Tango trifft Lübeck - Richard Wagner - E-Book

Tango trifft Lübeck E-Book

Richard Wagner

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Beschreibung

Lübeck wirkt für Nora und Judith zunächst wie eine Zwischenstation auf dem Weg nach Schweden. Doch an der Obertrave tauchen sie ein. David fühlt sich in dieser Stadt, bei Menschen und im Tango angekommen. Und dann ist da Anna, eine Frau mit Klarheit und Tiefe, deren Begegnung nachhallt. In Lübeck kreuzen sich ihre Wege beim Tango Argentino, zwischen Backsteinfassaden, über Brücken, durch Gänge und entlang des Wassers. Es entstehen Momente, die keiner von ihnen im Voraus geplant hat. Wer dieses Buch aufschlägt, begleitet diese vier Menschen auf ihren Wegen. Es erzählt von dem, was bleibt aus Erinnerungen, Gefühlen und Sehnsüchten, getragen von der Atmosphäre Lübecks.

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Seitenzahl: 52

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhaltsverzeichnis

DONNERSTAG

Ankunft in der Hansestadt

Auf dem Wasser

Aufbruch

Wenn der Tango ruft

David

Anna

Nora begegnet David

Zwischen Lichtern und Geschichten

Zeit zu zweit

Ein Abend klingt aus

FREITAG

Ein neuer Morgen

Über den Dächern der Stadt

Markt und Rathaus

Ein Gang durch die Jahrhunderte

Der „Amazonas des Nordens“

Unterwegs durch Lübeck

Da Luigi

Der Abschied kommt näher

SAMSTAG

Der Blick über die Ostsee

Was bleibt

Der Zauber des Tangos

Nachwort und Dank

DONNERSTAG

Ankunft in der Hansestadt

Ein Donnerstag, Ende August. Schon früh am Morgen liegt etwas in der Luft, das nach Aufbruch klingt. Der Himmel ist leicht bewölkt, fast unbewegt, als sie losfahren. Es scheint ein richtig schöner und warmer Sommertag zu werden. Die Landschaft zieht langsam an ihnen vorbei, während der Zug sie auf eine lange Reise mitnimmt, quer durch das Land. Vom Südwesten bis ganz in den Norden. Fast siebenhundert Kilometer.

Am frühen Nachmittag fährt der Zug mit leichter Verspätung in den Lübecker Hauptbahnhof ein.

Als sie aussteigen, atmen sie auf. Frische Luft, Bewegung. Der Körper kommt an, das spüren sie unmittelbar. Beim Hinaustreten aus der Bahnhofshalle regt sich ein erstes Urlaubsgefühl.

Lübeck, zwei Nächte Zwischenstation, bevor die Reise am Samstag ab Travemünde mit der Finnlines-Fähre über die Ostsee nach Malmö führt. Dort wartet ein Tango-Workshop mit einem weit über die Grenzen hinaus bekannten Lehrerpaar aus Buenos Aires, eine hoffnungsvolle Aussicht auf Musik, Bewegung und Nähe.

Zwei Freundinnen aus Landau in der Pfalz, beide leidenschaftliche Tangotänzerinnen. Sie verbringen oft gemeinsame Zeit und teilen viele Interessen.

Nora, schon seit einigen Jahren ohne Partner. Sie schlägt sich allein durchs Leben und wünscht sich sehr einen Menschen an ihrer Seite. Sie merkt zunehmend, wie sehr ihr eine einfache, echte Nähe fehlt.

Dann gibt es noch ein anderes Hauptthema in ihrem Leben. Seit drei Monaten denkt sie fast ununterbrochen an einen vorgezogenen Ruhestand, erschöpft vom beruflichen Druck. Sie sehnt sich nach Ausgeglichenheit und Freiheit. Zugleich spürt sie die Unsicherheit, die dieser Schritt mit sich bringen würde.

Judith, sie ist letzte Woche 49 Jahre alt geworden. Die Trennung ist noch frisch. Sie fühlt sich etwas verloren und ist stark mit dem Aufarbeiten beschäftigt. Der Rhythmus des Arbeitslebens gibt ihr Struktur. Sie ist fest entschlossen, wieder Leichtigkeit zu finden.

Beide hoffen, dass diese Zwischenstation in Lübeck auf der Reise nach Malmö ihnen gut tut.

Vor der Bahnhofshalle streift sie ein sanfter Wind, wirbelt ihr Haar auf. Die Luft ist klar und hell.

Zu Hause, in der Rheinebene an den sanft ansteigenden Weinbergen, wo die Luft im Spätsommer süß nach reifenden Trauben duftet, hatten sie oft über diesen Zwischenstopp geschwärmt: über Wasser, Marzipan, Backstein, alte Kirchen, Geschichte und vielleicht einen Hauch Ostseeluft, der ihnen in Erinnerung bleiben würde.

Sie reisen leicht. Jede mit einem kleinen Rollkoffer und einem Rucksack. Neben dem Alltäglichen zwei Paar Tangoschuhe und luftige Kleider. Mehr brauchen sie nicht für ihr Glück.

Zwei hübsche Einzelzimmer auf der Lübecker Altstadtinsel warten bereits auf sie. Ihr Hotel in der Alfstraße zählt zu den ältesten bürgerlichen Backsteinhäusern Europas und ist ein Haus, das über achthundert Jahre Geschichte atmet und in seinem kunstvoll restaurierten Mauerwerk den Zauber vergangener Zeiten bewahrt.

Der Weg vom Bahnhof zum Hotel war in höchstens einer Viertelstunde zu Fuß zu schaffen. Sie machen sich auf den Weg. Schon nach kürzester Zeit bleiben sie stehen, überrascht, fast ehrfürchtig. Vor ihnen erhebt sich das Holstentor.

Die Sonne erhellt das dunkle Gemäuer, und die beiden Türme stehen auffallend schief, wie zum Gruß ein wenig zueinander geneigt über all die Jahrhunderte.

Judith lacht. „Weißt du noch, das war doch auf dem alten Fünfzig-Mark-Schein!“ Nora nickt. „Stimmt. Das war immer mein Lieblingsschein.“

Noch erfüllt von diesem starken Eindruck durchschreiten sie das Tor, ziehen ihre Rollkoffer die dahinterliegenden Stufen hinauf und gehen anschließend entlang der Trave zur Alfstraße, wo sie schnell ankommen.

Beim Betreten des Hotels sind sie sofort fasziniert von der Atmosphäre eines Hauses, das Jahrhunderte Geschichte trägt. Drinnen empfängt sie eine angenehme Kühle, wohltuend an diesem warmen Sommertag.

Nach einem freundlichen Check-in bringen sie ihre Koffer auf ihr Zimmer. Gleich danach zieht es sie in das Café im Marzipanspeicher in der Nachbarschaft. Den Tipp haben sie von der Dame am Empfang. Im Café in der ersten Etage feiern sie ihre Ankunft mit einem Stück echter Lübecker Marzipantorte und duftendem Kaffee.

Sie schauen sich angetan um: gewaltige Balken aus dem 12. Jahrhundert, dunkel, glänzend und voller Geschichte. Judith fragt sich, wie hier einst die Säcke mit Mandeln und Zucker lagerten und wie das Licht der alten Öllampen auf das Holz fiel.

Nora merkt, wie sie selbst ruhiger wird, und auch Judith wirkt entspannt. Lübeck empfängt sie freundlich. Sie sind froh, dass sie sich hier eine kleine Verschnaufspause gönnen.

Die Zeit vergeht bei Kaffee und Gespräch wie im Flug. Was machen wir jetzt? Judith holt ihren Reiseführer aus dem kleinen Rucksack und blättert.

Darin entdeckt sie Angebote für Bootsrundfahrten um die Altstadtinsel. Jetzt aufs Wasser, das klingt gut für beide. Nicht weit vom Café starten Boote an der Obertrave, sogar mit Liveansagen. Sie freuen sich auf diesen kleinen, überraschenden Bootsausflug.

Auf dem Wasser

Also machen sie sich auf den Weg. Sie gehen etwas schneller, da sie nicht wissen, wann das nächste Boot ablegt. Sie kommen wieder am Holstentor vorbei, werfen ihm einen flüchtigen Blick zu und erreichen nach den belebten Terrassen der Lokale voller Gäste schon den Anleger.

Keine Warteschlange, keine Hektik. Nach einem kurzen Austausch am Kartenhäuschen halten sie zwei Tickets in der Hand. Der Ausflug in Lübeck kann beginnen.

Der Motor der alten Barkasse brummt leise. Das Rufen einer Möwe, die auf einer Laterne sitzt, und das Schlagen kleiner Wellen mischen sich darunter. Der Geruch von Wasser und etwas Diesel liegt in der Luft.

Beim Einsteigen gibt das Boot leicht nach. Nora verliert kurz das Gleichgewicht, fasst Judiths Arm und hält inne. Leise sagt sie, eher zu sich selbst: „Ja, so fühlt sich mein Leben gerade an.“