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Ein Großteil der Erzählungen des Markusevangeliums besteht aus Wundergeschichten - Geschichten von den Taten des Nazareners Jesus. Sie sind sorgfältig konzipiert und komponiert, bilden das Gerüst des ältesten Evangeliums und tragen es. Können wir diesen ungeliebten, in der gegenwärtigen kirchlichen Verkündigung nicht selten vernachlässigten, diesen "Fremden, befremdlichen Gästen" unvoreingenommen begegnen und sie sagen lassen, was sie sagen wollen? Ein solcher Versuch wird hier unternommen - konzentriert auf die Schrift und exegetisch verantwortet. Die Texte des Markusevangeliums werden in eigener Übersetzung dargeboten und ausgelegt. Ein Essay über die Sicht des Menschen in den markinischen Wundergeschichten bildet den Abschluss. Eine anregende Hilfe für Predigt, Bibelarbeit und Unterricht.
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Seitenzahl: 239
Veröffentlichungsjahr: 2011
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Der kommende Mensch
Johannes Winkel
Die Wundergeschichtendes Markusevangeliums
Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation inder Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind imInternet über ‹http://dnb.d-nb.de› abrufbar.
© 2011 Echter Verlag GmbH, Würzburg
www.echter-verlag.de
Umschlag: Hain-Team Bad Zwischenahn (www.hain-team.de)
Druckvorlage: Konstantin Winkel, Osnabrück
Druck und Bindung: Druckerei Friedrich Pustet, Regensburg
ISBN 978-3-429-03437-5 (Print)ISBN 978-3-429-04616-3 (PDF)ISBN 978-3-429-06018-3(Epub)
Vorwort
Die Taufe Jesu und seine Versuchung
Markus 1, 9–13
I. Vollmacht
Jesu Kommen nach Kapharnaum
Markus 1, 21–31.32–34
Jesu Kommen in die Umgebung von Kapharnaum
Markus 1, 35–45
Rückkehr nach Kapharnaum
Markus 2,1–12
Die Heilung des Menschen mit der erstarrten Hand
Markus 3,1–6.7–12
Reflexion: Der Beelzebul-Vorwurf
Markus 3, 20–21.22–27
II. Glaube
Die Stillung des Sturmes
Markus 4, 35–41
Die Entgeisterung des Menschen von Gerasa
Markus 5,1–20
Die Erweckung der Tochter des Jaïrus
Markus 5,21–24.35–43
Die Heilung der an Blutfluss leidenden Frau
Markus 5, 25–34
Reflexion: Jesu Unfähigkeit, Wunder zu tun
Markus 6,1–6
III. Überreichtum
Die Speisung der Fünftausend
Markus 6, 30–44
Jesus wandelt auf dem Wasser
Markus 6, 45–52.53–56
Die Entgeisterung des syrophönizischen Mädchens
Markus 7, 24–30
Die Heilung des Taubstummen in der Dekapolis
Markus 7, 31–37
Die Speisung der Viertausend
Markus 8,1–9
Reflexion: Das Gespräch über die Speisungen
Markus 8,13–21
IV. Sehen
Die Heilung des Blinden von Bethsaida
Markus 8, 22–26
Die Verwandlung Jesu
Markus 9, 2–9
Die Entgeisterung des epileptischen Jungen
Markus 9,14–29
Die Heilung des Blinden von Jericho
Markus 10, 46–52
Zur Sicht des Menschen in den markinischen Wundergeschichten
Literaturauswahl
Meinen Freunden
Nicht wenige Schriften des Neuen Testaments kommen ohne Wundergeschichten aus. Das Markusevangelium, aber auch die übrige Evangelienliteratur nicht. Woran liegt das? Was hat es damit auf sich? Fast die Hälfte des Markusevangeliums (ohne die Kapitel 11–16) besteht aus Wundergeschichten – Geschichten von den Taten des Nazareners Jesus, des Gesalbten Gottes. Sie sind sorgfältig konzipiert und komponiert, bilden das Gerüst des ältesten Evangeliums und tragen es. Was wäre das Markusevangelium ohne sie?
Können wir diesen ungeliebten, in der kirchlichen Verkündigung der Gegenwart nicht selten vernachlässigten, rasch abgefertigten, manchmal auch belächelten Kindern, diesen fremden, befremdlichen Gästen unvoreingenommen begegnen und sie sagen lassen, was sie sagen wollen? Unter Berücksichtigung neuerer wissenschaftlicher Literatur zum Markusevangelium soll ein solcher Versuch hier vorgelegt werden, konzentriert auf die Schrift, exegetisch verantwortet und hoffentlich nicht noch wunderlicher als die Wundergeschichten selbst.
Die Texte des Markusevangeliums werden in eigener Übersetzung geboten und danach ausgelegt. Bezugnahmen auf andere Bibeltexte werden in den Übersetzungen kursiv hervorgehoben. Vergleichsstellen innerhalb des Evangeliums und auch sonst sind auf ein erträgliches Maß reduziert. Ein Essay über die Sicht des Menschen in den markinischen Wundergeschichten bildet den Abschluss. Das Ganze möchte für Predigt, Bibelarbeit und Unterricht nützlich sein.
Meiner Frau Eva-Maria als auch meinem Freund Andreas Staemmler sei herzlich für ihre ständige Gesprächsbereitschaft und ihre Mühe gedankt, womit sie zum Werden des Buches beitrugen. Konstantin Winkel hat dankenswerterweise die Druckvorlage besorgt. Dem Echter-Verlag gebührt Dank, sich auf die Veröffentlichung eingelassen zu haben und die hier behandelte Thematik noch nicht als erledigt zu betrachten.
Johannes Winkel
9 Und es geschah in jenen Tagen,
(da) kam Jesus1 (her) von Nazareth in Galiläa,
und er wurde getaucht in den Jordan von Johannes.
10 Und sogleich,
heraufkommend aus dem Wasser,
sah er (Jesus)
die Himmel sich teilen
(vgl. Dtn 28,12; Ps 72, 23; Jes 24,18; Ez 1,1; Mal 3,10; JosAs 14, 2)
und den Geist wie eine Taube herabkommen zu ihm
(Jes 42,1).
11 Und eine Stimme geschah (ertönte) aus den Himmeln
(Gen 15, 4; Dtn 4, 36)
»Du bist mein geliebter Sohn,
an dir fand ich Gefallen«
(Jes 42,1 [hebr]; Ps 2, 7; vgl. Mk 9, 7; 12, 6; 2 Petr 1,17; EbEv 3)!
12 Und sogleich treibt der Geist ihn hinaus in die Wüste.
13 Und er war in der Wüste vierzig Tage
(vgl. Ex 16, 35; Dtn 2, 7; 8,1ff; 29, 4; Ez 4, 6),
versuchtwerdend von dem Satan
(vgl. 1 QM 1, 2f),
und er war bei den wilden Tieren
(vgl. Apg 11, 6; 28, 4f; Tit 1,12; Jak 3, 7; Offb 6, 8; 18, 2),
und die Engel dienten ihm (wiederholt).
In den ersten drei Evangelien des Neuen Testaments ist jeweils eine Erzählung von der Taufe Jesu (Mk 1, 9–11; vgl. Mt 3,13–17; Lk 3, 21f; anders Joh 1,19ff) allen anderen Erzählungen über sein Wirken vorgeordnet. So bedeutsam erschien sie den biblischen Autoren: als erhellendes Vorwort zu allem, was über Jesus, über seinen Weg und seine Wirksamkeit zu berichten war. In der Tauferzählung geht es um das Herabkommen des Geistes auf Jesus, um seine Erwählung und Ausstattung. Die beiden Verse im Anschluss bei Markus erzählen von seiner Versuchung (vgl. Mt 4,1–11; Lk 4,1–13).
Und es geschah in jenen Tagen als ein gewisser Johannes – genannt oder – ausrief (Mk 1, 4). Mit der Wüste, von der da geredet wird, ist wahrscheinlich die Araba der unteren Jordansenke gegen das Tote Meer hin gemeint. Am Rand jener trostlosen und lebensfeindlichen Gegend, wo sich nachts die bösen Geister ein Stelldichein geben, und in die man sich auch am Tage besser nicht hineinwagt, hielt der Täufer Johannes sich auf. Nicht um zum Weitergehen zu ermuntern, sondern um zu einer Kehrtwende um 180 Grad und ganz woandershin zu rufen – auf den Erlass der Sünden hin. Daraufhin sollten sich Menschen taufen, das heißt, untertauchen, waschen lassen. Da begannen Leute aus Judäa und Jerusalem zu Johannes hinaus zu wandern und sich von ihm in den Jordan tauchen zu lassen, wobei sie ihre Sünden bekannten (vgl. 1, 5). Und der Täufer verkündete ihnen, dass nach ihm jener käme, der mit allen ihren Sünden fertig würde, und dem er selbst nicht einmal niederste Dienste zu leisten – sich zu bücken und die Riemen seiner Sandalen zu lösen – brauchbar und geeignet sei. Er taufe sie mit Wasser und könne sie auch nicht anders taufen, jener aber wird sie mit heiligem Geist taufen (vgl. 1, 7f). Dann werden ihre Sünden hinter ihnen liegen, und sie werden in ein neues Leben gehen.
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