Der ewige Spießer von Ödön von Horváth - Textanalyse und Interpretation - Ödön von Horváth - E-Book

Der ewige Spießer von Ödön von Horváth - Textanalyse und Interpretation E-Book

Ödön von Horváth

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Beschreibung

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In diesem Band findest du alles, was du zur Vorbereitung auf Referat, Klausur, Abitur oder Matura benötigst – ohne das Buch komplett gelesen zu haben.

 

Alle wichtigen Infos zur Interpretation sowohl kurz (Kapitelzusammenfassungen) als auch ausführlich und klar strukturiert.

 

Inhalt:

- Schnellübersicht

- Autor: Leben und Werk

- ausführliche Inhaltsangabe

- Aufbau

- Personenkonstellationen

- Sachliche und sprachliche Erläuterungen

- Stil und Sprache

- Interpretationsansätze

- 6 Abituraufgaben mit Musterlösungen

NEU: exemplarische Schlüsselszenenanalysen

NEU: Lernskizzen zur schnellen Wiederholung

 

Layout:

- Randspalten mit Schlüsselbegriffen

- übersichtliche Schaubilder

NEU: vierfarbiges Layout

 

In seinem ersten Roman Der ewige Spießer charakterisiert Ödön von Horváth den modernen Typus des deutschen Spießers während der Weltwirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg.

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Seitenzahl: 157

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KÖNIGS ERLÄUTERUNGEN

Band 500

Textanalyse und Interpretation zu

Ödön von Horváth

Der ewige Spießer

Wolfgang Reitzammer

Alle erforderlichen Infos zur Analyse und Interpretation plus Musteraufgaben mit Lösungsansätzen

Zitierte Ausgabe: Horváth, Ödön von: Der ewige Spießer. In: Ders.: Gesammelte Werke. Kommentierte Werkausgabe in Einzelbänden, Band 12. Hrsg. v. Traugott Krischke unter Mitarbeit von Susanna Foral-Krischke. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 2001, 7. Aufl. 2019, S. 127–275.

Über den Autor dieser Erläuterung:Wolfgang Reitzammer, Studiendirektor a. D., Seminarleiter und -lehrer für das Fach Sozialkunde, unterrichtete zuletzt am Christian-Ernst-Gymnasium, Erlangen Deutsch, Sozialkunde und Geschichte; Schulbuchautor, Verfasser didaktischer Aufsätze, Tätigkeit als Herausgeber von Editionen im Literaturunterricht, Dozent für Deutsch und Sozialkunde an der Fachhochschule und an der Volkshochschule, Verantwortlicher des Kultur-Blogs www.cooltourist.de/

 

1. Auflage 2023

978-3-8044-7083-5

© 2023 by C. Bange Verlag GmbH, 96142 Hollfeld Alle Rechte vorbehalten! Titelabbildung: Ein 6-Zylinder-Kabriolett von Citroën 1929 © picture alliance / ullstein bild | Zander & Labisch

Hinweise zur Bedienung

Inhaltsverzeichnis Das Inhaltsverzeichnis ist vollständig mit dem Inhalt dieses Buches verknüpft. Tippen Sie auf einen Eintrag und Sie gelangen zum entsprechenden Inhalt.

 

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Inhaltsverzeichnis

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

2. Ödön von Horváth: Leben und Werk

2.1 Biografie

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Deutschland (Weimarer Republik)

Österreich (Erste Republik)

Italien, Frankreich, Spanien

2.3 Angaben und Erläuterungen zu wesentlichen Werken

3. Textanalyse und -Interpretation

3.1 Entstehung und Quellen

3.2 Inhaltsangabe

Erster Teil: Herr Kobler wird Paneuropäer

Zweiter Teil: Fräulein Pollinger wird praktisch

Dritter Teil: Herr Reithofer wird selbstlos

3.3 Aufbau

3.4 Personenkonstellation und Charakteristiken

Personencharakteristik

Die Hauptfiguren

Alfons Kobler

Anna Pollinger

(Eugen) Reithofer

Die Nebenfiguren

Rudolf Schmitz

Rigmor Erichsen

Herr Kastner

Harry Priegler

Margarethe Swoboda

Die (ehemalige) Hofopernsängerin

Frau Perzl

Graf Blanquez

Anna Pollingers Tante

Der Künstler Achner

Die Randfiguren

Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe

Anna Pollinger als zentrale und einzig tragische Figur

3.5 Sachliche und sprachliche Erläuterungen

3.6 Stil und Sprache

Erzählweise

Sprache

Sprachliche Mittel

3.7 Interpretationsansätze

Der Spießer: Annäherungen an einen (zeitlosen?) Typus

„Bildungsreise“ eines Ungebildeten

Kleine Geschichte der Dummheit von 1930 bis zur Gegenwart

Horváths Roman als Panorama des Mittelstands um 1930

Prostituierte, Wiesenbraut und Macho-Opfer: Horváths junge „Fräuleins“

3.8 Schlüsselstellenanalysen

4. Rezeptionsgeschichte

5. Materialien

Ödön von Horváth: Das Fräulein wird bekehrt (1929)

Michael Schneider: Eine Tragödie der Dummheit (1989)

6. Prüfungsaufgaben mit Musterlösungen

Aufgabe 1 **

Aufgabe 2 **

Aufgabe 3 **

Aufgabe 4 ***

Aufgabe 5**

Aufgabe  6 **

Lernskizzen und Schaubilder

Literatur

Zitierte Ausgabe

Weitere Ausgaben

Weitere Werke des Autors

Weitere Primärliteratur

Sekundärliteratur

1. Das Wichtigste auf einen Blick – Schnellübersicht

Damit sich Leser:innen in unserem Band rasch zurechtfinden und das für sie Interessante gleich entdecken, hier eine Übersicht:

 

Im 2. Kapitel wird Ödön von Horváths Leben und Werk kurz vorgestellt. Dazu wird auch der zeitgeschichtliche Hintergrund der Jahre 1928 bis 1931 erläutert.

Ödön von Horváth wurde 1901 geboren, wuchs in Belgrad, Budapest, München, Preßburg (heute: Bratislava) und Wien auf, wo er 1919 das Abitur erfolgreich ablegte. Als Student der Germanistik und Theaterwissenschaft in München begann er mit ersten literarischen Versuchen. Ab 1926 kam es zu Inszenierungen seiner ersten Theaterstücke, 1929 erhielt er einen Vertrag beim Ullstein-Verlag. In den Jahren 1931 und 1932 wurden seine bekannten Volksstücke in Berlin uraufgeführt. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich verlässt Horváth Wien. Am 1. Juni 1938 stirbt er in Paris, weil er während eines Gewitters von einem herabstürzenden Ast getroffen wurde.

Der Roman Der ewige Spießer spielt am Ende der 1920er Jahre in München. Diese Zeit ist geprägt durch die Weltwirtschaftskrise, die in Deutschland durch hohe Arbeitslosigkeit, Unternehmens-Insolvenzen und Einbrüche am Aktienmarkt spürbar war. Außerdem entwickelte sich eine zunehmende innenpolitische Radikalisierung, und es begannen heftige Auseinandersetzungen zwischen kommunistischen und rechtsradikalen Gruppierungen. In Spanien, Italien und Österreich war die demokratische Ordnung durch rechtsradikale und faschistische Bewegungen schon außer Kraft gesetzt oder in Gefahr.

Andere bekannte literarische Werke von Ödön von Horváth sind die Theaterstücke Geschichten aus dem Wiener Wald (1931), Kasimir und Karoline (1932) und Glaube Liebe Hoffnung (1933, UA 1936) sowie der Roman Jugend ohne Gott (1937).

Im 3. Kapitel wird eine Textanalyse und -interpretation geboten.

Der ewige Spießer – Entstehung und Quellen

Der Roman ist in den Jahren 1928 bis 1930 entstanden. Schon in früheren Prosaarbeiten hat sich Ödön von Horváth mit dem Kleinbürgertum und mit der Rolle der Frau beschäftigt. Der Roman wurde Ende 1930 im Propyläen-Verlag (einem Sub-Label des Ullstein Verlags in Berlin) veröffentlicht.

Inhalt:

Im ersten und gleichzeitig längsten Teil des Romans steht Alfons Kobler im Mittelpunkt. Der unseriöse Münchner Autohändler hat mit einem minderwertigen Cabriolet ein gutes Geschäft gemacht und startet nun von seinem Gewinn eine Bahnreise zur Weltausstellung in Barcelona. Dabei durchfährt er Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und Spanien, er lernt verschiedene Mitreisende kennen. Sein Ziel, dabei eine reiche Touristin zu erobern, scheitert jedoch, und er macht sich frustriert wieder auf den Rückweg.

Der zweite Teil schildert das Schicksal des Fräuleins Anna Pollinger, die als Sekretärin in einer Kfz-Vermietung im September 1929 arbeitslos wird. Aus finanzieller Not sieht sie sich gezwungen, als Aktmodell und später sogar als Prostituierte Geld zu verdienen.

Im dritten Teil lernt Anna Pollinger den ebenfalls arbeitslosen Eugen Reithofer kennen, der von ihrem Nebenerwerb zunächst abgestoßen ist, ihr dann aber doch selbstlos zu einer Stelle als Schneiderin verhilft.

Chronologie und Schauplätze:

Der Roman hat drei unterschiedlich lange Teile. Teil 1 enthält 26 Unterkapitel, Teil 2 nur elf und Teil 3 gerade noch sechs. Der Zeitraum des Romans erstreckt sich von Mitte September bis Anfang November 1929. Schauplatz ist die Innenstadt von München, dazu kommen im ersten Teil die Stationen von Koblers Bahnreise von München über Mailand und Marseille bis Barcelona und im zweiten Teil ein Ausflug an den Starnberger See.

Personen:

Die Hauptpersonen sind:

Alfons Kobler

ist 27 Jahre alt, war ein windiger Autoverkäufer bei der Firma Gebrüder Bär, macht sich dann aber selbstständig.

Er lässt sich von einer deutlich älteren ehemaligen Hofopernsängerin finanziell aushalten und wohnt bei der Arztwitwe Perzl zur Untermiete.

Mit dem Erlös aus einem Autoverkauf startet er eine Reise zur Weltausstellung nach Barcelona.

Anna Pollinger

etwa 21 Jahre alt, war Sekretärin bei der Kraftwagenvermietung „National“ und wird nach der Liquidation dieser Firma arbeitslos.

Aus finanzieller Not und auf Ratschlag ihres Zimmernachbarn Herrn Kastner verdingt sie sich als Aktmodell und Prostituierte auf der Straße.

Eugen Reithofer

Der Mittdreißiger ist ein arbeitsloser Kellner aus Österreich, der auf dem Arbeitsamt Anna Pollinger kennenlernt.

Obwohl er sich von der Prostituierten getäuscht fühlt, hilft er ihr bei der Erlangung eines Arbeitsplatzes als Schneiderin.

Rudolf Schmitz

Der Endfünfziger fährt als österreichischer Journalist im Auftrag mehrerer Zeitungen zur Weltausstellung nach Barcelona.

Im Zug lernt er Alfons Kobler kennen, den er durch sein umfassendes Allgemeinwissen beeindruckt.

Rigmor Erichsen

Die junge Frau ist die Tochter eines Großindustriellen aus Duisburg.

Auf der Bahnfahrt nach Barcelona trifft sie Kobler und Schmitz im Abteil und verbringt mit den beiden ein paar Tage auf der Weltausstellung.

Koblers Hoffnung auf eine ertragreiche Liaison kann sie jedoch trotz einer gemeinsam verbrachten Nacht nicht erfüllen, da sie bereits mit einem amerikanischen Geschäftsmann verlobt ist.

Herr Kastner

Ein Mann mittleren Alters, der ebenfalls in Untermiete bei Anna Pollingers Tante wohnt.

Er hat es – ohne Erfolg – auf Anna abgesehen, vermittelt ihr den Job als Aktmodell und gibt ihr, wohl mit Hintergedanken, die Empfehlung, ihre Weiblichkeit „praktisch“ zu nutzen, sprich, ihren Körper zu verkaufen.

Harry Priegler

Priegler ist ein junger, gutaussehender und finanziell offensichtlich gut ausgestatteter Eishockeyspieler, der bei Frauen bestens ankommt.

Er lädt Anna mit seinem Sportwagen zu einer Spritztour an den Starnberger See ein und erwartet auf der Rückfahrt eine sexuelle Gegenleistung.

 

Die Personenkonstellation muss infolge der Dreiteilung des Romans differenziert betrachtet werden. Nur Anna Pollinger kommt in allen drei Teilen vor, während Alfons Kobler nur im ersten Teil und Eugen Reithofer nur im dritten Teil die Hauptrolle spielt.

Stil und Sprache Ödön von Horváths:

Der Roman ist in einem normal- bis umgangssprachlichen Ton geschrieben, eine gewisse Nähe zum großstädtischen oberbayerischen Dialekt ist immer wieder erkennbar. Der Satzbau ist recht einfach gehalten. Die wörtlichen Reden der Personen sollen oft deren Unlogik und deren mangelndes Bildungsniveau verdeutlichen; hinzu kommt der die Figuren entlarvende Einsatz von Phrasen.

Verschiedene Interpretationsansätze bieten sich an:

Wie der Titel schon andeutet, geht es um eine Typologie des Spießers vor dem Hintergrund einer politisch und wirtschaftlich krisenhaften Zeit in Deutschland. Gleichzeitig scheint es sinnvoll, die weitere Entwicklung des abwertenden Begriffs „Spießer“ bis in die Gegenwart zu analysieren.

Die Reise von Alfons Kobler von München nach Barcelona erinnert an das Motiv einer klassischen Bildungsreise. Hier ist allerdings ein definitiv Ungebildeter unterwegs, der mit der Reise ganz andere, nämlich handfest materielle und hedonistische Interessen verbindet.

Ein zentrales Motiv bei Horváth ist die Dummheit, die sich in der Sprache und im Verhalten seiner Personen manifestiert und die der Lächerlichkeit preisgegeben wird.

Der Roman kann auch als soziologische Studie verstanden werden, als ein Panorama des Mittelstandes und des Kleinbürgertums während der Weltwirtschaftskrise.

Ein anderer Typus, der bei Horváth eine wichtige Rolle spielt, ist das junge „Fräulein“. In einer von Männern dominierten Gesellschaft mit autoritären Strukturen werden diese Figuren in seinen Dramen und Romanen zu Opfern der Verhältnisse.

2. Ödön von Horváth: Leben und Werk

2.1 Biografie

Ödön von Horváth

© picture-alliance / dpa | Bifab

JAHR

ORT

EREIGNIS

ALTER

1901

Susak bei Fiume

Als erster Sohn des ungarischen Diplomaten Dr. Ödön Josef von Horváth (ab 1909 in den Adelsstand erhoben) und seiner Ehefrau Marie Hermine, geb. Prehnal, kommt Ödön (= Edmund) Jusip von Horváth am 9. Dezember in Susak, einem Vorort von Fiume, dem heutigen Rijeka (Kroatien), zur Welt.

 

1902

Belgrad, Budapest

Übersiedlung der Familie nach Belgrad

1

1903

Belgrad

Geburt des Bruders Lajos

 

2

1908

Budapest

Übersiedlung der Familie nach Budapest, Ödön erhält ersten Privat-Unterricht in ungarischer Sprache.

7

1909

München

Versetzung des Vaters und Umzug der Eltern nach München. Ödön bleibt vorerst in Budapest und besucht das erzbischöfliche Internat und Gymnasium „Rákóczianum“.

8

1913

München

Umzug nach München zu seinen Eltern. Besuch zweier Gymnasien: Kaiser-Wilhelm-Gymnasium (3. Klasse) und Realgymnasium in der Klenzestraße

12

1916

Preßburg

Übersiedlung der Familie nach Preßburg (heute: Bratislava). Besuch der Oberrealschule in Preßburg; früheste erhaltene literarische Versuche.

15

1918

Budapest

Umzug der Familie nach Budapest

17

1919

Wien, München

Ödön lebt bei seinem Onkel Josef Prenahl und schafft die Matura (= Abitur) am Privatgymnasium der Salvatorianer in Wien. Danach immatrikuliert er sich an der Ludwig-Maximilians-Universität in München für die Fächer Germanistik, Theaterwissenschaft und Psychologie.

18

1920

München

Kontakt zu dem Komponisten Siegfried Kallenberg (1867–1944). Arbeit an der Ballettpantomime Das Buch der Tänze.

19

1922

München

Das Buch der Tänze wird in München aufgeführt und im Schahin Verlag veröffentlicht.

21

1923

München, Murnau

Umzug zu den Eltern nach Murnau am Staffelsee. Intensive schriftstellerische Arbeit (z. B. das Stück Mord in der Mohrengasse), gleichzeitig Beendigung des Studiums ohne Abschluss.

22

1924

Berlin, Paris

Umzug nach Berlin. Parisreise. In der Satirezeitschrift Simplicissimus erscheinen Horváths Sportmärchen.

23

1926

Berlin

Drei Stücke von Horváth werden aufgeführt: Das Buch der Tänze in Osnabrück, Revolte auf Côte 3018 in Hamburg und Die Bergbahn in Berlin. Das Stück Sladek, der schwarze Reichswehrmann entsteht und bedeutet für Horváth den literarischen Durchbruch. Vertrag mit dem Ullstein-Verlag in Berlin

25

1930

Berlin

Horváths erster Roman Der ewige Spießer erscheint. Abschluss der Arbeiten an den Volksstücken Italienische Nacht und Geschichten aus dem Wiener Wald.

29

1931

Berlin

Uraufführung des Stückes Die italienische Nacht am 20. März in Berlin. Horváth wird als Zeuge zu einer von den Nationalsozialisten provozierten Saalschlacht in seinem Wohnort Murnau vernommen und wegen seiner Aussage von NSDAP-Zeitungen heftig angegriffen. Kleist-Preis (zusammen mit Erich Reger) auf Vorschlag von Carl Zuckmayer, Beginn der Freundschaft zwischen Zuckmayer und Horváth. Uraufführung der Geschichten aus dem Wiener Wald am Deutschen Theater in Berlin (2. November) Erstausgabe der Geschichten aus dem Wiener Wald erscheint im Berliner Propyläen-Verlag.

30

1932

Berlin

Uraufführung des Volksstückes Kasimir und Karoline in Leipzig, Arbeit an dem Stück Glaube Liebe Hoffnung

31

1933

Wien

Umzug nach Wien. Beendigung der Arbeit an Die Unbekannte auf der Seine und Hin und her.

32

Budapest

Umzug nach Budapest, um die ungarische Staatsbürgerschaft behalten zu können. Heirat mit der jüdischen Opernsängerin Maria Elsner (1905–1983).

Murnau

Das Haus der Eltern in Murnau wird von der SA durchsucht.

München

Horváths Bücher werden in München verbrannt. Die Nationalsozialisten verhindern die Uraufführung von Kasimir und Karoline, und auch geplante Aufführungen anderer Stücke wie Glaube Liebe Hoffnung finden nicht mehr statt.

1934

Berlin

Rückkehr nach Berlin. Veröffentlichung des Stücks Himmelwärts,

33

Zürich

Uraufführung von Hin und her in Zürich, Entstehung des Dramenfragments Der Lenz ist da.

1935

Wien

Umzug nach Wien, Verschlechterung der finanziellen Situation wegen der Auflösung des Vertrags mit dem Ullstein-Verlag. Uraufführung von Mit dem Kopf durch die Wand in Wien. Unter dem Pseudonym H. W. Becker arbeitet Horváth als (Co-)Autor für Filmdrehbücher.

34

1936

Salzburg

Umzug nach Henndorf bei Salzburg. Fertigstellung der Stücke Don Juan kommt aus dem Krieg, Ein Dorf ohne Männer, Der jüngste Tag; Glaube Liebe Hoffnung und Figaro lässt sich scheiden. Treffen mit Carl Zuckmayer, Franz Werfel und Franz Theodor Csokor in Wien.

35

Wien

Uraufführung von Glaube Liebe Hoffnung in Wien.

1937

 

Der Roman Jugend ohne Gott erscheint in Amsterdam und wird in acht Sprachen übersetzt. Scheidung von Maria Elsner.

36

1938

 

Der Roman Ein Kind unserer Zeit erscheint in Amsterdam und New York.

37

Wien

Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich (sog. „Anschluss Österreichs“)

Budapest

verlässt Horváth Wien und geht nach Budapest;

Prag

von dort reist er nach Prag und von dort über Jugoslawien, Triest, Venedig, Mailand, Zürich und Amsterdam nach Paris.

Paris

Hier steht Horváth in Verbindung mit dem amerikanischen Regisseur Robert Siodmak (1900–1973) wegen der Verfilmung von Jugend ohne Gott. Horváth wird am 1. Juni während eines Gewitters auf den Champs-Élysées von einem herabstürzenden Ast getötet und am 7. Juni auf dem Friedhof St. Quen in Paris bestattet.

2.2 Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Zusammenfassung

Ödön von Horváths Roman spielt im Jahr 1929 (September bis November) vor allem in München.

Sein zeitgeschichtlicher Hintergrund setzt sich zusammen aus Folgen der deutschen Kriegsniederlage 1918 wie den Vorbehalten gegenüber der Weimarer Republik in weiten Bevölkerungskreisen, der wachsenden politischen Radikalisierung in beide Richtungen, dem zunehmenden Antisemitismus sowie der beginnenden Weltwirtschaftskrise infolge des Börsencrashs in New York im Oktober 1929.

Alfons Koblers Bahnreise führt ihn von München durch Österreich, Italien und Frankreich nach Spanien. Es bietet sich also an, den zeitgeschichtlichen Hintergrund vornehmlich der Jahre 1927 bis 1933 auch in Bezug auf die genannten Schauplätze in den Blick zu nehmen.

Deutschland (Weimarer Republik)

Der Erste Weltkrieg endete 1918 für das Deutsche Reich mit einer militärischen Niederlage, die zu gravierenden territorialen und staatlichen Veränderungen führte. Im Versailler Vertrag mussten massive Gebietsabtretungen akzeptiert werden. Schon am 9. November 1918 musste Kaiser Wilhelm II. als letzter Amtsträger der Hohenzollern-Dynastie aufgrund des Drucks aus der Bevölkerung, aus der Armee und aus dem Parlament seinen Rücktritt erklären. In einer öffentlichen Erklärung gab der amtierende Reichskanzler Prinz Max von Baden bekannt:

„Seine Majestät der Kaiser und König haben sich entschlossen, dem Throne zu entsagen (…) Es ist beabsichtigt, dem Regenten die Ernennung des Abgeordneten Ebert zum Reichskanzler und die Vorlage eines Gesetzesentwurfes wegen der Ausschreibung allgemeiner Wahlen für eine verfassunggebende deutsche Nationalversammlung vorzuschlagen, der es obliegen würde, die künftige Staatsform des deutschen Volkes, einschließlich der Volksteile, die ihren Eintritt in die Reichsgrenzen wünschen sollten, endgültig festzustellen.“[1]

Noch am selben Tag erklärte der SPD-Abgeordnete Philipp Scheidemann Deutschland zur Republik:

„Das deutsche Volk hat auf der ganzen Linie gesiegt. Das alte Morsche ist zusammengebrochen; der Militarismus ist erledigt! Die Hohenzollern haben abgedankt! Es lebe die deutsche Republik! Der Abgeordnete Ebert ist zum Reichskanzler ausgerufen worden. Ebert ist damit beauftragt worden, eine neue Regierung zusammenzustellen. Dieser Regierung werden alle sozialistischen Parteien angehören. Jetzt besteht unsere Aufgabe darin, diesen glänzenden Sieg des deutschen Volkes nicht beschmutzen zu lassen (…) Sorgen Sie dafür, dass die neue deutsche Republik, die wir errichten werden, nicht durch irgendetwas gefährdet werde! Es lebe die deutsche Republik!“[2]

Nach Überwindung der Inflationszeit kam es in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre zu einigen Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs, bis auch Deutschland 1929 von der Weltwirtschaftskrise erfasst wurde, die ihr augenscheinliches Symbol im Schwarzen Freitag, dem dramatischen Kurssturz am 25. Oktober 1929 an der New Yorker Börse, erlebte. Es handelte sich im Kern um eine Überproduktions- und Absatzkrise, die – ausgehend von den USA – weltweit zu spüren war. Diese Krise führte in Deutschland zu Konkursen und Insolvenzen, zu einem Teufelskreis aus sich verringernder Kaufkraft, zurückgehender Nachfrage, sinkender Produktion und drastisch ansteigender Kurzarbeit sowie Arbeitslosigkeit. Im Januar 1929 überschritt die Arbeitslosenzahl in Deutschland die Marke von zwei Millionen, am Ende des Monats Februar waren es schon ca. 3,2 Millionen. 1927 hatte der Reichstag ein Gesetz beschlossen, das eine Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung in Berlin installierte. Diese Behörde benötigte nun massiv steigende staatliche Zuzahlungen, was zu einem immensen Haushaltsdefizit führte. Die seit Juni 1928 regierende Große Koalition aus SPD, Zentrum, DDP, BVP und DVP unter dem Kanzler Hermann Müller (SPD) suchte vergeblich nach Auswegen aus dem Dilemma (Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern erhöhen oder Leistungen für Arbeitslose kürzen?). Ein Kompromissvorschlag des Zentrum-Fraktionsvorsitzenden Heinrich Brüning scheiterte am 27. 3. 1930, so blieb dem Kabinett Müller nur der Rücktritt. Schon drei Tage später ernannte Reichspräsident Hindenburg Heinrich Brüning zum neuen Reichskanzler eines sogenannten Präsidialkabinetts.

Die Wirtschaftskrise wirkte sich in Deutschland auch in Form einer politischen Radikalisierung aus. War nach den Wahlergebnissen vom 20. Mai 1928 noch eine Große Koalition von Parteien der Mitte möglich gewesen, schied diese Option durch die Stimmengewinne der NSDAP und der KPD