Der Ring des Nibelungen. In klarer, moderner Sprache. - Richard Wagner - E-Book

Der Ring des Nibelungen. In klarer, moderner Sprache. E-Book

Richard Wagner

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Beschreibung

Der Ring des Nibelungen ist Richard Wagners vierteiliger Opernzyklus aus Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried und Götterdämmerung. Die Handlung reicht vom Raub des Rheingolds bis zum Untergang der Götterwelt. Verträge, Schuld, Macht und Opfer bestimmen den Verlauf der Geschichte und treiben sie unausweichlich voran. Der Text des Originals ist sprachlich anspruchsvoll. Wagner verwendet eine bewusst künstliche, archaisch geprägte Sprache mit dichter Bildlichkeit, komplexen Satzstrukturen und vielfachen Vorausdeutungen. Diese sprachliche Gestaltung ist eng mit der Dramaturgie verbunden, erschwert jedoch die eigenständige Lektüre erheblich. Diese Duale Ausgabe bietet einen klaren Zugang zum Text. Der vollständige Originalwortlaut steht Abschnitt für Abschnitt neben einer modernen deutschen Fassung, die sich eng am Original orientiert. Inhalt, Struktur und Spannungsverlauf bleiben vollständig erhalten, werden jedoch sprachlich deutlich leichter nachvollziehbar. Der parallele Aufbau ermöglicht konzentriertes Lesen, gezielten Vergleich und präzise Textarbeit. Die Ausgabe eignet sich für Studium und Unterricht ebenso wie für Leserinnen und Leser, die Wagners Text unabhängig von der Aufführung lesen und verstehen möchten. Duale Ausgaben machen komplexe Texte nicht kürzer oder einfacher, sondern lesbar. Klare Sprache. Leichter lesen. Mehr verstehen. – Ab Sprach- und Leseniveau B1.

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Richard Wagner

Der Ring des Nibelungen

In klarer, leicht verständlicher Sprache

Richard Wagner - Der Ring des Nibelungen In klarer, leicht verständlicher Sprache ©2025 Edition Leichter Lesen by LS-Media ISBN [eBook]: 978-3-69055-108-3

Impressum

LS-Media | hypertexxt Inhaber/Geschäftsführer: Dr. Thomas Ringmayr, PhD Am Kienwerder 51a 14532 Stahnsdorf, Deutschland

Verantwortlich i. S. d. Presserechts: T. Ringmayr

Dieses Werk wurde redaktionell erarbeitet und verantwortet durch den Herausgeber. Im Herstellungsprozess wurde unterstützend das KI-basierte System Claude Code eingesetzt. Die inhaltliche Ausarbeitung und Endfassung erfolgten jedoch vollständig durch den Herausgeber; sämtliche Texte wurden menschlich geprüft und bearbeitet. Für dieses Werk wurden keine KI-generierten Abbildungen verwendet. Es werden keine Urheber- oder Nutzungsrechte Dritter verletzt.

Copyright

Die in diesem Werk enthaltenen Originaltexte beruhen auf gemeinfreien Quellen oder auf Texten, deren Nutzung rechtlich zulässig ist.

Die Klarfassungen, redaktionellen Bearbeitungen sowie die Auswahl und Zusammenstellung der Texte sind urheberrechtlich geschützt.

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Richard WagnerDer Ring des NibelungenIn klarer, leicht verständlicher Sprache

Dieses Buch zeigt den Originaltext parallel zu einer klar formulierten Fassung in kontrolliertem Deutsch auf B1-Niveau. Die Klarfassung folgt dem Original Satz für Satz und bewahrt Struktur, Inhalt und gedanklichen Gehalt vollständig. Angepasst wurde ausschließlich das sprachliche Niveau; es gibt keine Kürzungen, keine Auslassungen und keine inhaltlichen Vereinfachungen. Der Originaltext bleibt jederzeit sichtbar, sodass Wortlaut und Argumentation direkt überprüft werden können.

In der Klarfassung sind die Sätze zeilenweise gesetzt. Diese Gestaltung erleichtert die Orientierung und unterstützt den Lesefluss, insbesondere bei längeren oder dichter formulierten Textpassagen. Sie ist bewusst gewählt und dient dem konzentrierten, flüssigen Lesen.

Komplexe Texte klar und sicher erschließen

Diese Duale Ausgabe verbindet den vollständigen Originaltext mit einer klar formulierten Fassung in paralleler Darstellung. Das Format richtet sich an Leserinnen und Leser, die anspruchsvolle Texte sorgfältig durcharbeiten müssen – aus persönlichem Interesse oder im Rahmen schulischer, akademischer oder beruflicher Anforderungen.

Besonders geeignet ist diese Form für Schule, Studium und Weiterbildung sowie für das eigenständige Arbeiten mit fachlich oder sprachlich anspruchsvollen Texten. Überall dort, wo Zeit, Leseerfahrung oder Routine im Umgang mit komplexem Material begrenzt sind, unterstützt die Klarfassung einen kontinuierlichen und sicheren Leseprozess, ohne den Bezug zum Original zu verlieren.

Ergänzend erläutern Glossare schwierige Begriffe, kurze Zusammenfassungen sichern das Gesamtverständnis. So lassen sich fachliche oder curriculare Anforderungen mit mehr Sicherheit, weniger Frustration und mit klarem Blick auf Aufbau und Argumentation des Textes bewältigen.

Inhalt

Duale Ausgabe: Original und klare, verständliche SpracheWas Sie von dieser Dualen Ausgabe erwarten könnenInfo & HintergrundGlossarCopyrightMehr von EDITION LEICHTER LESEN

Der Ring des Nibelungen

Das Rheingold

Erste SzeneZweite SzeneDritte SzeneVierte Szene

Die Walküre

Erster AktZweiter AktDritter Akt

Siegfried

Erster AktDritte SzeneZweiter AktDritter Akt

Götterdämmerung

VorspielErster AktZweiter AktZweite SzeneDritter Akt

Das Rheingold

Vorabend des Bühnenfestspiels ›Der Ring des Nibelungen‹

Woglinde – Rheintochter (Rheintöchter sind Wasserwesen des Rheins und Hüterinnen des Rheingolds).Wellgunde – Rheintochter.Floßhilde – Rheintochter.Alberich – Nibelung (Nibelungen sind ein unterirdisch lebendes Volk, bekannt für seinen Reichtum und seine Schmiedekunst).Wotan – oberster Gott.Fricka – Wotans Frau, Göttin der Ehe.Freia – Göttin, Schwester Frickas.Froh – Gott, Bruder Freias.Donner – Gott, Bruder Freias.Loge – Wotans Berater.Mime – Nibelung, Bruder Alberichs.Fasolt – Riese, Bruder Fafners.Fafner – Riese, Bruder Fasolts.Erda – Urwesen der Weisheit.

Erste Szene

Auf dem Grund des Rheines

Auf dem Grund des Rheins

Woglinde, Wellgunde, Flosshilde, Alberich

Woglinde, Wellgunde, Flosshilde, Alberich

Woglinde.Weia! Waga! Woge, du Welle!walle zur Wiege! Wagalaweia!Wallala weiala weia!

Woglinde.Die Wellen spielen ruhig und tragen mich sanft.

Wellgunde.Woglinde, wachst du allein?

Wellgunde.Woglinde, bist du allein wach?

Woglinde.Mit Wellgunde wär' ich zu zwei.

Woglinde.Mit dir zusammen bin ich nicht allein.

Wellgunde.Lass sehn, wie du wachst.

Wellgunde.Dann zeig mir, wie aufmerksam du bist.

Woglinde.Sicher vor dir.

Woglinde.Bei dir fühle ich mich sicher.

Flosshilde.Heiaha weia! Wildes Geschwister!

Flosshilde.Wilde Schwestern!

Wellgunde.Flosshilde, schwimm! Woglinde flieht:hilf mir die Fliessende fangen!

Wellgunde.Flosshilde, schwimm her und hilf mir, Woglinde einzuholen.

Flosshilde.Des Goldes Schlaf hütet ihr schlecht;besser bewacht des Schlummernden Bett,sonst büsst ihr beide das Spiel!

Flosshilde.Ihr bewacht den Schlaf des Goldes nicht gut und nehmt das Spiel zu leicht.Passt besser auf den Schlafenden auf, sonst müsst ihr beide dafür bezahlen!

Alberich.He he! Ihr Nicker!Wie seid ihr niedlich, neidliches Volk!Aus Nibelheims Nacht naht' ich mich gern,neigtet ihr euch zu mir.

Alberich.He, ihr dort oben, wie anmutig und schön ihr seid!Aus der dunklen Tiefe von Nibelheim bin ich heraufgekommen, weil ich euch so anziehend finde.

Woglinde.Hei! wer ist dort?

Woglinde.Wer ist dort unten?

Flosshilde.Es dämmert und ruft.

Flosshilde.Es dämmert, und jemand ruft uns.

Wellgunde.Lugt, wer uns belauscht!

Wellgunde.Seht nach, wer uns da belauscht!

Woglinde, Wellgunde.Pfui! der Garstige!

Woglinde, Wellgunde.Pfui, wie widerlich er aussieht!

Flosshilde.Hütet das Gold!Vater warnte vor solchem Feind.

Flosshilde.Passt auf das Gold auf!Denn Vater hat uns vor so einem Feind gewarnt.

Alberich.Ihr, da oben!

Alberich.Ihr dort oben, hört mich an!

Die drei Rheintöchter.Was willst du dort unten?

Die drei Rheintöchter.Was willst du hier unten bei uns?

Alberich.Stör' ich eu'r Spiel,wenn staunend ich still hier steh'?Tauchtet ihr nieder, mit euch tollteund neckte der Niblung sich gern!

Alberich.Störe ich euer Spiel, wenn ich nur staunend hier stehe?Wenn ihr zu mir herabkämt, würde ich gern mit euch spielen und scherzen.

Woglinde.Mit uns will er spielen?

Woglinde.Er will wirklich mit uns spielen?

Wellgunde.Ist ihm das Spott?

Wellgunde.Meint er das ernst, oder verspottet er uns?

Alberich.Wie scheint im Schimmer ihr hell und schön!Wie gern umschlänge der Schlanken eine mein Arm,schlüpfte hold sie herab!

Alberich.Bei Licht wirkt ihr hell und schön, und ich würde gern eine von euch Hübschen umarmen.Sie müsste nur zu mir herabkommen.

Flosshilde.Nun lach' ich der Furcht: der Feind ist verliebt.

Flosshilde.Jetzt habe ich keine Angst mehr, denn der Feind ist ja verliebt.

Wellgunde.Der lüsterne Kauz!

Wellgunde.Dieser lüsterne Kerl!

Woglinde.Lasst ihn uns kennen!

Woglinde.Lass uns ihn näher kennenlernen!

Alberich.Die neigt sich herab.

Alberich.Die eine kommt mir näher.

Woglinde.Nun nahe dich mir!

Woglinde.Jetzt komm zu mir!

Alberich.Garstig glatter glitschriger Glimmer!Wie gleit' ich aus! Mit Händen und Füssennicht fasse noch halt' ich das schlecke Geschlüpfer!Feuchtes Nass füllt mir die Nase:verfluchtes Niesen!

Alberich.Alles ist glatt und rutschig hier, und ich verliere ständig den Halt.Mit Händen und Füßen kann ich sie nicht festhalten, weil sie mir immer wieder entgleitet.Das Wasser läuft mir in die Nase, und ich muss niesen.

Woglinde.Prustend naht meines Freiers Pracht!

Woglinde.Mein Verehrer kommt prustend daher.

Alberich.Mein Friedel sei, du fräuliches Kind!

Alberich.Sei bei mir, schönes Mädchen!

Woglinde.Willst du mich frein, so freie mich hier!

Woglinde.Wenn du mich haben willst, dann versuch es hier.

Alberich.O weh; du entweichst? Komm doch wieder!Schwer ward mir, was so leicht du erschwingst.

Alberich.Ach weh, du entkommst mir schon wieder.Was dir so leicht fällt, ist für mich sehr schwer.

Woglinde.Steig nur zu Grund: da greifst du mich sicher!

Woglinde.Tauche nur tiefer hinab; dort kannst du mich besser fassen.

Alberich.Wohl besser da unten!

Alberich.Unten ist es wohl besser.

Woglinde.Nun aber nach oben!

Woglinde.Jetzt aber wieder nach oben!

Wellgunde, Flosshilde.Hahahahaha!

Wellgunde, Flosshilde.Hahahahaha!

Alberich.Wie fang' ich im Sprung den spröden Fisch?Warte, du Falsche!

Alberich.Wie soll ich sie fassen, wenn sie mir immer davonspringt?Warte nur, du Betrügerin!

Wellgunde.Heia! Du Holder! Hörst du mich nicht?

Wellgunde.Hörst du mich nicht, mein Hübscher?

Alberich.Rufst du nach mir?

Alberich.Rufst du mir?

Wellgunde.Ich rate dir wohl: zu mir wende dich,Woglinde meide!

Wellgunde.Ich gebe dir einen guten Rat:Wende dich lieber mir zu, und lass Woglinde in Ruhe!

Alberich.Viel schöner bis du als jene Scheue,die minder gleissend und gar zu glatt.Nur tiefer tauche, willst du mir taugen!

Alberich.Du bist wirklich viel schöner als die andere, die so scheu ist und mir ständig entgleitet.Tauche nur tiefer, wenn du mir gefallen willst!

Wellgunde.Bin nun ich dir nah'?

Wellgunde.Bin ich dir jetzt nah genug?

Alberich.Noch nicht genug!Die schlanken Arme schlinge um mich,dass ich den Nacken dir neckend betaste,mit schmeichelnder Brunstan die schwellende Brust mich dir schmiege.

Alberich.Noch nicht -Leg deine schlanken Arme um mich, damit ich dir näher kommen kann.Lass mich deinen Nacken berühren und mich an deine Brust lehnen.

Wellgunde.Bist du verliebt und lüstern nach Minne,lass sehn, du Schöner, wie bist du zu schaun?Pfui, du haariger, höckriger Geck!Schwarzes, schwieriges Schwefelgezwerg!Such' dir ein Friedel, dem du gefällst!

Wellgunde.Wenn du schon so verliebt bist, dann zeig dich erst einmal!Pfui, wie du aussiehst - ganz haarig und mit deinem krummen Rücken!Such dir lieber jemanden, dem du gefällst!

Alberich.Gefall' ich dir nicht, dich fass' ich doch fest!

Alberich.Auch wenn ich dir nicht gefalle, halte ich dich trotzdem fest.

Wellgunde.Nur fest, sonst fliess' ich dir fort!

Wellgunde.Dann halt mich gut fest, sonst gleite ich dir davon.

Woglinde, Flosshilde.Hahahahaha!

Woglinde, Flosshilde.Hahahahaha!

Alberich.Falsches Kind! Kalter, grätiger Fisch!Schein' ich nicht schön dir,niedlich und neckisch, glatt und glau –hei! so buhle mit Aalen, ist dir eklig mein Balg!

Alberich.Falsches Kind, du kalter Fisch!Bin ich dir nicht schön, niedlich und glatt genug?Dann spiel mit Aalen, wenn dich mein Anblick ekelt!

Flosshilde.Was zankst du, Alp? Schon so verzagt?Du freitest um zwei! Frügst du die dritte,süssen Trost schüfe die Traute dir!

Flosshilde.Warum regst du dich so auf?Geht dir schon der Mut aus?Du wirbst gleich um zwei; warum versuchst du es nicht mit mir?

Alberich.Holder Sang singt zu mir her.Wie gut, dass ihr eine nicht seid!Von vielen gefall' ich wohl einer:bei einer kieste mich keine!Soll ich dir glauben, so gleite herab!

Alberich.Euer Gesang klingt zu mir her, und es ist gut, dass ihr nicht nur eine seid.Denn unter vielen gefällt man vielleicht wenigstens einer; eine Einzelne allein wählt mich sicher nicht.Wenn ich dir glauben soll, dann komm herunter!

Flosshilde.Wie törig seid ihr, dumme Schwestern,dünkt euch dieser nicht schön?

Flosshilde.Wie töricht ihr seid, meine Schwestern!Gefällt er euch denn wirlich nicht?

Alberich.Für dumm und hässlich darf ich sie halten,seit ich dich Holdeste seh'.

Alberich.Jetzt, wo ich dich sehe, erscheinen mir die anderen beiden dumm und hässlich.

Flosshilde.O singe fort so süss und fein:wie hehr verführt es mein Ohr!

Flosshilde.Sprich weiter so freundlich; deine Loblieder gefallen mir sehr!

Alberich.Mir zagt, zuckt und zehrt sich das Herz,ladet mit so zierliches Lob.

Alberich.Mein Herz schlägt schneller, wenn ich so gelobt werde.

Flosshilde.Wie deine Anmut mein Aug' erfreut,deines Lächelns Milde den Mut mir labt!Seligster Mann!

Flosshilde.Dein Aussehen freut mein Auge, und dein Lächeln macht mir Mut!

Alberich.Süsseste Maid!

Alberich.Du bist die schönste!

Flosshilde.Wärst du mir hold!

Flosshilde.Wenn du mir nur zugetan wärst!

Alberich.Hielt' ich dich immer!

Alberich.Für immer möchte ich dich festhalten!

Flosshilde.Deinen stechenden Blick, deinen struppigen Bart,o säh' ich ihn, fasst' ich ihn stets!Deines stachligen Haares strammes Gelock,umflöss' es Flosshilde ewig!Deine Krötengestalt, deiner Stimme Gekrächz,o dürft' ich staunend und stummsie nur hören und sehn!

Flosshilde.Ach, wenn ich nur deinen stechenden Blick und deinen wirren Bart auf immer haben könnte!Wenn deine stachligen Haare mich einwickeln könnten!Wenn ich nur deine krötenhafte Gestalt und deine kratzige Stimme auf immer anstaunen dürfte!

Woglinde, Wellgunde.Hahahahahaha!

Woglinde, Wellgunde.Hahahahahaha!

Alberich.Lacht ihr Bösen mich aus?

Alberich.Lacht ihr mich etwa aus?

Flosshilde.Wie billig am Ende vom Lied.

Flosshilde.Ganz wie es sich gehört!

Alberich.Wehe! ach wehe! O Schmerz! O Schmerz!Die dritte, so traut, betrog sie mich auch?Ihr schmählich schlaues lüderlich schlechtes Gelichter!Nährt ihr nur Trug, ihr treuloses Nickergezücht?

Alberich.Weh mir, der Schmerz ist kaum zu ertragen!Hat auch die dritte mich betrogen?Ihr seid listig und falsch und lebt nur von Täuschung, verdammtes Wasserpack!

Die drei Rheintöchter.Wallala! Lalaleia! Leialalei!Heia! Heia! Haha!Schäme dich, Albe! Schilt nicht dort unten!Höre, was wir dich heissen!Warum, du Banger, bandest du nichtdas Mädchen, das du minnst?Treu sind wir und ohne Trugdem Freier, der uns fängt.Greife nur zu und grause dich nicht!In der Flut entfliehn wir nicht leicht.Wallala! Lalaleia! Leialala!Heia! Heia! Hahei!

Die drei Rheintöchter.Schäme dich, Alberich, und beschimpfe uns nicht von dort unten.Hör zu und begreife, was wir dir sagen:Warum hast du das Mädchen nicht festgehalten, das du haben wolltest?Wir sind ehrlich zu dem, der uns wirklich fängt.Greif nur zu und fürchte dich nicht, denn so leicht entkommen wir im Wasser nicht.

Alberich.Wie in den Gliedern brünstige Glutmir brennt und glüht!Wut und Minne wild und mächtigwühlt mir den Mut auf!Wie ihr auch lacht und lügt,lüstern lechz' ich nach euch,und eine muss mir erliegen!Fing' eine diese Faust!...

Alberich.In meinem Körper brennt eine heiße Unruhe, die mich nicht loslässt.Zorn und Verlangen treiben mich gleichzeitig an.Wie sehr ihr auch lacht und täuscht:Eine von euch muss mir gehören!Wenn ich nur eine von euch in die Finger bekäme!

Durch die Flut ist von oben her ein immer lichterer Schein gedrungen, der sich an einer hohen Stelle des mittelsten Riffes allmählich zu einem blendend hell strahlenden Goldglanze entzündet, ein zauberisch goldenes Licht bricht von hier durch das Wasser.

Von oben dringt durch das Wasser ein immer helleres Licht herab.An einer hohen Stelle des mittleren Felsriffs sammelt es sich und wird allmählich zu einem stark leuchtenden goldenen Schein.Von dort aus breitet sich ein warmes, goldenes Licht durch das Wasser aus.

Woglinde.Lugt, Schwestern!Die Weckerin lacht in den Grund.

Woglinde.Schaut, Schwestern!Das weckende Licht lacht bis hinunter in die Tiefe.

Wellgunde.Durch den grünen Schwallden wonnigen Schläfer sie grüsst.

Wellgunde.Durch das grüne Wasser grüßt es den Schlafenden.

Flosshilde.Jetzt küsst sie sein Auge, dass er es öffne.

Flosshilde.Jetzt berührt das Licht sein Auge und weckt ihn.

Wellgunde.Schaut, es lächelt in lichtem Schein.

Wellgunde.Seht nur, es lächelt im hellen Schein.

Woglinde.Durch die Fluten hin fliesst sein strahlender Stern.

Woglinde.Durch die Fluten zieht sein strahlendes Licht.

Die drei Rheintöchter.Heiajaheia! Heiajaheia!Wallalallalala leiajahei!Rheingold! Rheingold!Leuchtende Lust, wie lachst du so hell und hehr!Glühender Glanz entgleisset dir weihlich im Wag!Heiajahei, Heiajaheia!Wache, Freund, wache froh!Wonnige Spiele spenden wir dir:flimmert der Fluss, flammet die Flut,umfliessen wir tauchend, tanzend und singend,im seligen Bade dein Bett.Rheingold! Rheingold!Heiajaheia! Wallalaleia heiajahei!

Die drei Rheintöchter.Rheingold, Rheingold.Du leuchtest so hell und klar und erfüllst das Wasser mit Licht!Dein goldener Glanz breitet sich warm in den Wellen aus.Wach auf, Freund, erwache froh!Wir spielen für dich im Wasser.Wenn der Fluss schimmert und die Flut aufflammt, umgeben wir dich tauchend, tanzend und singend.So wird das Wasser selbst zu deinem ruhigen Bett.

Alberich.Was ist's, ihr Glatten, das dort so glänzt und gleisst?

Alberich.Was ist das dort, das so hell glänzt und schimmert?

Die drei Rheintöchter.Wo bist du Rauher denn daheim,dass vom Rheingold nicht du gehört?

Die drei Rheintöchter.Wo lebst du eigentlich, dass du noch nie vom Rheingold gehört hast?

Wellgunde.Nicht weiss der Alp von des Goldes Auge,das wechselnd wacht und schläft?

Wellgunde.Weiß der Troll wirklich nichts von dem Gold, dessen Auge abwechselnd schläft und wacht?

Woglinde.Von der Wassertiefe wonnigem Stern,der hehr die Wogen durchhellt?

Woglinde.Von dem Stern in der Tiefe des Wassers, der die Wellen hell erleuchtet?

Die drei Rheintöchter.Sieh, wie selig im Glanze wir gleiten!Willst du Banger in ihm dich baden,so schwimm und schwelge mit uns!Wallalalala leialalei! Wallalalala leiajahei!

Die drei Rheintöchter.Sieh doch, wie glücklich wir im Glanz des Goldes durch das Wasser gleiten.Wenn du dich traust, dann bade mit uns darin und genieße es wie wir.

Alberich.Eurem Taucherspiele nur taugte das Gold?Mir gält' es dann wenig!

Alberich.Ist das Gold also nur für euer Spiel im Wasser bestimmt?Dann wäre es für mich wenig wert.

Woglinde.Des Goldes Schmuck schmähte er nicht,wüsste er all seine Wunder!

Woglinde.Er würde den Wert des Goldes nicht gering schätzen, wenn er all seine Kräfte kennen würde!

Wellgunde.Der Welt Erbe gewänne zu eigen,wer aus dem Rheingold schüfe den Ring,der masslose Macht ihm verlieh'.

Wellgunde.Wer aus dem Rheingold einen Ring formt, gewinnt die Macht über die Welt.Dieser Ring verleiht grenzenlose Macht.

Flosshilde.Der Vater sagt' es, und uns befahl er,klug zu hüten den klaren Hort,dass kein Falscher der Flut ihn entführe:drum schweigt, ihr schwatzendes Heer!

Flosshilde.So hat es unser Vater gesagt und uns befohlen, den hellen Schatz klug zu bewachen.Kein Betrüger soll ihn aus der Flut forttragen.Also schweigt endlich!

Wellgunde.Du klügste Schwester, verklagst du uns wohl?Weisst du denn nicht, wem nur alleindas Gold zu schmieden vergönnt?

Wellgunde.Du kluge Schwester, willst du uns etwa tadeln?Weißt du denn nicht, wer allein das Gold schmieden darf?

Woglinde.Nur wer der Minne Macht entsagt,nur wer der Liebe Lust verjagt,nur der erzielt sich den Zauber,zum Reif zu zwingen das Gold.

Woglinde.Nur wer auf Liebe verzichtet und jedes Verlangen nach ihr aufgibt:Nur der kann die Macht gewinnen, das Gold zu einem Ring zu formen!

Wellgunde.Wohl sicher sind wir und sorgenfrei:denn was nur lebt, will lieben;meiden will keiner die Minne.

Wellgunde.Darum sind wir sicher und ohne Sorge, denn alles, was lebt, will lieben.Niemand verzichtet freiwillig auf Liebe.

Woglinde.Am wenigsten er, der lüsterne Alp:vor Liebesgier möcht' er vergehn!

Woglinde.Am wenigsten der da, der gierige Zwerg!Denn sein Verlangen nach Liebe ist viel zu stark.

Flosshilde.Nicht fürcht' ich den, wie ich ihn erfand:seiner Minne Brunst brannte fast mich.

Flosshilde.Vor ihm habe ich keine Angst, denn sein heftiges Begehren war deutlich zu spüren.

Wellgunde.Ein Schwefelbrand in der Wogen Schwall:vor Zorn der Liebe zischt er laut.

Wellgunde.Wie ein Feuer im Wasser tobt er vor Zorn und verletzter Liebe.

Die drei Rheintöchter.Wallala! Wallaleialala!Lieblichster Albe, lachst du nicht auch?In des Goldes Schein wie leuchtest du schön!O komm, Lieblicher, lache mit uns!Heiajaheia! Heiajaheia! Wallalalala leiajahei!

Die drei Rheintöchter.Komm her zu uns, lieber Alberich, und lach mit uns!Im Schein des Goldes wirkst auch du heller und freundlicher.

Alberich.Der Welt Erbegewänn' ich zu eigen durch dich?Erzwäng' ich nicht Liebe,doch listig erzwäng' ich mir Lust?Spottet nur zu!Der Niblung naht eurem Spiel!

Alberich.Gewinne ich durch dich die ganze Welt für mich?Wenn ich schon keine Liebe erzwingen kann, dann erzwinge ich mir mit List wenigstens Lust!Lacht nur weiter, der Nibelung kommt jetzt mit euch spielen!

Die drei Rheintöchter.Heia! Heia! Heiajahei!Rettet euch! Es raset der Alp!In den Wassern sprüht's, wohin er springt:die Minne macht ihn verrückt!

Die drei Rheintöchter.Um Gotteswillen, flieht!Er gerät außer sich vor Wut!Wo er hinspringt, tobt das Wasser, denn sein Verlangen macht ihn blind.

Alberich.Bangt euch noch nicht?So buhlt nun im Finstern, feuchtes Gezücht!Das Licht lösch' ich euch aus;entreisse dem Riff das Gold,schmiede den rächenden Ring;denn hör' es die Flut: so verfluch' ich die Liebe!

Alberich.Habt ihr immer noch keine Angst?Dann spielt weiter im Dunkeln, denn ich nehme euch das Licht.Ich reiße das Gold vom Felsen, schmiede daraus einen Ring und schwöre Rache!Hört es, ihr Wasser: ich verfluche die Liebe!

Flosshilde.Haltet den Räuber!

Flosshilde.Haltet den Räuber auf!

Wellgunde.Rettet das Gold!

Wellgunde.Rettet das Gold!

Woglinde, Wellgunde.Hilfe! Hilfe!

Woglinde, Wellgunde.Hilfe, helft uns!

Die drei Rheintöchter.Weh! Weh!

Die drei Rheintöchter.O Weh, alles ist verloren!

Was passiert in dieser Szene? Auf dem Grund des Rheins bewachen die drei Rheintöchter spielerisch das Rheingold. Alberich nähert sich aus der Tiefe und versucht, die Rheintöchter durch Annäherung und Liebeswerben zu fassen. Sie entziehen sich ihm immer wieder, verspotten ihn und reizen seine Begierde. Als das Rheingold im Licht erwacht, preisen sie seine Schönheit und enthüllen seine Macht. Wer dem Gold entsagt und der Liebe abschwört, kann aus ihm einen Ring schmieden, der unbegrenzte Herrschaft verleiht. In der Gewissheit, dass niemand freiwillig der Liebe entsagt, wähnen sich die Rheintöchter sicher. Alberich erkennt die Möglichkeit, verflucht die Liebe und entreißt das Gold dem Rhein, während die Rheintöchter vergeblich um Hilfe rufen.

Zweite Szene

Freie Gegend auf Bergeshöhen

Freie Gegend auf hohen Bergen

Wotan, Fricka, Freia, Fasolt, Fafner, Donner, Froh, Loge

Wotan, Fricka, Freia, Fasolt, Fafner, Donner, Froh, Loge

Fricka.Wotan! Gemahl! erwache!

Fricka.Wotan, mein Mann, wach auf!

Wotan.fortträumendDer Wonne seligen Saalbewachen mir Tür und Tor:Mannes Ehre, ewige Machtragen zu endlosem Ruhm!

Wotan.fortträumendEin seliger Saal liegt vor mir, bewacht von Toren und Mauern.Ehre und Macht ragen dort zu ewigem Ruhm.

Fricka.Auf, aus der Träume wonnigem Trug!Erwache, Mann, und erwäge!

Fricka.Komm heraus aus diesem Traum und denk nach.Wach auf und überlege!

Wotan.Vollendet das ewige Werk:auf Berges Gipfel die Götterburg,prächtig prahlt der prangende Bau!Wie im Traum ich ihn trug,wie mein Wille ihn wies, stark und schönsteht er zur Schau; hehrer, herrlicher Bau!

Wotan.Das Werk für die Ewigkeit ist vollendet:Die Burg der Götter steht auf dem Berg.Der Bau ist prächtig und genau so geworden, wie ich ihn erträumt und gewollt habe.Herrlich steht sie da!

Fricka.Nur Wonne schafft dir, was mich erschreckt?Dich freut die Burg, mir bangt es um Freia.Achtloser, lass dich erinnerndes ausbedungenen Lohns!Die Burg ist fertig, verfallen das Pfand:vergassest du, was du vergabst?

Fricka.Was dich erfreut, macht mir Angst!Du freust dich über die Burg, doch ich sorge mich um Freia.Die Burg ist fertig, und nun wird der Lohn fällig, den du versprochen hast.Hast du vergessen, was du dafür gegeben hast?

Wotan.Wohl dünkt mich's, was sie bedangen,die dort die Burg mir gebaut;durch Vertrag zähmt' ich ihr trotzig Gezücht,dass sie die hehre Halle mir schüfen;die steht nun – Dank den Starken:um den Sold sorge dich nicht.

Wotan.Ich weiß gut, was die Riesen gefordert haben, die mir diese Burg gebaut haben.Durch einen Vertrag habe ich sie gezwungen, mir dieses Werk zu errichten.Die Burg steht nun.Doch um den Lohn brauchst du dich nicht zu sorgen.

Fricka.O lachend frevelnder Leichtsinn!Liebelosester Frohmut!Wusst' ich um euren Vertrag,dem Truge hätt' ich gewehrt;doch mutig entferntet ihr Männer die Frauen,um taub und ruhig vor unsallein mit den Riesen zu tagenSo ohne Scham verschenktet ihr FrechenFreia, mein holdes Geschwister,froh des Schächergewerbs.Was ist euch Harten doch heilig und wert,giert ihr Männer nach Macht!

Fricka.Was für ein leichtfertiger und herzloser Umgang!Hätte ich von diesem Vertrag gewusst, hätte ich den Betrug verhindert!Ihr Männer habt die Frauen bewusst ferngehalten, um allein mit den Riesen zu verhandeln.So habt ihr ohne Scham Freia preisgegeben, meine edle Schwester!Was ist euch überhaupt noch heilig, wenn ihr nur nach Macht strebt?

Wotan.Gleiche Gier war Fricka wohl fremd,als selbst um den Bau sie mich bat?

Wotan.War dir diese Sorge fremd, als du selbst mich zum Bau der Burg gedrängt hast?

Fricka.Um des Gatten Treue besorgtmuss traurig ich wohl sinnen,wie an mich er zu fesseln,zieht's in die Ferne ihn fort:herrliche Wohnung, wonniger Hausratsollten dich binden zu säumender Rast.Doch du bei dem Wohnbau sannst auf Wehr und Wall allein:Herrschaft und Macht soll er dir mehren;nur rastlosern Sturm zu erregen,erstand dir die ragende Burg.

Fricka.Ich wollte dich an mich binden und unsere Ehe sichern.Ein schönes Heim sollte dich zur Ruhe bringen.Doch du hast beim Bau nur an Mauern, Herrschaft und Macht gedacht.Die Burg dient nicht dem Frieden, sondern bereitet neuen Streit.

Wotan.Wolltest du Frau in der Feste mich fangen,mir Gotte musst du schon gönnen,dass, in der Burg gefangen, ich mirvon aussen gewinne die Welt.Wandel und Wechsel liebt, wer lebt:das Spiel drum kann ich nicht sparen.

Wotan.Wenn du mich in der Burg festhalten wolltest, musst du mir als Gott auch die Freiheit lassen:Dass ich mir dann von dieser Burg aus die Welt gewinne.Wer lebt, liebt Wandel, und auf dieses Spiel kann ich nicht verzichten.

Fricka.Liebeloser, leidigster Mann!Um der Macht und Herrschaft müssigen Tandverspielst du in lästerndem SpottLiebe und Weibes Wert?

Fricka.Du schlimmer, herzloser Mann!Für leere Machtspiele setzt du Liebe und den Wert der Frauen aufs Spiel.

Wotan.Um dich zum Weib zu gewinnen,mein eines Auge setzt' ich werbend daran:wie törig tadelst du jetzt!Ehr' ich die Frauen doch mehr, als dich freut!Und Freia, die gute, geb' ich nicht auf:nie sann dies ernstlich mein Sinn.

Wotan.Um dich zur Ehefrau zu gewinnen, habe ich sogar ein Auge geopfert!Darum ist dein Vorwurf ungerecht.Ich achte die Frauen ja viel mehr, als es dir recht recht ist!Freia werde ich nicht aufgeben, das habe ich nie ernsthaft vorgehabt.

Fricka.So schirme sie jetzt; in schutzloser Angstläuft sie nach Hilfe dort her!

Fricka.Dann schütze sie jetzt, denn sie kommt voller Angst hierher gelaufen.

Freia.Hilf mir, Schwester! Schütze mich, Schwäher!Vom Felsen drüben drohte mir Fasolt,mich Holde käm' er zu holen.

Freia.Hilf mir, Schwester, und beschütze mich, Wotan!Von dort drüben hat Fasolt mir gedroht und gesagt, er werde mich holen.

Wotan.Lass ihn drohn! Sahst du nicht Loge?

Wotan.Lass ihn drohen.Hast du Loge nicht gesehen?

Fricka.Dass am liebsten du immer dem Listigen traust!Viel Schlimmes schuf er uns schon,doch stets bestrickt er dich wieder.

Fricka.Du vertraust immer wieder diesem listigen Burschen.Schon oft hat er uns in Schwierigkeiten gebracht, und trotzdem hörst du auf ihn!

Wotan.Wo freier Mut frommt,allein frag' ich nach keinem;doch des Feindes Neid zum Nutz sich fügen,lehrt nur Schlauheit und List,wie Loge verschlagen sie übt.Der zum Vertrage mir riet,versprach mir Freia zu lösen:auf ihn verlass' ich mich nun.

Wotan.Wo offener Mut ausreicht, frage ich niemanden um Rat.Doch wenn man den Neid des Feindes nutzen will, braucht es Schlauheit und List, wie Loge sie eben beherrscht.Er hat mir zum Vertrag geraten und dabei versprochen, Freia zu befreien.Darauf verlasse ich mich jetzt.

Fricka.Und er lässt dich allein!Dort schreiten rasch die Riesen heran:wo harrt dein schlauer Gehilf'?

Fricka.Und nun lässt er dich allein!Die Riesen kommen schon daher, doch wo bleibt dein kluger Helfer?

Freia.Wo harren meine Brüder, dass Hilfe sie brächten,da mein Schwäher die Schwache verschenkt?Zu Hilfe, Donner! Hieher, hieher!Rette Freia, mein Froh!

Freia.Wo sind meine Brüder, die mir helfen sollen, wenn mein eigener Verwandter mich preisgibt?Hilfe, Donner, komm zu mir!Rette mich, lieber Froh!

Fricka.Die im bösen Bund dich verrieten,sie alle bergen sich nun.

Fricka.Alle, die dich in diesen schlechten Bund getrieben haben, ziehen sich nun zurück.

Fasolt.Sanft schloss Schlaf dein Aug':wir beide bauten Schlummers bar die Burg.Mächt'ger Müh' müde nie,stauten starke Stein' wir auf;steiler Turm, Tür und Tordeckt und schliesst im schlanken Schloss den Saal.Dort steht's, was wir stemmten;schimmernd hell bescheint's der Tag:zieh nun ein, uns zahl' den Lohn!

Fasolt.Während du ruhig geschlafen hast, haben wir ohne Pause die Burg gebaut.Mit harter Arbeit haben wir Stein auf Stein gesetzt und Türme, Tore und Mauern errichtet.Nun steht das Werk im Licht des Tages.Also zieh nun ein und zahl uns den Lohn!

Wotan.Nennt, Leute, den Lohn:was dünkt euch zu bedingen?

Wotan.Sagt mir, was ihr als Lohn verlangt.

Fasolt.Bedungen ist's, was tauglich uns dünkt:gemahnt es dich so matt?Freia die holde, Holda die freie,vertragen ist's, sie tragen wir heim.

Fasolt.Der Lohn ist längst vereinbart, auch wenn du dich jetzt daran nicht erinnern willst.Freia ist der Preis, und wir nehmen sie mit!

Wotan.Seid ihr bei Trost mit eurem Vertrag?Denkt auf andren Dank: Freia ist mir nicht feil.

Wotan.Seid ihr bei Verstand - denk euch etwas anderes aus!Freia ist nicht zu verkaufen!

Fasolt.Was sagst du? Ha, sinnst du Verrat?Verrat am Vertrag? Die dein Speer birgt,sind sie dir Spiel, des beratenen Bundes Runen?

Fasolt.Was sagst du da, willst du den Vertrag brechen?Sind dir die Runen des Bundes nichts wert?In deinen eigenen Speer hast du sie eingeritzt!

Fafner.Getreuster Bruder!Merkst du Tropf nun Betrug?

Fafner.Bruder, merkst du jetzt den Betrug?

Fasolt.Lichtsohn du, leicht gefügter,hör' und hüte dich: Verträgen halte Treu'!Was du bist, bist du nur durch Verträge:bedungen ist, wohl bedacht deine Macht.Bist weiser du, als witzig wir sind,bandest uns Freie zum Frieden du:all deinem Wissen fluch' ich,fliehe weit deinen Frieden,weisst du nicht offen, ehrlich und freiVerträgen zu wahren die Treu'!Ein dummer Riese rät dir das:du Weiser, wiss' es von ihm!

Fasolt.Hör zu und sei vorsichtig, denn Verträge muss man einhalten!Was du bist und was du darfst, beruht allein auf Verträgen.Deine Macht ist vereinbart und bewusst festgelegt worden.Auch wir Freien haben uns durch einen Vertrag an den Frieden gebunden.Dein ganzes Wissen zählt nichts, wenn du Verträge nicht offen, ehrlich und treu achtest.Und das sagt dir kein Weiser, sondern ein einfacher Riese.

Wotan.Wie schlau für Ernst du achtest,was wir zum Scherz nur beschlossen!Die liebliche Göttin, licht und leicht,was taugt euch Tölpeln ihr Reiz?

Wotan.Wie ernst ihr das nehmt, was wir nur im Scherz beschlossen haben!Was soll euch groben Riesen diese leichte und schöne Göttin nützen?

Fasolt.Höhnst du uns? Ha, wie unrecht!Die ihr durch Schönheit herrscht,schimmernd hehres Geschlecht,wie törig strebt ihr nach Türmen von Stein,setzt um Burg und Saal Weibes Wonne zum Pfand!Wir Plumpen plagen unsschwitzend mit schwieliger Hand,ein Weib zu gewinnen, das wonnig und mildbei uns Armen wohne:und verkehrt nennst du den Kauf?

Fasolt.Machst du dich über uns lustig?Dann ist das unrecht!Ihr habt Macht, weil ihr schön seid und bewundert werdet.Aber warum wollt ihr unbedingt hohe Türme aus Stein?Dafür habt ihr die Liebe einer Frau als Preis eingesetzt.Wir einfachen Kerle arbeiten hart mit schweren Händen.Wir wollen nur eine Frau, die bei uns lebt und gut zu uns ist.Und diesen Tausch nennst du falsch?

Fafner.Schweig' dein faules Schwatzen,Gewinn werben wir nicht:Freias Haft hilft wenig;doch viel gilt's,den Göttern sie zu entreissen.Goldne Apfel wachsen in ihrem Garten;sie allein weiss die Äpfel zu pflegen!Der Frucht Genuss frommt ihren Sippenzu ewig nie alternder Jugend;siech und bleich doch sinkt ihre Blüte,alt und schwach schwinden sie hin,müssen Freia sie missen.Ihrer Mitte drum sei sie entführt!

Fafner.Schweig mit deinem Gerede, wir werben ja nicht um Liebe.Um Freia allein als Gefangene geht es ja nicht.Doch den Göttern schadet es, sie zu verlieren:In ihrem Garten wachsen die goldenen Äpfel, die nur sie allein pflegen kann.Diese Früchte halten die Götter jung.Ohne Freia werden sie alt, schwach und kraftlos.Darum muss sie ihnen fortgenommen werden!

Wotan.Loge säumt zu lang!

Wotan.Loge lässt viel zu lange auf sich warten!

Fasolt.Schlicht gib nun Bescheid!

Fasolt.Dann sag endlich klar Bescheid!

Wotan.Fordert andern Sold!

Wotan.Fordert einen anderen Lohn!

Fasolt.Kein andrer: Freia allein!

Fasolt.Keinen anderen, nur Freia!

Fafner.Du da, folge uns!

Fafner.Du dort, komm mit uns!

Freia.Helft, helft vor den Harten!

Freia.Helft mir, schützt mich vor den Grausamen!

Froh.Zu mir, Freia! Meide sie, Frecher!Froh schützt die Schöne.

Froh.Komm zu mir, Freia!Bleibt zurück, ihr Groben!Ich schütze die schöne Freia.

Donner.Fasolt und Fafner,fühltet ihr schon meines Hammers harten Schlag?

Donner.Fasolt und Fafner, habt ihr schon die Wucht meines Hammers gespürt?

Fafner.Was soll das Drohn?

Fafner.Was sollen diese Drohungen?

Fasolt.Was dringst du her?Kampf kiesten wir nicht,verlangen nur unsern Lohn.

Fasolt.Warum mischt du dich ein?Wir suchen keinen Kampf; wir verlangen nur unseren Lohn!

Donner.Schon oft zahlt' ich Riesen den Zoll;kommt her! des Lohnes Lastwäg' ich mit gutem Gewicht!

Donner.Schon oft habe ich Riesen ihren Zoll gezahlt!Kommt her, ich wiege euch den Lohn mit schwerer Hand ab!

Wotan.Halt, du Wilder! Nichts durch Gewalt!Verträge schützt meines Speeres Schaft:spar' deines Hammers Heft!

Wotan.Halt, du Heißsporn, keine Gewalt!Mein Speer schützt die Verträge; halte deinen Hammer also zurück!

Freia.Wehe! Wehe! Wotan verlässt mich!

Freia.Weh mir, Wotan lässt mich im Stich!

Fricka.Begreif ich dich noch, grausamer Mann?

Fricka.Kann ich dich noch verstehen, grausamer Mann?

Wotan.sieht Loge kommenEndlich Loge! Eiltest du so,den du geschlossen,den schlimmen Handel zu schlichten?

Wotan.Er sieht Loge kommen.Endlich, Loge!Bist du so schnell gekommen, um den schlimmen Handel zu lösen, den du mir zugesagt hast?

Loge.Wie? Welchen Handel hätt' ich geschlossen?Wohl was mit den Riesen dort im Rate du dangst?In Tiefen und Höhen treibt mich mein Hang;Haus und Herd behagt mir nicht:Donner und Froh,die denken an Dach und Fach!Wollen sie frein, ein Haus muss sie erfreun.Ein stolzer Saal, ein starkes Schloss,danach stand Wotans Wunsch.Haus und Hof, Saal und Schloss,die selige Burg, sie steht nun fest gebaut;das Prachtgemäuer prüft' ich selbst;ob alles fest, forscht' ich genau:Fasolt und Fafner fand ich bewährt;kein Stein wankt im Gestemm.Nicht müssig war ich, wie mancher hier:der lügt, wer lässig mich schilt!

Loge.Wie bitte, welchen Handel soll ich geschlossen haben?Du meinst wohl das, was du mit den Riesen beschlossen hast?Mich treibt es in die Ferne; mit Haus und Herd habe ich es nicht.Donner und Froh, ja die denken an Dach und Mauern!Wenn sie ans Heiraten denken, brauchen sie ein Haus.Ein stolzer Saal und ein festes Schloss waren auch Wotans Wunsch.Nun steht die Burg fertig da.Ich habe selbst geprüft, ob alles fest gebaut ist.Fasolt und Fafner haben gute Arbeit geleistet, kein Stein wankt.Ich war also keineswegs untätig, wie mancher das behauptet.

Wotan.Arglistig weichst du mir aus:mich zu betrügen höre in Treuen dich wohl!Von allen Göttern dein einziger Freund,nahm ich dich aufin der übel trauenden Tross.Nun red' und rate klug!Da einst die Bauer der Burg zum Dank Freia bedangen,du weisst, nicht anders willigt' ich ein,als weil auf Pflicht du gelobtest,zu lösen das hehre Pfand.

Wotan.Du weichst mir aus und versuchst, mich mit List zu täuschen.Dabei hielt ich dich für meinen einzigen Freund unter allen Göttern.Ich nahm dich bei mir auf, obwohl ich dir nie ganz vertraut habe.Jetzt rede klar und gib mir einen klugen Rat!Als die Erbauer der Burg Freia als Lohn verlangten, weißt du, warum ich zustimmte?Ich habe nur zugestimmt, weil du mir fest zugesagt hast, Freia später wieder zurückzuholen!

Loge.Mit höchster Sorge drauf zu sinnen,wie es zu lösen, das – hab ich gelobt.Doch dass ich fände,was nie sich fügt, was nie gelingt,wie liess' sich das wohl geloben?

Loge.Ich habe versprochen, mit aller Sorgfalt darüber nachzudenken, wie man sie befreien kann.Aber wie kann man versprechen, etwas zu finden, das unmöglich ist?

Fricka.zu WotanSieh, welch trugvollem Schelm du getraut!

Fricka.zu WotanSiehst du jetzt, was für einem betrügerischen Schelm du vertraut hast?

Froh.Loge heisst du,doch nenn' ich dich Lüge!

Froh.Du heißt Loge, aber ich nenne dich Lüge!

Donner.Verfluchte Lohe, dich lösch' ich aus!

Donner.Verfluchte Flamme, ich lösche dich aus!

Loge.Ihre Schmach zu deckenschmähen mich Dumme.

Loge.Um ihre eigene Scham zu verdecken, beschimpfen mich die Dummen.

Wotan.In Frieden lasst mir den Freund!Nicht kennt ihr Loges Kunst:reicher wiegt seines Rates Wert,zahlt er zögernd ihn aus.

Wotan.Lasst mir den Freund in Frieden!Ihr kennt Loges Art nicht.Der Wert seines Rates ist umso höher, wenn er ihn langsam auszahlt.

Fafner.Nichts gezögert! Rasch gezahlt!

Fafner.Kein Zögern mehr, wir wollen rasche Zahlung!

Fasolt.Lang währt's mit dem Lohn.

Fasolt.Der Lohn lässt viel zu lange auf sich warten.

Wotan.Jetzt hör', Störrischer! Halte Stich!Wo schweiftest du hin und her?

Wotan.Jetzt hör zu, Starrkopf, und halte Wort!Wo bist du überall umhergezogen?

Loge.Immer ist Undank Loges Lohn!Für dich nur besorgt sah ich mich um,durchstöbert' im Sturm alle Winkel der Welt,Ersatz für Freia zu suchen,wie er den Riesen wohl recht.Umsonst sucht' ich und sehe nun wohl,in der Welten Ring nichts ist so reich,als Ersatz zu muten dem Mannfür Weibes Wonne und Wert.So weit Leben und Weben,in Wasser, Erd' und Luft,viel frug ich, forschte bei allen,wo Kraft nur sich rührt und Keime sich regen:was wohl dem Manne mächt'ger dünk'als Weibes Wonne und Wert?Doch so weit Leben und Weben,verlacht nur ward meine fragende List:in Wasser, Erd' und Luftlassen will nichts von Lieb' und Weib.Nur einen sah ich, der sagte der Liebe ab:um rotes Gold entriet er des Weibes Gunst.Des Rheines klare Kinderklagten mir ihre Not:der Nibelung, Nacht-Alberich,buhlte vergebens um der Badenden Gunst:das Rheingold daraubte sich rächend der Dieb:das dünkt ihm nun das teuerste Gut,hehrer als Weibes Huld.Um den gleissenden Tand,der Tiefe entwandt,erklang mir der Töchter Klage:an dich, Wotan, wenden sie sich,dass zu Recht du zögest den Räuber,das Gold dem Wasser wieder gebest,und ewig es bliebe ihr Eigen.Dir's zu melden gelobt' ich den Mädchen:nun löste Loge sein Wort.

Loge.Undank ist immer der Lohn für Loge.Nur um deinetwillen habe ich überall nach einer Lösung gesucht.Ich bin durch die ganze Welt gezogen, um einen Ersatz für Freia zu finden, der den Riesen wirklich genügt.Doch ich habe erkannt, dass es nichts gibt, was den Wert einer Frau ersetzen kann.Ich habe in Wasser, Erde und Luft gefragt, bei allem, was lebt und entsteht.Überall lachte man über mich, denn niemand will auf Liebe und Nähe verzichten.Nur einen einzigen habe ich gefunden, der der Liebe bewusst entsagt hat:Um rotes Gold zu gewinnen, verzichtete Alberich auf jede Beziehung zu Frauen.Die Rheintöchter haben mir von ihrem Verlust geklagt.Nachdem Alberich bei ihnen keinen Erfolg hatte, raubte er ihnen aus Rache das Rheingold.Dieses Gold hält er nun für wertvoller als jede Liebe.Die Rheintöchter baten mich, dir alles zu berichten.Sie hoffen, dass du den Räuber zur Rechenschaft ziehst und das Gold dem Rhein zurückgibst.Das habe ich ihnen versprochen, und dieses Versprechen löse ich jetzt ein.

Wotan.Törig bist du, wenn nicht gar tückisch!Mich selbst siehst du in Not:Wie hülf ich andern zum Heil?

Wotan.Du bist töricht, wenn nicht sogar gefährlich!Siehst du nicht, dass ich selbst in der Klemme stecke?Wie soll ich anderen helfen, wenn ich keinen Ausweg habe?

Fasolt.Nicht gönn' ich das Gold dem Alben,viel Not schon schuf uns der Niblung,doch schlau entschlüpfte unsermZwange immer der Zwerg.

Fasolt.Dem Nibelungen gönne ich das Gold nicht.Er hat uns schon viel Schaden zugefügt und ist uns immer wieder entkommen.

Fafner.Neue Neidtat sinnt uns der Niblung,gibt das Gold ihm Macht.Du da, Loge! Sag' ohne Lug:was Grosses gilt denn das Gold,dass dem Niblung es genügt?

Fafner.Der Nibelung plant schon wieder neuen Verrat, denn das Gold gibt ihm Macht.Loge, sag mir ehrlich, ohne Ausflüchte:Warum ist dieses Gold so bedeutend, dass es dem Nibelungen allein genügt?

Loge.Ein Tand ist's in des Wassers Tiefe,lachenden Kindern zur Lust:doch ward es zum runden Reife geschmiedet,hilft es zur höchsten Macht,gewinnt dem Manne die Welt.

Loge.Im Wasser war es nur ein Spielzeug für lachende Kinder.Doch wenn man es zu einem Ring schmiedet, verleiht es höchste Macht.Mit diesem Ring kann man die Welt beherrschen.

Wotan.Von des Rheines Gold hört' ich raunen:Beute-Runen berge sein roter Glanz,Macht und Schätze schüf' ohne Mass ein Reif.

Wotan.Vom Rheingold habe ich schon Gerüchte gehört.Sein Glanz soll Macht-Runen tragen und unermessliche Schätze schaffen.

Fricka.Taugte wohl des goldnen Tandesgleissend Geschmeidauch Frauen zu schönem Schmuck?

Fricka.Wäre dieser glänzende Goldschmuck nicht auch für Frauen schön?

Loge.Des Gatten Treu' ertrotzte die Frau,trüge sie hold den hellen Schmuck,den schimmernd Zwerge schmieden,rührig im Zwange des Reifs.

Loge.Eine Frau könnte mit solchem Schmuck sogar die Treue ihres Mannes sichern.Die Zwerge schmieden ihn unter dem Zwang des Rings.

Fricka.Gewänne mein Gatte sich wohl das Gold?

Fricka.Könnte mein Mann dieses Gold gewinnen?

Wotan.Des Reifes zu walten,rätlich will es mich dünken.Doch wie, Loge, lernt' ich die Kunst?Wie schüf' ich mir das Geschmeid!

Wotan.Über den Ring zu herrschen erscheint mir verlockend.Doch wie, Loge, lerne ich diese Kunst?Wie komme ich an das Gold?

Loge.Ein Runenzauber zwingt das Gold zum Reif.Keiner kennt ihn;doch einer übt ihn leicht,der sel'ger Lieb' entsagt.Das sparst du wohl; zu spät auch kämst du:Alberich zauderte nicht;zaglos gewann er des Zaubers Macht:geraten ist ihm der Ring.

Loge.Ein Zauber zwingt das Gold zum Ring.Niemand kennt ihn, außer dem, der der Liebe entsagt.Das kommt für dich nicht infrage, und außerdem ist es zu spät.Alberich hat nicht gezögert und besitzt den Ring bereits.

Donner.Zwang uns allen schüfe der Zwerg,würd' ihm der Reif nicht entrissen.

Donner.Wenn wir ihm den Ring nicht entreißen, wird der Zwerg uns alle beherrschen!

Wotan.Den Ring muss ich haben!

Wotan.Diesen Ring muss ich haben!

Froh.Leicht erringt ohne Liebesfluch er sich jetzt.

Froh.Jetzt kann man ihn leicht gewinnen, ohne selbst auf Liebe verzichten zu müssen.

Loge.Spottleicht, ohne Kunst wie im Kinderspiel!

Loge.Ja, fast wie ein Kinderspiel, es ist nichts dabei!

Wotan.So rate, wie?

Wotan.Dann sag mir, wie!

Loge.Durch Raub!Was ein Dieb stahl, das stiehlst du dem Dieb:ward leichter ein Eigen erlangt?Doch mit arger Wehr wahrt sich Alberich;klug und fein muss du verfahren,ziehst den Räuber du zu Recht,um des Rheines Töchtern den roten Tand,das Gold, wiederzugeben;denn darum flehen sie dich.

Loge.Durch Raub!Was ein Dieb gestohlen hat, stiehlt man ihm wieder.So kommt man am leichtesten an fremden Besitz.Doch Alberich schützt sich mit harter Gewalt.Du musst klug vorgehen, wenn du ihn zur Rechenschaft ziehen willst.Denn die Rheintöchter flehen dich an, das Gold zurückzugeben.

Wotan.Des Rheines Töchter? Was taugt mir der Rat?

Wotan.Die Rheintöchter?Was nützt mir ihr Rat?

Fricka.Von dem Wassergezücht mag ich nichts wissen:schon manchen Mann – mir zum Leid –verlockten sie buhlend im Bad.

Fricka.Mit diesem Wasservolk will ich nichts zu tun haben.Schon oft haben sie Männer verführt, sehr zu meinem Ärger.

Fafner.Glaub' mir, mehr als Freiafrommt das gleissende Gold:auch ew'ge Jugend erjagt,wer durch Goldes Zauber sie zwingt.Hör', Wotan, der Harrenden Wort!Freia bleib' euch in Frieden;leichtren Lohn fand ich zur Lösung:uns rauhen Riesen genügtdes Niblungen rotes Gold.

Fafner.Glaub mir, das Gold ist mehr wert als Freia.Wer seine Macht nutzt, kann sich sogar ewige Jugend sichern!Hör auf uns Wartende:Freia soll euch bleiben!Uns genügt als Lohn das rote Gold des Nibelungen.

Wotan.Seid ihr bei Sinn?Was nicht ich besitze,soll ich euch Schamlosen schenken?

Wotan.Seid ihr bei Verstand?Soll ich euch etwas schenken, das mir gar nicht gehört?

Fafner.Schwer baute dort sich die Burg:leicht wird dir's mit list'ger Gewalt,was im Neidspiel nie uns gelang,den Niblungen fest zu fahn.

Fafner.Die Burg haben wir dir mit großer Mühe gebaut.Doch mit List kannst du erreichen, was uns nie gelungen ist:Du kannst den Nibelungen festsetzen.

Wotan.Für euch müht' ich mich um den Alben?Für Euch fing ich den Feind?Unverschämt und überbegehrlichmacht euch Dumme mein Dank!

Wotan.Ich soll für euch gegen Alberich ziehen?Ich soll für euch den Feind fangen?Wie maßlos und dreist macht euch meine Nachsicht!

Fasolt.Hieher, Maid! In unsre Macht!Als Pfand folgst du uns jetzt,bis wir Lösung empfahn.

Fasolt.Dann komm her, Mädchen, jetzt bist du in unserer Gewalt!Als Pfand gehst du mit uns, bis wir unseren Lohn erhalten!

Freia.Wehe! Wehe! Wehe!

Freia.Wehe mir!

Fafner.Fort von hier sei sie entführt!Bis Abend, achtet's wohl,pflegen wir sie als Pfand:wir kehren wieder; doch kommen wir,und bereit liegt nicht als Lösungdas Rheingold licht und rot –

Fafner.Bringt sie fort von hier!Bis zum Abend behalten wir sie als Pfand.Dann kommen wir zurück.Wenn das leuchtend rote Rheingold dann nicht bereit liegt –

Fasolt.Zu End' ist die Frist dann,Freia verfallen:für immer folge sie uns!

Fasolt.Dann ist die Frist vorbei und Freia gehört uns für immer!

Freia.Schwester! Brüder! Rettet! Helft!

Freia.Schwester, Brüder, rettet mich, helft mir!

Sie wird von den hastig enteilenden Riesen fortgetragen

Die hastig davoneilenden Riesen tragen sie fort.

Froh.Auf, ihnen nach!

Froh.Los, ihnen nach!

Donner.Breche denn alles!

Donner.Zerschlagt alles, was sich uns in den Weg stellt!

Freia.Rettet! Helft!

Freia.Rettet mich, helft mir!

Loge.Über Stock und Stein zu Talstapfen sie hin;durch des Rheines Wasserfurtwaten die Riesen:fröhlich nicht hängt Freiaden Rauhen über dem Rücken!Heia! hei! Wie taumeln die Tölpel dahin!Durch das Tal talpen sie schon:wohl an Riesenheims Markerst halten sie Rast!Was sinnt nun Wotan so wild?Den sel'gen Göttern wie geht's?Trügt mich ein Nebel?Neckt mich ein Traum?Wie bang und bleich verblüht ihr so bald!Euch erlischt der Wangen Licht;der Blick eures Auges verblitzt!Frisch, mein Froh, noch ist's ja früh!Deiner Hand, Donner, entsinkt ja der Hammer!Was ist's mit Fricka? Freut sie sich wenigob Wotans grämlichem Grau,das schier zum Greisen ihn schafft?

Loge.Über Geröll und Abhänge laufen sie ins Tal hinunter.Durch flaches Wasser waten die Riesen davon.Freia hängt nicht fröhlich über ihren Schultern.Wie schwerfällig sie stolpern!Erst tief unten im Tal werden sie wohl rasten.Doch was geht jetzt mit den Göttern vor sich?Täuscht mich mein Blick, oder verändert ihr euch?Ihr werdet ja bleich und kraftlos!Das Licht verschwindet aus euren Gesichtern.Froh, es ist noch früh, und doch schwindet deine Frische.Donner, selbst dein Hammer sinkt dir aus der Hand.Und Fricka, freut sie sich über Wotans graues Gesicht, das ihn plötzlich alt erscheinen lässt?

Fricka.Wehe! Wehe! Was ist geschehn?

Fricka.Weh mir, was ist geschehen?

Donner.Mir sinkt die Hand.

Donner.Meine Hand verliert ihre Kraft.

Froh.Mit stockt das Herz.

Froh.Mein Herz stockt.

Loge.Jetzt fand ich's: hört, was euch fehlt!Von Freias Frucht genosset ihr heute noch nicht:die goldnen Äpfel in ihrem Garten,sie machten euch tüchtig und jung,asst ihr sie jeden Tag.Des Gartens Pflegerin ist nun verpfändet;an den Ästen darbt und dorrt das Obst:bald fällt faul es herab. Mich kümmert's minder;an mir ja kargte Freia von jeknausernd die köstliche Frucht:denn halb so echt nur bin ich wie, Selige, ihr!Doch ihr setztet alles auf das jüngende Obst:das wussten die Riesen wohl;auf euer Leben legten sie's an:nun sorgt, wie ihr das wahrt!Ohne die Äpfelalt und grau, greis und grämlich,welkend zum Spott aller Welt,erstirbt der Götter Stamm.

Loge.Jetzt habe ich es verstanden, hört, was euch fehlt!Heute habt ihr noch keine Frucht von Freia gegessen.Die goldenen Äpfel aus ihrem Garten hielten euch stark und jung, wenn ihr sie täglich aßt.Doch die Hüterin des Gartens ist fort, und die Früchte verdorren an den Zweigen.Bald werden sie faul zu Boden fallen.Mich kümmert das weniger, denn Freia hat mir diese Frucht nie gern gegeben.Doch ihr habt alles auf diese verjüngenden Äpfel gesetzt.Das wussten die Riesen genau.Sie zielten auf euer Leben.Ohne die Äpfel werdet ihr alt und schwach.So endet das Geschlecht der Götter.

Fricka.Woran, Gemahl, unsel'ger Mann!Sieh, wie dein Leichtsinn lachend uns allenSchimpf und Schmach erschuf!

Fricka.Wohin hast du uns gebracht, unglücklicher Mann!

---ENDE DER LESEPROBE---