Der muslimische Witz - Hadayatullah Hübsch - E-Book

Der muslimische Witz E-Book

Hadayatullah Hübsch

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Beschreibung

Der Islam kennt Humor und Muslime können lachen! Dieses Buch tritt den Beweis an. Zum ersten Mal erscheint eine umfangreiche muslimische Witzesammlung, zusammengetragen aus vielen Ländern und verschiedenen Zeiten, die zugleich die innere Vielfalt des Islam widerspiegeln - von Mulla Nasrudin-Witzen im vorderasiatischen Raum, dem Spaßvogel Goha im arabischen Orient bis zu heutigen Witzformen wie den politischen Witz, Witze über die bigotte Geistlichkeit, Comedy und Karikaturen. Einleitend berichtet Hadayatullah Hübsch über den Humor des Propheten Muhammad gemäß der Überlieferung und gibt eine kurze Übersicht über humorige Literatur im Islam.

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Seitenzahl: 219

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Haupttitel

Inhalt

Über den Autor

Über das Buch

Impressum

Hinweise des Verlags

Hadayatullah Hübsch

Der muslimische Witz

Patmos Verlag

Inhalt

Der muslimische Witz – Eine Einführung

Der Heilige Koran und Humor

Der Humor des Heiligen Propheten Mohammed

Prototypen muslimischen Humors

Der altarabische Humor

Der muslimische Witz in der Moderne

MUSLIMISCHE WITZE

Witze von heute

Hodscha Nasruddin-Witze

Orientalische Anekdoten

Geschichten von Goha aus Arabien

Alte arabische Witze

Quellen und bibliographische Hinweise

Der muslimische Witz – Eine Einführung

Am Donnerstag, 20. Mai 2010, veröffentlichte die angesehene südafrikanische Wochenzeitschrift »Mail & Guardian« eine Zeichnung des preisgekrönten Karikaturisten Jonathan Shapiro, auf der ein bärtiger Mann, der einen Turban trägt, auf der Couch eines Psychiater liegend zu sehen ist. Der bärtige Mann beklagt sich darüber, dass »andere Propheten Anhänger mit Sinn für Humor haben«.

Einen Einspruch des Rats muslimischer Theologen in Südafrika, die den Abdruck des Cartoons verbieten lassen wollten, hatte zuvor ein Gericht nach stundenlanger Beratung abgelehnt.

Die Geistlichen hatten auch vor möglichen Konsequenzen gewalttätiger Art gewarnt, weil das Terrornetzwerk Al-Qaida zu der bald nach der Veröffentlichung beginnenden Fußballweltmeisterschaft Anschläge auf dänische und niederländische Fans angedroht hatte, Länder, in denen die umstrittenen »Mohammed-Karikaturen«, die neben anderem den Heiligen Propheten mit einer Bombe statt Turban auf dem Kopf darstellten, veröffentlicht worden waren.

Der Chefredakteur von »Mail & Guardian«, Nic Dawes, sagte dazu: »Meiner Ansicht nach ist keine Karikatur so beleidigend für den Islam wie die Annahme, Muslime würden mit Gewalt darauf reagieren.«

Die Wochenzeitschrift erhielt am Tag nach der Veröffentlichung Hunderte von zornigen Anrufen, darunter solche, in denen der Karikaturist mit dem Tode bedroht wurde. Mit seiner Zeichnung wollte der Karikaturist auf seine Art kommentieren, dass in Pakistan zuvor die Internetplattformen »YouTube« und »Facebook« wegen »zunehmender gotteslästerlichen Inhalte« gesperrt worden waren.

Weil »gotteslästerliche Karikaturen« auch auf anderen Websites erschienen waren, wurde auch der Zugang zur Fotoplattform »Flickr« und zur Online-Enzyklopädie »Wikipedia« erschwert; insgesamt seien über 450 Internetlinks blockiert worden, wie dpa am 21. Mai 2010 meldete.

Ist dieser Konflikt nun typisch für den vielbeschworenen »Clash of Civilizations«, ein Beispiel für ein schier unvereinbares Verständnis von dem, was Humor ist, was Satire darf?

Oder handelt es sich bei den Protestierenden um Fanatiker, Extremisten, die im Namen des Islams auftreten, der so, wie sie ihn sich vorstellen, aber gar nicht ist, wenn wir uns am Vorbild der Muslime, dem Heiligen Propheten Mohammed, und dem Buch der Muslime, dem Heiligen Koran, orientieren wollten?

Charakterisieren also griesgrämige, mürrisch und finster dreinblickende Mullahs, denen kein Lächeln über die Lippen kommt, geschweige denn herzliches, lautes Lachen, Geistliche mithin, die weder für Humor, noch gar für Ironie oder Selbstironie einen Sinn haben, den Islam? Oder kennt der Islam ursprünglich durchaus das herzhafte Lachen, den Scherz mit tieferer Bedeutung, die Lust an der Freude, am Spaß?

In der Tat überwiegt, jedenfalls derzeit, allgemein der Eindruck, zumal im Westen, dass Islam und Humor einander fast ausschließen. Zu sehr wird in den Medien die Strenge, der Ernst betont, der die Lehre des Islams auszeichne; zu oft wird, zumal im Orient, befürchtet, dass Lustigsein die Beziehung des Gläubigen zu Allah beeinträchtige.

Und in der Tat ist die Reaktion von Muslimen auf die sogenannten Mohammed-Karikaturen, so, wie sie weitgehend in der Öffentlichkeit verbreitet worden ist, zumeist durch alles andere denn Weisheit gekennzeichnet. Grundsätzlich gilt, dass es keine übliche muslimische Verhaltensweise ist, marodierend durch die Straßen zu ziehen, um die Ehre des Propheten Mohammed zu verteidigen. Es sollte aber auch klar sein, dass Muslime, die eine derartige Beziehung zu ihrem Propheten pflegen, wie sie den islamischen Quellen zufolge sein sollte, niemals dulden können, dass der Prophet ins Lächerliche gezogen wird. Mohammed besitzt für Muslime einen über jeden Zweifel erhabenen Rang. Er wird als Barmherzigkeit für alle Welten bezeichnet, als Krone der menschlichen Schöpfung, als vollkommenster Mensch. Er ist für Muslime der Empfänger des letzten göttlichen Gesetzes und nur durch die Befolgung seiner Lebensweise, die das vollkommene Abbild der koranischen Lehre darstellt, könne man das Ziel des Islams, Gott zu erkennen und zu erfahren, erreichen. Es liegt in der Natur der Sache, dass Muslime immer bestrebt sein werden, die Ehre ihres Propheten zu verteidigen. Da Unruhe in der Gesellschaft zu stiften als äußerst unislamisch gilt, beschränkt sich die Verteidigung des Ansehens des Propheten auf eine intellektuelle Auseinandersetzung, indem zum Beispiel auf die hohen moralischen Qualitäten, auf die Barmherzigkeit und Menschenliebe des Propheten aufmerksam gemacht wird.

Doch trotz dieser klaren, für Muslime verbindlichen Verhaltensregeln machen zahlreiche veröffentlichte Stellungnahmen und Analysen im Umfeld der Auseinandersetzungen um diese Cartoons wie auch zu dem als Satire etikettierten Roman Salman Rushdies, »Die satanischen Verse«, deutlich, dass Staaten innerhalb der islamischen Welt, die Politik und Religion vermischen, oftmals den Witz schlechthin, natürlich vor allem, wenn er sich gegen die Geistlichkeit oder Staatsräson wendet, als destruktiv, gefährlich und dem Glauben feindlich gesonnen deklarieren.

Zumindest aber, so wird argumentiert, drohe er »Taqwa« zu schwächen, also jenen Zustand des Muslims, der als »Gottesfurcht« übersetzt werden kann, also eine würdevolle Haltung, die sich aus der Befürchtung speist, durch ein Fehlverhalten die Zuneigung Gottes und Nähe zu Ihm zu verlieren.

Dabei hat es in der islamischen Welt seit jeher Humor gegeben, in Form von lustigen Anekdoten und Geschichten oder auch in der knappen, schnellen Art des kurzen Witzes mit knallender Pointe. Darüber und dazu sind viele Bände geschrieben worden, zahlreiche Witzesammlungen legen Zeugnis davon ab.

Inwieweit und ob Humor im Islam sich wesentlich unterscheidet vom dem, was in der jüdischen und der christlichen Tradition heutzutage unter Humor verstanden wird, ist dagegen selten Gegenstand von Analysen gewesen. Ob es Gemeinsamkeiten, ob es fundamental unterschiedliche Vorstellungen und Qualitäten zwischen abendländischer und morgenländischer Tradition gibt, müsste mithin untersucht werden.

Können wir nun davon ausgehen, dass Humor ein Charakterzug des Menschen ist, durch den er sich von anderen Lebewesen unterscheidet? Ist er so wichtig für unser Leben, wie der Schriftsteller und Schauspieler Curt Goetz meinte, der sagte: »Humor ist nicht erlernbar. Neben Geist und Witz setzt er vor allem ein großes Maß an Herzensgüte voraus, an Geduld, Nachsicht und Menschenliebe«? Oder ist Humor sogar so bedeutsam, wie Sören Kierkegaard annahm, der darin die letzte essenzielle Stufe vor dem Glauben zu erkennen meinte?

Bevor wir uns solchen Überlegungen widmen, bevor wir darlegen, was muslimische Witze von einst enthalten, bedeuten und überliefern, und bevor wir den heutigen Stand des Humors in der islamischen Welt begutachten, möchte ich jedoch auf die Quellen des islamischen Glaubens zu sprechen kommen, zum einen den Heiligen Koran, zum andern das Leben des Heiligen Propheten Mohammed.

Der Heilige Koran und Humor

Der Islam versteht sich als Vervollkommnung und Vervollständigung aller zuvor offenbarten Religionen. Von seinem Heiligen Buch, dem Koran (arabisch: Quran, d. h. das oft Gelesene [Buch]), glauben die Muslime, dass es die wörtlichen Offenbarungen enthält, die Allah – nach dem Glauben der Muslime ist Allah der Eigenname Gottes – dem Heiligen Propheten Mohammed durch den Erzengel Gabriel als Wegweisung und Gesetz (Scharia, wörtlich: Weg zur Tränke) zuteilwerden ließ.

In ihm heißt es: »Dies ist ein vollkommenes Buch; es ist kein Zweifel darin: eine Richtschnur für die Rechtschaffenen; die da glauben an das Ungesehene und das Gebet verrichten und spenden von dem, was Wir ihnen gegeben haben; und die glauben an das, was dir offenbart worden, und an das, was vor dir offenbart ward, und fest auf das bauen, was kommen wird.« (Sure 2:3–5)

Der Koran erläutert somit die Natur des Menschen und zeigt den Pfad zur Überwindung der niederen Leidenschaften, des Egoismus, mit dem Ziel, am Tag des Jüngsten Gerichts angenommen zu werden als jemand, der in der Lage ist, im Jenseits, dem Bestimmungsort der Seele, im Zustand des Paradieses zu leben.

Lachen und lächeln zu können sind Bestandteile der menschlichen Natur, als deren Ursache der Muslim Allah sieht, der die Macht dazu hat, sie zu erhalten und zu verbessern. Dazu heißt es in Sure 53: »Siehst du den, der sich abkehrt (von der Botschaft Allahs) und wenig gibt und kargt? Hat er wohl Kenntnis des Verborgenen, dass er es sehen könnte? Oder ist ihm nicht erzählt worden, was in den Büchern Moses steht, und Abrahams, der (die Gebote) hielt? Dass keine Lasttragende die Last einer andern tragen soll, und dass der Mensch nichts empfangen soll, als was er erstrebt, und dass sein Streben bald gesehen werden wird, dann wird er dafür belohnt werden mit dem vollsten Lohn. Und dass zu deinem Herrn die endgültige Heimkehr ist, und dass Er es ist, Der lachen macht und weinen…« (Sure 53:34–44)

Somit ist es in die Natur des Menschen von Gott gelegt, dass er zum Ausdruck seiner Freude und als Erleichterung zu lachen (wie zu weinen) versteht. Und es ist ein Gebot Allahs, dass er seine Natur nicht verkümmern lassen darf, wie in Sure 30 Vers 31 geschildert: »So richte dein Antlitz auf den Glauben wie ein Aufrechter (und folge) der Natur, die Allah geschaffen, der Natur, mit welcher Allah die Menschen erschaffen hat. Es gibt kein Ändern an Allahs Schöpfung. Das ist der beständige Glaube. Allein die meisten Menschen wissen es nicht.«

Wir finden also im Koran Beispiele dafür, wie Propheten durch Lächeln ihren Sinn für Humor zeigten. In der Sure 27 wird davon berichtet, wie König Salomon, der auch im Islam als Prophet gilt, über einen Stamm lächelt, der befürchtete, dass ihm durch Salomon Schaden zugefügt werden könnte, während er doch dessen Wohlfahrt im Sinn hatte.

Das Zeichen der Furcht, das hier zum Ausdruck gebracht wird durch jemanden, der nichts anderes kennt als ein Leben in Unterdrückung, offenbart Salomon eine menschliche Schwäche, die nicht nur sein Mitleid erregt, sondern auch eine Erheiterung verursacht, weil er sich nicht vorstellen kann, im Sinne der Klage zu handeln.

Die Verse lauten: »Salomo ward Davids Erbe, und er sprach: ›O ihr Menschen, der Vögel Sprache ist uns gelehrt worden; und alles ward uns beschert. Das ist fürwahr die offenbare Huld.‹ Und versammelt wurden dort vor Salomo dessen Heerscharen der Dschinn und Menschen und Vögel, und sie waren in geschlossene Abteilungen geordnet, bis dann, als sie zum Tale Naml kamen, ein Wie von dem Naml sprach: ›O ihr Naml, geht hinein in eure Wohnungen, damit nicht Salomo und seine Heerscharen euch zertreten, ohne dass sie es merken.‹ Da lächelte er heiter über ihre Worte und sprach: ›Mein Herr, gib mir ein, dankbar zu sein für Deine Gnade, die Du mir und meinen Eltern gewährt hast, und Gutes zu tun, das Dir wohlgefällig sei, und nimm mich, durch Deine Barmherzigkeit, unter Deine rechtschaffenen Diener auf.‹« (Sure 27:17–20)

Eine andere Art des Lachens wird in Sure 83 thematisiert. Hier geht es um das Verhalten derjenigen, die nicht an Gott und das Leben nach dem Tode glauben, jedoch gegenüber denjenigen, die glauben, nicht so viel Toleranz aufbringen, um sie unbehelligt zu lassen. Stattdessen verlachen sie jene, anstatt sie als Mitmenschen zu sehen, die genauso ihre Würde wahren möchten wie andere.

Solches Lachen gründet auf einer gewissen Überheblichkeit und der Annahme, weiter fortgeschritten zu sein als die anderen, deren Vernunft und Glauben man für dumm hält und die deswegen Anlass zum Gelächter werden.

Allah verweist in diesen Versen auf Seine Wirklichkeit und das Leben des Glaubens im Jenseits, wenn die Gläubigen ihrerseits darüber lachen werden, wie uneinsichtig die anderen waren.

Die Verse lauten: »Die Sünder pflegten über die zu lachen, die glaubten; und wenn sie an ihnen vorübergingen, blinzelten sie einander zu; und wenn sie zu den Ihren zurückkehrten, kehrten sie frohlockend zurück; und wenn sie sie sahen, sprachen sie: ›Das sind fürwahr die Irregegangenen!‹ Aber sie sind nicht als Wächter über sie gesandt; heute darum sind es die Gläubigen, die über die Ungläubigen lachen werden.« (Sure 83:30–35)

So wird auch über den Zustand der Gläubigen im Paradies berichtet, dass sie dort heiter gestimmt sein werden; dann nämlich, wenn sie am Tag des Jüngsten Gerichts die Früchte ihrer Anstrengung ernten werden. Und nach der Lehre des Korans wird sich dieser jenseitige Zustand im Diesseits bereits durch eine innere Gelassenheit, Zufriedenheit und lächelnde Gemütshaltung manifestieren.

Dazu heißt es in Sure 80 Verse 39–40: »An jenem Tage werden manche Gesichter strahlend sein, heiter, freudig!«

Im Koran mahnt Allah dagegen jene, die sich nicht um eine Änderung ihres Herzenszustandes mühen, um so Reinheit und Befreiung von negativen Begierden, Groll, Hass oder Neid zu erlangen: »Sie sollten wenig lachen und viel weinen über das, was sie sich erwerben.« (Sure 9:82)

Weinen als Mittel der Läuterung, als Weg, Selbsterkenntnis zu erreichen und zu reifen, Gerechtigkeit zu üben, uneigennützig Gutes zu tun und anderen Menschen so zu spenden, als seien es Verwandte (Sure 16:91), dient also als Heilmittel, während Lachen auch geeignet erscheint, Pflichten zu vernachlässigen und Verantwortung zu vergessen.

Einschränkungen für das Lachen gibt es bei abfälligen Belustigungen über jemanden oder allgemein als Spott, dem es an Nachsicht und Mitleid fehlt.

So gibt es eine sehr konkrete Anweisung Allahs, sich nicht über andere Völker und Sitten übermäßig lustig zu machen, wobei der Koran sich hier nicht nur an die Muslime (wörtlich übersetzt bedeutet das Wort: Gottergebener Mensch) wendet, sondern auch an Andersgläubige.

Dazu heißt es in Sure 49 Vers 12: »O die ihr glaubt! Lasset nicht ein Volk über das andere spotten, vielleicht sind diese besser als jene; noch Frauen (eines Volkes) über Frauen (eines anderen Volkes), vielleicht sind diese besser als jene. Und verleumdet einander nicht und gebet einander nicht Schimpfnamen. Schlimm ist das Wort: Ungehorsam nach dem Glauben; und wer nicht ablässt, das sind die Frevler.«

Dass dennoch Eigenarten bestimmter Völker auf die Schippe genommen werden, kann an ungezählten Witzen, die in muslimischen Kreisen kursieren, gesehen werden, ist aber, wenn man dem oben zitierten Gebot des Korans Folge leisten möchte, nur hinnehmbar, wenn es auf liebenswürdige Art und Weise geschieht und nicht in eine Beleidigung ausartet.

Menschliche Schwächen durch Kritik, wie sie in einem Witz verborgen sein kann, mit der Absicht deutlich zu machen, Besserung des Verhaltens zu erzielen, kann im Bereich dessen, was als »Halal« (erlaubt) gilt, angesiedelt werden. Was der Islam verbietet (was also »Haram«, verboten ist), ist, Grenzen der Wahrung von Würde zu überschreiten, andere auf respektlose Weise verächtlich zu machen und ihnen durch Spott das Gesicht zu nehmen.

Der Koran gebietet den Muslimen insbesondere, die religiösen Gefühle von Andersgläubigen zu achten und zu respektieren. Zu diesem Gebot der Toleranz zählt, dass vermieden werden muss, diejenigen, die von Andersgläubigen verehrt werden, zu beleidigen, herabzuwürdigen und zu schmähen. Allah sagt dazu: »Und schmähet nicht die, welche sie statt Allah anrufen, sonst würden sie aus Groll Allah schmähen ohne Wissen. Also ließen Wir jedem Volk sein Tun als wohlgefällig erscheinen. Dann aber ist zu ihrem Herrn ihre Heimkehr; und Er wird ihnen verkünden, was sie getan.« (Sure 6:109)

Eine weltliche Bestrafung für Verspottung oder Schmähungen, die blasphemisch sind, kennt der Koran nicht. Gotteslästerung ist kein weltliches Delikt, solange durch sie kein Straftatbestand erfüllt ist, wie er sich zum Beispiel in öffentlichem Aufruhr zeigen könnte. Denn in dieser Hinsicht ist der Koran eindeutig, indem er wiederholt darauf aufmerksam macht, dass kein Unfrieden auf der Erde gestiftet werden soll. Die Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Friedens stellt ein wichtiges Gebot dar, wenngleich die Glaubensfreiheit gemäß den Koran-Versen »In Glaubensdingen darf es keinen Zwang geben« (Sure 2:257) oder »Lass den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will« (Sure 18:30) unter allen Umständen gewährleistet wird.

Es liegt an Gott, der die Absichten der Menschen kennt und nach ihnen beurteilt, bei blasphemischen Bekundungen zu bestrafen, um dadurch vor möglichen Konsequenzen für das Seelenheil des Lästernden zu warnen. So heißt es dazu im Koran:

»Und wenn du sie fragst, so werden sie ganz gewiss sagen: ›Wir plauderten nur und scherzten.‹ Sprich: ›Galt euer Spott etwa Allah und Seinen Zeichen und Seinem Gesandten? Versucht euch nicht zu entschuldigen. Ihr seid ungläubig geworden, nachdem ihr geglaubt. Wenn Wir (Allah) einem Teile von euch vergeben und den anderen strafen, dann darum, weil sie schuldig waren.‹« (Sure 9:65–66)

Für den Muslim gilt, dass er sich von solchen Menschen fernhalten soll, die sich in derartigem Spott ergehen; Rache für Beleidigung des Propheten, des Islams oder Allahs zu üben ist nicht seine Angelegenheit. Seine Aufgabe in solchen Situationen ist es, sich von jenen, die den Glauben verspotten, fernzuhalten oder mit ihnen, wenn sie nicht völlig ungerecht sind, auf faire Art und Weise zu diskutieren (Sure 16:126: »Rufe auf zum Wege deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung und streite [diskutiere] mit ihnen auf die beste Art«).

Der Koran sagt zudem über die, die den Glauben und die Gläubigen verspotten:

»O die ihr glaubt, nehmt euch nicht die zu Freunden – unter jenen, denen vor euch die Schrift gegeben ward, und den Ungläubigen –, die mit eurem Glauben Spott und Scherz treiben, und fürchtet Allah, wenn ihr Gläubige seid; die es als Spott und Scherz nehmen, wenn ihr zum Gebet ruft. Dies, weil sie Leute sind, die nicht begreifen.« (Sure 5:58–59)

Die Trennlinie zwischen einem Witz, einem Lachen beleidigender Natur und einem Lachen oder Lächeln über absurde, verblüffende, geistreiche, komische Geschehnisse und Äußerungen kann durchaus sehr schmal sein. Muslimische Gelehrte haben sich demzufolge oft bemüht, die Philosophie des Lachens und Lächeln im Islam zu erklären.

So hatte der Prophet selbst gesagt: »Lacht nicht zu viel, denn zu viel Lachen tötet das Herz.« (Saheeh al-Jaami, 7312)

Und der spätere zweite Kalif, Umar ibn al-Khattaab, sagte: »Wer immer zu viel lacht oder zu viel Witze reißt, verliert an Respekt.«

Gefragt ist also nach islamischen Maßstäben der Mittelweg, in dem Sinne, wie der große Islamgelehrte Sa‘d ibn Abi Waqqaas es formulierte: »Setzt eine Grenze für eure Witze, denn dabei ins Extrem zu gehen lässt euch an Respekt verlieren und bringt die Närrischen gegen euch auf.«

Sufyaan ibn Uyaynah sagte dazu, als ein Mann zu ihm kam und bemerkte, dass es Unrecht sei, Witze zu machen, und dass derartiges Verhalten verboten werden müsste: »Nein, vielmehr ist es Sunna (Lebenspraxis der Muslime aufgrund des beispielhaften Lebens des Propheten), aber das nur für jene, die wissen, wie man sie erzählen muss, und dies zur geeigneten Zeit tun.«

Imam al-Nawawi sagte zu diesem Thema, es ausführend und ergänzend: »Witze machen ist verboten, wenn es exzessiv und andauernd geschieht, denn es führt zu viel Gelächter, das das Herz hart werden lässt; es hält ab vom Gedenken Allahs (durch Gebete) und führt zudem oftmals dazu, dass sich Menschen in ihren Gefühlen verletzt sehen, dass Hass erzeugt wird und Leute Respekt und Würde verlieren. Aber wer immer von solchen Gefahren befreit ist, für den ist das erlaubt, was der Gesandte Allahs zu tun pflegte.«

Also war es unter denjenigen Muslimen, die ihre Standfestigkeit und Glaubensstärke bewiesen hatten, gebräuchlich, Witze zu machen und über Witze zu lachen, was Ibn Umar bestätigte, indem er auf die Frage: »Lachten die Gefährten des Propheten?« antwortete: »Ja, und der Glaube in ihren Herzen war felsenfest wie Berge.«

In diesem Sinne haben einige Heilige und Mystiker des Islams gern Witze als Einstieg in ernste Themen gewählt, um die Zuhörer aufzumuntern, Steifheit und Heuchelei zu lösen und vorzubereiten auf die Botschaft, die sie vermitteln wollten.

So wie auch der Dichter Horaz erkannt hatte, indem er sagte: »Schneller wird erlernt und wird auch leichter behalten, was man belacht, als was Achtung erheischet und Lob.«

Der Humor des Heiligen Propheten Mohammed

Wie schon erwähnt, beruhen die Glaubenslehren des Islams im Wesentlichen auf zwei Quellen, zum einen den wörtlichen Offenbarungen (Ilham), die Allah dem Heiligen Propheten Mohammed in Form des Heiligen Korans gewährte, zum andern auf der Lebenspraxis des Propheten, Sunna genannt.

Die Sunna wurde mündlich überliefert, d. h. das, was der Prophet sagte oder tat, wurde nicht schriftlich aufbewahrt, um eine Vermischung von der Offenbarung Allahs und dem, was vom Propheten selbst stammte, zu vermeiden.

Als nach dem Tode des Propheten unter der Leitung der ersten drei Kalifen (Abu Bakr, Umar und abschließend Usman) der Koran zu einem Buch zusammengestellt worden war, indem die in schriftlicher Form überlieferten Verse (Ayat) und Kapitel (Suren) sowie das, was die Gefährtinnen und Gefährten (Sahabis) auswendig gelernt und in ihrem Gedächtnis bewahrt hatten, sorgfältig entsprechend dem, was dem Heiligen Propheten durch den Erzengel Gabriel mitgeteilt worden war, überprüft wurden, bestand keine Gefahr mehr, dass Worte Allahs und Worte des Propheten miteinander vermischt werden könnten, gemäß den Koran-Versen:

»Wahrlich, Wir, Wir Selbst (Allah) haben diese Ermahnung hinabgesandt, und sicherlich werden Wir ihr Hüter sein.« (Sure 15:10)

Und: »Da ist keiner, der Seine Worte verändern könnte …« (Sure 18:28)

Wenn der Prophet wörtliche Offenbarungen Allahs erwähnt hatte, die nicht für den Koran bestimmt waren, wird dies als Hadith Qudsi bezeichnet.

Somit fand in weiten Teilen die Sunna durch die Hadith-Sammlungen eine gültige und vor Veränderungen ebenfalls geschützte schriftliche Fassung. Aber zahlreiche der rund 600 000 Überlieferungen sind von den Hadith-Gelehrten als nicht authentisch oder zweifelhaft erklärt worden. Als Faustregel kann angesehen werden, dass ein Hadith dann, wenn es mit der Lehre des Koran übereinstimmt, als wahr gelten darf.

Die Sichtung und Bewertung der Hadith ist somit eine eigene Wissenschaft, in der je nach Glaubwürdigkeit der einzelnen Überlieferer bzw. der Stärke der Überlieferungskette (Soundso hörte von Soundso, dass Soundso sagte, dass er von Soundso erfahren habe, dass der Prophet das und das gesagt hat) ein Hadith in eine der Kategorien eingeteilt wird, also stark, nicht so stark, schwach, unzuverlässig etc.

Genauso wie der Koran werden auch die Hadith bisweilen unterschiedlich interpretiert. Aber alles in allem gelten sie nach dem Koran als Leitlinie für die Islam-Gläubigen, denn für den Muslim, ob Frau oder Mann, ist der Heilige Prophet Mohammed das ideale Vorbild in allen Belangen des Lebens.

»Wahrlich, ihr habt an dem Propheten Allahs ein schönes Vorbild für jeden, der auf Allah und den Letzten Tag hofft und Allahs häufig gedenkt«, heißt es dazu im Koran in Sure 33 Vers 22.

Deswegen ist es im Zusammenhang mit der Frage nach dem muslimischen Witz unerlässlich, sich darüber zu informieren, wie sein Verhältnis zu Späßen und seine Einstellung zum Humor gewesen sind.

Antwort finden wir eben vor allem in den besagten Sammlungen seiner Äußerungen und Handlungsweisen, den Hadith-Bänden, die einige Jahrzehnte nach seinem Tod schriftlich zusammengestellt wurden.

Die Bewertung und Sichtung von Hadith ist eine eigene Wissenschaft, in der je nach Glaubwürdigkeit der Überlieferer seiner Worte unterschieden wird zwischen authentischen und weniger authentischen, starken und schwachen Überlieferungen. Die wichtigsten Hadith-Sammlungen sind die von Buchari, Muslim, Tirmidhi, Abu Daud, Nisai und Ibn Maja.

Zudem gibt es umfangreiche Bände, die aus all diesen und anderen Hadith-Sammlungen das, was der Prophet zu bestimmten Themen gesagt hat, Texte zusammenstellen, auch zu den Themen »Witz und Humor des Propheten« oder »Lachen des Propheten«, wie etwa Muhammad Yusuf al-Kandhilwi in seinem Buch »The Lives of the Sahabah« (»Das Leben der Gefährten«). Darin heißt es zum Beispiel, dass Abd Allah Ibn Harith sagte: »Ich sah niemals irgendjemanden häufiger lächeln als den Propheten.« (Tirmidhi)

Andere betonen, dass der Prophet selten lauthals zu lachen pflegte, sondern dass sein Lachen eben einem Lächeln glich. Seine Frau Aischa überliefert gar, dass sie ihn niemals so lachen gesehen hatte, sondern stets nur lächeln (Buchari und Muslim).

Die Anlässe für sein Lächeln waren verschiedenartig. In der Hadith-Sammlung Muslim wird berichtet, dass Sammak Ibn Harb den Sahabi (Gefährten) Jabir Ibn Samurah fragte, ob er Gelegenheit hatte, in der Gemeinschaft des Propheten zu sein, was jener bejahte, und hinzufügte, dass der Prophet in Medina nach dem Morgengebet (Fadschr genannt) in der Moschee auf seinem Gebetsteppich zu sitzen pflegte, bis die Sonne aufging, danach erst ging er in sein Haus. Während dieser Zeit pflegten die Anwesenden auch über Geschehnisse aus der Zeit des Heidentums zu berichten, während der Prophet zuhörte und ohne es zu kommentieren lächelte.

Nach einem anderen Hadith berichtete Jabir Ibn Samurah, dass der Prophet meist schwieg und nur ab und zu lachte, während die Muslime Gedichtverse rezitierten und über ihre Angelegenheiten sprachen, wobei sie auch lachten, während der Prophet dazu oftmals lächelte (Tiyalst, al-Bidayah und Ibn Sa‘d).

Andere Gefährten wie Jabir betonen, dass niemand solche Schönheit im Lächeln trug wie der Prophet (Khara‘iti, Hakim, Kanz und Isabah sowie Ibn Sa‘d).

In der Sammlung von Buchari findet sich die Schilderung eines Vorfalls, der den Propheten so herzlich zum Lachen brachte, dass seine Zähne sichtbar wurden.

Ihr zufolge berichtet Abu Hurairah, von dem sehr viele Hadith überliefert wurden, dass ein Mann zum Propheten kam und sagte: »Ich bin wie tot, denn ich hatte sexuellen Umgang mit meiner Frau während der Fastenzeit im Ramadan« (während der solch intimes Verhalten verboten ist).

Der Prophet sagte zu ihm: »Dann setze einen Sklaven frei.«

Der Mann antwortete: »Ich besitze keinen Sklaven, den ich freilassen könnte.«

Der Prophet sagte: »Dann faste 60 Tage lang.«

Der Mann entgegnete: »Ich habe nicht die Kraft, eine so lange Zeit zu fasten.«

Der Prophet sagte: »Dann speise 60 arme Menschen.«

Der Mann erwiderte: »Dazu bin ich nicht fähig.«

Währenddessen wurde dem Propheten ein Korb mit frischen Datteln gebracht. Der Prophet rief den Mann zu sich und gab ihm den Korb und forderte ihn auf, diese Datteln als Almosen unter die Armen zu verteilen.

Der Mann aber sagte: »Soll ich diese Datteln wirklich alle unter den Armen verteilen? Denn es ist wohl niemand in der ganzen Stadt Medina ärmer als ich selbst.«

Als der Prophet diese Antwort hörte, lachte er so herzlich, dass seine Zähne sichtbar wurden, und sagte zu dem Mann, dass er den Korb in sein eigenes Haus tragen und zusammen mit seinen Familienmitgliedern die Datteln verzehren möge.

Ein anderer Vorfall, der den Propheten gleichfalls zu so herzlichem Lachen brachte, wird von Abu Dharr Ghifari überliefert. Ihm zufolge erzählte der Prophet: »Ich kenne auch den Menschen, der als erster von allen das Paradies betreten wird, und zudem jenen, der als letzter aus der Hölle befreit werden wird. Am Tag der Wiederauferstehung wird ein Mann in die Gegenwart Allahs gebracht werden, und es wird angeordnet, dass ihm seine geringfügigeren Sünden bewusst und seine größeren Sünden vor ihm verborgen gehalten werden sollten. Danach würde er gefragt werden, ob er diese und jene Sünde an diesem und jenem Tag begangen habe.

Der Mann wird das zugeben und es nicht wagen, ein Eingeständnis zu verweigern. Aber er wird dastehen in großer Furcht ob der großen Sünden, die er begangen hatte. Dann wird zu ihm (von Allah) gesagt werden, dass anstelle der Sünden Tugenden eingesetzt werden sollen. Der Mann aber wird sagen: ›Ich sehe jene Sünden nicht, die ich begangen hatte.‹«

Als der Prophet diese Worte äußerte, lachte er ebenfalls so herzlich, dass seine Zähen sichtbar wurden (Kitab al Shaama‘il von Tirmidhi).

Über witzige und humorvolle Bemerkungen des Propheten ist ebenfalls einiges überliefert worden, zudem über seine Philosophie des Humors.