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Mit den spannenden Arztromanen um die "Kurfürstenklinik" präsentiert sich eine neue Serie der Extraklasse! Diese Romane sind erfrischend modern geschrieben, abwechslungsreich gehalten und dabei warmherzig und ergreifend erzählt. Die "Kurfürstenklinik" ist eine Arztromanserie, die das gewisse Etwas hat und medizinisch in jeder Hinsicht seriös recherchiert ist. Nina Kayser-Darius ist eine besonders erfolgreiche Schriftstellerin für das Genre Arztroman, das in der Klinik angesiedelt ist. 100 populäre Titel über die Kurfürstenklinik sprechen für sich. »Ob die hier wohl jemals fertig werden, Frau Senftleben?« fragte Dr. Adrian Winter seine Nachbarin, die er zufällig beim Einkaufen getroffen hatte. Auf dem Heimweg mußten sie an einer riesigen Baustelle vorbei, die die Nerven der Anwohner arg strapazierte: Lärm, Dreck und Verkehrsbehinderungen waren seit Monaten an der Tagesordnung. Adrian und Frau Senftleben schätzten sich glücklich, nicht unmittelbar betroffen zu sein, da sie einige Straßen entfernt wohnten. »Wenn ich zur Klinik gehe, komme ich ja auch immer hier vorbei«, fuhr er fort. »Ich habe den Eindruck, daß die gar keine Fortschritte machen.« Dr. Adrian Winter war Unfallchirurg und leitete die Notaufnahme der Kurfürsten-Klinik in Berlin-Charlottenburg. Er war zwar erst Mitte dreißig, aber dennoch bereits Chefarzt und einer der bekanntesten Notfallmediziner des Landes. Er liebte seinen Beruf über alles und konnte sich nicht vorstellen, jemals einen anderen auszuüben. »Doch, doch, Adrian, die machen schon Fortschritte«, widersprach Frau Senftleben, während sie an der fensterlosen Fassade in die Höhe sah. »Sehen Sie nur: Es ist schon wieder ein Stockwerk dazu gekommen.« Carola Senftleben ging auf die Siebzig zu, was ihr niemand ansah. Adrian und sie hatten einander von Anfang an gemocht – und im Laufe der Jahre war eine echte Freundschaft daraus geworden. Da Frau Senftleben eine leidenschaftliche Köchin war, lud sie Adrian, der vom Kochen überhaupt nichts verstand, oft zum Essen ein. Sie hatte gern Gesellschaft, und er war froh, daß er sich nicht in die Küche stellen und eine tiefgekühlte Pizza auftauen mußte. Außerdem kochte Frau Senftleben nicht nur gern, sondern auch ganz ausgezeichnet,
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Seitenzahl: 117
Veröffentlichungsjahr: 2018
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»Ob die hier wohl jemals fertig werden, Frau Senftleben?« fragte Dr. Adrian Winter seine Nachbarin, die er zufällig beim Einkaufen getroffen hatte. Auf dem Heimweg mußten sie an einer riesigen Baustelle vorbei, die die Nerven der Anwohner arg strapazierte: Lärm, Dreck und Verkehrsbehinderungen waren seit Monaten an der Tagesordnung. Adrian und Frau Senftleben schätzten sich glücklich, nicht unmittelbar betroffen zu sein, da sie einige Straßen entfernt wohnten. »Wenn ich zur Klinik gehe, komme ich ja auch immer hier vorbei«, fuhr er fort. »Ich habe den Eindruck, daß die gar keine Fortschritte machen.«
Dr. Adrian Winter war Unfallchirurg und leitete die Notaufnahme der Kurfürsten-Klinik in Berlin-Charlottenburg. Er war zwar erst Mitte dreißig, aber dennoch bereits Chefarzt und einer der bekanntesten Notfallmediziner des Landes. Er liebte seinen Beruf über alles und konnte sich nicht vorstellen, jemals einen anderen auszuüben.
»Doch, doch, Adrian, die machen schon Fortschritte«, widersprach Frau Senftleben, während sie an der fensterlosen Fassade in die Höhe sah. »Sehen Sie nur: Es ist schon wieder ein Stockwerk dazu gekommen.« Carola Senftleben ging auf die Siebzig zu, was ihr niemand ansah. Adrian und sie hatten einander von Anfang an gemocht – und im Laufe der Jahre war eine echte Freundschaft daraus geworden.
Da Frau Senftleben eine leidenschaftliche Köchin war, lud sie Adrian, der vom Kochen überhaupt nichts verstand, oft zum Essen ein. Sie hatte gern Gesellschaft, und er war froh, daß er sich nicht in die Küche stellen und eine tiefgekühlte Pizza auftauen mußte. Außerdem kochte Frau Senftleben nicht nur gern, sondern auch ganz ausgezeichnet, so daß jedes Treffen mit ihr ein Genuß war – ebenso wie die Gespräche, die Adrian mit ihr führte, denn sie war eine kluge, liebenswerte und vielseitig interessierte Frau.
»Wie hoch soll denn dieser häßliche Kasten noch werden?« murrte Adrian. »Der paßt nicht hierher – die werden die ganze Straße verschandeln, wenn sie so weitermachen.«
»Ich bin da gar nicht so sicher«, meinte sie, während sie ihren Weg gemächlich fortsetzten. Adrian hatte Zeit, er mußte erst abends in die Klinik, denn er hatte Nachtdienst. »Rohbauten sind meistens häßlich, aber ich könnte mir vorstellen, daß das später mal ein recht hübsches Gebäude wird.«
Adrian blieb skeptisch, aber er widersprach ihr nicht. »Ach, Frau Senftleben«, seufzte er, »die ganze Woche Nachtdienst! Ich komme nicht ein einziges Mal in den Genuß Ihrer Kochkunst. Ich weiß nicht, wie ich das aushalten soll.«
Sie lächelte ihn von unten herauf an – er überragte sie um mehr als einen Kopf. »Ich denke mir ein besonderes Menü für unsere erste gemeinsame Mahlzeit nach Ihrem Nachtdienst aus«, versprach sie. »Was halten Sie davon?«
Sie waren zu Hause angelangt, er schloß die Haustür auf und ließ ihr höflich den Vortritt. »Diese Aussicht wird mich die ganze Woche über beflügeln, Frau Senftleben«, sagte er.
Gemeinsam betraten sie den Fahrstuhl, den Adrian sonst, der Gesundheit zuliebe, immer verschmähte. Doch Frau Senftleben konnte nicht mehr gut Treppen steigen, und so verzichtete er jetzt darauf.
Oben verabschiedeten sie sich freundlich voneinander. Während Frau Senftleben in ihre Küche eilte, um ihre Einkäufe in den Kühlschrank zu räumen, warf Adrian sich auf sein Sofa, griff nach der Zeitung und genoß es, noch mehrere Stunden vor sich zu haben, in denen er nichts tun mußte.
*
»ALLE haben ein Haustier, Papa!« behauptete Malte Mommsen mit klagender Stimme. »Bloß ich nicht! Ich will doch nur eine winzige Katze haben – nicht mal einen großen Hund! Wir haben Platz genug für die Katze!«
»Platz genug vielleicht – aber ich weiß doch, wie das dann läuft«, entgegnete Maltes Vater Wolfgang Mommsen leicht gereizt. »Die ganze Arbeit wird an mir hängen bleiben. Am Anfang wirst du dich kümmern, aber dann wird es dir irgendwann zu lästig, weil du lieber mit deinen Kumpels Fußball spielen oder ins Kino gehen willst oder was weiß ich – und dann kann ich das Futter besorgen, das Katzenklo saubermachen, mit der Katze zum Tierarzt fahren und so weiter und so fort. Kommt überhaupt nicht in Frage, mein Lieber. Schlag dir das aus dem Kopf.«
»Aber du behauptest das einfach!« beharrte Malte. »Du kannst doch gar nicht wissen, daß das wirklich so kommt. Ich würde mich nämlich wohl kümmern! Du müßtest überhaupt nichts machen. Und mit einer Katze muß man nicht dauernd raus wie mit einem Hund. Katzen sind viel selbständiger.«
»Das weiß ich, aber ich will trotzdem keine. Basta!«
Wolfgang verschanzte sich hinter seiner Zeitung, um dem Jungen zu zeigen, daß die Diskussion beendet war. Meistens kamen sie gut miteinander aus, sein Sohn und er. Sie lebten allein, Wolfgang und Maltes Mutter Heide hatten sich vor zwei Jahren scheiden lassen. Da das Verhältnis zwischen Vater und Sohn ausgesprochen eng gewesen war, hatte es keine Diskussion gegeben: Malte war bei seinem Vater geblieben, er selbst hatte es so gewollt. Wolfgang war Gymnasiallehrer, und so war die Entscheidung auch dadurch beeinflußt worden. Er war nachmittags zu Hause und konnte sich um Malte kümmern, während Heide als Chefsekretärin den ganzen Tag über im Büro saß.
»Mann, du bist vielleicht autoritär!«
Wolfgang ließ die Zeitung sinken und sah seinen Sohn erstaunt an. »Wo hast du denn das Wort aufgeschnappt?«
»Das kennt doch jeder«, erwiderte Malte wegwerfend. Er war vor kurzem neun Jahre alt geworden.
»Und du weißt genau, was es bedeutet?«
»Ja, wenn einer immer seine Meinung durchsetzen will und nicht auf das hört, was der andere sagt.«
»Mhm.« Wider Willen fühlte sich Wolfgang getroffen, aber das würde er in dieser Situation nicht zugeben. »Ich habe zugehört«, sagte er, »aber du hast mich nicht überzeugt. Das ist etwas anderes. Ich glaube dir einfach nicht, daß du dich um die Katze kümmerst. Erinnere dich bitte an die Goldfische, die du unbedingt haben wolltest! Die haben wir schließlich verschenkt, weil sie sonst wahrscheinlich eingegangen wären. Du hast sie meistens vergessen.«
Malte wurde ganz rot vor Zorn. »Immer kommst du mit dieser alten Geschichte wieder an! Da war ich sieben, Papa! Jetzt bin ich neun! Das kann man nicht vergleichen, und es ist ungerecht, daß du mir das ständig wieder aufs Butterbrot schmierst.«
»Na gut, das stimmt«, räumte Wolfgang ein. »Aber du mußt zugeben, daß es für mich nicht einfach ist. Nehmen wir mal an, ich kaufe eine Katze – und dann stellt sich heraus, daß ich Recht hatte. Was machen wir dann? Eine Katze ist ein Lebewesen, das gibt man dann nicht einfach zurück. Es ist aber nun einmal so, daß ich keine Lust habe, mich ständig um eine Katze zu kümmern.«
»ICH würde mich ja kümmern!« sagte Malte aufgebracht. »Das habe ich schon mindestens tausend Mal gesagt! Du machst es dir leicht. Du sagst einfach, du glaubst mir nicht, und damit ist die Sache für dich erledigt. Soll ich dir mal was sagen? Erwachsene sind blöd! Immer haben sie Recht, und wenn sie nicht weiter wissen, sagen sie einfach ›Basta‹! Ich will nie so werden. Nie, nie, nie!« Er stand auf, rannte aus der Küche und warf mit Schwung die Tür hinter sich zu.
Gleich darauf hörte Wolfgang, wie er die Wohnung verließ – es kam selten vor, daß sie sich nicht voneinander verabschiedeten, aber manchmal krachte es richtig zwischen ihnen, so wie heute. Vermutlich war das normal, es nervte jedoch trotzdem. Sie waren einander ziemlich ähnlich, Malte und er, nicht nur äußerlich mit ihren dunklen Augen und den braunen Haaren, die sich bei Wolfgang lockten, bei Malte jedoch glatt waren: Beide brausten schnell auf, fanden ihre gute Laune aber meistens bald wieder. Beide waren hartnäckig, wenn sie ein Ziel verfolgten. Und beide konnten nicht gut nachgeben.
Wolfgang war der Appetit vergangen. Er sah auf die Uhr und stellte fest, daß auch er gehen mußte. Montags hatten Malte und er morgens ein wenig mehr Zeit, weil sie beide nicht zur ersten Stunde in der Schule sein mußten. Aber in letzter Zeit gerieten sie sich ausgerechnet beim Montagsfrühstück öfter mal in die Wolle, vielleicht gerade weil sie dann mehr Zeit als sonst hatten.
Er stand auf, räumte eilig den Tisch ab und machte sich zehn Minuten später ebenfalls auf den Weg.
*
»Wieso bist du denn schon hier?« wunderte sich Karina Almenfeld, als ihre jüngere Schwester Iris am späten Vormittag auf der Chirurgischen Station der Kurfürsten-Klinik auftauchte, um sie zu besuchen. »Ist eine Stunde ausgefallen?«
»Zwei sogar«, berichtete Iris. »Unsere Mathelehrerin ist krank, die Vertretung auch – da haben sie uns dann nach Hause geschickt. Wie geht’s dir heute?«
»Na ja«, antwortete Karina, »nicht besonders, wenn ich ehrlich sein soll. Das Knie tut immer noch ziemlich weh. Manchmal frage ich mich, ob ich jemals wieder laufen kann.«
»Klar kannst du. Du bist nur zu ungeduldig. Du bist ja vor ein paar Tagen erst operiert worden.«
»So was Dummes aber auch«, murmelte Karina. »Ich weiß immer noch nicht, wie das eigentlich passiert ist.« Karina war Sportstudentin und zugleich Kunstturnerin. Bei einem komplizierten Pferdsprung war sie falsch aufgekommen und hatte sich eine böse Knieverletzung zugezogen. Sie war sofort operiert worden, und die Ärzte hatten ihr auch versichert, die Verletzung werde vollständig ausheilen, doch Karina war schon immer ein ungeduldiger Mensch gewesen. Sie ertrug es nur schwer, krank im Bett zu liegen.
Sie war fünfundzwanzig Jahre alt und bewohnte ein kleines Appartement in Kreuzberg. Ihre Schwester Iris war sieben Jahre jünger, lebte bei den Eltern und ging noch zur Schule. Trotzdem sahen die Schwestern einander häufig, ihr Verhältnis zueinander war sehr eng.
Daß sie Schwestern waren, vermutete man nicht: Iris war dunkelblond, hatte ein hübsches Gesicht mit freundlichen blauen Augen und war ausgesprochen schüchtern. Karina dagegen hatte eine flammend rote Haarmähne, ihre blaugrünen Augen blitzten oft angriffslustig, und ihr Gesicht wäre nach landläufiger Meinung wohl nicht ›hübsch‹ genannt worden, es entwickelte jedoch eine ganz eigene Anziehungskraft, wenn man erst einmal in den Bann ihrer Augen geraten war. Sie war lebhaft, äußerst temperamentvoll und wollte in der Regel am liebsten mit dem Kopf durch die Wand.
»Jetzt denk doch nicht immer darüber nach, wie das passiert ist«, mahnte Iris. Es war oft so, daß sie vernünftiger war als ihre ältere Schwester – was andere Leute, wenn sie es mitbekamen, zum Schmunzeln brachte. »Du änderst nichts mehr, also konzentrier dich doch endlich auf die Zukunft!«
»Du hast gut reden«, murrte Karina. »Du mußt ja nicht hier liegen und Schmerzen ertragen. Außerdem kann ich jetzt die Prüfungen nicht machen – und ob ich jemals wieder turnen kann, steht auch in den Sternen.«
»Du bist fünfundzwanzig«, stellte Iris sachlich fest. »Das ist für eine Turnerin uralt, Karina, das weißt du doch. Du hättest sowieso bald aufhören müssen – abgesehen davon, daß du an deinen Körper denken solltest.«
»Ach, was! Ich bin ja keine Olympiateilnehmerin! Die ruinieren sich vielleicht ihre Wirbelsäulen – aber bei dem, was ich mache, ist die Gefahr nicht so groß…«
»Groß genug, um sich das Knie ziemlich schwer zu verletzen«, stellte Iris fest. »Warum konzentrierst du dich nicht endlich auf ein paar andere Sportarten, die dir auch liegen, die aber gesünder sind?«
»Weißt du was? Manchmal kannst du eine richtige Nervensäge sein!« schimpfte Karina, aber sie lächelte dabei. Dann streckte sie die Arme aus. »Komm her, Schwesterchen, du bist doch die Beste!«
Sie umarmten einander, dann stand Iris auf. »Ich gehe nach Hause, Karina. Wir haben eine Menge auf, da ist es eigentlich ganz günstig, daß diese zwei Stunden ausgefallen sind. Soll ich etwas mitbringen, wenn ich das nächste Mal komme?«
»Obst«, bat Karina. »Obst ist immer gut. Und noch was zu lesen, aber was Leichtes, bitte. Ich habe keine Lust auf schwere Kost. Ein paar Krimis oder Liebesromane.«
»Ist gut, ich sehe mal, was ich finden kann.« Iris küßte ihre Schwester liebevoll auf beide Wangen und verließ das Zimmer.
Seufzend ließ sich Karina in die Kissen zurückfallen. Sehnsüchtig sah sie aus dem Fenster. Das Wetter sah zwar nicht besonders verlockend aus, aber was hätte sie darum gegeben, wenn sie jetzt einfach hätte aufstehen und hinausgehen können! Es gab nicht vieles, das sie schlimmer fand, als ans Bett gefesselt zu sein.
Unlustig griff sie nach einer Illustrierten und blätterte darin herum. Sie hatte gerade festgestellt, daß absolut nichts Interessantes darin stand, als sich die Tür öffnete und eine ältere Schwester mit dem Mittagessen hereinkam. Sie hatte ein rundes, freundliches Gesicht, aber man sah ihr an, daß sie, wenn nötig, durchaus imstande war, sich durchzusetzen. »So, Frau Almenfeld«, sagte sie, »hier gibt’s was zur Stärkung.«
»Sagen Sie das mal meinem Knie, Schwester Silke«, meinte Karina.
»Ach, nur Geduld, das wird schon!«
Schwester Silke zwinkerte ihr aufmunternd zu und verschwand wieder, nachdem sie das Tablett abgestellt hatte. Vorsichtig hob Karina den Deckel und sah nach, was es gab. Hähnchenschenkel mit Blumenkohl, immerhin. Ihre Laune besserte sich ein wenig. Eigentlich hatte Iris recht: Sie sollte aufhören über den Unfall nachzugrübeln und sich auf die Zukunft konzentrieren!
Mit gutem Appetit begann sie zu essen.
*
Malte verbrachte den Nachmittag bei seinem besten Freund Florian, wie jeden Montag. Dienstags war Florian dann bei ihm. Sie machten zusammen Hausaufgaben, spielten mit ihren Gameboys, sahen ein bißchen fern und lasen manchmal auch gemeinsam ein spannendes Buch. An diesem Nachmittag diskutierten sie eifrig über Haustiere.
Malte konnte nämlich den Streit mit seinem Vater nicht vergessen, und er war noch immer sauer. Zwar stimmte es nicht, was er selbst behauptet hatte: Längst nicht alle seine Freunde hatten ein Haustier, aber es waren doch ziemlich viele. Und er selbst war ganz sicher, daß er sich um eine Katze kümmern würde. Er nahm es seinem Vater übel, daß dieser ihm nicht glauben wollte.
»Bei meinen Eltern ist es doch genau das Gleiche«, meinte Florian trübsinnig. »Ich wollte gern einen Hamster haben, aber da haben sie gesagt, der würde die Teppiche annagen und wenn er mal aus dem Käfig entwischt, dann würde er sich unter einem Kissen verstecken, und wir würden uns aus Versehen drauf setzen, und dann wäre er tot.« Er schauderte bei diesem schrecklichen Gedanken. »Als sie das gesagt haben, wollte ich wirklich keinen Hamster mehr.«
»Aber ich will immer noch eine Katze!« sagte Malte. »Da kann mein Papa reden, so viel er will. Und ich krieg’ auch eine, jede Wette.«
