Der große Krieg (Zusammengefasste Ausgabe) - Arthur Conan Doyle - E-Book

Der große Krieg (Zusammengefasste Ausgabe) E-Book

Arthur Conan Doyle

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Beschreibung

Der Große Krieg versammelt Frontbeobachtungen, strategische Skizzen und moralische Erwägungen, die Arthur Conan Doyle während des Ersten Weltkriegs formulierte. Vom Fieber der Mobilmachung bis zur Materialschlacht verfolgt der Text die Logik moderner Kriegsführung: Nachschub, Artillerie und Sanitätswesen. Doyles Prosa bleibt klar, sachlich und anschaulich; sie verbindet Faktentreue mit Miniaturen, in denen Soldaten, Stäbe und Zivilisten konturiert werden. Im literarischen Kontext zeitgenössischer Kriegsberichterstattung entwirft das Buch eine frühe Form populärer Militäranalyse. Der Autor, ausgebildeter Arzt und Schöpfer von Sherlock Holmes, hatte bereits im Burenkrieg als Chronist Erfahrung gesammelt und besuchte während des Weltkriegs mehrere Frontabschnitte. Empirischer Zugriff, didaktische Neigung und Pflichtgedanke prägen die Darstellung; zugleich hinterlassen persönliche Verluste und die Begegnung mit industriellem Töten Spuren der Irritation. Doyles Interesse an Technik und Verfahren – von Feldmedizin bis Nachrichtendienst – erklärt, warum er Ursachen, Mittel und Folgen des Konflikts mit beinahe forensischer Geduld ordnet. Empfohlen ist dieses Buch allen, die die Kultur- und Mentalitätsgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts verstehen wollen: Historikerinnen, Literaturwissenschaftler, politisch Interessierte – und Leser, die den Autor jenseits der Detektivfiktion kennenlernen möchten. Wer es mit kritischer Distanz liest, findet eine aufschlussreiche Quelle, die Zeitzeugenschaft, Argumentation und Stilkunst bündelt und zugleich die ethischen Ambivalenzen des Zeitalters offenlegt. Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar – destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Autorenbiografie · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Arthur Conan Doyle

Der große Krieg (Zusammengefasste Ausgabe)

Bereicherte Ausgabe. Frontberichte und Kriegsreportage aus britischer Perspektive: Westfront, Somme – Nachschub, Artillerie, Feldmedizin und ethische Ambivalenzen
Einführung, Studien, Kommentare und Zusammenfassung von Florian Schuster
Bearbeitet und veröffentlicht von Quickie Classics, 2026
EAN 8596547886129
Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar – destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Autorenbiografie · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Synopsis
Historischer Kontext
Autorenbiografie
Der Große Krieg
Analyse
Reflexion
Notizen

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Zwischen der kalten Mechanik des modernen Massenkriegs und dem beharrlichen Versuch, Sinn, Maß und Verantwortung inmitten des Lärms zu bewahren, entfaltet sich ein Spannungsfeld, das Arthur Conan Doyle in Der Große Krieg mit nüchterner Klarheit auslotet: die Reibung zwischen Fakten und Deutungen, zwischen strategischer Ordnung und menschlicher Verletzlichkeit, zwischen den großen Linien der Geschichte und den kleinen Bewegungen derer, die sie tragen, erleiden und erzählen, sodass jede Seite zugleich Protokoll und Prüfung wird, eine geduldige Vermessung des Geschehens, die die Leserinnen und Leser zur wachsamen Teilnahme und zum eigenen Urteil herausfordert.

Das Buch gehört zur historischen Sachliteratur und steht innerhalb von Doyles kriegsgeschichtlichen Arbeiten des frühen 20. Jahrhunderts. Es verlegt seinen Schauplatz in die Räume des militärischen Handelns: an Frontlinien und in die Entscheidungszimmer, über Versorgungswege und in das Hinterland, wo Strategie auf Alltag trifft. Anstelle eines Romans mit erfundenen Figuren bietet es eine chronistische Annäherung an reale Ereignisse und Strukturen. Die Darstellung richtet sich weniger auf Sensationen als auf Verständlichkeit: Wer, warum, wo und mit welchen Mitteln agiert, bildet den Rahmen, in dem sich die Rekonstruktion des Konflikts entfaltet und für Lesende nachvollziehbar wird.

Die Ausgangssituation wird als überschaubares Gefüge von Kräften, Absichten und Zwängen eröffnet: politische Auslöser, verfügbare Mittel, geographische Gegebenheiten und erste Bewegungen der Beteiligten. Doyles Stimme bleibt dabei sachlich und kontrolliert, ohne das menschliche Maß aus dem Blick zu verlieren. Sein Stil ist klar, rhythmisiert von präzisen Übergängen zwischen Überblick und Nahaufnahme; der Ton bleibt respektvoll gegenüber den Beteiligten, zugleich prüfend gegenüber Annahmen und Fehlurteilen. Das Leseerlebnis gleicht damit einer geführten Begehung des Terrains: verständliche Erklärungen, sparsame Wertungen, ein ruhiger, doch eindringlicher Takt, der die komplexe Materie zugänglich macht, ohne sie zu vereinfachen.

Zentrale Themen ziehen sich wie tragende Linien durch die Darstellung: die Spannung zwischen Technologie und Taktik, zwischen Planung und Zufall, zwischen Disziplin und Erschöpfung. Immer wieder geht es um Verantwortung – militärisch, politisch, moralisch – und um die Grenzen, an denen Gewissheiten im Einsatz erprobt werden. Ebenso wichtig ist der Blick auf Sprache und Deutung: wie Begriffe Ordnung stiften oder verschleiern, wie Zahlen beeindrucken und doch nicht das Ganze sagen. Das Werk macht erfahrbar, dass Krieg nicht nur als Abfolge von Operationen, sondern als Geflecht von Entscheidungen, Wahrnehmungen und Konsequenzen verstanden werden muss.

Für heutige Leserinnen und Leser bleibt Der Große Krieg relevant, weil es die Mechanismen sichtbar macht, mit denen komplexe Konflikte verständlich – und mitunter missverständlich – erzählt werden. In einer Gegenwart, die von rasanter Nachrichtenlage, Deutungskämpfen und technischer Überlegenheit geprägt ist, bietet die kontrollierte Nüchternheit der Darstellung ein Korrektiv: langsames Lesen gegen schnelle Gewissheiten. Das Buch regt dazu an, Quellen, Ziele und Begriffe zu prüfen, Empathie und Analyse zusammenzuhalten und die Folgekosten strategischer Entscheidungen mitzudenken. Es erinnert daran, dass historische Klarheit selten spektakulär, aber dauerhaft wirksam ist. So entsteht Orientierung ohne Vereinfachung.

Formal überzeugt die Darstellung durch eine klare Gliederung, die operative Abläufe, logistische Voraussetzungen und die Lage verschiedener Beteiligter systematisch entwirft. Doyle nutzt anschauliche Beispiele, um größere Linien zu erhellen, und ordnet Ereignisse so, dass Kausalitäten, Zeitverläufe und Nebenfolgen erkennbar werden. Die narrative Bewegung pendelt zwischen kompakten Zusammenfassungen und sorgfältig gesetzten Details, die das Verständnis schärfen, statt es zu überfrachten. Indem das Buch auf Übertreibung verzichtet, gewinnt es an Vertrauenswürdigkeit: Was wichtig ist, tritt nicht durch Lautstärke hervor, sondern durch Kontext, Vergleich und Maß – eine Haltung, die auch heutiges Lesen orientiert.

Wer nach einem verlässlichen Zugang zu einem großen bewaffneten Konflikt sucht, findet hier eine fundierte, ruhig argumentierende Einführung, die weder Pathos noch Zynismus benötigt. Der Große Krieg eignet sich für Leserinnen und Leser, die historische Zusammenhänge, militärische Logik und gesellschaftliche Auswirkungen zusammendenken möchten, ohne in Detailfluten zu versinken. Zugleich eröffnet das Buch Räume für eigenes Urteil: Es erklärt, ordnet und stellt Fragen, statt Dogmen zu setzen. Gerade darin liegt seine bleibende Stärke – als Einladung, Geschichte mit klarem Kopf, wachem Gewissen und offenem Blick zu betrachten und Verantwortung im Denken zu üben.

Synopsis

Inhaltsverzeichnis

Arthur Conan Doyle skizziert in „Der Große Krieg“ eine umfassende, gut strukturierte Darstellung eines modernen Konflikts. Aus der Perspektive eines nüchternen Beobachters verbindet er zeitgenössische Eindrücke mit nachträglicher Ordnung, sodass militärische Abläufe und politische Entscheidungen verständlich werden. Den Auftakt bildet eine Einordnung der angespannten Vorkriegsjahre, der wechselseitigen Abschreckung und der Fehleinschätzungen, aus denen die rasche Mobilmachung erwächst. Doyle erklärt, wie aus regionalen Spannungen ein Flächenbrand wird und wie diplomatische Routinen vor der Dynamik der Ereignisse kapitulieren. Damit schafft er den Rahmen für eine Chronik, die das Geschehen nicht spektakulär überhöht, sondern die Mechanik des Krieges in ihren Ursachen und Wirkungen analysiert.

Im zweiten Schritt beleuchtet das Buch die politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen, die den Krieg möglich machten. Bündnisverpflichtungen, militärische Planungen und ein technischer Wettlauf erzeugen Zwänge, denen Entscheidungsträger nur begrenzt entkommen. Zugleich zeigt Doyle die Stimmung in den beteiligten Ländern: Hoffnungen auf einen kurzen Waffengang, nationale Eitelkeiten und die unterschätzte Trägheit großer Apparate. Er arbeitet heraus, dass es keine einzelne Initialzündung gibt, sondern ein Zusammenwirken zahlreicher Faktoren, das die Eskalation begünstigt. Diese Diagnose bildet die argumentative Grundlage: Der Krieg erscheint weniger als Ausnahme denn als Ergebnis von Strukturen, Routinen und Erwartungen, die in der Krise ihre eigene Logik entfalten.

Anschließend schildert Doyle die Anfangsphase mit ihren raschen Bewegungen, Unsicherheiten und kalkulierten Risiken. Erste Zusammenstöße offenbaren die Kluft zwischen Vorkriegsdoktrinen und der Realität massierter Feuerkraft. Logistik, Kommunikation und Aufklärung treten als entscheidende Größen hervor: Züge, Depots, Nachrichtenwege und die Fähigkeit, aus fragmentarischen Informationen zu urteilen. Das Buch verfolgt die Abfolge dieser Operationen in nüchternem Tempo und macht nachvollziehbar, wie einzelne taktische Entscheidungen strategische Wirkungen entfalten. Ein wiederkehrendes Motiv ist die Reibung, die aus Gelände, Wetter, Missverständnissen und Erschöpfung entsteht und ambitionierte Pläne erdet. So entsteht ein realistisches Bild eines Feldzugs, der sich der einfachen Erzählung entzieht.

Mit fortschreitender Dauer wandelt sich der Konflikt von beweglicher Offensive zu zäher Abnutzung. Doyle beschreibt, wie befestigte Stellungen, improvisierte Ingenieursleistungen und der Ausbau von Verteidigungslinien das Tempo drosseln. Aus der Erwartung schneller Entscheidungsschlachten wird ein Ringen um Durchhaltevermögen, Material und schrittweise Verbesserungen. Die Darstellung legt Wert auf die alltäglichen Bedingungen der Truppe: Versorgung, Rotation, medizinische Betreuung und die psychische Belastung langanhaltender Einsätze. Dabei wird deutlich, dass der Krieg nicht nur an der Front, sondern ebenso in Stäben, Werkstätten und Verwaltungsbüros entschieden wird. Die Einsicht, dass Anpassungsfähigkeit wichtiger wird als heroischer Impuls, markiert einen zentralen Wendepunkt.

Ein Schwerpunkt liegt auf der technischen und organisatorischen Evolution, die den Charakter der Kämpfe nachhaltig verändert. Doyle zeichnet nach, wie verbesserte Fernwirkung, Schutzmaßnahmen, verfeinerte Nachrichtenmittel und spezialisierte Truppenteile das Zusammenspiel der Waffengattungen neu ordnen. Aus Versuch und Irrtum entsteht ein Katalog von Verfahren, die das Risiko streuen und die Wirkung bündeln sollen. Der Autor interessiert sich weniger für spektakuläre Einzelmomente als für Lernprozesse: wie aus Fehlschlägen Anpassungen folgen, wie Planungshorizonte wachsen und wie Vorsicht, Ausdauer und präzise Vorbereitung an Bedeutung gewinnen. Der Krieg erscheint als Labor, in dem Innovation und Tradition beständig miteinander ringen.

Parallel zur Front rückt der Heimatbereich in den Fokus. Das Buch zeigt, wie Industrie, Landwirtschaft, Finanzen und Verwaltung auf Kriegsmodus schalten und welche Spannungen daraus entstehen. Rüstungsproduktion, Transportkapazitäten und die Verteilung knapper Güter entscheiden mit über Handlungsspielräume. Doyle thematisiert auch Informationspolitik, Zensur und die Rolle der Presse, ohne in Polemik zu verfallen. Familien, Verwundetenfürsorge und Veteranenfragen veranschaulichen die soziale Dimension. Damit erweitert sich der Blick von der Taktik einzelner Operationen zur Gesamtökonomie des Konflikts. Eine maßgebliche Erkenntnis lautet, dass moralische Standfestigkeit und glaubwürdige Kommunikation nicht Beiwerk, sondern operative Faktoren ersten Ranges sind.

Darauf folgt der Blick über die Hauptschauplätze hinaus. Doyle verknüpft Ereignisse an entfernten Fronten mit Entscheidungen im Zentrum des Geschehens und macht deutlich, wie Seewege, Handel und Kolonialräume den Verlauf beeinflussen. Koalitionen müssen koordiniert, Nachschubwege gesichert, Prioritäten ständig neu gewichtet werden. Auch neutrale Staaten, diplomatische Initiativen und wirtschaftliche Verflechtungen spielen eine Rolle, die über militärische Zahlen hinausgeht. Die Darstellung bleibt strikt sachlich und erläutert, wie das globale Gefüge Rückwirkungen auf einzelne Operationen hat. So entsteht ein Verständnis dafür, dass der Krieg als Netzwerk zu begreifen ist, in dem lokale Erfolge nur im Verbund Gewicht entfalten.

Im zweiten Teil der Analyse widmet sich das Buch der Führungsebene. Entscheidungen unter Zeitdruck, der Umgang mit unvollständigen Lagebildern und die Spannung zwischen Wagemut und Vorsicht werden anhand prägnanter Beispiele entfaltet. Doyle bewertet Vorgehensweisen und strukturelle Zwänge, ohne sich in Personenkult zu verlieren. Er arbeitet heraus, wie wichtig eine Kultur des Lernens, klare Zielsetzungen und verlässliche Verbindungen zwischen Politik und Militär sind. Dabei bleibt die Darstellung frei von Pauschalurteilen: Erfolge und Rückschläge erscheinen als Produkt von Umständen, Können und Zufall. Die leitende Frage lautet, wie Organisationen unter Stress handlungsfähig bleiben und Verantwortung sinnvoll verteilt wird.

Am Ende steht eine Bilanz, die weder verklärt noch verurteilt, sondern die Kosten, Begrenzungen und Lehren des Krieges nüchtern gegeneinanderstellt. Doyle betont die Bedeutung von Vorbereitung, Koordination und Maßhalten und warnt vor der Versuchung, komplexe Lagen mit einfachen Rezepten zu begegnen. Zugleich würdigt er die Ausdauer der Beteiligten und die zivilen Anstrengungen hinter den Kulissen. Als übergeordnete Botschaft bleibt, dass moderner Krieg eine Prüfung ganzer Gesellschaften ist und dass Verständnis seiner Mechanik Voraussetzung für verantwortliche Politik bleibt. In dieser zurückhaltenden Klarheit liegt die nachhaltige Bedeutung des Buches, das Erkenntnisse statt Effekte bietet.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

Arthur Conan Doyles Auseinandersetzung mit dem Großen Krieg steht im Kontext der Jahre 1914 bis 1918, vor allem in Frankreich und Belgien. Prägende Institutionen waren das britische Kriegsministerium, die Admiralität, der Generalstab und das British Expeditionary Force, daneben das französische Oberkommando und die deutsche Oberste Heeresleitung. In Großbritannien bestimmten Parlament, Pressezensur und der Defence of the Realm Act die öffentliche Sphäre. Rekrutierung und Ausbildung liefen über Kitchener-Armeen und Depots, unterstützt von Pals-Bataillonen und Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz und den Voluntary Aid Detachments. Diese Strukturen formten die militärische und gesellschaftliche Grundlage, vor der seine Darstellung entstand.

Die Vorgeschichte des Konflikts prägten Bündnisse: die Triple Entente aus Großbritannien, Frankreich und Russland sowie der Dreibund aus Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien, das 1914 neutral blieb. Nach dem Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 eskalierte die Julikrise. Deutschlands Einmarsch in Belgien am 4. August verletzte die durch den Londoner Vertrag von 1839 garantierte Neutralität. Großbritannien erklärte noch am selben Tag den Krieg. Das British Expeditionary Force wurde unter Sir John French über den Ärmelkanal nach Frankreich verlegt und mit den französischen Armeen abgestimmt, um den deutschen Schlieffen-Plan zu kontern.

Die frühen Operationen 1914 prägten den militärischen Rahmen, den Doyle nachzeichnete. Bei Mons am 23. August traf das BEF erstmals auf deutsche Truppen und zog sich über Le Cateau im Großen Rückzug zurück. Die Schlacht an der Marne Anfang September stoppte den deutschen Vormarsch; an der Aisne verfestigten sich Fronten. Es folgte die Race to the Sea, die in die Erste Flandernschlacht bei Ypern (Oktober–November 1914) mündete. Danach entstand ein durchgehendes Grabensystem von der Nordsee bis zur Schweiz, das eine Abnutzungskriegführung und langwierige Materialschlachten begünstigte. Rotationssysteme und Stollenbau wurden zur Routine.

1915 und 1916 standen für industrialisierte Abnutzung. In der Zweiten Schlacht von Ypern setzten deutsche Truppen im April 1915 erstmals großflächig Chlorgas an der Westfront ein. Die Munitionskrise 1915 führte in Großbritannien zur Bildung einer Koalitionsregierung und zum Ministry of Munitions unter David Lloyd George. Der Defence of the Realm Act regulierte Wirtschaft und Öffentlichkeit, 1916 brachte der Military Service Act die allgemeine Wehrpflicht für Männer. An der Somme begann am 1. Juli 1916 eine Großoffensive; am 15. September wurden erstmals Panzer in größerer Zahl eingesetzt, unterstützt von Luftaufklärung und konzentrierter Artillerie.

Das Kriegsbild umfasste das gesamte Empire. Kanadier, Australier, Neuseeländer, Inder und Südafrikaner kämpften zunächst an Dardanellen und in Nahost, später vor allem an der Westfront; das Canadian Corps profilierte sich 1917 bei Vimy Ridge. Indische Truppen dienten 1914–1915 in Flandern und Nordfrankreich. An der Heimatfront arbeiteten Frauen in Munitionsfabriken und Hilfsdiensten; Freiwilligenorganisationen wie Voluntary Aid Detachments betrieben Lazarette. Britische Kriegsfinanzierung stützte sich auf Kriegsanleihen; Rationierungen wurden ab 1918 für mehrere Grundnahrungsmittel eingeführt. Diese Mobilisierung der Gesellschaft prägte die Rahmenbedingungen, die Doyle in seinen kriegszeitlichen Beschreibungen voraussetzen konnte. Auch Feldpost und Zensur strukturierten Kommunikation.

Zur Gesamtlage gehörten See- und Luftkrieg. Die Royal Navy blockierte Deutschland seit 1914; die größte Seeschlacht war Skagerrak/Jütland im Mai–Juni 1916. Der U-Boot-Krieg forderte viele zivile Opfer, darunter die Lusitania 1915; nach Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs 1917 führte das Konvoisystem zu sinkenden Verlusten. Die britische Funkaufklärung Room 40 entzifferte das Zimmermann-Telegramm, dessen Veröffentlichung 1917 zum Kriegseintritt der USA beitrug. Amerikanische Truppen trafen ab 1917 ein. In der Luft entwickelte sich aus dem Royal Flying Corps und dem Royal Naval Air Service am 1. April 1918 die Royal Air Force, die Aufklärung und Unterstützung koordinierte.

Die Bodenkämpfe 1917–1918 markierten Wendepunkte. In Arras und bei Vimy (April 1917) erzielten die Alliierten begrenzte Erfolge; die französische Nivelle-Offensive scheiterte und führte zu Meutereien, die unter Philippe Pétain stabilisiert wurden. In der Dritten Flandernschlacht (Passchendaele) kämpften britische und Dominionsverbände von Juli bis November 1917 im Morast. Cambrai brachte im November 1917 einen überraschenden Panzervorstoß. Nach der russischen Oktoberrevolution schied Russland 1918 mit Brest-Litowsk aus. Deutschland startete im Frühjahr 1918 Großoffensiven; unter Ferdinand Foch wurde das alliierte Oberkommando vereinheitlicht. Die Hunderttageoffensive führte zum Waffenstillstand vom 11. November 1918. Die Front brach im Spätsommer an mehreren Punkten auf.

Vor diesem Hintergrund verfasste Doyle eine laufende Chronik des Krieges, darunter die mehrbändige Darstellung The British Campaign in France and Flanders (1916–1920) und den Frontbericht A Visit to Three Fronts (1916). Er besuchte Frontabschnitte als offiziell akkreditierter Beobachter und stützte sich auf Kommuniqués sowie zeitnahe Zeugnisse. Seine Perspektive ist die eines britischen Patriotismus und der alliierten Operationsführung; sie blieb durch Zensur und Quellenlage begrenzt. Zugleich vermittelt das Werk Organisation, Logistik und Opferbereitschaft einer totalen Mobilisierung. Als Kommentar zur Epoche dokumentiert es Entstehung, Rhythmus und Kosten des industriellen Massenkriegs aus zeitgenössischer Sicht.

Autorenbiografie

Inhaltsverzeichnis

Arthur Conan Doyle (1859–1930) war ein schottischer Arzt und Schriftsteller der späten viktorianischen und edwardianischen Epoche, dessen Name untrennbar mit der Figur Sherlock Holmes verbunden ist. Als produktiver Autor prägte er mit Detektivgeschichten, historischen Romanen, Abenteuern und wissenschaftlich-fantastischen Stoffen die Populärkultur und das Genreverständnis nachhaltig. Seine Arbeiten verbinden Beobachtungsgabe, erzählerische Ökonomie und ein starkes Interesse an rationaler Beweisführung. Zugleich trat er als öffentlicher Intellektueller auf, veröffentlichte Sachbücher zu zeitpolitischen Fragen und engagierte sich in Kontroversen seiner Zeit. Mit der Breite seines Œuvres und der anhaltenden Wirkung einzelner Figuren zählt Doyle zu den einflussreichsten Erzählern des englischsprachigen Kanons.

Aufgewachsen in Edinburgh, erhielt Doyle eine streng geprägte Schulbildung an Jesuiteninstitutionen, bevor er in den späten 1870er- und frühen 1880er-Jahren Medizin an der University of Edinburgh studierte. Dort prägte ihn der Chirurg Joseph Bell, dessen methodische Beobachtung und logisches Schließen wiederholt als Vorbild für Holmes genannt werden. Früh veröffentlichte Doyle Skizzen und Erzählungen, nahm als Schiffsarzt an Fahrten in arktische und westafrikanische Gewässer teil und sammelte Erfahrungen, die seine Abenteuerstoffe bereicherten. Literarisch standen für ihn Autoren wie Edgar Allan Poe und Sir Walter Scott, aber auch die Tradition des historischen und des Sensationsromans, als Impulse bereit.

Nach dem Studienabschluss eröffnete Doyle in den frühen 1880er-Jahren eine Arztpraxis in Southsea bei Portsmouth und schrieb parallel intensiv. 1887 erschien mit A Study in Scarlet sein Debütroman um Sherlock Holmes und Dr. Watson; 1890 folgte The Sign of the Four. Ab 1891 publizierte er regelmäßig im Strand Magazine, was seiner Karriere einen massiven Schub gab. Die Sammlung The Adventures of Sherlock Holmes (1892) und die anschließenden Memoirs of Sherlock Holmes (1893) etablierten die Figuren im Massenmarkt. Doyles nüchterner Stil, kombiniert mit kriminaltechnischer Neugier, prägte eine neue Form der Detektiverzählung, die in urbanen Milieus der Moderne verankert war.

Obwohl Holmes rasch Weltruhm erlangte, verstand sich Doyle nicht als reiner Kriminalautor. Er verfolgte ehrgeizig historische Romane und Abenteuerzyklen, darunter Micah Clarke (1889), The White Company (1891) und den späteren Roman Sir Nigel (1906). Mit den humorvoll-patriotischen Geschichten um Brigadier Gerard (The Exploits of Brigadier Gerard, 1896; The Adventures of Gerard, 1903) zeigte er seine stilistische Bandbreite. Ebenso entwarf er mit Professor Challenger eine Figur der wissenschaftlichen Spekulation: The Lost World (1912) und The Poison Belt (1913) verbanden Forschungseifer mit Spektakel. Diese Vielfalt belegt Doyles Interesse an Tempo, Anschaulichkeit und klaren moralischen Koordinaten jenseits reiner Detektivroutinen.

In den 1890er-Jahren versuchte Doyle, den Holmes-Zyklus zu beenden, stieß jedoch auf heftige Leserreaktionen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kehrte er zur Figur zurück: The Hound of the Baskervilles (1901–1902) erneuerte das Interesse, The Return of Sherlock Holmes (1905) setzte die Kurzgeschichtenserie fort. Spätere Sammlungen wie His Last Bow (1917) und The Case-Book of Sherlock Holmes (1927) rundeten das Korpus ab; der Roman The Valley of Fear (1914–1915) ergänzte es. Die Verfahren der Induktion, Spurenkunde und Inszenierung des Großstadtraums machten die Reihe zu einem Referenzpunkt der modernen Kriminalliteratur. Illustrationen im Strand Magazine, vor allem von Sidney Paget, prägten die ikonische Erscheinung der Figur.

Neben der Literatur trat Doyle als Bürger in Erscheinung. Während des Südafrikanischen Krieges arbeitete er um 1900 als Arzt in einem britischen Feldlazarett und veröffentlichte dazu The Great Boer War (1900) sowie The War in South Africa: Its Cause and Conduct (1902). 1902 wurde er geadelt. Wiederholt engagierte er sich gegen Fehlurteile, etwa in den Fällen George Edalji und Oscar Slater, und nutzte seine Bekanntheit für Reformanliegen. Zugleich wurde er zu einem prominenten Fürsprecher des Spiritualismus; Schriften wie The New Revelation (1918), The Vital Message (1919) und The History of Spiritualism (1926) dokumentieren diese Überzeugung.

In seinen späteren Jahren widmete Doyle beträchtliche Zeit dem Vortragswesen, dem Schreiben über zeitgenössische Fragen und der Pflege seines umfangreichen erzählerischen Werks. Er starb 1930 in England. Sein Vermächtnis ist vielgestaltig: Die Holmes-Erzählungen prägen bis heute das Bild des rationalen Detektivs; Bühnen-, Film-, Radio- und Fernsehfassungen halten die Figuren lebendig. Zugleich zeigen historische und abenteuerliche Romane die Spannweite eines Autors, der populäre Formen ernst nahm. Forschung und Leserschaft würdigen ihn als Wegbereiter moderner Spannungsliteratur, dessen Einfälle, Schauplätze und Figuren weltweit weitererzählt und neu interpretiert werden. Londoner Topografie und die Adresse Baker Street wurden zu kulturgeschichtlichen Chiffren.

Der große Krieg (Zusammengefasste Ausgabe)

Hauptinhaltsverzeichnis
Band I
Band II
Band III
Band IV
Band V
Band VI

Eine Geschichte des Ersten Weltkriegs

Der britische Feldzug in Frankreich und Flandern

Band I – 1914

Inhaltsverzeichnis

General William Robertson[1], dem das Werk gewidmet ist, steht ehrfürchtig am Anfang; seine unerlässlichen Dienste im Ersten Weltkrieg leuchten im Titel. Danach entfaltet sich eine strenge Ordnung: I. Das Brechen des Friedens kündigt den Sturm an, II. Der Beginn des Krieges donnert heran, III. Mons flammt auf, IV. Le Cateau hält stand, V. die Marne wendet das Blatt, VI. die Aisne verbeißt sich, VII. La Bassée–Armentières dröhnen, VIII. Ypern erhebt sich einmal, IX. Ypern tobt weiter, X. Rückblick fasst die Schrecken, XI. die Winterpause 1914 atmet Stillstand. Eine Karte umreißt Englands Spuren in Frankreich und Flandern.

Bis 1902 dachte niemand in Großbritannien ernsthaft an Krieg mit Deutschland. Handel galt als gegenseitiger Vorteil, Ärger über gefälschte Marken blieb Randnotiz. Man fühlte sich blutsverwandt; 1890 überließ Salisbury Helgoland[3] ohne Furcht. Wäre damals eine Kontinentalwahl nötig gewesen, hätten die Briten wohl den Dreibund unterstützt. Doch die zänkische Politik Frankreichs verblasst heute im Gedächtnis. Dass Berlin später Großbritannien von wohlwollender Neutralität in offene Gegnerschaft trieb, erscheint rückblickend als unglaublicher Fehler. So beginnt die Geschichte davon, wie der langjährige Friede zerbrach, Vertrauen sich unmerklich in Misstrauen verwandelte, für immer.

Die erste Abkühlung kam 1896 mit dem Kruger-Telegramm[2], das, obwohl vom Kaiser unterzeichnet, wohl Marschall von Bieberstein verfasste. Die Briten fühlten sich brüskiert, ließen die Sache jedoch fast fallen, bis während des Burenkrieges eine gellende Pressekampagne aus Deutschland sie stichelte. Zwar besuchte Wilhelm II. England zweimal freundlich, doch Bülows spitze Reden und das Hohngelächter über Chamberlains Bündnisidee von 1900 enthüllten blanken Hass. Erstaunt verwarfen die Briten die romantische Vorstellung gemeinsamer Siege von Minden bis Dettingen und stellten sich nüchtern auf neue, frostige Beziehungen ein. Hoffnungen auf dauerhafte Freundschaft wirkten plötzlich naiv, ja töricht. Ernster Argwohn folgte.

Danach bemerkten sie, dass Deutschland eine gefährliche Waffe schmiedete. Das Marinerüstungsgesetz von 1900, später mehrfach verschärft, baute in Wilhelmshaven und Kiel eine Flotte, die in keinem Verhältnis zu Küste oder Handel stand. Während die Admiralität mit parteipolitischen Zuckungen reagierte, erkannte Lord Fisher die Gefahr, und McKenna wie Churchill setzten trotz Lärms im Unterhaus auf verlässliche Überlegenheit. Die Steuern stiegen, die Werften hämmerten, und ein wachsendes Publikum begriff, dass die Insel ohne Vorsprung ungeschützt war. Zeitungen zählten nüchtern Tonnen und Kaliber, während Kinder mit Pappschiffen spielten und von Beobachtungstürmen die Schornsteine neuer Dreadnoughts[4] zählten. Unruhe wuchs.

Beunruhigt vom drohenden Ton deutscher Professoren und Zeitungen, suchte Großbritannien ab 1902 nach Freunden. Es schloss keine Bündnisse, doch 1903 entstand eine lose Entente mit Frankreich, 1907 folgte Russland. Ziel war simpel: Hilfe, falls Paris angegriffen würde. Tests folgten. 1905 zwang Berlin Frankreich nach Algeciras, 1911 tauchte ein Kanonenboot vor Agadir auf. In beiden Stürmen hielt die Entente stand, sodass niemand überrascht sein konnte, als Großbritannien 1914 bereitstand, sobald der Bruch des belgischen Vertrags jeder Zurückhaltung den Boden entzog. Selbst Irish und afrikanische Fragen wurden beiseite geschoben, um den neuen Pakt nicht zu gefährden. Wachsamkeit.

Inzwischen nährten Schriftsteller den Groll. Nietzsche verherrlichte rohe Macht, Treitschke verkündete den Auftrag, ‚mit England abzurechnen‘, und General von Bernhardi erklärte 1911 in „Germany and the Next War“, Deutschland solle genau den Schlag führen, der drei Jahre später erfolgte. Solche Parolen, verstärkt von kleineren Hetzern, steigerten britische Unruhe, weil jeder neue Haushalt die Steuerlast hob, um mitzuhalten. Die Wolke schwoll; sie musste entweder verziehen oder platzen. Vorträge in Universitäten, Artikel in Kolonialblättern und schon Schulbücher verkündeten den Anspruch auf Weltmacht, während London auf Karten den Schutz seiner Seewege durchstrich und Händler Zollreformen befürchteten. Kalte Angst.

Um Geld für neue Schlachtschiffe zu erpressen, schürte Berlin regelmäßig Angst vor einem angeblich nahen britischen Angriff. Hetzartikel, Wahlreden und der Schauprozess gegen Kapitän Stewart, gegründet auf Meineid, erfüllten den Zweck, vergrößerten aber den Zorn auf der Insel. Gleichwohl lagen echte Ursachen auf deutscher Seite: Großbritanniens Empire versperrte dem spät geeinten Reich die begehrten Siedlungsräume; Kanadas, Australiens und Südafrikas weiße Dominions würden niemals deutsche Provinzen werden. Die Geographie ließ sich nicht verhandeln. Jeder Panikbeschluss im Reichstag endete mit neuen Krediten, und jede Karikatur des ‚kaufmännischen‘ John Bull festigte den Mythos unvermeidlicher Konfrontation. So schoben beide.

So wuchs das Bewusstsein, dass Berlin den Konflikt langfristig plante. Der ausgebaute Nord-Ostsee-Kanal setzte ein Zieldatum, Getreidevorräte, geheime Betonplattformen, mobilisierte Papierenetze und vorgerüstete Hilfskreuzer bestätigten die Absicht. Gelang kein Vorwand, würde ein anderer erfunden. 1914 bot sich der ideale Anlaß: Österreich durfte als scheinbarer Protagonist auftreten, während Deutschland hoffte, die liberalen Westmächte wegzulocken und den Krieg als rein slawische Affäre erscheinen zu lassen. Stabsakademien übten bereits den ‚Marsch nach Paris‘, und Fabriken stapelten Granaten. Sogar die Zuteilung von Pferdefutter war tabellarisch für den kommenden August geregelt. Es fehlte nur der Funke den Kriegstag zu zünden.

Die Demütigung Russlands 1905 und die Bosnien-Annexion 1908 verschärften Spannungen. Am 28. Juni 1914 ermordeten Princip und Cabrinovic[6] den Erzherzog in Sarajevo. Österreich sah in Serbien das Nest aller Verschwörer und entwarf binnen Tagen ein Ultimatum, dessen extreme Forderungen jede Eigenstaatlichkeit zerschlagen hätten. Serbien akzeptierte fast alles und bat um Schiedsgericht, doch Wien brach binnen Stunden ab – offensichtlich aus Lust am Krieg, eine Lust, der Berlin voll zustimmte. Mobilmachungsbefehle trugen bereits das Datum 30. Juni, zwei Tage nach dem Attentat. Alle Vermittlung wurde abgewiesen, als wäre Frieden unvorstellbar. Europa erstarrte in Entsetzen und Warten.

Russland, Hüter der Slawen, konnte eine Auslöschung Serbiens nicht dulden; es mobilisierte im Süden. Am 28. Juli erklärte Österreich den Krieg, am 1. August folgte Deutschlands Kriegserklärung gegen Russland, zwei Tage später gegen Frankreich. Währenddessen bemühte sich Sir Edward Grey um Vermittlung, doch Berlin wollte keinen Frieden. Der Kanzler bot Gegenlohn: Großbritanniens Neutralität gegen das Versprechen, Frankreich nur Kolonien, nicht Festland, zu rauben. Grey antwortete barsch: „Die Regierung Seiner Majestät kann den Vorschlag des Kanzlers, sich unter solchen Bedingungen zur Neutralität zu verpflichten, nicht einen Augenblick lang in Betracht ziehen.“ Sein Ton ließ keinen Zweifel.

Er fügte hinzu: „Was er uns im Grunde genommen vorschlägt, ist, dass wir zusagen, tatenlos zuzusehen, wie französische Kolonien eingenommen und Frankreich besiegt wird, solange Deutschland kein französisches Territorium einnimmt, das sich von den Kolonien unterscheidet.“ Und er schloss: „Abgesehen davon wäre es eine Schande für uns, diesen Handel mit Deutschland auf Kosten Frankreichs abzuschließen, eine Schande, von der sich der gute Ruf dieses Landes nie wieder erholen würde.“ Der Premier Asquith nannte das Angebot später schlicht „schändlich“. Das Kabinett stand nun geschlossen, während Zeitungen den Auszug fett druckten und Börsianer Paniksummen verkauften. Europa zitterte.

Nun konzentrierte sich London auf Belgien, dessen Neutralität 1839 von allen Mächten garantiert war. Frankreich versprach sofort, sie zu achten und hielt seine Truppen zehn Kilometer zurück. Deutschland schwieg, sein Gesandter in Brüssel beteuerte Untadeligkeit, bis Truppen bereits marschierten. Bethmann-Hollweg wunderte sich, Großbritannien wage für „einen bloßen Stück Papiers“ Krieg. Goschen übergab am 4. August das britische Ultimatum; keine zufriedenstellende Antwort kam. Um Mitternacht herrschte Krieg. Arbeiter an der Themse hörten die Nachricht per Nebelhorn, Kirchenglocken läuteten, und Rekruten stellten sich in langen Reihen vor den Kasernen. Das Empire hatte entschieden. Fahnen wehten bei Gewitterlicht.

In Berlin fand Goschen den Kanzler erregt, aber unbußfertig; Jagow gestand, das Heer brauche den belgischen Weg und es sei nun zu spät. Nach dem verlassenen Auswärtigen Amt belagerte ein wütender Mob die britische Botschaft, warf Steine und beschimpfte die Diplomaten, wie tags zuvor Russen und Franzosen. Trotzdem sandte Goschen sein nicht weitergeleitetes Telegramm nach London; deutsche Zensur behielt es zurück. So entschied sich das Schicksal zweier Imperien. Die letzten Straßenbahnen fuhren ohne Licht, Schaufenster wurden vernagelt, und auf den Zeitungsplakaten standen nur drei Worte: „Krieg mit England[5]!“ Eine rauschende Nacht folgte. Sir Edward ging.

Am nächsten Tag überbrachte ein Adjutant Wilhelms die lange Botschaft: „Der Kaiser hat mich beauftragt, Eurer Exzellenz sein Bedauern über die Ereignisse der letzten Nacht auszudrücken, Ihnen aber gleichzeitig mitzuteilen, dass Sie aus diesen Ereignissen eine Vorstellung von den Gefühlen seines Volkes in Bezug auf die Aktion Großbritanniens erhalten werden, das sich mit anderen Nationen gegen seine alten Verbündeten von Waterloo verbündet hat. Seine Majestät bittet Sie außerdem, dem König mitzuteilen, dass er stolz auf die Titel des britischen Feldmarschalls und des britischen Admirals war, sich aufgrund der Ereignisse von diesen Titeln trennen muss.“ Admiral Neeld in Nauheim hörte die Redewendung „Krieg ist Krieg.

Deutsche Publizisten gaben nun Großbritannien die Schuld, doch es hatte weder das Ultimatum entworfen noch Grenzen verletzt. Ihre Anklage scheiterte am Vertrag von 1839. Selbst die in Brüssel gefundenen Papiere bewiesen lediglich Verteidigungsplanung. Wie das Gedicht verheißt: „Welche Aufzeichnungen auch ans Licht kommen mögen Sie wird niemals beschämt sein.“ Friedrichs zynischer Rat an Podewils passt besser zu Berlin: „Die Frage des Rechts ist Sache der Minister … Handeln Sie am 1. März und finden Sie später eine Rechtfertigung.“ Britische Akten lagen offen auf dem Tisch, während Berliner Blätter weiter falsche Vorwände druckten. Weltmeinung wandte sich.

So zerriss die langgefürchtete Wolke: zwei Zweige der germanischen Familie stürzten in offenen, primitiven Krieg. Jahre des Aufrüstens, der Rededuelle und diplomatischen Finten endeten im Donner von Kanonen. Professor Cramb hatte von einer Stunde gesprochen, in der die Götter der Männlichkeit lächeln, wenn Engländer und Deutsche „in der Freude am Kampf“ gefangen seien. Diese Stunde schlug nun unwiderruflich; eine Welt, die versuchte, mit Noten und Konferenzen den Sturm aufzuhalten, sah sich plötzlich von seiner ganzen Gewalt überrollt. Schiffe liefen aus, Züge ratterten, und Millionen Männer folgten den Fahnen, während Mütter an leeren Bahnhöfen zurückblieben. Die Weltkatastrophe begann.

Als 1914 begann, wäre Großbritannien in großer Bedrängnis gewesen, hätte Deutschland Frankreich attackiert und Belgiens Neutralität respektiert. Eine überaus demokratische Regierung stand auf Stimmen, denen Frieden fast jeden Preis wert war. Jede Schiffsentwicklung McKennas und Churchills stieß auf knurrende Parteifreunde, die deutsche Zahlen weglächelten und von weltweiter Brüderlichkeit schwärmten. Uneinigkeit gegen ein geeintes Reich hätte jeden Verbündeten geschwächt, denn, wie Shakespeare warnte: „Wenn England sich selbst treu ist“, dann ist es erst fürchterlich. Dieses Risiko verschwand, sobald Berlin den belgischen Vertrag zerfetzte, und damit sämtliche Debatten im Unterhaus in einen einzigen Ruf nach Ehrenpflicht erstickte.

Der Überfall auf Belgien wirkte wie ein Schmiedehammer. In Stunden vergaß der Modejünger seine Schnitte, der Kapitalist seine Steuern, der Arbeiter seinen Zorn, der Tory sein Kabinettmissfallen, selbst die Frau ihr Stimmrecht. Aus Ulster bis Cork standen Nationalisten und Unionisten Seite an Seite. Lansdowne und Bonar Law meldeten sich am 2. August im Kabinett: Sie hielten Britannien für „ehrenhaft verpflichtet“ und boten jede Maßnahme an. Mit dieser Zusage sprach Edward Grey im Parlament; seine ruhige Begründung und die monströse deutsche Aggression brachten sogar die lautesten Pazifisten zum Schweigen und schweißten das Königreich zusammen, für den kommenden Sturm.

Über alle Ozeane flammte dieselbe Entschlossenheit auf. Kanada stellte 30.000 Mann und versprach mehr; das feurige Australien und Neuseeland entsandten ebenso viele, während die Maori ihre Loyalität bewiesen. Südafrika rüstete unter Botha, Indien strömte Geld und Rekruten in verschwenderischer Großzügigkeit. Newfoundland wählte ein Kontingent, Ceylon schickte seine Besten, Fidschi bildete eine eigene Kompanie, selbst Nepal und die Hochebenen Tibets boten Träger und Schützen an. „Das Schwert kommt erst in die Scheide, wenn das Unrecht gerichtet ist“, hieß es von jeder Kolonie. Ein Weltreich stand unter einer Flagge, geeint durch Pflichtgefühl und bereit, Blut und Schatz bis zum letzten Atemzug einzusetzen.

Am Vorabend der Feindseligkeiten wurde Lord Kitchener vom Hafenkai zurückgerufen. Er trat, unparteiisch und schweigsam, als Kriegsminister ein und ließ seine klaren Augen über ein Werkzeug gleiten, das Haldane geschmiedet hatte. Drei sofort marschbereite Armeekorps mit 110.000 Berufssoldaten, zwei Kavalleriedivisionen, starke Garnisonen in Indien, Ägypten und Gibraltar, dahinter 100.000 Spezialreservisten. Die Territorialarmeen zählten 340.000, doch fehlten 100.000 Köpfe; sie schworen trotzdem, überallhin zu ziehen. Brigade um Brigade löste reguläre Bataillone im Empire ab. Kanada, Australien und Neuseeland boten 60.000 kampferprobte Männer, Indien weitere 70.000. Eine Million Soldaten standen Kitcheners rechter Hand, bereit, die Waage Europas zu neigen.

Erschrocken vom Blick in eine lange Zermürbung schlug Kitchener Anfang August nachdrücklich auf Rekrutentrommeln. Eine halbe Million Freiwillige meldete sich, im Oktober folgte eine zweite. Felder und Parks dröhnten vom Gebrüll der Ausbilder, während Gentlemen und Bergleute Schulter an Schulter marschierten. Vier Monate später standen zwei Millionen unter Waffen, ungekauft und ungezwungen. Der Fiskus hielt Schritt: Das Unterhaus verdoppelte die Einkommenssteuer ohne Widerspruch, weitere Abgaben folgten, und 450.000.000 Pfund wurden noch vor Weihnachten geliehen. Ein ausländischer Cartoon rief höhnisch „Endlich aufgewacht!“, doch die Insel schwieg, fest, zielbewusst, eiskalt entschlossen. Sie sammelte Kraft für den Tag, an dem Stahl statt Worte zählen würde.

Unterdessen lag die wahre Versicherung im grauen Dunst der Nordsee. Kurz vor dem Sturm hatte die Grand Fleet[8], vierhundert Einheiten stark, bei Spithead „inspiziert“ und sich dann lautlos auf Kriegsstationen verteilt. Prince Louis von Battenberg schlug vor, Winston Churchill stimmte zu, und innerhalb von Stunden verschwanden die Schlachtlinien nach Scapa Flow und Cromarty. Dreitausend Schiffe, vom Dreadnought bis zum Trawler, patrouillierten; Handelswege wurden gedeckt, deutsche Kreuzer gejagt. Der erwartete Verlust von fünf Prozent Handelstonnage halbierte sich. Wer das Meer beherrscht, beherrscht Brot, Fleisch, Leben – und Großbritannien hielt das Meer. U-Boote stachen zwar zu, doch fehlten ihnen noch tödliche Reichweite.

Jenseits des Kanals entfaltete sich das Drama. Die Franzosen eröffneten den Feldzug mit zwei Vorstößen: einer stieg von Belfort nach Mülhausen ins Elsass, der andere rollte von Nancy nach Lothringen. Beide Stöße gewannen anfangs Boden, der elsässische Sieg bei Mülhausen glänzte kurz, doch starke deutsche Reserven drängten zurück. Am 20. August brach die lothringische Attacke nach schwerem Gefecht ab; Luneville fiel, Nancy hielt. Der einarmige Siebzigjährige General Pau wurde mitsamt seinen Veteranen an die Nordfront gerufen, denn dort, an der belgischen Grenze, ballte sich bereits das Hauptgewitter. Ein fehlgeschlagener Sturm sollte bald alle alliierten Pläne durcheinanderwirbeln.

Am 31. Juli rückten drei deutsche Korps heimlich ins neutrale Luxemburg, am 3. August erreichten ihre Autokolonnen Verviers. Sie beteten laut zu Gott und brachen doch den Eid. Visé fiel, dann rasten sie auf Lüttich. General Leman, 25.000 Verteidiger, zwölf Forts aus Beton: Am 5. und 7. August prallte der „Furor Teutonicus“ gegen verschanzte Belgier ab; die Verluste waren hoch. Doch die Garnison war zu klein, fünf Kilometer breite Zwischenräume boten Schlupfwinkel. Die Stadt wurde durchschritten, Forts hielten. Dann rollten die riesigen 42-Zentimeter-Mörser heran, zerschlugen Kuppeln, begruben Leman, nahmen ihn lebend gefangen. Doch jeder Tag Verzögerung war für die Alliierten ein Korps wert.

Kaum war Lüttich gefallen, strömte eine Million gut ausgerüsteter Graugrüner über die belgische Ebene. Motortransporte, Maschinengewehre, Flammenpakete lagen bereit; man hatte ihnen eingeredet, sie verteidigten das Vaterland. In Wahrheit trugen sie Brandsätze, die Städte in Rauch hüllen sollten. Namur, stärker geglaubt als Lüttich, hielt nur wenige Tage. Die österreichischen 28-Zentimeter-Haubitzen und die deutschen Riesenhämmer zertrümmerten Fort nach Fort, während Michel sich absetzte. Am 22. August senkte die Garnison die Flagge; die belgische Armee zog sich nach Antwerpen, die deutsche Rechte wälzte sich über Brüssel in einem zweihundert Meilen breiten Bogen gen Nordfrankreich und hinterließ verbrannte Dörfer, geschändete Kirchen, verstummte Glocken.

Der belgische Widerstand zwang Joffre zu neuen Dispositionen, doch der jähe Sturz von Namur zerfetzte sie. Noch hatte Frankreich bei Dinant einen kleinen Sieg errungen, als am 22. August die deutsche Flut die Sambre erreichte, Charleroi brach und die lange französische Mauer zurückbog. Waffen und Gefangene gingen verloren, aber keine Armee wurde umzingelt; sie wichen kämpfend, schlossen Reihen, öffneten jedoch Nordfrankreich dem Feind. Neben ihnen marschierten die ersten britischen Korps, bereit, den Rückzug in eine Entscheidung zu verwandeln. So endeten die bedeutsamen Tage, in denen die Bühne für Mons und die Marne bereitet wurde und Europas Schicksal an einem seidenen Faden hing.

Unter dunklem Schutz glitt das Britische Expeditionskorps am 12. und 13. August 1914 von Southampton nach Frankreich: vier Infanteriedivisionen, eine Kavalleriedivision, 90 000 Männer, 15 000 Pferde und 400 Geschütze, verlegt so rasch wie nie. Zwei Abschirmwände formten einen Trichter, durch den die Elite marschierte; Familien sahen sie nie wieder. Menschenmassen hörten das Stampfen der Stiefel verklingen, bis Stille herrschte und Dampfer in Finsternis stachen. Nie zuvor verließen so viele Männer die Insel, und binnen vier Monaten war die Hälfte tot oder verwundet. Bei Sommernacht zog eine Transportmauer von Horizont zu Horizont, flankiert von Kriegsschiffen, Torpedobooten, Blockadeperiskopen. Die Zusammensetzung der Ersten Armee wird festgehalten, spätere Formationen folgen.

General French führt das Expeditionskorps aus zwei Infanteriekorps und einer Kavalleriedivision. Haigs Erstes Korps trägt drei Divisionen mit Brigaden Coldstream, Scots Guards, Black Watch, Munster Fusiliers; West Surrey, South Wales Borderers, Gloucester, Welsh; Sussex, North Lancashire, Northampton, Rifles. Munro kommandiert das Zweite mit Grenadiers, Irish Guards, Worcesters, Highland Light Infantry, Liverpools, South Staffords, Berks, weitere Rifles. Artillerie, Pioniere, Signale und schwere Geschütze gliedern jede Division. Allenby steht über fünf Kavalleriebrigaden: Dragoner-Garden, Lancers, Hussars, Greys. Hinter ihnen rollen Batterien D, E, I, J, L der Horse Artillery. Diese Ordnung marschiert als erstes britisches Feldheer seit hundert Jahren nach Kontinentaleuropa.

Im August besteigen Männer, Pferde, Geschütze und Lastwagen heimische Züge, gleiten nach Southampton, verschwinden im Dunkel des Kanals und tauchen bei Sonnenaufgang in Boulogne, Le Havre oder weit flussaufwärts in Rouen wieder auf. Keine Ladung, kein Reiter, kein Gewehr geht verloren. Bahngesellschaften, Sea-Transport und Kriegsministerium fügen das ungeheure Puzzle ohne Knirschen zusammen. An den Kais jubeln Franzosen; die Reihen antworten mit nüchternem Lächeln. Lord Kitcheners Befehl ‚Kein Rausch, kein Flirt‘ hallt in den Köpfen. Trotzdem fliegen Spottlieder, und „Tipperary“ wirbelt durch staubige Alleen voller Pappeln, während neugierige Dörfer Picardiens schmunzeln. Die Stimmung ist heiter, doch jeder Marschschritt trägt Stahl.

Am Gare du Nord steigt ein untersetzter, sonnenbrauner Offizier aus: Sir John French. Überhängende Brauen, scharfe graue Augen, Denkerstirn, Kämpferkinn – die Stadt begrüßt den Mann, der Kimberley befreite und Cronje aufhielt. Er nickt knapp, denn Arbeit wartet. Seine Vorgesetzten sind bereit: Haig, derselbe ruhige Kavallerist, der einst Colesberg standhielt; Smith-Dorrien, Sportler und Weltreisender, der Grierson nach dessen plötzlichem Herztod ersetzt; Allenby, scharfsinniger Reiterführer; Pulteney, Jäger der Garde. Alle tragen Narben aus Sudan, Chitral, Tirah, Südafrika. Die Erfahrung, so hoffen sie, gleicht die Masse der preußischen Heere aus. Doch jeder weiß, dass nur geübte Gewehre den Stahlsturm brechen.

General Joffre entwirft den Feldzug. Frankreich bindet Truppen im Elsass, will zugleich Belgien ehren. Ritterlichkeit siegt über Vorsicht: statt die Deutschen tiefer zu locken, beschließt er, über Namur und Charleroi sofort anzugreifen. Linker Flügel werden die Briten. Am 18. August rollen sie durch Le Nouvion, St. Remy, Maubeuge, nehmen bei Kouveroy Stellung, schließen nahtlos an Smith-Dorriens Korps, das bereits den Condé-Mons-Kanal besetzt. Die Kavallerie sammelt sich hinter der Front, eine Brigade wacht vor Binche. Jeder Offizier erwartet die Schlacht mit stiller Zuversicht, während hinter den Feldern Kathedralglocken läuten. Die Sonne brennt, doch blank geputzte Verschlüsse funkeln wie Versprechen.

Am 22. August reiten 4th Dragoon Guards bis Soignies, treffen graue Kürassiere. Captain Hornby führt die Säbel hinab, Pferde wirbeln, mehrere Deutsche liegen, zwölf werden gefangen. Die 20th Hussars kehren mit ähnlicher Beute zurück. Jubel rauscht die Linie entlang: „Ein glückliches Omen!“ flüstert ein Sergeant. Währenddessen richten Pioniere Schützengräben am Kanal aus, schneiden Hecken, sprengen Schlackenhalden. Männer singen, obwohl Marschlast, Blasen und Durst drücken. Jeder trägt 150 Patronen, doch denkt an Sonntagsschulen daheim. Flugzeuge melden nur zwei deutsche Korps – ein Irrtum, der die Ruhe bewahrt. Hinter der Stille lauert jedoch ein stählerner Orkan schon.

Jenseits der Wälder rollt Von Klucks Armee. Amerikanische Beobachter zählen drei Tage lang endlose Kolonnen, Automobile, Geschütze, Regimenter in grauen Mänteln. Ein Offizier ruft: „Entweder wir gehen vorwärts oder wir sterben.“ Fünf Korps, zwei Kavalleriedivisionen marschieren 50 Kilometer täglich, zugleich schiebt ein weiteres Korps von Tournai nach Westen, um die britische Flanke zu treffen. Aufklärer, Taubenflugzeuge, Lastwagenflotten geben der Masse jene unheimliche Geschwindigkeit, die bald als Stahlfalle zuschnappt. Britische Ferngläser sehen davon nur Staub und fernes Blinken; die Gefahr formt sich, noch ungekannt, über den Pappeln. Ihre Schienen glänzen, ihr Marschtritt klingt wie drohender Donner fern.

23. August. Über Mons flattert ein dunkles Flugzeug, dreht, meldet Reichweiten. Sekunden später kracht die erste Granate hinter den Feldküchen. Britische Batterien antworten aus Obstgärten, unterschlüpfen in Schlackenhügeln; Rauchfahnen zeichnen Linien im Korn. Beobachter auf Hausdächern rufen Koordinaten herunter, doch Gegner bleiben verborgen. Infanteristen hocken geduldig, Magazine voll, Staub auf den Bajonetten. Ein Offizier späht, zischelt: „Sie kommen!“ Köpfe tauchen über den Erdwall, erkennen graue Massen, die über Wiesen rollen. Befehl huscht: „Nicht schießen!“ Waffen zittern vor Erwartung, während Schrapnell in den Bäumen kreischt. Die Minuten dehnen sich, Pulverdampf schmeckt bitter wie kalter Tee heute.

Plötzlich hebt ein Leutnant die Hand. Feuer rollt. Gewehre hämmern so schnell, dass Deutsche später von Maschinengewehren sprechen. Auf 800 Meter bricht die vordere Welle auseinander, Körper taumeln, Fahnen sinken. Doch hinter ihr drängen neue Reihen, ungestüm, Schulter an Schulter, Gewehre ungezielt feuernd. Britische Maschinengewehre surren, Feldgeschütze speien Stahlsplitter, yet die graue Flut versucht hartnäckig die Ufer des Kanals zu berennen. Ein Nebel aus Staub und Blut hängt über dem Wasser, Echos prallen von Fabrikmauern. Nach Minuten reißt der Druck, Überlebende stolpern in Waldschatten zurück, während Granaten weiter prasseln. Streunerhunde jaulen, Fenster bersten, Staub wirbelt.

Das Ritual wiederholt sich: Artilleriehagel, graue Ausbrüche, britische Salven, Rückzug. Soldaten verlieren jedes Zeitgefühl. Ein Schotte lacht: „Wir mähen Korn.“ Dennoch brennt feindliches Feuer Nischen in die dünne Linie. Die Halbinsel bei Mons bleibt Schwachstelle: drei Straßen- und eine Eisenbahnbrücke zwingen Verteidiger in gefährliche Bogenstellung, flankiert von Geschützfeuer. Smith-Dorrien lässt dahinter eine Notlinie ausheben, falls Kanal fällt. Die 8. Brigade von Doran, 9. von Shaw, 13. von Cuthbert halten vorderste Gräben; Reserven warten zwischen Fabrikschloten. Über ihnen dreht die unheilvolle Taube, korrigiert jeden Schuss millimetergenau. Schwarzer Pulverrauch weht, setzt sich auf Schultern, Augen, Herzen lautlos.

Gegen Mittag schleichen deutsche Kompanien, gedeckt von Frauen und Kindern, bis an die Nimy-Brücken heran. Plötzlich stürmen sie, werfen Handgranaten, rennen zwischen Rauch und Schreien über Bohlen. Middlesex-Maschinengewehre rattern, aber der Feind setzt Fuß fester Seite, zwingt Gordons und Middlesex zurück. Zur gleichen Stunde greifen sie die Bahnbrücke westlich an, wo Captain Ashburners Royal Fusiliers fünf Stunden Widerstand leisten. Leutnant Maurice Dease, schon fünfmal getroffen, bedient das letzte Maxim bis er sinkt; Gefreiter Godley übernimmt. Zwei Männer halten eine Armee auf; beide erhalten später das „Victoria Cross[7]“. Ihre Namen hallen durch Kasernen und kommende Schlachten.

Auf den Brücken tauchen Sprengladungen auf. Hauptmann Theodore Wright rennt unter Kugelhagel, versucht die Zünder; er fällt in den Kanal, verwundet. Leutnant Day, zweimal getroffen, liegt daneben. Korporal Jarvis klettert mit Draht und Lunten an Jemappes-Brücke, zündet leer – doch erhält das Kreuz. Trotz Heldentum bleiben Übergänge meist intakt, was deutsche Pioniere jubeln lässt. Hinter den Brennpunkten organisieren die 107. und 23. Artilleriebrigaden Feuerschleier, Major Ingham zieht verwaiste Geschütze per Hand weg. Dorans 8. Brigade deckt Rückzug, hält Bois la Haut bis Dunkelheit, verliert 350 Middlesex-Soldaten. Sanitäter schleppen Verwundete, Feldflaschen teilen letzten Schluck lauwarmes Wasser.

Cuthberts 13. Brigade spürt Flammen der Umgehung. West Kent und Scottish Borderers halten Kanalufer, West Riding und York Light stützen in Boussu. Früh verlieren Listers Kompanie hundert Männer vor Cavalry-Debouché. Als Flénu auf der Flanke brennt, rast Smith-Dorrien im Auto zu Haig, holt fünfte Brigade; Verstärkung stoppt Einbruch. Auf derselben Linie kämpfen East Surreys und Duke of Cornwall’s. Am Abend ist Hauptmann Bensons Abschnitt abgeschnitten, Leutnant Morritt vierfach verwundet, ihre Hundert schließlich gefangen. Verluste Surreys: fünf Offiziere, 134 Mann. Cornwall’s weichen über den Kanal, sprengen Pommeroeul-Thulin-Brücke. Rote Glut spiegelt im Wasser, Sparren knacken wie Gewehrschüsse.

Bis gegen fünf Uhr scheinen Linien haltbar. Da erreicht French Joffres Telegramm: vier deutsche Korps vor Front, zweites Korps auf linker Flanke, französische Armeen rechts bereits zurück, links niemand. Entsetzen rauscht, doch Entschluss fällt sofort: Armee muss entkommen. Kein sinnloser Gegenangriff, keine Wiedereroberung verlorener Gräben. Unter dämmrigem Himmel beginnen Einheiten leise auszuschwärmen, Verwundetenkolonnen rollen südwärts, Pioniere sammeln Sprengstoff, Feuer brennen in Dörfern. Befehle lauten: bis 03:00 Gräben leeren, Kanone sichern. Wer deckt, kämpft weiter, während hinten Lastwagenketten rumpeln. Mondlicht glänzt auf Bajonetten, Fledermäuse schneiden Funken, und jeder weiß, dass der Rückzug erst beginnt heute Nacht.

24. August. Erste Morgendämmerung, Mons schon in deutscher Hand. Smith-Dorrien zieht Zweites Korps zurück, während Haig rechts Scheinangriff demonstriert. Granaten jagen von hinten; Rückwärtstreffer erschüttern Moral stärker als zwanzig Frontschüsse. Bei Frameries deckt 9. Brigade Ausweichweg. Captain Sandilands blockiert Straße mit Barrikade; 23. Brigadegeschütze knallen über Köpfe. Lincolns und Northumberlands verlieren je 150 Männer. Ambulanz im Dorf füllt sich, doch verwundete Gewehreilen kehren an Feuerlinie zurück. Sie wiederholen: „Nicht ohne meine Section.“ Waldschatten, Staub und brennende Kohlenhalden verbergen deutschen Vormarsch nur Minuten. Schwitzende Kanoniere werfen Patronenhülsen wie Kupferregen auf den glühenden Straßenstaub. Keiner zuckt fort.

Zur selben Stunde kämpft 13. Brigade in Wasmes. West Ridings stehen Fast-Umzingelung durch, verlieren Colonel Gibbs, Adjutant, dreihundert Männer; aber sie brechen Ring mit Bajonetten, schleppen schweres Lewis-Gewehr über Hecken. West Kents büßen hundert und Major Pack-Beresford. Ganze Fünfte Division weicht auf Bavai-Linie, während 14. Brigade über Dour marschiert. In der Dunkelheit bildet 15. Brigade Gleichen Nachhut; deutsche Flankenstoß droht, doch Allenbys Kavallerie galoppiert heran. L-Battery und zwei Lancer-Schwadronen retten Situation, Peitschen krachen, Pferde schnauben, Geschütze donnern Stoßsalven, ziehen sich dann in Staubmantel zurück. Mondlicht glänzt auf Säbelkanten, Schreie und Wiehern vermischen sich wild dort.

Früher Morgen 24. drückt deutsches II. Korps westlich näher. De Lisle führt 9th Lancers, 4th Dragoon Guards gegen Infanterie bei Andregnies. Drei Schwadronen preschen vor, treffen Drahtzaun, schwenken, feuern Karabiner aus Deckung von Bahndamm. Major Sclater-Booths L-Battery deckt; nach Stunden kehren Reiter erschöpft mit zweihundert Verlusten. Später umklammert Feind Fergusons Flanke, 119. Batterie kämpft bis nur drei Kanoniere stehen, Major Alexander hält Stellung; Captain Grenfell, selbst blutend, hilft Geschütze wegzuziehen. Cheshire-Regiment auf Hügel bei Elouges wird isoliert, 800 Mann gefangen, doch Rest marschiert weiter. Staubwolken verdecken Tränen, verlassene Feldflaschen klirren auf Schotter des Bahndamms leise.

Valenciennes bringt frische Kraft: Drummonds 19. Brigade entlädt sich, Middlesex und Cameronians besetzen linken Flügel bei Condé, feuern erstes Gefecht gegen Flankenkorps ab. Während Main-Armee weicht, marschiert Vierte Division nachts von Briastre nach Bethencourt, sichert Übergänge; Essex erleidet Verluste beim Räumen des Dorfes. Straßen sind verstopft mit Munitionskolonnen, erschöpften Marschierenden, Kanonen, die Rad an Rad greifen. Doch Snows Männer richten Haucourt-Linie ein, begrüßen durchsickernde Mons-Veteranen mit Wasser und Tabak. Ein Offizier staunt: „Ihr Blick ist leer, aber Haltung stramm.“ Die Ankunft hebt Moral merklich. Ferngläser zeigen endlich eigenes Feldgrau, nicht nur feindliches Grau, und Hoffnung.

Am 25. August soll Armee hinter Solesmes Halt machen, Zentrum bei Le Cateau. French befiehlt beiden Korps, Innenflanken dort zusammenzuführen, erwartet französische Territorialsüden. Realität: Haigs Erstes steckt bei Landrecies fest, Wald von Mormal zwischen Flügeln, nur Kavalleriebrücke deckt Lücke. Smith-Dorrien erreicht Position, während Straßen durch zurückflutende Gallier verstopft sind. Allenbys Reiter drehen sich ständig unter Artillerie, geben Zeit für Kolonnen. Bei Caudry stellt McCrackens 7. Brigade Schirm, 42. und 30. Batterie feuern bis Nacht. Irish Rifles verirren sich, schließen sich Kavallerie an, Rest der Division gräbt sich ein. Regen beginnt, schlammige Furchen füllen blutiges Wasser.

Abends in Landrecies ruhen Guards in leeren Kavalleriekasernen, Stiefel ausgezogen, als Ruf ertönt. Aus Walddunkel rollt Kolonne, ruft: „Français!“ Captain Monck’s Coldstream erkennt Täuschung, eröffnet Feuer. Enger Straßenzugang zwingt Deutsche in tödlichen Trichter; zwei Maschinengewehre und ständige Salven zerreißen Vorhut. Gegner bringt Geschütz, schießt Schrapnell auf 500 Metern, doch Brigade weicht nicht. Häuser brennen, Korporal Wyatt löscht Flammen, verhindert Panik. Gegenangriffe schwellen, klingen ab. Nach Mitternacht lösen Irish Guards Kameraden ab, Gesamtverlust 170, darunter Lord Hawarden. Morgengrauen erlaubt geordneten Abmarsch, Wald verstummt, Straße bedeckt mit grauen Leibern. Pulvergeruch mischt sich mit Kiefernharz, Sterne erblassen langsam.

Gleichzeitig drängen Deutsche über Sambre bei Maroilles. 15th Hussars weichen, Berkshires scheitern zweimal am schmalen Stegdamm. Dunkel hindert 1st Rifles am Gegenstoß. 124 Verluste bleiben auf nassem Gras. Verwundete Ärzte Captain Edmunds, Hamilton, Leutnant Danks und zwei Zivilchirurgen geraten in Gefangenschaft, erleben Hungertransport und rohe Behandlung; niemand ahnt, dass dies erst der Beginn grausamer Internierung ist. Brückenköpfe festigen deutschen Zugriff, doch Pioniere zerstören weitere Querverbindungen. Sanitätswagen ohne Lampen tasten sich rückwärts, während leuchtende Raketen deutsche Stellungen markieren. Ein einzelnes Pferd bricht zusammen, trägt Verbandskisten, sein Wimmern übertönt kurz die Kanonen, dann Stille zwischen Schüssen kehrt.

26. August Morgengrauen: bei Pont-sur-Sambre wird 2nd Connaught Rangers in dichtem Busch überrascht. Feindliche Lastwageninfanterie springt heraus, Kettenschnalz; Regiment gerät auseinander, verliert Colonel Abercrombie, sechs Offiziere, 280 Mann, doch kämpft sich mit Entschlossenheit frei. Haigs Korps marschiert parallel, Gepäckwagen rumpeln, Männer schwitzen unter prallen Rucksäcken. 6. Brigade deckt Nachhut, schlägt motorisierte Vorstöße zurück. Hitze drückt, Wasser fehlt, doch Kolonnen erreichen Linie Venerolles. Hinter Waldschleier hören sie fernes Donnern: Smith-Dorrien kämpft. Ein Sergeant sagt: „Das ist unser Wecker für morgen.“ Müdigkeit blendet Sterne, Füße brennen. Trotzdem klirren Bajonette, und der Marschgesang setzt noch einmal an leise.

Gegen Abend des 26. erreicht Zweites Korps offene Höhen südlich Le Cateau. Smith-Dorrien sieht endlose Kolonnen Grauer im Norden, doch Zeit drängt; er entscheidet, am Morgen Stand-Schlacht zu bieten, um Transport zu retten. 225 Geschütze schwenken ein, 4. Division sichert linke Schulter, 19. Brigade rechts. Regen hat aufgehört, tiefrote Sonne taucht Waffen in blutiges Licht. Offiziere zeichnen Schussfelder mit Kreide, graben flache Deckungen. Einer murmelt: „Hier halten wir oder sterben.“ Draht fehlt, Artilleriemunition ist knapp, aber Gewehre sind geölt, Besatzungen entschlossen. Fern schlagen Kirchenglocken, ihr Klang mischt sich mit Knarren der Schanzwerkzeuge und Herzen rasen.

Über allem liegt Donner, doch auch Trotz. Französische Heere weichen, belgische Städte brennen, dennoch schweigt Entmutigung. Britische Infanterie hat bei Mons 4.000 Männer verloren, doch glaubt an eigene Schießkunst; sie schätzt deutsche Verluste doppelt. Deutsche Offiziere gestehen überrascht: „Ihr Feuer ist wie Sense.“ Die Taube des Kaisers mag Kreise ziehen, aber hinter ihr pocht das unbeirrbare Gehirn von Joffre, jenseits des Wassers Kitchener. Nacht legt sich; Kanonen blitzen über Mohnfeldern, Sternschnuppen darüber. Ein junger Fusilier schreibt: „Morgen halten wir stand.“ Seine Tinte trocknet, als erste Vorposten schießen. Mut rauscht durch die zerschlissenen Kompanien wie Wind.

Smith-Dorriens erschöpftes Zweites Korps, seit einer Woche marschierend und drei Nächte kämpfend, erreicht am Nachmittag des 25. August Le Cateau, während Allenbys Kavallerie die Verfolger abhält. Die frische Vierte Division öffnet ihre Reihen, lässt die müden Kolonnen passieren und bildet den Angelpunkt des provisorischen Frontbogens. Am Abend zieht Sir John French nach St. Quentin und ordnet weiteren Rückzug an, doch sein Unterführer prüft das Gelände, sammelt verstreute Bataillone bis zwei Uhr morgens und erkennt, dass ein endloses Weichen die Moral zersetzen würde. Er fordert telefonisch ein Gefecht, um die Jagd zu brechen, noch vor Dämmerung sichert er Artilleriestellungen.

Am Draht erklärt er: “Das Einzige, was die Männer tun können, wenn sie nicht mehr stehen können, ist, sich hinzulegen und zu kämpfen”. French stimmt zu, solange anschließend weitergezogen wird. Smith-Dorrien übernimmt Kavallerie, Vierte Division, 19. Brigade und sein eigenes Korps, schickt Chatillon-Brigaden zum Schutz der ostwärtigen Lücke, die übrige Reiterei nach Westen, wo Sordets Franzosen stehen. Im Morgengrauen verteilen sich die zerlumpten Infanteristen in hastig geschaufelten Gräben nördlich und westlich der Stadt; rechts die Fünfte Division mit den Brigaden 14, 13 und 15, daneben die Dritte Division über Troisville, Audencourt und Caudry, links Snows Vierte bis Haucourt.

Die 14. Brigade bildet das äußerste Rechte, doch nur die Hälfte des 1. East Surrey und das 1. Cornwalls lagern nachts in Le Cateau. Bei Tageslicht stößt deutsche Vorhut in die Straßen; Colonel Longley führt seine Männer durch das Feuer hinaus und hält südöstlich der Stadt selbstständig Stellung. Stundenlang hören sie Kanonade ohne Verbindung, ehe die heranrückende Kavalleriedivision sie mitnimmt. So bleiben nur die 2. Suffolk und 2. Manchester der Brigade in der Hauptlinie. Auch die 19. Brigade, im Ort biwakiert, entkommt knapp und stellt sich unmittelbar hinter den gefährdeten Grabenbogen als bewegliche Reserve für den Tag.

Gegen sieben Uhr schlägt der deutsche Artilleriesturm voll auf die rechte Flanke. Die auffällige Ausbuchtung nahe der Kreuzung westlich Le Cateau wird zernagelt; 15. Brigade und Pioniere schütten vergeblich Erde. Geschosse prasseln frontal und seitlich, Maschinengewehre sägen über die 2. Suffolks und 2. Manchesters. Die Batterien der 28. Brigade werden herausgeschossen, einzig die schwere 108. bremst den Vormarsch kurz. Colonel Brett fällt, Major Doughty trägt drei Wunden, Offiziere und Gräben verschwinden. Beim Rückzugsbefehl halten die Suffolks tapfer, bis fast alle tot, verwundet oder gefangen sind; kaum 250 entkommen, während die Manchesters 14 Offiziere und 350 Mann verlieren.