Blauregenmord - Tuna von Blumenstein - E-Book

Blauregenmord E-Book

Tuna von Blumenstein

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Beschreibung

Der Mörder ist nicht immer der Gärtner. Oder doch? … Der Hauch eines Wohlgeruchs streifte Bertholds Gedanken. Es war der Duft der Wisteria, den der zarte Wind zu ihm trug. Vor der Bank in Bertholds Garten lag eine Gestalt. Lange blonde Haare hoben sich vom Grün der Rasenfläche ab … Eine Leiche in Bertholds Garten. Auf Blauregenblüten gebettet. Kein leichter Fall für die Ermittler der Mordkommission Dietmar Höing und Bea Kormann. Schauplatz des neuen Krimis von Tuna von Blumenstein ist eine Gartenperle im Westmünsterland: der Garten Picker in Borken-Weseke. Die Bilder für das Cover »Blauregenmord« sind dort entstanden. www.garten-picker.de

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Seitenzahl: 72

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Tuna von Blumenstein

Blauregenmord

Ein Münsterland-Krimi

Books on Demand

Die Autorin:

Unter dem Pseudonym Tuna von Blumenstein hat dieAutorin vier Kriminalromane veröffentlicht:

»Der Tote im Zwillbrocker Venn« 2010»Der hässliche Zwilling« 2011»Mord in Genf« 2012Die Bilder für das Cover »Blauregenmord« 2013 sind imGarten Picker entstanden. www.garten-picker.de

Die Autorin lebt im Westmünsterland

www.ein-buch-lesen.comwww.ein-buch-lesen.de

wer bestimmt was normalwas unnormal istgibt es inmittenvon schwarz oder weißlediglich schattierungen in grau

betrachte die gärtenerhasche dabeieinen blick in die seele dererdie sie hegen und pflegendann wirst du erkennendass die weltein riesiges meeraus farben ist

Sylvia B.

Die ersten Sonnenstrahlen des Tages suchten sich ihren Weg durch die Lamellen und tanzten an der Wand des Schlafzimmers einen fröhlichen Reigen. Durch das weit geöffnete Fenster trug der leichte Wind den Hauch eines Duftes in den Raum und zauberte damit Berthold Picker ein Lächeln ins Gesicht. Er blinzelte und lauschte in die ungewohnte Stille des Hauses. Seine Frau war mit den Kindern an diesem Wochenende bei Verwandten.

»Berthold allein zu Haus!«

Mit einem Ruck warf er die Decke zurück und schwang sich aus dem Bett. Er öffnete die Fensterläden, blickte in den Garten und zu der Kletterpflanze, die ihm im Licht des beginnen Tages ihren duftenden Morgengruß sandte. Die Blüten des Blauregens hingen auf fast schon verschwenderische Art und Weise in Trauben von den Zweigen und verschickten ihren betörenden Duft mit dem Wind.

Berthold löste seinen Blick von der Blütenpracht, suchte das Bad und danach die Küche auf. Er fand alles so geordnet, wie er es am Abend vorher verlassen hatte und das kam ihm seltsam vor. Auch diese Geräuschlosigkeit war ihm fast schon unbehaglich. Er vermisste seine Familie, stellte er für sich fest.

Mit einem Frühstücksbrot und einem Becher frisch gebrühten Kaffee schritt er durch das Wohnzimmer. Während Berthold frühstückte, betrachtete er den Garten durch die großen Fenster. Es versprach, ein sonniger und auch warmer Maitag zu werden. Endlich zog der Frühling durch das Münsterland.

Bevor Berthold die Tür öffnete und die Terrasse betrat, kippte er den Schalter, der die Pumpe am Teich in Betrieb nahm.

So sprudelte es fröhlich aus dem Quellstein und die Sonnenstrahlen spielten mit den Wassertropfen, als Berthold seinen Blick dem wolkenlosen Himmel zuwandte.

»Berthold allein zu Haus«, wiederholte er sich, »dann sollte ich den Tag auch für mich nutzen!«

Im Jahre 2002 hatten seine Frau und er den Garten angelegt, 3000 Quadratmeter Fläche mussten damals gestaltet werden. Es war Platz für einen Bauern- und Kräutergarten, der sich rechter Hand von ihm befand. Links befanden sich die Wasserspiele und die kleinen Teichanlagen. Berthold betrachtete das Wasser, bevor er seinen Rundgang durch den Gemüsegarten startete. Alles war so, wie er es am vorherigen Abend verlassen hatte. Und doch spürte er, dass irgendetwas anders war als sonst. Wieder schob er seinen Gedanken auf die fehlende Präsenz seiner Familie.

Sein Weg führte ihn zurück Richtung Terrasse, an dem offenen Brunnen vorbei, der, von Platanen umschlossen, friedlich in der Sonne stand. Noch ein paar Schritte trennten ihn von dem Weg, der zu der Rasenfläche führte. Dort hatte seine Frau in der Nähe des Pavillons, in dem sich Hochzeitspaare gerne fotografieren ließen, eine weitere Sitzgelegenheit kreiert, eine Bank aus Metall, die mit einem Hauch roter Farbe gestrichen war. Daneben breitete sich ein Sonnenschirm in dunklem Rot aus, der einen Tisch beschattete, auf dem sich auch in Rot gehaltene Dekoration befand. Das Arrangement wirkte wie ein Kunstwerk, hob sich von dem satten Grün der Rasenfläche ab und wurde im Vordergrund von hochgewachsenen Koniferen gerahmt. Den Hintergrund bildeten die Beete.

Berthold blieb stehen und starrte auf das Stillleben, das sich vor ihm auftat. Der Hauch eines Wohlgeruchs streifte seine Gedanken. Es war der Duft der Wisteria, den der zarte Wind zu ihm trug. Vor der Bank und in gekrümmter Haltung sah er eine Gestalt mit dem Rücken zu ihm liegen. Lange blonde Haare hoben sich vom Grün der Rasenfläche ab. Die leblose Person trug ein weißes Kleid mit kleinen roten Punkten. Bertholds Blick wanderte zu den Füßen der Gestalt. Er konnte dünne hohe Absätze erkennen und auch, dass diese Schuhe leuchtend rot waren. Ein Arrangement in Rot und Weiß, als wäre auch diese Kleidung Bestandteil eines Gesamtkunstwerkes, das durch ein Sinnbild der Vergänglichkeit ergänzt wurde und für das sein Garten herhalten musste.

Noch vor kurzer Zeit hatte Berthold in seinem Freundeskreis verkündet: »Irgendwann stolpere ich noch in meinem Garten über eine Leiche!« Seine Freunde haben gelacht und er auch. Sollten sich seine Vertrauten einen Scherz mit ihm erlaubt haben? Er wagte sich zwei Schritte näher heran und prüfte genau. Das war keine Puppe, das war ein Mensch, Berthold war sich da ganz sicher. Und er war sich sicher, dass dieses Geschöpf tot war.

Er fasste in seine Hosentasche, holte das Telefon heraus und informierte die Polizei über seinen makaberen Fund. Zum ersten Mal an diesem Morgen war er froh darüber, dass seine Familie nicht anwesend war. Er konnte sich sicher sein, dass ihm seine Gattin die Frage aller Fragen gestellt hätte, die vermutlich jeder Gatte irgendwann im Laufe der Ehejahre gestellt bekommt:

»WER IST DIESE FRAU?«

Am Eingang der Staudengärtnerei wartete Berthold auf die Ermittler aus Münster. Dietmar Höing, Leiter der Mordkommission, kam in Begleitung von Bea Kormann. Unmittelbar nach den beiden traf die Spurensicherung ein. Berthold beobachtete fasziniert, wie sich Peter Radke und seine Teammitglieder die weißen Papieroveralls überzogen, Taschen und Köfferchen aus dem Kofferraum herausholten, um sich dann, vom gegenüberliegenden Parkplatz aus, zum Eingang zu bewegen.

In diesem Moment traf auch der Gerichtsmediziner ein und schloss sich der Gesellschaft an. Die Karawane setzte sich in Bewegung. Berthold führte sie zu dem kleinen Türchen, das die Staudengärtnerei vom Gemüsegarten trennt. Dietmar Höing kam erst eine Melodie und dann Textsequenzen in den Sinn:

»Manchmal, da fallen mir Bilder ein …

Ein Kiesweg knirscht vornehm unter den Schritten …«

Sein Blick wanderte über die Beete und er stellte fest, dass auch seine Kollegen den Garten bewundernd betrachteten. Reinhard Mey, der Name des Liedermachers, fiel Dietmar ein, noch bevor sie den Brunnen erreicht hatten.

Berthold blieb stehen. Wie er meist an dieser Stelle stehen blieb, wenn er Besucher durch die Anlage führte. Irgendwie hatte er das Bedürfnis, etwas sagen zu müssen. Doch es fehlten ihm die Worte. So zeigte er nur stumm in Richtung des Weges, der am Teich vorbei zu der Rasenfläche führte. Peter Radke setzte seinen Koffer auf den Brunnenrand ab, um Schuhüberzieher aus Plastik herauszuholen, die er an die Kollegen verteilte. Dezent rastete die Bajonettverriegelung ein, Peter Radke legte den Gurt der Kamera um seinen Hals, nickte Berthold zu, um das Signal zu geben, dass es weiter gehen konnte.

Der Fundort zeigte sich ihnen wie ein surrealistisches Bild. Rechts und links, in respektvollem Abstand von dem leblosen Körper, flankierten zwei Polizeibeamtinnen in ihren dunkelblauen Uniformen die Szene. Sie hatten simultan den Oberkörper leicht vorgebeugt, die Arme gestreckt zum Rücken geführt, um sie dort an den Händen festzuhalten. Aufmerksam betrachteten beide das tote Geschöpf. Vielleicht lag es an dem dunklen Blau der Uniformen, das im Kontrast zu dem Grün des Rasens stand und Bertholds Sinne für diese Farbe schärfte. Er entdeckte hellviolette Punkte, die sich um die tote Person verteilten und die er vorher wohl übersehen haben musste. Über seine Schulter hinweg zerriss das Klicken des Kameraauslösers den Moment. Mit einem entschuldigenden Räuspern drückte sich der Gerichtsmediziner an Berthold vorbei und betrat die groteske Inszenierung.

»Herr Picker haben Sie ein Glas Wasser für mich?« Bea Kormann zog Berthold aus seinen Gedankengängen und er war froh darüber, unter diesem Vorwand die Betrachtung abstreifen zu dürfen. Und er fand auch wieder Worte für das, was seinen Tagesbeginn so durcheinandergebracht hatte. Bea half ihm, Gläser und Wasserflaschen auf die Terrasse zu bringen.

Berthold entspannte sich, als Bea ihn zu dem Garten befragte, das lenkte seine Gedanken ab. So berichtete er ihr von den fast 1300 verschiedenen Pflanzen und Sorten, die entdeckt werden konnten. Dass an den Gartentagen alles noch außerordentlich herausgeputzt und dekoriert wird. Dann würden die Besucher das Anwesen ganz besonders genießen. An diesen Tagen würde die Kinderkrebshilfe Weseke die Bewirtung übernehmen.

»Damit kommt auch noch jedes Mal eine ordentliche Summe in den Spendentopf des Vereins. Vielen Kindern konnte damit schon geholfen werden.«

Bea hörte ihm lächelnd zu. Gemeinsam gingen sie die Stufen herunter und betraten einen schmalen Weg, der um das Wohnhaus führte.

»Was duftet denn hier so gut?«

Sie näherten sich einem Taubenhaus, das erhöht an einem Baum angebracht und von dem Klettergewächs umwuchert wurde. Weiße Blütentrauben hingen an den Ästen in langen Dolden und wiegten sich im leichten Wind. Es schien, als stürzte ein Wasserfall aus Blüten herunter.