Der Mörder und der Kinderschänder - Tuna von Blumenstein - E-Book

Der Mörder und der Kinderschänder E-Book

Tuna von Blumenstein

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Beschreibung

Es war der perfekte Mord, der Sylvia galt. Eigentlich hätte dieser gelingen müssen, aber irgendwie doch scheiterte. Sie überlebte das Desaster mit viel Glück. Dass sie sich mit den falschen Leuten anlegte, dürfte mittlerweile klar sein. Um das alles zu verstehen, muss sie in der Zeit weiter zurückgehen. Dann ist vielleicht auch zu verstehen, wie es ihr passieren konnte, sich mit einem Mörder und einem Kinderschänder anzulegen. Die Beiden haben sich auch gefunden, gemeinsam gegen sie, dabei jeder mit seinem eigenen Dunstkreis, mit weiteren Tätern und Täterinnen, und deren Unterstützung. Was war denen so wichtig? Dem ersten ging und geht es scheinbar nur um Geld, viel Geld. Dem anderen um die kranken Emotionen, auch weil sein Gehirn falsch tickte und sein Gehirn immer noch falsch tickt. Es ist halt die Art der Verbrecher. Wobei sich Sylvia auch die Frage stellt, wie ihr das alles passieren konnte. Insofern gibt es schon Sinn, dass sie ein Niederschreiben der Ereignisse vornimmt. Damit sie auch für diese Frage eine Antwort finden kann ... Ein Münsterland-Kriminalroman, der auf wahren Begebenheiten basiert. Bei diesem Werk handelt es sich um einen Kriminalroman. Etwaige Ähnlichkeiten oder Namensgleichheit mit real existierenden Menschen wären rein zufällig. Alle beschriebenen Handlungen sind zwar an die Realität angelehnt, auch hier wären alle Ähnlichkeiten rein zufällig.

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Seitenzahl: 197

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Unter dem Pseudonym

Tuna von Blumenstein

hat die Autorin bereits

vier Kriminalromane veröffentlicht:

»Der Tote im Zwillbrocker Venn« 2010

»Der hässliche Zwilling« 2011

»Mord in Genf« 2012

»Blauregenmord« 2013

Die Autorin lebt im Westmünsterland

www.sylvia-b.de

www.ein-buch-lesen.com

das nächste buch

das du schreibst

wird ein roman

sagst du

oder ein märchen

oder ein krimi

sagst du

auf jeden fall

irgendetwas zusammenhängendes

sagst du

glaub mir

es hängt schon alles zusammen

du musst es nur

im zusammenhang sehen

ich kehre mein inneres nach außen

ist das nicht genug roman

ich schildere meine gefühle

ist das nicht genug märchen

ich erwarte eine begegnung

ist das nicht genug krimi

die teufel wollen mich holen

ist das nicht

leben genug

(Sylvia B.)

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

1.

Für Wolf war es ein besonderer Tag. Ein heißer Tag in diesem Sommer und es sollte in nächster Zeit weitere heiße Wochen geben. Dieser Tag war vorbereitet und er war dabei nicht alleine. Seine Eva hatte ihm geholfen. Beide haben präzise daran gearbeitet, endlich Ballast über Bord werfen zu können. Fehler waren dabei nicht erlaubt; das galt auch für Eva. Sie werden es aber schaffen, da war er sich sicher.

Im Moment saß er an dem Küchentisch, gegenüber seiner zweiten Ehefrau. Weggezogen war sie schon vor Wochen. Sie wohnte bei ihrem neuen Liebhaber. Eigentlich war das Treffen für gestern vorgesehen. Entsprechend wurde vor zwei Tagen ein Brief mit dem Datum erstellt. Er musste sich sehr viel Mühe geben, Eva sollte ihm dabei helfen. Der Brief war bereits in einem Umschlag, als seine Noch – Ehefrau den Termin auf den übernächsten Tag verlegte. Er musste unbedingt das Datum auf Seite vier verändern. Es sah dann kaum auf, dass eine solche Veränderung von ihm gemacht wurde. Vier Seiten auf Papier und den Text mit Kugelschreiber und mit der Hand geschrieben, dazu kamen 350 Euro in den Brief.

Wolf bekam ein Schreiben seiner Noch – Ehefrau vorgelegt. Es ging ihr um die Scheidung. Was er auch umgehend unterschrieb und ihr wiedergab. Dabei brauchten die Beiden sich eigentlich deshalb nicht treffen. Es ging ihm um die Firma. Sie sollte wieder Unterschriften geben. Dabei wollte sie nicht mehr Geschäftsführerin sein. Als solche musste sie bisher auf Geschäftsbriefen ihre Unterschriften leisten. Wolf hatte ihr natürlich erklärt, dass die Firma in Zukunft von Eva geführt wird. Seine Noch – Ehefrau sollte jetzt mit einer Auszahlung von 300.000 Euro die Firma verlassen. Damit war sie einverstanden.

Jetzt saß sie am Küchentisch und las noch die Unterlagen. Wolf grübelte vor sich hin. Gestern war er mit einem Jagdfreund unterwegs, sie brachten drei Rehböcke einem weiteren Jagdfreund vorbei. Wolf hatte vorher zwei erwischt, sein Jagdfreund einen. Bei beiden gelangen durchaus die sofort tödlichen Treffer. Nach Möglichkeit sollte dabei die Wirbelsäule beschossen werden. Die mit einer bestimmten Geweihform können ohne weiteres unter sich im Kampf schwer oder sogar tödlich verletzen. Mehrjährige Tiere können so auch zu Mörderböcken werden. Wolf musste lächeln. Die Tiere wurden an den Hinterläufen aufgehängt, mit dem Jagdmesser das Fell aufgeschnitten und der Enddarm entfernt. Danach sollte das Fleisch 48 Stunden abhängen. Das Jagdmesser lag in der Schublade, an der er in dem Moment direkt saß.

Das Jagdmesser leistet nützliche Dienste. Oftmals wird es auch gebraucht, wenn Tiere verletzt gefunden werden. Daher muss sich dieses Jagdmesser ebenfalls zum Stich in die Brust, ins Herz oder auch der Treffer in das Rückenmark am Schädel des angeschossenen Tieres eignen. Wobei auch dieses Erlegen des Wildes von Wolf perfekt ausgeführt werden konnte.

Sie hatte ausgelesen und meinte, dass sie auch langsam wieder wegfahren wollte. Wolf kannte sie gut und wusste, dass sie vorher noch das Bad aufsuchen würde. Sie steckte in ihre Tragetasche das Scheidungspapier und die Plastiktüte, in denen vorher Wolf die 300.000 Euro in größeren Scheinen packte, und ihr das übergab. Sie war zufrieden, ging die Treppe hoch in den ersten Stock. Er hörte, wie sie die Tür im Bad schloss. Er fragte sich, ob er noch irgendetwas vergessen hätte. Dann stand er auf, holte sein Jagdmesser aus der Schublade und folgte seiner Noch – Ehefrau.

Natürlich musste er warten, bis sie die Toilettenspülung betätigte. Sie mit einem blanken Hintern zu erwischen wollte er nicht. Sie konnte vorher nicht abschließen, an den Schlüssel hatte er gedacht. So wartete er noch einen Moment, öffnete dann die Tür und ging sofort auf sie los. Er wusste doch, wo er zustechen musste. Die Klinge war 15cm lang, Edelstahl und die Klinge war scharf. Er stach in den Schulter-Hals-Bereich, gleich zweimal. Einer der Stiche sollte eine Arterie verletzen. Ein weiterer traf im Rücken ihre Lunge. So konnte sie nur noch Blut einatmen.

Es fiel ihm nicht schwer, sie in die Badewanne zu stoßen. Das Jagdmesser legte er in das Waschbecken, setzte sich auf den Deckel der Toilette und redete mit ihr. Sie konnte nicht mehr sprechen, ihre Augen waren weit aufgerissen und sie kämpfte um ihr Leben. Den Kampf hatte sie irgendwann verloren. Es waren Minuten, die aber für sie zu einer Ewigkeit wurden. Vermutlich für alle, die so sterben müssen.

Als sie tot war, erhob er sich. Über ihr Gesicht warf er ein Handtuch. Er wusch sich die Hände und lies das Wasser auch über das Messer laufen. Er hatte keine Lust, es zu reinigen. Die Polizei braucht das, es sah aber auch gut aus, ihre Haare waren direkt auf dem Messer zu sehen, so dachte er.

Die Plastiktüte mit dem Geld holte er aus ihrer Tasche. Dann musste er den Brief zu einem Briefkasten bringen. Verstehen konnte er Eva dabei nicht. Sie wollte die Adresse noch auf den Umschlag schreiben. Den Brief sollte Sylvia bekommen. Eva sagte, dass sie bereits Sylvia zu ihrer besten Freundin erklärt habe. Sie muss jetzt an ihrer Seite stehen. Auf sie wollte sie sich voll verlassen können. Mit dem Brief sollte sie getestet werden. Vor allem galt der 350 Euro Test. Dann wäre es für ihn notwendig, dass die Polizei das Schreiben nicht erhält.

Er muss sich auf Freunde verlassen können. Das war auch Eva sehr wichtig.

2.

Jahre später.

Irgendwie meinte Sylvia einfach nur Glück gehabt zu haben. Es meinten vorher einige Leute, dass sie wohl nicht überleben wird. Es hatte tatsächlich damit zu tun, dass versucht wurde, einen Mord gegen sie durchzuführen. Ihr war klar, dass der Tod vermutlich sie nicht noch einmal von der Schippe springen lassen würde. Wobei beim ersten Mal wirklich etwas in ihr sterben musste, damit sie weiterleben konnte. Und ausgerechnet das dürfte ihr jetzt das Leben gerettet haben.

Es war ein Schlag, diese Ohrfeige, die sie überlebte. Die Gedanken, dass versucht worden ist, sie zu töten, was nicht gelungen war, dass sie nur knapp überlebte. Aber dafür konnte sie nicht sprechen, nicht schreiben und sie saß in einem Rollstuhl. Gedacht war schon alternativ, dass sie dann zwar überleben könnte, aber dafür in einem Pflegeheim enden müsste. Diesen Gefallen wollte sie den Tätern nicht machen. Es war für sie hart, dem Zustand zu trotzen und zumindest wieder schreiben und laufen lernen zu können. Das machte sie aber stark und hart und sorgt auch für Nachdenklichkeit.

Sie war an dem Tag, was sie quasi jeden Tag machte, wieder eine große Runde auf ihrem Tretroller abgefahren. Einer für Sportler, also ohne Motor. Das passte zu Sylvia. Natürlich wollte sie im Anschluss an ihrer Tour noch drei Runden in der Kneipp'sche Wassertretanlage absolvieren.

Danach suchte sie den Dorfteich auf. Dort machte sie auch etwas für ihre Seele. Wenn die dort lebenden Enten sie entdecken, sie dann zu ihr eilen und Sylvia damit ein Lächeln in ihr Gesicht zaubern. Sie teilt, wirft ihnen Haferflocken auf den Rasen, der den Teich umgibt. Die andere Hälfte in der Tüte brauchte sie an dem Tag bereits für sich, für ihren Magen, weil der ihr auch schon Probleme bereitete.

Insofern dachte Sylvia schon, dass sie an sich arbeitet, was nötig für sie war. Sie litt an einem Enten – Syndrom. Darüber dürften schon Leute aus ihrem Umfeld gelacht haben. Aber dieses Syndrom passt zu ihr. Wenn sie schwimmen, die Enten, wirken sie so vollkommen. Dabei unter der Wasseroberfläche kämpfen die Enten mit ihren Füßen und damit deren Schwimmhäute wie Paddel, das strengt an. Wenn sie dann aus dem Wasser kommen und sich dort an den Haferflocken erfreuen, fällt die Problematik natürlich deutlich auf.

So sieht sie das auch bei sich und darin natürlich ein persönliches Dilemma. Denn zum einen konnte sie diesen Mordversuch nicht nachweisen. Insofern dürfte dieser Versuch sozusagen als ein fast perfekter Mord bezeichnet werden. Zum anderen hat es in Folge bereits weitere eher leichtere, und darum gescheiterte, Mordversuche gegeben. Warum es nicht funktionieren konnte, dürften diese Täter noch nicht herausbekommen haben. Das ist auch gut so. Sozusagen leiden diese Täter an ihrem Versagen. Da Sylvia wirklich heftig auf der Hut war und noch ist, haben diese Täter ihre direkten weiteren Versuche im Moment nicht umsetzen können.

Natürlich ist sie darüber froh, aber sie fühlt ein weiteres Problem. Wobei sie es sich schon gerne immer zu einfach machen möchte, das wurde ihr übrigens sogar geraten. Grundsätzlich gab und gibt es für sie prinzipiell nur die Guten und die Bösen. Und natürlich passiert es, dass sie dann irgendwann merkt, dass gedachte Gute eigentlich in sich böse sind. Doch, sie gibt sich in letzter Zeit Mühe und darum versucht sie auch grundsätzlich hinzusehen, um die Bösen sofort zu erkennen, was ihr allerdings vermutlich nicht gelingen würde.

Warum es so kam lag daran, weil sie sich unbedingt mit Typen anlegen musste. Wobei es eigentlich ganz einfach gewesen wäre, keine Probleme zu bekommen. Einfach wegschauen, wenn problematische Dinge entstehen. Wegschauen und ganz schnell weglaufen. Immer sagen, nichts gesehen zu haben, gibt Sinn. Es wäre natürlich wirklich gut, wenn sie sich das als neue Einstellung zulegen könnte. Für ihre Zukunft eine sehr gute Einstellung. Aber ihre bestehenden Probleme werden sich damit nicht von selbst auflösen.

Zudem, aus Sylvias Sicht natürlich, auch die Kunst darin besteht, als Opfer Beweise der Tat zu besitzen. Aus der Sicht der Täter sollten diese Beweise natürlich verschwinden. Im Prinzip ist das einfach. Wenn man das so betrachtet. Weil sie das als Opfer so sah und immer noch sieht, hat sie natürlich versucht, zuständige Beamte um Hilfe zu bitten. Da ist sie leider kläglich gescheitert. Das ist frustrierend. Wie sie es schon richtig erkannte: Es war der perfekte Mord - der ihr galt, eigentlich hätte gelingen müssen, aber dann doch irgendwie scheiterte.

Beschreiben werden könnte Sylvia eher als eine ältere Dame, die gerne hilfsbereit ist. So wird sie schon in den vergangenen Jahren oft geholfen haben, was wieder eigentlich auch positiv zu sehen sein sollte. Es macht ihr Freude Gutes zu tun. Es kommen jetzt die Fehler, die sie beim Helfen begangen, dass sie manches »Helfen« besser gelassen hätte. Vielleicht wird sie einfach nur den falschen Menschen geholfen haben, die später zu ihren Mördern werden wollten und nach wie vor das versuchen. Dabei ging und geht es den Tätern nur um Geld. Das hätte Sylvia eigentlich auch merken müssen.

Es war und ist eigentlich sehr simpel und auch kurz zu beschreiben: Es geht um zwei Täter, die unabhängig von einander in einer eigenen Straftat tätig waren und sind. Also nicht nur gegen Sylvia. Beide Täter haben auch Personen, in dem Fall Frauen, die unterstützend für die Täter tätig waren und noch sind. Das Geld um das es ging und geht liegt bei beiden Tätern selbstverständlich nicht als angespartes Geld auf irgendwelchen Sparbüchern.

Wo kommt das Geld her? Zum einen haben wir einen Pädophilen. Der die Unterstützung seiner Ehefrau erhält. Sie filmt. Wobei in Münster, und zudem jetzt einen bundesweiten Großeinsatz, bereits Gruppierungen aufgeplatzt wurden, scheinbar gehörten die Beiden nicht zu denen, was sich bei anderen Gruppen ändern könnte. Die Filme und Fotos von den missbrauchten Kindern wurden vertrieben und haben natürlich die Täter finanziell gut gestellt. Wie auch diesen Pädophilen und seine Frau. Diese Frau war schließlich anwesend als es geschah, sie hat bei diesem Mordversuch Sylvia gefilmt. Dieses Paar dürfte zwar auf Geld fokussiert sein, es überwiegt bei den Beiden aber die Triebbefriedigung.

Darum sollte der zweite Täter betrachtet werden. Es lag eine längere Zeit zurück. Aus Sylvias Sicht der Dinge jetzt, war sie damals nur eine nützliche Idiotin, um einen Plan umzusetzen. Bei dem bereits ein Mensch ermordet wurde. Es ging um Geld, sehr viel Geld. Es ging um fast eine Millionen Euro. Dass es diesem Täter wichtig war und ist, sowenig von dem Geld abgeben zu müssen, dürfte klar sein. Dabei hat er schon eine Frau, die ihn unterstützt. Der es natürlich auch in der Sache nur um das Geld ging und natürlich auch noch geht.

Da gibt es also für Sylvia einen Totschläger, dem es um viel Geld ging und geht und den schon erwähnten Pädophilen. Dass sich diese Gruppierungen zusammengefunden haben, weil Sylvia ihnen zu gefährlich wurde und denen noch sei, dürfte verständlich sein.

Wobei ihr auch klar ist, dass Mörder Fehler begehen. Das war und ist ebenfalls gut, denn genau das hat ihr ebenfalls das Leben gerettet. Mit gefährlichen Situationen dürfte sie auch in der nächsten Zeit rechnen müssen, denen könnte sie entgehen, wenn sie weiter auf sich selbst achtet.

Jetzt war sie nicht mehr die Jüngste. Die Täter, also der Mörder, der Kinderschänder und deren Helferinnen, haben ebenfalls das Alter erreicht, in dem der Lebensstil die Lebenserwartung stark beeinflussen könnte. Ein Alter, indem auch die Weisheit kommen sollte, die das aber nicht immer macht.

Was sie bei diesen beiden kleinen Gruppierungen feststellen konnte war, dass durchaus bereits das Zipperlein für die Gicht bei ihnen wirkte, bedingt natürlich auch durch die entsprechend falsche Ernährung. Es sollte eigentlich klar sein, dass man prüft, was man nicht essen sollte. Wer es doch macht und dann noch mit der Liebe zum Alkohol das ganze verbindet, muss sich nicht wundern, wenn manche Dinge nicht mehr funktionieren. Wenn dann auch noch dazu kommt, beziehungsweise bereits länger vorhanden ist, zum Beispiel der Altersstarrsinn, dann die Gehässigkeit, die zu erkennen ist, verbunden mit ständiger Aggressivität und dann auch ein verändertes Einfühlungsvermögen, das natürlich fehlt, könnte insgesamt betrachtet, das Ergebnis für Sylvia durchaus positiv zu sehen sein. Dagegen hat sie nur das Enten – Syndrom. Insofern sah das für sie auch einfach besser aus.

Dann noch das Training, in vielen Bereichen, war dagegen ihr schon als Kind sehr wichtig. Daraus machte sie ihren Beruf. Sport blieb ihr wichtig, daran hatte sich in all den Jahren, sogar Jahrzehnten, nichts geändert. Was sie natürlich als Vorteil sah. Was durchaus auch als absoluter Vorteil zu betrachten ist. Das sollte sie natürlich nutzen. Zudem war ihre Ernährung wesentlich besser durchdacht, selbstverständlich auch mit Haferflocken. Was im Alter wirklich Sinn gibt.

Natürlich hat sie auch versucht, weitere Wege zu beschreiten. Wobei sie tatsächlich auf ganzer Linie juristisch völlig kläglich gescheiterte, was für sie selbstverständlich als Mittel nicht mehr in Frage kommen würde.

Dass Sylvia sich mit den falschen Leuten anlegte, dürfte ihr mittlerweile klar sein. Überlebt hat sie das Desaster mit viel Glück. Um das alles zu verstehen, müsste sie in der Zeit noch weiter zurückgehen. Dann wäre vielleicht auch zu verstehen, wie es ihr passieren konnte, sich mit einem Mörder und einem Kinderschänder anzulegen. Die Beiden haben auch zusammengefunden, gemeinsam gegen sie, dabei jeder mit dem eigenen Dunstkreis, mit weiteren Tätern und Täterinnen verwoben, und natürlich auch mit deren Unterstützung.

Was war denen so wichtig? Dem ersten ging und geht es scheinbar nur um Geld, viel Geld. Dem anderen um die kranken Emotionen, auch weil sein Gehirn falsch tickte und sein Gehirn immer noch falsch tickt. Es ist halt die Art der Verbrecher.

Wobei sich Sylvia wirklich die Frage stellt, wie ihr das alles passieren konnte. Insofern gibt es schon Sinn, dass sie ein Niederschreiben der Ereignisse vornimmt. Damit sie auch für diese Frage eine Antwort finden könnte.

3.

Erinnern konnte sich Sylvia, dass sie mit der Frauengruppe eine Gymnastikstunde begann. Es war mehr oder weniger eine private Sportstunde die dann auch noch in privaten Räumen stattfand. Jeden Mittwoch von 18.00 Uhr bis 19.00 Uhr. Das war bereits vor mehr als 40 Jahren. Aus der großen Gruppe blieben viele Jahre später nur noch ein paar Frauen übrig.

Gleich zu der ersten damals stattfindenden Sportstunde fand sich Eva als Teilnehmerin ein. Vom Alter her war sie etwas jünger als Sylvia. Sie hatte sich als Fußpflegerin selbstständig gemacht. Außerdem war sie frisch verheiratet. Das änderte sich allerdings irgendwann. Ihre Ehe scheiterte, sie ließ sich von dem Mann scheiden. Sylvia erinnerte sich daran, auch, dass Eva ihr mitteilte, dass sie die Kosten für die Sportstunden nicht mehr zahlen konnte.

Es war keine besondere Summe, jede Frau legte vor Beginn der Sportstunde 5 DM in eine Dose, die am Fenster stand. Wer fehlte, musste nicht bei der nächsten Stunde nachzahlen. Es lief locker ab. Sylvia ging es damals, aus finanzieller Sicht betrachtet, recht gut. Selbstverständlich teilte sie Eva mit, dass sie auch teilnehmen könnte, ohne einen Beitrag zu zahlen. Für beide sollte das aber, den weiteren Teilnehmerinnen gegenüber, verschwiegen werden. Daran hielten sich beide auch. Jetzt hat Sylvia die Ansicht, damals falsch reagiert zu haben. Kein Geld, kein Sport. So einfach wäre es gewesen. Damit hätte sich Sylvia viel Ärger ersparen können.

Eva zog damals natürlich aus der Wohnung, die sie mit ihrem Mann bewohnte. Dafür zog sie in ein nettes Wohnviertel und dort in ein Haus, das sie alleine bewohnte. Dort hatte sie sich einen Raum als Fußpflegerin einrichten lassen. Sylvia hätte doch merken müssen, dass Eva eigentlich komplett über ihren Verhältnissen lebte. Das Haus wirkte damals auf Sylvia ästhetisch ansprechend. Eva fuhr ein Cabrio, erzählte auch während der Sportstunde, dass sie auch versucht, jeden Tag reiten zu gehen, das Pferd, dass sie besitzt, würde ihr sehr gefallen.

Es kam aber auch vor, dass Eva längere Zeit nicht an der Sportstunde teilnahm. Sie wurde dann auch nicht vermisst, weder von Sylvia, noch von anderen sportlich betätigenden Teilnehmerinnen. Wobei sich Sylvia daran erinnerte, dass es dann Bemerkungen gab, bezogen auf Eva, und Hinweise, dass sie nicht nur die Füße mancher Männer betreute. Die meisten weiteren Sportmacherinnen interessierte das nicht. Sylvia ebenfalls auch nicht, sie hatte eigene Probleme.

4.

Beschäftigt war Sylvia in dieser Zeit auch mit ihrem Morbus Menière. Wobei sie damals der Meinung war, noch Glück zu haben, weil die Anfälle nur alle halbe Jahre kamen. Insofern beschäftige sie sich dafür nur bei Bedarf. Das tägliche Training brachte damals, und bringt auch noch heute, Sylvia eine körperliche Verbesserung. Auch ihr Kopf brauchte und bringt Freiheit. Dann lässt sie auch hin und wieder zu, dass sich Gedanken hoch begeben, die sich in dem Keller ihrer Seele befinden. Die eigentlich auch ein Pförtner bewacht, aber dass es auch manchmal Sinn gibt, diese Gedanken zuzulassen.

Dass, was Sylvia bereits durchlitten hatte, lag mehr als 30 Jahre zurück. Damals dachte sie auch, dass sie alles »auf die Reihe bekommen würde«. Damals lebte sie in einem Dorf, zusammen mit ihrem Sohn, der sich bereits in der vierten Klasse der dortigen Grundschule befand.

Nach und nach waren seine Schulleistungen in den Keller gerutscht. Der zuständige Grundschullehrer erklärte ihr irgendwann, dabei auch grinsend, dass ihr Sohn in einer Sonderschule untergebracht werden sollte. Sylvia verstand damals irgendwie die Welt und damit ihre Situation nicht mehr. Wobei ihr Sohn auch irgendwann die Schule nicht mehr besuchen wollte.

Sylvia war nicht die einzige, die damals litt. Viele Opfer und auch deren Angehörigen litten. Wobei es gab die, die litten und die, die sich Vorteile herausholten. Damals saßen Kinder in ihrer Küche und sie fingen an davon zu berichten, dass ihr Lehrer sie befummelte, ihnen viel zu nahekam. Auch dort anfasste, wo es beschämend war, dort angefasst zu werden.

Umgehend hat Sylvia ein Treffen der anderen Eltern organisiert. Daran erinnerte sie sich, dass es einen Schnaps dazu gab, der wurde auch gebraucht. Sylvia erinnerte sich genau, dass sie zwei kippte und beide brachten keine Wirkung bei ihr, was sie in der Tat überraschte. Mit zwei weiteren Müttern wurde umgehend bei der Polizei eine Anzeige gemacht. Bereits am nächsten Morgen war der Lehrer nicht mehr in der Schule zu sehen, dafür Kriminalbeamtinnen, die vor der Klasse standen und dann einzeln die Kinder dazu befragten. Die Kinder redeten frei und bestätigten die Aussagen.

Damals meinte eine der Mütter, dass bereits ein weiteres Kind vor vier Jahren diesen Lehrer hatte und das war schon schlimm, was er sich erlaubte. Bei dem letzten Kind muss es sogar noch schlimmer gewesen sein. So sprach sie.

Aber das änderte sie umgehend, nachdem der Schulleiter sie besuchte. Sie schwieg und zog auch die Anzeige zurück. Der Schulleiter stellte sich auch am folgenden Tag, vor der Anwesenheit der Polizei, in die Klasse und machte den Kindern klar, dass sie dem Lehrer sowas nicht antun dürften, dass ihnen schlimmes passieren würde, wenn sie weiter auch nur etwas über ihn verraten. Die Kinder schwiegen, darauf bekam der Schulleiter von der Polizei dafür einen Rüffel, mehr aber auch nicht.

Eine Psychologin, die sehr aktiv erschien, erklärte irgendwann nicht nur Sylvia, dass dieser Lehrer sich »den Appetit in der Klasse holt, essen würde er zuhause«. Er war verheiratet und hatte ein Mädchen und einen Jungen.

Ruhe kehrte nicht ein. Irgendwann rief eine Frau und Mutter aus der etwas entfernten Stadt bei Sylvia an. Natürlich war sie informiert über den Grundschullehrer, der tatsächlich in der Grundschule ihrer Stadt versetzt worden war. Dort war ebenfalls sein Sohn in der Klasse des versetzten neuen pädophilen Lehrers. Von Sylvia wurde erwartet, dass sie etwas unternehmen würde, denn irgendwie sollte sie zuständig sein.

Damals war es ein hartes Gespräch, das Sylvia am Telefon führte. Die andere Mutter, die Sylvia knallhart berichtete, dass es Kinder in der Klasse gab, die einer anderen Nationalität angehörten, deren Eltern sich trafen, gemeinsam beteten und dann auch Gespräche miteinander führten. Die erfahren haben, dass ein neuer Lehrer ihren Kindern vorgesetzt worden war, der aus dem Vorwurf, sich Kindern gegenüber sexuell betätigten, an der anderen Schule nicht mehr tätig sein durfte.

Nun haben diese Eltern eine Entscheidung getroffen. Sie sahen diesen Lehrer als Problem, das sie lösen wollten, sogar mussten. Sie hatten bereits eine Person gewählt, die bereits »mit einem Messer zwischen den Zähnen« dem Lehrer begegnen wollte und auch sollte.

Damals war es Sylvia gelungen, ein junges Fernsehteam zu aktivieren. Sie konnte weder heute als auch damals nicht darüber lachen, wie sie den Beitrag im Fernsehen begonnen haben. So wartete das Fernsehteam an der Schule auf den Grundschullehrer. Zuerst freute der sich, als er dann direkt auf seine Neigung angesprochen wurde, drehte er sich kommentarlos um und flüchtete von dem Ort. Dabei wurden seine Schuhe aufgezeichnet, die Kamera war dann auf die Sohlen seiner Schuhe gerichtet. So war das Problem der Eltern dieser Schule gelöst und das Messer wurde auch umgehend von den Zähnen entfernt.

Natürlich sammelte das Fernsehteam weitere Infos zu dieser ganzen Sache. So wurde versucht, die entsprechende Schulaufsicht telefonisch zu erreichen. Ebenfalls darüber konnte Sylvia damals nicht lachen. Aber ganz schlimm war die Aufzeichnung, die sie mit der zweiten Mutter zeigte. Beide betrachteten ein beschriebenes Papier, erstellt für den Grundschullehrer, der sich so bemühte für die Schüler. Und da stand geschrieben, dass die Unterschreibenden traurig waren, dass der Grundschullehrer die Schule verlassen musste. Unterschrieben von weiteren Müttern und Dorfbewohner.