirklichkeit drei britische Schlachtkreuzer, die durch einen Navigationsfehler zu weit östlich standen. Diesen Fehler bezahlten sie mit dem Verlust eines Großkampfschiffes.
Die Spitze des deutschen Gros griff die drei Schlachtschiffe an und versenkte eins.
Die britischen Hauptkräfte erschienen erst kurz vor 19.00 Uhr auf dem Schlachtfeld.
Hatten die deutschen Schiffe bis dahin eine überlegene Feuerkraft bewiesen, so zeigte die britischen jetzt das bessere Manöver.
Als der britische Flottenchef, die notwendige Übersicht erlangt hatte, drehte er, gut vor sich, der deutschen Linie stehend, zum Passiergefecht auf Nordostkurs, gleichzeitig seine vierundzwanzig Schlachtschiffe zur Kiellinie ordnend. Den Abschluss der Linie bildete das bereits am Schlachtkreuzer Gefecht beteiligte V. Geschwader mit den vier Schlachtschiffen der Queen-Elizabeth-Klasse.
Bild 4: Die brennende „Seydlitz“ nach dem Gefecht an der Doggerbank am 24. Januar 1915.
Die Schlachtkreuzer, die sich von den Deutschen gelöst hatten, fuhren an der sich bildenden Linie der Schlachtschiffe vorbei und setzten sich an deren Spitze.
Schon um 19.15 Uhr war die Spitze der deutschen Linie umfasst.
Die britische Flotte hatte fast klassisch den „Querstrich über das T“ gezogen und beschoss in einer taktisch außerordentlich günstigen Schlachtordnung mit ihrer gesamten Feuerkraft rund zehn deutsche Schiffe an der Spitze der Kiellinie.
Um der sich anbahnenden Katastrophe für seine Schiffe, die im Feuer von über dreihundert schweren Geschützen lagen, zu entgehen, befahl der deutsche Flottenchef, um 19.33 Uhr eine „Kehrtwendung zugleich“ für seine ganze Linie.
Dieses Manöver wurde unterstützt durch einen Angriff aller vorhandenen deutschen Torpedoboote auf die gegnerische Linie, der die britischen Schiffe in Unruhe versetzte, sowie durch das gleichzeitige Legen von Nebelwänden.
Bild 5: Die Seeschlacht vor dem Skagerrak. Der englische Schlachtkreuzer „Invincible“, der in ungeheurer Explosion mit seiner Besatzung von über 1.000 Mann in die Luft flog.
Da der britische Flottenchef zögerte, den deutschen Schiffen zu folgen, hatte dieses exakt ausgeführte schwierige Manöver der deutschen Linie Erfolg.
Die Gefechtsfühlung ging verloren.
Diese erste Gefechtskehrtwendung war damit ein voller taktischer Erfolg der deutschen Linie.
Doch statt den Kampf in einer günstigeren taktische Lage wiederaufzunehmen, kam der Befehl um 19.50 Uhr zu einer erneuten Kehrtwendung der deutschen Schiffe.
Die deutschen Schiffe zogen sich damit freiwillig zurück in die britische Umklammerung, ohne dass der Gegner überhaupt ein Manöver einleiten musste. Sie gerieten dabei in das konzentrierte Feuer der gesamten britischen Flotte.
Das einzige Ergebnis dieses Manöver war, dass um 20.27 Uhr die deutsche Linie erneut eine Kehrtwendung machte, um der Feuerhölle der britischen Linie zu entrinnen.
Bild 6: Deutsches Kriegsschiff des Ersten Weltkrieges.
Waren beim ersten Mal nur die Torpedoboote zur Deckung dieses Manövers vorgeschickt worden, so mussten jetzt zusammen mit den Torpedobooten die Schlachtkreuzer bis auf die für sie tödliche Entfernung von nur sechs Kilometern an die britische Linie heran.
Die britischen Schiffe hatten den besonderen Befehl erhalten, vor den anlaufenden Torpedos der Torpedoboote abzudrehen, damit ging die Gechtsfühlung mit den deutschen Schiffen schnell verloren und auch der taktische Vorteil der britischen Aufstellung.
Die Lösung vom Gegner war gelungen.
Beim Nachtmarsch beider Flotten kreuzten sich die Kurse beider Verbände.
Dabei mussten die deutschen Schiffe zahlreiche Torpedoangriffe britischer Zerstörer abwehren.
Bild 7: Schlachtkreuzer „Seydlitz“ im Wilhelmshavener Dock nach der Skagerrakschlacht. Das Vorschiff des schwerbeschädigten Schlachtkreuzers war unter Wasser, sodass das Schiff zwei Tage lang über den Achtersteven (also rückwärts) fahren musste, bis es in den Hafen einlaufen konnte.
Während die deutschen Torpedoboote mit ihren Angriffen ins Leere stießen.
Dadurch hatte die deutsche Flotte im Unterschied zur Tageschlacht in der Nacht größere Verluste als die britische.
Am nächsten Tag strebte weder die britische noch die deutsche Seite nach der Fortsetzung der Schlacht.
Beide Flottenchefs entschlossen sich zur Rückkehr in die Stützpunkte, jeder davon überzeugt, einen Sieg über den Gegner errungen zu haben.
Die Skagerrakschlacht endete am 01. Juni 1916.
Die britische Flotte war zwar zahlenmäßig überlegen gewesen, aber die Deutschen zeigten eine überlegene Taktik und Disziplin in der Nahkampfphase.
Die deutschen Schlachtkreuzer erhielten teilweise zwanzig Artillerietreffer und blieben im Gefecht, während die drei vernichteten britischen Schlachtkreuzer bereits mit fünf Volltreffern versenkt wurden.
Britische Verluste: 3 Linienschiffe, 3 Schlachtkreuzer, 8 Zerstörer mit einer Gesamttonnage von 115.025 Tonnen sowie 6.004 Gefallene und 177 Gefangene.
Deutsche Verluste: 1 Linienschiff, 1 Schlachtkreuzer, 4 Kreuzer und 5 Torpedoboote mit einer Gesamttonnage von 61.180 Tonnen sowie 2.551 Gefallene.
Taktisch gesehen behaupteten beide Seiten, die Schlacht gewonnen zu haben.
Die Briten hatten die strategische Oberhand, weil die deutsche Flotte sich zurückzog und die britische Blockade weiter bestand.
Die Deutschen hingegen feierten einen taktischen Erfolg, da sie in der Schlacht weniger Verluste erlitten hatten, und einigen ihrer Schlachtkreuzer gelang es, schwerbeschädigte britische Schiffe zu versenken.
Am Vormittag, des 01. Juni lief die deutsche Flotte in der Jade-Mündung ein, um im Heimathafen Wilhelmshaven die Schäden auszubessern.
Bild 8: Diese deutsche Propagandapostkarte feierte den „Sieg“ in der Skagerrakschlacht.
Eine Gruppe kleiner Kreuzer bezog sofort auf Schilligreede Vorposten, während das Gros der Flotte jadeaufwärts dem Heimathafen zu strebte.
Die Toten und Verwundeten befanden sich an Bord eines Lazarettschiffes.
Jedes Schiff der Vorpostengruppe besserte notdürftig die Beschädigungen aus, und schon begann wieder der regelmäßige Dienst sein Recht zu fordern.
Zuerst kamen einige Gruppen Torpedoboote herein.
Dann folgte als einer der ersten Schlachtkreuzer die „Moltke“. Das Schiff lag sehr tief im Wasser, es hatte etwa 1.000 Tonnen Wasser im Schiff, das durch Einschläge unterhalb der Wasserlinie eingebrochen war.
Von den Linienschiffen kamen dann langsam und schwerfällig der „König“ und der „Große Kurfürst“ herein, beide lagen mit dem Bug sehr tief im Wasser.
An den weiteren Linienschiffen waren Beschädigungen kaum zu erkennen; einige Kreuzer waren etwas mehr zerzaust.
Im Großen und Ganzen machte die deutsche Flotte aber keineswegs den Eindruck, als ob sie gerade aus der größten aller Seeschlachten gekommen sei.
Dann nach einer längeren Pause und langsam wie ein alter, wundbedeckter Krieger kam der Schlachtkreuzer „Derfflinger“, heran.
Der war übel zugerichtet.
Es fehlten aber noch einige deutsche Schiffe.
Stundenspäter nahte in weiter Ferne ein Schiffszug, erst kaum erkennbar; dann aber war deutlich auszumachen ein kleiner Kreuzer, der ein großes Schiff, kaum wiedererkennbaren Schlachtkreuzer, langsam, aber sicher jadeaufwärts schleppte.
Das war die „Seydlitz“, die im Gefecht stets vorne stand und die, die meisten und schwersten Treffer der Schlacht erhalten hatte.
Der Schleppzug konnte seine Fahrt bald nicht mehr fortsetzen, der weitwunde und tief liegende Schlachtkreuzer kam bald auf Grund und konnte erst bei der nächsten Flut weiter geschleppt werden.
Aber auch dieses Schiff, so zerzaust es auch zunächst aussah, konnte nach etwa fünf bis sechs Monaten Reparatur wieder als vollständiges Schlachtschiff eingesetzt werden.
Verschiedene kleine Kreuzer und Torpedoboote liefen mit beinahe doppelter Besatzung ein.
Sie hatten die Besatzungen der gesunkenen deutschen Torpedoboote und einiger Kleiner Kreuzer im Laufe der Nacht aufgenommen, sodass der Mannschaftsverlust auf der deutschen Seite tatsächlich verhältnismäßig gering bleiben konnte.
Obwohl die Skagerrakschlacht strategisch keinen entscheidenden Sieg für eine der beiden Seiten brachte, hatte sie wichtige strategische Auswirkungen.
Die britische Marine behielt die Kontrolle über die Nordsee und damit über die Nachschubwege nach Großbritannien.
Das bedeutete aber auch, dass die englischen Schiffe weiterhin die Weltmeere beherrschten.
Die deutsche Hochseeflotte blieb zwar eine Bedrohung, war aber gezwungen, in ihren Häfen zu bleiben und vermehrt auf den U-Boot-Krieg zu setzen.
Die Kampfweise der neuen Seewaffe stand jedoch im Widerspruch zum internationalen Seerecht.
2.Eines Nachts erschienen einige deutsche Schlachtkreuzer in Begleitung von Torpedobootzerstörern und Minensuchern in dem Ostseegewässer vor Libau.
Während die Minensucher vorausfahren, um die zahlreich verankerten Minen unschädlich zu machen, dampften in einiger Entfernung die grauen Eisenkolosse hinterher.
Es war noch finstere Nacht und doppelt schwierig durch den starken Nebel, der jede Aussicht, selbst auf wenige Meter, behinderte.
Der Nebel, wäre er auch noch so dick, sollte kein Hindernis sein, um den Feind zu schlagen.
Die deutsche Infanterie stand zum Ausbooten bereit.
Gewehr bei Fuß.
An den schweren Geschützen harrten die Kanoniere auf den Befehl.
Alles war angriffs- und schussbereit, nur wusste niemand, wo der Feind stand, keiner kannte das Ziel der Geschosse.
Es mochte etwa drei Uhr morgens sein.
Bild 9: Deutsche Landungstruppen beim Einsatz gegen die Hafenstadt Libau (1917).
Ein schwacher rötlicher Schimmer erhellte am Horizont ein wenig den Himmel.
Der Nebel wallte nach wie vor über die dahin rauschenden Wellen der Wasseroberfläche.
Die Küste blieb unsichtbar, wie bisher.
Die Schlachtkreuzer schienen still zu stehen, wenigstens glitten sie, nur mit kam merklicher Kraft vorwärts.
Größere Torpedoboote kamen längsseits der Kreuzer und geschwind wurden die Infanteristen einer Kompanie, nach der anderen eingebootet.
Beladen stießen die schwarzen Torpedoboote ab und waren bald im alles verhüllenden Nebel verschwunden.
Scharfäugig blickten die Schiffsführer auf den Kommandobrücken nach dem nicht mehr fernen Gestade.
Nichts war zu erkennen!
Die Ostsee klatschte mit ihren grauen Wassern kräftig gegen die Schiffswände.
Ein Minensucher kehrte zurück und kam längsseits des Flaggschiffes.
Seine Meldung: „Die sorgfältig abgesuchte Küste ist frei von Minen.“
Der rötliche Schimmer am Himmel war größer geworden.
Der glühende Sonnenball war höher gestiegen und seine ersten hellen Strahlen durchdrangen den Nebel.
Gespensterhaft tauchten jetzt aus dem grauen Nebelmeer, zunächst noch in verzerrten Linien, sonderbare Gebäude auf.
Es war die noch schlummernde Stadt Libau, die bald aus ihrem festen Schlaf erwachen sollte.
Da, wo die immer höher und höher kommende Sonne ihre leuchtenden Strahlenlinien hinsendete, verschwanden die geisterhaften Nebelschwaden.
Auf der sanften Dünung konnte man jetzt bereits eine Anzahl schaukelnder schwarzer Boote mit der Fahrtrichtung zur Küste erkennen.
Noch waren sie einige Hundert Meter vom weißschimmernden Strand entfernt.
Es hatte auch den Anschein, als ob sie keine Eile hatten. Sie warteten ungeduldig auf die krachenden Schüsse der deutschen Schiffsartillerie, ehe sie zum Sturmangriff vorgingen.
Öde und verlassen lag der Strand da.
Bild 10: Blick auf den Hafen von Libau (1914).
Zahlreiche elegante Villen, die sich vereinzelt hinter zahlreichen Bäumen versteckten schienen nicht bewohnt zu sein.
Aufragende Speicher am Hafen lagen stumm da.
Als die deutschen Kampfschiffe, der Küste folgten, nach rechts wendeten, standen sie vor den beiden Molen, die den Hafen von Libau einsäumten.
Nun umfasste das Auge des Betrachters das schöne landschaftliche Bild einer interessanten Stadt.
Die Türme der Kirchen, die mächtigen Schornsteine der zahlreichen Fabriken, die großen Häusermassen.
Große Kauffahrerschiffe lagen im Hafen vor Anker, zahlreiche Schleppkähne, schwer beladen, harrten der Löschung. Segelboote und kleine Nachen lagen in buntem, malerischen Durcheinander und ahnten nicht, dass der Feind bald seine gewichtige Stimme erheben werde.
Die ganze Stadt Libau sollte jetzt mit einem Schlag wach werden.
Schmetterndes Krachen!
Schon rauschte die erste Granate hinüber und traf die Docks.
Furchtbar war die Explosion.
Im Nu brannte alles lichterloh.
Riesige Flammenzungen, in dunklen wallenden Wolken schossen gen Himmel.
Eine zweite und dritte, fünfte und zehnte Granate folgte, man konnte sie nicht mehr zählen.
Endlich hatte die russische Artillerie ihre Stimme gefunden.
Der Nebel war verflogen.
Bild 11: Beschießung der russischen Hafenstadt Libau durch den kleinen Kreuzer SMS „Augsburg“ am 02. August 1914.
Klar schien die Sonne und zeigte den aus tiefem Schlaf gerissenen Bewohnern der Stadt die vor dem Hafen kreuzenden deutschen Schlachtschiffe mit ihren drohenden Eisenrohren.
Die Schläfer waren erwacht und versuchten, sich zu wehren.
Doch alles war umsonst.
Unter dem schützenden Granatfeuer der deutschen Schiffsgeschütze war die Marineinfanterie inzwischen gelandet.
Mit lautem „Marsch, marsch, Hurra!“ erstürmten sie die sich ihr entgegenstellenden Hindernisse und die ihrem Vormarsch entgegenstellenden Befestigungen.
Verstärkungen rückten an.
Als jetzt in die Stadt Brandgranaten einschlugen, breitete sich die Panik rasend schnell unter den Bewohnern aus.
Alles wandte fliehend der brennenden Stadt den Rücken zu.
In wilder Flucht machten sich die russischen Behörden davon.
In Gefangenschaft wurden die nicht geflohenen Truppen abgeführt. Mit ihnen wanderten eroberte Geschütze und Maschinengewehre.
Die Bevölkerung verhielt sich ruhig und ging ihren Geschäften nach.
Im Verlaufe der weiteren Gefechtshandlungen wurde die Stadt Windau an der Ostseeküste von den Deutschen besetzt.
Die Stadt Mitau fiel, mit ihrer zahlreichen deutschen Bevölkerung nicht lange darauf in die Hände der Deutschen.
Nun hielt Deutschland von der Ostseeküste in einer ungeheuren befestigten Linie russisches Land im Besitz.
3.Im Jahre 1914 operierte das deutsche Ostasiengeschwader unter dem Kommando von Vizeadmiral Maximilian von Speer im Pazifik.
Die Briten waren entschlossen, dieses Geschwader zu neutralisieren, da es eine Bedrohung für ihre Schifffahrtsrouten darstellte.
Das britische Geschwader unter dem Kommando von Konteradmiral Sir Christopher Cradock erhielt den Befehl, das deutsche Geschwader zu suchen und zu vernichten.
Die britische Flotte, aus zwei gepanzerten Kreuzern, der HMS „gute Hoffnung“ und der HMS „Monmouth“, traf auf das deutsche Geschwader, das aus den Schlachtkreuzern SMS „Scharnhorst“ und SMS „Gneisenau“ sowie leichten Kreuzern bestand.
Die deutschen Schiffe waren modern und besser bewaffnet als die britischen Einheiten.
Die Schlacht bei Coronel erfolgte um 19.00 Uhr bei schwierigem Wetter.
Dank der besseren Reichweite und der Feuerkraft der deutschen Geschütze erreichten die Granaten die Briten auf einer größeren Entfernung.
Die HMS „gute Hoffnung“ und die HMS „Monmouth“ wurden schwer beschädigt und versanken in den Fluten.
Alle 1.600 Besatzungsmitglieder, darunter Admiral Cradock kamen ums Leben.
Die Schlacht bei Coronel war eine Niederlage für die englische Marine und eine der wenigen Gelegenheiten einer deutschen Flotte, den Sieg davon zu tragen.
Nach dem errungenen Sieg suchte das deutsche Ostasiengeschwader nach weiteren Angriffszielen.
Strahlend erhob sich die Morgensonne aus den kühlen Fluten des Süd-Atlantiks.
Das Meer war ruhig und still, scheinbar ohne jede Bewegung.
In der Ferne tauchten im Süden mehrere Schiffe auf, die in nördliche Richtung ihres Weges dahinzogen.
Es waren Kriegsschiffe; sie zogen in einer gewissen Ordnung dahin.
Auf ihren Weg lagen die Malwinen, die durch England den Argentiniern abgenommen und Falklandinseln benannt wurden.
Es war deswegen anzunehmen, dass es englische Kriegsschiffe waren.
Aber halt, was war das?
Flatterten da nicht im Morgenwind auf jedem der fünf Schiffe die deutsche Flagge?
Genau!
Deutsche Flaggen und ein deutsches Geschwader waren es.
Es waren die Kreuzer „Gneisenau“, „Scharnhorst“, „Leipzig“,
„Nürnberg“ und „Dresden“.
Doch woher kamen die deutschen Schiffe, und wohin wollten sie?
Bild 12: Das kaiserliche Ostasiengeschwader im Hafen von Valparaiso im November 1914, im Vordergrund chilenische Schiffe.
Fern aus den Gewässern Ostasiens, daher kamen sie.
Im August 1914, kurz nach dem Ausbruch des Krieges, vereinigte Admiral von Spee die fünf Schiffe seines Kreuzer-Geschwaders und nahm Kurs nach Osten.
Lang und beschwerlich war die Reise durch die unendlich erscheinende Wasserwüste des Pazifischen Ozeans.
Alle atmeten erfreut auf, als die Küste Chiles am Horizont auftauchte.
Die Freude sollte aber nicht allzu lange dauern. Es zeigte sich bald das bereits neue Schwierigkeiten und neue Gefahren auf die Besatzungen der deutschen Kreuzer lauerten.
Am 08. Dezember 1914 näherten sich von Spees Schiffe den Falklandinseln, ohne zu wissen, dass inzwischen ein starkes britisches Geschwader unter Vizeadmiral Doveton Sturdee dort stationiert war, das eigens dazu entsandt wurde, um die Deutschen aufzuspüren.
Die englischen Kriegsschiffe waren auf der Suche nach den deutschen Schiffen, um sie zu vernichten. So trafen am 01. November nicht weit von Coronel die feindlichen Schiffe nahe der chilenischen Küste aufeinander.
Es war schon spät am Nachmittag.
Ein kurzer Sturm wütete und wühlte das Meer auf. Hohe Wellenberge warfen Schiff und Besatzung hin und her.
Das war das rechte Wetter für die Nordseejungens!
Die Briten hatten eine überlegene Feuerkraft und die Schlachtkreuzer HMS „Invincible“ und HMS „Inflexible“, die sehr schnell waren.
Graf Spee zwang das deutsche Geschwader trotz tosenden Sturmes und stürmischen Wellenganges, zu Kampf.
Die drei größten englischen Schiffe, die am Gefecht teilnahmen, gingen schon nach kurzem Kampf mit Mann und Maus unter, die anderen entflohen im Dunkel der hereinbrechenden Nacht.
Und das deutsche Geschwader?
Es ging bald darauf im Hafen von Valparaiso vor Anker.
Nicht eines der Schiffe hatte einen Schaden erlitten.
