Der Holzfäller - Alexander Schwarz - E-Book

Der Holzfäller E-Book

Alexander Schwarz

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Beschreibung

Ein verlängertes Wochenende in den Bergen. Ein Wald, der zu still ist. Ein Mann mit einer Axt. Was als Familienausflug beginnt, endet in einem Albtraum. Als Markus mit seiner Frau und seinen Kindern tiefer in den abgelegenen Forst vordringt, ahnt er nicht, dass sie längst beobachtet werden. Der Holzfäller jagt nicht aus Hunger. Er jagt aus Überzeugung. Und der Wald vergisst nie. Ein düsterer, kompromissloser Thriller über Schuld, Wahnsinn und das Böse, das nicht im Schatten lebt – sondern selbst zum Schatten wird.

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Seitenzahl: 74

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Der Holzfäller

Ein Familienausflug in die Berge, ein verlängertes Wochenende voller Lagerfeuer, Sternenhimmel und Ruhe – so hatte Markus es geplant. Doch je tiefer sie in den Wald vordringen, desto klarer wird: Sie sind nicht die Einzigen, die hier draußen warten. Der Wald hat länger auf sie gewartet, als sie ahnen.

Impressum

Titel: Der Holzfäller

Autor: Alexander Schwarz

Erstveröffentlichung: 2025

Urheberrecht: © 2025 Alexander Schwarz

Alle Rechte vorbehalten.

Dieses Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt.

Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Rechteinhabers unzulässig. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Illustrationen: KI-generiert und von Alexander Schwarz bearbeitet

Covergestaltung: Alexander Schwarz

Imprint: Independently published

Haftungsausschluss: Die Inhalte dieses Buches wurden sorgfältig erstellt. Dennoch übernimmt der Autor keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der bereitgestellten Informationen.

Kontakt:

[email protected]

www.seitenvollerabenteuer.com

Inhaltsverzeichnis

Der Holzfäller

Kapitel 1

– Der Tag, an dem der Wald sie fand

Kapitel 2

– Blut und Birkenrinde

Kapitel 3

– Der Wald hat Augen

Kapitel 4

– Die Jagd beginnt

Kapitel 5

– Mit den Zähnen der Wölfe

Kapitel 6

– Der Wolf in mir – Der Holzfäller

Kapitel 7

– Das Herz des Waldes

Epilog

– Der neue Wächter

Kapitel 1

Der Tag, an dem der Wald sie fand

Die Sonne hing tief über dem Wald, als wüsste sie, dass sie hier nicht willkommen war. Ihr Licht wirkte müde, fast entschuldigend, und sickerte nur widerwillig durch die Schichten aus Nadeln und Blättern. Was den Asphalt der Stadt grell erhellte, wurde hier zu einem fahlen, grünlichen Schimmer, der sich im moosigen Boden verlor.

Der Pfad, dem sie folgten, war kaum mehr als eine Erinnerung. Er wand sich wie eine Narbe durch das Unterholz, von Wurzeln aufgebrochen, von Regen ausgespült – als hätte die Natur selbst beschlossen, ihn langsam, aber endgültig zu verschlucken.

Markus Atwood ging voraus. Er setzte jeden Schritt bewusst, beobachtete, wie seine Wanderschuhe im weichen Boden einsanken und wieder auftauchten. Das Knirschen kleiner Steine unter den Sohlen mischte sich mit dem Rascheln vertrockneter Blätter – ein leises, unaufhörliches Flüstern. Über ihnen seufzte der Wald, ein kaum wahrnehmbares Rauschen der Baumkronen im Wind.

Hinter ihm lachte Clara – dieses helle, klare Lachen, das er in den letzten Monaten viel zu selten gehört hatte. Jonas und Lina stritten sich um einen Ast, den sie unterwegs aufgelesen hatten – ein unscheinbares Stück Holz, das in ihren Händen zum „Zauberstab“ geworden war. Jonas hielt ihn hoch wie ein Schwert, Lina versuchte, ihn ihm zu entreißen, und beide kreischten abwechselnd:

„Ich zuerst!“ – „Du hattest ihn schon!“

„Papa, wie weit ist es noch bis zur Hütte?“, quengelte Lina und zupfte mit der freien Hand an seinem Rucksack. Ihre Stimme hatte diesen Ton, der ihm verriet, dass ihre Geduld längst am Ende war – obwohl sie die Wanderung vor drei Stunden noch „voll cool“ gefunden hatte.

Markus warf einen Blick auf die Uhr, dann in den Wald. Die Bäume standen enger, der Pfad wurde unübersichtlicher.„Nur noch eine Stunde“, sagte er und zwang sich zu einem aufmunternden Lächeln.

Er wusste, dass es gelogen war. Nach seiner Schätzung lagen noch mindestens zwei Stunden vor ihnen, vielleicht mehr, wenn Lina weiter trödelte und Jonas bei jedem Geräusch am Wegesrand stehen blieb. Aber er sah ihre geröteten Wangen, den Schweißfilm auf Claras Stirn und die Müdigkeit in Jonas’ Bewegungen. Die Aussicht auf die Hütte, auf Grillen am See, auf einen Himmel voller Sterne – einen, den sie in der Stadt nie zu Gesicht bekamen – musste jetzt stärker sein als Fußschmerzen und Langeweile.

Clara trat neben ihn, wischte sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und warf ihm einen dieser Blicke zu, die mehr sagten als Worte. Du und deine Abenteuer, sagte dieser Blick. Deine spontanen Ideen, deine „Überraschungen“, die immer länger dauern, als du behauptest. Doch in ihren Augen lag Zuneigung, keine echten Vorwürfe. Noch nicht.

„Die Kinder werden sich später dran erinnern“, murmelte Markus halblaut. „Der erste richtige Familienurlaub im Wald. Ohne WLAN, ohne Nachbarn, ohne…“

„…ohne deine E-Mails“, ergänzte Clara trocken. „Wenn du es heute Abend wirklich schaffst, das Handy auszuschalten, glaube ich dir vielleicht.“

Er wollte etwas Witziges erwidern, aber der Wald schluckte ihm die Worte weg. Es fühlte sich an, als würde jeder Schritt sie tiefer in etwas hineinführen, das nicht für Menschen gemacht war.

Die ersten Warnungen hatten sie überhört.

„Da oben ist’s anders“, hatte der alte Mann an der Tankstelle gemurmelt, während er Benzin in den Wagen pumpte. Seine Hände waren runzlig und fleckig gewesen, die Fingernägel schwarz von Erde und Öl. „Der Wald vergisst nicht.“

Markus hatte es für das Gerede eines Einsiedlers gehalten, der Touristen erschrecken wollte. Er hatte gelacht, höflich genickt, den Routenplaner auf dem Handy geöffnet und gefragt, ob der Feldweg wirklich bis zum Wanderparkplatz führe. Der Alte hatte nur die Schultern gehoben und hinzugefügt:„Manche Wege führen nirgendwohin. Nur rein.“

Und dann, kurz vor dem Einstieg in den Pfad, war da dieses Schild gewesen – verrostet, schief, vom Wetter gezeichnet.

„Betreten auf eigene Gefahr – Forstbereich gesperrt.“

Die roten Buchstaben waren teilweise abgeblättert, doch die Warnung war noch deutlich genug. Clara hatte die Stirn gerunzelt.„Markus…“

„Nur umgestürzte Bäume“, hatte er gesagt und mit einem lässigen Winken abgetan. „Veraltete Schilder. Willkommen in der Bürokratie.“

Jetzt, Stunden später, klang seine eigene Stimme in seinem Kopf hohl und überheblich. Die Luft war dichter geworden, schwerer. Ein Geruch von Moder lag darin, feucht und süßlich, als wäre alles Lebendige hier immer nur einen Schritt davon entfernt zu verrotten. Unter die Fäulnis mischte sich etwas anderes, das sein Magen wiedererkannte, bevor sein Kopf es tat: ein metallischer Hauch, trocken, kalt.

Wie Blut.

Jonas blieb so abrupt stehen, dass Lina in ihn hineinlief.„Da war was“, sagte er und schob seine Brille höher.

„Ein Vogel“, murmelte Markus, ohne stehen zu bleiben.

„Nein.“ Jonas’ Stimme wurde dünner. „Das klang… schwer.“

Dann hörte Markus es auch. Ein Knacken, nicht das leichte Splittern eines Zweigs unter einem Fuchs oder Reh. Eher der Laut, wenn ein schwerer Stiefel auf eine trockene Wurzel tritt. Einmal. Dann noch einmal. Langsam. Mit Absicht.

Ein Frösteln lief Markus über den Rücken. Er sagte sich, dass es ein Jäger sein musste, ein anderer Wanderer, irgendjemand, der genauso wenig hierhergehörte wie sie. Und doch wanderte seine Hand unbewusst an den Rucksackriemen, als suche sie nach etwas, das Schutz bot.

Und dann trat er aus dem Schatten.

Er kam nicht plötzlich, wie ein Raubtier, das sich auf seine Beute stürzt. Er tauchte auf – Schritt für Schritt –, als wüsste er, dass ihnen niemand zu Hilfe kommen würde. Ein Mann, gut zwei Meter groß, die Schultern breit wie Baumstämme. Die Jeans an den Knien von Erde und Harz verkrustet, der Stoff an mehreren Stellen zerrissen. Die Haut seiner Hände war grau und rissig, voller Schwielen, die von Jahren harter Arbeit zeugten. In der rechten Hand trug er – noch – nichts.

Sein Gesicht war schwer zu erkennen. Der Schatten der Bäume lag wie ein Schleier über seinen Zügen. Nur seine Augen blitzten kurz auf, als er stehen blieb. Kein neugieriger Blick, kein freundliches Erstaunen über unerwartete Besucher. Eher das träge Abwägen eines Jägers, der sich fragt, wie lange das Zappeln dauern wird.

„Ihr seid verloren“, sagte er.

Es klang nicht wie eine Drohung, eher wie eine nüchterne Feststellung – wie das Vorlesen eines Ergebnisses, das längst feststand. Seine Stimme war rau, tief, als hätte sie jahrelang nur Rauch, Alkohol und Schweigen gekannt. Jedes Wort schien ihm Mühe zu bereiten, als sei Sprechen ungewohnt geworden.

Clara zog Lina reflexhaft an sich, legte einen Arm um die Schultern des Mädchens. Jonas trat einen Schritt näher an seinen Vater heran.„Wir suchen nur die Ferienhütte“, erklärte Clara, bemüht ruhig. „Der Förster sagte—“

„Förster.“ Das Wort verließ den Mund des Mannes wie etwas, das er ausspucken musste. Er tat es tatsächlich – ein feuchter Fleck landete auf dem Waldboden – und er zog die Oberlippe hoch.„Tot.“

Markus spürte, wie ihm die Kehle trocken wurde.„Wie meinen Sie das?“, fragte er, doch die Frage blieb halb im Raum hängen.

Der Mann antwortete nicht. Stattdessen griff er hinter einen Baum, als hätte er dort etwas abgestellt, das ihm vertraut war. Als seine Hand wieder zum Vorschein kam, hielt sie eine Axt. Der Schaft war dunkel vom Gebrauch, die Metallklinge verkratzt, an manchen Stellen rostig, an anderen seltsam sauber. Zu sauber.

Es war kein Werkzeug mehr. Es war eine Waffe.

Die Schneide fing einen Lichtstreifen ein, der sich durch die Äste stahl, und schimmerte kurz auf – ein schmutziges, stumpfes Glitzern, als wäre dort einmal sehr gründlich gewischt worden.

Markus’ Körper reagierte, bevor sein Kopf nachkam.

Es ging zu schnell.

In dem Moment, in dem der Mann die Axt in einer beiläufigen Bewegung höher nahm, stieß Markus die Kinder nach hinten.„LAUFT!“, brüllte er, seine Stimme überschlug sich fast. Jonas stolperte, Lina klammerte sich an Claras Arm. Die Zeit dehnte sich, wurde zäh und schwer – und doch war alles in einem Augenblick vorbei.