Der griechische Dolmetscher - Sir Arthur Conan Doyle - E-Book

Der griechische Dolmetscher E-Book

Sir Arthur Conan Doyle

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Beschreibung

Worum genau geht es, als Der griechische Dolmetscher in ein leeres Haus geschafft wird, um bei einem Entführungsfall zu übersetzen? Als Sherlock Holmes' eigentlich so scharfsinniger Bruder Mycroft von dem griechischen Dolmetscher in seinem Herrenclub diese sonderbare Geschichte erfährt, ist er auf die Kombinationsgabe seines Bruders angewiesen ist. Doch dann wird der Dolmetscher ein zweites Mal von den Entführern abgeholt...-

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Seitenzahl: 34

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Arthur Conan Doyle

Der griechische Dolmetscher

Saga

Der griechische Dolmetscher ÜbersetztR. Lautenbach, Adolf Gleiner Copyright © 1893, 2019 Arthur Conan Doyle und SAGA Egmont All rights reserved ISBN: 9788726372175

1. Ebook-Auflage, 2019

Format: EPUB 2.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit Zustimmung von SAGA Egmont gestattet.

SAGA Egmont www.saga-books.com und Lindhardt og Ringhof www.lrforlag.dk

– a part of Egmont www.egmont.com

Der griechische Dolmetscher.

Während meiner langen und innigen. Bekanntschaft mit Sherlock Holmes hatte ich ihn höchst selten auf seine Verwandten Bezug nehmen hören und kaum jemals auf seine eigene Jugend. Dieser Mangel an Mitteilsamkeit hatte den über das allgemein Menschliche hinausgehenden Eindruck, den er auf mich machte, noch gesteigert, und er erschien mir manchmal als einsamer Fels im Meer, als Verstandsmensch ohne Herz, ebenso bar menschlicher Sympathie wie hervorragend durch seine Intelligenz. Seine Abneigung gegen das weibliche Geschlecht und gegen die Anknüpfung neuer Freundschaftsbande war bezeichnend für seinen etwas ungemütlichen Charakter, nicht minder bezeichnend dafür war aber diese geflissentliche Unterlassung der Bezugnahme auf Verwandte. Da überraschte er mich eines Tages umsomehr, als er anfing, mir ausführlicher von seinem Bruder zu erzählen.

Es war an einem Sommerabend nach dem Tee, und die Unterhaltung, die sich sprunghaft bewegt hatte von den Golfklubs zu den Ursachen der Veränderung in der schrägen Stellung der Ekliptik, kam schliesslich auf die Frage des Atavismus und der hereditären Anpassung.

Wir sprachen gerade darüber, wie weit eine besondere Gabe eines Individuums der Abstammung zuzuschreiben sei und wie weit der eigenen Ausbildung.

„In deinem eigenen Falle,“ sagte ich, „scheint es mir nach allem, was du mir erzählt hast, ganz klar, dass dein Beobachtungsvermögen und deine eigentümliche Fähigkeit, Schlüsse zu ziehen, nur deiner eigenen systematischen Uebung zu danken sind.“

„In gewissem Grade,“ sagte er nachdenklich. „Meine Vorfahren waren Landedelleute, die, wie es scheint, ganz das Leben geführt haben, wie es in ihrem Stande üblich ist. Nichtsdestoweniger liegt mir die Richtung, die ich genommen habe, im Blute, und es mag sein, sie rührt von meiner Grossmutter her, die eine Schwester des französischen Malers Vernet war. Künstlerblut kann sich in der allerverschiedensten Weise zum Ausdruck bringen.“

„Wie weisst du aber, dass Vererbung vorliegt?“

„Weil mein Bruder Mycroft die gleiche Gabe in höherem Grade besitzt als ich.“

Das war in der Tat etwas Neues für mich. Wenn es noch einen so eigentümlich veranlagten Mann in England gab, warum hatten weder Polizei noch Publikum etwas von ihm gehört? So fragte ich und fügte andeutend hinzu, es sei nur die Bescheidenheit meines Freundes, die ihn die Ueberlegenheit seines Bruders anerkennen lasse. Holmes lachte über diese Vermutung.

„Mein lieber. Watson,“ sagte er. „Ich protestiere dagegen, dass man die Bescheidenheit zu den Tugenden rechnet. Dem strengen Denker sollte alles genau so erscheinen, wie es in Wirklichkeit ist, und die Selbstunterschätzung ist ebenso eine Abweichung von der Wahrheit, wie die Uebertreibung des eigenen Könnens. Wenn ich also sage, Mycroft besitzt ein besseres Beobachtungsvermögen als ich, so kannst du ruhig annehmen, ich rede die genaue und buchstäbliche Wahrheit.“

„Ist er jünger als du?“

,,Sieben Jahre älter.“

„Wie kommt es, dass man ihn nicht kennt?“

„O, er ist in seinem eigenen Kreise sehr gut bekannt.“

„Wo also?“

„Nun, zum Beispiel im Diogenesklub.“

Ich hatte von diesem Verein noch nie etwas gehört, und das muss sich auf meinem Gesichte ausgedrückt haben, denn Sherlock Holmes zog seine Uhr und sagte:

„Der Diogenesklub ist der wunderlichste Klub in London, und Mycroft ist eines seiner wunderlichsten Mitglieder. Er hält sich dort regelmässig auf von dreiviertel fünf bis zwanzig Minuten vor acht Uhr. Jetzt ist es sechs Uhr; wenn du also an diesem schönen Abende einen Spaziergang machen willst, so werde ich dich sehr gerne mit zwei Sehenswürdigkeiten bekannt machen.“

Nach fünf Minuten befanden wir uns auf der Strasse und wandten uns dem Regentenzirkus zu.

„Du wunderst dich,“ sagte mein Gefährte, „warum Mycroft seine Gaben nicht als Detektiv verwertet? Dazu ist er nicht imstande.“

„Aber ich dachte, du sagtest . . .“