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Gibt es die versunkene Stadt im Hudelmoos?
Und gibt es einen Schatz?
Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.
Das E-Book Der Schatz der versunkenen Stadt wird angeboten von BoD - Books on Demand und wurde mit folgenden Begriffen kategorisiert:
Jahr 1830,Historie,Landjäger/Gendarm,Verfolgung,Kanton St. Gallen
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Seitenzahl: 92
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Erläuterung
Vorwort
Muolen
Der Landjäger und der Ammann
Das Sternen
Ammerschwiil
Uttwil
Flucht und Verfolgung
Das Fürstenland
Der Diplomat
Epilog
Begriffserklärungen
Quellenverzeichnis
Die Personen und Handlungen des Buches sind zum großen Teil erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder verstorbenen Personen wären rein zufällig oder im entferntesten Sinne, des Ablaufes geschuldet, gewollt. Orts- und Geschichtsbegriffe sind jedoch real.
Wie viele Geschichten fangen damit an, dass man über bestimmte Wörter, welche einem ins Auge fallen, stolpert.
Und diese sich in der Fantasie zu einer ganzen Geschichte entwickeln. Wenn sich dann historische Ereignisse in die Geschichte einpassen, beginnt es lebendig zu werden.
Ich wünsche dem geneigten Leser viel Spaß und Spannung bei der Begleitung des Protagonisten.
Iven Zakrzewski
Es ist ein schöner Tag im Frühling 1830 in der alten Landschaft, wie die Älteren noch sagen würden. Vergessen sind vielfach die dunklen Tage und dennoch gibt es immer noch die Erinnerung an das Jahr ohne Sommer. Viele der Bauern hatten in dieser Zeit den Wechsel von der Felderwirtschaft zur Viehwirtschaft und den Obstanbau vollzogen. Und damit waren sie nicht mehr ganz so auf das Wetter angewiesen. Auch wurde es ihnen dadurch erleichtert, dass sie nicht mehr durch die Fürstäbte von St. Gallen regiert wurden.
Nun hier in Muolen, einem Bauerndorf im ehemaligem Fürstenland, war die Aufsichtspflicht der Vertreter des Abtes weit weg, sodass in der Vielzahl die Entscheidungen selbst getroffen wurden. Selbst dann, als es die großen Umwälzungen gab, als die Französische Armee einmarschierte und eine neue Ordnung mit Verwaltung einrichtete. Nachdem die Herrschaft des Fürstabtes Pankraz Vorster beendet und er selbst abgesetzt wurde. Seit diesem Zeitpunkt wurden die Gebiete zusammengestellt und erhielten ein neues Gesicht. Diese Gebiete erhielten nun neue Namen. So wurde aus den ehemaligen Gebieten Fürstenland (alte Landschaft), Grafschaft Toggenburg, das Appenzell (Außer- und Innenhoden), sowie die Herrschaft Rheintal der neue Kanton Säntis. Dieser hielt jedoch nach politischem Druck nicht lange stand. So wurden Appenzell Außenhoden und Appenzell Innerrhoden ausgegliedert und seit 1803 existierte nun der Kanton St. Gallen.
Die Bauern mussten nun für ihr Land Pacht bezahlen, waren aber dafür freie Bürger. Allerdings betraf dies nicht alle Bereiche denn, sie durften kein Holz zu Heizzwecken im Wald schlagen. Das war dem Vorrecht des Kantons St. Gallen vorbehalten. Immerhin wurde ihnen weiterhin, wie seit langer Zeit, erlaubt Torf zu stechen und diesen als Brennmittel zu verwenden. Das Torfstechen fand jeden Sommer im Hudelmoos statt. Wobei es nur denen erlaubt war, die das Ofenrecht besaßen (die also ansässig waren).
Nachdem sie das Vieh auf die Weide gebracht und Vorbereitungen für das Mähen unter ihren Streuobst-wiesen getroffen hatten, saßen Helene und Kurt Widmer bei ihrem Frühstück. Es war immer noch früher Morgen. Und so war es nicht verwunderlich, dass ihr Sohn Paul erst vor einer halben Stunde das Haus in Richtung Schule verließ. In dieser Stunde, die das Ehepaar immer wieder genoss wurden auch die alltäglichen Dinge besprochen. Und das betraf nicht nur die anstehende Arbeit sondern auch das Leben im Dorf und dem Umkreis herum. Ebenso kam die Politik und die Predigt des Pfarrers dabei nicht zu kurz. Selbst wenn sie sich nicht als die gläubigsten Menschen im Ort bezeichneten, so war es ihnen doch ein Anliegen den regemäßigen Kirchgang zu pflegen. Und ebenso die Festtage einzuhalten.
Und obwohl sie katholisch waren und auch ihr Sohn in der Kapelle des Ortes getauft wurde, waren sie doch offen die Glaubensauffassung der Evangelischen zu akzeptieren. Allerdings waren Sie mit ihrem Pfarrer aus Hagenwil, Severin Zweifel, sehr zufrieden obwohl sie noch keinen eigenen Pfarrer hatten. Aber Pfarrer Zweifel konnte eben sehr lebendig predigen. Helene fand schon immer, dass der Pfarrer viel wusste und scheinbar jeden kannte. Und doch musste sie sich nun darüber auslassen, was Pfarrer Zweifel am gestrigen Sonntag gepredigt hatte.
„Ich finde es ja gut was der Pfarrer über Hoffnung und Zusammenhalt gesagt hat. Aber was hältst Du von seiner Ansicht, dass er es besser finden würde, wenn wieder ein Fürstabt an der Regierung wäre?"
„Hmm", meinte daraufhin Kurt.
Wenn es darauf ankam, konnte er recht gesprächig sein. Wenn es ihm allerdings nicht so wichtig erschien, oder er sich nicht zu einer Sache äußern wollte, konnte er auch sehr wortkarg werden. Aber er wusste auch, wenn Helene eine Antwort haben wollte, konnte sie sehr unnachgiebig werden, bis sie ein Resultat hatte. Wie auch immer das aussah.
„Meinst du es wäre besser?"
„Hmm! - Eigentlich nicht. Selbst wenn ich mit dem, was jetzt geschieht, auch nicht ganz zufrieden bin. Aber unser Ammann kann eben auch nicht alles recht machen, was an Vorschriften von der Regierung verordnet wird.
Und wenn du den Älteren zuhörst, als sie noch Leibeigene gewesen sind, kann ich nur den Schluss daraus ziehen, dass man diese Zeiten besser auf sich ruhen und nicht wieder hervor kommen lassen sollte.... Aber eine andere Sache.
Hast du vielleicht davon gehört, dass in Ammerschwiil ein Viehmarkt eingerichtet werden sollte?"
„Ja denk dir, nach der Messe hab ich mit Frau Täschler gesprochen. Sie hat Verwandtschaft dort. Und Sie meinte, nach dem was sie mitbekommen hat, dass man sich noch nicht darüber einig ist, welchen Platz man nehmen wolle und wie groß der Markt werden soll. Am meisten sollen sie sich jedoch an die Köpfe genommen haben, als es darum ging, wer für die anfallenden Kosten aufkommen soll und mit wieviel. Aber sie ist sich sicher, dass der Viehmarkt kommen wird."
Und während sie sich noch über die gestiegenen Preise und der vielen Münzen, die aus den Kantonen noch im Umlauf sind, unterhielten, klopfte es an der Tür. Für diese Zeit war es ungewöhnlich, dass jemand an die Tür klopft.
Waren die meisten doch auf dem Feld, in der Schule, oder an ihren jeweiligen Arbeitsstellen.
Helene ging zur Tür und öffnete. Vor ihr stand ein drahtiger Mann, der sie um eineinhalb Köpfe überragte und leicht dunkles, schütteres Haar besaß. Vom Aussehen her hatte er einen Kleidungs-stil der eher, für die Verhältnisse hier, als modern bezeichnet werden kann. Auch wenn es ihr schwerfiel das Alter einzuschätzen, hätte sie sich darauf fest-gelegt, dass er zwischen 20 und 30 Jahre alt sein könnte. Aber sie wurde das Gefühl nicht los, dass der Mann vor ihr schon viel erlebt haben musste.
„Sind sie Frau Widmer?" Begann er.
„Ja die bin ich. Und was wollen sie?"
„Der Wirt vom ‘Sternen’ Berthold, hat mich zu ihnen geschickt. Und ich soll einen schönen Gruß ausrichten; sie würden in der Angelegenheit Bescheid wissen. Dabei hat er noch so hämisch gegrinst."
„Dabei meint er sicherlich meinen Mann. Ich hol ihn schnell."
Und schon war Helene verschwunden.
Der Mann stand immer noch vor der Tür, als Kurt Widmer den Flur zur Haustür entgegenkam.
„Meine Frau sagte mir, der Berthold hat sie zu mir geschickt, weil ich helfen könnte?!"
Entgegnete Kurt Widmer dem Mann mit festem Ausdruck.
„Nun ja, Berthold äh der Herr Fürthaler meinte es jedenfalls", sagte der Fremde.
„Und worum handelt es sich?" Fragte Kurt.
Jetzt druckste der Mann noch mehr herum, als ob es ihm peinlich wäre, die Bitte auszusprechen.
„Ich äh wurde geschickt, um etwas heraus zu finden. Und dabei geht es um die versunkene Stadt im Hudelmoos. Ich hab zwar meinem Auftraggeber gesagt, wenn diese versunken ist, soll man nicht versuchen sie wieder hoch zu holen.
Schon gar nicht wenn es um ein Moor gehen würde. Er hat mich trotzdem gebeten und dies mit ausreichend Kleingeld bekräftigt. Jetzt bin ich also hier, mit der Bitte, ob sie mir in dieser Angelegenheit helfen könnten."
„Tja jetzt weiß ich, warum der Berthold so gegrinst hat, wie sie sagen. Aber das besprechen wir besser nicht zwischen Tür und Angel sondern in der Stube", meinte Kurt.
Die Stube war nicht groß aber auch nicht klein und hatte einen Kachelofen der, wie es Tradition war, durch die Wand gebaut schien. Um diesen Teil des Kachelofens in der Stube lief eine Bank auf die man sich in kalten Tagen setzen konnte. Auf der anderen Seite der Wand war die Küche. Und hier wurde der Ofen als Herd oder zum Warmhalten von Speisen genutzt. Die Fenster waren jetzt leicht geöffnet, da dieser Tag freundlich und warm zu werden schien. Um einen massiven Tisch waren Stühle und an der Wand wo die Fenster waren, lief eine Eckbank. „Setzen sie sich doch. Viel kann ich ihnen nicht anbieten aber, für einen Kaffee reicht es dennoch", erklärte Kurt.
„Ein Glas Wasser reicht aus", erwiderte der Fremde.
„Helene kannst mir auch ein Glas bringen", ergänzte Kurt. „Sie möchten also etwas über 'Die Versunkene Stadt' wissen. Hier erstmal die Erklärung, warum Berthold so gegrinst hat: Viele halten die Geschichte um die versunkene Stadt für eine Sage, ein Märchen, was passieren kann, wenn man sich nicht ordentlich verhält. Eigentlich ist es kurz erzählt:
Es soll eine sehr schöne Stadt gegeben haben, die im Wald, wo jetzt das Hudelmoos ist, gestanden haben soll. Die Bewohner aber sollen sich nicht um das Gute gekümmert sondern offensichtlich gesündigt haben. Man sagt sich, dass die Stadt nach einer Sturmnacht nicht mehr aufzufinden gewesen sei. Nur zwischendrin, wenn man sich im Moor befindet und ruhig ist, soll man eine Glocke hören.
Einige schwören, dass sie diese Glocke gehört hätten, als sie in den Hudelmooswald gegangen sind.
Und das kommt häufiger vor, dass Menschen aus den umliegenden Ortschaften zum Moos gehen.
Dort wird nämlich im Sommer Torf zu Heizzwecken abgebaut. Aber bis jetzt hat man nicht ein Stein gesehen oder gefunden, dass diese Geschichte sich als wahr herausstellen könnte. Ich für mein Teil halte sie für ein Stückweit für wahr. Es muss irgendetwas gegeben haben. Sonst würde es ja nicht erwähnt werden."
„Und meinen sie ich könnte mir die Stelle mal ansehen?" Kam die Frage des Unbekannten.
Kurt meinte darauf hin: „Das ist sicher möglich.
Aber an ihrer Stelle würde ich da nicht allein hineingehen. Zumal sie mit den Begebenheiten vor Ort nicht vertraut sind."
„Und wer könnte mit mir da hineingehen?" Ergänzte er die Frage weiter. Kurt und Helene hielten kurz Augenkontakt bis Helene unmerklich nickte. Deshalb sagte Kurt: „Sie haben Glück, ich wäre sowieso in den nächsten Tagen hineingegangen um mir die Stelle des nächsten Abbaus anzuschauen, welche mir zugelost wurde. Sie müssen wissen, abbauen darf nur derjenige, der das Ofenrecht besitzt. Und das wird durch die Ammänner der Dörfer ausgehandelt.......
Wenn sie also mitkommen wollen, werden wir uns gleich auf den Weg machen. Sehr weit ist es ja nicht: ungefähr eine halbe Stunde."
„Wenn ich das dürfte, wäre es nett von ihnen mich mitzunehmen."
Und kurzer Hand befanden sie sich auf dem Weg zum Hudelmoos. Auf ihrem Weg kamen sie durch den Weiler Hueg. Hier lebte noch ein Teil der adligen Familie von Angehm. In der Vergangenheit hatten diese sogar ein Fürstabt gestellt, welcher sich im Gegensatz zu anderen doch mehr um sein Volk kümmerte. Nun standen sie am Waldrand. Und Kurt schien es unerlässlich zu sagen: „Die ersten 200m kann man noch neben einander gehen. Dann möchte ich sie bitten für eine Strecke hinter mir zu gehen, weil die Ränder des Weges etwas nachgeben." Kurz darauf waren sie an ihrem Ziel angekommen.
„Jetzt stehen wir in dem großen Gebiet, an dem auch die sogenannten Stöffeli gemacht und zum
