Der Patient mit den zwei Gesichtern - Patricia Vandenberg - E-Book

Der Patient mit den zwei Gesichtern E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Das Ehepaar Dr. Daniel Norden und Fee sehen den Beruf nicht als Job, sondern als wirkliche Berufung an. Aber ihr wahres Glück finden sie in der Familie. Fünf Kinder erblicken das Licht der Welt. Die Familie bleibt für Daniel Norden der wichtige Hintergrund, aus dem er Kraft schöpft für seinen verantwortungsvollen Beruf und der ihm immer Halt gibt. So ist es ihm möglich, Nöte, Sorgen und Ängste der Patienten zu erkennen und darauf einfühlsam einzugehen. Familie Dr. Norden ist der Schlüssel dieser erfolgreichsten Arztserie Deutschlands und Europas. Dr. Daniel Norden war so in den Krankenbericht von Esther Tomaso vertieft, daß er überhörte, als Wendy ihm einen Patienten ankündigte. Die Vormittagsstunde war fast beendet. Er erwartete nur noch die Patientin, mit deren Laborbefunden er sich gerade beschäftigte und die ihm mehrfaches Kopfschütteln abnötigten. Er hörte auch nicht, daß die Tür geöffnet wurde und blickte erst leicht erschrocken auf, als eine dunkle Männerstimme sagte: »Pardon, wenn ich störe, aber Ihre Assistentin sagte mir, daß Sie mich jetzt erwarten.« Dr. Norden sah den hochgewachsenen, dunkelhaarigen Mann irritiert an, denn erwartet hatte er eine junge Dame. »Mein Name ist Lennart van Eicken. Ich komme auf Empfehlung von Professor Röttgen.« Dieser Name war allerdings Empfehlung genug. Dr. Norden war jetzt ganz bei der Sache. »Direkt aus Kapstadt?« fragte er. »Sie entschuldigen bitte meine Unaufmerksamkeit, ich hatte mit einer Patientin gerechnet, mit deren Befund ich mich gerade befaßt hatte.« »Wenn Sie mir einen anderen Termin geben wollen, ich bleibe einige Zeit in München.« Es klopfte, und Wendy schaute herein. »Bitte um Entschuldigung, aber ich wollte nur Bescheid sagen, daß Frau Tomaso erst morgen kommen kann, und da Herr von Eicken auf Empfehlung von Professor Röttgen kommt, dachte…« »Ist schon in Ordnung, Wendy«, wurde sie unterbrochen.

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Seitenzahl: 114

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Familie Dr. Norden – 791 –Der Patient mit den zwei Gesichtern

Patricia Vandenberg

Dr. Daniel Norden war so in den Krankenbericht von Esther Tomaso vertieft, daß er überhörte, als Wendy ihm einen Patienten ankündigte. Die Vormittagsstunde war fast beendet. Er erwartete nur noch die Patientin, mit deren Laborbefunden er sich gerade beschäftigte und die ihm mehrfaches Kopfschütteln abnötigten.

Er hörte auch nicht, daß die Tür geöffnet wurde und blickte erst leicht erschrocken auf, als eine dunkle Männerstimme sagte: »Pardon, wenn ich störe, aber Ihre Assistentin sagte mir, daß Sie mich jetzt erwarten.«

Dr. Norden sah den hochgewachsenen, dunkelhaarigen Mann irritiert an, denn erwartet hatte er eine junge Dame.

»Mein Name ist Lennart van Eicken. Ich komme auf Empfehlung von Professor Röttgen.«

Dieser Name war allerdings Empfehlung genug. Dr. Norden war jetzt ganz bei der Sache.

»Direkt aus Kapstadt?« fragte er. »Sie entschuldigen bitte meine Unaufmerksamkeit, ich hatte mit einer Patientin gerechnet, mit deren Befund ich mich gerade befaßt hatte.«

»Wenn Sie mir einen anderen Termin geben wollen, ich bleibe einige Zeit in München.«

Es klopfte, und Wendy schaute herein. »Bitte um Entschuldigung, aber ich wollte nur Bescheid sagen, daß Frau Tomaso erst morgen kommen kann, und da Herr von Eicken auf Empfehlung von Professor Röttgen kommt, dachte…«

»Ist schon in Ordnung, Wendy«, wurde sie unterbrochen. »Sie können jetzt Mittagspause machen.«

Er hatte eine halbe Stunde für Esther Tomaso eingeplant, und die konnte van Eicken zugutekommen, der auf ihn einen sehr sympathischen Eindruck machte. Seltsamerweise hatte er das Gefühl, diesen Mann zu kennen, aber das mußte wohl Einbildung sein und an diesen Augen liegen, die ihn so intensiv und forschend ansahen.

»Sie haben mit Professor Röttgen zusammengearbeitet?« fragte Daniel.

»Nein, das nicht, ich war ziemlich lange sein Patient und darf mich glücklich schätzen, sein Freund geworden zu sein. Er hat so voller Wärme von Ihnen gesprochen, von Ihrer Frau und Ihrer Familie, daß ich mit der Hoffnung komme…«, unterbrach sich und fuhr sich mit dem Taschentuch über die Stirn.

Daniel sah, daß seine Hand zitterte.

»Nehmen Sie doch erst mal Platz«, sagte er und schenkte ihm ein Glas Wasser ein. Van Eicken nahm ein Döschen aus seiner Jackentasche und schluckte dann schnell zwei kleine Tabletten.

»Ich hatte einen schweren Unfall, der mir immer noch zu schaffen macht. Ein Schreiben von Thilo Röttgen wird Ihnen das Wichtigste erklären, sofern Sie dazu bereit sind, sich mit meinem Fall zu befassen.«

»Eine Diagnose von diesem hochgeschätzten Kollegen wird kaum irgendwie zu widerlegen sein«, sagte Daniel nachdenklich.

»Das nicht, aber Thilo meint, daß Sie völlig objektiv noch zu anderen Ergebnissen kommen könnten. Er ist Chirurg und Neurologe. Sie sind seiner Meinung nach der beste Allgemeinarzt, den er kennt. Er hat mir auch von der Insel der Hoffnung erzählt. Ich kann Ihnen nur den Hinweis geben, daß ich meine Identität suche.«

Daniel hielt den Atem an. »Wollen Sie damit sagen, daß Sie nicht genau wissen, wer Sie sind?« fragte er stockend.

»Ich weiß überhaupt nichts, auch nicht, wie ich einmal hieß. Eigentlich war ich tot, als ich am Strand gefunden wurde, nur mein Herz hörte nicht auf zu schlagen, wie Thilo mir später erzählte. Da er nichts von mir wußte, betrachtete er mich als Versuchsobjekt für seine Forschungen. Ich hätte ja die Behandlung und den Klinikaufenthalt nicht bezahlen können. Werden Sie sich mit mir befassen? Ihr Honorar wäre gesichert.«

Daniel lächelte flüchtig. »Ich bin Thilo Röttgen einiges schuldig, aber abgesehen davon interessiert mich Ihr Fall sehr, Herr van Eicken.«

»Sagen Sie einfach Lennart, Dr. Norden, das ist zwar auch ein geschenkter Name, aber mir doch schon irgendwie vertrauter. Bei mir sitzt die Angst tief, daß es wirklich einen Lennart van Eicken gibt, der mich als Betrüger bezeichnen könnte.«

»Das sollte Ihre geringste Sorge sein. Es gibt oft Namensgleichheiten. Aber ich werde Zeit brauchen, um mich mit einer Persönlichkeit vertraut zu machen, von der ich auch nichts weiß. Könnten Sie morgen nachmittag kommen, da hätte ich diese Zeit, weil keine Sprechstunde ist.«

»Ich kann mich ganz nach Ihnen richten, wann wäre es Ihnen recht?«

»Fünfzehn Uhr?«

Der andere nickte zustimmend. »Ich danke Ihnen, Dr. Norden.«

»Wo wohnen Sie in München, wenn ich fragen darf?«

»Bei Thilos Schwester, Frau Horten, aber sie weiß nichts von meinem Vorleben. Allerdings weiß ich ja davon auch nichts. Können Sie sich vorstellen, was das für ein Gefühl ist? Es verursacht Angstträume.«

»Wir werden in aller Ruhe darüber sprechen.«

»Die Laborbefunde habe ich dabei. Soll ich sie gleich hierlassen?«

»Das wäre mir recht. Dann kann ich mich schon damit befassen.«

»Manchmal denke ich, daß es vielleicht besser wäre, Thilo hätte mich nicht ins Leben zurückgebracht«, sagte Lennart leise.

»Wie ich ihn kenne, wird er überzeugt sein, daß es sich gelohnt hat. Sie können sprechen, Sie können denken und fühlen, Sie haben ein Gesicht.«

»Mein zweites Gesicht, wie könnte mein erstes ausgesehen haben? Auch diese Frage beschäftigt mich.«

Daniel Norden blickte in ein Gesicht, das fast vollkommen schien, aber er konnte nicht verhindern, daß ein Frösteln durch seinen Körper kroch. Was mochte diesem Mann widerfahren sein, als er gefunden wurde an einem Strand in Südafrika. Wie war er dorthin gekommen?

Er reichte ihm die Hand, Lennarts Hand war warm und kräftig. Daniel fühlte sich versucht, sie genau zu betrachten, aber das wollte er lieber morgen tun, sonst kam er nie nach Hause und er hatte vormittags wieder Sprechstunde.

*

»Hallo, mein Schatz, wo bist du mit deinen Gedanken?« fragte Fee Norden, als sich ihr Mann abends so schweigsam zeigte wie selten.

»Du wirst staunen, was ich erzählen kann. Da wirst du wieder deine Phantasie walten lassen, aber es wird auch dir schwerfallen, eine Erklärung für dieses Schicksal zu finden. Es ist überhaupt eigenartig, daß ich fast gleichzeitig mit zwei mysteriösen Fällen zu tun habe.«

»Da scheinst du mir ja allerhand verschwiegen zu haben«, meinte Fee hintergründig.

»Esther Tomaso war noch nicht spruchreif, und dieser Lennart van Eicken erschien erst heute bei mir. Professor Röttgen hat ihn geschickt.«

»Wie nett, daß man von ihm auch mal wieder etwas hört. Ist er immer noch in Kapstadt?«

»Ja, und dort wird er wohl auch bleiben.«

»Und warum bleibt der Patient nicht bei ihm?«

»Das ist eine komplizierte Geschichte. Eicken muß einen ungeheuer schweren Unfall gehabt haben. Er wurde, wie er mir erzählte, fast tot an einem Strand in der Nähe von Kapstadt gefunden und lag lange im Koma. Er hat überhaupt keine Erinnerung mehr, auch nicht an seinen Namen und sein früheres Gesicht, denn Röttgen und ein paar andere Ärzte scheinen ihm ein neues gegeben zu haben.«

Fee sah ihn skeptisch an. »Ist er glaubwürdig?«

»Durchaus, aber ich kann ja Röttgen jederzeit anrufen und mich mit ihm absprechen. Es muß eine sehr dramatische Geschichte sein, und Röttgen scheint zu denken, daß ich dem Mann helfen kann, mehr über sich in Erfahrung zu bringen.«

»Er hat immer schon große Stücke auf dich gehalten und das mit Recht, mein Schatz. Schließlich haben wir auch schon mit einigen sehr schwierigen Fällen zu tun gehabt, wo wir auch helfen konnten. Was hast du also mit ihm vor?«

Das war typisch Fee, die sich nicht lange mit Vermutungen aufhielt, sondern den Dingen gleich auf den Grund ging.

»Er kommt morgen nachmittag zu mir, da nehme ich mir Zeit. Vorerst befasse ich mich mit seinen Laborbefunden.«

»Kann ich da auch hineinschauen?«

»Ich habe mir schon gedacht, daß du neugierig sein wirst, aber viel kann ich dir noch nicht sagen, Feelein. Du mußt ihn dir als einen Mann ohne Vergangenheit vorstellen mit einem Gesicht, das ihm fremd ist, auf der Suche nach seinem früheren Leben. Dabei ist er voller Zweifel, vielleicht auch Angst, wie er in diesem früheren Leben gewesen sein könnte.«

»Von wem wurde er so zugerichtet?« überlegte Fee.

»Wenn er das wüßte, wäre er schon einen großen Schritt weiter.«

»Also eine ganz geheimnisvolle Geschichte.«

»Das kann man sagen, und ich fürchte, daß ich auch nicht viel helfen kann. Wo soll man überhaupt ansetzen?«

»Wie gut spricht er deutsch?«

»Sehr gut, ich nehme an, daß er Deutscher ist.«

»Einen Dialekt? Spricht er bayerisch?«

»Nein, hochdeutsch.«

»Wie gut kennt er München oder andere deutsche Städte. Da mußt du ansetzen.«

»Ich glaube, du könntest das besser machen als ich.«

»Nein, das geht nicht, vielleicht ist eine Frau an seinem Unglück schuld, dann würde er sofort auf Abwehr schalten.«

»An was du schon alles denkst. Du kannst mir sehr helfen.«

»Du machst das schon. Betrachte es als Frage- und Antwortspiel. Du siehst dann, wie er reagiert, ob er die Antwort sucht, oder ob er solche Fragen vermeiden will. Röttgen wird schon gewußt haben, warum er ihn zu dir schickte. Er ist doch mehr ein Pragmatiker. Ihm fehlt sicher die Intuition.«

»Er ist Chirurg und Neurologe und sieht doch einen Fall rein wissenschaftlich, aber er scheint ein Meisterstück vollbracht zu haben mit der Wiederherstellung dieses Mannes.«

»Du mußt unbedingt mit Röttgen sprechen und ihn auch fragen, in welchem Zustand der Patient war, als man ihn fand.«

»Eicken hat einen ausführlichen Bericht mitgebracht, aber Röttgen möchte, daß ich mir selbst ein Bild mache, ohne durch seine Diagnose beeinflußt zu werden. Er hat recht. Man neigt dazu, manches zu übersehen und zu überhören, wenn man sich aus einem Bericht von einem kompetenten Arzt eine Vorstellung gemacht hat. So erging es mir jedenfalls bei Esther Tomaso. In ihrem Fall komme ich zu ganz neuen Erkenntnissen.«

»Wieso, worum geht es da?« fragte Fee interessiert.

»Sie ist siebenundzwanzig Jahre, körperlich fit und organisch gesund, aber der Labortest sagt aus, daß eine Arthritis urica vorliegt. Äußerlich hat sie nicht die geringsten Anzeichen von Gicht, aber die nächtlichen, oft unerträglichen Schmerzen könnten dafür sprechen, weil sie in Schüben auftreten.«

»Rheumaanfälle? Sie ist doch Profi-Tennisspielerin, wie kommt sie mit solchen Schmerzen zurecht?«

»Tagsüber spürt sie angeblich nichts, aber da ist sie auch ständig beschäftigt. Nachts mag sie von Ängsten geplagt werden, daß ihre Karriere frühzeitig zu Ende ist. Wir wissen, welche Rolle die Psyche bei Gelenkerkrankungen spielt. Sie ist ein Energiebündel, hatte viele Verletzungen, besonders im rechten Arm. Sie braucht einen guten Orthopäden.«

Wenn du die richtige Diagnose stellst, kann ein Physiotherapeut und eine fachmännische Massage mehr ausrichten.«

Daniel schwieg nachdenklich. »Sie hat zuletzt in Kapstadt gespielt«, sagte er nachdenklich. »Das ist eigenartig.«

»Du meinst, daß es eine Beziehung zu Eicken geben könnte?«

»Es gibt schon seltsame Zufälle, aber Eickens Schicksal spukt mir im Kopf herum. Esther Tomaso ist viel in der Welt herumgekommen, vielleicht gibt es da eine Verbindung zu Eicken.«

»Du sagst doch, daß er ein neues Gesicht bekommen hat.«

»Aber wenn man einen Menschen sehr gut kannte, spielt oft das Gefühl eine Rolle. Was kann man an einem Menschen nicht verändern, Fee?«

Sie dachte angestrengt nach. »Die Augen«, erwiderte sie, »sonst kann man wohl alles verändern, aber die Augenfarbe bleibt.«

»Sofern nicht andersfarbene Linsen verwendet werden. Wie ist es mit dem Mund?«

»Da käme es darauf an, wie sich die Gesichtsverletzungen ausgewirkt haben.«

»Nach meinem ersten Eindruck ist die Mundpartie natürlich, das Gesicht selbst ist streng, wirkt aber nicht kalt. Es ist Röttgen gelungen, ihm ein sehr sympathisches Gesicht zu geben, aber ob er das früher auch schon war, steht in den Sternen.«

Es herrschte Schweigen zwischen ihnen, dann sagte Fee plötzlich: »Die Zähne, was weißt du über die Zähne?«

»Bisher nur, daß sie mir einwandfrei erschienen, aber Zähne lassen sich ja sehr gut korrigieren.«

»Der Kiefer in dem Alter aber nicht mehr. Wie alt ist er denn?«

»Ich würde ihn auf Mitte Dreißig schätzen, sein richtiges Alter weiß er auch nicht.«

»Und du meinst nicht, daß es ein Täuschungsmanöver sein könnte?«

»Dann wäre er der perfekteste Schauspieler, den man sich vorstellen kann, aber der Mensch, der Röttgen täuschen kann, muß erst geboren werden, und er hat ihn ja als todkrankes Bündel unter die Finger bekommen. Wenn ich ihn heute sehe, muß ich sagen, daß er eine Konstitution gehabt haben muß, die einmalig ist, bevor der Unfall geschah. Ich werde ihn mir morgen ganz genau anschauen.«

»Jetzt gib mir mal den Laborbericht.«

»Den kannst du dir doch morgen vormittag anschauen. Ich möchte es jetzt noch ein bißchen gemütlich haben und nicht über unlösbar scheinende Rätsel reden.«

Sie tranken einen guten Punsch, aber so ganz konnten sie sich nicht von den Gedanken an Lennert van Eicken befreien.

Fee fragte dann auch ganz plötzlich, wie sie denn ausgerechnet auf diesen Namen gekommen wären.

»Darüber werden wir auch noch reden«, erklärte Daniel. »Morgen vormittag kommt Esther Tomaso, nachmittags dann Eicken, das wird ein interessanter Tag.«

»Vergiß die Mahlzeiten nicht, mein Schatz, ich möchte einen gesunden Mann haben.«

»Ich bin gesund, aber diesen beiden muß dringend geholfen werden.«

Daniel nahm jeden Patienten ernst, aber problematische Fälle reizten den Mediziner schon deshalb besonders, weil er dadurch wieder dazulernen konnte. Er gehörte nicht zu denen, die sich für allwissend hielten.

Hoffentlich wird er Erfolg haben, dachte Fee, denn sie wußte, daß es ihm keine Ruhe ließ, wenn er einem Patienten nicht helfen konnte.

Sie beschäftigte sich am nächsten Tag mit den Laborberichten. Einer war gemacht worden, als sein Zustand sich stabilisierte. Da schlug es sich in den Werten nieder, wie geschwächt er war.

Was ein Mensch doch alles ertragen kann, dachte Fee, und mit welcher Akribie mußte Röttgen ihn zusammengeflickt haben, daß seine Werte sich dann so bessern konnten. Dem letzten Befund zufolge war Eicken völlig gesund, bis auf Vernarbungen, die ihm wohl zu schaffen machen konnten. Das Erstaunlichste für Fee war aber, daß er geistig völlig genesen sein sollte und so ein völlig neuer Mensch entstehen konnte.

Sie wollte ihn unbedingt kennenlernen, mit ihm sprechen, ihn beobachten, denn ein solcher Fall war auch ihr noch nicht begegnet.

Esther Tomaso interessierte sie nur insoweit, als Tennis ihr Lieblingssport war und sie gerade Esther als perfekte Spielerin bewunderte.