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"Ein Chaos von Stiften und Schreibern liegt am Boden vor meinen Füssen. Was ist mit mir nur passiert? Alles ist irgendwie aus dem Ruder gelaufen. All die Jahre habe ich Bücher über Veränderungen gelesen, um ein glückliches Leben zu finden und jetzt habe ich ganz viele Gegenstände gefunden." Ein neuer Weg beginnt ... ins Innere! Es stellt sich die Frage: Wer bin ich in dieser globalen Welt?
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Seitenzahl: 124
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Wer bin ich in dieser globalen Welt?
Wie kann ich mein Leben in Gold verwandeln?
Der Innere Jakobsweg
Der Anfang
Mit dem Regionalpass
Erster Tag
Zweiter Tag
Dritter Tag
Vierter Tag
Fünfter Tag
Sechster Tag
Siebter Tag
Achter Tag
Neunter Tag
Zehnter Tag
Elfter Tag
Schlusswort
Ich bin Rosalie und bin eine von vielen auf diesem Planeten Erde, die in keinem Geschichtsbuch oder Rekordbuch erwähnt wird. Ich bin seit gut 50 Jahren auf diesem globalen Wahnsinn und versuche einen Moment inne zu halten, um meinem Leben wie einem erschlafften Ballon wieder neues Leben einzuhauchen.
Es ist schon lange an der Zeit, meine Reise ins Innere meines Ich‘s zu unternehmen. Habe es immer wieder verschoben mit Ausreden und Ausweichmanövern. Geschickt und bequem, um unbequemen Fragen auszuweichen. Aber wenn ich am letzten Tag meines Lebens dann doch nicht mehr ausweichen kann, warum stelle ich mich meinem Leben nicht jetzt? Lese gerade das Buch „Bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling auf dem Jakobsweg. Am liebsten möchte ich auch weg, aber es geht nicht, ich kann nicht immer vor mir weglaufen, mir ausweichen und wichtige Fragen unbeantwortet lassen. Es ist Zeit, mich meinem Leben zu stellen. Den inneren Jakobsweg gehen. Wie geht das? Ist interessant, bin letzter Woche einer speziellen Frau begegnet, die einem scheinbar Hände auflegen kann, um Störungen in deinem Körper festzustellen. Sie spürt Blockaden und regt dann irgendwie deinen Energiefluss wieder an, so dass du dich wieder besser fühlst und gesund wirst. Tönte ganz spannend. Zu Hause recherchierte ich im Internet über Händeauflegen und fand recht spannende Beiträge. Einer davon hat mich neugierig gemacht. Jeder kann Hände auflegen und sein Leben wieder in den Fluss bringen. Vielleicht habe ich es auch falsch verstanden, aber klar, warum nicht gleich selber ausprobieren. Was kann ich schon verlieren? Ein bisschen Mut und Experimentiergeist und schon geht es los. In den letzten Monaten bin ich von den vielen schweren Gedanken und der herausfordernden Arbeit so erschöpft, dass dieses Händeauflegen doch ein Weg sein könnte. Mein Jakobsweg in das Innere.
„Nüt`s nüt, schadet`s nüt.“
Ich lege mich aufs Bett, platziere meine linke Hand auf die Brust und die rechte auf den Bauch. Mein Atem geht ruhig und meine Gedanken konzentrieren sich auf den Atem.
„Ich lebe und komme in die Mitte. Ich bin da und hier und danke Gott für mein Leben.“ Spontan und leise kommen mir diese Worte in den Sinn. Meine Gedanken sind auf die Hand auf dem Bauch gerichtet. Wow, da geht es aber wild zu und her. Oje, da ist aber einiges los, wer hätte das gedacht. Ein wildes Tier versucht nach mir zu beissen. Ist mir völlig unangenehm. So hatte ich mir meinen Jakobsweg nicht vorgestellt. Eklig und unangenehm. Aber ist es nicht gerade dieses Unangenehme, dem ich immer ausgewichen bin? Dieses Gefrässige in meinem Leben, das mir die Lebensfreude und Lebensenergie rauben will? Wer ist dieses Ungeheuer? Ich verjage es ohne es zu fragen. Schade, die Antwort bleibt wohl offen. Ich setze mich wieder auf und schaue gedankenvoll meine Umgebung an.
Es ist erst der Anfang. Eines nach dem anderen. Bin erst am Anfang meiner Pilgerreise in mein Inneres.
Ich will doch mein Leben in Gold verwandeln. Ein bisschen Goldmarie schadet niemandem. Das muss doch auch bei mir klappen, wäre doch gelacht.
Ein Chaos von Stiften und Schreibern liegt am Boden vor meinen Füssen. Was ist mit mir nur passiert? Alles ist irgendwie aus dem Ruder gelaufen. All die Jahre habe ich Bücher über Veränderung gelesen, um ein glückliches Leben zu finden, und jetzt habe ich ganz viele Gegenstände gefunden. „Wer glücklich ist, kauft nicht!“ habe ich vor kurzem gelesen. Aber wer glücklich ist, rennt wahrscheinlich auch keinen Marathon oder steigt zum Meisterkoch auf. Irgendwie rennt jeder einem Ziel nach, in der Hoffnung, das richtige Glück, den richtigen Beruf, das perfekte Haus und das perfekte Leben zu finden. Gibt es den Unterschied zwischen perfekt und richtig? Ist erst das Richtige das Perfekte oder das Perfekte das Richtige? Die Frage ist falsch. Was brauche ich, um glücklich zu sein?
Diese Suche hat mich in die Erschöpfung hineingebracht und ein Haus voller Gegenstände, die diese Suche dokumentieren. Andere haben Gold- und Silbermedaillen gesammelt und ich? Bunte Stifte aller Sorten und Zwecke, die alle Ideen präsentieren, die ich kurzfristig hatte und irgendwie zu keinem erfolgreichen Ende führen konnte. Warum? Es ist wie ein Indiana Jones Abenteuer. Die Suche nach dem Schatz des Lebens, den Sinn meines Unsinnes.
Man buddelt und gräbt wie wild und wird mehr oder weniger fündig. Mal mehr, mal weniger. Was macht denn ein lebenswertes Leben aus? Ich bin kein Roger Federer oder eine Angela Merkel. Ich bin eine von acht Milliarden Menschen auf dieser Welt und schon das klingt ganz schön deprimierend. Was macht denn schon das eine kleine Sandkorn am Strand Sinn, wenn es in den Milliarden von Sandkörnern völlig untergeht? Ich persönlich habe es nicht geschafft, meinen inneren Schweinhund so zu überwinden, dass ich eine Erfolgskanone bin. Na, da haben wir den Salat. Aber das haben doch so viele auch. Wer sind denn wir? Ich habe jetzt wirklich so viele Bücher gelesen und Methoden ausprobiert und doch drehe ich mich immer wieder im Kreis. In einer Sendung habe ich gehört, man solle nicht den Schweinehund überwinden, sondern sich selber liebevoll umarmen.
Das ist doch mal etwas Anderes. Und doch kommt es mir bekannt vor.
Die zwei wichtigsten Gebote sind Gott zu lieben und den Nächsten wie sich selbst. So oft habe ich es gehört, gelesen und doch hat diese Botschaft mein tiefstes Inneres nicht erreicht. Mich lieben, mich umarmen, meine Lieben lieben. Wie grosse Buchstaben steht es vor mir. Mein Leben lieben und in Gold wandeln. Fast wie Goldmarie in Frau Holle meine Pechteile in Goldstückchen verwandeln. Na, dann ab in die Goldschmiede.
Nun, ich lege mich mal aufs Bett und umarme mich. Meine Arme umschliessen sich ganz innig und ich flüstere mir zu:
Ich liebe mich von ganzen Herzen und halte mich ganz fest. Ich liebe mein Leben und jedes kleine Ding an mir. Ja, ich liebe dich mein Kind und nichts und niemand kann dich trennen von dieser Liebe. Werde eins in dieser Liebe.
Hoppla, eine innere Stimme erzählt mir gerade eine Liebeserklärung und ich bin ganz erstaunt. All die Jahre war die Liebe immer an Bedingungen gebunden. Wenn du das und das machst, bist du ein Liebes. Wenn ich das und das mache, habe ich Erfolge und dementsprechend eine gute Note oder eine gute Anstellung. Aber einfach geliebt zu werden um der Liebe willen. Zu leben einfach um des Lebens willen, ist bei mir irgendwie nicht angekommen. Es tun aus Liebe, weil ich mich liebe, weil ich den Anderen liebe ohne Erwartungen, dass er meinem Leben Sinn und Frieden gibt. Nein. Ich selber verwandle mein Leben in Gold. Ja, das tönt ja ganz einfach. Warum fiel es mir all die Jahre so schwer? Ich lege mich jetzt mal wieder hin, umarme mich und schlafe eine Nacht drüber. Versuche es doch mal und wir schauen morgen wieder weiter.
Gute Nacht mein Leben. Ich liebe dich.
Seit Freitag habe ich Urlaub und der Stress will irgendwie nicht nachlassen. Bin immer noch verstrickt mit alten Familiengeschichten und Erbangelegenheiten. Die letzten Wochen waren gefüllt mit Terminen, um eine Hofübergabe und den Verkauf von Landstücken der Erbengemeinschaft in die Wege zu leiten. Aber irgendwie stolpere ich immer wieder über neue Hindernissteine, komme in keiner Weise an ein Ziel. Auf meinem Büroboden liegen dutzendweise Ordner und Papiere der letzten Jahre. Ich kann es nicht glauben. Was ist aus meinem Leben in den letzten 54 Jahren geworden? Nun sehe ich es mit meinen eigenen Augen. Wieder zu meinem Füssen. So viele gescheiterte Versuche, ein Erbe in sinnvolle Bahnen zu lenken. Oder muss ich ehrlicherweise zugeben, dass ich meinem Leben eine gewünschte Richtung geben wollte und irgendwie immer wieder in einer Sackgasse landete? Ich bin immer noch nicht da, wo ich sein möchte. Warum nur? Geht es Ihnen auch so? Jeder Versuch scheitert irgendwie verhext und man gerät immer wieder in eine Verstrickung von ungewollten Situationen oder Verpflichtungen. Ich will mir Zeit nehmen und einen Raum der Stille und des Ordnens suchen, um diesen Problemen tiefer auf die Schliche zu kommen. Einen inneren Jakobsweg gehen, aber dazu kann ich im Moment nicht Urlaub nehmen. So kommt mir der spontane Entschluss entgegen, den zehntägigen Regionalpass zu lösen und die Reise durch meine Heimat, zur Reise in meine innere Heimat zu machen.
Und das mit 1. Klasse. Was denn sonst, es ist Diva-Zeit!
Mache ich mich auf den Weg oder auf die Reise? Na, egal, Hauptsache Jakobsweg. Oder eher gesagt Regionalweg, bzw. Mini-Jakobsweg.
Wir werden es sehen.
Der zartblaue Morgenhimmel verspricht ein verheissungsvoller Tag zu werden. Mein Hausberg steht auf dem Programm. Mein Hausberg. Schon seit Kindheit begleitet mich dieser stabile Fels in der Brandung meiner Lebensreise. Was auch immer im Leben geschah, dieser Berg stand immer wie eine Pyramide felsenfest an seinem Ort und liess sich nicht aus der Ruhe bringen. Das kann ich von mir gar nicht sagen. Mein Leben war immer ein Auf und Ab und schien wie eine Achterbahn zu verlaufen. Nun ist die Zeit reif, mein Rummelplatzleben in gezielten Bahnen zu führen. Der Berg ist dafür der ideale Anfang. Als kleine Einstimmung auf den Tag, geniesse ich einen Morgenkaffee mit meinem Mann im Bistro. „Hesch du nid Ferie?“, meint Evi, als wir zusammen das Lokal betreten. Sie ist es gewohnt, dass ich vor der Arbeit die Zeitung bei ihr lese und meinen Morgenkaffee als Starter in den Tag brauche. Nun ist sie erstaunt, mich in meinen Ferien bei ihr zu sehen. Aber heute habe ich einfach Lust, früh auf den Gipfel hinauf zu fahren, weil es einfach Zeit ist, die Welt von oben neu anzusehen und ein Schluck Koffein in gewohnter Umgebung ist auch ein guter Tages-Energieschub. „De viel Spass!“ wünscht mir Evi, als ich mich auf den Weg mache.“ Merci, dir o ä schöne Tag!“ Was kann da schon schiefgehen, wenn man mit solchen vertrauten Begegnungen die Reise starten kann.
Der Parkplatz ist an der Talstation noch kaum belegt. Ich gehöre heute zu den Frühaufstehern und die Chancen stehen gut, noch genügend Platz in der Bergbahn zu finden. Tatsächlich, nur wenige Leute stehen an der Kasse und ich sitze fast allein in meinem kleinen Bergbahnabteil. Die steilste Zahnradbahn Europas soll es sein. Die maximale Steigung beträgt 68%. Es ist auch die längste Standseilbahn Europas und bietet die längste Treppe der Welt an, um sich im Wettlauf auf den Gipfel zu messen. 11‚674 Stufen! Ich bevorzuge die bequeme Fahrt mit der Standseilbahn nach oben und geniesse mit jedem gewonnenen Höhenmeter die traumhafte Aussicht in die Weite. Ja, dieses Gipfelstürmen habe ich immer wieder in meinem Leben zu spüren bekommen. Es ist wie ein innerer Drang nach oben zu kommen, den Erfolg zu erleben und Sieger zu sein. Wenn aber die Treppen zu lang und die Steigungen zu steil werden? Der Traum des Gipfels ein Traum bleibt oder zum Alptraum wird? Ich spüre meine Erschöpfung. Zu viele Versuche, Gipfel mit Euphorie zu stürmen und unterwegs entmutigt stecken geblieben zu sein, haben meine Kräfte aufgebraucht. Und wer sagt mir, welches der richtige Berg ist oder ob es doch der Falsche ist? Habe mal im Unterricht den Lernenden die Frage gestellt, wie sie den Gipfel ihres Hausberges erreichen können. Die Resultate waren interessant und inspirierend. „Keine Ahnung“,“Banane!“, „Wo ist dieser Hausberg?“ Ja, und wer sagt, dass dieser Berg mein Ziel ist und überhaupt, will ich diesen Berg hoch? Gehe ich nicht lieber ans Meer? So viel zum Thema: Lebensziel oder Gipfel erreichen. Ist doch einfach Banane.
Heute habe ich den richtigen Berg und das richtige Fortbewegungsmittel gewählt. 1. Klasse gibt es zwar nicht, aber ich bin überglücklich, diese wunderbare Fahrt so leicht auf den Gipfel zu schaffen. Es lohnt sich. Die frische Luft und die Morgensonne über den ganzen Bergketten bringen mich zum Staunen. Ehrwürdig stehe ich zuoberst und schaue mir rundum die Welt an. Wow. So schön. Jeder, der mal Zeit hat, sollte sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen. Diese Aussicht auf die zwei Seen, eingebettet in Berge und Landschaft. Der Morgennebel schleicht sich sanft durch die Talsohle und berührt liebevoll die Umgebung als wollte er sagen: „Erwache zu einem neuen Leben und lass die Sorgen sein.“ Es tut meiner Seele gut. Ja, so richtig gut. Diese Ruhe am Morgen, fast keine Touristen und dieser Blick in die Weite. „Was sorgst du dich um diese Welt, schau mal nach unten, wie klein sind diese Häuser und Menschen. Dann schau mal in die Weite. So ein Horizont, weit und scheinbar unendlich. Schau auf diese Weite. Warum sorgst du dich um dieses kleine Stückchen Erde?“ Tatsächlich, diese Weite, unwahrscheinlich. Ein tiefer Seufzer kommt aus meiner Brust und durchströmt meinen Körper. Ja, warum habe ich mich nur so stressen lassen? Was bin ich schon in dieser weiten Welt? Was kann ich schon mit meinen Sorgen bewirken?
Mein Blick schweift in die Tiefe. Wo ist unser Bauernhof, das umstrittene Erbe, das allen so viel Kummer macht? Da unten liegt es. Klein und unscheinbar, ein hellgrüner Fleck mit dunklen Flecken. Ein Stück von vielen Stücken, ein Teil von einem Ganzen. Wieder ein Seufzer. Entspann dich, Mädel. Es wird Zeit, die Perspektive zu wechseln und den Gipfel zu geniessen. Ja, ich bin oben, ganz oben und atme tief ein. Ich lebe und es ist gut so. Ja, es ist gut so. Ich bin, die ich bin. Ist das nicht genug? Nachdenklich schaue ich mich nochmals um und danke den Bergen, dass sie immer für mich da waren und immer noch da sind. Ein Geschenk des Schöpfers an mich. Ich bin da, wo du auch bist. Ich bin dein Fels und deine Ruhe. Danke. Mit innerer Zufriedenheit steige ich zum Restaurant runter, hinterlasse in der Nähe des Gipfels meinen kleinen Steinturm. Es ist mein Kunstbeitrag zum Thema Gipfelstürmer.
Weniger ist manchmal mehr. Klein, aber oho. Oder so.
Welcher Genuss, einfach an der Sonne zu sitzen, die Berge zu geniessen und den Duft von Kaffee in der Nase zu riechen. Dem Himmel ein Stückchen näher. “No eis tubake, de gömer.“ Zwei einheimische Senioren verlassen gerade das Restaurant und wollen noch eins rauchen, bevor sie den Abstieg starten. Ich muss schmunzeln, es ist für mich ungewohnt, wieder mal urchige Ureinwohner mit Vollbart und
