Der kleine Drache Dino - Dominik Mikulaschek - E-Book

Der kleine Drache Dino E-Book

Dominik Mikulaschek

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Beschreibung

Der kleine Drache Dino – und der schwarze Ritter mit dem viel zu großen Helm ist ein liebevoll erzähltes Kinderbuch voller Abenteuer, Humor und Herz. Perfekt als Vorlesebuch ab 5 Jahren und ideal zum Selberlesen ab 8 Jahren. Dino ist ein kleiner Drache mit einem echten Drachenproblem: Sobald die Sonne seine Nase kitzelt, muss er niesen – und dabei sprühen Funken! Als im Wald ein geheimnisvoller schwarzer Ritter auftaucht, dessen Helm viel zu groß ist, geraten alle durcheinander. Manche Tiere haben sofort Angst, andere urteilen vorschnell. Doch Dino spürt: Hinter dem Visier steckt mehr, als alle denken. Gemeinsam mit seinem frechen Freund Fips folgt Dino Spuren durch den Wald, löst Rätsel und wächst über sich hinaus. Denn manchmal ist Mut ganz leise – und echte Stärke zeigt sich dort, wo niemand damit rechnet. Warum Kinder (und Eltern) dieses Buch lieben werden: Drachen & Ritter: Fantasy-Feeling mit Burg, Geheimnissen und Humor Freundschaft & Mut: eine warme Geschichte über Zusammenhalt und Selbstvertrauen Spannend ohne Angst: abenteuerlich, aber kindgerecht erzählt Ohne erhobenen Zeigefinger: wichtige Themen wie Vorurteile und Anderssein ganz natürlich verpackt Kapitelweise perfekt: ideal zum Vorlesen am Abend oder als Lesestoff für Grundschulkinder Für wen geeignet: Vorlesegeschichte ab 5 Jahren, zum Selberlesen ab 8 Jahren – für alle, die Drachenbücher, Rittergeschichten, Kinder-Fantasy und Abenteuerbücher lieben.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 194

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Dominik Mikulaschek, geboren 1983 in Linz, entführt seit über fünfzehn Jahren junge Leser in die Welt der Fantasie und des Abenteuers. In seinem Werk „Der kleine Drache Dino – und der schwarze Ritter mit dem viel zu großen Helm“ übersetzt er diese Leidenschaft in eine herzerwärmende und spannende Kindergeschichte, die auf erhobenen Zeigefinger verzichtet und stattdessen die gefährliche Dynamik von Vorurteilen, die Kraft der Freundschaft und die Suche nach der eigenen Identität kindgerecht seziert. Sein Buch ist ein atemberaubendes und beklemmend reales Abenteuer, das zeigt, wie Mut im Herzen eines kleinen Drachen wohnen kann und dass wahre Stärke oft dort zu finden ist, wo man sie am wenigsten erwartet.
Dominik Mikulaschek
Der kleine Drache Dino – und der schwarze Ritter mit dem viel zu großen Helm
Band 1
tredition GmbH
© 2026 Dominik Mikulaschek
Druck und Distribution im Auftrag des Autors:
tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: Dominik Mikulaschek, Holzwurmweg 5, 4040 Linz, Austria.
Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]
Kapitel 1 – Ein Funke zu viel (Dino)
Tief im Drachenwald, wo die Bäume so hoch waren, dass ihre Wipfel die Wolken kitzelten, dort lebte ein kleiner Drache mit dem Namen Dino. Er war nicht wie die anderen Drachen. Die großen Drachen schliefen lieber auf ihren Goldhaufen oder rissen mit mächtigen Flügeln den Himmel auf, um nach Schafen Ausschau zu halten. Dino aber hatte ein winziges Problem. Eigentlich war es ein ziemlich großes Problem, aber winzig fing es immer an. Er konnte einfach nicht aufhören zu niesen, wenn die Sonne ihm direkt auf die Nase schien. Und an diesem wunderschönen Frühlingsmorgen war das ganz besonders schlimm, denn die Sonne lachte und strahlte und funkelte, dass es eine wahre Pracht war. Dino saß vor seiner gemütlichen Drachenhöhle, die eigentlich nur eine umgebaute Fuchsbaue war. Aber mit ein paar Moospolstern und einem kleinen Teich davor sah sie richtig wohnlich aus. Er genoss die Wärme auf seinen grünen Schuppen. Sie schillerten in allen möglichen Schattierungen – von Hellgrün über Smaragd bis hin zu einem ganz dunklen Tannengrün. Nur seine Stacheln auf dem Rücken waren knallgelb, wie kleine Löwenzahnblüten. Er blinzelte in die Sonne, kratzte sich mit seiner kleinen Klaue hinter dem Ohr, wo es immer ein bisschen juckte, und dann passierte es. Die Sonne fand genau das richtige Fleckchen auf seiner Nasenspitze und kitzelte dort so fies und hartnäckig, dass Dino erst die Luft anhielt, dann die Augen zusammenkniff, dann die Stirn runzelte. Und dann nieste er. Es war ein gewaltiges, alles erschütterndes HATSCHI. Aus seiner Nase kam nicht nur ein kleiner Luftzug. Nein, bei Dino war das Niesen immer mit einem kleinen Feuerschwall verbunden, weil er eben doch ein Drache war. Dieser Feuerschwall schoss an diesem Morgen besonders heftig aus ihm heraus. Ein kleiner, aber feiner Feuerstrahl zischte direkt in das trockene Farnkraut vor seiner Höhle. Das Farnkraut hatte die ganze Nacht über getrocknet und nur darauf gewartet, in Brand zu geraten. Es fing sofort an zu knistern und zu rauchen. Dann loderte die kleine Flamme lustig vor sich hin. Dino erschrak sich so sehr, dass er rückwärts in seine Höhle purzelte. Dabei stieß er gegen seinen selbstgebastelten Tisch aus Treibholz, auf dem eine Schale mit Waldbeeren stand. Die Beeren rollten nun fröhlich durch die Gegend. Aber Dino kümmerte sich nicht um sie, denn draußen brannte das Farnkraut immer noch. Er rappelte sich schnell wieder auf und rannte nach draußen. Mit seinen kleinen Drachenflügeln versuchte er, die Flammen auszuschlagen, aber das machte es nur schlimmer, weil er dadurch noch mehr Luft anfächerte. Also überlegte er kurz. Dann rannte er zu seinem kleinen Teich, atmete tief ein und pustete nicht Feuer, sondern mit aller Kraft einen gewaltigen Sturm aus seiner Lunge. Das Wasser im Teich schlug Wellen, und eine riesige Gischtwolke stieg auf. Wie ein Regenschauer ergoss sie sich über das brennende Farnkraut. Endlich, endlich hörte das Zischen auf, und die Flammen erloschen. Aber zurück blieb ein großer, schwarzer, verkohlter Fleck vor seiner Höhle und ein Häufchen Asche, das traurig im Wind vor sich hin qualmte. Dino setzte sich auf seinen Hosenboden, was bei Drachen eigentlich der Schwanzansatz ist, und seufzte ganz tief. Das war nun schon das dritte Mal in dieser Woche, dass er aus Versehen etwas angezündet hatte. Am Montag war es der Blumentopf von Frau Eichhorn gewesen. Sie war überhaupt nicht einverstanden, weil ihre schönen Ringelblumen darin wuchsen. Am Mittwoch hatte er fast den Schwanz von Vater Dachs angesengt, als der hinter einem Busch vorbeischlenderte. Und heute nun das Farnkraut. Dino wusste, wenn das so weiterging, würde ihn bald keiner mehr im Wald leiden können. Dabei wollte er doch nur ein ganz normaler kleiner Drache sein, der mit den anderen Tieren spielt und Abenteuer erlebt. Er wollte nicht ständig alles in Brand setzen. Aber seine Nase machte einfach nicht mit. So saß er da, stützte seinen Kopf in beide Pfoten und starrte traurig auf die rauchende Asche. Plötzlich hörte er ein leises Trippeln und blickte auf. Da stand Fips. Fips war das flinkste Eichhörnchen des ganzen Waldes. Er hatte einen riesigen, buschigen, rotbraunen Schwanz und zwei wache Knopfaugen, die vor Neugier blitzten. Fips hielt eine Eichel in den Pfoten und kaute daran herum, während er Dino mit leichtem Kopfschräg musterte. Dann sagte Fips in seinem schnatterigen Eichhörnchton: „Na, Dino, schon wieder gezündelt? Gleich hast du den ganzen Wald abgefackelt. Dann müssen wir alle zu den Menschen ins Dorf ziehen. Und die haben so fiese Katzen, die immer auf Eichhörnchen Jagd machen. Also lass das lieber sein!“ Dino seufzte noch einmal und sagte: „Ich kann doch nichts dafür. Es ist diese blöde Sonne und meine Nase. Die machen einfach nicht, was ich will. Und dann passiert es einfach.“ Fips hüpfte näher und setzte sich auf einen Stein. Er knabberte an seiner Eichel und überlegte. „Du musst einfach aufhören zu niesen“, sagte er schließlich, als wäre das die einfachste Sache der Welt. „Ach ja? Und wie soll das gehen?“, fragte Dino muffelig. „Keine Ahnung“, gab Fips zu. „Aber ich habe gehört, dass die alten Drachen oben auf dem Felsengipfel ihr Niesen unter Kontrolle haben. Die niesen nur, wenn sie wollen. Und dann machen sie damit riesige Feuerbälle für ihre Abendunterhaltung.“ Dino wurde neugierig. „Die alten Drachen? Du meinst die großen, die immer so gefährlich tun?“ „Genau die“, sagte Fips und wackelte mit dem Schwanz. „Die wissen bestimmt einen Rat. Du musst sie nur fragen.“ Dino schluckte. Die alten Drachen waren berüchtigt. Sie wohnten auf dem Drachenfels, einem steilen Berg am anderen Ende des Waldes. Niemand ging dort freiwillig hin. Die Drachen dort waren riesig und schuppig und hatten Feuer im Bauch, das ganze Bäche zum Kochen bringen konnte. Aber Dino war verzweifelt. Wenn er weitermachte wie bisher, würde er bald alle Freunde verlieren. Vielleicht war der Weg zu den alten Drachen wirklich die einzige Lösung. „Traust du dich?“, fragte Fips und legte den Kopf schief. Dino richtete sich auf. Er strich sich über seine grünen Schuppen und versuchte, mutig auszusehen. „Klar traue ich mich. Ich bin ein Drache. Drachen haben vor nichts Angst.“ Fips kicherte. „Du zitterst aber ganz schön.“ „Das ist nur der Wind“, brummte Dino. Aber es war gar kein Wind an diesem Morgen, und das wussten beide. Trotzdem stand Dino auf und klopfte sich den Staub von den Knien. Er warf einen letzten Blick auf die verkohlte Stelle vor seiner Höhle. So konnte es nicht weitergehen. Er musste etwas tun. „Ich gehe morgen früh los“, sagte er entschlossen. „Ganz früh, wenn die Sonne aufgeht. Dann dauert es nicht so lange, bis ich dort bin.“ Fips nickte eifrig. „Ich komme mit. Jemand muss ja aufpassen, dass du nicht unterwegs noch den halben Wald abfackelst.“ Dino wollte schon empört aufheulen, aber dann musste er doch grinsen. Fips hatte ja recht. Außerdem war es gar nicht so schlecht, wenn er nicht allein gehen musste. „Abgemacht“, sagte er. „Aber wehe, du isst unterwegs alle Vorräte auf.“ „Ich?“, rief Fips empört und warf die Eichel in die Luft, um sie geschickt wieder aufzufangen. „Ich bin ein feines Eichhörnchen mit Manieren. Ich würde nie... okay, vielleicht ein bisschen. Aber nur die schlechten Sachen!“ Sie lachten beide, und die Traurigkeit von vorhin war für einen Moment vergessen. Den Rest des Tages verbrachte Dino mit Vorbereitungen. Er sammelte Beeren, wickelte sie in große Blätter ein und packte sie in einen kleinen Beutel, den er sich aus Spinnennetzen und Bast geflochten hatte. Er suchte seinen allerbesten Glitzerstein heraus, einen runden, blauen Stein, der im Dunkeln ein bisschen leuchtete. Vielleicht konnte er ihn den alten Drachen als Geschenk anbieten. Er übte sogar vor dem Teich, möglichst furchteinflößend zu dreinschauen, aber mit seinem kleinen grünen Gesicht und den gelben Stacheln sah er eher lustig aus als gefährlich. Als die Sonne unterging und der Wald in goldenes Licht tauchte, kam Fips noch einmal vorbei. Er brachte eine Handvoll Nüsse mit und setzte sich zu Dino vor die Höhle. Sie schauten zu, wie die Schatten länger wurden und die ersten Sterne am Himmel erschienen. „Glaubst du, die alten Drachen sind wirklich so schlimm?“, fragte Dino leise. Fips zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht. Man erzählt sich Geschichten. Aber Geschichten sind oft übertrieben. Vielleicht sind sie nur einsam da oben und haben deshalb schlechte Laune.“ „Einsam?“, wiederholte Dino. „So viele Drachen zusammen und einsam?“ „Na ja, sie sind alt. Und alt sein ist manchmal einsam, auch wenn man nicht allein ist“, sagte Fips weise. Er war zwar selbst noch jung, aber er hörte gerne zu, wenn die älteren Tiere im Wald erzählten. Deshalb wusste er viele Dinge. Dino dachte darüber nach. Vielleicht hatten die alten Drachen auch einfach nur niemanden, der mit ihnen reden wollte. Vielleicht hatten alle solche Angst vor ihnen, dass keiner mehr den Weg zum Drachenfels fand. Vielleicht waren sie deshalb so mürrisch. „Dann werden wir eben mit ihnen reden“, beschloss Dino. „Richtig nett und höflich.“ „Und wenn sie uns fressen wollen?“, fragte Fips mit großen Augen. „Dann fressen sie uns“, sagte Dino tapfer. „Aber erst müssen sie uns fangen, und du bist viel zu schnell für einen alten, müden Drachen.“ Fips kicherte. „Das stimmt. Und du kannst niesen. Das versengt ihnen vielleicht die Zehen!“ Sie lachten wieder, und die Angst wurde ein bisschen kleiner. In dieser Nacht schlief Dino unruhig. Er träumte von riesigen Drachen, die Feuer spuckten und mit den Flügeln schlugen, dass die Bäume umknickten wie Streichhölzer. Aber er träumte auch von freundlichen Gesichtern und von goldenem Licht und davon, dass er plötzlich sein Niesen unter Kontrolle hatte und damit die schönsten Feuerwerksbilder in den Himmel malen konnte. Als die erste Helligkeit durch den Höhleneingang kroch, war er schon wach. Er streckte sich, gähnte, dass ein kleiner Rauchwölkchen aus seinem Mund entwich, und packte seine Sachen zusammen. Fips wartete bereits draußen. Er hüpfte aufgeregt hin und her und hatte sich eine kleine Tasche aus einem Blatt gebastelt, die er um den Bauch gebunden hatte. „Bist du bereit?“, fragte er mit blitzenden Augen. Dino nickte. „Bereit.“ Sie machten sich auf den Weg. Der Wald war noch feucht vom Morgentau, und die Sonne kämpfte sich langsam durch die Blätter. Dino achtete genau darauf, dass kein Sonnenstrahl seine Nase traf. Immer wenn ein Lichtfleck auf seinem Gesicht tanzte, drehte er schnell den Kopf weg oder hielt sich die Pfote vor die Nase. Fips fand das sehr lustig und hüpfte kichernd neben ihm her. „Du siehst aus wie ein komischer Tänzer“, rief er. „Hauptsache, es brennt nichts“, brummte Dino. Sie wanderten durch dichte Farnwälder und über moosbedeckte Steine. Sie überquerten kleine Bäche auf umgestürzten Baumstämmen und kletterten über Felsen, die so glatt waren, dass Fips fast zweimal abgerutscht wäre. Unterwegs trafen sie auf Waldtiere, die sie neugierig beobachteten. Ein alter Hase blinzelte ihnen entgegen und rief: „Wollt ihr zu den Drachen? Seid ihr verrückt geworden?“ „Vielleicht ein bisschen“, rief Fips zurück. „Aber Dino muss sein Niesen in den Griff kriegen!“ Der Hase schüttelte den Kopf und verschwand im Gebüsch. Andere Tiere tuschelten hinter ihnen her. Aber Dino und Fips ließen sich nicht aufhalten. Je weiter sie kamen, desto steiniger wurde der Boden. Die Bäume wurden kleiner und knorriger, und schließlich standen sie am Fuß des Drachenfels. Ein steiler Pfad schlängelte sich zwischen Felsbrocken hindurch nach oben. Irgendwo da oben mussten die alten Drachen wohnen. „Das ist aber hoch“, murmelte Fips und legte den Kopf in den Nacken. „Keine Angst“, sagte Dino, obwohl ihm selbst ganz mulmig war. „Wir schaffen das.“ Sie begannen den Aufstieg. Der Pfad war schmal und steinig, und immer wieder lösten sich kleine Steinchen und polterten in die Tiefe. Dino kletterte vorsichtig, seine Krallen suchten guten Halt. Fips hüpfte leichtfüßig voraus, als wäre es das Normalste der Welt, einen Berg zu erklimmen. Nach einer Weile hörten sie ein Geräusch. Es war ein tiefes Grollen, wie ferner Donner. Der Boden vibrierte leicht unter ihren Füßen. „War das...?“, flüsterte Fips. Dino nickte. „Das war ein Drache. Ein echter, alter Drache.“ Sie kletterten weiter. Das Grollen wurde lauter, und bald gesellte sich ein zweites Geräusch dazu – ein rhythmisches Zischen, als würde jemand riesengroß und gewaltig im Schlaf atmen. Dann erreichten sie eine Felsplatte, die wie ein natürlicher Balkon aus dem Berg ragte. Und dort, auf dieser Platte, lagen sie: drei gewaltige Drachen, so groß wie Häuser, mit Schuppen, die in der Sonne glitzerten wie tausend Edelsteine. Einer war rot wie Feuer, einer blau wie der tiefste See und einer golden wie die Sonne selbst. Sie schliefen, und ihr Atmen ließ die Luft flimmern. Aus ihren Nüstern stiegen kleine Rauchwölkchen auf. Dino und Fips blieben wie angewurzelt stehen. Sie wagten kaum zu atmen. „Die sind riesig“, hauchte Fips. „Ich weiß“, flüsterte Dino. „Die können uns mit einem kleinen Pups zerquetschen.“ „Ich weiß auch das.“ „Und du willst die einfach so wecken?“ Dino überlegte. Vielleicht war das doch keine so gute Idee gewesen. Vielleicht sollte er lieber umdrehen und sich damit abfinden, dass er immer alles anstecken würde. Vielleicht war es besser, allein im Wald zu leben, weit weg von allen anderen Tieren, die er versehentlich verletzen könnte. Aber dann dachte er an Frau Eichhorns trauriges Gesicht, als ihr Blumentopf verbrannt war. Er dachte an Vater Dachs, der erschrocken weggehopst war. Und er dachte an die verkohlte Stelle vor seiner Höhle. So wollte er nicht weitermachen. Er holte tief Luft. Dann trat er einen Schritt vor. „Hallo?“, rief er mit seiner kleinsten, freundlichsten Stimme. „Hallo, ihr großen Drachen? Ich bin Dino. Und ich... ich brauche eure Hilfe.“ Die drei Drachen bewegten sich nicht. Das Grollen und Zischen ging weiter. „Lauter“, flüsterte Fips. „Die hören dich ja gar nicht.“ Dino räusperte sich. Dann rief er lauter: „HALLO! ICH BIN DINO! ICH BRAUCHE HILFE!“ Der rote Drache zuckte mit einem Ohr. Der blaue Drache schnaubte im Schlaf, und eine kleine Rauchwolke schoss aus seiner Nase. Aber der goldene Drache öffnete langsam ein Auge. Es war riesig, so groß wie ein Suppenteller, und von tiefem Gold mit einem schwarzen Schlitz in der Mitte. Das Auge blinzelte einmal, zweimal, dann richtete es sich auf Dino. „Was ist das für ein Lärm?“, brummte der goldene Drache mit einer Stimme, die klang, als würde ein ganzer Berg einstürzen. „Wer wagt es, den goldenen Drachen Solaris zu wecken?“ Dino schluckte. Seine Knie zitterten. Aber er blieb stehen. „Ich bin Dino“, wiederholte er. „Es tut mir leid, dass ich euch gestört habe. Aber ich habe ein großes Problem. Immer wenn die Sonne scheint, muss ich niesen. Und wenn ich niese, kommt Feuer raus. Und dann brennt alles an. Ich kann nichts dagegen tun. Und ich dachte... ich dachte, weil ihr so alt und weise seid... vielleicht wisst ihr einen Rat?“ Der goldene Drache Solaris blinzelte noch einmal. Dann hob er langsam den Kopf. Es war ein gewaltiger Kopf, so groß wie ein Felsbrocken, mit Hörnern, die sich wie alte Baumwurzeln kringelten. Er musterte Dino von oben bis unten. Dann begann er zu lachen. Es war kein böses Lachen, sondern ein tiefes, rumpelndes Lachen, das den ganzen Berg erzittern ließ. Das Lachen weckte die anderen beiden Drachen auf. Der rote und der blaue öffneten ebenfalls die Augen und schauten verwirrt umher. „Was gibt es zu lachen, Solaris?“, brummte der rote Drache mit einer Stimme wie glühende Kohlen. „Dieser Winzling hier“, rumpelte Solaris. „Dieser kleine grüne Wurm. Er sagt, er niest Feuer, wenn die Sonne scheint. Und er will von uns wissen, wie er es schafft, damit aufzuhören!“ Die anderen Drachen schauten Dino an. Dann fingen auch sie an zu lachen. Es war ohrenbetäubend. Dino fühlte sich ganz klein und dumm. Er wollte im Boden versinken. Fips aber, das mutige Eichhörnchen, trat vor und rief: „Hört auf zu lachen! Das ist nicht lustig! Dino hat Angst, dass er seine Freunde verletzt. Er will niemandem weh tun. Er will nur ein normaler Drache sein. Ist das etwa so komisch?“ Die Drachen verstummten überrascht. Solaris schaute auf Fips hinunter, auf das winzige Eichhörnchen, das da so tapfer vor ihm stand. Dann verzog sich sein riesiges Maul zu einem grimmigen, aber irgendwie auch freundlichen Lächeln. „Du hast Mut, kleines Fellknäuel“, sagte er. „Das gefällt mir. Und du, kleiner Feuer-nieser“, wandte er sich an Dino. „Du hast auch Mut. Du bist den weiten Weg hier heraufgekommen, um uns zu fragen. Die meisten haben viel zu viel Angst. Also gut. Wir werden dir helfen.“ Dino traute seinen Ohren nicht. „Wirklich?“ „Wirklich“, bestätigte der blaue Drache, der sich nun ebenfalls aufgerichtet hatte. Seine Stimme klang wie plätscherndes Wasser. „Aber es wird nicht einfach. Du musst lernen, dein Feuer zu kontrollieren. Das Niesen ist nur ein Symptom. Das eigentliche Problem ist, dass dein Feuer keine Richtung kennt. Es schießt einfach heraus, wann und wo es will. Das muss sich ändern.“ „Kann man das lernen?“, fragte Dino hoffnungsvoll. „Man kann alles lernen“, sagte Solaris. „Wenn man bereit ist, dafür zu arbeiten. Bist du bereit, kleiner Drache?“ Dino nickte heftig. „Ja! Ich bin bereit! Ich will alles tun!“ „Gut“, sagte der rote Drache, dessen Name Ignis war, wie sich herausstellte. „Dann fangen wir gleich an. Die erste Lektion: Du musst dein Feuer spüren, bevor es kommt. Du musst lernen, das Kitzeln in der Nase zu unterscheiden. Ist es ein normales Kitzeln? Oder ist es ein Feuerkitzeln?“ Dino runzelte die Stirn. „Es kitzelt immer gleich.“ „Nein“, widersprach Ignis. „Ganz und gar nicht. Ein normales Kitzeln ist oberflächlich. Es ist nur in der Nase. Ein Feuerkitzeln aber kommt von weiter unten. Es kriecht aus dem Bauch hoch. Es fängt tief in dir an. Spürst du den Unterschied?“ Dino konzentrierte sich. Er dachte an das letzte Mal, als er geniest hatte. Wie hatte sich das angefühlt? Er schloss die Augen und versuchte, sich zu erinnern. Da war dieses Kribbeln gewesen. Aber wo genau? Im Bauch? In der Brust? Er war sich nicht sicher. „Ich glaube, ich muss üben“, sagte er kleinlaut. „Das wirst du“, sagte Solaris. „Und zwar so lange, bis du es im Schlaf kannst. Aber jetzt seid ihr erst mal unsere Gäste. Ihr werdet hungrig sein von dem weiten Weg. Kommt, wir haben Beeren und frische Fische. Keine Angst, wir fressen keine kleinen Drachen oder Eichhörnchen. Wir sind alt, nicht böse.“ Die drei großen Drachen erhoben sich langsam und schwerfällig. Sie führten Dino und Fips zu einer Art Felsenterrasse, auf der ein riesiger Tisch aus Stein stand. Darauf türmten sich Berge von Beeren, Nüssen und glitzernden Fischen, die aussahen, als wären sie gerade erst gefangen worden. Dino und Fips staunten nicht schlecht. Sie setzten sich an den Tisch, der für sie eigentlich viel zu hoch war, aber die Drachen schoben ihnen freundlich kleine Felsbrocken als Hocker hin. Während sie aßen, erzählten die alten Drachen Geschichten aus ihrer Jugend. Davon, wie sie selbst einmal klein gewesen waren und mit ihrem Feuer gekämpft hatten. Davon, wie sie gelernt hatten, es zu bändigen. Und davon, wie wichtig es war, Freunde zu haben, die einen nicht allein ließen. Dino hörte gespannt zu. Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte er sich nicht als seltsamer Außenseiter. Er fühlte sich verstanden. Als die Sonne langsam unterging und der Himmel sich in Orange und Rot färbte, saßen die beiden kleinen Freunde zwischen den riesigen Drachen und blickten hinab auf den Wald, der tief unter ihnen lag. Es war ein weiter Weg gewesen, aber es hatte sich gelohnt. „Morgen beginnt dein Training“, sagte Solaris und gähnte, dass eine kleine Stichflamme aus seinem Maul schoss. „Und es wird anstrengend. Aber ich glaube, du schaffst das, kleiner Dino.“ Dino lächelte. Zum ersten Mal an diesem Tag hatte er das Gefühl, dass alles gut werden würde. Neben ihm kicherte Fips und stopfte sich die Backen mit Nüssen voll. Es war ein guter Tag gewesen. Ein sehr guter Tag. Und tief in seinem Bauch, ganz weit unten, spürte Dino ein kleines, warmes Kribbeln. Aber diesmal war es kein Feuerkribbeln. Es war das Kribbeln der Vorfreude.
Kapitel 2 – Der Helm im Brombeerbusch (Dino)